Chinarinde 78 Chinawurzel io.° n. Br. und dem 22. 0 s. Br. gelegene Ceja de Ja montana, d. h, Augenbraue des Gebirges ge nannte Streifen der Kordilleren, wo sie in Höhen von 1600—2400 m, bisweilen auch noch bis 3400 m, Vorkommen, während die unterste Grenze bei 1200 m, weiter vom Äquator entfernt bei 800 m liegt. Das Einsammeln der Rinden geschieht durch die Kaskarilleros, indem diese die Bäume nach Entfernung der Schlingpflanzen fällen und die abgelöste Rinde zur Verhinderung des Schimmeins sofort an der Sonne oder über gelindem Feuer trocknen. Hierauf werden die Rinden in Bündel gepackt, nach den Magazinen der Hafenplätze gebracht, sortiert und in Ballen vereinigt. Durch diesen Raubbau sind die wert vollen Zinchoneen naturgemäß seltener gewor den, und man ist zum planmäßigen Anbau über gegangen. Bolivia und Kolumbien besitzen seit 30 Jahren ausgedehnte Zinchoneen-Pflanzungen, und auch in Guatemala und auf Jamaika finden sich größere Kulturen. Von größter Bedeutung sind jedoch die Anpflanzungen der Holländer auf Java und der Engländer in Ostindien (Zeylon), die hauptsächlich für den Handel in Betracht kommen. In Indien werden die Rinden auf vier verschiedene Methoden gewonnen: 1. Mes sing. Man schält Streifen der Rinde vom Baum, läßt aber andere dazwischen liegende Streifen unversehrt stehen und verbindet die Wunden mit Moos. 2. Schaven. Die Rinde wird in kleinen Stücken abgeschabt, wobei das Kambium geschont wird. 3. Uprooting. Der ganze Baum wird ausgerodet. 4. Coppicing. Der Baum wird gefällt und entrindet, aus dem Stumpf entwickeln sich Schößlinge. — Die für den direkten Ge brauch bestimmten sog. Drogistenrinden kommen in Form langer Röhren und in Kisten verpackt nach Europa, während die zur Chininherstellung dienenden „Fabrikrinden“ in Ballen zusammen gestampft sind. Alle Chinarinden werden nach dem Alkaloidgehalt gehandelt. Auf jedem Mu ster findet sich der Prozentgehalt an Chinin sulfat und Totalalkaloid verzeichnet. Die echten Chinarinden zeigen nach dem Schälen eine be merkenswerte Farbenänderung und verändern ihre anfangs helle Farbe in ein mehr oder we niger ausgeprägtes Rostbraun. Sie bilden ent weder Platten (Stammrinden) oder Röhren (Ast rinden), von denen letztere stets die dünne Korkschicht, darunter die Außenrinde und schließ lich die aus Bast bestehende Innenrinde zeigen. Die Stammrinden sind entweder mit einer dunk len Korkschicht bedeckt oder unbedeckt und bestehen dann nur aus der Außen- und Innen rinde oder aus letzterer allein. Die eigentümlich geformten kurzen Bastfasern ermöglichen die Unterscheidung von den sog. falschen Ch., zu denen besonders die Ladenb'ergia-, Kaskarilla- und Remigia-Arten gehören. Auch fehlt letzteren (mit Ausnahme der Cuprea und der China von Para) Chinin und Zinchonin, und sie haben infolge dessen nicht den stark bitteren Geschmack der echten Rinde, sondern schmecken widerlich. Die wichtigsten Bestandteile der echten Chinarinden sind die China-Alkaloide (s. d.). Außerdem ent halten sie Chinasäure, Chinagerbsäure, welche Chinarot liefert, und Chinovagerbsäure. Die auf dem Gehalt an Chinin und Zinchonin beruhende Grahesche Reaktion, durch welche man leicht echte Rinden von falschen unterscheiden kann, wird in der Weise ausgeführt, daß man etwas gepulverte Substanz im Reagensglase erwärmt, worauf sich bei echten R. ein roter Teer am oberen Teile des Glases ansammelt. An Handels- I Sorten unterscheidet man zwischen Fabrikrin den, welche direkt in die Chininfabriken wan dern, und Medizinal- oder Drogistenrinden (Druggist quills), die aus den ansehnlichsten Stücken der Droge bestehen. Nach der Farbe werden die Chinarinden auch heute noch in drei Gruppen eingeteilt, in gelbe, braune und rote Rinden. Die gelben Chinarinden (lat. Cortices chinae flavi) von hellzimtbrauner Farbe, be stehen vorwiegend aus der Innenrinde und haben grobfaserigen oder splitterigen Bau. Zu ihnen gehört die Königs-China (China calisaya, Ch. regia), die früher am meisten geschätzte Rinde von Cinchona Calisaya, die in vielen Arzneibüchern zu finden ist und entweder Röh ren mit spröder, tiefrissiger, brauner Borke, oder flache von Borke befreite Stücke mit den noch sichtbaren Borkengruben darstellt. Die braune oder graue Chinarinde (lat. Cortices chinae fusci, grisei, officinales) findet sich in gänse federkiel- bis fingerstarken, einfach oder doppelt gerollten Röhren, deren Oberfläche graubraun ist, während die Mittel- und Innenrinde braun gefärbt erscheint. Ihre hauptsächlichsten Sorten sind die Huanokochina von C. micrantha, sube- rosa usw. aus Peru und die Loxa- oder Lojachina von C. uritusinga, purpurea usw. aus Ekuador. Während die gelben Chinarinden vorwiegend Chinin enthalten, sind die braunen Rinden reich an Zinchonin. Die roten Chinarinden (lat. Cortices chinae rubri) haben rotbraun gefärbte Mittel- und Innenrinde und bestehen entweder aus den flachen mit Borke bedeckten Stücken der Stämme und dickeren Äste (südamerikanische R.), oder den röhrenartigen Rinden dünnerer Äste (Kulturrinden aus Java und Ostindien). Die südamerikanischen roten Chinarinden stehen in folge ihres geringen Alkaloidgehaltes (2—3 0/0) an Bedeutung den roten Kultur-Chinarinden (5 bis 8 0/0) nach. Von allen Ch. haben gegenwärtig für den Handel die Kultur-Ch. Ledgeriana und die Ch. succirubrä die größte Bedeutung. Letztere ist auch die vom deutschen Arzneibuche allein vorgeschriebene Sorte. Java exportiert weitaus die meiste Ch., so im Jahre 1905 7699500 kg. Der erste Handelsplatz für China ist Amsterdam, der zweite London, der dritte Hamburg. Die Ch. dienen in der Hauptsache zur Herstellung des Chinins (s. d.). In der Medizin finden sie An wendung als Dekokt sowie zur Darstellung ver schiedener pharmazeutischer Präparate, wie Chinaextrakt, Chinatinktur und Chinawein. Chinasilber, in Form von Tafelgeschirren, be steht aus Neusilber, das auf galvanischem Wege gut versilbert ist; vgl. Argentan. Chinawurzel (Chinaknollen. Pockenwur zel. lat. Rhizoma chinae, frz. Racine de squine, engl. China root) stammt nicht von Chkmbäumen, sondern von einer in China und Japan hei mischen Stechwinde, Smilax China. Eine in Südamerika wachsende Verwandte, Smilax pseudochina, liefert hellere und leichtere Wurzelknollen, die unter der asiatischen Ware mit verkommen, aber geringer geschätzt werden.