Die Entwicklung der deutschen Zementindustrie usw. 57 in der Erwartung, daß dieser noch steigen werde, hervorgerufen wird. Woher kommt es nun, daß immer wieder Vergrößerungen vorgenommen und neue Fabriken gegründet werden, auch wenn gar kein Bedarf danach vorhanden ist? Das liegt zunächst daran, daß die einzelnen Leiter der Betriebe oft die Marktlage nicht genügend überblicken können und nicht weit genug in die Zukunft schauen, sie berücksichtigen nicht genug, daß die Lage der Zementindustrie mit der allgemeinen wirtschaftlichen Kon junktur eng verknüpft ist, eine Hochkonjunktur jedoch erfahrungs gemäß nicht ewig ist, man also für die Zukunft nicht mit derselben Höhe oder gar demselben Steigen des Absatzes rechnen kann. Die übrigen Fabriken müssen folgen, w T ollen sie nicht in Zukunft schlechter gestellt sein. Begünstigt werden diese Tatsachen noch dadurch, daß zum Teil Techniker und nicht Kaufleute die Leitung in Händen haben. Der Hauptgrund für die Überpro duktion liegt jedoch in den Neugründungen. Es ist eben ver hältnismäßig leicht, ein neues Werk zu errichten. Rohmaterial ist an sehr vielen Punkten in reichlicher Menge vorhanden und das nötige Kapital ist in einer Zeit, in der die Zementindustrie gute Gewinne abwirft, unschwer zu erhalten, zumal zu derselben Zeit im allgemeinen eine gute Konjunktur herrscht und das Kapital nach Anlagen sucht. Die Gründer machen meist ein gutes Geschäft und sind oft Leute, die an der Zementindustrie nicht besonders interessiert sind. Die Geldgeber dagegen haben vielfach gar kein Urteil über die Lebensfähigkeit und zu er wartende Rentabilität der neuen Anlage, zumal sie oft durch gefärbte Prospekte geblendet werden, die ganz und garnicht den Tatsachen entsprechen. Da wird zunächst einmal von vornherein angenommen, daß die ganze Produktionsfähigkeit abgesetzt werden könne, während dies zur selben Zeit bei den bestehenden Fabriken nicht der Fall ist. Ferner wird mit den hohen Preisen der guten Konjunktur gerechnet, und schließlich wird das nötige Kapital oft zu niedrig angegeben, so daß ganz fabelhafte Gewinne herausgerechnet werden. Daß sich eine neue Fabrik erst Eingang verschaffen und daher billiger sein muß als die anderen, daß sie