XXI  7.

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in  ihren  Statuten  von  vielen  Banken  aufgenommenen  Vorschriften ­
  betreffend  Metalldeckung  und  Verhältnis  des  Emissionsbetrages ­
  zum  Kapital,  war  das  Notenwesen  meistens  einer
völligen  Freiheit  überlassen.  Da  die  Einlösung  der  Noten
ungenügend  garantiert  war,  da  sie  ferner  an  Form,  Gröfse
und  Farbe  sehr  verschieden  waren,  und  die  Mehrzahl  der
Banken  sie  gegenseitig  nicht  annahm,  so  hatten  sie  weniger
den  Charakter  eines  Zahlungsmittels,  als  denjenigen  eines
Schuldscheins.  Sie  gingen  schwerlich  über  den  Geschäftsrayon
ihres  emittierenden  Institutes  hinaus  und  blieben  nur  kurze
Zeit  im  Umlaufe.  Der  Betrag  der  Zirkulation  der  gesamten ­
  schweizerischen  Banken  erreichte  1863  nicht  15  Mill.
Frk.  und  war,  wie  Wolowsky  hervorhebt,  beständig
niedriger  als  derjenige  ihres  Kapitals.  Sie  machten  überhaupt,
nach  demselben  Schriftsteller,  „de  maigres  affaires“ 2 .  Sie
störten  allerdings  den  Verkehr  nicht,  sie  förderten  ihn  aber
auch  nicht;  keine  hatte  bisher  ihre  Zahlungen  eingestellt;
kein  Besitzer  ihrer  Noten  war  je  zu  Schaden  gekommen,  allein
sie  waren  „timides“,  wie  sich  Courcelle-Seneuil  ausdrückt ­
 3 ;  es  fehlte  ihnen  an  Beschäftigung,  an  Unternehmungslust, ­
  ebenso  wie  an  Kohäsion.
Doch  hatte  sich  im  letzten  Jahrzehnt  eine  gewisse  Bewegung ­
  nach  gröfserem  Einverständnis  bemerkbar  gemacht,
einzelne  Vereinbarungen  waren  getroffen  worden 4 .  Hätte  man  fl
doch  nur  diese  Bewegung  sich  selbst  überlassen,  ihre  langsame,
aber  sichere  natürliche  Entwicklung  nicht  gestört,  so  wäre
man  direkt  zum  schottischen  System  geschritten  —  so  meint
Courcelle-Seneuil 5  *  *  8  —  über  das  seither  Geschehene  in
den  Tiefen  seiner  manchesterlichen  Seele  seufzend.  Die  politische ­
  Gestaltung  der  Schweiz,  ein  Bund  von  kleinen  souveränen
Staaten,  schien  in  der  Tat  die  Bildung  eines  ähnlichen  Systems
auf  dem  Bankgebiet  begünstigen  zu  dürfen  —  nämlich  das
Nebeneinanderbestehen  von  mehreren  mitwerbenden  und  doch
zugleich  eng  verbundenen,  sich  untereinander  unterstützenden
Emissionsinstituten.  Allein  in  der  Schweiz,  wie  überhaupt
vielfach  in  Europa,  machte  sich  eine  sozusagen  zentripetale
Bewegung  immer  mehr  geltend.  Man  schritt  auf  dem  politischen ­
  Gebiet  zur  Zentralisation,  auf  dem  sozialen  zur  Erweiterung ­
  der  staatlichen  Kompetenzen,  in  manchen  Erwerbsbranchen ­
  zum  Grofsbetriebe.

2  La  cjuestion  des  banques.  S.  413.
3  Trait6  des  operations  de  banque.  Auslage  1891.  S.  390
u.  folg.
4  Herrn  Bankdirektor  Speiser  von  Basel  gebührt  das  Verdienst,
die  ersten  zustande  gebracht  zu  haben,  und  zwar  1852  zwischen  Basei
und  Zürich,  und  Basel  und  St.  Gallen.  Die  Banken  nahmen  die  Noten,
unter  Abzug  von  1%  resp.  lV2°/o,  gegenseitig  an.
8  loc.  cit.