56 Die Kartelle in der deutschen Portland-Zementindustrie. Erfolge dasselbe. Es wird dadurch nicht nur die Konkurrenz ver mindert, sondern es können auch die Anlagen voll ausgenützt werden, indem ein Werk den ganzen Absatz herstellt. Besonders gewinnbringend sind solche Verschmelzungen bei Vorhandensein von Kartellen, weil dann die Minderung der Konkurrenz nicht auch anderen zu gute kommt. Daher sind sie auch dort am häufigsten, wo festgefügte Kartelle bestehen und begründete Aussicht vorhanden ist, daß sie auch von langer Dauer sein werden. Zahlreich sind I auch in der Zementindustrie die Interessengemeinschaften durch den Besitz von Aktien oder Anteilen. Ferner sind oft mehrere Zementfabriken an einer anderen beteiligt; auch unter den Gründern befinden sich vielfach mehrere Konkurrenzwerke, die auf die neue Fabrik Einfluß haben wollten, wenn einmal die Gründung nicht mehr zu verhindern war. Besonders wichtig sind solche Interessengemeinschaften unter Angehörigen ver schiedener Kartelle, weil dadurch auch deren Zusammengehen bis zu einem gewissen Grade begünstigt wird. Auch die Syndikate selbst beteiligen sich an solchen Unternehmungen; sie kaufen ganze Werke auf, um sie stillzulegen oder verhindern Neu gründungen, indem sie den dazu nötigen Grund und Boden erwerben. Das hat noch nebenbei den Erfolg, daß durch den gemeinsamen Besitz der Verband fester zusammengehalten wird. Sehr häufig sind Kombinationen mit Zementwarenfabriken, Bau- und Immobiliengesellschaften, Elektrizitätswerken, Faß fabriken und Kohlengruben entweder durch Besitz oder durch Beteiligung. Wohl alle Zementfabriken besitzen eine eigene Reparaturwerkstätte, oft sogar größere Anlagen; die Stettiner Portland-Zementfabrik hat z. B. eine eigene mechanische Werk stätte, in der nicht nur alle Reparaturen, sondern auch alle Neu bauten hergestellt werden. Außer Rohguß und fertigen Dampf maschinen wird nichts von fremden Maschinenfabriken bezogen. Wenn wir die Entwicklung der deutschen Zementindustrie noch einmal überblicken, so fällt uns zunächst auf, daß die Krisen periodisch auftreten. Der Grund ist immer Überproduktion, die durch allzu starke Produktionsvermehrung bei großem Bedarf