Vanillin 465 Vasogen glanz, ohne auf Papier Flecken zu geben. Die V. leidet leicht durch Zerbrechen, Verletzungen, Austrocknen oder Schimmelbildung und muß deshalb, in Stanniol verpackt, hermetisch ver schlossen in trockenen Räumen, und zwar in Glas oder Blech aufbewahrt werden. Die beste Ware kommt von Bourbon und Reunion. Java- V. ist hartschaliger und geringwertiger als die amerikanische und Bourbon-V. In Mexiko wird die V. oft mit Akajouöl bestrichen, wodurch sie an Güte verliert. Derart fettig gemachte Ware gibt auf Papier braune Flecken. — Verfälscht wird V. durch Auffrischen bereits mit Spiritus ausgezogener Schoten mit Perubalsam und Aka jouöl oder mit Benzoetinktur und Bestreuen mit Glas-, Azetanilid- oder Benzoesäurepulver sowie durch Zumischen schlechter Schoten und ähnlich aussehender Früchte. — Die künstliche Darstellung des Vanillins, das zu den meisten Zwecken die V. vollkommen ersetzen kann, hat den Preis zwar wesentlich ermäßigt, doch ist die Verwendung des künstlichen Riechstoffs an Stelle der Vanillefrüchte für manche Zwecke unmöglich, so daß die Vanille ihren Preis auch jetzt noch behält. Als billige Ware ist seit meh reren Jahren die Tahiti-Vanille im Handel, eine an sich echte, aber durch Entartung un brauchbare Frucht. Mit Vanillin bestäubte Ta hiti-Vanille darf nur unter der Kennzeichnung „mit Zusatz von Vanillin“, nicht aber als „Va nille“ oder gar „veredelte V.“ in den Verkehr gebracht werden. — Von anderen Vanille arten sind noch Vanilla Pompona (s. Vanil- lon) und Vanilla palmarum zu nennen, die lediglich zu Parfümeriezwecken dienen. — Medi zinisch wird die V. selten verordnet, und zwar fast nur bei hysterischen Leiden und Menstrua tionserkrankungen. Bisweilen sind angebliche Vergiftungen durch V. bekannt geworden, so z. B. nach Genuß von Vanilleeis, doch dürfte dies wohl mehr auf eine Zersetzung anderer Bestandteile des Eises selbst zurückzuführen sein. Immerhin führt der übermäßige Genuß von V. Kopfschmerzen und Übelkeit herbei. Auch hat sich bei Menschen, die mit dem Einpacken und Sortieren von V. fortgesetzt zu tun haben, mehr fach eine Art Krätzekrankheit gezeigt. — Va nilletinktur (lat. Tinctura Vanillae, frz. Tein- ture de Vanille, engl. Tincture of Vanille) ist ein alkoholischer Auszug, der als Parfüm und als Speisezusatz verwandt wird. Vanillin (lat. Vanillinum), der Bestandteil der Vanillefrüchte, dem diese hauptsäch lich, wenngleich nicht allein, ihren feinen Ge ruch und Geschmack verdanken, kann nach verschiedenen Verfahren auf künstlichem Wege dargestellt werden. Man bereitet es entweder aus dem Kambialsafte der Nadelhölzer durch Oxydation des in ihm enthaltenen Koni ferins mittels Kaliumdichromats und verdünn ter Schwefelsäure, oder aus dem Eugenol des Nelkenöls, dem Harz des Ölbaumes und dem Guajakol des Buchenholzteers durch Behandeln mit Chloroform und Ätznatron. V. entsteht so als ein feinkristallinisches weißes Pulver, das sich schwer in kaltem, leicht in heißem Wasser sowie auch in Alkohol und Äther löst. Es schmilzt bei 80—8i° und läßt sich, vor sichtig erhitzt, sublimieren und in schönen, Mercks Warenlexikon. sternförmig gruppierten Kristallnadeln erhalten. In chemischer Hinsicht ist V. als Methylpro- tokatechualdehyd, C 6 H 3 (OH)(OCH 3 ). CHO, aufzufassen. Im Kleinhandel wird es gewöhn lich schon mit einer gewissen Menge Zucker vermischt zum Verkauf gebracht (Vanillin zucker). Auch sind während des Krieges Mi schungen von Kochsalz mit etwa i o/o V. als Va nillinsalz in den Handel gelangt. Trotz seines feinen und starken Vanillegeruches kann es die Vanille doch nur zum Teil ersetzen, da außer dem V. und der Vanillinsäure auch noch ein aromatisches Harz an dem Geruch und Ge schmack der Vanille Anteil haben. Die Vanil linsäure läßt sich ebenfalls künstlich herstellen, besitzt jedoch nur einen schwachen Geruch. Vanillon nennt man eine besondere, von der gewöhnlichen Vanille stark abweichende Sorte aus Britisch-Guayana von Vanilla pompona. Die Fruchtkapseln sind viel kürzer, bedeutend dicker, breiter und fleischiger als bei der ge wöhnlichen Vanille, der Länge nach gerunzelt, an beiden Enden verschmälert, umgebogen und mit einer Narbe versehen. Um das Aufspringen zu vermeiden, werden sie meist mit Fäden spi ralig umwickelt. Der Geruch ist bei weitem nicht so fein wie derjenige der echten Vanille und erinnert mehr an Piperonal (Heliotropin) und Kumarin. Sie wird daher auch nicht zu Konditoreizwecken, sondern nur in der Par fümerie benutzt. Vaselin (Vaseline, lat. Adeps petrolei, Un guentum paraffini, frz. Vaseline, engl. Vaselin), eine weiche, geruchlose, sich fettig anfühlende Masse von Salbenkonsistenz, wird aus den De stillationsrückständen des amerikanischen Pe troleums gewonnen und teils mit gelblicher Farbe (halb gereinigt), teils vollständig weiß in den Handel gebracht. V., dessen Schmelzpunkt zwischen 35 und 45 0 liegt, wird wegen seiner milden Beschaffenheit, und weil es nie ranzig werden kann, meist anstatt des Schweinefettes zu Salben benutzt. Es besteht aus dem Paraffin ähnlichen Kohlenwasserstoffen und wird auch aus Rohozokerit, unter Zusatz von flüssigem Paraffinöl, dargestellt. — Das lediglich aus flüssigen Kohlenwasserstoffen bestehende Va- selinöl (Virginia) dient als Rostschutz und Schmiermittel. Vasenol, ein Gemisch von Vaseline und Pa raffinöl mit etwas Zetylalkohol oder einem anderen hohen Fettalkohol, findet wegen seines großen Wasserbindungsvermögens als Salben grundlage Verwendung. Vasogen (lat. Vaselinum oxygenatum), eine neue Salbengrundlage, soll nach Angabe der Fabrikanten ein durch Behandlung von Vaselin mit komprimiertem Sauerstoff unter Erhitzen im Drucktopf hergestelltes Sauerstoffderivat des Vaselins sein. Nach anderen Angaben werden gleichartige Stoffe durch Mischen von Paraffin öl mit Rizinusdisulfosäure oder mit ölsaurem Ammonium erhalten. Da der Name V. geschützt ist, werden Nachbildungen als Vasolimente bezeichnet und zur Herstellung von Mischungen mit Jod, Jodoform, Kreosot und anderen Medi kamenten benutzt. Valsol, Vasol und Vaso- sapon sind ebenfalls andere Namen für gleich- I artige Salbengrundlagen. 30