86 „Humanisten unter den Juristen“, verband ihn eine innige Freundschaft, von der mehrere Briefe Zeugnis geben. Ein Rechtsstreit, in dem Paumgartner sich bei Zasius Rat erholt hatte, gab den Anlass zu der näheren Bekanntschaft. Durch ein reiches Geschenk zeigte sich der Kaufmann dem Gelehrten dafür erkenntlich 1 ). Wir haben bereits oben erwähnt, wie Paum gartner sich dann weiterhin an den Juristen wandte, als er daran ging, für seine Besitzungen Rechtsordnungen und Sta tuten auszuarbeiten. Am 17. Oktober 1535 übersandte er ihm ein kürzlich (am 5. Mai) aufgerichtetes Testament und bat ihn um ein Gutachten darüber. Gleichzeitig ersuchte er Zasius um Ratschläge für die Errichtung eines Familienstatuts, doch sollte dieser die Sache geheimhalten 2 ). Da der gelehrte Jurist bereits am 24. November 1535 starb, wird er nur geringen oder gar keinen Anteil an der Ausführung des Planes gehabt haben. Er hatte aber bereits vorher dem Freunde durch Zueignung seines Werks „Usus feudorum“ die Mittel an die Hand gegeben, um sich auf dem Gebiet des Lehensrechtes zu orientieren. Bereits im Jahre 1534 hatte Zasius beschlossen, Paumgartner dieses Werk zu widmen, wie er mehrmals seinen Freunden (z. B. Amerbach) mitteilt 3 ), aber erst an Pfingsten 1535 über sandte er es ihm mit einer schmeichelhaften Widmungsepistel zu 4 ). Er preist darin Paumgartners Freigebigkeit gegen die Armen und rühmt den Glanz seines Hauses sowie die sorg fältige Erziehung, die er seinen Söhnen angedeihen lasse. Um sich für empfangene Wohltaten dankbar zu erweisen, zugleich aber, damit Paumgartner aus dem Werke für die Verwaltung seiner Güter (er nennt ausdrücklich das kürzlich erworbene Erbach) Nutzen ziehen könne, eigne er ihm dieses zu. *) Paumgartner war bereits im Jahre 1530 mit Zasius bekannt (siehe ff. S.). Im Jahre 1332 vermittelte er Briefe des Viglius von Zwichem an Zasius. Riegger: Udalr. Zasii epp. S. 399. Ueber Zasius vgl. R. Stintzing: Ulrich Zasius. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechtswissenschaft im Zeitalter der Reformation, Basel 1857 bes. S. 293. 2 ) Riegger a. a. O. S. 507. Kurz zuvor war der Kauf von Hohenschwangau gelungen. 3 ) Riegger a. a. O. S. 223, 227, 229. *) Diese steht sowohl an der Spitze des Werkes von Zasius: Usus feudorum epitome, Basel 1535, als auch bei R i e g g e r a. a. O. S. 431 und ist datiert v. 13. Juni 1535.