Holzbeizen 166 Holzkohle ringeren Teil aus dem Schwarzwald. — Ist man genötigt, H. im Freien liegen zu lassen, so wählt man hierzu am besten ein freiliegendes Grund stück, welches nicht von hohen Häusern um geben ist, um der Luft und den Sonnenstrahlen Zu tritt zu gestatten. Auch schützt man es am besten durch Überdachung gegen Regen und Schnee, doch so, daß’ die Luft seitlich hindurchziehen kann. Für manche Zwecke ist es nötig, das H. von seinen Saftbestandteilen zu befreien, was durch Auslaugen oder Ausdämpfen geschieht. Für andere Verwendungen, z. B. zu Wasser bauten, Telegraphenstangen, Eisenbahnschwellen, ■ wird das H. konserviert, indem man es mit Kupfervitriollösung, Chlorzinklösung, Sublimat lösung, Karbolsäure, Karbolineum usw. imprägniert. Holzbeizen sind Lösungen von Farbstoffen oder Chemikalien, welche dazu dienen, dem Holze eine andere, meist dunklere Färbung zu verleihen und auf diese Weise geringwertigen Hölzern das Aussehen teurerer zu geben. Sie bilden unter dem Namen H. für Nachahmung von Ebenholz, Nußbaum, Jakaranda, Mahagoni u. a. eine wich tige Handelsware. Neben einfachen Anilin farben benutzt man auch getrennte Lösungen von Metallsalzen und Farbstoffen, die haltbare Niederschläge (Lacke) ergeben, z. B. Blauholz mit Kaiiumdichromat, Alizarin mit Metallsalzen, Gerb stoff mit Eisenlösung, oder endlich auch einfache Chemikalien, wie Kaliumpermanganat für Braun, Vanadinsäure für Schwarz. Holzessig (Holzsäure, lat. Acetum pyro lignosum, frz. Acide ligneux, Vinaigre de bois, engl. Pyroligneous acid). Zur besseren Ausnut zung des Holzes ersetzt man die Meilervörkoh- lung mehr und mehr durch ein Verfahren der Trockendestillation, wobei neben 20—30°/» Kohle reichliche Mengen Leuchtgas entstehen, die wie der zur Heizung der Retortenöfen dienen. Das hierbei erhaltene flüssige Destillat trennt sich beim Stehen von selbst in zwei Schichten, eine untere, den Holzteer, und eine obere, den rohen Holzessig, die beide Handelswaren bil den. Der rohe H., eine braune, saure, unan genehm teerig und rauchig riechende und schmeckende Flüssigkeit, besteht neben Wasser aus Essigsäure, Holzgeist, Azeton und kleinen Mengen von Phenolen (Guajakol), die hier nur die Rolle von Verunreinigungen spielen. Die Menge der einzelnen Bestandteile ist, je nach den Holz arten, der Destillationseinrichtung und der mehr oder weniger guten Leitung der Feuerung ver schieden. Die meiste Essigsäure enthält das Destillat von Buchen- und Birkenholz. Im all gemeinen wechselt der Gehalt zwischen 5 und 9% Essigsäure.^ — Der rohe H. dient für sich als fäulniswidriges Mittel, zur Konservierung von Holz und zum Bestreichen von Fleischwaren (kalte Räucherung), ferner für Färberei- und Druckereizwecke, zur Darstellung des zu gewissen Farben erforderlichen holzessigsauren Eisens (vgl. Essigsäure) und zur Erzeugung reiner Essigsäure (s. d.). Durch Umdestillieren des rohen H. in der Weise, daß nur drei Viertel vom Ganzen ab gezogen werden, erhält man den gereinigten oder rektifizierten PL, der in der Medizin und als Desinfektionsmittel verordnet wird. Holzgeist (Methylalkohol, Methyloxyd hydrat, Karbinol, lat. Alkohol methylicus, frz. Esprit hydroxylique, Alcool methylique, engl. Pyroligneous spirit, Wood naphta, Methylated spirit) ist ein Bestandteil des Holzessigs (s. d.), aus welchem er durch wiederholte fraktionierte De stillation und weitere Reinigung fabrikmäßig ge wonnen wird. Der für gewöhnlich im Handel vorkommende PL ist stets noch etwas wasser haltig, und die geringeren Sorten enthalten auch noch andere flüchtige Beimengungen, die jedoch für manche seiner Verwendungen nicht störend sind. Man verkauft ihn wie den Spiri tus nach Prozenten Tralles, gewöhnlich 95 bis 98 0/0. — Der H., CH, 3 . OH, ist eine dem gewöhn lichen Alkohol (Äthylalkohol, Weingeistj ähnliche farblose, brennbare, sehr flüchtige Flüssigkeit von eigentümlichem geistigen Geruch und bren nendem Geschmack, die sich mit Wasser, Wein geist, Äther, Fetten und ätherischen Ölen in allen Verhältnissen mischt. Er siedet bei 65° und verbrennt mit bläulicher, nicht leuchtender Flam me. Zum Unterschiede von Äthylalkohol wird die Flamme durch Zusatz von Borax grün gefärbt, während freie Borsäure auch der Weingeist flamme eine grüne Farbe verleiht. Das spez. Gew. beträgt 0,797. Die Hauptverwendung findet der H. jetzt zur Darstellung von Jodmothyl (Methyljodür), des Äusgangsstcffes verschiede ner Anilinfarben. In England benutzt man ihn, wegen der hohen Spiritussteuer, ganz allgemein anstatt des Spiritus zum Brennen und zur Be reitung von Lacken, ferner wie auch in Deutsch land zum Denaturieren von Spiritus. Die vor übergehend zur Umgehung der Spiritussteuer früher beobachtete Einführung als Trinkbrannt- wein ist wegen der hohen Giftigkeit (Erblin- dungsgefahr), schon 8 g kühnen tödlich wPken, verboten. Das Branntweinmonopolgesetz vom 26. Juli 1918 verbietet nicht nur die Verwendung von Methylalkohol zu Nahrangs- und Genuß mitteln, sondern auch für Heil-, Vorbeugungs und Kräftigungsmittel, Riechmi.tel und Mittel zur Reinigung, Pflege oder Färbung der Haut, des Haares, der Nägel oder der Mundhöhle. Unter methylalkoholhaltigc Flüssigkeiten fallen z. B. Spritol und Spritogen. Holzkohle (lat. Carbo ligni, frz. Charbon de bois, engl. Char coal). Dieser wichtige und viel benutzte Stoff besteht aus dem größten Teile des im Plolze vorhandenen Kohlenstoffes nebst den Aschenbestandteilen des Holzes, und ent steht bei der unvollständigen Verbrennung des Holzes in Meilern oder Retorten. In letzteren ist die Ausbeute natürlich größer, da bei den Mei lern ein Teil des Holzes für die Unterhaltung des Brandes geopfert werden muß, dafür be dürfen aber die Destillationsgefäße einer mehr stündigen äußeren Feuerung. Die Destillation ergibt höchstenfalls etwa 27 °/o Kohle vom Ge wicht des lufttrockenen und 28—32 °/o des vorher stark ausgetrockneten Holzes, die Meilerverkoh lung, wenn sie sorgfältig geführt wird, etwa 20 bis 23%. Die Kohlenbrennerei, die viel Umsicht erfordert, erfolgt im allgemeinen derart, daß eine aus Scheiten aufgebaute Plolzpyramide überall, bis auf eine Öffnung an der Spitze, mit einem Mantel von Rasen und Erde umgeben und von der Mitte heraus angezündet wird. Die nötige Luft findet ihren Eingang durch Löcher, die zu unterst ringsum in den Mantel gestoßen sind, der