16 Wie stark monopolistisch die Lage damals war, läßt sich aus der Höhe der erhaltenen Gewinne beweisen. Es betrugen im Jahre 1848/49 1 : Sorten Selbstkosten Kop. Verkaufspreis Kop. Gewinn pro Pud °/ Io Verschiedene 53 114 132 Eisensorten 1 60 200 250 1 57 114 117 Verschiedene 65 171 180 Stahlsorten 1 90 286 230 l 78 214 191 Diese Monopolstellung der kleinen Gruppe von Adligen hatte zur Folge, daß die uralische Eisenindustrie nicht den geringsten Antrieb durch Konkurrenz erfuhr, was allmählich zur vollständigenDegradierung der Betriebsorganisation und zu technischer Bückständigkeit führte. Als die wichtigste Ursache dieser Degradierung ist aber die Leibeigenschaft anzusehen. Die Leibeigenschaftsarbeit konnte nur unter zwei Voraussetzungen produktiv sein: bei extensivem Bergbau und massenhafter Vernichtung der Naturschätze einerseits, und bei einfacher Technik und primitiver Betriebsorganisation andererseits. Der hundertjährige Bergbau im Uralgebirge mußte aber endlich dazu führen, daß eine Menge von den umliegenden Wäldern vernichtet wurde. Außerdem mußten auch einige wichtige Eisenerzgruben wegen des Raubbaues versiegen. Das alles mußte eine Verteuerung der Rohstoffe mit sich bringen. Dazu kam die Intensivierung des Be triebes in Frage, die aber bei der Leibeigenschaft so gut wie aus geschlossen war. Wenn früher bei der einfachen Technik die Leib eigenenarbeit Voraussetzung der rasch wachsenden Eisenindustrie war, so erschien sie jetzt als stärkstes Hindernis der industriellen Entwicklung. Infolge aller dieser Verhältnisse ergab sich ein immer weiterschreitender Rückgang der russischen Eisenindustrie. Besonders schlimm war die Lage der Staatswerke; wegen größerer Unterschlagungen, Vernachlässigungen und rein bürokratischer Leitung blieben sie außerdem auch verlustbringend. In diesen Werken war der technische Rückgang noch fühlbarer. Schon der Krimkrieg hat mit Klarheit gezeigt, daß hier vollständige Reorganisation nötig war. So waren z. B. während nur 349 Tage der Verteidigung von Sewastopol 900 russische Kanonen vollständig unbrauchbar geworden. 5. Die Zeit der Bauernbefreiung. Die Bauernbefreiung mußte die „patriarchalischen“ Produktions verhältnisse am schwersten bedrohen. Sie mußte auch eine neue Epoche in der Eisenindustrie mit sich bringen. 1 Brandt, a. a. O., S. 12 und 13.