Tabak 439 Tabak tiges Rauchgut, die mittleren das Haupt- oder Bestgut, die obersten das mittlere Gut. Zum Trocknen wenden die Blätter auf Schnüre ge zogen und in Schuppen aufgehängt. Nach 6—8 Wochen nimmt man die jetzt gelbbraunen Blätter ab, sortiert und bindet sie zum Verkauf an die Fabrikanten zu 25—30 in Bündel zusammen. Oder man 'glättet die etwas angefeuchteten Deck blätter mit der Hand und schichtet sie zu Stößen oder Docken auf, welche dann mit Steinen gepreßt werden und so lange zusammen- bleiben, bis sie kastanienbraun oder gelb werden. Mit dieser durch Bakterien oder Oxydasen ver- anlaßten sog. Fermentation ist eine erhebliche Temperaturerhöhung verbunden, die bis- zu 6o° steigen kann, meist aber auf 40 0 beschränkt wird. Zweck der Fermentation ist die Zerstörung ge wisser Bestandteile des frischen T., die beim Rauchen unangenehm riechende und schmek- kende Stoffe liefern und im Übermaß giftig wirken. Durch Anwendung besonderer, aus gärenden Havannasorten dargestellter Enzyme soll man sogar inländischen Erzeugnissen das Aroma der Edeltabake verleihen können. Nach Beendigung der Gärung werden die Blätter ge lüftet, Wieder getrocknet und zu Bündeln von 20—30 Stück zusammengelegt. Feinere Blätter werden entrippt und die Rippen zu Schnupf tabak, Einlagen oder billigem Rauchtabak ver kauft. In der Türkei, vermischt man die gären den Blätter mit Steinklee, dessen Aroma sie an nehmen, in Serbien mit Honigwasser. ■— Der Ertrag ist nach Lage, Boden, Düngung und Jahrgang außerordentlich wechselnd. Man rech net i,s—3 dz Sandgut, 2—5. dz Geize, 8—25 dz trockene Blätter und 50—60 dz Stengel. Die größten Mengen T. erzeugen die Vereinigten Staaten von' Nordamerika, danach Asien, Süd amerika und Afrika, zusammen etwa 1200 Mil lionen Kilogramm. An der etwa 250 Millionen Kilogramm ausmachenden europäischen Erzeu gung sind in erster Linie Rußland und Öster reich-Ungarn, danach Deutschland, die Türkei und Frankreich beteiligt. In Deutschland Werden auf rund 15000 ha 32 Millionen Kilogramm trockner T., auf 1 ha also 22 dz geerntet. — Nach seiner chemischen Zusammensetzung und physiologischen Wirkung gehört der T. zu den alkaloidischen Genußmitteln. Die frischen Blätter enthalten 80—88 o/ 0 Wasser, die trocknen Blätter im Durchschnitt 8,140/0 Wasser und in der Trockensubstanz 6,65 °/o Protein, 0,41 °/o Am moniak, 0,86 0/0 Salpetersäure, 4,50 0/0 Ätherauszug (Fett), 0,280/0 Wachs, 7,700/0 Harz, 8,830/0 Äpfel säure, 3,68 % Zitronensäure, 2,38 °/o Oxalsäure, 0,310/0 Essigsäure, 9,49 °/o Pektin, 1,040/0 Gerb säure, 6,12 0/0 sonstige stickstofffreie Extrakt stoffe, 11. x 6 °/o Rohfaser und 20,730/0 Mineral stoffe, die hauptsächlich aus Kali und Kalk be stehen. Die narkotische Wirkung des T. beruht auf seinem Gehalte an Nikotin (s. d.), der in den geringwertigen Sorten am höchsten, im Ha- v annatabak am niedrigsten ist. Der Gehalt an Nikotin unterliegt außerordentlichen Schwankun gen von o—8 0/0 und beträgt im Mittel etwa 2 0/0. Burch den Fermentationsprozeß wird ein erheb licher Teil des Alkaloides, oft bis zur Hälfte, zerstört. Neben dem Nikotin sind in geringen Mengen noch drei andere Alkaloide: Nikotein, Nikotellin undNikotimin, vorhanden. Außer dem ist an der narkotischen Wirkung auch ein fettartiger Stoff, das Nikotianin oder der Tabakkampfer, beteiligt. Beim Rauchen (Ver glimmen) entwickeln sich Ammoniak, Kohlen säure, Kohlenoxyd, Schwefelwasserstoff, Blau säure, Pyridin und ein ätherisches 01. Das letztere, von dem Thoms aus 15 kg T, 6 g isolieren konnte, siedet bei 295—315 0 und hat einen kamillenähn lichen Geruch. Das Nikotin wird zum Teil beim Glimmen zerstört oder in Pyridine um gewandelt, gelangt aber teilweise in unveränder tem Zustande mit dem Rauche in den Organis mus. Es bildet in reinem Zustande ein heftiges Gift und erregt Erbrechen, Durchfall, Zittern, Muskelläbmung und Starrkrampf mit oft töd lichem Ausgange. In der beim Rauchen auf tretenden starken Verdünnung wirkt es hingegen anregend und befähigt zu erhöhter körperlicher und geistiger Tätigkeit und zum leichteren Er tragen von Hunger, Durst, Arbeit, Sorge und Gefahr. Im Übermaß wirkt Rauchen schädlich, besonders beim Verbrauch der unteren Zigarren enden, in denen sich das Nikotin anhäuft. Die größte Bedeutung für die Bekömmlichkeit hat die Verbrennlichkeit, richtiger Verglimm barkei t, die durch einen hohen Gehalt an Kali und Nikotin sowie durch eine feine und dünne Struktur begünstigt wird. Weiter kommt als Wertmesser der Geruch (das Aroma) und der Geschmack in Betracht, der vom Klima abhängt. Die Tabake aus Gegenden nördlich der Weinregion, besonders von schwerem Boden, sind weniger fein, die Erzeugnisse aus den Tropen bevorzugt. Man unterscheidet daher nach ihrer Herkunft fol gende Sorten: 1. Europäische T. Frankreich und Italien verbrauchen ihre Ernten selbst. Hol land erzeugt den Amersforter, Neukerker und Gelderschen T., dessen Bestgut zu Schnupf tabak und dessen Erdgut zu Deckblättern ver arbeitet wird. Deutschland liefert Uckermär ker, Pfälzer und ElsässerT.für geringwertige Zigarren. Ungarn versendet den Debrecziner, Debröer, Szegediner, Fünfkirchener, Gar tenblätter, Charbel, Palanke, Osegger und Rebel als billiges Pfeifen-, Zigaretten- und Ka rottengut. Die besten europäischen T. sind die türkischen, doch gehen unter diesem Namen auch die kleinasiatischen und russischen Sorten. Sie haben ein feines gelbes Blatt, milden Ge schmack und starken Geruch mit süßlichem Nebengeschmack und wirken stark narkotisch. Man verwendet sie in Form goldgelber, langer dünner Fäden hauptsächlich für Zigaretten. 2. Asiatische T., Manila, Java und Suma tra werden hauptsächlich zu Zigarren verarbeitet. Zeylon, Kalkutta, Japan und China sind ohne Bedeutung für den europäischen Handel. 3. Ame rikanische T„ die wichtigsten und wertvollsten Sorten, werden meist in Ballen aus Rindshäuten, sog. Seronen, und in Fässern versandt. Von den nordamerikanischenT. werden die im Westen am meisten angebauten und beliebten Ohio und Maryland zu fein gelben, aromatischen Rauch tabaken verarbeitet. Virginia liefert in feinen, fetten Sorten Schnupf- und Kautabak, in den leichteren lebhaft braunen Rauchtabak. Ken tucky, Karolina, Georgia, Missouri, Ten nessee erzeugen Umblatt, Deckblatt, Einlage