Diamalt 87 Diamant Diamalt, eine zur Beschleunigung des Back prozesses angepriesene Zubereitung österreichi schen Ursprungs, besteht aus dem eingedickten ■Extrakt von Grünmalz und wirkt durch seinen Gehalt an Diastase. Diamant (Demant, lat. Adamas, frz. Diamant, engl. Diamond), der wertvollste all§r Edelsteine, besteht in chemischer Hinsicht aus reinem Kohlen stoff, welcher durch besondere, nicht näher be kannte Einflüsse in Kristallform übergeführt wor den ist. Er kristallisiert im regulären System, und zwar meist in Form von Oktaedern, Wür feln, Rhombendodekaedern und 48-Flächnern, Von denen die letzteren infolge ihrer gekrümm ten Flächen und Kanten meist Kugelform zeigen. Die meisten rohen D. sind äußerlich mit einer rauhen trüben Rinde umkleidet und verraten nichts von ihrer Schönheit, die erst durch das Schleifen offenbart wird. Die Härte übertrifft diejenige aller anderen Körper (Härtegrad 10), so daß er nur in seinem eigenen Pulver ge schliffen werden kann, doch ermöglicht die leichte Spaltbarkeit nach den Oktaederflächen seine Bearbeitung, und seine Sprödigkeit die Herstellung eines feinen Pulvers. Der D. tritt farblos oder in verschiedenen Farben auf, ist stark lichtbrechend und glänzend (Diamant glanz). Als reiner Kohlenstoff verbrennt er im Sauerstoff bei 700—800° unter Hinterlassung einer Spur Asche. Hingegen kann er unter einer Decke von Borsäure oder Borax mit der Gasflamme geglüht werden, ohne Schaden zu leiden. Nachdem die am längsten bekannten Fundorte in Ostindien in Golkonda und auf Borneo ziemlich erschöpft sind, kommen für die Lieferung der Diamanten fast nur noch Bra silien, Südafrika und Westaustralien in Frage. In Brasilien, wo die D. 1725 entdeckt wurden, finden sie sich bei Diamantina in der Provinz Matto grosso, in den Flußbetten des Rio Diaman- tino, Rio Ouro, Rio Paraguay sowie in den Provinzen Minas-Geraes, Bahia, Goyaz und Cu- yaba in Schwemmland, Sand und Gerolle, ferner an sekundärer Lagerstätte in einer durch Braun eisen verkitteten Quarzbreceie (Cascalho) und eingesprengt in dem eigentümlichen biegsamen Sandstein, dem Itakolumit, der zur huronischen Schieferformation gehört und daher als das Mutter gestein des D. angesehen wird, fn Südafrika finden sich die D. teils im Alluvium der Tal sohlen, teils in einem durch Eisenerze verkitte- len Kieselkonglomerat, dem sog. Blue ground, Welcher trichterförmige Einsenkungen ausfüllt. Hie hauptsächlich in Transvaal gefundenen Kap- diamanten sind in der Regel farblos und durchsichtig, seltener gefärbt. Ihnen ähnlich sind die in Deutsch-Südwest gefundenen D., auf die unser Kolonialamt so stolz war. Gelblich schimmernde Stücke werden weniger geschätzt als völlig farblose, hingegen stehen die sehr sel tnen blauen und grünen hoch im Preise. D. Jhit ungleichmäßiger Färbung und Durchsichtig keit, mit trüben oder rostfarbenen Stellen, Flelc- " e n, Punkten, Adern und Wolken sind zu Schmucksachen untauglich und bilden nebst den ^ kleinen Stücken den Ausschuß, der zu Glaserdiamanten, Zapfenlagern für Uhren und ■Kompasse sowie gepulvert als Schleifmittel ver wandt wird. Die Glaserdiamanten werden zw eckmäßig aus kleinen Steinen (Kugelport) mit natürlichen Kanten hergestellt, weil diese besser schneiden als D.-Splitter. Hingegen ver wendet man zum Gravieren auf Glas, Metalle oder lithographischem Stein dreiflächig zugespitzte Splitter, die in Griffel gefaßt werden. Für alle diese technischen Verwendungen, insbesondere auch zur Herstellung von Drehstählen für Gra nit, Porphyr, Glas, Stahl und Gußei.en sowie von Kränzen an Bohrmaschinen findet hauptsäch lich der durch amorphen Kohlenstoff gefärbte Schwarze Diamant der Provinz Bahia (Car- bonates) Anwendung. — Die rohen Diamanten haben meist eine rauhe, wenig durchsichtige Rinde von bleigrauer oder grünlicher Farbe. Die letztere wird lieber gesehen, weil sie in der Regel die reinste Masse umschließt. ^ Die Be urteilung roher Steine erfordert große Erfahrung, da neben der Reinheit auch die Form, von der die Größe des Abfalls abhängt, in Frage kommt. Die meisten Steine verlieren durch die Bearbei tung Vs—1/2 ihrer Masse. Die durch Unreinheiten bewirkten Fehler bezeichnen die Juweliere ent weder als Federn, Sprisselchen, schwarze und braune Flecke, matte weiße Tupfen und regen artige Streifen, Nach der Reinheit unterscheidet man drei Klassen: D. vom reinsten Wasser, vollkommen klare, färb- und fehlerlose, aber meist kleine Steine, D. vom zweiten Wasser, klar, aber mit kleinen Fehlern, und D. vom drit ten Wasser. Steine von ungewöhnlicher Schön heit heißen Solitairs, Paragons oder Noti- pareils. — Die Preise richten sich nach der Größe, Form und Reinheit. Ein schön geschliffe ner Brillant von I Karat hat einen Wert von etwa 300 M., der bis zu >5 Karat ungefähr dem Ge wichte entsprechend, darüber hinaus aber sprung haft ins Ungemessene ansteigt. — Die Diamant schleiferei, durch welche erst die wertvollen Eigenschaften des D., Klarheit, Glanz und Far benspiel hervorgebracht werden, hatte früher ihren Sitz ausschließlich in Amsterdam und Ant werpen, wird jetzt aber auch in Hanau und Hamburg betrieben. Dem eigentlichen Schleifen geht das sog. Klieven, d. h. ein Abspalten grö ßerer Stücke mit Hammer und Meißel nach Zeichnung voraus. Darauf folgt das Beschnei den. ein Abreiben zweier in den Kittstock ein gesetzter Teile aus freier Hand und schließlich das eigentliche .Schleifen, Hierzu werden die Steine ebenfalls in einen Halter eingekittet und so gegen eine, rotierende, mit Öl und Diamant staub bestrichene Fläche gedrückt. Die gang barsten Formen des Schliffes sind die B rill an t- und Rosettenform. Die erstere, die das Licht- und Farbenspiel des D. am schönsten entwickelt, ist eine niedere, beiderseits abgestumpfte Doppel pyramide mit 2 oder 3 Reihen 3-, 4- oder 5 eckiger Facetten. Die Rosette besteht aus einer ein fachen Pyramide mit runder oder ovaler flacher Basis. Nachahmungen von D. wurden früher aus Bergkristall, in letzter Zeit schöner aus stark lichtbrechendem Bleiglas hergestellt, sind aber an ihrer geringeren Härte leicht zu erkennen. Weitereunterscheidungsmerkmale bestehen darin, daß ein auf den Diamanten gebrachter kleiner Wassertropfen seine Kugelform behält, auf Imi tationen aber zerläuft, und daß die Flächen des echten Steins niemals so regelmäßig geformt sind, als die Nachahmungen.