Knallerbsen 213 Knochenmehl schwach, parfümierte Auszug der K,, ist ein ständiger Artikel der Kosmetik geworden. Knallerbsen, kleine, mit etwas Knallsilber oder Knallquecksilber gefüllte Feuerwerkskörper, sind zür Versendung auf der Eisenbahn nur bedingt zugelassen. Sie müssen sorgfältig in Sägemehl verpackt sein, und auf dem Fracht briefe ist die von einem vereidigten Chemiker unterschriebene Bescheinigung anzubringen, welche die Ungefährlichkeit verbürgt. Knallquecksilber und Knallsilber sind die äußerst explosiblen Salze der Knallsäure, die zur Füllung der Knallerbsen Verwendung fin den. Sie entstehen bei der Auflösung von metallischem Quecksilber oder Silber mit kon zentrierter Salpetersäure und nachfolgendem Alkoholzusatz als weiße Kristailpulver, die aber nicht getrocknet werden können, sondern unter Wasser aufzubewahren sind. Eine abweichende Zusammensetzung besitzt das Knallsilber Berthollets, das durch Behandlung von Silber oxyd mit Ammoniak hergestellt wird und in trocknem Zustande schon bei Berührung mit einer Federfahne explodiert. Kneipps Mittel. Unter dieser Bezeichnung kommen verschiedene Mittel, meist pflanzlicher Herkunft, z. B. Kräuter, Wurzeln, Öle usw. in den Handel, die nach Vofschriften des verstor benen Wörrishofener Pfarrers Kneipp aus zahl reichen, z. T. schon veralteten Vegetabilien her gestellt werden. Knoblauch (lat. Radix seu bulbus allii, frz. Ail commun, engl. Garlic), die Zwiebel von Allium sativum, einer im südlichen Europa einheimischen Pflanze, welche in Deutschland vielfach angebaut wird, hat einen eigentüm lichen, sehr starken, unangenehmen Geruch und einen scharfen, etwas süßlichen Geschmack. Man verwendet sie in geringerer Menge als Zu satz zu manchen Speisen, namentlich auch bei der Bereitung der Salamiwurst, medizinisch als Klistier gegen Madenwürmer. K. muß gut ab getrocknet werden, damit er sich im Winter hält. Knoblauchöl (lat. Oleum allii aethereum, frz. Essence d’ail, engl. Oil of garlic), das äthe rische Öl des Knoblauchs, wird durch Destilla tion mit Wasserdampf als dunkelbraungelbe Flüssigkeit erhalten, welche durch Rektifikation hellgelb wird. Es hat ein spez. Gew. um 1,050, besitzt einen starken, die Augen zum Tränen reizenden Geruch und besteht atis einem Ge misch von Polysulfiden, u. a. Allylpropyldisulfid. Knochen (lat. Ossa, frz. Os, engl. Bones) fin den sowohl zur Herstellung von Gebrauchs gegenständen durch Drechsler, Schnitzer, Knopf macher (Beinarbeiter), als auch von chemi schen Präparaten vielfache Anwendung. Zu ersterem Zwecke werden die festen Röhren knochen größerer Tiere, wie Rinder, Pferde und Hirsche, zur Entfernung des Fettes mit Wasser ausgekocht, dann an den Enden ab gesägt, an der Sonne oder in Pottaschelösung gebleicht und schließlich in Stücken von 50 bis 60 cm Länge und etwa 4 kg Gewicht in den Handel gebracht. Außerdem werden noch Gänseflügelknochen und zu langen Filet nadeln auch Giraffenknochen verarbeitet. Alle sonst nicht verwertbaren Knochen und Ab fälle werden auf die in den folgenden Ab schnitten besprochenen Handelswaren usw. ver arbeitet. Sie enthalten neben rund 50 */ 0 Wasser im Durchschnitt etwa 16 0/0 Fett, 22 0/0 minera lische und 12 0/0 einer stickstoffhaltigen leim gebenden Substanz (Ossein und Kollagen). Knochenasche, weißes Spodium, auch weißgebranntes Elfenbein genannt, ent steht, wenn Knochen im offenen Feuer völlig verbrannt werden. Sie dienen dabei selbst als Heizmaterial, und nach Zerstörung der orga nischen Bestandteile hinterbleiben die MineraF Stoffe in Form harter, aber poröser weißer Stückchen. Die pulverisierte K., ein Gemisch von durchschnittlich 80—850/0 Trikalziumphos- phat, io—12 0/0 Kalziumkarbonat und geringen Mengen Magnesiumkarbonat und Kalzium fluorid, findet vielfache Anwendung als Dünge mittel, Putzpulver und Poliermittel sowie zur Herstellung von Phosphor, Phosphorsäure, Superphosphaten, Milchglas und Glasuren. Knochenkohle (Tierkohle, Beinschwarz, Spodium, gebranntes Elfenbein, lat. Carbo ossium, frz. Noir d’os, engl. Bone black) hinter bleibt beim Glühen entfetteter Knochen unter Luftabschluß in eisernen oder tönernen Retorten, während gleichzeitig gasförmige und flüssige Zersetzungsprodukte, wie Kohlenwasserstoffe, Ammoniumkarbonat, Pyridin- und Chinolinbasen sowie Pyrrol übergehen und als Knochenteer, Franzosenöl, Tieröl, Dippelsches Stink öl (s. unter Teer) kondensiert werden. Der aus den Retorten herausgenommene Rück stand, welcher bei Innehaltung der richtigen Temperatur ein mattes Schwarz zeigt, enthält neben rund 900/0 Mineralstoffen 10 0/0 Kohlen stoff in feinster Verteilung. Er wird gröblich zerkleinert und nach der Korngröße sortiert. Das abgesiebte Pulver findet zur Herstellung von Wichse und schwarzer Farbe sowie von Polierpulver für Silberarbeiter Anwendung. Die gekörnte, gut gebrannte K. hat infolge ihrer großen Porosität in noch höherem Maße als Holzkohle die Eigenschaft, zahlreiche orga nische Stoffe, besonders färbende Bestandteile, Bitterstoffe, Kalk- und andere Salze aus Flüssig keiten abzuscheiden und bildet daher ein un entbehrliches Hilfsmittel bei Reinigungs- und Klärungsprozessen, besonders in Zuckerfabriken (s. d.), Glyzerin- und Paraffinfabriken. Knochenmehl. Die Knochen bilden wegen ihres hohen Gehaltes an Stickstoff und Phos phorsäure ein vielbenutztes Düngemittel und werden zu diesem Zwecke in verschiedener Weise'verarbeitet. Durch einfaches Zerstampfen der Knochen in Stampfmühlen erhält man das rohe K., das aber wegen der ungenügenden Zerkleinerung und des hohen Fettgehaltes nur eine äußerst langsame Wirkung äußert. In neuerer Zeit wird daher ausschließlich ge-, dämpftes K. hergestellt. Die gereinigten und gröblich zerbrochenen Knochen werden zu nächst durch Extraktion mit Benzin oder durch Kochen mit Wasser entfettet und darauf in ge schlossenen Behältern mit Wasserdampf behan delt (gedämpft). Hierbei geht ein Teil der zu Leim verwandelten Knorpelsubstanz in das Wasser über, welches abgelassen wird und zur Gewinnung des Knochenleims dient. Die nach