Orleans 310 Osmium Gegenstand des Handels. O. wird in der Fär berei benutzt, besonders für Seide, auf welcher die Farbe lebhaft und glänzend, wennschon nicht sehr dauerhaft ausfällt. Man wendet ent weder weingeistige Lösungen an oder arbeitet mit alkalischer Lauge, in welcher beide Farb stoffe löslich sind, und erhält damit Gelb oder Orange. In der Kattundruckerei verwendet man O. für die Farbtöne von Chamois bis Orange. Ferner färbt man damit Papier, Tapeten, Fir nisse, Wasser- und Ölfarben, Butter und Käse. Orleans (frz. Orleans, engl. Orleans) sind halbwollene, leinwandartig gewebte Kleider und Futterzeuge, die als Nachahmung der ganz wollenen Berkane entstanden sind. Die Kette besteht aus gezwirntem Baumwollgarn, derEin- schlag je nach Mode aus Kammgarn Nr. 30 bis 60 oder aus Mohär. Der Stoff kommt häufig einfarbig vor, bisweilen aber auch meliert, ge flammt, moiriert, gedruckt, gerippt, fassoniert und mit Seidenstreifen gewebt. Die Breite be trägt 0,70—0,85 m, die Länge 10—20 m. Die Garne werden roh verwebt, die Gewebe dann gedämpft, gesengt, gewaschen, gefärbt und schließlich gepreßt. Der Stoff wird gewöhnlich auf Maschinenstühlen gewebt, die für die ge musterte Ware mit Schaft- oder Jacquardvor richtungen versehen sind. Dies ist möglich, da die Muster meist sehr klein genommen werden. In England liefern Huddersfield, Bradford, Hali fax und Wakefield große Massen des Stoffes für den Weltmarkt. In Deutschland werden die geringsten und billigsten O. in der Lausitz, bessere in Schedewitz (Sachsen), Elberfeld, Barmen, Reichenau b. Zittau, Wüstegiersdorf in Schlesien und Berlin hergestellt. Orseille ist ein violettroter Farbstoff, der aus gewissen Flechten hergestellt wird, in ihnen aber nicht fertig gebildet vorkommt, sondern erst durch Einwirkung von Luft, Ammoniak oder Alkalien entsteht. Die in den Flechten enthaltenen farblosen, kristallisierbaren Säuren (Erythrinsäure, Lekanorsäure, Rokzell- säure) gehen hierbei zunächst in das ebenfalls farblose Orzin und dann in den eigentlichen Farbstoff, das Orzein, über, das in dem zu gesetzten Ammoniak mit violettroter Farbe ge löst bleibt. Zur Darstellung der O. benutzt man hauptsächlich die Flechten Roccella tinctoria, R. fuciformis, R. phycopsis, und R. Mon- tognei, die an den felsigen Küsten des Mittel meers, des Atlantischen, Stillen und Indischen Ozeans gesammelt und, in Ballen gepreßt, nach Europa gebracht werden. Eine geringere Sorte, die sog. Erdorseille, stammt von verschiede nen Arten Lecanora, Variolaria, Usnea und •Parmelia, die in Schweden, Schottland, den Pyrenäen, der Rhön, dem Thüringer Wald und Jura an Steinen, und Baumrinden wachsen. Die Flechten werden gesäubert, gemahlen und, mit Ammoniak angerührt, der Luft ausgesetzt. In folge der einsetzenden Gärung geht die Farbe nach 4—6 Wochen von rot in violett über, worauf der steife Brei in Fässer verpackt wird. IJie getrocknete, pulverisierte Masse führt auch die Bezeichnung Persio, Cudbear, roter Indigo. In Teig- wie in Pulverform geben diese Stoffe mit Wasser unter Hinterlassung eines unlöslichen Rückstandes scharlachrote bis violette Lösungen, die durch Alkalien dunkler, durch Säuren hellrot gefärbt werden und mit Tonerdebeizen braunrote, mit Zinnsalz hellrote Niederschläge liefern. Die zum Sirup einge dickte wäßrige Lösung kommt als Orseille- extrakt in den Handel. — Die O. gibt schöne, anfangs sogar brillante Färbungen, die aber rasch verschießen, und wird daher meist nur in Verbindung mit anderen Farbstoffen, beson ders zum Grundieren für Alizarin und Indigo benutzt. Die Hauptverwendung beruht aber auf der Herstellung brauner, sog. Modefarben, Grenade, Zerise und Olive auf Wolle, für Färberei wie für Druck. Diese Farben sind echt, weit haltbarer als die durch Farbhölzer erzeugten und können durch Zusatz von Aloe farbstoffen noch lichtbeständiger gemacht wer den. Eine besonders schöne und säurebestän dige Abart ist endlich noch der französische Purpur (Pourpre frangais)., Zu seiner Dar stellung wird das Flechtenpulver mit Ammo niak aasgezogen, die Lösung mit Salzsäure ge fällt, der Niederschlag wieder in Ammoniak gelöst und das Filtrat so lange der Luft aus gesetzt, bis es kirschrot geworden ist. Dann wird zur Entfernung des Ammoniaks gekocht, die Lösung bei 70—75 0 in großen flachen Ge fäßen sich selbst überlassen und mit Weinsäure, Schwefelsäure oder Chlorkalzium gefällt. Der in letzterem Falle entstehende Farblack muß für den Gebrauch mit Schwefelsäure oder Oxal säure vom Kalk befreit und in Lösung über geführt werden. Orseilleersatz (Naphtionrot), ein seit 1878 bekannter Teerfarbstoff, der Wolle in saue rem Bade orseillerot färbt, kommt als brauner, in Wasser löslicher Teig in den Handel und be steht aus dem Natronsalze der Nitranilinazo- alphanaphtylaminsulfosäure. Orseillerot. Diesen Namen verdient eigentlich der Farbstoff der Orseille, man hat ihn aber auch einem Teerfarbstoff gegeben, der aus dem Natronsalze der Amidoazoxylolazobeta- naphtoldisulfosäure besteht. Das dunkelbraune, in Wasser lösliche Pulver färbt Wolle orseillerot. Orseillin (Orseillin BB, Orsellin), ein 1883 in den Handel gekommener Teerfarb stoff, wird durch Einwirkung von Betanaph- thol auf Diazonaphthalinsulfosäure dargestellt als ein braunes, in Wasser mit fuchsinroter Farbe lösliches Pulver, das Wolle orseillerot färbt. Orthoform und Orthoform neu sind zwei isomere Amidooxybenzoesäuremethylester, die als lokale Anästhetika beschränkte Anwendung finden. Das weiße, in Wasser schwer lösliche Kristallpulver muß vor Licht geschützt auf bewahrt werden. Ortol, ein photographischer Entwickler, be steht aus einer Verbindung von Methylortho- amidophenol mit Hydrochinon. Osageholz (Osagen-Orange) ist mit Gelb holz (s. d.) von Morus tinctoria oder Maclura aurantiaca identisch und führt seinen Namen nach dem Indianerstamm der Osagen, die aus dem elastischen Holze Bogen herstellten. Osmium, Os = i9i, eines der Metalle der Platingruppe, findet sich namentlich mit Iridium zusammen als Osmiridium (Newjanskit) in