Muskatnüsse 288 Mutterkorn die Beimengung der sog. B ombay-Mazis, des Samenmantels einer wild wachsenden Art (My- ristica malabarica), eingebürgert, die ohne jeden Würzwert ist. Sie unterscheidet sich durch einen höheren, bis zu 35 °/o steigenden Fettgehalt und durch einen in besonderen Kugelzellen ab gelagerten dunkelgelben Farbstoff, der mit Alka lien rot wird. Zum Nachweise dieses Verfäl schungsmittels kocht man den alkoholischen Auszug mit Kaliumchromatlösung, wobei Born- bay-M. ockerfarbig bis braun wird, echte M. hingegen unverändert bleibt. Mit Ammoniak wird der Auszug aus echter M. rosa, aus Bom- bay-M. tief orange bis gelbrot. Weitere An haltspunkte bietet die Kapillaranalyse und die Bestimmung des Petrolätherauszugs. Den Be mühungen der Nahrungsmittelkontrolle ist es gelungen, die Verfälschungen der M. zu beseiti gen, und die Fabrikanten haben sogar beschlos sen, Bombay-M. auch unter Kennzeichnung nicht mehr zu verwenden. — Eine geringere, aber immerhin noch brauchbare M.-Sorte von der auf Neu-Guinea heimischen Myristica argen- tea wird als Papua-M. in den Handel gebracht. Muskatnüsse (lat. Nuces moschatae, frz. Noix de muscadier, engl. Nutmeg) sind die Samen des Muskatnußbaumes, Myristica fragrans und der Myristica argentea. Die letzteren führen meist die Bezeichnung Papua- oder lange M. und sind geringwertiger. Zu ihrer Gewinnung werden die Samen nach Entfernung des Fruchtfleisches und des Arillus über Feuer scharf getrocknet, bis sie beim Schütteln klap pern. Darauf werden die Steinschalen mit höl zernen Hämmern zerschlagen, und die Kerne zum Schutze gegen Insektenfraß in Kalkmilch gelegt und dann getrocknet. Die M., welche nur selten gepulvert in den Handel kommen, sind durch ihren hohen Gehalt an Fett (34%) und an ätherischem Öl (8—1S °/o) ausgezeichnet. Sie sollen nicht mehr als 3,5 °/o Asche und 0,5 0/0 Sand hinterlassen. Verfälschungen durch äußerliche Verschönerung wurmstichiger, ver dorbener Waren sind bisweilen vorgekommen, auch hat man aus Mehlteig und Ton hergestellte völlige Nachahmungen im Handel angetroffen. Sie sind leicht daran zu erkennen, daß sie beim Einweichen in Wasser zerfallen. Die M. finden beschränkte medizinische, hingegen ausgedehnte küchenmäßige Verwendung und müssen zum Schutze gegen Verschimmeln trocken aufbewahrt werden. Muskatöl. Aus den Nüssen wird sowohl ätherisches wie fettes öd gewonnen. — Das ätherische M. (Oleum nucis moschatae aethe- reum, frz. Essence de muscade, engl. Oil of nutmeg) erhält man durch Wasserdampfdestilla tion von Mazis oder gepulverten Nüssen als eine farblose, dünne Flüssigkeit, die sich bei län gerer Aufbewahrung durch Oxydation verdickt. Sie ist rechtsdrehend, hat ein spez. Gew. von 0,865—0,930 und löst sich in 0,5-—3 Volum go°/oigem Alkohol. Das M. enthält neben Ter penen, wie Rechts- und Linkspinen, Kamphen und Dipenten, eine ganze Anzahl Sauerstoff verbindungen, von denen Linalool, Terpinenol-4, Borneol, Terpineol, Geraniol, Safrol, Myristizin und Myristinsäure genannt seien. Der als Myri- stikol bezeichnete Alkohol besteht aus einem Gemenge von Terpineol, Borneol und Terpi nenol-4. — Das fette Öl (Muskatbutter, Mus katbalsam, lat. Oleum nucistae, frz. Beurre de muscade, engl. Butter of nutmeg) wird durch Auspressen der pulverisierten Nüsse zwischen heißen Platten gewonnen. Es enthält neben 4°/o ätherischem Öl 52% flüssiges und 440/0 festes Fett, welches im wesentlichen aus My- ristin besteht. Das spez. Gew. beträgt 0,990 bis 1,000, der Schmelzpunkt 38,5-— 51,0°, die Jodzahl 40—50. Das gelbe, talgartige Fett löst sich zu etwa 55 0/0 in kaltem Alkohol, völlig in sieden dem Alkohol, Äther und Chloroform. M. findet als Grundlage für Pflaster und Salben medizi nische Anwendung und muß in der gewöhn lichen Handelsform, mit Stanniol umhüllten Rie geln, in verschlossenen Gefäßen kühl aufbewahrt werden. Musseline (frz. Musseline, engl. Muslin) ist eine Gattung feiner, locker gewebter, halb durch sichtiger Gewebe aus den höchsten Nummern von Baumwoll- oder Wollengarn (Baumwoll- musseline und Wollmusseline), die ursprüng lieh aus Ostindien und dem Orient eingeführt, seit langer Zeit auch in England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz ebenso schön und gut und durch ihren Fabrikbetrieb bedeutend billiger hergestellt werden. Die Ware kommt in den verschiedensten Formen, glatt, gestreift, durchbrochen, geblümt und gedruckt in den Handel und dient auch als Grund von Weiß Stickereien. Die Musselinweberei und die Aus fuhr ihrer Erzeugnisse nach dem Orient wurde in der Schweiz und Deutschland .(Vogtland) schon lange vor Einführung der Spinnmaschine betrieben. Mit der Ausbildung der Maschinen spinnerei ging die Garnerzeugung jedoch voll ständig auf diese über, während die Weberei nach wie vor dem Handstuhle verblieb. Sie wurde früher in Kellerräumen betrieben, da die Arbeit in trockener Luft nicht gut gelingt, kann aber nach Behandlung des Garnes mit Glyzerin überall ausgeführt werden. Die Ma schine hat auch die alte ostindische Industrie soweit beeinflußt, daß die dortigen Weber jetzt englische Garne verarbeiten, wenngleich die Herstellung aus Handgespinst in beschränktem Maße fortdauert. Als Beweis für die große Zartheit und Feinheit der indischen Musseline wird angeführt, daß man ein ganzes Kleid durch einen Fingerring ziehen könne, oder daß 15 bis 20 m Turbanmusselin nur 150 g wiegen. Dabei sollen sie aber auch in der Güte, besonders in Halt- und Waschbarkeit die europäischen Stoffe übertreffen. Als besondere Arten der Musseline sind zu erwähnen: Musselinets mit eingewebten, weiß oder bunt gemusterten Streifen; Mull, ein ganz weicher, weißer Musselin; Va peur, ein sehr lockerer und feiner, und Ze phyr, der allerfeinste Musselin aus den höch sten Garnnummern. Mutterkorn (Kriebelkorn. lat. Secale cor- nutum, frz. Ergot, Seigle ergotd, engl. Black grain of corn, Blighied corn) besteht aus dem Dauermyzelium oder Sklerotium eines Pilzes, Claviceps purpurea, der auf den Ähren vieler Gräser, namentlich des Roggens, seltener auf Weizen und Gerste, schmarotzt, für den medizinischen Gebrauch aber nur von