Muschelgold 287 Muskatblüte Stickstoffverbindungen ist den Fleischern von der Verwendung des Mittels dringend abzuraten, da die Beimischung solcher, dem Normalbegriff der Wurst fremder Stoffe als Verfälschung an gesehen wird. Muschelgold (Malergold, echte Gold bronze, frz. Or en coquille, engl. Shell gold) nennt, man fein verteiltes, staubförmiges Gold, das zu Buntdrucken und in der Malerei Ver wendung findet und gewöhnlich, , mit Gummi schleim oder Honigwasser angerieben, in kleine Flußmuschelschalen gefüllt, verkauft wird. Man erhält das M. meistens durch Zerreiben der Abfälle der Goldschlägerei, seltener durch Re duktion einer Chlorgoldlösung mit Chloranti mon. Ebenso wird durch Zerreiben von Blatt silberabfällen Muschelsilber dargestellt. Als unechtes M. oder Musivgold bezeichnet man die verschiedenen Arten von Bronzen. Muscheln. Von diesen zu den Weichtieren gehörigen kopflosen, mit einer zweiklappigen Schale versehenen Tieren bilden mehrere Arten ein wertvolles Nahrungsmittel, so die Austern (s. d.), die Miesmuscheln und die eßbare Herzmuschel. Von anderen, nicht eßbaren Muscheln werden vielfach die Schalen in den Handel gebracht, und namentlich die Perl mutterschalen (s. d.) bilden eine nicht un bedeutende Handelsware. — Die Mies- oder Pfahlrauschei (Mytilus edulis) ist gewöhn lich gemeint, wenn man im Handel von Mu scheln ohne nähere Bezeichnung spricht. Man findet sie in fast allen Meeren Europas, nament lich in der Nordsee und Ostsee auf Sandbänken. In einigen Gegenden werden sie gezüchtet, indem man verzweigte Holzstämme (Muschelbäume) in den Meeresboden versenkt, so daß sie ganz vom Wasser bedeckt sind. An diese Stämme und Zweige setzen sich die Miesmuscheln an. Biese Zucht wird z. B. in der Kieler Bucht, ferner bei Esuandes in Frankreich (schon seit (fern 13. Jahrhundert), im Meerbusen von Tarent, bei Venedig usw. betrieben. Man versendet die Miesmuscheln auch, mit, Essig übergossen, in Bläser eingesetzt. M. aus unreinen Gewässern s md zuweilen giftig. Das im Kriege zur Her- Stellung von Brotaufstrich, Würsten und Sülzen V'elbenutzte Fleisch hat nach unserer Analyse mlgende Zusammensetzung: Wasser 82,2 °/o, Stick- st offsubstanz n,2°/o, Fett 1,2 °/o, Kohlenhydrate 4 ’ 0 %, Salze 1,40/0. — Von der Herzmuschel Werden zwei Arten genossen, die große oder stachelige, Card ium echinatum, namentlich a n der englischen Küste und im ganzen Nordsee- Sebiete, und die kleinere, Cardium edule, ebendaselbst und auch in der Ostsee. Über Muschelwaren siehe Perlmutter. Musivgold (unechtes Malergold) besteht aus einer Verbindung von 64,9 °/o Zinn und 3 ?’t°/o Schwefel, Doppelschwefelzinn. Zur Ver enigung der beiden Elemente gibt es verschie- ene Verfahren, die mehr oder weniger schöne Zeugnisse liefern. Man stellt z. ß. ein Amal- qP aus vier Teilen Zinn und zwei Teilen Quecksilber her und erhitzt es nach dem Ver aschen mit 2V2 Teilen Schwefel und zwei m'en Salmiak im Sandbade anfänglich schwä- v^ß., später stärker. Salmiak und Quecksilber flüchtigen sich, und das M. sammelt sich am Boden und an den Wandungen der Retorte in Form schön goldglänzender, der echten Gold bronze sehr ähnlicher Flitter an. Es wird so wohl in trockener Form zum Bronzieren, als auch zu Siegellack, in Gummi abgerieben oder in Firnis zum Malen goldähnlicher Ver zierungen verwandt. — Das Musivsilber, das in ähnlicher Weise zu falschen Versilberungen dient, ist ein Amalgam von Zinn, Wismut und Quecksilber. Drei Teile Zinn werden mit drei Teilen Wismut und Quecksilber zusammen geschmolzen. Die Legierung wird gepulvert und mit 1V2 Teilen Quecksilber verrieben, bis das Ganze zu einem silberfarbigen Pulver verbunden ist, das mit Eiweiß, Gummilösung oder Firnis zum Drucken, Malen und Schreiben benutzt wird. Man bezieht beide Waren von Nürnberg, Fürth, Augsburg und München. Muskarin. Diesen Namen führen zwei ganz verschiedene chemische Verbindungen. I. Ein seit 1885 bekannter Oxazinfarbstoff, der durch Einwirkung von salzsaurem Nitrosodimethylanilin auf Alphadioxynaphthalin erhalten wird und als braunviolettes, in heißem Wasser lösliches Pulver in den Handel kommt. Das M. färbt mit Brechweinstein und Tannin gebeizte Baum wolle blau. 2. Das giftige Alkaloid des Flie genpilzes (Agaricus muscaricus), C 6 PI 16 N0 3 , das auch synthetisch dargestellt werden kann und in Form seines schwefelsauren Salzes be schränkte Anwendung in der Augenheilkunde gefunden hat. Muskatblüte (Mazis, Folie, Forlie, lat. und frz. Macis, engl. Mace) nennt man den Samenmantel (Arillus) des echten Muskat nußbaumes (Myristica fragrans, frz. Mus- cadier, Musquö, engl. Nutmeg, Musky), eines 10—-15 m hohen Baumes, der auf den Banda inseln heimisch ist und in den meisten tropischen Gegenden Asiens und Südamerikas angebaut wird. Die Bäume tragen vom 9. bis in das 80. Jahr hinein Früchte, von denen in der Zeit der Vollkraft bis 2000 Stück das Jahr geerntet werden. Die Früchte enthalten in einer fleischi gen, später lederartig werdenden Hülle je einen Samen, der von einem zerschlitzten Samenmantel umgeben ist. Der letztere, im frischen Zustande ein fleischiges, karminrotes Häutchen, wird nach der Beseitigung der Fruchtschale abgezogen und an der Luft getrocknet und bildet dann eine hornartige zerbrechliche Masse von orangegelber, Farbe und feurig gewürzhaftem Geruch und Ge schmack, Als Unterabteilungen unterscheidet man je nach der Art der Gewinnung bisweilen Klimmfolie von gepflückten, Rangfoiie von abgefallenen und Gruis- oder Stoff-Foiie von halbreifen, minderwertigen Früchten. Die M. enthält nach König; 9,65% Wasser, 5,30 °/o Stickstoffsubstanz, 6,66 % ätherisches Öl, 24,63 °/o Fett, 44,81% stickstofffreie Extraktstoffe, 6,31% Rohfaser und 2,64% Asche. Der Gehalt an äthe rischem öl soll nach den „Vereinbarungen“ mindestens 4,50% betragen, der Aschengehalt 3 % und der Sandgehalt o,s % nicht übersteigen. Das Gewürz ist Verfälschungen durch Zwieback, Mehl, Kurkuma, Olivenkerne und andere Abfälle in hohem Grade ausgesetzt, deren Nachweis mit Hilfe des Mikroskops unschwer gelingt. Be sonders aber hatte sich vor mehreren Jahren