14 Sache der Abhängigkeit Englands vom russischen Eisenexport. Eng land bemühte sich schon seit Anfang des 18. Jahrhunderts, diesen Zustand zu beseitigen. Nach vielen Versuchen wurde noch im Jahre 1735 seitens Abraham Darbys die Verhüttung der Roheisen mit Koks mit Erfolg vorgenommen, und allmählich fing die Ver hüttung mit Koks an sich zu entwickeln 1 . Während im Jahre 1740 eigentlich noch keine Kokshochöfen, dagegen 59 Holzkohlenhochöfen existierten, waren im Jahre 1788 in Großbritannien nur 26 Holzkohlenhochöfen und 59 Kokshochöfen im Betriebe 1 2 3 . 1796 hatte man den Betrieb mit Holzkohle fast auf gegeben. Die andere Sorge ging darauf, die weitere Verarbeitung des Roheisens mit Steinkohle zu ermöglichen. Im Jahre 1785 gelang es Henry Oort, den Puddelprozeß zu erfinden 8 . Durch diese beiden Errungenschaften machte sich England gänzlich von den Holzkohlen unabhängig. Durch die Verwendung der Steinkohle und Benutzung verschiedener technischer Erfindungen, besonders der Dampfkraft, konnte es bald alle anderen Länder in der Eisenpro duktion weit überflügeln. Die Eisenproduktion Großbritanniens machte in dieser Zeit einen mächtigen Sprung vorwärts. Sie betrug in Tons 4 5 : Jahr Roheisen J ahr Roheisen 1770 32 000 1796 125000 1790 SO 000 1800 152000 Eine unmittelbare Folge dieser technischen Revolution war ein Sinken der Eisenpreise in England 6 . Die russische Regierung hat diese Erscheinung vollständig unberücksichtigt gelassen: ,.Rußland“, schreibt Beck 6 , „in dem Glauben, daß England sein Eisen nicht entbehren könne, erhöhte im Jahre 1770 seine Preise von 70 auf 80 Kop. für das Pud Roheisen, auf 200 bis 220 Kop. für ,neue Zobel* (sable) und auf 250 Kop. für die besten ,alten Zobel“. 1794 gewährte die Regierung den Eisenwerksbesitzern Darlehen auf ihr Eisen, um sie in den Stand zu setzen, die Engländer zu beliebig hohen Preisen zu zwingen“. Selbstverständlich wurde damit das russische Eisen von dem englischen Markt vollständig verdrängt. Der Stillstand in der russischen Eisenindustrie ist aber nicht nur durch die Verdrängung von dem ausländischen Markte ge kennzeichnet. Auch die russische Eisenindustrie selbst erlebte seit Anfang des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Rückgang, was auf 1 Beck, a. a. O., Bd. III, 8. 1067. 2 Beck, a. a. 0., Bd. HI, S. 1079. 3 Beck, a. a. 0., Bd. 1H, S. 1073. 4 Beck, a. a. 0., Bd. III, S. 1079. 5 Tugan-Baranowski, Die russische Fabrik, 1898, S. 80 (russisch). 6 Beck, a. a, 0., Bd. III, 8. 1150.