87 Nach Ulrich Zasius’ Tod übertrug Paumgartner seine Ver ehrung für den grossen Juristen auf dessen Sohn Johann Ulrich. Er liess diesen zusammen mit seinen eigenen Söhnen in Italien studieren und sorgte auch weiter für seine Zukunft. Der junge Zasius erwies sich des Vertrauens, das sein Gönner in ihn gesetzt hatte, würdig. Er wurde später kaiserlicher Rat und Nach folger Selds als Reichsvizekanzler unter Kaiser Maximilian II 1 ). Durch Zasius’ Vermittlung suchte Hans Paumgartner die Freundschaft des Desiderius Erasmus zu gewinnen, um sich rühmen zu können, dass er mit dem ersten Gelehrten Europas in Beziehung stehe. Auch hier wollte er nicht hinter Anton Fugger Zurückbleiben, der bereits die Freundschaft des Erasmus genoss. In einem Brief an Zasius sprach Paumgartner den Wunsch aus, mit Erasmus bekannt zu werden und von ihm ein Buch gewidmet zu erhalten. Doch solle der Anschein erweckt werden, als habe Erasmus aus eigenem Antrieb und aus Be wunderung für Paumgartner sich zu der Widmung entschlossen. Zasius teilte Paumgartners Begehren am 6. Februar 1532 dem Erasmus mit 2 ), worauf dieser bereits am 8. Februar an den Augsburger Kaufherrn schrieb und ihm seinerseits seine Freund schaft anbot 3 ). Schon vor zwei Jahren, als er einmal bei Zasius zu Gaste gewesen, schreibt Erasmus, und von dem edlen Wein gekostet habe, den Paumgartner dem Zasius verehrt, sei er begeistert worden für den Spender. Inzwischen habe ihm dann Zasius weiter in so ehrenden Worten über Paum gartner gesprochen, dass er selbst wünschen müsse, zu ihm in nähere Beziehung zu treten. Auf des Zasius Aufforderung hin habe er es nun gewagt, an Paumgartner zu schreiben. Mit Freuden nahm dieser des Erasmus Brief auf, der seiner Eitelkeit Genüge tat, und er war eifrig bedacht, diese berühmte Freundschaft zu pflegen und zu befestigen. Er erwiderte den Brief und fügte als Geschenk ein Stück gediegenes Gold bei, ') Allg. deutsche Biogr. Bd. 44 S. 706. Paumgartner machte auch für Joh. Ulr. Zasius im März 1547 den Heiratsvermittler, indem er ihn mit der Tochter des Augsburger Kaufherrn Wolfgang Neithart zu ver mählen suchte. R. Stintzing hat 1857 die Briefe des jüngeren Zasius an Bonifatius Amerbach herausgegeben. In Brief 2 weiht Zasius den Freund in diese Heiratsangelegenheit ein. 2 ) Förstemann-Günther: Briefe an Desiderius Erasmus (Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXVII S. 197). 3 ) Erasmi opera omnia ed. Clericus T. III 1430 F.