57 und Erfindung sich rasch anzueignen pflegte. Als wichtigste Ver besserungen in der südrussischen Eisenindustrie hat Tieme in der Zeit von 1892 bis 1896 konstatiert 1 : 1. die Errichtung der großen Hütten mit einer durchschnitt lichen täglichen Roheisenproduktion von 150 t, 2. die Verbesserung in der Versorgung der Hütten mit Rohstoffen, 3. die Einführung von lufterhitzenden Maschinen mit Erhitzungs flächen von 3000 bis 4500 qm, 4. die Einführung der modernen Wiudluftmaschinen, 5. die Ausnutzung der Gichtgase für die Heizung der Dampfkessel, 6. die Einführung von Mischkesseln für flüssiges Roheisen mit einem Fassungsvermögen von 100 bis 120 t, 7. die Ausnutzung der Schlacken, wie Granulierung usw., 8. die Verbreitung der . Koksöfen und Ausnutzung ihrer Gase, 9. die Einführung des elektrischen Lichtes und der elektrischen Kraftübertragung, 10. die Einführung von Schornsteinen von 50 bis 80 m Höhe, 11. den Verbrauch eigener Baumaterialien anstatt ausländischer, 12. die Verbesserung des Walzverfahrens. Es findet 48fache Walzung statt, 13. die Verbesserung der Wasserleitung und der Wasserver sorgung der Werke. 14. die Errichtung von Kohlenwaschfabriken. Aber nicht nur die technische Seite kommt bei diesem Über gewicht des Südens in Betracht, sondern auch die Betriebsorganisation selbst ist hier vollkommener als in allen anderen Gebieten Ruß lands, insbesondere verglichen mit dem Ural. Ein kleines Beispiel wird das besondes klar machen. Die „Südrussische Aktiengesellschaft“ (Dnieprovienne) setzte ihr Anlagekapital von 5 000000 Rbl. viermal im Jahre um, den Uralwerken dagegen mit gleichem Kapital gelingt es nur, für 2000000 Rbl. pro Jahr zu produzieren. Der Umsatz vollzieht sich also in diesem Falle bei den Uralwerken achtmal langsamer 1 2 . Jedenfalls hat die südrussische Eisenindustrie im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts neue Bahnen eingeschlagen und die frühere leitende Rolle des Urals an sich gerissen. Schulze-Gävernitz sagt darüber: „Im Ural herrscht seit Jahrhunderten ein Arbeits feld des Merkantilismus, in Südrußlaud eine völlig koloniale Industrie jüngsten Datums — dort eine als eingesessene, in den Nachwirkungen der Leibeigenschaft fortlebende Bevölkerung, hier bunt zusammen gewürfelte Arbeitermassen aus weiter Entfernung, zum Teil aus dem Auslande durch das Zauberwort des Kapitals in die menschenleere 1 Tieme, a. a. 0., Goto. Journ. 1897, I, S. 4. 2 Kaffenhaus, a. a. 0., S. 17.