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XXI  1.

Verkehrs  im  Verhältnisse  steht.  Auf  den  Kopf  der  Bevölkerung
berechnet,  macht  der  Betrag  der  nachgewiesenen  Zirkulation
in  1900  65,40  Frk.  pro  Einwohner  aus,  —  also  ungefähr
zweimal  so  viel  wie  in  Deutschland.  Die  effektive  Notenzirkulation ­
  ist,  von  1883—1900,  von  91  auf  200  Mill.  Frk.,
also  auf  mehr  als  das  Doppelte  gestiegen,  während  der  ungedeckte ­
  Notenumlauf  im  Jahre  1900  mit  91  Mill.  Frk.
beinahe  das  Dreifache  des  von  1883  (34  Mill.  Frk.)  erreichte.
Indem  nun  die  Banken  in  Zeiten,  wo  leichter  Geldstand  die
Noten  sonst  nach  den  Schaltern  zurückdrängen  würde,  ihre
Geldsurrogate  dem  Verkehr  aufdrängen,  bewirken  sie  einen
Abflufs  des  Metallgeldes  ins  Ausland.  Der  Mangel  an  Thalern
macht  sich  fühlbar.  Die  Noten  werden  zur  Einlösung  präsentiert. ­
  Da  die  zu  diesem  Zweck  bestimmte  gesetzliche  Bardeckung, ­
  weil  sie  bis  auf  90  °/o  aus  Gold  besteht,  angesichts
der  in  Frankreich  bestehenden  Goldprämie  nicht  angegriffen
werden  darf 8 ,  und  die  darüber  hinaus  frei  verfügbare  Barschaft
sehr  gering  ist  (in  1900:  22  Mill.  Frk.  für  35  Institute  =
ca.  11  °lo  der  effektiven  Zirkulation),  so  präsentieren  sich  die
Banken  gegenseitig  ihre  Noten  zur  Beschaffung  von  Bargeld
und  „jagen  sich  gegenseitig  die  Barschaft  ab“;  sie  kaufen
endlich  Wechsel  auf  Frankreich,  um  das  ihnen  entzogene
Silber  so  bald  wie  möglich  zu  importieren;  aber  sie  treiben
durch  ihre  Nachfrage  den  Kurs  nur  um  so  höher  hinauf;  die
Spekulation  in  französischen  Devisen  wird  lohnender  und  die
Silberdrainage  nimmt  noch  mehr  zu!  —  Die  Bankplätze,  die
an  der  französischen  Grenze  liegen,  haben  natürlich  'am
meisten  unter  diesen  ungesunden  Zuständen  zu  leiden.  Die
Kosten  der  Thalerbeschaffung  zum  Zwecke  der  Aufrechterhaltung ­
  ihrer  Zahlungsbereitschaft  sind  namentlich  den
beiden  Emissionsbanken  von  Genf  so  beschwerlich  geworden,
dafs  die  eine,  die  Banque  de  Geneve  1899  ihr  Notenrecht
aufgegeben  hat.
Diese  schweren  Zeiten  haben  aber  doch  auch  Früchte
gezeitigt,  die  man  nur  freudig  begrüfsen  kann.  Die  Emissionsbanken ­
  haben  sich  in  den  drei  letzten  Jahren  durch  engere
Solidarität,  Verbesserungen  ihrer  inneren  Organisation,  Einführung ­
  von  Neuerungen  unverkennbare  Verdienste  erworben.
Man  mufs,  um  dem  heutigen  schweizerischen  Notenbankwesen

8  Die  Emissionsbanken  bereiten  sieh  zur  Durchführung  der  Goldwährung ­
  vor;  wenn  sie  nun  ihre  Noten  in  Gold  einlösten  bezw.  Gold
ohne  Aufgeld  ausgäben,  würde  die  internationale  Arbitrage  dieses  Gold
nach  Frankreich  importieren  und  die  Franzosen  ihre  Schulden  an  andere
Länder  auf  dem  Umwege  über  die  Schweiz  bezahlen.  Kalk  mann
sieht  die  Hauptursache  der  ungesunden  schweizerischen  Valutazustände
in  dem  Abhängigkeitsverhältnis,  in  welchem  die  Schweiz,  infolge  des
lateinischen  Münzbundes  (1865),  in  währungspolitischer  Hinsicht  zu
Frankreich  steht.