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XXI  1.

gespannte  Stimmung  herrschte.  Geheime  Abstimmung  wurde
beschlossen:  mit  24  gegen  17  Stimmen  beharrte  der  Ständerat
auf  der  Wahl  von  Zürich.  Der  Präsident  erklärte,  der  zweite
Zentralbankentwurf  sei  nicht  zu  stände  gekommen  (28.  Juni
1901).
Dieses  Ergebnis  erweckte  in  den  meisten  Kreisen  wenig
Bedauern.  Die  Politik  des  Kirchturms  wurde  von  einigen
Organen  der  Presse  scharf  gebrandmarkt.  Das  fast  allgemein
herrschende  Gefühl  war  aber,  dafs  die  Vorlage  unter  allen
Umständen  verworfen  worden  wäre,  dafs  sie  in  dem  ihr  sicher
bevorstehenden  Referendum  einer  Koalition  prinzipiell  gegensätzlicher ­
  Parteien  unterlegen  wäre,  dafs  die  eidgenössischen
Räte  dem  Volke  eine  Arbeit  abgenommen  hatten,  welche  dieses
mit  Gewifsheit  nicht  unterlassen  hätte.
Wenn,  nach  dieser  erneuten  schweren  Schlappe,  eine
gewisse  Entmutigung  nun  Platz  gegriffen  hätte,  und  auf  jedes
Zentralbankprojekt  wenigstens  vorläufig  verzichtet  worden
wäre,  so  hätte  das  nicht  wundernehmen  können.  Kaum  aber
war  das  Resultat  der  Abstimmung  bekannt  gegeben,  da  ging
schon  nach  Joosscher  Art,  unverdrossen  und  unverweilt,
seitens  einer  Gruppe  von  Nationalräten,  an  deren  Spitze  der
Radikalsozialist  Scherrer-Eülleman  stand,  eine  Motion  dem
Bundesrat  zu,  wodurch  derselbe  eingeladen  wurde,  „den  eidgenössischen ­
  Räten  beförderlich  einen  neuen  Gesetzentwurf
zur  Ausführung  des  Art.,  39  der  Bundesverfassung  vorzulegen,
wesentlich  auf  der  Grundlage  des  verworfenen  Bundesgesetzes
vom  18.  Juni  1896  (reine  Staatsbank)  und  unter  möglichster
Berücksichtigung  der  Interessen  der  Kantonalbanken“.  Und
nicht  nur  von  dieser  Seite,  sondern  von  einer  Anzahl  anderer
aus,  ist  ebenfalls,  zwar  unter  Befürwortung  anderer  Lösungen,
der  Überzeugung  Ausdruck  gegeben  worden,  dafs  die  Sache
nicht  lange  in  Ruhe  gelassen  werden  wird,  ja  nicht  werden
darf.  Angesichts  des  bisherigen  völligen  Mifserfolges  einerseits,
und  dieser  merkwürdigen  Beharrlichkeit  andererseits,  drängen
sich  von  selbst  die  Fragen  auf:
Ob  eigentlich  die  heutigen  Bankverhältnisse  unhaltbar
sind,  und  inwieweit,  und  wodurch?
Ob  einzelne  Reformen  des  heutigen  Systems  nicht  hinreichend ­
  sein  würden,  oder  noch  weiter  an  dem  Gedanken
einer  Zentralnotenbank  festgehalten  werden  mufs?
Es  soll  im  nächsten  Abschnitte  unsere  Aufgabe  sein,  unter
Zugrundelegung  einer  kurzgefafsten  Darlegung  der  Tatsachen,
auf  diese  Fragen  eine  Antwort  zu  suchen.