72 Ziehungen, da einmal erwähnt wird, dass er von dort Geld erwarte 1 ). Neben diese grossen europäischen Unternehmungen traten solche im engem Kreis. Paumgartners Vaterstadt Augsburg war ja um 1530 der erste Geldmarkt Europas und Wohnsitz der reichsten Bankiers der Welt. Wer Geld brauchte — Fürsten, Adelige und Bürger —, wandte sich an die dortigen Kaufherrn. Wie mancher Besucher der. glänzenden Reichstage von 1518, 1530 und 1548 wird damals bei Paumgartner Geld aufge nommen haben. Das Bürgertum aber, besonders die kleinen Leute, legten ihre Ersparnisse gegen Verzinsung bei den Bankiers ein oder beteiligten sich mit ihren Kapitalien an den weit ausschauenden Projekten der grossen Geldfürsten gegen das Versprechen hoher Gewinnanteile 2 ). Weil dies alltägliche Vorgänge waren, so haben sich Nachrichten davon nicht er halten. Nur wenn wir Hans Paumgartners Geschäftsbücher besässen, könnten wir nähere Aufschlüsse über diese Seite seiner Tätigkeit geben. Alle Fäden dieses weltumspannenden Geld- und Waren handels liefen zusammen in Augsburg, wo in der Annastrasse der reiche Kaufherr wohnte und wohl auch seine Kontore und Wechselstuben sich befanden. Mehrere Angestellte, oft auf verantwortungsvollen Posten, waren hier tätig. Zwei der selben, Christoph Gering und Lorenz Grieninger, besässen Hans Paumgartners besonderes Vertrauen. Gering, dem wir weiter unten nochmals begegnen werden, hatte Sabina Arzt zur Frau und gehörte zur Gesellschaft der Mehrer. Er nahm sicher eine leitende Stellung im Geschäfte ein 3 ). Seit 1538 *) Roth, Reformationsgeschichte Bd. 3 S. 445. 2 ) Von Ambrosius Höchstetter erzählt Clemens Sender (Chron. d. deutsch. Städte 23 S. 219): „zu im haben fürsten, graffen, edel, burger, bauren, dienstknecht und dienstmägt ir gelt, was sie haben gehept, (zu im) gelegt und von dem 100 genommen 5 fl.“ a ) Warnecke, Augsburger Hochzeitsbuch z. J. 1537 (S. 40), und Stetten, Adeliche Geschlechter S. 442 Sp. 3. Gering unter schreibt sich in einem Brief an Erasmus (siehe u. S. 89) als Paum gartners Sekretär. Er ist aber wohl kaum identisch mit jenem Christoph Gerung, der als Prediger bei St. Elisabeth in Memmingen tätig war (Dobel: Memmingen im Reformationszeitalter I S. 35 f.).’ ! Grieninger wird in Hans Paumgartners Testament als „Geheim Buchhalter“ be zeichnet.