85 Aufgaben und Pflichten, die an ihn herantraten, noch Müsse, die wissenschaftlichen und literarischen Bestrebungen seiner Zeit zu verfolgen. Im Umgang mit den Gelehrten suchte der reiche Kaufherr Erholung; er scheint aber auch für einzelne Zweige der Wissenschaft persönliches Interesse gehabt zu haben. Augsburg, die Stadt eines Peutinger, mit dem Paum- gartner verwandt war, und eines Adelmann von Adelmannsfelden, bot in dieser Hinsicht mannigfache Gelegenheit. Auch im Kloster zu St. Ulrich fand der Humanismus eifrige Pflege durch Männer wie Veit Bild und Otmar Nachtigall (Luscinius) 1 ). Mit ihnen trat Paumgartner wohl in mannigfache Beziehung. Aber sein Verkehr beschränkte sich nicht auf die einheimischen Gelehrten. Er war auch befreundet mit Wilibald Pirkheimer, wie aus einem Brief hervorgeht, den Paumgartner im Jahre 1530 an den Humanisten schrieb. Pirkheimers Tochter, Felizitas, hatte mit ihrem Gatten Hans Kleeberg in unglücklicher Ehe gelebt, ja nach ihrem Tod erhob der alte Pirkheimer gegen seinen Schwiegersohn den schweren Vorwurf, dass er den Tod der Gattin selbst verschuldet habe. Da griff nun Hans Paum gartner, der gemeinsame Freund Kleebergs und Pirkheimers, ein und suchte in einem Brief (18. Juni 1530) eine Versöhnung herbeizuführen, indem er Kleeberg gegen die Anschuldigungen Pirkheimers in Schutz nahm 2 ). Ausgesprochene Neigung brachte Hans Paumgartner der auf blühenden Rechtswissenschaft entgegen. Mit ihrem be deutendsten Vertreter in Deutschland, Ulrich Zasius, dem ‘) Konrad Peutinger war bekanntlich mit einer Welser verheiratet. Ueber den Humanismus in Augsburg vgl. Lier: Der Augsburger Hu manistenkreis mit besonderer Berücksichtigung Bernhard Adelmanns von Adelmannsfelden (in: Ztschr. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg Jhrg. 1880 S. 68 ff.) u. Thurnhofer, Franz Xaver: Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden, Humanist u. Luthers Freund (1457 bis 1523) in: „Erläuterungen u. Ergänzungen zu Janssens Geschichte des deutschen Volkes. Herausgegeben von Ludwig Pastorll, Bd., 1. Heft. Ueber Peutinger unterrichten jetzt am besten die Peutinger-Studien von Erich König (Studien u. Darstellungen a. d. Gebiet der Geschichte. Im Auftrag der Görres- Gesellschaft . . . herausgegeben von Hermann Grauert. IX. Bd., 1. u. 2. Heft). 2 ) Dieser Brief Paumgartners an Pirkheimer wird erwähnt von Richard Ehrenberg in seinem Aufsatz: „Hans Kleeberg, der gute Deutsche,“ in:Mitteilungen d. Ver. f. Gesch. der Stadt Nürnberg, Bd. IX S. 15.