74 sein und auch keine Aemter annehmen müssen. Dieses Steuer pauschale hatte dieselbe Höhe wie das Fuggers, der auch jährlich 800 fl bezahlte 1 ). Es ist damit freilich nicht gesagt, dass Paum- gartners Vermögen dem der Fugger gleich war. Fast möchte man vermuten, Paumgartner habe sich zu dem Vertrag mit der Stadt entschlossen, um nicht hinter Fugger zurückzu stehen. Auch auf anderem Gebiet werden wir nämlich diesem Bestreben, es soviel wie möglich dem Rivalen gleichzutun, bald begegnen. Nicht leicht ist es jedoch, nun wirklich die Grösse des Paumgartnerschen Vermögens anzugeben. Wir haben zwei Anhaltspunkte, die es ermöglichen, zu einem ungefähren Re sultat zu gelangen. Der schon mehrfach genannte Aleander gibt im Jahre 1539 das Vermögen Paumgartners mit 600 000 fl an 2 ) (nach einer Mitteilung, die ihm am Wiener Hof gemacht wurde), und der Venezianer Mocenigo sagt, dass Fugger im Jahre 1548 ca. 4 Millionen, Paumgartner und Welser zusammen 2—3 Millionen besessen hätten 3 ). Nach dem, was uns sonst über Paumgartners Finanzkraft bekannt ist, glaube ich nicht, dass der Venezianer hier übertrieben hat. Wir dürfen wohl annehmen, dass unser Kaufmann zur Zeit der Blüte seines Geschäftes ein Vermögen von ca. einer Million Gulden besessen hat 4 ). Um das Jahr 1540 war Hans Paumgartner nach Anton Fugger wohl der reichste Mann in deutschen Landen. Um diese Zeit hatte sich aber im Schosse der Familie ‘) Augsburg, Stadtarchiv: Paumgartnerakt Nr. 4. Nicht nur Anton, sondern auch jeder seiner Brüder bezahlte diese sog. reiche Steuer. 2 ) Nuntiaturberichte a. a. O. 1. Abt. Bd. 4 S. 375. 3 ) A. a. O. Fontes rer. Austr. II, 30 S. 71. *) Ehrenberg a. a. O. S. 149 unterschätzt meines Erachtens die Kapitalkraft Paumgartners, wenn er die Angabe Mocenigos über das Paumgartnersche u. Welsersche Vermögen zu hoch findet. Bei den Summen, die Hans Paumgartner in seinen Bergwerken und im Handel angelegt hatte, wären ihm bei geringerem Vermögen nicht noch solche stattliche Güterkäufe möglich gewesen, wie wir sie sogleich zu schildern haben werden. Der Vermögenszuwachs resultierte übrigens nicht allein aus dem Handelsgewinn, sondern auch aus Erbschaften, Einkünften aus Aemtern, Besitzungen usw. Der Jurist Z a s i u s , Paumgartners Freund, schätzt den jährlichen Reingewinn, den dieser aus seinen Berg werken erziele, auf 100000 fl. Vgl. Förstemann u. O. Günther: Briefe an Desiderius Erasmus (= Beih. z. Zentralbl. f. Bibliotheksw. XXVII S. 197).