Die Zementpreise während der Zeit der Kartelle. 69 von drei neuen Fabriken, mit denen der Kampf aufgenommen werden mußte, der die Preise immer weiter herunterdrückte, bis schließlich für die meisten Fabriken kein Verdienst mehr übrig blieb. In Rheinland-Westfalen mußten die Preise gegen Belgien wegen des dortigen Naturzements ermäßigt werden. Jetzt beginnt wieder die Zeit einer Krise. Die Monopolstellung der Verbände wurde durch neu entstandene Außenseiter ge stört, überall gingen die Preise herab. Am schlimmsten wirkten die Auflösungen des Berliner Vertrages und des mitteldeutschen Verkaufsvereines auf die Preise. In Berlin mußten sie stark fallen; es traten wieder dieselben Verhältnisse ein wie vor 1906, sie wurden noch dadurch verschlechtert, daß in Mitteldeutschland freie Konkurrenz und Kampf herrschten. Unter dem letzteren Übelstande hatten auch alle anderen Gruppen außer der Stettiner zu leiden. Die ganze Preispolitik bestand im mitteldeutschen Gebiete wie zur Zeit der letzten Krise in dem gegenseitigen Unterbieten und war nur darauf gerichtet, möglichst viel Zement abzusetzen und dem Konkurrenten den Absatz streitig zu machen. Die Nachbargruppen mußten daher ihre Preise ebenfalls er mäßigen. Das war zum Teile, besonders in Rheinland-Westfalen, schon durch den Kampf im Innern gegen neue Außenseiter nötig geworden, wurde aber durch die mitteldeutsche Konkurrenz noch schlimmer. Der Preis des rheinisch-westfälischen Syndikates stand 1910 durchschnittlich auf 2,526 Mk. für 100 kg frei allen Stationen des Gebietes. Mitteldeutsche Werke boten aber z. B. nach Kassel zu 1,65—1,85 Mk. an, dazu kamen noch 60 Pfg. Fracht, so daß der mitteldeutsche Preis für Kassel 2,05—2,45 Mk. betrug, das rheinisch-westfälische Syndikat dorthin also unter seinem Durchschnittspreis anbieten mußte, es verlangte auch tatsächlich nur 2,07 Mk. inklusive Fracht. Ebenso erging es den anderen Gruppen, die an Mitteldeutschland angrenzten. Im Jahre 1911, als die deutsche Zementindustrie wieder einig war, traten auch wieder geregelte Preisverhältnisse ein, außer in Berlin, wo sich die dortigen Fabriken erst von 1912 ab einigten, und in Rheinland-Westfalen, wo be