7 8 So setzten sich die neuaufstrebenden Kaufherrn in den Besitz der Güter alteingesessener absterbender Familien. Neue Geschlechter kamen empor, während die alten, die sich in die neue Zeit nicht schicken konnten, untergingen. Die Güterpolitik Paumgartners bringt uns noch einen interessanten Beleg für diese Art von Besitzwechsel. Am Fuss der Alpen, unweit von Füssen, waltete seit Jahr hunderten das stolze Geschlecht der Schwangauer, das manchen tapferen Ritter und edlen Minnesinger hervorgebracht hatte. Jetzt war dies Geschlecht am Erlöschen 1 ). Um das Jahr 1530 geboten Heinrich und Georg von Schwangau auf den herrlichen Schlössern Hohenschwangau und Schwanenstein. Nur der eine der beiden schon betagten Brüder — Georg — war ver mählt, aber kinderlos geblieben 2 ). Schon längst hatten sich Interessenten für das sich in naher Zukunft erledigende Reichs lehen gefunden. Ferdinand selbst hatte die Schlösser einmal besichtigen lassen, aber aus Geldmangel musste er von dem Kauf abstehen. Jetzt richtete Hans Paumgartner sein Augen- , merk auf dieses Kleinod landschaftlicher Schönheit. Wenn ihm diese glänzende Erwerbung gelang, dann stand er in nichts mehr hinter den Fuggern zurück. Noch zu Lebzeiten der beiden Schwangauer begann er die Unterhandlungen. Der mit Paum gartner befreundete kaiserliche Rat und Schatzmeister der Regentin Maria in den Niederlanden, Wolfgang Haller, erhielt in einer Urkunde (Saragossa, 16. Januar 1534) von Karl V. die Anwartschaft auf das Reichslehen Hohenschwangau im Falle des Ablebens der Inhaber. Später genehmigte der Kaiser (Madrid, 18. Februar 1535) sogar, dass die Schwangauer selbst noch bei ihren Lebzeiten das Lehen an Haller abtreten dürften 3 ). Am 3. Juli 1535 stellten hierauf diese zugunsten Hallers eine Ver zichturkunde auf das Lehen aus. Paumgartner hatte aber Zott von Beineck war mit Paumgartner wohlbekannt, da er öfter im Auftrag Ferdinands nach Augsburg kam, um mit den Kaufleuten wegen Darlehen zu verhandeln. *) Zum Folgenden vgl.: Karl August Muffat: Beschreibung u. Geschichte des Schlosses u. der ehern. Reichsherrschaft Hohenschwangau, München 1837, u. Joseph Frhr. v. Hormayt: Die goldene Chronik von Hohenschwangau, München 1842. *) Georg v. Hohenschwangau war vermählt mit Johanna v. Argon, wohl einer Schwester des obengenannten Georg v. Argon. 3 ) Familienkodex fol. 159 a—160 b.