Nelkenzimt 297 Neunaugen rötlichem Mark. Die frische Wurzel riecht schwach nach Gewürznelken, verliert den Ge ruch indes beim Trocknen und schmeckt bitter und zusammenziehend. Als wichtigste Bestand teile sind Gerbstoff, ätherisches Öl und Stärke nachgewiesen worden. Verwendung findet die N. bei Durchfällen und äußerlich als blutstillen des Mittel. Nelkenzimt (lat. Cortex cassiae caryophyl- latae, frz. Canelle, engl. Kaneel) nennt man die Stammrinde von Dicypellium caryophylla- tum, einem in Brasilien und Westindien wach senden, zur Familie der Laurineen gehörigen Baume. Die Ware bildet zusammengerollte Röhren, die der Hauptsache nach aus der glatten rotbraunen Bastschicht bestehen und nur teil weise noch mit Außenrinde bedeckt sind. Der Geruch und Geschmack erinnert zugleich an Zimt und an Nelken. Man verwendet die Rinde bei der Bereitung aromatischer Liköre. Früher wurde sie auch als Heilmittel gebraucht. Ihr Pulver dient außerdem zur Verfälschung der Gewürznelken. Nerolin ist der Handelsname für /J-Naphthol- methyläther, C 10 H 7 .O.CH 3 , und ß-Naphthol- äthyläther, C 10 H 7 OC 2 H 6 , die beide durch mehr stündiges Erhitzen von /J-Naphthol mit dem be treffenden Alkohol und konz. Schwefelsäure ge wonnen werden und dem Orangenblütenöl ähn lich riechen. Nessel. Die Fasern verschiedener Nesselarten werden zur Herstellung von Spinnfasern in feinen Geweben (Nesseltuch) benutzt, so beson ders von Boehmeria (s. Chinagras, Ramie) in China, von Urtica nivea und japonica in Japan, von U. postulata in Nordamerika, Mexiko, Kuba, Brasilien und Australien. Auch Frankreich hat den Anbau von U. nivea in Südfrankreich und Algier gefördert. In Deutsch land war die Verwendung der früher viel be nutzten Faser vonU. dioica, der gewöhnlichen großen Brennessel, infolge der Einfuhr von Baumwolle in den Hintergrund getreten, bis die Abschneidung der überseeischen Zufuhr im Kriege sie der Vergessenheit entriß. Nachdem 0- Richter ein brauchbares Verfahren zur Ab scheidung der Faser durch Aufschließung mit Alkali und nachfolgende Behandlung mit Wal- ze n und Waschen erfunden hatte, setzte eine lebhafte Sammeltätigkeit und auch planmäßiger Anbau ein, der für mehrere Fabriken, u. a, in Zschopau, ausreichendes Material lieferte. Die gewonnene Faser, die in Menge von to kg aus ioo kg frischer Nesselstengel gewonnen wird, zeigt eine spezifische Festigkeit von 51,5 (Baumwolle 37,6) und einen wollartigen Cha rakter, der sie als Zusatz zu Wolle für Triko- ta gen, Möbelplüsch und Garne („Solidonia“) geeignet erscheinen läßt. Zu einer völligen Ver drängung der Baumwolle wird ihre Menge aller dings nicht ausreichen, da der höchstmögliche Anbau auf 1—1,2 Millionen Dz. geschätzt wird. Nesselblüten (Taubnekselblüten, lat. Flores laniii albi, s. urticae mortuae, frz. Fleurs ortie rn°rte, engl. Nettle flowers) nennt man die BJunienkronen der zu den Labiaten gehörigen Taubnessel Lamium album. Die Blüten werden ohne den Kelch gesammelt und finden as blutreinigendes Mittel Verwendung, Neublau (Waschblau). Das eigentliche N. zum Blauen der Wäsche besteht aus Stärke, die mit Indigkarmin gefärbt und in kleine Täfelchen geformt ist. An seiner Stelle wird fast nur noch künstlicher Ultramarin ange wandt, der mit heißem Wasser angerührt und dem Blauwasser zugesetzt wird. Er ist hierzu auch ganz geeignet, während Berlinerblau, das ebenfalls bisweilen mit Stärke oder Kreide ge mischt als N. verkauft wird, ein starkes Ver gilben der Zeuge bewirkt. Berlinerblau ist leicht daran erkennbar, daß es beim Kochen mit Sodalösung seine Farbe verliert und braun wird. Den Namen Neublau führt auch ein Teer farbstoff, der mit Echtblau (s. d.) iden tisch ist. Neugelb nennt man verschiedene gelbe Teer farbstoffe, nämlich das Säuregelb D und das gewöhnliche Säuregelb (Neugelb L), ferner auch das Zitronin und Kurkumein (s. d.) und das Flavaurin (s. d.). Neukokzin. Diesen Namen führen zwei Azo farbstoffe. Der eine, auch Koschenille rot A und Brillantponceau (nicht zu ver wechseln mit einem anderen ebenso genannten Farbstoff, s. Brillantponceau) genannte, besteht aus dem Natronsalze der Naphthionsäureazo- betanaphtholdisulfosäure und erscheint im Han del als scharlachrotes, in Wasser leicht lös liches Pulver. Der andere, auch Neukokzin R, Kristallponceau 6 R genannt, besteht aus dem Natronsalze der Alphanaphthylaminazo- betanaphtholdisulfosäure und bildet schöne braunrote Kristalle mit Goldglanz, die sich in Wasser mit ponceauroter Farbe lösen. Beide Farbstoffe färben Wolle im sauren Bade rot. Neunaugen (Bricken, Pricken, Felsen sauger, frz. Lamproies, engl. Lambreys), die bekannten Vertreter der Rundmäuler, aal artiger Tiere, die bisweilen zu den Fischen ge rechnet, bisweilen aber auch von ihnen getrennt werden und durch den Saugmund charakteri siert sind, haben ihren sonderbaren Namen da her, daß man die sieben Kiemenlöcher, die auf jeder Seite liegen, für Augen ansah und sich noch dazu um zwei verzählte. Von den zwei Arten: Flußbricke (Petromyzon fluviati- lis) und große Seebricke oder Lamprete (Petromyzon marinus), kann die erstere, die gewöhnlich kaum fingerdick und höchstens 3 dm lang ist, bei gehöriger Schonung an 9 dm lang werden. Die oben olivengrünen, am Bauche silberweißen Fische haben ein sehr zähes Leben und lassen sich daher auch, mit Schnee ver packt, lebendig weit versenden. Sie leben be sonders in den Flüssen Norddeutschlands, der baltischen Ostseeprovinzen und Englands, hal ten sich im Sommer in der Tiefe auf, steigen aber im Winter in die Höhe und werden dann in der Weise gefangen, daß man Löcher in das Eis haut und Birkenreisig hineinsteckt, an das sie sich oft in Menge ansaugen. Die Tiere werden ausgenommen, schwach geröstet oder gebraten, mit Essig, Gewürzen und Lorbeer blättern eingelegt und in den bekannten Fäß- chen von den preußischen Ostseestädten so wie von Bremen und Lüneburg in den Handel gebracht. — Die Lamprete (P. marinus), die in fast allen europäischen Meeren lebt, über