Die deutsche Portland-Zementindustrie in ihrem Verhältnisse zum Auslande. 7 В nicht fähig, den ganzen Inlandsbedarf allein zu decken, weshalb viel aus Süddeutschland und Frankreich importiert wurde. Belgien hatte damals noch keinen großen Einfluß auf den deutschen Markt. Es bestand zwar dort schon eine Zementindustrie, doch fand sie größtenteils ihren Absatz im Inlande, in Holland und den überseeischen Ländern, ohne den deutschen Markt sehr zu belasten. Über die deutsche Ausfuhr nach Belgien läßt sich an der Hand der Statistiken nie etwas Genaues sagen, da Belgien Durchgangsland für den überseeischen Export ist. Es kommt überhaupt immer in erster Linie nur als exportierendes Land für uns in Betracht. Holland hat heute noch keine Zementfabriken, weil dort das nötige Rohmaterial fehlt. In den nordischen Ländern war in den 80 er Jahren die Zementindustrie noch klein und ohne wesentliche Bedeutung für Deutschland. Solange die ausländische Industrie noch nicht groß war, und der deutsche Zement im Auslande noch nicht entbehrt werden konnte, mußten die Abnehmer wenigstens einen Teil des Zolles tragen, seine Wirkung war daher noch nicht allzu schlimm. Immerhin ging der Absatz im Verhältnis zu dem Gesamtverbrauch zurück und die Preise wurden noch ungünstiger, da sie nicht um den vollen Betrag des Zolles erhöht werden konnten, wenn nicht der Konsum zurückgehen sollte. Schnell jedoch wuchsen die ausländischen Zementindustrien heran und die Verhältnisse wurden für die deutschen Fabriken immer ungünstiger. In Rußland wurde 1885 der Zoll abermals erhöht auf 1,58 Mk. pro 100 kg 1 ; dadurch wurde der Absatz sehr beschränkt, was be sonders für die schlesischen Fabriken sehr fühlbar war. Diese brachten nun mehr Zement auf den Berliner Markt und machten auch in Stettin den dortigen Werken zeitweise Konkurrenz, um für das verlorene russische Geschäft Ersatz zu finden. Während des russischen Zollkrieges 1893 hörte der Absatz ganz auf. Der Absatz nach Österreich wird abgesehen vom Zolle, auch noch durch die Frachtpolitik der österreichischen Bahnen beschränkt, die die einheimische Industrie sehr stark begünstigt. Für die 1 Jahresbericht der Handelskammer Oppeln 1883.