Schweflige Säure 406 Schweineschmalz M wurde im Jahre 1914 auf 1,6 Millionen Tonnen geschätzt. Dazu wurden rund 980 000 t Schwefelkies, ­ 555 000 t Zinkblende und Kupfererze sowie 54 000 t Gasreinigungsmasse verarbeitet, von denen außer der letzteren nur 109 000 t Schwefelkies ­ und 411000 t Zinkblende inländischen Ursprungs ­ waren. Der aus belgischer Verarbeitung von Zinkblende entstammenden Einfuhr von 65 000 t stand eine fast ebenso große Ausfuhr nach Österreich, Holland und der Schweiz gegenüber. ­ Die auf Abschneidung der ausländischen Rohstoffe gestützten Hoffnungen unserer Feinde wurden durch die Herstellung von S. aus Gips vereitelt. Schweflige Säure (schweflichte Säure, Schwefeldioxyd, lat. Acidum sulfurosum, frz. Acide sulfureux, engl. Sulfurous acid), die aus gleichen Gewichtsteilen Schwefel und Sauerstoff bestehende chemische Verbindung S0 2 , ist bei gewöhnlicher Temperatur ein farbloses, stechend riechendes Gas, das von Wasser leicht gelöst wird. Das Wasser verschluckt bei,4° das yofache, bei t6° das 45fache Volumen dieses Gases und bildet damit eine wäßrige Lösung, die nach S. riecht und schmeckt und stark sauer reagiert. Die Darstellung der wäßrigen schwefligen Säure erfolgt entweder durch Verbrennen von Schwefel oder Rösten von Schwefelkies, oder auch durch Erhitzen von Schwefelsäure mit Holzkohle. Im letzteren Falle entzieht die Kohle der Schwefelsäure ­ ein Drittel ihres Sauerstoffes und bildet dadurch schweflige Säure, die dann in Wasser geleitet wird. Die wäßrige S. muß in sehr gut verschlossenen und ziemlich voll gefüllten Gefäßen ­ auf bewahrt werden, da sie durch die Einwirkung ­ des Sauerstoffes der Luft nach und nach in Schwefelsäure verwandelt wird. Nicht mehr ganz gefüllte Ballone werden daher am besten in kleinere Gefäße umgefüllt. Durch Druck verdichtete flüssige schweflige Säure darf auf der Bahn nur in Behältern aus Schweißeisen, ­ Flußeisen, Gußstahl oder Kupfer versandt werden, die vorher auf 30 Atmosphären Druck (ohne bleibende Formveränderung) geprüft sein müssen. Die Druckprüfung ist alljährlich zu wiederholen. Die Behälter sind in Kisten zu verpacken. S. dient zum Bleichen von Wolle, Seide und Strohgeflechten, zum Konservieren von Wein, zur Füllung von Kältemaschinen und zur Herstellung von Schwefelsäure und Sulfiden. Schweineschmalz (Schmer, lat. Axungia porci seu Adeps suillus, frz. Graisse de porc, engl. Axonge), das aus fettreichen Teilen geschlachteter ­ Schweine ausgeschmolzene Fett, wird in Deutschland meist aus dem im Innern des Tierkörpers ­ befindlichen Fettgewebe, vor allem dem Bauchwandfett «(Liesen, Flomen, Lünte, Schmer, Wammenfett),demGekröse- (Micker-) Fett und dem Netzfett, seltener dem Rückenspeck, in Amerika aus allen Teilen gewonnen. In Deutschland erfolgt das Ausschmelzen in der Regel über freiem Feuer, in Amerika mit Hilfe von Wasserdampf. Je nach der Bereitungsweise, Güte und Herkunft unterscheidet man: Rohschmalz, Dampfschmalz, Neutralschmalz, raffiniertes ­ S., deutsches und amerikanisches S. Das amerikanische S., das in ungeheuren Mengen zur Einfuhr gelangt, zerfällt meist in folgende Handelssorten: Neutral Lard, die beste Sorte, wird durch Auslassen von Netz- und Eingeweide- I fett im Wasserbade gewonnen und stellt eine 1 rein weiße, mild schmeckende Masse dar. Neu- 1 tral Lard Imitation wird in ähnlicher Weise wie die vorige Sorte, aber aus Speck hergestellt I und unterscheidet sich nur durch die etwas ' weichere Konsistenz. Choice Lard und Prime ,| Steam Lard werden aus den Rückständen der 3 Neutral-Lard-Gewinnung sowie aus allen ver- ; wendbaren Teilen des Schweines durch direkten I Dampf bei 21/3—3 Atmosphären ausgelassen. Das j letztere hat eine körnige Beschaffenheit und meist einen Stich ins Grünliche, Gelbliche oder Graue. Da es für den direkten Gebrauch zu weich und ölig ist, wird es noch einer besonderen Raffination unterworfen und durch Abpressen bei niedriger Temperatur in das flüssige Speckoder ­ Schmalzöl (Lard oil) und das feste I Schmalz- oder Solarstearin (Lard Stearin) 1 getrennt. Das erstere wird als Schmieröl, Brennöl oder zu Speisezwecken benutzt, das letztere meist 1 durch Mischung mit weicherem Dampfschmalz ! in das hauptsächlichste Speisefett (Refined Lard) übergeführt. Nur für technische Zwecke bestimmt | sind: Sead hog grease und white grease, 1 brown grease von erstickten oder erfrorenen Tieren, Yellow greasö aus Abfällen der Packhäuser ­ und Pigs-foot grease aus Schweine- j: füßen. — Das Schweineschmalz ist in chemi- | scher Hinsicht ein Gemenge von Glyzeriden der I Öl-, Palmitin- und Stearinsäure und soll bisweilen ' auch Linolsäure enthalten. Seine Zusammen- : setzung wird durch Rasse und Fütterung der Tiere, klimatische Verhältnisse und die Körperteile, ­ denen es entstammt, beeinflußt und unter- ■! liegt demnach außerordentlichen Schwankungen. Das spez. Gew. bei ioo° beträgt im Mittel 0,861, der Schmelzpunkt liegt meist bei 38—42 °, die Verseifungszahl bei 196—198. Die Refraktion bei 40 0 liegt für deutsches und ungarisches S. I zwischen 48 und 49, die Jodzahl meist zwischen 48 und 54. Bei amerikanischem S. sind die § entsprechenden Zahlen 50—51 und 60—66, doch kommen nach oben und unten erhebliche Abweichungen ­ vor. Das für Speisezwecke benutzte reine S. ist eine weiße, geruchlose oder, bei deutschen Sorten, schwach angenehm riechende Masse von mildem Geschmack und salbenartiger, aber nicht schmieriger Konsistenz. Das unga- i | rische S. ist meist etwas rötlich und körnig, das amerikanische vielfach schmierig. Von den zahlreichen ­ Verfälschungen kommen besonders Zusätze von Schmalzstearin und Schmalzöl. Rindstalg, Baumwollenstearin, Baumwollsamenöl, Kokosöl und anderen billigeren Fetten in Betracht. ­ Ihr Nachweis erfolgt nach den Verfahren ­ der Fettanalyse, ist aber nicht immer mit Sicherheit zu führen. Ein vorläufiges Urteil ­ gewährt die Schmelzprobe, bei welcher der charakteristische Geruch gewisser Öle hervortritt. Die in neuerer Zeit beliebte Beimischung von Wasser erkennt man daran, daß das S. beim Schmelzen über offener Flamme knistert. Besonders ­ bezeichnend für reines S. ist auch die Art des Erstarrens, indem es nach dem Schmelzen in einer Porzellanschale mit matter faltiger Oberfläche ­ erstarrt, in deren Mitte sich eine starke, scharf abgesetzte Vertiefung bildet. Doch ist dieses Kennzeichen mit Vorsicht zu verwenden.