Borazit 63 Borsäure Borazit, ein im Staßfurter Abraumsalze (s. d.) I vorkommendes Doppelsalz von Chlormagnesium und Magnesiumborat, dient zur Darstellung von Borsäure. Der kristallisierte Borazit hat die Zusammensetzung 2Mg 3 B 8 0 15 -|- MgCl ä . Bordeaux, ein zur Gruppe der Azofarbstoffe gehöriger roter Teerfarbstoff, der durch Ein wirkung von Betanaphtoldisulfosäure auf Di- azonaphtylamin erhalten wird, findet sich in zwei Arten, Bordeaux G und R. Die erstere besteht aus alphanaphtalinazobetanaph- tol-B-disulfosaurem Natron, die andere aus demselben Salz der betreffenden A-disulfo- säure. Man erhält beide als dunkelrote Pulver, die in Wasser mit tiefroter Farbe, G etwas ins Gelbliche ziehend, R zum Violett neigend, lös lich sind. Die Lösungen werden durch schwä chere Säuren nicht verändert. B. wird zum Fär ben von Wolle, zuweilen auch als Weinfarbe benutzt. Als Bordeaux G wird auch ein Dis azofarbstoff aus Amidoazotoluolsulfosäure und Naphtolsulfosäure bezeichnet. Bordeauxweine, Weine aus dem westlichen Frankreich, namentlich aus der Umgegend von Bordeaux, gehören zu den bekanntesten und be liebtesten französischen roten Weinen, während weiße weniger gebaut werden. Infolge der Ver wüstungen durch die Reblaus ist die Produktion dieser Weine sehr zurückgegangen, so daß man sie nur noch selten echt bekommt, besonders seit dem große Mengen griechischen und italieni schen Weines zum Verschnitt eingeführt werden. Bie feinsten roten Sorten der B. sind: Latour, Lafitte, Larose, Chäteau Margaux und Chateau Leoville, dann folgen Rauzan, Beychevelle, d’Yssau, Lascombe, St. Ju lien, Palmer Margaux, Chäteau Ponjeaux, Cantenac, St.Emilion, St.Estbphe, Pouil- la-c, Pontet-Canet, Medoc, Listrac und andere. Geringwertigere heißen Demimarque- Weine. Von weißem B. sind zu erwähnen: Baut-Sauterne,Barsac,Preignac,Serons, Braves und Hautes Gaiilac. — Man bezieht meist auf dem Seewege über Hamburg in Fässern. Bordelaiser Brühe, das wichtigste Mittel zur Bekämpfung der Reblaus, wird durch Ver aschung von Kupfervitriollösung mit gelösch- te m Kalk hergestellt. Boretsch (lat. Herba boraginis, frz. Feuilles de borage, engl. Borage-leaves), die eirunden, jjauhhaarigen, grauen Blätter von Borago of- inalis, werden selten in der Medizin, haupt- s achlich in der Küche verwendet. Borneol (Borny lalkohol, Borneokamp- er , Kamphol), eine Kampferart, die von dem duf Borneo und Sumatra heimischen Baume r yobalanops Camphora, neuerdings aber juch künstlich durch Reduktion von Laurineen- «ampfer und aus Terpentinöl gewonnen wird, 1 weiße Kristalle von kampferartigem Ge- dch, die bei 203 0 schmelzen, bei 212 0 sieden n d zu Parfümeriezwecken Anwendung finden. st^? rneo,a . zetat (Bornylazetat), der Riech- °tf der Fichtennadelöle, kann künstlich durch ehandlung von Borneol mit Eisessig dargestellt lö r 6tl a * s e ' n farbloses, in Alkohol und Äther osüches Kristallpulver vom Schmelzpunkte 29 0 , das zur Darstellung von künstlichem Fichten nadelöl benutzt wird. Borny val, eine nach Baldrian riechende, wasser helle Flüssigkeit, der Isovaleriansäureester des Borneols, dient als Ersatz für Baldrianwurzel zu medizinischen Zwecken. Borol, ein neues Antiseptikum und Konser vierungsmittel, welches durch Zusammenschmel zen von Borsäure mit Natriumbisulfat erhalten wird, farblose, glasige Stücke, welche sich in 5 Teilen Wasser zu einer sauer schmeckenden Flüssigkeit lösen. Borsäure (Boraxsäure, Bortrioxyd, Se dativsalz, lat. Acidum boricum, Sal Sedativum, frz. Acide borique, engl. Boracic acid), eine Sauerstoff säure des Bors, kommt in der Natur sowohl in freiem Zustande als auch in der Form ihrer Salze, jedoch nur spärlich verbreitet, vor. In freiem Zustande findet sie sich als triklines, meist in kleinen Schüppchen oder in fasriger Form auftretendes Mineral (Sassolin), welches sich besonders an Kraterwänden, z. B. auf der Insel Volcano, zeigt, sowie in den Dämpfen (Suffionen), welche aus natürlichen Klüften oder künstlichen Bohrlöchern des toskanischen Kalkgebirges aufsteigen. Man gewinnt sie, in dem man die Dämpfe in mit Wasser gefüllte Bassins leitet und die zunächst erhaltene, sehr unreine B. durch Umkristallisieren reinigt. In der Form ihrer Salze kommt die Borsäure in Verbindung mit verschiedenen Basen vor, be sonders mit Natrium (Borax, Tinkal), mitNa- trium und Kalk (Boronatrokalzit) und mit Magnesia (Borazit, Staßfurtit). Aus Boro natrokalzit wird im großen durch Zersetzen mit roher Salpetersäure unreine Borsäure gewonnen. Chemisch reine Borsäure wird aus reinem Borax hergestellt. Die gewöhnliche im Handel vor kommende Säure ist eine normale, dreibasische Sauerstoffsäure Ortho-B., , H 8 B0 3 , und wird daher auch als Borsäurehydrat bezeichnet. Beim Erhitzen der trockenen Substanz bildet sich zu nächst bei ioo° unterWasseraustritt Metabor säure, HBO s , dann bei 140—160 0 Tetra- oder Pyroborsäure, H 2 B 4 0 7 , schließlich bei Glüh hitze Borsäure-Anhydrid, B 2 0 3 , welches im Gegensatz zu der mit Wasserdämpfen flüchti gen Borsäure beständig ist. Die Borsäure bildet kleine, weiße, schwach glänzende, sich fettig anfühlende Kristallschüppchen von schwach bit terem Geschmack, die sich in Wasser nur wenig lösen. Die Lösung reagiert gegen Lackmus und Phenolphtalein sauer und erzeugt auf Kurkuma papier einen braunen Fleck, der aber im Gegen satz zu der durch Alkalien hervorgerufenen Bräu nung durch Alkalien blauschwarz gefärbt wird. Der Flamme des Alkohols, in dem B. nur in kleiner Menge löslich ist, verleiht sie eine intensiv grüne Farbe. Auf der Erscheinung, daß eine gegen Phe nolphtalein neutralisierte wäßrige Lösung von B. nach Zusatz von Glyzerin wieder sauer reagiert, beruht eine einfache quantitative Bestimmung. B. findet ausgedehnte Anwendung zur Herstel lung von Glasuren und Emaillen, zum Tränken von Kerzendochten sowie in der Pharmazie. Hingegen ist der früher von Amerika über nommene Gebrauch zum Konservieren von Fleisch und tierischem Fett durch das Reichs gesetz betreffend Schlachtvieh- und Fleisch