92 Geistlichkeit das Papsttum in der Stadt ausrottete und den katholischen Kultus verbot, musste dies den streng katholischen Paumgartner besonders erbittern. Er hielt sich seitdem häufig von der Stadt fern, begab sich an den Hof des Kaisers oder lebte auf seinen Schlössern. Sein Bestreben ging dahin, dem Katholizismus und der kaiserlichen Partei in Augsburg wieder zum Siege zu verhelfen. In diesem Sinne griff er seit dem Jahre 1539 aktiv in die Politik ein. In der Periode von 1530 bis .1544 suchten Karl V. und Ferdinand auf friedlichem Wege die Parteien wieder zu ver einigen und die Protestanten zur alten Lehre zurückzuführen. Das Konzil und die in Deutschland abgehaltenen Religions gespräche zu Hagenau, Worms und Regensburg sind ver schiedene Versuche gewesen, eine solche friedliche Einigung zu erzielen. Auch mit Augsburg stand der Minister Karls V., Granvella, in Unterhandlungen, die in seinem Namen Hans Paumgartner führte 1 ). Dieser suchte den ihm befreundeten Bürgermeister Wolfgang Rehlinger für sich zu gewinnen, der seit 1533 die Fäden der städtischen Politik in seiner Hand vereinigte 1 ). Obwohl Lutheraner, glaubte Rehlinger doch eine kaiserfreundliche Politik treiben zu können. Seine dahin gehenden Bestrebungen fanden aber in der Stadt, die seit 1536 dem Schmalkaldischen Bund angehörte, keinen Anklang und man verübelte ihm besonders seine häufigen Unterredungen mit Paumgartner, in dem man schon längst einen Feind und Verräter der städtischen Interessen zu sehen glaubte. Paum gartner berichtete über die mit Rehlinger geführten Unter handlungen im Jahre 1540 mehrmals an Granvella und an den an Heids Stelle getretenen Vizekanzler Karls V., Johann von Weeze, Erzbischof von Lund. Karl V. sandte dann Paum- gartners Berichte an seinen Bruder Ferdinand zur Begut achtung 2 ). Dieser, der die Beziehungen des Kaufmanns zu Frankreich kannte, zweifelte, wohl ohne Grund, an Paum- gartners Aufrichtigkeit und seiner katholischen Gesinnung *) Roth a. a. O. III S. 20. Ueber Wolfgang Rehlinger vgl. Roth II S. 150 ff. und III S. 45 ff. 2 ) Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Akten stücken 1. Abt. 5.U. 6.Bd., im Aufträge des Kgl. PreussischenHistorischen Instituts in Rom bearb. v. Ludwig Cardauns, Bd. 6 S. 320, 326, 328 ff. und Einleitung S. XC Anm. 3.