<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Wilhelm</forname>
            <surname>Krag</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>897232399</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        ﻿
        <pb n="2" />
        ﻿Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen

Schriftenfolge des Historischen Vereins für Schwaben u. Neuburg
Herausgegeben von Dr. P. Dirr

......................... 1. Heft	....—------------

Die Paumgartner
von Nürnberg und Augsburg

Ein Beitrag zur Handelsgeschichte
des XV. und XVI. Jahrhunderts
        <pb n="3" />
        ﻿

Die Meistersingerschule in Augsburg
und der Homerübersetzer Johannes Spreng

Von

Dr. Rudolf Pfeiffer

3. Heft

Der Kampf um die Reichsstandschaft der
Städte auf dem Augsburger Reichstag 1582

Von

Dr. Rudolf Reuter

In Vorbereitung:

4. Heft

Niedergang und Ende der Reichsstadt Augsburg

Von

Dr. P. Dirr
        <pb n="4" />
        ﻿
        <pb n="5" />
        ﻿Vorbemerkung.

Die hiermit erscheinenden drei ersten Hefte der Schriften-
folge „Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen“ sind
zum Teile schon vor dem Kriege entstanden und während des
Krieges gedruckt worden.

Durch die misslichen Zeitumstände wurde die Herausgabe
verzögert. Doch sind die Arbeiten in ihrem wissenschaftlichen
Gehalte und Werte keineswegs überholt, eignen sich vielmehr
nach wie vor zur Veröffentlichung.

Augsburg, im August 1919.

Dr. P. Dirr.
        <pb n="6" />
        ﻿Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen |

Schriftenfolge des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg
Herausgegeben von Dr. P. Dirr

—	-------i. Heft	"=

Die Paumgartner
von Nürnberg und Augsburg

Ein Beitrag zur Handelsgeschichte
des XV. und XVI. Jahrhunderts

Von

Dr. phil. Wilhelm Krag

Mit einem Anhang:

Die bayerischen Baumgartner
von Kufstein und Wasserburg

München und Leipzig
Verlag von Duncker &amp; Humblot
1919
        <pb n="7" />
        ﻿
        <pb n="8" />
        ﻿Inhaltsübersicht.

Vorwort......................................................VII

I.	Die Paumgartner von Nürnberg......................i—28

1.	Kapitel:	Herkunft und älteste Geschichte der Familie	3

2.	Kapitel:	Konrad Paumgartner ca. 1380—1464 ....	5

1.	als Kaufmann und Bankier....................... 5

2.	als Ratsherr und in seinem Familienleben ...	14

3.	Kapitel: Anton Paumgartner und der Zusammenbruch

der Firma..................................... 19

4.	Kapitel: Ueberblick über die späteren Schicksale der

Familie in Nürnberg........................... 25

II. Die Paumgartner von Augsburg.....................29—118

1.	Kapitel:	Die Anfänge: Hans Paumgartner d. Ae. . .	31

2.	Kapitel:	Die Zeit der Blüte: Hans Paumgartner d. J.

(ca. 1490—1549)............................... 45

a)	Hans Paumgartners d. J. Anfänge bis zur selb-
ständigen Uebernahme des Geschäfts............ 45

b)	Hans Paumgartners Finanzgeschäfte mit den
Habsburgern und seine Bergwerksunternehmungen 49

c)	Hans Paumgartners Privathandel und Vermögen 69

d)	Hans Paumgartners Gütererwerbungen und seine

Erhebung in den Freiherrnstand................ 75

e)	Hans Paumgartner als Freund des Humanismus .	84

f)	Hans Paumgartners Anteil an der hohen Politik 90

g)	Hans Paumgartners Privatleben................101

3.	Kapitel: Die Zeit des Verfalls: Hans Georg und David

Paumgartner......................................  106

Anhang: Die bayerischen Baumgartner von Kufstein und

Wasserburg.............................................
        <pb n="9" />
        ﻿Vorwort.

Die für die Geschichte des deutschen Handels im Ueber-
gang vom Mittelalter zur Neuzeit so wichtige Einzelforschung,
besonders die Beschäftigung mit den grossen Kaufmanns-
familien Nürnbergs und Augsburgs, steht erst in den Anfängen.
Zwar besitzen wir schon seit einer Reihe von Jahren Richard
Ehrenbergs gross angelegtes Werk „Das Zeitalter der
Fugger" (2 Bde. Jena 1896), das neben den Fuggern auch die
andern bedeutenden Handelsfamilien behandelt, es kann und
will aber Ehrenbergs Darstellung die Einzelforschung nicht
unnötig machen, sondern erst recht dazu anregen. Für die
Frage nach den Vermögensverhältnissen der Augsburger Kauf-
leute hat dann Jacob Strieder in seiner „Genesis des
modernen Kapitalismus“ (Leipzig 1904) eine Grundlage ge-
schaffen. So wertvolle Aufschlüsse wir den beiden genannten
Werken verdanken, so sind sie doch, freilich ohne Schuld ihrer
Verfasser, in Einzelheiten nicht immer genau, da eine Reihe
wichtiger Vorarbeiten besonders auf genealogischem und ver-
fassungsgeschichtlichem Gebiet fehlte. Wie wichtig aber gerade
genealogische Fragen auch für den Forscher der Handels-
geschichte sind, davon wird die vorliegende Arbeit Zeugnis
ablegen.

Die eigentliche Einzelforschung begann dann mit Max
Jansens „Studien zur Fugger-Geschichte“. Hier wurde
zum erstenmal gezeigt, welch reiches, bisher unbenütztes
Material dem Handelshistoriker noch zur Verfügung steht.
Einer Anregung Jansens verdankt auch die vorliegende Arbeit
ihre Entstehung, die versuchen möchte, eine andere Augs-
burger Kaufmannsfamilie, die Paumgartner, in ihrer Bedeu-
tung zu schildern. Stand es auch von vornherein fest, dass sich
über diese längst erloschene Familie nicht so reiches Material
finden würde, wie über die Fugger, die heute noch blühen und
über ein wohlgeordnetes Familienarchiv verfügen, so hat sich
doch gezeigt, dass auch für die Paumgartner sich noch eine
Fülle neuen Stoffes beibringen liess.
        <pb n="10" />
        ﻿VIII

Meine Arbeit umfasst zwei Teile, von denen der erste,
kürzere die Anfänge der Familie in Nürnberg behandelt. Die
meiste Ausbeute bot hierfür naturgemäss das Kgl. Kreisarchiv
in Nürnberg, wozu ergänzend das Kgl. Bayerische Allgemeine
Reichsarchiv und die Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München
traten. (Cgm = Codex germanicus Monacensis.)

Der zweite umfangreichere Teil beschäftigt sich mit der
Geschichte der Paumgartner in Augsburg. Neben dem Stadt-
archiv in Augsburg bot hier vor allem das k. k. Statthalterei-
archiv in Innsbruck mit seinen Copialbüchern (Cop.) reiches
Quellenmaterial. In diesem zweiten Teil war besonders bei der
Persönlichkeit Hans Paumgartners d. J. länger zu verweilen
und seine Betätigung auf den verschiedensten Gebieten des
öffentlichen Lebens zu schildern. Für den Verfall der Familie
unter Hans Paumgartners Söhnen konnten einige Archivalien
des Kgl. Bayerischen Geheimen Staatsarchivs benützt werden.

In einem Anhang wurde sodann noch einer Familie gedacht,
die in der Handelsgeschichte bisher überhaupt nicht genannt
wurde, weil sie das Schicksal hatte, mit der Augsburger Familie
zusammengeworfen zu werden.

Es ist mir schliesslich noch eine angenehme Pflicht, allen
den obengenannten Instituten, die mich bei der Sammlung
des Quellenmaterials unterstützten, den geziemenden Dank
auszusprechen.

Erwähnt sei nur noch, dass die Paumgartner von Augsburg,
bevor sie zum Gegenstand historisch-kritischer Darstellung
wurden, eine dichterische Behandlung fanden. Gutzkow
hat sie zum Mittelpunkt seines fünfbändigen Romans „Hohen-
schwangau“ Leipzig 1867 ff. gemacht. Der Dichter hat zu
diesem Werk, wie schon der Untertitel „Roman und Geschichte“
besagt, nicht unbeträchtliche historische Vorstudien getrieben
und deren Resultat in den jedem Band beigegebenen „An-
merkungen“ niedergelegt. Ich verdanke denselben manchen
wertvollen Hinweis.

Dr. Wilhelm Krag.
        <pb n="11" />
        ﻿I.

Die Paumgartner von Nürnberg.
        <pb n="12" />
        ﻿Erstes Kapitel.

Herkunft und älteste Geschichte der Familie.



Die Paumgartner1) tauchen am Ausgang des 14. Jahr-
hunderts in Nürnberg auf. Das erste urkundlich gesicherte
Datum in ihrer Geschichte ist das Jahr 1396, in welchem sie
Aufnahme in den Rat der Stadt und damit zugleich ins Patriziat
fanden. Ueber die Herkunft des Geschlechts und seine Schick-
sale vor dieser Zeit sind wir leider wenig unterrichtet. Zwar
wissen ältere Genealogien darüber mancherlei zu erzählen, aber
die Angaben, die sich noch dazu vielfach widersprechen, können
durch urkundliches Material nicht begründet werden. Eine
jener Annahmen geht dahin, dass die Familie aus Siebenbürgen
stamme, wo in der Nähe von Hermannstadt ein Ort Baum-
garten liege2). Belege hierfür haben sich nicht beibringen lassen.
Nicht besser beglaubigt ist die Ansicht derer, die das Schloss
Baumgarten in Schwaben als ursprüngliche Heimat unseres
Geschlechts annehmen3). Der in der Markgrafschaft Burgau
gelegene Ort nebst Schloss dieses Namens, an den dabei gedacht
ist, kam, wie wir noch sehen werden, erst im 16. Jahrhundert
in den Besitz der Paumgartner, die vorher in dieser Gegend nie
begütert waren.

Mehr Wahrscheinlichkeit hat dagegen eine Angabe für sich,
die wir in einem Briefe des Erasmus von Rotterdam lesen.
Der bekannte Humanist stand, wie später zu erzählen sein
wird, zu dem Augsburger Zweig der Paumgartner in freund-
schaftlichen Beziehungen und konnte daher wohl Nachrichten

x) Die Schreibung des Namens ist eine sehr schwankende. Als
von der gewöhnlichen Form besonders abweichend hebe ich hervor:
Paungartner, Pangartner (Schreibungen, die von der Familie selbst
gebraucht werden), Bongartner, Bongärter. In italienischen Urkunden
findet sich auch die Form Pangortiner.

2)	Cgm 2056 als Ansicht des Nürnberger Patriziers und Genea-
logen Konrad Haller erwähnt.

3)	Paul v. Stetten: Geschichte der adelichen Geschlechter in
der freyen Reichs-Stadt Augsburg. Augsbg. 1762. S. 195.
        <pb n="13" />
        ﻿4

haben, die auf Familientradition beruhten. Er nennt nun an
der betreffenden Stelle1) Ostfranken als die Heimat der Paum-
gartner und erzählt, dass sie dort ein Kloster mit Schenkungen
reich bedacht hätten. Ueber diese Stiftungen liess sich freilich
auch nichts Näheres finden, da Erasmus den Namen des Klosters
verschweigt; seine Angabe wird aber meiner Ansicht nach
gestützt durch Nachrichten über die Herkunft des Paum-
gartnerschen Wappens. Nach einer glaubwürdigen Notiz2)
wurde nämlich der Familie ihr Wappen von einem Bischof von
Bamberg verliehen. Die Paumgartner gehörten also wohl
ursprünglich zu dem begüterten niederen Landadel Ostfrankens3).
Der Verfall des Rittertums trieb bekanntlich vielfach Adelige
in die Städte, deren mächtig aufblühender Handel Ansehen
und Reichtum in Aussicht stellte. Wann sich die Paumgartner
dazu entschlossen haben, nach Nürnberg zu ziehen, lässt sich
nicht sagen. Sicher wohnten sie bereits geraume Zeit in der
Stadt, als 1396 ihre Aufnahme in den Rat erfolgte4).

Auch die älteste Genealogie der Familie, wie sie bei Stetten5),
Möhner6) und anderen Familienforschern verzeichnet ist, lässt
sich aus Mangel an urkundlichem Material weder belegen noch
anfechten. Der älteste bekannte Paumgartner wäre danach
Konrad, der um 1350 gestorben sein soll. Sein Sohn Konrad
{| 1367) hatte zwei Söhne, Konrad, den ersten ratsfähigen
Paumgartner, und Friedrich, den Ulman Stromer7) erwähnt.

4)	Erasmi opera omnia ed. Clericus III, 1480 F.

2)	Paumgartnerscher Familienkodex Bl. 1 a (R. A.: Hohen-
schwangau, Herrschaft I 36, 2). Das Paumgartnersche Wappen in seiner
ursprünglichen Form stellt in zweigeteiltem Schild einen Sittich auf
einer Lilie sitzend dar. (Vgl. z. B. Dürers Paumgartneraltar.)

3)	Vgl. auch die unten S. 37 besprochene Urkunde Kaiser Maxi-
milians I., laut deren die Ahnen Paumgartners, schon ehe sie sich in
Städten niedergelassen, dem Ritterstande angehörten.

*) Herr Archivrat Mummenhoff, der beste Kenner der Nürn-
berger Familiengeschichte, hat mir auf meine Anfrage bestätigt, dass
sich über die Paumgartner vor 1396 nichts Sicheres sagen lasse. Das
Jahr 1396 geben die Nürnberger Ratsbücher übereinstimmend als die
Zeit der Aufnahme ins Patriziat an.

5)	A. a. O. S. T95.

•) Möhner, Genealogie patrizischer Familien Augsburgs (hand-
schriftl. in der Augsb. Stadtbibi, vorhanden).

’) Die Chroniken der deutschen Städte I (Nürnberg Bd. 1) Leipzig
1862. S. 97.
        <pb n="14" />
        ﻿5

Alle diese genannten Glieder des Geschlechts sind für uns nur
Namen, da sich über ihre Lebensschicksale keinerlei Nach-
richten erhalten haben. Da sich aber die Familie später haupt-
sächlich dem Handel widmete, dürfen wir wohl annehmen,
dass auch jene älteren Generationen bereits auf diesem Gebiet
tätig waren.

Doch verlassen wir das unsichere Feld der Hypothese,
und wenden wir uns der beglaubigten Geschichte zu! Hier
tritt uns dann in Konrad Paumgartner, dem Enkel jenes Mannes,
der zuerst in der Familie das Patriziat erlangte, eine greifbare
Persönlichkeit vor Augen. Die Nachrichten, die sich über ihn
erhalten haben, geben die Möglichkeit, ein Bild seines Lebens,
das in die Glanzperiode Nürnbergs fällt, zu entwerfen.

Zweites Kapitel.

Konrad Paumgartner c. 1380 — 1464.

1. Konrad Paumgartner als Kaufmann und Bankier.

Konrad Paumgartner1) wurde um das Jahr 1380 in Nürn-
berg geboren. Ueber seine Jugendzeit und die Erziehung, die
er genoss, fehlen uns nähere Nachrichten. Im Jahre 1402
verheiratete er sich mit Anna Kress, der Tochter des Fritz
Kress2). Diese Heirat brachte unsern Konrad in nahe Verbin-
dung mit einem der angesehensten Nürnberger Geschlechter
und wurde auch für den weiteren Gang seines Lebens be-
deutungsvoll. Wie andere Nürnberger Patrizier betrieb nämlich
Fritz Kress einen ausgedehnten Handel und hatte im Jahre 1370
mit Heinz Rummel eine Gesellschaft zu gemeinsamer Ausübung

x) Der Vorname Konrad ist in unserer Familie häufig vertreten.
Dadurch wird ein Auseinanderhalten der einzelnen Personen erschwert
und oft unmöglich gemacht.

2)	Die meisten genauen Daten über Geburt, Hochzeit und Tod
der einzelnen Glieder des Paumgartnerschen Geschlechts bis zum Jahre
1464 verdanken wir den Aufzeichnungen Konrad Paumgartners (s. u.
S. 16).
        <pb n="15" />
        ﻿6

der Kaufmannschaft begründet1). Nach Rummels Ausscheiden
(1388) hatte Kress seine Söhne Hilpolt und Konrad in diese
Gesellschaft aufgenommen. Auch andere Nürnberger Kaufleute
gehörten ihr vorübergehend an. Im Jahre 1402 trat nun auch
des Fritz Kress Schwiegersohn Konrad Paumgartner als Teil-
haber ein und blieb fast 30 Jahre lang bis zur Auflösung der
Gesellschaft in ihr tätig.

Der Handel Nürnbergs2) hatte um das Jahr 1430 bereits
einen Höhepunkt erreicht, der auch später nicht mehr stark
übertroffen wurde. Besonders eng waren die Beziehungen zu
Venedig, wo viele Nürnberger Kaufleute im Fondaco dei Te-
deschi eigene Gewölbe und Kammern besassen3). Neben Ve-
nedig wurde Mailand und Genua von den Nürnbergern besucht.
Im Norden waren zunächst die Frankfurter Messen Haupt-
absatzgebiet für die aus Italien über den Brenner gebrachten
Waren. Aber auch in Brabant und Flandern finden wir damals
bereits den Nürnberger Kaufmann ebenso, wie im Osten in
Böhmen, Mähren, Polen und Steiermark. Gegenstände des
Handels bildeten hauptsächlich die aus dem Orient über Venedig
eingeführten Gewürze und Tuche, die besonders aus Flandern
kamen.

In diesen Bahnen bewegte sich nun auch die Tätigkeit
der von Kress gegründeten Gesellschaft, der ein für die damalige
Zeit recht beträchtliches Betriebskapital zur Verfügung stand.
Es betrug im Jahre 1397: 29 100 fl und wird sich durch Paum-
gartners Beitritt w'ohl noch vergrössert haben4). Von den

*) Vgl. für das Folgende: Mitteilungen d. Vereins f. d. Geschichte
der Stadt Nürnberg II, wo S. 187 ff. Mitteilungen aus dem Frhr. v. Kress-
sehen Familienarchiv über diese Handelsgesellschaft gemacht werden.
Wie mir auf meine Anfrage Frhr. v. Kress mitzuteilen die Güte hatte,
enthält das genannte Archiv sonst keine weiteren Aufzeichnungen über
die Geschichte der Kress ’schen Handelsgesellschaft.

s) Für die Geschichte des Nürnberger Handels im allgemeinen
ist immer noch das Hauptwerk: Joh. Ferdin. Roth: Geschichte des
nümbergischen Handels, 4 Bde. Leipzig 1800—1802. Wertvolle Er-
gänzungen dazu bietet: J. Baader: Nürnbergs Handel im Mittelalter.
(38. Jahresbericht des Historischen Vereins für Mittelfranken, 1871/72).

3)	Henry Simonsfeld: Der Fondaco dei Tedeschi und die
deutsch-venezianischen Handelsbeziehungen, 2 Bde. Stuttgart 1887.
Vgl. bes. Bd. II S. 73 ff.

4)	Zum Vergleich sei angeführt, dass in Augsburg im Jahre 1396
        <pb n="16" />
        ﻿7

Gefahren, die in jenen unruhigen Zeiten des Raubrittertums
den Handel umgaben, hatte auch unsere Firma manches zu
spüren. So wurde gleich im Jahre des Eintritts Paumgartners
{1402) ein der Gesellschaft gehöriger Warenzug in Böhmen
aufgehalten1). Trotz solcher nicht seltenen Ueberfälle warfen
die Unternehmungen einen recht ansehnlichen Gewinn ab,
wie aus den Abrechnungen, die Fritz Kress machte, hervorgeht.
So heisst es im Jahre 1403: „wir hetten gewunnen 13)4 fl am
hundert".

Nach dem Tode des Fritz im Jahre 1406 übernahm dessen
Sohn Konrad Kress die Leitung. Paumgartners Einfluss muss
aber daneben sehr bedeutend gewesen sein, da die Gesellschaft
von jetzt an den Namen „Conradten Kressen und Cunraden
Paumgarttners gesellschaft“ führte. Andere Teilhaber waren
zeitweise Paulus Vorchtel und Hans Waldstromer, die mit der
Familie Kress verwandt waren. Von Paumgartners Seite trat
1424 Endres Tücher, seit 1420 Konrad Paumgartners Schwieger-
sohn, mit einem Kapital von 2000 fl bei2). Einen interessanten
Aufschluss über die Handelsartikel der Gesellschaft erhalten
wir im Jahre 1426. Damals wurden in der Nähe von Landsberg
einer Reihe von Nürnbergern Warenzüge aufgehalten3). Es be-
fanden sich dabei auch solche der Kress-Baumgartner-Gesell-
schaft, nämlich „ein Ballen mit Baumwolle beschlagen und mit
dem Zeichen X; darin waren 4 Säcke Ingwer, 2 Büschel4) in
Brettern mit einem roten und einem schwarzen Sammat und
mit 2 Tüchern von Damasko, 3 Büschel Gold- und Silberfelle
in einen Rock und Mantel gebunden“. Das hier genannte
Warenzeichen ist das Kress’sche. Die Gegenstände kamen
wahrscheinlich aus Italien, vermutlich aber nicht aus Venedig,

die reichste Person, die „Dächsin“, ein Vermögen von 21 630 fl ver-
steuert. (Jac. Strieder: Zur Genesis d. modern. Kapitalismus,
Leipzig 1904, S. 10.)

1)	Rotha. a. O. Bd. I S. 140, Auch inMüllners Annalen III
S. 52 ist dieser Ueberfall erwähnt. Ich zitiere dieses Werk, das bekannt-
lich nur handschriftlich vorhanden ist, nach dem auf der Kgl. Hof- und
Staatsbibliothek vorhandenen Exemplar Cgm 2074.

2)	Chroniken der deutschen Städte Bd. II, Einleitung S. 5 Anm. 3.

3)	J. Baader a. a. O. S. 108 ff.

*) Büschel = buschförmige Verbindung von Dingen, z. B. Bänder.
(Schmeller, Joh. Andr.: Bayerisches Wörterbuch. München 1869 ff.
Bd. I Sp. 299.)
        <pb n="17" />
        ﻿8

da im Jahre 1426 die von Kaiser Sigismund mehrmals über
jene Stadt verhängte Handelssperre wieder in Kraft war1).

Infolge des erzielten Gewinnes und des Beitritts von Teil-
habern war das Gesellschaftsvermögen im Jahre 1422 auf
47 770 fl gestiegen. Nach dem Tode des Konrad Kress, der
1430 starb, löste sich die Handelsgesellschaft auf. Damals
wandten sich die Gläubiger des Kress durch Venedigs Ver-
mittlung an den Rat von Nürnberg, um zu ihrem Geld zu
kommen. Ob Kress schliesslich in Zahlungsschwierigkeiten
geraten war, oder ob jene Gläubiger nur jetzt ihre Aussenstände
hereinzubringen suchten, geht aus dem Schreiben nicht hervor.
Paumgartners Name wird dabei überhaupt nicht erwähnt2).

So wenig wir von der inneren Organisation und der äusseren
Geschichte unserer Handelsgesellschaft während ihres dreissig-
jährigen Bestehens wissen, wir gewinnen doch den Eindruck,
dass dieselbe, was Betriebskapital und Ausdehnung betrifft,
zu den bedeutendsten der damaligen Zeit gehörte. Für Konrad
Paumgartner aber war die Beteiligung an ihr eine gute Schule
gewesen. Als junger Mann war er eingetreten, jetzt nach ihrer
Auflösung stand er in der Vollkraft des Lebens, reich an Er-
fahrungen, die er nun für sein eigenes Geschäft benützen konnte.
Er nahm nämlich keine dauernden Mitgesellschafter mehr an,
sondern führte den Handel in selbständiger Weise fort. Nur
seine Söhne Konrad (geb. 1406) und Anton (geb. 1418) waren
an seinen Unternehmungen beteiligt. Wenn wir von diesen
einige Kenntnis haben, so verdanken wir das den gelegentlich
erwähnten Ueberfällen auf Paumgartners Warenzüge. Im
Jahre 1434 warfen Hartwig von Ramungen und einige andere
Placker einen Kaufmannszug nieder, in dem sich auch Ballen
mit Tüchern aus Köln, Konrad Paumgartner gehörig, befanden3).
Sie trugen das neue Paumgartnersche Warenzeichen £4).

Bis nach den Niederlanden erstreckten sich damals Paum-

1)	Wilh. S t i e d a: Hansisch-venezianische Handelsbeziehungen im
15. Jahrhundert, Rostock 1894 S. 30. Vielleicht hängt mit dieser Han-
delssperre auch der Bankrott des Nürnberger Kaufmanns Seyfried
Schmelzing zusammen. Konrad Paumgartner hatte von ihm 1800 fl
zu bekommen. (Simonsfeld a. a. O. Bd. I Urk. Nr. 388.)

2)	Simonsfeld a. a. O. Bd. I Urk. Nr. 375 ff.

3)	J. B a a d e r a. a. O. S. 110.

4)	Dieses Handelszeichen führten später auch die Augsburger
Paumgartner.
        <pb n="18" />
        ﻿9

gartners Handelsbeziehungen. Im Jahre 1436 wurden Nürn-
berger Bürgern in den jülichischen Landen, als sie von einem
Markt von Antorff (= Antwerpen) heimzogen, ihre Waren
weggenommen und sie selbst gefangen nach Geldern geführt1).
Unter ihnen befand sich auch Konrad Paumgartner d. J., der
wohl im Auftrag seines Vaters den Markt besucht hatte. Erst
auf die energische Einsprache des Nürnberger Rats, der nach
Brüssel, Löwen, Aachen und an den Kurfürsten Dietrich II.
von Köln schrieb, wurden die Gefangenen wieder in Freiheit
gesetzt. Dass Paumgartner auch noch Handel mit Gewürzen
trieb, zeigt ein Vorfall des Jahres 1442. Damals lag Ulrich
von Cilly, einer der mächtigsten Herren Steiermarks, in Fehde
mit König Friedrich III. und glaubte für die Forderungen,
die er an diesen hatte, die Reichsstadt Nürnberg haftbar machen
zu können. Er liess daher durch seinen Pfleger Endres von Graben
in Steiermark einen Warenzug der Nürnberger überfallen, der
fast nur Paumgartnersches Gut, nämlich 14 Saum Pfeffer,
enthielt2). Der Nürnberger Rat machte alle Anstrengungen,
um seinem Mitbürger wieder zu seinem Eigentum zu verhelfen,
worauf Endres von Graben die Waren schliesslich wieder
herausgab.

Dies sind die wesentlichsten Nachrichten, die sich über
Konrad Paumgartners Handel erhalten haben. Es sind nur
zufällige Notizen ohne inneren Zusammenhang, sie lassen aber
doch erkennen, dass wir es hier mit einem sehr ausgedehnten
Grosshandel zu tun haben, wie ihn im gleichen Umfang wenig
andere Nürnberger betrieben haben werden. Im Nord westen
des Reichs so gut wie im Südosten, in den Niederlanden und in
Steiermark trafen wir Paumgartners Warenzüge. Seinen Haupt-
stützpunkt aber hatte dieser Handel in Venedig. Um das
Jahr 1434 war dort Konrad Paumgartner neben dem Augs-
burger Hans Hoy und dem Frankfurter Konrad Neuhaus einer
der bekanntesten Kaufherrn3). Er hatte schon zusammen mit
Kress im Fondaco ein eigenes Gewölbe in Miete gehabt, später

*) Müllner, Annalen III (Cgm 2074) S. 390.

2)	Kreisarchiv Nürnberg: Briefbuch XV, S. 255 u. 274. Die hierher
gehörigen Urkunden sind abgedruckt bei Simonsfelda, a. O. Bd. I
Urk. Nr. 439, 441 u. ff.

3)	Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte, Frankf. a. M.
1910 Bd. I S. 259, leider ohne Quellenangabe.
        <pb n="19" />
        ﻿IO

treffen wir sogar einen ständigen Faktor der Firma in Venedig.
Eine andere Filiale besass dieselbe in Wien1).

Die Tätigkeit des spätmittelalterlichen Kaufmanns ging
jedoch im Warenhandel — mochte er auch noch so ausgedehnt
sein •—- nicht auf. Dieser bildete vielfach sogar nur die Grund-
lage und Voraussetzung für das Geld- und Bankiergeschäft,
dem sich seit Anfang des 15. Jahrhunderts auch christliche
Kaufleute zuwandten. Vorher wurde es zum grössten Teil von
den Juden ausgeübt, da die Kirche ja Geldleihen gegen
Zins verbot2). Es war jetzt nur eine natürliche Entwicklung,
wenn der Kaufmann, dessen Kapitalien im Warenhandel sich
vergrösserten, sein Geld durch Ausleihen nutzbringend anzu-
legen suchte. Frühzeitig finden wir daher auch Konrad Paum-
gartner als Geldgeber einzelner Fürsten. So lieh er im Jahre 1417
zusammen mit Ulrich Haller d. Ae. und Sebald Pfinzing dem
Burggrafen Friedrich von Nürnberg 2200 fl, als dieser zu Kon-
stanz mit der Markgrafschaft Brandenburg und der Kur belehnt
wurde3). Ebenso streckte er zusammen mit Hans Rummel und
Ulrich Ortlieb dem Kaiser Sigismund bei seinem Aufenthalt in
Nürnberg im Jahre 1431 6000 fl vor4).

Seit dem Jahre 1439 stand Paumgartner dann in finan-
ziellen Beziehungen zu Ludwig dem Höckerigen, dem Sohne
Ludwigs des Gebarteten, Herzogs von Bayern-Ingolstadt5).
In dem ärgerlichen, unnatürlichen Krieg, den Ludwig d. J.
damals gegen seinen Vater begann, stand auf des ersteren Seite
Markgraf Albrecht Achilles, der wohl die Aufmerksamkeit
seines Verbündeten auf den Nürnberger Kaufmann lenkte, als
es galt, für die Kriegszwecke Geld aufzubringen oder wenigstens
zahlungskräftige Bürgen zu erlangen. So hatte Herzog Ludwig
im Jahre 1439 von dem Ritter Hans v. Lidbach 2000 fl ent-
liehen, die bis Lichtmess 1440 wieder zurückbezahlt werden
sollten. Wilhelm von Rechberg, der in Albrechts Diensten

*) Siehe u. S. 15 Anm. 5.

2)	Richard Ehrenberg: Das Zeitalter der Fugger, Jena 1896
Bd. I S. 43 ff.

3)	Andreas Würfel: Historisch-genealogische und diplomatische
Nachrichten zur Erläuterung der Nürnberger Stadtgeschichte, Nürn-
berg 1766 Bd. I S. 372.

4)	W. Alt mann: Regesten zur Regierung Kaiser Sigismunds
(Regesta imperii XI) Nr. 8769.

‘) Sigismund Riezler: Geschichte Bayerns Bd. III S. 335 ff.
        <pb n="20" />
        ﻿II

&gt;	stand, Konrad Paumgartner und ein anderer Nürnberger,

Peter Steinberger, verbürgten sich als ,, Selbstschuldner‘', indem
sie versprachen, dem Lidbach die 2000 fl zu bezahlen, falls
Ludwig den Termin nicht einhielte. Gleichzeitig brachten die
drei genannten Bürgen bei dem Juden Seligmann Bach von
Nürnberg 1000 fl für Herzog Ludwig auf und leisteten auch
hierfür Bürgschaft. Dem Juden mussten 19 % Zins gegeben
werden. Um Wilhelm von Rechberg, Paumgartner und Peter
Steinberger ihrerseits sicherzustellen, gab ihnen der Herzog
am 11. September 1439 einige Kleinodien zum Pfand1). Am
22. Januar 1440 kam ein ähnlicher Vertrag mit denselben drei
Personen zustande, die diesmal bei anderen Nürnberger Juden
1800 fl (gegen 24 % Verzinsung) für Herzog Ludwig aufgebracht
hatten. Auch hierfür wurden den Bürgen Kleinodien zum
Pfand gesetzt2). Ludwigs d. J. Unternehmungen waren be-
kanntlich vom Glück begünstigt. Er eroberte eine Stadt seines
Vaters nach der andern und begann am 12. Mai 1443 die Be-
lagerung von Neuburg. Am Mittwoch nach Bartholomäi
(28. August) 1443 stellten Ludwig und sein Bundesgenosse
Albrecht zu „Neuburg im Veldt" dem Konrad Paumgartner
und Peter Steinberger einen Schuldbrief über 1046 fl 85 hl
aus3). Diese Summe hatten die beiden Kaufleute in Nürnberg
für die Fürsten bezahlt, als diese dort zu Belagerungszwecken
75 Ztr. 45 Pfd. Salpeter und 41 Ztr. Schwefel gekauft hatten.
Bis Mittfasten 1444 sollte die Schuld zurückgezahlt sein. Von
weiteren Geldgeschäften hören wir nichts mehr4). Da Lud-

1)	München, Reichsarchiv:Neuburger Kopialbücher XIII, fol. 38a. b.
Die Kleinodien (Sechs grosse gülden Stuck und hefftlein und sechs kleine
gülden Stuck darzwischen, darinnen versetzt sein sechsunddreissig palas
[= blasser oder völlig weisser Edelstein], siebentzehn diamandt grosser
und klainer und siebenundzwentzig grosser perlin) stammten wohl aus
dem Besitz Ludwig des Gebarteten, der dieselben am Hof seiner Schwester
Isabeau in Paris erworben hatte.

2)	Neuburger Kopialbücher XIII, fol. 40 a. b.

3)	Neuburger Kopialbücher XIII, fol. 234.

*) Als sich nach Beendigung des Krieges zwischen Ludwig d. J.
und dem obengenannten Lidbach Streitigkeiten erhoben, machte Albrecht
Achilles den Vermittler. Lidbach sollte das Schloss Gansheim, das,
wie es scheint, Gegenstand der Irrung war, an Ludwig um 2200 fl ab-
treten und dazu noch 2000 fl leihen. Konrad Paumgartner und Peter
Steinberger verbürgten sich dafür, dass Ludwig die 2000 fl samt jährlich
200 fl Zins innerhalb drei Jahren zurückzahle. Neubg. Kopialb. XIII,
        <pb n="21" />
        ﻿— 12 —

wig d. J. bereits im Jahre 1445 starb, so hörten die Beziehungen
zu den Wittelsbachern zunächst wieder auf.

Dagegen lassen sich etwa zehn Jahre später Verbindungen
unseres Nürnberger Handelshauses mit der Kurie nach weisen.
Als Schutzherr der abendländischen Christenheit hielt sich
der Papst nach dem Fall Konstantinopels für verpflichtet, dem
weiteren Vordringen der Türken gegen Westen entgegenzu-
treten, da die weltlichen Mächte, voran der Kaiser, versagten.
Calixt III. (1455—1458) griff diesen Gedanken mit einer für
sein hohes Alter bewundernswerten Energie auf. Um die
Mittel für eine zu bauende Flotte zu beschaffen, wurde ein
Türkenzehnte in der Christenheit erhoben1). Hauptsammel-
stelle für die einlaufenden Gelder war das Bankhaus der Medici
in Florenz, das die Geldgeschäfte der Kurie besorgte2), und bei
dem Calixt 6000 Dukaten für den Flottenbau aufgenommen
hatte. In alle Länder entsandte nun der Papst Kreuzzugs-
prediger, die zugleich als Zehntensammler (Kollektoren)
fungierten. Für Nordeuropa (Dänemark, Schweden und Nor-
wegen, die Erzbistümer Lemberg und Magdeburg, die Bis-
tümer Bamberg und Münster) ernannte Calixt am 26. März 1457
den Subdiakon der Diözese Parma, Marinus de Fregeno, zum
Kollektor3). Das von ihm gesammelte Geld sollte er bei dem
Bankhaus Paumgartner in Nürnberg abliefern, welches dann
wahrscheinlich die einlaufenden Summen an die Medici weiter
leitete. Marinus scheint bei seiner Mission nicht geschickt vor-
gegangen zu sein, da sich bald Klagen gegen ihn erhoben.
Besonders Sachsen war ein Herd der Opposition4). Er wurde
daher am 8. Juni 1458 durch ein päpstliches Schreiben heim-
berufen. Das Ergebnis seiner Sammlung sollte er zuvor bei
Paumgartner deponieren5). Marinus muss sich in Rom genügend

fol. 236. Vgl. Erh. Waldemar Kanter: Markgraf Achilles von Bran-
denburg Bd. I (1911) S. 234.

4 Ludwig Pastor: Geschichte der Päpste Bd. I (3. u. 4. Aufl.)
S. 655 ff. u. bes. S. 659 Anm. 6.

s) Ehrenberg: Zeitalter d. Fugger I S. 46 ff.

3) Das auf Marinus de Fregeno (vgl. Pastor a. a. O. S. 664
Anm. 1) bezügliche Urkundenmaterial ist veröffentlicht in: Diploma-
tarium Norvegicum XVII (Christiania 1907) S. 519 ff. u. 1242 ff. Die
Ernennungsurkunden stehen unter Nr. 1242—1245.

*) Archiv f. sächsische Geschichte V (1867) S. 117 ff-
*) Dipl. Norv. XVII Urk. Nr. 1246.
        <pb n="22" />
        ﻿13

*	gerechtfertigt haben, da ihn Calixts Nachfolger Pius II. am

5. Juli 1459 wieder als Kollektor auf stellt1). In dem nämlichen
Schreiben bestätigt der Papst die Firma Paumgartner in Nürn-
berg von neuem als Sammelstelle der eingehenden Türkengelder
und wies in einem Breve vom 30. Juli 1459 auch den Kurfürsten
von Sachsen an, die noch nicht abgelieferten Kreuzzugsgelder
an die apostolische Kammer oder an Paumgartner abzuschicken2).

Die genannten Urkunden zeigen, dass Paumgartners
Name in Rom nicht unbekannt war. Anderweitige Nachrichten
bestätigen dies. Im Jahre 1458 ff weilte der Kaplan und spätere
Protonotar des päpstlichen Stuhles, Thomas Pirkheimer,
mehrmals an der Kurie, um für die Herzoge Albrecht, Wolf-
gang und Christoph von Bayern, die sich dem geistlichen Be-
rufe widmen sollten, Bullen und Dispensationen zu erwirken3).
Nach Regensburg, wo er Geistlicher war, zurückgekehrt, be-
richtet Pirkheimer in einem Schreiben den Herzogen Johann
und Sigismund über den Erfolg seines römischen Aufenthaltes4).
Er gibt unter anderem den Rat, man solle das Geld für die er-
langten Bullen nicht direkt nach Rom senden, sondern von
Anton Paumgartner zu Nürnberg Wechselbriefe nehmen
und diese auf Christoph Schachner, einen geborenen Bayern,
der sich in Rom aufhalte, ausstellen lassen. Schachner werde
dann die Bullen herausbringen. Dem Paumgartner gebe man
für je 100 Dukaten 135 fl5). Ob Paumgartner einen Vertreter
in Rom hatte — vielleicht den genannten Schachner — oder
ob der Wechsel bei einem mit Paumgartner befreundeten
römischen Bankhaus eingelöst wurde, muss aus Mangel an
weiteren Belegen dahingestellt bleiben. Jedenfalls aber zeigen

9 Dipl. Norv. XVII Urk. Nr. 638. Mit der Revision der Ange-
legenheit des Marinus betraute Pius II. den Propst von Nürnberg Johannes
Lochner (Dipl. Norv. XVII Urk. Nr. 634).

9 Fontes rerum Austriacarum II, 42 S. 283.

3)	Riezlef: Geschichte Bayerns III S. 462 ff. Eine kurze
Uebersicht über den interessanten Lebensgang dieses Thomas Pirk-
heimer gibt Arnold R e i m a n n: Pirkheimer-Studien (Dissertation 1900).
Leider liegt nur die Inhaltsübersicht der Thomas Pirkheimer betref-
fenden Kapitel der Arbeit vor.

4)	München, Reichsarchiv: Fürstensachen Nr. 250. Das Schreiben,

,	datiert regensburg am mitwoch vor thome, gehört wohl ins Jahr 1460.

6) Die Fugger, die später ähnliche Wechselgeschäfte machten, be-
rechneten für 100 Dukaten 134 fl minder 1 ort. (Max J a n s e n: Anfänge
der Fugger S. 52.)

4
        <pb n="23" />
        ﻿14

die angeführten Urkunden, dass sich unser Nürnberger Han-
delshaus zu einer in der internationalen Finanzwelt angesehenen
Stellung emporgeschwungen hatte. Wenn uns bei diesen Ge-
schäften jetzt häufig statt Konrad Paumgartner der Name
seines Sohnes Anton begegnet, so hat dies seinen Grund darin,
dass der hochbetagte Konrad sich vom Geschäft mehr zurückzog
und dessen Leitung seinen Söhnen Konrad und Anton überliess.
Dem letzeren fiel, da sein Bruder schon 1457 starb, schliesslich
die alleinige Führung zu. Bevor wir jedoch auf die weiteren
Schicksale des Handelshauses näher eingehen, wollen wir noch
einen Blick auf Konrad Paumgartners Tätigkeit im Dienste
seiner Vaterstadt und sein Privatleben werfen.

2. Konrad Paumgartner als Ratsherr und in seinem

Familienleben.

Konrad Paumgartner ging nicht gänzlich in seinem kauf-
männischen Beruf auf1). Er gehörte seit dem Jahre 1424 dem
Rat seiner Vaterstadt an, war seit 1440 Alter Bürgermeister
und hat sich an der Regierung des städtischen Gemeinwesens
eifrig beteiligt2). Wiederholt berichten die Chroniken und Brief-
bücher von Aufträgen, mit deren Ausführung ihn seine Mit-
bürger betrauten. Besonders gern verwendete man den welt-
erfahrenen Ratsherrn zu Gesandtschaften an benachbarte Für-
sten, oder ordnete ihn ab, wenn es galt, auf Städtetagen die
Rechte Nürnbergs zu vertreten. So war er im Jahre 1438,
als die Pfarrei St. Lorenz neu besetzt werden musste, zweimal
bei dem Bischof von Bamberg, um dort die Wünsche der Stadt
vorzutragen3). In nahen Beziehungen stand Paumgartner
besonders zu dem Burggrafen und späteren Kurfürsten Fried-
rich I. von Brandenburg, was besonders daraus hervorgeht, dass
er in dessen letzten Tagen in seiner Nähe weilte (September

‘) Anderseits muss entgegengesetzten Behauptungen gegenüber
immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die Betätigung im Gross-
handel für die Patrizier der Reichsstädte keine Schädigung ihres An-
sehens bedeutete. Nur der Detailhandel war ihnen verboten. Wir finden
die angesehensten Nürnberger Geschlechter (Beheim, Haller, Tücher,
Imhof) auf dem Gebiet des Handels tätig.

2)	Nürnberger Ratsbücher z. B. Cgm 2050 fol. 427.

3)	Chroniken der deutschen Städte I Beilage XIII S. 457 ff.
        <pb n="24" />
        ﻿15

144°) und von ihm zu einem seiner Testamentsvollstrecker
ernannt wurde1). Weniger freundlich gestalteten sich dann,
wie bekannt, die Beziehungen Nürnbergs zu Friedrichs I.
Sohn, dem streitbaren Albrecht Achilles. Als dieser im Jahre
1449 der Stadt Fehde ansagte, war Konrad Paumgartner mit
Rat und Tat zur Hand. Er wurde mit anderen angesehenen
Bürgern auf die Tage nach Bamberg und Ingolstadt gesandt,
wo man vor Ausbruch des Krieges noch eine Versöhnung her-
beizuführen hoffte (Juni und Juli 1449)2). Während des Kamp-
fes selbst war er einer der fünf von der Stadt aufgestellten
Kriegsräte3). An den Beratungen, die dann auf eine Einigung
und Friedensschluss hinzielten, nahm er ebenfalls teil. Zu
einem Ergebnis führten diese Verhandlungen erst auf dem
Tage zu Lauf (27. April 1453), dem Paumgartner zusammen
mit Gregor Heimburg, Niklas Muffel und Erhard Schürstab
als Vertreter Nürnbergs anwohnte4).

Natürlich bediente sich die Stadt auch ihres Mitbürgers
in seiner Eigenschaft als Kaufmann, wenn sie in die Lage kam,
Geldgeschäfte und ähnliche in das Gebiet des Handels ein-
schlägige Angelegenheiten zu erledigen. Wir haben oben ge-
sehen, wie Paumgartner seit dem Jahre 1456 bei der Sammlung
der Türkengelder im Auftrag der Kurie beteiligt war. In Nürn-
berg predigten damals Johannes Capistrano und der Kardinal
Carvajal gegen die Türken. Als sich daraufhin 800 Kreuzfahrer
sammelten, deren Verpflegung die Stadt auf sich nahm, wurde
die Firma Paumgartner beauftragt, das Geld für die Unter-
haltungskosten vorzustrecken. Es sind mehrere Schreiben
erhalten, in denen der Nürnberger Rat dem Vertreter Paum-
gartners die Weisung gibt, an die Hauptleute des Zuges Sum-
men für diesen Zweck auszubezahlen5).

1)	Das Testament Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg (f 21. Sep-
tember 1440) ist abgedruckt bei Julius von Minutoli: Friedrich I., Kur-
fürst von Brandenburg S. 334. Der Kurfürst teilte dem Kaufmann
gelegentlich auch wichtige briefliche Nachrichten mit, die ihm zukamen.
(Vgl. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1863 Spalte 392 und
Joh. Janssen: Frankfurts Reichskorrespondenz Bd. I Freiburg i. Br.
1863 S. 472.)

2)	Chroniken der deutschen Städte II S. 365 u. 374.

3)	Ebenda S. 245.

*) Ebenda S. 413.

6) Die Hauptleute der Kreuzfahrer, die in Wien von dem dortigen
        <pb n="25" />
        ﻿i6

Mannigfach waren die Pflichten und Aufgaben, die an den
Bürger und Ratsherrn einer Stadt wie Nürnberg herantraten,
das damals von starkem Leben durchflutet war. Paumgartner
nahm an allen Ereignissen, die das Wohl und Wehe seiner
Vaterstadt betrafen, innigen Anteil. Nicht minder gross aber
war die Fürsorge für seine Familie, die ihm zu verdanken hatte,
was sie an Glanz und Ansehen besass. Das Nürnberger Pa-
triziat des 15. Jahrhunderts zeichnet überhaupt ein ausge-
prägter Familiensinn aus. Fast in jedem dieser Geschlechter
fanden sich damals Männer, die schlichte Aufzeichnungen über
Geburt, Hochzeit und Tod ihrer Angehörigen machten1).
Auch von Konrad Paumgartners Hand besitzen wir solche
kurze Notizen über die wichtigsten Vorfälle in seiner Familie.
Sie haben sich in mehreren Abschriften erhalten und sind
wegen der Fülle ihrer Daten nicht ohne Wert für die Geschichte
Nürnbergs und seines Patriziats2). Paumgartner will in dieser
„handtschrifft“ berichten, ,,was und wie vil er kinder, enicklein
und urenicklein erlebt hat, und von im herkomen und geporn
sind“, seine Aufzeichnungen aber sind für uns zugleich ein
Beweis für die angesehene Stellung, die seine Familie im Nürn-
berger Patriziat einnahm. Zu vielen der in Nürnbergs Geschichte
ausgezeichneten Geschlechter sind die Paumgartner in ver-
wandtschaftliche Beziehung getreten. Konrad Paumgartner
selbst war zweimal verheiratet. Nach dem Tod seiner schon

Faktor Paumgartners das Geld in Empfang nahmen, waren Ott Her-
degen von Nürnberg und derSchweizer Heinrich von Malters gen. Schlosser.
Ihre Korrespondenz mit dem Rat der Stadt hat sich in den Nürnberger
Briefbüchern Bd. 26 fol. 210 b u. 236 erhalten. Vgl. auch Chroniken der
deutschen Städte III S. 411. Die Briefe sind abgedruckt in: Anzeiger
für Kunde der deutschen Vorzeit 1863 Spalte 252 ff. und Fontes rerum
Austriacarum II42 S. 192.

r) Erinnert sei nur an Ulman Stromers Puechl von meinem
Geschlecht (Chroniken der deutschen Städte Bd . 1) und Erasmus Schür-
stabs Geschlechterbuch (veröffentl. von Friedr. Weechim 31. Jah-
resbericht d. Hist. Vereins von Mittelfranken S. 39 ff.).

2) Eine Abschrift ist erhalten in dem Collektaneenband H der
Scheurischen Bibliothek, jetzt im Archiv des Germanischen Museums
aufbewahrt. Diese Abschrift rührt wahrscheinlich von Hans Hallers
Hand her. Es hat jedoch auch Christoph Scheurl, der Besitzer des
Kodex, Nachträge hinzugefügt. Eine zweite Abschrift von Konrad
Paumgartners Aufzeichnungen, einst in Tucherschem Besitz, hat sich
im Kreisarchiv Nürnberg (D 1071) erhalten.
        <pb n="26" />
        ﻿*7

obenerwähnten ersten Gemahlin Anna Kress (f 22. Septem-
ber 1415) schloss er am 22. November 1417 eine zweite Ehe
mit Klara, der Tochter Konrad Zenners. Von den 21 Kindern,
die diesen Ehen entsprossten, pflanzten fünf Söhne das Ge-
schlecht fort, vier Töchter verheirateten sich mit angesehenen
Patriziern aus den Familien Tücher, Löffelholz, Graser und
Tetzel.

Wohl die glänzendste Verbindung ging Paumgartners
älteste Tochter Margareta (geb. 1404) ein. Sie vermählte
sich im Jahre 1420 mit Endres Tücher, Hans Tuchers Sohn.
Der Prunk, der bei dieser Hochzeit entfaltet wurde1), legte
Zeugnis ab von dem Wohlstand der beiden Familien, die hier
in verwandtschaftliche Beziehung zueinander traten. Noch
bekannter in der Nürnberger Stadtgeschichte ist die Ver-
mählung einer anderen Tochter Paumgartners, Kunigunde,
geworden, die sich im Jahre 1446 mit Wilhelm Löffelholz
verheiratete. Zur Feier der Hochzeit veranstalteten die Pa-
trizier ein „Gesellenstechen“, über das wir durch Abbildungen
und schriftliche Mitteilungen unterrichtet sind. Dieses Tur-
nier soll den Adel nicht wenig verdrossen haben. Die Nürn-
berger selbst glaubten, dass dasselbe den Ausbruch des Städte-
krieges im Jahre 1449 beschleunigt habe2). Jedenfalls legte es
Zeugnis ab von dem Stolz und Selbstbewusstsein des unab-
hängigen Bürgertums der freien Reichsstadt3).

Neben solch frohen Ereignissen musste Konrad Paum-
gartner auch manches Traurige in seine Familienchronik auf-
nehmen. Von einem peinlichen Handel, der besonders seinen
Sohn Anton anging, der aber auch für die Entwicklung des
Handelshauses verhängnisvoll wurde, soll weiter unten noch
die Rede sein. Im Jahre 1449 verlor Paumgartner in wenigen

1)	Chroniken der deutschen Städte II S. 5 Anm. 3: der preütt
vergülter gürtet unnd gülden hefftlein gestunden 58 gülden, unnd die
hochtzeitt kopff, mahelfingerlein, clayder, kürssner lotter ansing und
kuchen gelt, badtclaidt unnd zech zur hochtzeitt 177 gülden; darzu gab
Hanns Tücher diesem seinem sun gegen 800 fl hayrat guts tausennt
gülden gegenschatz unnd noch tausennt gülden an lehen güettern . . .
Vgl. dazu 37. Jahresber. d. Hist. Ver. v. Mittelfranken S. 120 ff.

2)	Chroniken der deutschen Städte I S. 218/19.

3)	Das Nürnberger Gesellenstechen vom Jahr 1446, radiert und
herausgegeben von Philipp Walter. Mit einer geschichtlichen Ein-
leitung von Prof. Lochner , Nürnbg. 1845.

2
        <pb n="27" />
        ﻿

naoBKasi

— 18 —

Wochen die Gattin (f 23. August) und zwei blühende Kinder,
einen Sohn Sebald (geb. 1411, f 2. September) und eine Toch-
ter Agnes (geb. 1431, f 16. Oktober). Auch der älteste Sohn
Konrad, der wohl bestimmt war, einst das Geschäft zu über-
nehmen, starb 1457 vor seinem Vater1).

Aber dafür umgab ihn ein stets wachsender Kreis von
Enkeln und Urenkeln. Aus seinen Aufzeichnungen ergibt sich,
dass er 74 Enkel und 40 Urenkel erlebte. Wie ein Patriarch
stand er inmitten seiner Familie. Eine alte Tradition hat uns
die Nachricht aufbewahrt, dass er alle Weihnachten, Sunwenden
und Martini seine Enkel um sich vereinigte und jedem einen
neuen Heller verehrte, ein schlichter Zug, der uns das Familien-
leben in Konrad Paumgartners Hause in schönstem Lichte
zeigt2). Bis zum Jahre 1461, also über sein achtzigstes Lebens-
jahr hinaus, ging Paumgaitner in den Rat. Die letzten beiden
Jahre seines Lebens war er krank und bettlägerig. Er starb
am Montag nach St. Gilgentag (3. September) 14643). Ein
Leben voll rastloser Tätigkeit fand damit seinen Abschluss.

Wir haben — soweit es das leider nicht sehr reich fliessende
Quellenmaterial zuliess — versucht, ein allseitiges- Bild von
Konrad Paumgartners Wirken auf dem Hintergrund der reich-
bewegten Stadt- und Zeitgeschichte zu entwerfen, und be-
sonders seine Bedeutung für die Handelsgeschichte ins rechte
Licht zu setzen. Von kleinen Anfängen hatte er sein Geschäft
zu hoher Blüte geführt und mit den Kreisen der Handels-
und Finanzwelt wichtige Beziehungen angeknüpft. An seinem
Erben lag es jetzt, in diesen Bahnen weiterzugehen. Anton
Paumgartner, an den als an den ältesten der lebenden Söhne
Konrads die Leitung überging, war dieser Aufgabe nicht ge-
wachsen. Schon ein Jahr nach seines Vaters Tod brach über
ihn die Katastrophe herein.

1)	Nach Konrad Paumgartners Familienchronik. Die an sich ein-
förmigen Daten dieser Aufzeichnungen sind ein neuer Beleg für die hohe
Sterblichkeitsziffer in den Städten des Mittelalters.

2)	Erwähnt von Lochnerim Anzeiger für Kunde der deutschen
Vorzeit 1863 Spalte 392 (Alphabet. Verzeichnis der im 1. TI. von „Frank-
furts Reichscorrespondenz“ vorkommenden Nürnberger).

3)	Diese zuletzt erwähnten Daten sind Konrad Paumgartners.
Familienaufzeichnungen von späterer Hand beigefügt.
        <pb n="28" />
        ﻿!9

Drittes Kapitel.

Anton Paumgartner
und der Zusammenbruch der Firma.

Anton Paumgartner (geb. 1418) ist uns im Verlauf unserer
Darstellung bereits begegnet, da er, seit sein Vater ins höhere
Alter getreten war, in dessen Namen das Paumgartnersche
Geschäft weiterführte. Seit dem Jahre 1442 war er verhei-
ratet mit Klara Arzt, die dem bekannten Augsburger Geschlecht
dieses Namens entstammte1). Durch seine Gemahlin war er
im Jahre 1453 in einen ärgerlichen Streit verwickelt worden,
der für seine Vermögensverhältnisse unheilvolle Folgen hatte
und auch weitere Kreise berührte. Da sich darüber ein ausser-
ordentlich reiches und interessantes Material erhalten hat,
so verlohnt es sich, hier näher darauf einzugehen2).

Anton Paumgartners Schwiegervater, Ulrich Arzt, war
im Jahre 1426 nach Aufgabe seines Bürgerrechts von Augs-
burg nach Nürnberg gezogen, wo er im Jahre 1436 starb3).
Er hinterliess zwei Söhne: Ulrich und Hans und drei Töchter4).
Justina, die Hans Ulstatt heiratete, Klara, die Gemahlin Anton

1)	Im Gegensatz hierzu findet sich bei Stetten (Geschichte der
adel. Geschlechter S. 195) die irrige Annahme, dass Anton Paumgartner
sich erst nach seinem Bankrott im Jahre 1475 in Augsbug mit Klara
Arzt vermählte. Neuere Historiker (Strieder u. a.) sind Stetten ge-
folgt und haben dadurch ein falsches Bild von den Anfängen der Paum-
gartner in Augsburg gegeben. Wie sich die Sache in Wirklichkeit ver-
hielt, wird weiter unten dargelegt werden.

2)	Als Quellen für die ff. Darstellung der handelsgeschichtlich
hochinteressanten Vorgänge kommen Archivalien im Nbg. Kreisarchiv
in Betracht und ausserdem ein Kodex, der sich als Leihgabe im Besitz der
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek München befindet. (Cod. Aschaff. Nr. 9
Pap.) Herr Oberbibliothekar Dr. L e i d i n g e r hatte die Freundlich-
keit, mich auf denselben aufmerksam zu machen.

3)	Vgl. über ihn, was der bekannte Chronist Burkard Zink unter
der Ueberschrift „Von ainem reichen man“ erzählt. (Chroniken d.
deutschen Städte V S. 72/73.)

*) Zur Erläuterung diene folgende Stammtafel:

Ulrich Arzt J 1436

Hans f 1453, Ulrich Justina,	Klara,	Ursula

m. Anna Graser	m. Hans Ulstatt m.Ant.Paumg. m.Sigm.Gossembr.

2*
        <pb n="29" />
        ﻿Paumgartners, und Ursula, die sich mit dem bekannten Hu-
manisten Sigmund Gossembrot vermählte. Die Söhne Ulrich
Arzts betrieben nun die von ihrem Vater gegründete Handels-
gesellschaft weiter, an der auch Hans Ulstatt, Sigmund Gossem-
brot und Klara Arzt, letztere mit ihrem Heiratgut, sich be-
teiligten1). Anton Paumgartner erklärte später wiederholt,
dass er für seine Person der Gesellschaft fern gestanden habe.
Da die Mehrzahl der Teilhaber in Nürnberg wohnte, so wurde
als Sitz der Gesellschaft diese Stadt bestimmt. Sigmund
Gossembrot liess sich in Nürnberg durch Kaspar Nagel, einen
geborenen Augsburger, vertreten2). An der Spitze des ganzen
Unternehmens stand als „Obmann" Hans Arzt, der die Rech-
nungsbücher führte und im Namen der Mitgesellschafter die
Geschäfte abschloss. Um das Jahr 1450 entstanden jedoch
wegen der Rechnungsführung des Obmanns Streitigkeiten,
worauf sich die Teilhaber (Ulrich Arzt, Gossembrot, Klara
Paumgartner und Ulstatt) in den Besitz von Papieren zu setzen
suchten, die Hans Arzt in Verwahrung hatte. Sie gewannen
den Kaspar Nagel, der sich dazu herbeiliess, dem Hans Arzt
die Schriftstücke, auf die sich ihre Verdachtsgründe bezogen,
zu entwenden. Auf Grund derselben zwangen die Teilhaber
dann den Arzt, eine Schuldurkunde zugunsten der Teilhaber
auszustellen. Hans Arzt rief gegenüber dieser Nötigung die
Hilfe des Nürnberger Rats an und beschuldigte Kaspar Nagel
des Diebstahls der Papiere. Nagel wurde hierauf in Nürnberg
im Jahre 1451 verhaftet und gefangen gesetzt. Da er jedoch
ein geborener Augsburger war, so focht Gossembrot und seine
Partei dieses Vorgehen der Nürnberger an, und sie wandten
sich an den Rat der Stadt Augsburg, um Nagel frei zu bekommen.
Augsburg brachte die Angelegenheit sogar in Ulm auf dem
Städtetage zur Sprache. Dieser sprach jedoch den Nürn-
bergern das Recht zu, über den in ihrer Stadt geschehenen

Die ff. Erzählung gibt uns einige Aufschlüsse über die kauf-
männische Tätigkeit des Humanisten Gossembrot. Ueber seine gelehrten
Neigungen sind wir ja durch Wattenbach (Ztschr. für Gesch. d.
Oberrheins XXII n. XXV) und Paul Joachimson (Zentralblatt
für Bibliothekswesen Bd. 11 Hft. 6, 7) gut unterrichtet. Vgl. auch den
Artikel Friedr. Roths in Allg. deutsche Biographie Bd. 49 S. 475.

2) Nagel wohnte zuvor in Augsburg im Hause Gossembrots (Augsb.
Steuerbuch 1449 fol. 20 b).
        <pb n="30" />
        ﻿21

Frevel selbst zu richten1). Als Gossembrot die Freilassung
Nagels auf diesem Wege nicht erreichen konnte, rief er und
seine Partei den Herzog Albrecht III. von Bayern-München
um Schutz an2). Hans Arzt seinerseits wandte sich hierauf
an Herzog Ludwig den Reichen von Bayern-Landshut, um die
Bestrafung Nagels durchzusetzen.

Damit war aus dem privaten Streit ein politischer Handel
von folgenschwerer Bedeutung geworden. Die um Beistand
angerufenen Fürsten übten nämlich jetzt im Namen ihrer
Schutzbefohlenen auf Nürnberg einen Druck aus und griffen
zu dem alterprobten Mittel, den Nürnberger Kaufleuten in
ihren Ländern die Handelschaft zu verbieten und ihnen ihre
Warenzüge aufzuhalten. Die Stadt war damit an ihrem wun-
desten Punkte getroffen und musste danach trachten, eine
Einigung herbeizuführen. Im Jahre 1453 begaben sich zu
diesem Zweck im Auftrag der Nürnberger Konrad von Heideck,
Werner von Parsberg und Gregor Heimburg an den Hof Lud-
wig des Reichen. Nach langen Verhandlungen brachten sie
eine Aussöhnung zustande — die sogenannte Landshuter
Richtung. Danach sollte Anna Arzt — die Witwe des in-
zwischen verstorbenen Hans Arzt — als Entschädigung für
den ihrem Mann zugefügten Schaden 28 700 fl erhalten, für
deren richtige Bezahlung sich die Stadt Nürnberg verbürgte3).
Nach der Rückkehr der Gesandten — die Landshuter Richtung
kam am 15. April 1453 zustande — wandte sich der Rat an
Anton Paumgartner und seinen Vater, um von ihnen die Be-
zahlung zu erlangen, da die anderen ehemaligen Teilhaber
der Gesellschaft nicht mehr in Nürnberg weilten. Anton Paum-
gartner erklärte nun zwar, dass er mit der ganzen Angelegen-
heit nichts zu tun habe, da nur seine Frau ihr Heiratgut in

*) Kreisarchiv Nürnberg: D 1773.

a) Chroniken der deutschen Städte X S. 197 mit Anm.

3)	Die Landshuter Richtung, die sich im Wortlaut in dem oben-
erwähnten Aschaffenburger Kodex erhalten hat, bestimmte, dass diese
Summe an Anna Arzt bezahlt werden sollte, wenn sich ihre Prozessgegner
weigerten, die Bücher und Rechnungen der Gesellschaft in Landshut
zur Einsicht vorzulegen. Als Revisoren dieser Geschäftsbücher wurden
aufgestellt: Ludwig Meuting und Klaus Grander von Augsburg, Heinrich
Müllner von Nördlingen, Erhärt Vehlin von Memmingen und Jobst
*	Humpis von Ravensburg, also die Hauptvertreter des oberdeutschen

Handels in damaliger Zeit.
        <pb n="31" />
        ﻿22

der Gesellschaft gehabt habe. Belastend für ihn aber war,
dass die dem Hans Arzt entwendeten Papiere in seinem Hause
wieder gefunden wurden. Er erklärte sich schliesslich auch
mit seinem Vater bereit, die Entschädigung an Anna Arzt
zu bezahlen, wenn der Rat einen Teil der Summe auf sich
nehme. Er hätte dies wohl nicht getan, wenn er sich nicht
doch irgendwie schuldig gefühlt hätte.

Schliesslich verständigte man sich dahin, dass der Rat
von den 28 700 fl an Paumgartner 10 350 fl bezahlte, die übrigen
18 350 fl entrichteten Konrad und Anton Paumgartner aus
ihrem Vermögen1). Kaspar Nagel blieb noch bis zum Jahre
1455 im Nürnberger Gefängnisse. Er schwört am 16. Juni
dieses Jahres bei seiner Freilassung den Nürnbergern Urfehde.
Gleichzeitig erklären Konrad und Anton Paumgartner, Ulrich
Arzt, Sigmund Gossembrot und Justina Ulstatt, dass sie des
Nagels wegen mit der Stadt Nürnberg völlig versöhnt seien.
Anton Paumgartner schien mit der Lösung des Streites zu-
frieden zu sein, da er in den folgenden Jahren nicht mehr
darauf zurückkam. Erst zehn Jahre später griff er wieder
darauf zurück.

Dem Ansehen des Handelshauses tat der doch recht un-
würdige Vorfall keinen Eintrag. Wir haben bereits oben ge-
sehen, wie gerade zwischen 1455 und 1460 die Firma zu Florenz
und Rom in Beziehung trat. Anton Paumgartner war dabei
selbst beteiligt. Warenhandel und Geldgeschäfte gingen wie
zu Konrads Zeiten nebeneinander her. Seit Anfang der sech-
ziger Jahre erscheint Anton Ridler, ein Verwandter Paum-
gartners, als Teilhaber. Den beiden Kaufleuten wurden Ende
August 1462 bei Fulda Waren im Werte von 1237 fl weg-
genommen2). Neu scheint Paumgartners Teilnahme an dem
eben mächtig auf blühenden Metallhandel gewesen zu sein.
Im Jahre 1463 kaufte er von Ludwig dem Reichen, dem In-
haber der Rattenberger Silbergruben, 800 Mark Silber um

1)	Die Quittungen der Anna Arzt und ihrer Söhne Hans und
Wilhelm vom 28. Mai und 24. August 1453 über den Empfang der
28 700 fl haben sich im Kreisarchiv Nürnberg D 1807 und Urk. VI Ul
Nr. 2341 erhalten. Anton Paumgartner erscheint dabei nur als Vertreter
seiner Gattin Klara.

*) Nürnberger Briefbücher Bd. 30 S. 42 b. Die Waren gehörten
Anton Paumgartner, dessen Warenzeichen f die Ballen trugen und
seinem Mitgesellschafter Anton Ridler, der das Warenzeichen | % führte
        <pb n="32" />
        ﻿23

5280 tl1). Paumgartner lieh dem Herzog dagegen 4000 fl. In
Mainz wurden ihm damals bei Eroberung der Stadt während
der Mainzer Stiftsfehde zwei Saum Gewand im Wert von
350 fl und zwei Säcke mit Kupfer und 130 Mark Feinsilber
weggenommen2).

Solche Schädigungen konnten, wenn sie sich öfter ereig-
neten, wohl einen ungünstigen Einfluss auf den Geschäfts-
gang ausüben. Dazu kam, dass im Jahre 1460 Antons jüngerer
Bruder Martin fallierte3). Dies mochte mit der Grund sein,
dass Anton damals in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Die
ersten Anzeichen davon finden sich im Jahre 1461. Damals
unternahm Herzog Wilhelm von Sachsen eine Pilgerreise ins
Heilige Land. Da die im Orient gebräuchliche Münze nicht
der rheinische Gulden, sondern der Dukaten war, so wandte
sich der Herzog an das Bankhaus Paumgartner in Nürnberg,
um Gulden in Dukaten umwechseln zu lassen. Zwei herzog-
liche Agenten zahlten in Nürnberg 10 154 fl ein und erhielten
dafür Wechselbriefe, gegen welche Paumgartners Vertreter in
Venedig, Anton Ridler, die entsprechende Summe Dukaten
auszahlen sollte4). Paumgartner nahm nun das Geld in Nürn-
berg wohl in Empfang, zögerte aber mit der Aushändigung
der Dukaten. Nach auf uns gekommenen Rechnungen konnte
der herzogliche Agent von Ridler nur 3350 Dukaten erhalten.
Als nun der Herzog nach seiner Rückkehr aus Palästina sein
Geld ohne Erfolg zurückforderte und sich auch vergebens an
den Rat wandte, liess er den Nürnbergern Fehde ankündigen
und die Warenzüge der Kaufleute aufhalten. Durch Vermitt-
lung der Stadt Erfurt kam im Mai 1466 eine Einigung zwischen
Nürnberg und Herzog Wilhelm von Sachsen zustande, indem
der Herzog seine Forderung — 8811 fl 12 kr 10 h — an Nürn-
berger Bürger ab trat5). Anton Paumgartner hatte aber noch

M München, Reichsarchiv: Neuburger Kopialbücher XXIV fol.
302 a u. b.

2)	Nürnberger Briefbücher Bd. 30 S. 63.

3)	Simonsfeld, Fondaco I S. 491.

*) J. G. Kohl: Die Pilgerfahrt des Landgrafen Wilhelm des
Tapferen von Thüringen zum Hl. Land im Jahre 1461, Bremen 1868.
Das ausführliche Verzeichnis der Ausgaben ist S. 132 ff. abgedruckt.

6) Nach der Erzählung des zeitgenössischen sächsischen Chronisten
Hartung Kammermeister. (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen
XXXV S. 218.)
        <pb n="33" />
        ﻿24

andere Gläubiger. So hören wir, dass er dem Pfalzgrafen
Friedrich 2400 fl schuldig war1). Als seine finanziellen Schwie-
rigkeiten in Nürnberg ruchbar wurden, hielt er sich dort nicht
mehr für sicher. Er ritt am 20. Juni 1465 aus der Stadt2), in
der er ebenfalls viele Gläubiger zurückliess, sagte sein Bürger-
recht auf und begab sich in den Schutz des Markgrafen Albrecht
Achilles nach Schwabach.

Von hier aus strengte er gegen seine Vaterstadt eine Klage
am kaiserlichen Hofgerichte an. Zurückgreifend auf die oben
von uns ausführlich geschilderten Ereignisse des Jahres 1453
erklärte er, dass der Anfang seines Verderbens jene Bezahlung
der 18 350 fl an Anna Arzt gewesen sei, zu der ihn der Rat
von Nürnberg gezwungen habe. Er suchte nun auf dem Prozess-
wege die Rückzahlung jener Summe vom Rat zu erreichen.
Dadurch wurde jener ganze Streit von neuem aufgerollt3).
Die Nürnberger erhoben vor dem Hofgericht Gegenklage wider
Anton Paumgartner wegen einer Schuld von 644 fl und holten
von verschiedenen Universitäten (z. B. Heidelberg, Köln,
Padua, Bologna) Rechtsgutachten ein4). Der Prozess am
Hofgerichte, der sich vom August 1466 bis Februar 1469 hin-
zog, führte zu keinem Resultat. Die Parteien einigten sich
nun dahin, dass ein Schiedsgericht auf einem dazu bestimmten
Rechtstage die Streitsache entscheiden solle. Der zum Schieds-
richter ernannte Landkomtur der Ballei Franken (Deutsch-
herrnorden), Melchior v. Neuneck, berief während der Jahre
1469 bis 1472 mehrmals solche Tagungen zu Vergleichshand-
lungen. Schliesslich wurde der Streit zugunsten Nürnbergs
entschieden und Paumgartners Ansprüche auf Wiederheraus-
zahlung der 18 350 fl für nichtig erklärt. Mit seinen übrigen
Gläubigern scheint sich Paumgartner auf friedlichem Wege
geeinigt zu haben. Zum Teil kamen auch seine Geschwister
für seine Schulden auf.

1)	Nürnberger Kreisarchiv D 1773.

2)	In mehreren Schreiben an den Rat der Stadt (Nbg. Kreisarchiv
D 1807) suchte er sein „Ausreiten" zu rechtfertigen.

3)	Aus den Verhandlungen des Jahres 1465 stammen die oben
bei der Erzählung der Ereignisse des Jahres 1453 benützten Quellen,
besonders der Aschaffeuburger Kodex, der eine grosse Fülle von Einzel-
heiten über den Prozess am kaiserlichen Hofgericht (Zeugenaussagen,
inserierte Urkunden usw.) enthält.

4)	Nbg. Kreisarchiv D 327.
        <pb n="34" />
        ﻿25

Nach dem Jahre 1472 entschwindet Anton Paumgartner
aus unseren Augen. Nur sein Todesjahr haben uns Familien-
aufzeichnungen aufbewahrt: er starb, 57 Jahre alt, zu Würzburg
am 26. Oktober 14751). Fern von der Heimat also hat er die
letzten Jahre seines Lebens zugebracht und ist als gebrochener
Mann in der Fremde gestorben. Und doch wurde gerade er
der Stammvater eines neuen blühenden Zweiges des Paum-
gartnerschen Geschlechts. Einer seiner Söhne, Anton, wurde
Geistlicher und brachte es bis zum Domherrn von Brixen und
Augsburg2). Zwei andere Söhne, Franz und Hans, aber liessen
sich durch ihres Vaters Misserfolge vom Kaufmannsberufe nicht
abschrecken. Da sie in die Stadt nicht zurückkehren wollten,
mit der ihr Vater in so heftiger Fehde gelegen war, mussten
sie sich einen neuen Wohnsitz suchen. Sie wählten als solchen
Augsburg, die Rivalin Nürnbergs. Dort in der Metropole des
süddeutschen Handels tat sich ihnen für ihre Tätigkeit ein
weites Feld auf. Bevor wir ihnen jedoch dorthin folgen, wollen
wir uns in grossen Zügen die weiteren Schicksale der in Nürn-
berg gebliebenen Linie vergegenwärtigen.

Viertes Kapitel.

Ueberblick über die späteren Schicksale
der Familie in Nürnberg.

Die Fortsetzung des Nürnberger Zweigs der Paumgartner
knüpft sich an die schon obenerwähnten zwei Brüder Antons:
Konrad und Martin. Von ihnen wurde Konrad (f 1457) der
Ahnherr einer Reihe von Gelehrten, die in ihrem engern und
weiteren Vaterland sehr verdienstvoll wirkten. Gabriel Paum-

') In Konrad Paumgartners Familienchronik ist dieses Datum
nachgetragen.

2)	Herzog Sigismund bediente sich seiner des öftem zu Gesandt-
schaften nach Rom. Anton (geh. 1451) starb im Jahre 1492 zu Brixen,
wo sein Grabstein noch zu sehen ist. (Jos. R e s c h: Monumenta veteris
ecclesiae Brixinensis, 1765 Teil I S. 12, enthält den Text seines Grab-
mals, das mit dem Paumgartnerschen Wappen geschmückt ist.)
        <pb n="35" />
        ﻿-•i'üäSSBr.

UMMfcMMM

26 ----

gartner1), Konrads Sohn, geboren im Jahre 1449, studierte
in Leipzig während der Jahre 1463 bis 1465 und erlangte dort
1465 das Bakkalaureat. Nachdem er die Würde eines Doktors
der Rechte sich erworben, wirkte er seit 1478 an der neu-
gegründeten Universität Ingolstadt und bekleidete dort im
Jahre 1481 das Rektorat. 1497 kehrte er in seine Vaterstadt
zurück und wirkte dort als Rechtskonsulent bis zu seinem
Tode (1507). Sein Sohn ist der berühmte Hieronymus Paum-
gartner (1498 bis 1565)2), der neben Wilibald Pirkheimer
und Lazarus Spengler zu den führenden Männern in dem Nürn-
berg der Reformationszeit gehörte. Er schloss sich der Lehre
Luthers an und trat zu ihm und Melanchthon in freundschaft-
liche Beziehungen. Der reiche Briefwechsel der Reformatoren
mit ihm legt davon Zeugnis ab. In seiner Vaterstadt war er
in den höchsten Aemtern tätig und machte sich besonders
um das Schulwesen verdient. Wie sein Bruder Bernhard, war
er mehrmals Vertreter Nürnbergs auf Reichstagen. Als er
1544 von Speyer heimritt, wurde er bei Wimpfen von Albrecht
von Rosenbergs Reitern überfallen und gefangen genommen;
eine Untat, die in den weitesten Kreisen des Reichs Aufsehen
und Empörung hervorrief. Erst nachdem sich Philipp von
Hessen seiner annahm, wurde er nach vierzehnmonatlicher
Haft gegen ein hohes Lösegeld freigegeben3). Sein Leben hat
der Humanist Joachim Camerarius beschrieben.

Während sich so Konrad Paumgartners d. J. Söhne und
Enkel auf dem Gebiet der Wissenschaft hervortaten, knüpft
sich an den Namen seines Bruders Martin und der Söhne des-
selben die Erinnerung an ein von Albrecht Dürers Hand ge-
schaffenes Kunstwerk, den Paumgartner-Altar. Die Stifter
sind Martins Söhne Stefan, Dürers Freund, und Lucas, die

1)	Gg. Andreas Will: Nürnbergisches Gelehrtenlexikon 3. Teil
S. 119. Val. Rotmarus-Mederer: Annales Academiae Ingol-
stadtensis; Ingoist. 1782 f. I 13. 21. 65. — In der Matrikel der Universität
Leipzig ist Gabriel Paumgartner im Sommersemester 1463 eingetragen.
(Codex diplomaticus Saxoniae hrsg. v. O. Posse u. H. E r m i s c h
II 16, 17.)

2)	Neben W i 11 a. a. O. 3. Teil S. 120 ff. unterrichtet über ihn der
Artikel in der Allg. deutschen Biographie Bd. 2 S. 168.

3)	Ein eigenhändiger Bericht Hieronymus Paumgartners über
seine Gefangennahme durch Albrecht von Rosenberg ist veröffentlicht
im 33. Jahresbericht des Histor. Ver. von Mittelfranken 1865 S. 103 ff.
        <pb n="36" />
        ﻿2 7

“bekanntlich beide als heiliger Georg und heiliger Eustachius
auf den Flügeln des Altars porträtähnlich dargestellt sind. Der
fromme Sinn der Brüder hat hier ein Denkmal entstehen lassen,
das allein genügte, ihr und ihres Geschlechtes Namen für alle
Zeiten unsterblich zu machen1).

Die Nürnberger Familie, die sich von ihren Gütern Holn-
stein und Lonerstadt seit der Mitte des 16. Jahrhunderts
Paumgartner von Holnstein und Lonerstadt nannte, bestand
noch bis Anfang des 18. Jahrhunderts, ohne dass jedoch aus
ihr weiterhin Männer hervorgegangen wären, die mehr als
stadtgeschichtliches Interesse besitzen. Im Jahre 1726 er-
losch die Linie und mit ihr zugleich das ganze Geschlecht, da
der Augsburger Stamm nach kurzer, aber herrlicher Blüte
schon zuvor ein wenig rühmliches Ende genommen hatte.

*) Ueber den Paumgartner-Altar, der jetzt im Dürer-Saal der
Alten Pinakothek neben Dürers berühmten Aposteln hängt, vgl. Friedrich
H. Hofmann: Die Donatoren auf Dürers Paumgartner-Altar (in:
Die christliche Kunst Bd. 1 [1905] S. 169 u. S. 205 ff.). Unerklärlich ist
mir, wie Valentin Scherer „Dürer“ (Klassiker der Kunst Bd. 4) die
Behauptung aufstellen konnte, dass die auf dem Altarbild abgebildeten
Wappen nicht die der Paumgartner seien. Ein Blick in Siebmachers
Wappenbuch genügt, um „diese etwas diktatorische Behauptung“ zu
widerlegen.	.
        <pb n="37" />
        ﻿
        <pb n="38" />
        ﻿Erstes Kapitel.

Die Anfänge.

Hans Paumgartner der Aeltere.

Der erste Paumgartner, der sich in Augsburg niederliess,
war Antons Sohn Franz (geh. 1453)x). Sein Name findet sich
seit dem Jahre 1479 in den Steuerbüchern von Augsburg ver-
zeichnet* 2). Er wohnte zunächst bei „Unserer Frauen-Brüder-
kloster“ (jetzige Annastrasse) und zahlte seit 1480 eine Steuer
von 15 fl3), was ein immerhin nicht unbeträchtliches Vermögen
voraussetzt. Wir werden annehmen dürfen, dass er dasselbe
im Handel sich erworben hat, wenn auch nähere Angaben über
seinen Lebensgang vor seiner Ankunft in Augsburg fehlen.

Keine Stadt war damals für einen aufstrebenden Kauf-
mann als Wohnsitz geeigneter als die alte Augusta4). An der
Hauptverbindungsstrasse, die von Italien nach dem Norden
Deutschlands führte, gelegen, stellte Augsburg allmählich selbst
Nürnberg in den Schatten. Hier sassen die mächtigen Kauf-
herren, deren Reichtum bereits anfing, die Welt in Staunen
zu setzen: neben den Fuggern und Weisem die Höchstetter,
Meuting, Gossembrot, Adler u. a. Mit einigen dieser Familien,
den Gossembrot und Arzt, standen die Paumgartner, wie wir

x) Anton Paumgartner selbst war nie in Augsburg ansässig. Die
sich bei Stetten, Geschichte der adel. Geschlechter, findende
Notiz (S. 196) entbehrt jeder Begründung. Seine Verheiratung mit
Klara Arzt fällt nicht ins Jahr 1475, sondern ins Jahr 1442 (siehe o. S. 19).

2)	Augsburger Steuerbuch 1479 fol. 29 b.

3)	Ebenda 1480 fol. 29 b. Ueber die mit den Augsburger Steuer-
verhältnissen zusammenhängenden Fragen gibt Aufschluss: Jac. Strieder:
Zur Genesis des modernen Kapitalismus S. 1 ff., und Max J ansen:
Die Anfänge der Fugger (Studien zur Fuggergeschichte 1. Heft), Leipzig
1907 S. 83!!

*) Einen guten Ueberblick über die Zustände Augsburgs um das
Jahr 1500 gibt Friedrich Roth im 1. Bande seines Werks: Augsburgs
Reformationsgeschichte S. 1—35.
        <pb n="39" />
        ﻿32

schon wissen, in verwandtschaftlichen Beziehungen, so dass
also Franz kein völlig Fremder war, als er nach Augsburg kam,
um sich hier eine neue Existenz zu gründen.

Er schloss sich der Kaufmannszunft an1) und trieb neben
Warenhandel auch Geldgeschäfte. So bediente sich die Stadt
seiner und seines obengenannten Bruders, des Brixener Dom-
herrn Anton Paumgartners, Vermittlung, als sie im Jahre 1482
ein an das Brixener Domkapitel jährlich zu zahlendes Ewiggeld
von 110 fl durch 2750 fl ablöste2). Ein Geschäft anderer Art,
das bereits auf Beziehungen zu Rom hinweist, machte er für
die Stadt im Jahre 1484. Der Vertreter Augsburgs in Rom,
Hans Gassei, hatte dort wahrscheinlich von einem Faktor
Franz Paumgartners 280 Dukaten erhalten. Dafür zahlte die
Stadt dann an Paumgartner 379 fl3). Es war also ein Wechsel-
geschäft, wie solche damals auch die Fugger mehrmals aus-
führten4).

Im Jahre 1484 folgte Franz Paumgartners Schwester
Kunigunde ihrem Bruder nach Augsburg, als sie sich mit Michael
von Stetten, einem angesehenen Bürger, verheiratete5). Bereits
im nächsten Jahr 1485 kam dann auch noch Anton Paum-
gartners jüngster Sohn Hans dorthin. Ihm, zweifellos dem
Bedeutendsten der vier Söhne Antons, gelang es durch eine
vornehme Heirat, engere Beziehungen zum Augsburger Patriziat
anzuknüpfen. Er vermählte sich nämlich im Jahre 1485 mit
Felizitas Rehlinger, der Tochter Leonhard Rehlingers6). Einem
alten reichen Geschlecht entsprossen, brachte sie ihrem Gatten
gewiss ein ansehnliches Vermögen zu. Als Gemahl einer Pa-
trizierstochter fand Hans Paumgartner auch Aufnahme in die

*) Die städtische Verfassung Augsburgs im ausgehenden Mittelalter
unterscheidet sich bekanntlich von der Nürnbergs dadurch, dass in
Augsburg die Zünfte im Jahre 1368 Anteil an der Regierung des Gemein-
wesens erhielten, wogegen Nürnberg stets ein rein aristokratisches
Regiment hatte. In Augsburg war daher der Zugang zum Patriziat
nicht mit der Aufnahme in den Rat verbunden. Die Patrizier bildeten
vielmehr eine streng abgeschlossene Kaste, in die Neuaufnahmen vor
dem Jahr 1538 überhaupt nicht stattfanden. Jeder Bürger, der nicht zum
Patriziat gehörte, musste Mitglied einer Zunft sein.

2)	Baumeisterbuch 1482 fol. 86.

3)	Ebenda 1484 fol. 37, 38.

4)	Jansen, Anfänge S. 52.

6) F. Warnecke: Augsburger Hochzeitsbuch, Berlin 1886 S. 9.

•) Ebenda S. 10.
        <pb n="40" />
        ﻿33

(pro Jahr) Steuer2)

Gesellschaft der Mehrer, deren Mitglieder Zugang zur Herren-
stube hatten und auch sonst fast alle Vorrechte der Patrizier
genossen1). Rasch hatte sich so Hans Paumgartner eine ange-
sehene gesellschaftliche Stellung unter Augsburgs Bürgern
errungen. Er schloss sich nun mit seinem Bruder Franz zu
gemeinsamer Ausübung des Handels zusammen. Wir sind
darüber im einzelnen freilich nicht näher unterrichtet, sehen
aber aus den Steuerbüchern, wie sich ihr Reichtum mehrte.
Die Brüder bezahlen nämlich:

1490	Franz	20	fl	Hans 42	fl

1492—97	„	26	„	„ 62	„

I498	.»	86	..	» X14	„	,

Im Jahre 1498 stand damit Hans Paumgartner unter den
reichsten Bürgern an sechster, sein Bruder Franz an zehnter
Stelle. Die Fugger folgten erst an zwölfter, fünfzehnter und
siebzehnter Stelle3). Das Vermögen des Hans Paumgartner
muss sich nach dieser Tabelle um das Jahr 1497 gewaltig ge-
steigert haben. Woher kam nun dieser rapide Vermögens-
zuwachs? Es waren die ersten Früchte der neuen bedeutungs-
vollen Verbindung, in welche die beiden Brüder damals, andern
Augsburgern folgend, getreten waren: des Tiroler Bergbaus.

Um diese Dinge besser zu verstehen, müssen wir kurz auf
die Entwicklung der Tiroler Bergwerke und ihre Bedeutung für
das Finanzwesen der Habsburger einen Blick werfen4). Die
Entdeckung der reichen Silbergruben in der Nähe von Schwaz,
am Falkenstein um die Mitte des 15. Jahrhunderts rief in der
damaligen Welt grosses Aufsehen hervor. Die Erlaubnis zum
Abbau wurde vom Landesherrn, der das Bergregal besass, an

*) Ueber die „Mehrer“, die gesellschaftlich eine Mittelstellung
zwischen den Patriziern und den Angehörigen der Zünfte einnahmen,
vgl. Dirr: Kaufleutezunft u. Kaufleutestube in Augsbg. zur Zeit
des Zunftregiments (1368—1548) in: Ztschr. d. Hist. Ver. f. Schw. u.
Nbg. Bd. 35 S. 137 ff. Ferner Dirr: Zur Gesch. d. Augsbg. Zunft-
verfassung (ebda Bd. 39).

2)	Nach den Augsburger Steuerbüchern der betreffenden Jahre.

3)	Strieder: Zur Genesis des modernen Kapitalismus S. 19
(Tabelle 10), wo die „Vermögenden“ des Jahres 1498 zusammen-
gestellt sind.

4)	Diese Verhältnisse hat erstmals Jansen in seinen „Studien
zur Fuggergeschichte“ zum Gegenstand eingehendster Untersuchungen
gemacht. Vgl. bes. „Anfänge der Fugger“ S. 54ff. und „Jacob Fugger
der Reiche“ (Studien z. Fugger-Geschichte, 3. Heft 1910) S. 13 ff.

3
        <pb n="41" />
        ﻿einzelne Unternehmer, meist Tiroler Familien, verliehen. Die
Füger, Tänzl, Stöckl und der aus Salzburg stammende, dann
in Rattenberg ansässige Virgil Hofer waren die bedeutendsten
dieser Schmelzherrn oder Gewerken. Sie erhielten jedoch das
von ihnen gewonnene Erz nicht zum freien Verkauf, sondern
mussten dasselbe nach Hall in die Münze liefern, wo sie für jede
Mark Silber 5 fl (später mehr) erhielten. Soweit das Edelmetall
nun nicht vermünzt wurde, verwendete es der Landesfürst
— seit 1446 der- trotz seines Beinamens der „Münzreiche“ stets
geldbedürftige Herzog Sigismund — dazu, Bargeld aufzu-
nehmen. Man verschrieb kapitalkräftigen Kaufleuten, die
Geld darliehen, Silber, das diese dann in Venedig auf den Markt
brachten. Die Rückzahlung des Darlehens geschah nun in der
Weise, dass der Kaufmann als Empfänger des Silbers an die
Stelle des Landesherrn trat und den Gewerken die ihnen zu-
stehenden 5 fl bezahlte. Da nun die Mark Silber einen Kurs-
wert von ungefähr 8 fl hatte, so konnte die Differenz, der sog.
Silberwechsel, als Tilgungsquote für das Darlehen benützt
werden. Neben dieser besonders anfangs häufigen Art der Rück-
zahlung kamen gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch noch
andere vor, die uns im Zusammenhang der Darstellung noch
begegnen werden. Seit dem Jahre 1470 war Sigismunds Haupt-
geldgeber ein Kufsteiner Kaufmann Hans Baumgartner1), der
in Handelsgesellschaft stand mit Hans Knoll von Salzburg.
Diese beiden Kaufleute behaupteten bis 1487 fast unbestritten
ihren Platz als Sigismunds Geldquelle. Die Not des venezia-
nischen Kriegs und die an Venedig zu zahlende Entschädigung
zwang dann Sigismund, sich nach einem kapitalkräftigeren

») Es kann bei der zufälligen Gleichheit der Familien- und Vor-
namen nicht ■wundernehmen, wenn dieser Kufsteiner Baumgartner
immer mit unserm Augsburger Hans Päumgartner identifiziert wurde,
z. B. von Ehrenberg: Zeitalter d. Fugger I S. 192, und dann von
S t r i e d e r a. a. O. S. 53. In Wirklichkeit haben wir es jedoch mit
zwei völlig verschiedenen Personen zu tun, die auch zwei ganz ver-
schiedenen Familien angehörten. Der Kufsteiner Hans Baumgartner
ist bereits im Jahre 1462 in Tirol tätig, also zu einer Zeit, wo Hans
Paumgartner noch als vierjähriges Kind in Nürnberg lebte. Uebrigens
hat bereits Jansen (Jacob Fugger d. R. S. 13) die richtige Behauptung
aufgestellt, dass die beiden Hans Baumgartner auseinanderzuhalten
seien. Ueber Hans Baumgartner von Kufstein und seine Familie gibt
ein Exkurs die wichtigsten Nachrichten. (S. 1 ic&gt; ff.)
        <pb n="42" />
        ﻿35

Finanzmann umzusehen. Er trat in Beziehung zu den Fuggern,
die allmählich Hans Baumgartners von Kufstein Sonder-
stellung erschütterten. Als dann im Jahre 1490 Maximilian I.
an Stelle des schwachen Sigismund die Regierung Tirols über-
nahm, begünstigte er die Augsburger Kaufleute in erster Linie
und liess ihnen den reichen Bergsegen zukommen. Neben den
Fuggern bekamen jetzt Sigismund Gossembrot und sein Bruder
Georg, der Rat Maximilians und Pfleger von Ehrenberg war1),
ferner die Herwart, Adler und Höchst etter Anteil am Tiroler
Finanzwesen, das, seit Maximilian König geworden war, auch
das Geld für dessen weittragende Pläne aufzubringen hatte.

Dies ist in grossen Zügen die Entwicklung der Tiroler Ver-
hältnisse bis zum Jahre 1496, in dem Franz und Hans Paum-
gartner Zugang zu den Bergschätzen fanden, die auch für sie
eine Quelle des Reichtums wurden. Maximilian, der damals in
Italien gegen die Franzosen Krieg führte, wandte sich, da der
„gemeine Pfennig“ nur spärlich einlief und auch das verbündete
Venedig die zugesagten Geldmittel vorenthielt2), an die Fugger,
Georg Herwart, Sigmund Gossembrots Gesellschaft und Franz
und Hans Paumgartner), um ein Darlehen zu erhalten. Die
genannten vier Firmen liehen hierauf dem König am 22. August
1496 60 000 fl. Dafür wurden ihnen 120 000 M Silber gegeben,
jede Mark zu 8 fl 5 kr gerechnet. Die Kaufleute bezahlten an die
Gewerken für die Mark 6 fl 20 kr und ausserdem 1 fl 15 kr an
den Tiroler Schatzmeister, den Rest (also y2 fl) durften sie zur
Tilgung der 60 000 fl behalten. Ab 1. Januar 1497 sollte ihnen
alles in Schwaz gemachte Silber drei Jahre lang zustehen.
Da nun aber der Marktpreis des Silbers in Venedig ein viel
höherer war und für die Mark Silber ca. 10 fl betrug, so konnten
die Paumgartner, angenommen sie erhielten den vierten Teil
des Silbers, in einem Jahr gegen 20 000 fl gewinnen2). Wir
begreifen so das plötzliche Emporschnellen ihrer Steuersumme
zwischen 1497 und 1498.

Bereits hn Jahre 1497 schlossen die Brüder wieder einen
Silbervertrag mit Maximilian ab, diesmal ohne weitere Teil-

!) Sigmund und Georg Gossembrot sind Söhne des uns schon
bekannten Humanisten Sigmund Gossembrot.

2) Der Reingewinn freilich wird etwas geringer anzusetzen sein,
da die Fracht, Zölle, Fuhrlöhne etc. von obiger Summe noch in Abzug
zu bringen sind.

3*
        <pb n="43" />
        ﻿36

nehmer. Sie liehen am 5. Mai dem König 22 500 fl und erhielten
dafür 45 000 M Silber1). Maximilian brauchte dieses Geld
ebenso, wie schon vorher bei Gossembrot und Herwart auf-
genommene 40 000 fl zu „Bezahlung etlicher Schulden“ in
Augsburg, wo er im Vorjahre mehrere Monate geweilt hatte.
Die Paumgartner konnten mit dem Empfang der 45 000 M
Silber erst im Jahre 1501 beginnen, da zuvor das dem Gossem-
brot und Herwart für jene 40 000 fl verschriebene Silber ent-
richtet werden musste.

Das Jahr 1498 brachte keine weiteren Anlehen bei den
Paumgartnern, um so grösser waren dafür die Forderungen
Maximilians im Jahre des verhängnisvollen Schweizerkriegs,
der bekanntlich die Finanzkraft der Augsburger Kaufherrn
auf eine besonders schwere Probe stellte. Der König betraute
seinen Rat Georg Gossembrot mit der Aufgabe, in Augsburg
Geld aufzubringen. Das uns aus dem Jahre 1496 schon bekannte
Konsortium der vier Gesellschaften Fugger, Herwart, Sigmund
Gossembrot und Paumgartner lieh am St. Matthiastag
(24. Februar) 14 000 fl dar, die bar zurückbezahlt werden
sollten2). Falls dies nicht möglich wäre, sollten die Kaufleute
mit Silber befriedigt werden, aber erst nach Erfüllung des
den Paumgartnern im Jahre 1497 gegebenen Vertrags.
Weitere Darlehen von 6000 und 4000 fl schlossen sich an3),
abgesehen von den grossen Verträgen, die Maximilian mit
Fugger und Sigmund Gossembrot allein zustande brachte,
die uns aber hier nicht weiter beschäftigen können.

Die Paumgartner hatten also festen Fuss in Tirol gefasst.
Die grossen Silberbeträge, die sie jetzt alljährlich zu empfangen
hatten, machten natürlich die dauernde Anwesenheit einer
Vertrauensperson der Firma in Schwaz und Hall nötig. Seit
dem Jahre 1500 wird Lucas Meuting, der einer bekannten
Augsburger Kaufmannsfamilie entstammte, als Vertreter (Fak-
tor) der Paumgartner in Tirol erwähnt4).

*) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Kopialbuch II. Serie T. fol. 14.
Vgl. ausserdem J ansen: Jacob Fugger d. R. fol. 85 ff., wo dieser und
eine Reihe der folgenden Verträge von Jansen im Zusammenhänge der
Fuggerschen Geschäfte bereits erwähnt sind.

2)	Innsbruck Statthaltereiarchiv: Cop. II. Ser. 1499 fol. 1 u. 2.

3)	Ebenda fol. 32.

4)	Ebenda Kopialbuch Missiv 1500 fol. 124.
        <pb n="44" />
        ﻿37

Maximilian erkannte die Dienste, die ihm Hans Paum-
gartner erwiesen, dankbar an. In einer Urkunde vom 2. Ok-
tober 1499, in der er besonders die Leistungen Paumgartners
im letztvergangenen Krieg gegen die Schweizer hervorhebt,
verbesserte er ihm sein Wappen und erhöhte ihn in den Stand
der edlen Turniergenossen und rittermässigen Leute, dem
auch seine Ahnen, bevor sie sich in Städten niederliessen, schon
angehört hätten. Er soll ferner das Recht haben, auch in welt-
lichen und geistlichen Stiften Lehen zu tragen und zu Gericht
zu sitzen1). Gegenüber seinem Bruder trat Franz an Bedeutung
mehr zurück. Er starb bereits im Jahre 15032), worauf Hans
allein das Geschäft weiterführte. Bald sollte er in noch engere
Beziehungen zu Maximilian und der Tiroler Finanzbehörde treten.

Der Schweizerkrieg hatte zu einer völligen Erschöpfung der
Tiroler Finanzen geführt. Maximilian, der seit Antritt seiner
Regierung an einer Neuorganisation der Verwaltung arbeitete,
suchte daher jetzt auch das Finanzwesen auf eine sichere Grund-
lage zu stellen. Der geeignetste Mann für diese nicht leichte
Aufgabe schien ihm Georg Gossembrot zu sein, der schon seit
1496 in der Schatzkammer tätig war. Auf Grund zweier Ver-
träge, die Maximilian mit ihm abschloss, trat nun Gossembrot
an die Spitze des ganzen ober- und niederösterreichischen Fi-
nanzwesens3). Der oberösterreichische Vertrag vom 26. August
1501, der 3% Jahre, also bis 1504 Geltung haben sollte, be-
stimmte, dass Gossembrot alle Einkünfte Tirols und der vorder-
österreichischen Lande erhalten und datür für alle Ausgaben
der Kammer, den Hofstaat der Königin usw. aufkommen sollte.
Ausserdem hatte er für die Befriedigung der Gläubiger, dar-
unter auch der Augsburger Kaufleute, zu sorgen4). Am

*) München, Reichsarchiv: Familienkodex der Paumgartner (Herr-
schaft Hohenschwangau I 36, 2) enthält diese Urkunde, ausgestellt zu
Innsbruck am andern Tag Oktobris 1499.

a) Franz Paumgartner zahlt im Jahre 1502 in Augsburg zum
letztenmal Steuer (Steuerbuch 1502 fol. 38 c). Im nächsten Jahr zahlen
seine Erben (Steuerbuch 1503 fol. 44 d). Franz Paumgartner hinterliess
mehrere Söhne, von denen einer, Johann, sich mit Ottilie Höchstätter
vermählte und im Jahre 1529 beim Höchstätter Konkurs eine wenig
rühmliche Rolle spielte. (Chroniken d. deutschen Städte XXIII S. 221.)

3) Sigmund Adler: Die Organisation der Zentralverwaltung
unter Kaiser Maximilian I. Leipzig 1886 S. 395 ff.

*) Der oberösterr. Vertrag (Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Ge-
schäft v. Hof 1501 fol. 142) ist besprochen bei Adler a. a. O. S. 395—400.
        <pb n="45" />
        ﻿38

3- Januar 1502 kam unter ähnlichen Bedingungen der nieder-
österreichische Vertrag zustande, der das Finanzwesen Nieder-
österreichs in Ordnung bringen sollte1). Der energische Gossem-
brot wäre der rechte Mann gewesen, hier Besserung zu schaffen.
Er starb aber bereits Mitte Juni 1502, für Maximilian ein
schwerer Verlust2). In seinem Testament setzte Gossembrot
als „testamentari, Verweser und handler“ seinen Freund Hans
Paumgartner und den Kaufmann Lucas Gassner ein3). Maxi-
milian billigte die von Gossembrot getroffene Wahl und betraute
die beiden auch mit dem Vollzug jener Verträge. Paumgartner
trat ausserdem als Gossembrots Nachfolger in den Besitz der
Pflege Ehrenberg und wurde am 18. August vom König zu
seinem Rat ernannt. Der Raitkammer wurde befohlen, Paum-
gartner, wenn er nach Innsbruck komme, an den Beratungen
teilnehmen zu lassen und seine Vorschläge anzuhören4). Paum-
gartner war in Geldgeschäften erfahren genug, um den Be-
dingungen der Finanz Verträge nachkommen zu können, so
dass es zu Aenderungen keinen Anlass gab. Wir hören daher
auch über die Ausführung der ihm anvertrauten Aufgabe
wenig, ein Beweis dafür, dass dieselbe sich in den ursprünglich
festgesetzten Bahnen vollzog. Für unsern Kaufmann waren so
die Jahre 1502 bis 1504 von einer ausserordentlichen Bedeutung.
Er hatte Einfluss bekommen auf die Regierung des Landes,
mit dem er auch geschäftlich in Berührung stand, und war so
über alle wichtigen Vorgänge gut orientiert. Zu Maximilian
war er in ein näheres persönliches Verhältnis getreten und
dessen Rat geworden. Letzteres blieb er auch weiterhin, als
1504 die Gossembrotschen Verträge abliefen. Diese hatten ihn
auch mit dem obengenannten Lucas Gassner enger verbunden,
so dass derselbe nun eine Zeitlang als Paumgartners Teilhaber
erscheint.

Den Warenhandel gab Hans Paumgartner nicht auf. Wir
hören mehrmals, dass er für den König und seine Hofhaltung
Gewürze und Tuche besorgte, auch verproviantierte er ge-

x) Abgedruckt bei Adler a. a. O. Anhang III, S. 536.

2)	Adlera.a. O. S. 116; bei H. U 1 m a n n: Kaiser Maximilian I.
1. Bd. S. 819 Anm. 2, ist als Gossembrots Todesdatum fälschlich der
Januar 1502 angegeben.

3)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Max. XIII, cart. 32.

*) Adler a. a. O. S. 116.
        <pb n="46" />
        ﻿39

legentlich Maximilians Truppen mit Getreide. Hauptgegenstand
seines Handels bildete aber Silber und Kupfer, das er in Ve-
nedig auf den Markt brachte. Dort besass er im neugebauten
Fondaco eigene Gewölbe. Seine ständigen Beziehungen zur
Lagunenstadt ermöglichten es ihm auch, Nachrichten über
wichtige politische Vorgänge zu erhalten, die er dann dem
König mitteilte.

Indessen hatten sich infolge der Entdeckung Amerikas
Veränderungen auf dem Weltmarkt ergeben, die gewiss Paum-
gartners Geschäft nicht unberührt liessen. In den Tagen,
da die Fugger, Welser und Höchstetter ihre Schiffe nach Ve-
nezuela und Ostindien aussandten, muss auch Paumgartner
an diesen Unternehmungen irgendwie Anteil genommen haben
und wenigstens zu den neuen Handelsplätzen in den Niederlanden
(bes. Antwerpen), die allmählich Venedig aus seiner Vormacht-
stellung verdrängten, in Beziehung getreten sein. Dass uns
darüber keine Nachrichten vorliegen, hat seinen Grund in der
Beschaffenheit des handelsgeschichtlichen Quellenmaterials,
das uns ja bekanntlich gerade in bezug auf den Privathandel
leider nur zu oft im Stich lässt. Auch Paumgartner wird sich
dem Zug der neuen Zeit gefügt haben und dorthin gefolgt sein,
wo sich ungeahnte Gewinnaussichten eröffneten.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir aus den Jahren
1504 bis 1507 wenig von Geldgeschäften mit den Habsburgern
hören. Es erscheinen damals als Gläubiger Maximilians die
Rehlinger, Stunz, Besserer von Ulm u. a., also Firmen, die
nicht in dem Masse zu den Weltfirmen gehörten, wie die Fugger,
Welser, Höchstetter und Paumgartner1). Erst im Jahre 1508,
als Maximilian seinen Krieg mit Venedig begann, zwang ihn
seine Geldnot, mit den Kaufleuten in Augsburg wieder wegen
einer grossen Anleihe zu unterhandeln, wobei auch Paum-
gartner mit herangezogen wurde2). Wie unwillkommen den

*) Dass die Paumgartner damals bereits zur Hochfinanz gehörten,
wird bestätigt durch eine Stelle in den Relationen des venezianischen
Gesandten Vincenzo Quirini. Dieser zählt folgende sieben Augsburger
Firmen auf, mit denen Maximilian seine Geschäfte abschloss: Fugger,
Welser, Höchstetter, Gossembrot (so ist natürlich die Form Casimprout
aufzulösen, die der Herausgeber der Relationen nicht zu erklären wusste),
Adler, Baumgartner, Herwart. (Eugenio Alberi: Le relazione degli
ambasciatori Veneti al Senato, 1. Serie Bd. 6 S. 29.)

2) Ehrenberg: Zeitalter d. Fugger I S. 92 Anm.
        <pb n="47" />
        ﻿4o

Augsburgern gerade damals solche Geldgeschäfte waren, zeigt
die Tatsache, dass ihnen der Kaiser bei seiner Anwesenheit
in Augsburg versprechen musste, er werde sie gegen ihren
Willen nicht mehr zu Anleihen heranziehen1). Auf die Dauer
war freilich ein solches Versprechen bei Maximilians beständiger
Geldknappheit nicht zu halten. Als 1513 „die Kriegsleuff der-
massen zuegefallen, dass die Kammer einer trefflichen Summe
Geldes notdürftig“ wurde, wandte man sich auch wieder an
Paumgartner. Am 5. Juli schrieb die Regierung an Hans Paum-
gartner, dass man mit ihm bis zu 20 000 fl handeln wolle. Er
solle sich eilends nach Innsbruck verfügen und Geld mit-
bringen2). Ob dann wirklich ein Vertrag abgeschlossen wurde,
geht aus den Einträgen des Kopialbuchs nicht hervor. Zu
den Verhandlungen über Geldgeschäfte in den folgenden Jahren
zog Hans Paumgartner auch seinen Sohn Hans bei, da er sich
allmählich vom Geschäft zurückzuziehen beschloss. Wir werden
daher erst weiter unten darauf zurückkommen, wenn wir
Hans Paumgartner d. J. uns zuwenden.

Seit einer Reihe von Jahren erstreckten sich die Bezie-
hungen Paumgartners nicht mehr allein auf die mit Maxi-
milian I. abgeschlossenen Verträge. Sein kaufmännischer
Blick hatte den Wert der Bergwerke gleich erkannt. Er sah
ein, dass sich sein Einfluss noch bedeutend steigern würde,
wenn er selbst in den Besitz von Gruben käme. Er konnte
dann auf die Silberproduktion regulierend ein wirken und auch
verlangen, dass man auf das von ihm gewonnene Silber zuerst
mit ihm verhandle und Verträge abschliesse. Als einer der
ersten unter den Augsburgern brachte er deshalb einige Gruben
an sich, die er auf seine Rechnung abbauen liess. Bereits im
Jahre 1502 ist er zusammen mit Lucas Gassner Besitzer von
Bergwerken am Falkenstein3), vorher im Jahre 1500 hatte er
auch bei Sterzing sich ins Bauen eingelassen. Der schon ge-
nannte Lucas Meuting überwachte die Silbergewinnung. Im
Jahre 1513 lässt sich endlich ein eigenes Hütt- und Schmelz-
werk in Paumgartners Besitz in Kundl nach weisen4). Der

l)	Ehrenberg: Zeitalter d. Fugger I S. 92 Anm.

a) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Missiv ad Caesarem (1513)
fol. 123.

3)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Max. XII, 1.

*) Ebenda. Entbieten und Befehl (1513) f. 229.
        <pb n="48" />
        ﻿4i

Vater legte damit den Grund zu seines Sohnes grossartigen
Bergwerksunternehmungen, die wir später kennen lernen werden.

Auch auf einem anderen Gebiet leitete er die Bestrebungen
Hans Paumgartners d. J. ein — im Erwerb von Gütern. Im
Zusammenhang mit Gossembrots Testament haben wir bereits
der von ihm übernommenen Pflege Ehrenberg bei Füssen Er-
wähnung getan1). Er zahlte den Erben Gossembrots 2000 fl,
welche diesem auf die Pflege versichert waren, hinaus und
löste ausserdem mit Maximilians Zustimmung den Grafen
Hans v. Montfort, der 2000 fl auf dem Gericht Ehrenberg und
Tannheim stehen hatte, ab. Am 18. August 1502 teilte dann
der König den Untertanen des Gerichts mit, dass er den Hans
Paumgartner, seinen Rat, zum Pfleger in Ehrenberg ernannt
habe2). Es wurden ihm für Burghut und Dienstleistungen
500 fl aus den Einkünften der Herrschaft zugesichert. Bis
zum Jahre 1523 blieb Paumgartner Inhaber der Pflege, dann
übernahm sie Ferdinands I. Günstling Gabriel Salamanca,
dem Ferdinand 8500 fl darauf verschrieben hatte3).

Seit 1504 besass Hans Paumgartner das Dorf Türkheim
in der zu Bayern gehörigen Herrschaft Schwabeck. Er hatte
dem Herzog Albrecht IV. 2800 fl geliehen, wofür ihm dieses
Dorf verpfändet worden war. Im Jahre 1529 kaufte Herzog
Wilhelm die Besitzung wieder zurück4). Auch die Herrschaft
Pähl, die Paumgartner und Jörg Wieland im Jahre 1505 von
Herzog Albrecht IV. von Bayern um 18 000 fl gekauft hatten,
wurde von Bayern noch zu Hans Paumgartners d. Ae. Leb-
zeiten wieder zurückerworben5). Dagegen erwarb Paum-
gartner mehrere Güter, die den Grundstock des späteren Güter-
bestandes der Familie bildeten. Im Jahre 1507 kaufte er von
Wilhelm Ulstatt einige Höfe zu Weringen, Anried und Döps-
hofen um 1174 fl und löste ausserdem eine auf diesen Gütern
lastende Schuld von 1000 fl ab6). Im Jahre 1511 gingen zwei
Höfe und drei Sölden zu Steppach aus dem Besitz des bekannten

1)	J. Ladurner: Veste und Herrschaft Ehrenberg (Ztschr. des
Ferdinandeums f. Tirol u. Vorarlberg 3. Folge Bd. 15 S. 5 ff. bes. S. 109).

2)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Cop. I. Ser. Missiv (1502) fol. 105.

3)	L a d u r n e r a. a. O. S. 110.

*) Lori: Geschichte des Lechrains 2. Bd. Urk. Nr. 271 (S. 272).

e) München, Reichsarchiv: Gerichtsurkunden von Weilheim Fasz. 5.

*) München, Reichsarchiv: Familienkodex f. 6 b, 7 a.
        <pb n="49" />
        ﻿42

Augsburger Kaufherrn Philipp Adler um 671 % fl an ihn über1).
In Augsburg selbst bewohnte Hans Paumgartner ein statt-
liches Haus in der Annastrasse, das er 1492/93 von Franz
Riglers Erben erstanden hatte2). —

In dem glänzenden Leben der Reichsstadt, die Kaiser
Maximilians Lieblingsaufenthalt war, spielte unser Kaufherr
gewiss eine grosse Rolle. Gerade die Unternehmungslust und
der Wagemut ihrer Bürger hatte ja die Stadt auf die Höhe
geführt, so dass man in aller Welt ihren Reichtum und ihre
Pracht rühmte. An der Leitung des Gemeinwesens und an den
Regierungsgeschäften beteiligte sich Hans Paumgartner eben-
sowenig wie Jacob Fugger. Wie dieser, gehörte er nur als
Zwölfer der Kaufmannszunft dem grossen Rate an3). Sein Einfluss
auf die städtischen Geschäfte war aber deswegen doch nicht
gering. Nicht selten übertrug man dem beim Kaiser hoch-
geschätzten Kaufherrn wichtige Missionen. Im Jahre 1506 ging er
an den kaiserlichen Hof, um Maximilian beim Tode Philipps von
Kastilien (f 25. September 1506) das Beileid der Stadt aus-
zudrücken4). Ebenso wurde er mit Jörg Langenmantel und Jörg
Vetter als Vertreter der Stadt im Jahre 1508 zur „Besingnis“
Herzog Albrechts geschickt5). Wiederholt weilte er zusammen
mit Konrad Peutinger bei Maximilian, um mit diesem über
städtische Angelegenheiten zu verhandeln, so besonders im
Jahre 1513, um für die Aufhebung der Strassensperre nach
Venedig zu wirken, die den Handel und Verkehr mit dieser
Stadt fast zum Stillstand gebracht hatte6).

Die gesellschaftliche Stellung Paumgartners in Augsburg
war durch die mannigfach angeknüpften Familien Verbindungen
eine glänzende geworden. Man hat nicht mit Unrecht von
einer Heiratspolitik gesprochen, die von den reichen Kaufherrn
befolgt wurde. Vermögen sollte zu Vermögen kommen, das

1)	München, Reichsarchiv: Familienkodex f. 6b, 10 a.

2)	Steuerbuch 1492 fol. 28 c u. 1493 fol. 30 d. Das Haus stand
an der Stelle, wo sich jetzt die Geschäftsräume der Firma Lotzbeck &amp; Co.
befinden (Annastrasse D 225).

а)	Augsburg, Stadtarchiv: im Zunftbuch der Kaufleute ist er von

1505 bis 1516 als Zwölfer genannt.

*) Augsburg, Stadtarchiv: Baumeisterbuch 1506.

б)	Ebenda: 1508 S. 34 und Litteraliensammlung 23. Januar 1508.

8) Ebenda: Baumeisterbuch 1513 an mehreren Stellen, z. B.

S. 37 u. Lit. S. 18. 24. 26. Juli 1513.
        <pb n="50" />
        ﻿43

war der Grundsatz in jenen Handelsfamilien. Auch Hans
Paumgartner huldigte ihm in so ausgesprochenem Masse, dass
er deshalb sogar einmal mit der Augsburger „jeunesse doree“ in
Konflikt geriet, die ihm auf recht handgreifliche Weise zu
erkennen gab, dass die Augsburger reichen Kaufmannstöchter
in erster Linie für sie bestimmt seien. Paumgartner hatte
nämlich zwischen seinem Nürnberger Vetter Sebald und der
Tochter des sehr reichen Baltasar Wolf im Jahre 1494 eine
Heirat zustande gebracht1). Darüber erbost, rächten sich die
eifersüchtigen jungen Patrizier an dem Heiratsstifter, indem
sie ihm, als er einst aus der Annakirche nach Haus ging, auf-
lauerten und ihm im nahen Stadtbrunnen eine kalte Dusche
zuteil werden Hessen2 3). Hans Paumgartners eigene sechs
Töchter waren fast alle mit angesehenen Patriziern oder Kauf-
leuten vermählt. Jede bekam ausser einer ,,ziemlichen“ Aus-
steuer 4000 fl in Gold als Heiratsgut mit in die Ehe?). Und noch
ein zweites Mal zeigte sich Paumgartner als kluger Heirats-
stifter, als er am 12. März 1512 mit Jacob Fugger die Ver-
mählung seines Sohnes Hans mit dessen Nichte Regina ver-
abredete. Am 28. Juli 1512 hielt dann Hans Paumgartner d. J.
Hochzeit mit Georg Fuggers Tochter4). Dieser Tag bedeutete
wohl den Höhepunkt in Paumgartners d. Ae. Leben, da es
ihm gelungen war, seine Familie durch verwandtschaftliche
Bande mit dem angesehensten Handelshaus Europas zu ver-
knüpfen. Damals hat ihn Hans Burgkmair porträtiert. Der
I-Iolzschnitt, ein prächtiges Kunstwerk, zeigt uns Paumgartners
Züge an der Schwelle des Greisenalters. Der mit kostbaren

*) Sebald Paumgartner, ein Sohn Michael Paumgartners (der ein
Bruder Antons war), siedelte dann nach Augsburg über. Baltasar Wolf
gehörte zu den reichsten Augsburgern. Seine Witwe zahlte im Jahre 1498
dieselbe Steuer wie Hans Paumgartner, nämlich 114 fl (Strieder
a. a. O. S. 19).

2)	Pirmin Gasser: Annales ad. a. 1494, bei Menken: Scrip-
tores rerum Germanicarum I. Sp. 1719.

3)	Paumgartnerscher Familienkodex im Reichsarchiv Bl. 2, wo
auch angegeben ist, mit wem sich die Töchter vermählten: Anna mit
Simon Imhof von Nürnberg, Sabina mit Wolfgang Rudolf (i. J. 1512),
Felizitas mit Anton Welser, Bürgermeister (i. J. 1514), Regina mit
Marx Ehern (i. J. 1517), Monica mit Leonhard Imhof (i. J. 1520), Helena
mit Conrad Rott v. Ulm (i. J. 1527). Die beigefügten Jahreszahlen
nach Warnecke: Hochzeitsbuch.

4)	Warnecke: Hochzeitsbuch S. 23.
        <pb n="51" />
        ﻿44

Pelzen verbrämte Mantel bringt uns den Reichtum des Dar-
gestellten zum Bewusstsein1).

Wenn das Vermögen ein Gradmesser ist für die Tüchtigkeit
eines Kaufmanns, dann müssen wir Hans Paumgartners Er-
folge bewundern. Von Jahr zu Jahr erhöht sich seine Steuer-
summe. Während er 1498 noch mit 1x4 fl eingeschätzt ist,
zahlte er 1510 bereits 346 fl, 1516 425 fl. Im zuletzt genannten
Jahr ist dann auch schon sein Sohn mit 173 fl verzeichnet2).
Jedenfalls gehörten die Paumgartner Vater und Sohn damals
schon zu den allerreichsten Bürgern. Reicher waren wohl nur
die Fugger und Höchstetter.

In seinem Testament konnte Hans Paumgartner seinen
Kindern daher eine ansehnliche Erbschaft zur Verteilung hinter-
lassen. Jede seiner sechs Töchter bzw. deren Kinder erhielten
14 500 fl. Der Sohn berechnet sein Erbteil (abgesehen von
den Häusern und liegenden Gütern) auf 51 000 fl3).

Noch mehr als ein Jahrzehnt lebte Hans Paumgartner d. Ae.,
nachdem er sich von den Geschäften zurückgezogen hatte. Ein
schöner Lebensabend war ihm beschieden, währenddessen er
mit Befriedigung auf das von ihm Geschaffene zurückblicken
konnte und zugleich den Glanz seines Hauses unter seines
Sohnes Leitung weiter wachsen sah. Zwischen 10. September
und Oktober 1527 starb er4), fast siebzigjährig — der Sohn
jenes Anton, der 1475 im Elend gestorben war.

1)	Eine Reproduktion des Holzschnittes, „von den so sehr ge-
schätzten Helldunkelblättern eines der schönsten“, findet sich in der
Kunstgeschichte von Knack fuss Bd. 2 S. 586 und bei Friedr.
Lippmann: Engravings and Woodcuts by old masters sec.
XV—XIX Part II (1891) Taf. 38.

2)	Augsburger Steuerbücher der betreffenden Jahre.

3)	Familienkodex Bl. 2.

*) Am 10. September 1527 wird seiner nochmals in den Tiroler
Kopialbüchern gedacht.
        <pb n="52" />
        ﻿45

Zweites Kapitel.

Die Zeit der Blüte.

Hans Paumgartner der Jüngere (c. 1490—1549).

a)	Hans Paumgartners d. J. Anfänge bis zur selbständigen
Uebernahme des Geschäfts.

Hans Paumgartner d. J.1), des Aelteren einziger Sohn,
wurde zwischen 1487 und 1491 in Augsburg geboren2). Ueber
seine Jugendzeit sind wir wenig unterrichtet. Wir werden
jedoch nicht fehlgehen mit der Annahme, dass ihm sein Vater
eine gründliche kaufmännische Ausbildung zuteil werden liess.
Auf den hohen Schulen der Kaufmannschaft in Venedig und in
den Niederlanden wird er eingeweiht worden sein in die Ge-
heimnisse des Handels und der Geldgeschäfte. Vielleicht hat
er sich auch auf einer Universität einige gelehrte Kenntnisse
angeeignet, da später seine Gelehrsamkeit, besonders sein
juristisches Wissen, viel gepriesen wird. Nach Beendigung der
Lehr- und Wanderjahre pflegte der vornehme junge Kaufmann
jener Tage in die Heimat zurückzukehren, wo dann eine reiche
Heirat gewöhnlich die Jugendperiode zum Abschluss brachte.
Für unsern Hans hatte sein Vater, wie wir bereits wissen, eine
besonders glänzende Partie ausersehen. Nachdem Jacob Fugger
seine Zustimmung gegeben, durfte Hans Paumgartner am 28. Juli
1512 Georg Fuggers Tochter Regina als seine Gattin heimführen.
Die Verbindung mit dieser gewiss viel umworbenen „Fuggerin“
brachte dem jungen Paumgartner nicht nur ein ansehnliches
Vermögen, sondern auch bedeutende geschäftliche Vorteile3).

lj Eine populäre Biographie Hans Paumgartners gibt Paul v. S t e t-
t e n d. J. in seinen „Lebensbeschreibungen zur Erweckung und Unter-
haltung bürgerlicher Tugend“. 1. Bd. (Augsburg 1782) S. 171—208.

2)	Seine Schwester Anna war älter als er. Da ferner Hans Paum-
gartners d. Ae. viertes Kind Felizitas um 1494 geboren wurde (Dan.
P r a s c h: Epitaphia Augustana, Augsbg. 1624 I S. 290), so ergibt sich
für Hans Paumgartner d. J. ungefähr die oben angegebene Geburtszeit.

3)	Regina Fugger, geb. 7. Nov. 1499, war Georg Fuggers (f 1506)
und der Regina Imhof Tochter, also eine Schwester Anton Fuggers. Sie
zahlte in Augsburg seit ihres Vaters Tod eine Steuer von jährl. 70 fl.
Nach einem am 4. April 1519 abgeschlossenen Ehevertrag hatte sie ihrem
        <pb n="53" />
        ﻿46

Die gefährlichsten Rivalen und Konkurrenten waren nun durch
nahe verwandtschaftliche Verbindung gewonnen. Anton Fugger,
der bestimmt war, in der nächsten Generation an die Spitze
des Fuggerschen Geschäftes zu treten, war jetzt Hans Paum-
gartners d. J. Schwager geworden und von dem gegenwärtigen
Leiter der Fuggerhandlung, Jakob dem Reichen, besagt eine
Notiz, dass er seinen jungen Verwandten „fast“ lieb gehabt
haben soll1).

Hans Paumgartner war nach seiner Verheiratung im väter-
lichen Geschäft tätig und stand dem Vater zur Seite. Dieser
zog sich dann — nahe dem sechzigsten Lebensjahr — mehr
und mehr zurück. Der damalige weltumspannende Handel
erforderte jüngere Kräfte. Am 12. November 1515 gab der
Vater dem Sohn „alle Gewalt, mit Hab, Gütern und Geld zu
handeln und zu hantieren nach seinem Ermessen“. Seitdem
finden wir auch tatsächlich Hans d. J. in Urkunden und Ver-
trägen als Inhaber der Firma genannt, obwohl er zunächst
noch unter väterlicher Oberaufsicht die Geschäfte erledigte2).
Als im Oktober 1515 der kaiserliche Rat Blasius Hölzl in Augs-
burg weilte und mit den Kaufleuten wegen eines Anlehens
verhandelte, zog Hans Paumgartner zu den Beratungen neben
seinem Teilhaber Lucas Gassner auch seinen Sohn bei. Da
damals den Fuggern auf lange Zeit hinaus alles Silber ver-
schrieben war, und diese nichts abtreten wollten, so konnte
trotz mehrtägiger Verhandlungen kein Silbervertrag mit den
Paumgartnern abgeschlossen werden3). Im Jahre 1516, als
Maximilian gegen Venedig im Felde lag, gab Paumgartner zu
Verpflegung der Kriegsknechte zusammen mit Hans Auslasscr

Gatten 6000 fl mit in die Ehe gebracht. Hans Paumgartner d. J. zahlte
seit 1512 in Augsburg Steuer und zwar zunächst jährl. 100 fl. (Nach
den Steuerbüchern.) Er wohnte auch nach seiner Vermählung bei seinem
Vater in der Annastrasse und zwar bis zu dessen Tod in einem Rück-
gebäude („in der hinteren Behausung“).

*) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Max. XII. 40 Nr. 70. „fast“
natürlich gleich „sehr“.

2)	Diese und die weiter unten (S. 48) zu erwähnenden Notizen
über die Geschäftsübergabe entnehme ich einer Aufzeichnung des
früheren Augsbg. Stadtarchivars Herberger, dem Hans Paum-
gartners d. Ae. Testament vorlag. Es ist mir nicht gelungen, das letztere,
das sich im Augsburger Stadtarchiv befinden soll, aufzufinden.

3)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Max. XII. 40 Nr. 70.
        <pb n="54" />
        ﻿47

und ebenso die Manlich grössere Summen und Waren. Am
9. September 1516 hat ihm dann der Kaiser dafür 5000 Jl
Silber (ä 8 fl 27 kr) verkauft1). Auf grössere Darlehen liess
sich jedoch Paumgartner nicht ein, da ihm Maximilian noch
eine Summe für Formschneiden schuldig war2). Wahrscheinlich
hatte Paumgartner Zahlungen an einige Augsburger Künstler
wie Burgkmair, Amberger u. a. gemacht, die bekanntlich für
den Kaiser arbeiteten.

Bei der argen, von Jansen bereits geschilderten Zerrüttung
der Finanzen blieb schliesslich, da die Metalle den Fuggern
verschrieben waren, nichts übrig, als andere Einnahmequellen
Tirols zu verpfänden. Hier tritt im Jahre 1517 auch Hans
Paumgartner d. Ae. nochmals als Geldgeber auf. Nachdem
am 1. Januar die Fugger zur Abfertigung des Kriegs Volks in
Verona um 18 000 fl angesprochen worden waren, liehen am
17. Januar Anton Welser 4000 fl, Hans Paumgartner d. Ae.
3000, Lucas Gassner 2000, Philipp Adler 7500 und Jacob Vil-
linger 2000 fl. Sie alle wurden damit auf das Pfannhaus zu
Hall, also den Salzertrag, verwiesen3). Im Februar des gleichen
Jahres erklärte sich Hans Paumgartner d. J. bereit, der Re-
gierung 6000 fl auf drei Monate zu leihen. Dieses Anerbieten
wurde mit Dank am 25. Februar angenommen und Paumgartner
in Aussicht gestellt, man werde ihn bei künftigen Silber- und
Kupferkäufen besonders berücksichtigen4). Am 6. März bat
die Kammer dann den Kaufmann, er möge das Geld herein-
schicken. Da man genötigt gewesen wäre, zur Zurückzahlung
der 6000 fl bei den Fuggern Geld aufzunehmen, so liess sich
Paumgartner am 1. September dazu herbei, mit seinen 6000 fl
noch stillzustehen und dazu weiter noch 2000 fl bar und für
2000 fl Seidenwaren darzustrecken. Die ganze Summe (10 000 fl)
sollte ihm nächste Lichtmess mit 200 fl Zins zurückbezahlt
werden5 6). Auffallend ist die Zuvorkommenheit, die der junge
Paumgartner hier der Tiroler Finanzbehörde gegenüber zeigt.
Er ging dabei gewiss von dem Gedanken aus, dass man be-

q Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Missiven (1516) fol. 408.

2)	Jansen: Jacob Fugger d. R. S. 117.

3)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Entbieten u. Befehl (1517)

fol. SS-

*) Ebenda: Gemain Missiven (15x7) fol. 131 u. 140.

6) Ebenda fol. 68.
        <pb n="55" />
        ﻿48

sonders anfangs sich etwas nachgiebiger verhalten müsse,
um sich die Regierung für spätere Geschäfte geneigt zu machen.

Maximilians I. Lebenszeit nahte sich ihrem Ende1). Auf
seinem letzten Reichstag zu Augsburg im Herbst 1518 betrieb
der Kaiser die Wahl seines Enkels Karl zu seinem Nachfolger.
Die Rolle, die das Fuggersche Geld bei diesen Verhandlungen
spielte, ist bekannt. Auch Paumgartner durfte mit seinem
Kapital Karl zur Krone verhelfen. Er lieh Maximilian I.
10 000 fl zu „Unterhaltung“ auf dem Reichstag. Die Summe
ist eingetragen in einer von Greiff edierten Abrechnung „Was
Kayser Carolus dem Vten die Römisch Küniglich Wal cost im
1520. Jar.“2) Sie ist klein im Verhältnis zu den Fuggerschen
Aufwendungen für diesen Zweck. Indirekt war Hans Paum-
gartner auch vermutlich stärker beteiligt. In jenem bekannten
stolzen Brief, den Jacob Fugger im Jahre 1523 an Karl V.
schrieb, und in dem er den Kaiser um Rückzahlung der für
die Wahlkosten vorgestreckten Gelder bittet, sagt er ja aus-
drücklich „dann ich war lieh von solchem aufgebrachten geld
selbst Interesse zahlen muost“3). Sollte hierbei Fugger nicht
auch das Kapital seines Schwagers Hans Paumgartner heran-
gezogen haben?

In den Jahren 1515 bis 1520 hatte der junge Paumgartner
noch unter seines Vaters Oberleitung gestanden. Er legte
diesem am 26. März und am 20. Dezember 1517 sowie noch-
mals am 7. Mai 1520 Rechenschaft ab, wobei der Vater alles
in bester Ordnung fand. Am 7. November 1520 übergab er dem
Sohn alle Geschäfte. Dieser sollte doppelt so viel erben als
eine der Töchter. Verschwiegenheit über geschäftliche Dinge

l)	Wie bedeutungsvoll gerade die Regierung Maximilians I. für
die Augsburger Kaufleute war, geht aus ff. Stelle bei dem Chronisten
Wilhelm Rem hervor (Chron. d. deutschen Städte XXV S. 101): „Der
kaiser was den von Augspurg günstig und besunderlich den bürgern, es
waren vil lcauffleut hie, die handleten mit ihm; wan er gelt dorft, so
liehen sie im gros gutt auff die Silber und kupfer zu Schwotz. dieselben
kafleut gewunen vil gelt an im, dan er was frum und hielt in die keff
redlich, so künden die kaffleut wol scheren.“

a) Deutsche Reichstagsakten. Jüngere Reihe Bd. 1 S. 117. Greiffs
Veröffentlichung findet sich im Jahresbericht des Hist. Ver. f. Schwaben
u. Neuburg Bd. XXXIV (1868) S. 9 ff.

3) Dieser berühmte Brief ist öfter gedruckt, so zuletzt bei Jansen:
Jacob Fugger der Reiche S. 249 f.
        <pb n="56" />
        ﻿49

schärfte er ihm besonders ein. Da er (der Vater) mit vielen
Leuten, hauptsächlich auch mit Maximilian, viel und mancherlei
gehandelt und solches in seine Bücher geschrieben, auch darüber
allerlei Quittungen und Rechnungen aufgerichtet habe, so solle
der Sohn, der jetzt das Geschäft in allen Teilen übernehme,
niemand in diese Bücher Einsicht gestatten1).

Wie im Reich, so trat jetzt auch — wenn man Kleines
mit Grossem vergleichen darf — in der Firma Paumgartner
ein neuer Herr an die Spitze. Mit der Regierung Karls V. bzw.
seines Bruders Ferdinand beginnt eine noch stärkere Heran-
ziehung der Paumgartner zu Anleihen. Die mehr und mehr
wachsenden Aufgaben in allen Teilen des weitausgedehnten Reichs
stellten auch an die Finanzkräfte der Herrscher immer höhere
Forderungen2). Bei der noch wenig durchgebildeten Organisation
des Steuerwesens musste die Regierung immer wieder ihre
Zuflucht zu den Kaufherrn nehmen, die allein im Besitz grosser
Kapitalien waren. Zu den bekanntesten Vertretern dieser
Hochfinanz gehörte jetzt auch schon unser Hans Paumgartner
d. J., dessen Beziehungen zu Karl V. und Ferdinand I. wir
nun zunächst näher betrachten wollen.

b)	Hans Paumgartners Finanzgeschäfte mit den Habs-
burgern und seine Bergwerksunternehmungen.

Mit einem grossen Geldgeschäft setzen Paumgartners
Beziehungen zu Karl V. ein, der auch die Tiroler Bergwerke
seiner Politik dienstbar machte. Am 6. Dezember 1519 lieh
der Kaufherr dem Kaiser 40 000 fl und wurde dafür auf Tiroler
Silber verwiesen. Die Rückzahlung begann erst 1521 in der
Weise, dass Paumgartner von dem in seinen Gruben gewonnenen
Silber von jeder Mark 45 kr zurückbehielt und ausserdem noch

1)	Vgl. dazu das oben S. 46 Anm. 2 Gesagte.

2)	Wertvolle Beiträge zu einer Geschichte der österreichischen
Staatsschulden liefert: Otto T h o r s c h: Materialien zu einer Geschichte
der österreichischen Staatsschulden vor dem 18. Jahrhundert. Leipziger
Inauguraldissertation. Greifswald 1891. Die in den Text eingeschobenen
Tabellen lassen den hervorragenden Anteil der Augsburger Kaufleute,
nicht nur der Fugger, deutlich erkennen. Auch die Paumgartner sind
häufig vertreten.

4
        <pb n="57" />
        ﻿5»

alle Quatember 2000 fl bar empfing1). Das Geld brauchte
der Kaiser zu Rüstungen gegen Ulrich von Württemberg, der,
bekanntlich damals in die Reichsacht erklärt, Unruhen ver-
ursachte, die ihn schliesslich um sein Land brachten.

Am 15. Mai 1520 zahlte Paumgartner an die Regierung
zu Innsbruck 6000 fl in Sonnencronen, die zu einer Bezahlung
an die Schweiz benötigt wurden. Er erhielt dafür 1200 M Silber
aus seiner eigenen Schmelzhütte (monatlich 175 M), aber erst,
wenn er für zwei frühere Beträge von 8000 fl befriedigt worden
wäre2). Aus besonderen Gründen, die ich aber nicht anzugeben
vermag, schob Hans Paumgartner in einem Vertrag vom
8. März 1521 seine beiden Söhne (die damals erst zwischen
vier und acht Jahre alt waren) vor. Ihnen verschrieb der Kaiser
damals für ein Darlehen von 20 000 fl 10 000 M Silber3). Erst
fünf Jahre später, als die Tiroler Regierung die Hüttwerke
von den Fuggern wieder zurückbekam, konnte diese Silber-
lieferung beginnen, die dann im November 1527 ihren Ab-
schluss fand.

Die Aufnahme von Geldern bei den Paumgartnern verlor
jetzt immer mehr den Charakter einmaliger ausserordentlicher
Forderungen. Wie die Fugger, so war auch unser Kaufherr
zum ständigen Hofbankier geworden, an den man jeden
Augenblick mit neuen Bitten um Darlehen herantrat4). Fast
alljährlich, ja oft mehrmals im Jahre, sandte die Regierung
in Innsbruck einen der Räte mit einer „Credenz“ oder In-
struktion nach Augsburg, um bei den Kaufleuten wegen Geld-
aufnahme anzuklopfen. Paumgartner war neben den Fuggern
immer einer der ersten, an den man sich wandte. So weilte
im Juü 1521 Christof Fuchs von Fuchsberg in Augsburg,,
um im Namen des Regiments und der Kammer für Karl V.
6000 fl bei Paumgartner zu erlangen. Falls er abschlagen
würde, sollte Fuchs mit den Höchstettern verhandeln5). Etwas

*) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Gemain Missiven (1521) f. 155..

2)	Ebenda. Missiven und Befehl (1520) f. 180, 199.

3)	Ebenda. Entbieten und Befehl (1526) f. 177.

*) Daneben sind auch die Höchstetter, Herwart und Bimmel
dauernd Geldgeber der Habsburger. Gerade die Tiroler Kopialbücher
bieten für die Geschichte der Augsburger Handelsfamilien eine Fülle
von Material, das bisher noch wenig beachtet wurde, soweit die Zeit
nach 1525 in Betracht kommt.

5) Die „Instruktion und Memorial Herr Christof Fuchsen
        <pb n="58" />
        ﻿5i

später folgte Blasius Hölzl ebenfalls Finanzgeschäfte halber
nach Augsburg dem von Fuchsberg nach. Das Resultat ihrer
Mission war, dass Hans Paumgartner am 3. September 12 000 fl
dar lieh1).

Im Juli 1522 rechnete die Regierung mit Paumgartner
ab. Es zeigte sich, dass er mit Einschluss der zuletzt vorge-
streckten 12 000 fl und eines Postens von 864 fl 19 kr für Seiden-
waren im ganzen noch 22 014 fl 19 kr (zum Teil noch von den
1519 dargeliehenen 40 000 fl herrührend) zu erhalten hatte.
Er wurde am 26. Juli auf die Einnahme aus dem Pfannhaus
zu Hall verwiesen2).

Kurz zuvor (7. Februar 1522) war in Brüssel zwischen
Karl V. und Ferdinand I. die Teilung der habsburgischen
Lande zustande gekommen, in der letzterem auch Tirol zuge-
fallen war. Er trug nun auch die Verantwortung für die Ver-
wendung der reichen Metallschätze dieses Landes und es konnte
nicht ausbleiben, dass sich anfangs deshalb manche Kom-
petenzstreitigkeiten ergaben. So hatte Hans Paumgartner im
Herbst 1522 Karl V. wieder 24 000 fl dargestreckt. Da er trotz
seines wiederholten Ersuchens für diese Summe längere Zeit
keine Verschreibung erhielt, wandte er sich an Ferdinand.
Dieser weigerte sich jedoch, die Schuld seines Bruders anzu-
nehmen3). Als er sich an die Räte in Innsbruck um Auf-
schluss über die Verwendung des Geldes wandte, wurde ihm
die Antwort, dass dasselbe dem Kammermeister übergeben
worden sei, der darüber Rechenschaft abzulegen habe. Weder
zu Herzog Sigismunds noch zu Maximilians I. Zeit seien die
Räte verpflichtet gewesen, Rechnung abzulegen. Ferdinand
gab sich mit dieser Antwort noch keineswegs zufrieden, sondern
schrieb am 29. November von Nürnberg aus nach Innsbruck
zurück, dass er die Kammer deshalb um Rechenschaft gebeten

von Fuchsperg Ritters, römisch kaiserlicher Majestät Rat. 6000 fl
vinantzen“ steht Entbieten u. Befehl (1521) f. 478. Gewöhnlich schrieb
die Tiroler Kammer, wenn sie einen solchen Gesandten nach Augsburg
schickte, gleichzeitig an die Kaufleute und bat sie, sie möchten den
Boten günstig aufnehmen und sich seinem Anliegen willfährig zeigen.

!) Entbieten u. Befehl (.1521) fol. 302 u. (1522) fol. 403.

2)	Entbieten u. Befehl (1522) fol. 403.

3)	Schreiben Ferdinands I. an das Regiment in Innsbruck aus
Nürnberg: Missiv u. Befehl von Hof (1520—1522) fol. 338.

4*
        <pb n="59" />
        ﻿52

habe, weil sie den Vertrag zustande gebracht, er erklärte sich
dann aber damit einverstanden, dass Paumgartner auf das
Pfannhaus verwiesen werde. Sobald jedoch das Silber wieder
frei sei, solle Paumgartner den Rest aus seinem Hüttwerk
erhalten. Als dies im Oktober 1523 eintrat, hatte Paumgartner
von den 24 000 fl noch 16 801 fl zu empfangen1). Der Münzmeister
wurde angewiesen, den Kaufmann von dem Silber, das er mache,
und in die Münze liefere, 45 kr von jeder Mark zurückbehalten
zu lassen.

Die Jahre 1524 bis 1526 stellten infolge der Bauernunruhen
und der gleichzeitigen Kriege Karls V. in Italien grosse For-
derungen an die Tiroler Finanzen, mit deren Mitteln Karl und
Ferdinand indirekt durch die Augsburger Kaufherrn ihre
Kriege führten. Nicht mit Unrecht behauptet ein Geschichts-
schreiber Tirols, dass der Bauernkrieg, die Türken- und Fran-
zosenkriege die Hilfsmittel Tirols erschöpften und es aus einem
der zahlungsfähigsten zum ärmsten der Erblande machten2).

Gerade der reiche Ertrag der Bergwerke wurde dem Lande,
wie wir noch sehen werden, zum Unsegen, da man diese Quelle
für unversiegbar hielt. Immer neue Geldaufnahmen machte
man auf die Edelmetalle und erschöpfte damit vorzeitig den	4

Reichtum der Gruben. Am 27. Februar 1524 teilte Gabriel
Salamanca, Ferdinands allmächtiger Generalschatzmeister, der
Tiroler Regierung mit, dass Hans Paumgartner 20 000 fl dar-
gestreckt, einige Monate später (10. Mai) berichtet Ferdinand
von Horb aus, dass man bei dem genannten Augsburger Kauf-
mann ausserdem noch 19 998 fl 32 kr y2 f aufgenommen habe3).

Beide Summen wurden auf den Silberwechsel verwiesen. An-
gesichts dieser Verpflichtungen und der unerquicklichen Zu-
stände des Landes4) konnte die Regierung bald ihren Zahlungen
nicht mehr nachkommen, zumal auch die Unruhen, „so sich
an vielen Orten durch den gemeinen Mann erzeigten“, grösseren

1)	Missiv und Befehl von Hof (1520 bis 1522) fol. 341.

2)	Jos. Egger: Geschichte Tirols von den ältesten Zeiten bis
in die Neuzeit Bd. II (Innsbruck 1876) S. 152 u. ö.

3)	Geschäft v. Hof (1524) fol. 180.

*) Besonders Ferdinands I. Günstling, der Spanier Gabriel Sala-
manca, Graf zu Ottenburg, Freiherr zu Freienstein, der in Tirol wie
ein Fürst gebot, war den Einheimischen verhasst. Vgl. Egger a. a. O.
S. 86 ff.
        <pb n="60" />
        ﻿53

Umfang annahmen1). Die Räte trugen Ferdinand ihre Not
vor und erhielten den Rat, mit Höchstetter und Paumgartner
über ein Anlehen von 20 000 fl auf Tauf rer Kupfer zu handeln.
Die Kaufleute, die in solchen unruhigen Zeiten ihr Geld zu-
sammenhielten, gewährten aber nur wenig, so Paumgartner
3000 und Fugger 6000 fl2). Die Rückzahlung der Darlehen
wurde immer schwieriger. So hatten sich die Schulden, die
Ferdinand bei Paumgartner hatte, bis Ende 1524 auf 75 000 fl
aufgelaufen, worunter noch Posten aus Maximilians I. Zeit
waren3).

Im eigentlichen Sturmjahr 1525 selbst hielten die Kauf-
leute erst recht ihre Taschen zu. Trotzdem die Regierung
die Räte Blasius Hölzl und Hans Löble nach Augsburg schickte,
„da die Kammer eine eilende Hilf brauche“, waren bei Paum-
gartner nur 5000 fl (3000 im Juli und 2000 am 12. August)
zu erlangen4).

Um so grösser war die Erschöpfung der Tiroler Finanzen
dann im Jahre 1526, nachdem die Hauptgefahr vorüber war.
Obwohl er noch 45 000 M Silber zu empfangen hatte, liess
sich Paumgartner am 20. Februar doch herbei, 20 000 fl dar-
zuleihen. Es wird ihm dafür bewilligt, dass er mit dem Empfang
der genannten 45 000 M sofort beginnen solle und auch die
20 000 fl vom Wechselgeld des Schwazer Silbers zurückerhalte.
Da Paumgartner die Hälfte der ihm zustehenden 45 000 M
zum Vermünzen nach Hall gab, erhielt er dort für jede Mark
10 fl 45 kr5). Von den obenerwähnten 20000 fl beanspruchte
Ferdinand sogleich 3200 fl für sich, um die Kosten seines
„Aufbruchs“ von Augsburg zum Reichstag nach Speyer zu
begleichen. Am 17. März lieh dann Paumgartner ausserdem
noch 6000 fl6). In eindringlichen Vorstellungen wandte sich

1)	Ferdinand I. an die Räte der oberösterr. Kammer: Geschäft
v. Hof (1524) fol. 236.

2)	Gemain Missiven (1524) fol. 188.

3)	Karl Oberleitner: Oesterreichs Finanzen u. Kriegswesen
unter Ferdinand I. (in: Archiv f. Kunde österreichischer Geschichts-
quellen XXII S. 17 ff. Oberleitner berechnet die Ausgaben der österr.
Regierung für den Bauernkrieg auf 226 812 fl (S. 23).

‘) Geschäft von Hof fol. 51 u. 61.

5) Entbieten u. Befehl fol. 47. Genannte Summe war also wohl
damals der Marktpreis des Silbers.

®) Geschäft Von Hof (1526) fol. 48.
        <pb n="61" />
        ﻿54

anfangs Juni die Kammer an Ferdinand und schilderte den
traurigen Zustand der Finanzen1). Die Bauernunruhen dauerten
zum Teil im Pinzgau und bei Brixen noch fort. Den Knechten
an der Etsch war man am 19. Mai 1526 bereits einen halben
Monatssold (5000 fl) schuldig. Zott, der in Augsburg weilte,
um Geld aufzunehmen, richtete nur wenig aus. Die Räte
fürchteten, wenn nicht bald Hilfe komme, dass „grosses Geschrei
und Gerücht und ander Nachteil im römischen Reich und
bei anderen Leuten“ entstehen möchte. Gabriel Salamanca,
Graf von Ortenburg, erlangte schliesslich bei den Fuggern
40 000 fl und bei Paumgartner 9000 fl, dem letzteren wurde
sein Darlehen auf das Hilfsgeld in der Lausitz verwiesen2).
Ferdinand genehmigte diese Verträge und riet, am 21. Juli mit
Höchstetter und Bimmel weiter zu verhandeln3). Die zu diesem
Zweck nach Augsburg gesandten Räte Georg von Fiundsberg,
Christof Fuchs und Hans Zott richteten dort aber wenig aus4).

Kaum waren die Aufstände beruhigt, so pochte im Osten
der bei Mohacs siegreiche Türke stärker an die Pforten des
Reichs. Ferdinand befand sich im Feldlager bei Ofen. Dort
bestätigte er in einem Vertrag vom 18. August 1527, dass ihm
die Höchstetter 7000 fl dargestreckt und sich auch für weitere
10 000 fl verbürgt hätten, die bei Hans Paumgartner auf-
gebracht wurden. Diese Summen wurden auf Taufrer Kupfer
verschrieben und den beiden Kaufleuten ausserdem ein Silber-
kauf von 8000 M gewährt5). Im Laufe dieses Jahres waren bei

1)	Missiv an Hof (1526) fol. 89.

2)	Geschäft v. Hof (1526) fol. 373.

3)	Entbieten u. Befehl (1526) fol. 153. Das Schreiben Ferdinands
ist datiert: Speyer, 21. Juli 1526.

*) In diesen Zusammenhang gehört ein Brief Gg. v. Frundsbergs
aus Augsburg v. 19. Sept. 1526. (Korrespondenz österr. Herrscher: Die
Korrespondenz Ferdinands I. 1. Bd. Familienkorrespondenz in: Ver-
öffentlichungen der Kommission f. neuere Geschichte Oesterreichs II
S. 484/85. Anm.) Frundsberg schildert hier seine Bemühungen, bei
den Kaufleuten Geld aufzubringen zur „röttung der erlichen Gesellen“
in Mailand u. Cremona. Es handelte sich um ein Hilfsheer, das dann
unter Frundsbergs Oberbefehl nach Italien zog. Die Gesandten der
Tiroler Kammer versuchten bei Fugger, Welser, Höchstetter, Herwart,
Paumgartner Geld aufzunehmen. Die Kaufleute entschuldigten sich
aber mit früheren Darlehen und finanziellen Verlusten in Ungarn. (Jahr
der Schlacht v. Mohacs!)

5) Original desVertrags imAugsb.Stadtarchiv, Litter. S. 18. Aug. 1527.
        <pb n="62" />
        ﻿Paumgartner auch schon weitere Darlehen aufgenommen
worden, so am 5. April 3600 fl auf Klausner Erz verschrieben,
und am 20. August zusammen mit den Fuggern 9000 fl, wofür
ihnen 10 000 M Silber verkauft wurden. Das Hilfsgeld der
Lausitz, auf das Paumgartner im Vorjahr für 9000 fl eine
Anweisung erhalten hatte, ging sehr langsam ein, weshalb diese
Anweisung jetzt zurückgenommen und dem Kaufmann dafür
7000 M Silber gewährt wurden. Doch sollte er diese erst 1534
empfangen.

Am 10. Oktober 1527 wurden der Tiroler Kanzler Dr.
Hieronymus Baidung und Hans Auslasser mit einer Instruktion
zu den Fuggern, Paumgartner, Herwart-Bimmel und Manlich
nach Augsburg geschickt1). Die Finanznot der Kammer war
so gross, dass sie mit Müh’ und Not einen Botenlohn aufbrachte.
Doch die Kaufleute halfen immer wieder. Fugger und Paum-
gartner zahlten für Unterhaltung der Landsknechte 2600 fl,
Paumgartner allein ausserdem noch 8000 fl, wofür ihm die
Einkünfte aus dem Zoll am Lueg und bei Rattenberg ver-
schrieben wurden, und er ferner noch 5333% M Silber erhielt2).
Paumgartner wollte in den Vertrag die Bedingung aufgenommen
wissen, dass er in Jahresfrist um weitere Darlehen nicht an-
gegangen würde. Die Regierung liess ihm hierauf erklären,
dass, wenn man kein Geld brauche, man ihn nicht belästigen
würde, wenn es aber nötig sein sollte, so würden sich Wege
finden, die ihm vielleicht nützlich sein könnten3).

Und in der Tat konnte den Kaufleuten kein grösserer Ge-
fallen erwiesen werden, als dass sie um Geld angesprochen
wurden. Mochte ihnen auch momentan einmal die Geduld
reissen ob den ewigen Forderungen, so war doch Tirol für sie
die beste Quelle des Gewinns. Nicht nur alles Silber gehörte
immer aut Jahre hinaus ihnen, auch die anderen Einnahmen
des Landes, das Pfannhaus, Zölle und Aemter waren ihnen
zeitweise verschrieben. Gelegentlich kam es auch zwischen
den Empfängern des Silbers zu Streitigkeiten, da bei der Menge
gleichzeitig laufender Verträge Versehen nicht zu vermeiden
waren. Besonders misslich war, dass Ferdinand selbst in Wien
mit den Kaufleuten Geschäfte abschloss, wovon dann die Re-

1)	Gemain Missiven (1527) fol. 504.

2)	Entbieten u. Befehl (1527) fol. 66.

3)	Gemain Missiven (1527) fol. 504.
        <pb n="63" />
        ﻿gierung in Innsbruck, die inzwischen auch Geld aufgenommen
hatte, erst nachträglich erfuhr. So beschwerten sich die Fugger
häufig, dass auf Silber, das ihnen verschrieben war, auch andere
Ansprüche machten. Im Jahre 1531 sollte Paumgartner die
ihm für 9000 fl Darlehen zugestandenen 6000 M Silber erhalten,
und zwar jährlich 2000 M. Nun waren aber bereits den Fuggern,
Paumgartner und Bimmel zusammen für diese Jahre 19 200 M
zugesagt. Paumgartner musste sich daher schliesslich dazu
verstehen, bis 1534 zu warten. Als Entschädigung gab man
ihm dafür noch 1000 M Silber mehr, also 7000 M1).

Im Jahre 1529 verschwand eine der Firmen, die bisher
in Tirol an der Seite der Fugger und Paumgartner gestanden,
vom Schauplatz. Ambrosius Höchstetter musste damals
seinen Bankrott erklären2), der wegen der Begleitumstände
bekanntlich viel Aufsehen erregte. Paumgartner rettete viel-
leicht einen Teil der Guthaben, die er bei den Höchstettern
hatte, dadurch, dass er alle Rechte und Gerechtigkeiten an
jenen obenerwähnten 17 000 fl übernahm, um die er zugleich
mit den Höchstettern auf Taufrer Kupfer verschrieben worden
war3). An die Stelle der ausscheidenden Firma traten nun in
Tirol zwei andere mehr hervor, die bisher nur gelegentlich
erwähnt wurden, die Bimmel und Manlich.

Auch in Tirol selbst machte sich der bisher getriebene
riesige Silberhandel immer mehr bemerkbar. Die Zeit von
1500 bis 1530 ist die Glanzperiode des Tiroler Bergbaues. Nur
infolge einer fast unerschöpflich scheinenden Ergiebigkeit der
Silbergruben waren die grossen Anlehen möglich gewesen, von

l)	Die Tiroler Regierung war den Augsburger Kaufleuten völlig
ausgeliefert. Sie bemüht sich stets, diese bei gutem Willen zu erhalten
und wagt nur höchst selten mit ihnen in ernsterem Ton zu reden aus
Furcht, die Kaufleute möchten sich ihren Bitten um Geld verschliessen.

!) Eine ausführliche Schilderung des Höchstetter-Konkurses gibt
Clemens Sender in seiner Chronik (Chroniken der deutschen Städte Bd. 23
S. 219 ff.).

3)	Geschäft v. Hof (1529) fol. 114. Ursache des Bankrotts waren
einige Verluste an Waren, besonders aber die Verschwendung, die
Ambrosi Höchstetters Sohn und sein Schwiegersohn trieben. Der letztere,
Hans Franz Paumgartner, war Hans Paumgartners Neffe. Von ihm
erzählt Sender a. a. O. S. 220/221: „Dann sein sun Joachim (Höch-
stetter) und sein tochtermann Frantz Baungartner haben auff ain nacht
in ainem panget thüren laussen auffgan und verthon 5000 oder 10 000 fl
und auff ain mall 10000 oder 20000 oder 30000 fl verspillen.“
        <pb n="64" />
        ﻿57

denen die bei Paumgartner aufgenommenen ja nur einen kleinen
Teil bilden. Bevor wir die weiteren Geldgeschäfte, die unsere
Firma mit den Habsburgern machte, besprechen, wollen wir
einen Blick werfen auf die Entwicklung des Tiroler Bergbaus
und insbesondere die grossartigen Unternehmungen Hans
Paumgartners auf diesem Gebiet ins Auge fassen.

Zu Ausgang des 15. Jahrhunderts und im ersten Jahrzehnt
des 16. lag der Tiroler Bergbau noch ganz in den Händen ein-
heimischer Gewerken1). Allmählich trat jedoch hierin ein
Aenderung ein. Die schwäbischen Kaufleute erkannten
nämlich, dass sie das Finanzwesen des Landes erst dann völlig
beherrschen würden, wenn sie sich dort selbst festgesetzt und
Bergwerksbesitzer geworden wären. Unabhängig von fremden
Kräften konnten sie dann das Silber, das sie für ihre Darlehen
erhielten, selbst zutage fördern und die Produktion steigern.
Hans Paumgartner d. J. griff daher mit aller Energie hier
ein und suchte Einfluss aut die Montanindustrie zu gewinnen.
Wir erinnern uns, dass schon sein Vater einzelne Gruben be-
sessen hatte. Als er selbständig geworden war, strebte der Sohn
danach, diesen Besitz zu vergrössern. Seit dem Jahre 1518
begann er mit dem Ankauf von Bergwerken in grossem Mass-
stab. Aus seinen darüber geführten Aufzeichnungen ergibt
sich, dass er in den Jahren 1518 bis 1535 allein am Falkenstein
für 44 497 fl 20 kr ]/2 f Grubenanteile kaufte (also für ca. eine
halbe Million Mark nach jetzigem Geld)2). Dazu kamen noch
kleinere Käufe an anderen Orten. Alle diese Erwerbungen
geschahen auf Kosten der kleineren Gewerken, die sich mit
ihren geringen Betriebskapitalien gegen die Augsburger Geld-
leute nicht behaupten konnten. Nicht selten kamen die Kauf-
leute auch dadurch in den Besitz von Bergwerken, dass sie
den immer schwerer um ihre Existenz kämpfenden Gewerken
Geld vorstreckten, und sich dafür ihre Gruben verschreiben
liessen, die dann beim wirtschaftlichen Zusammenbruch der

') Ueber den Tiroler Bergbau handelt: Max v. Wolfstrigl-
Wolfskron: Die Tiroler Erzbergbaue 1301—1665, Innsbruck 1903.

2)	Hans Paumgartner hat in dem schon mehrmals erwähnten
Familienkodex über seine Bergwerksunternehmungen auf Bl. 334 a bis
369 a genaue Rechnung geführt und besonders seine Ankäufe genau
verzeichnet mit Angabe des früheren Besitzers und Namens einer jeden
einzelnen Grube.
        <pb n="65" />
        ﻿5«

Schuldner in den Besitz der Gläubiger übergingen1). Auf diese
Weise kam allmählich fast der ganze Tiroler Bergbau in die
Hände der Fugger, die seit 1522 Gruben besassen, der Paum-
gartner und Herwart. Von den einheimischen Familien konnten
sich nur die Stöckl und Tänzl als Gewerken grösseren Stils
neben den „Schwaben“ behaupten. Dieser ganze Prozess,
der fast den grössten Teil des Bergwesens in den Händen aus-
wärtiger Kaufleute vereinigte, war für dessen Entwicklung nicht
segensreich. Für die Kaufleute, denen es nur um raschen Ge-
winn zu tun war, bildete der Bergbau nur ein Mittel zum Zweck.
Statt den Abbau mit Liebe und Neigung zu betreiben, ver-
legten sie sich auf den Raubbau. Bereits Ende der zwanziger
Jahre des 16. Jahrhunderts werden die ersten Klagen laut,
dass der Berg nicht mehr so reiche Erträge bringe, wie früher.
Am interessantesten ist die Entwicklung am Falkenstein, die
wir nun etwas näher betrachten wollen.

Hans Paumgartner stand hier, was Umfang seiner Betriebe
betrifft, an der Spitze der Gewerken. Von 1507 bis 1535 pro-
duzierte er allein 282 222 M 13 1 Silber. Selbst Virgil Hofer,
der reiche Bergherr von Rattenberg, brachte es in den Jahren
1475 bis 1526 nur auf 305 388 Ji?). Die Tiroler Regierung erkannte
diesen Vorrang Paumgartners auch an. Im Jahre 1524 z. B.
lesen wir in den Kopialbüchern, „dass Paumgartner der meisten
Schmelzer einer sei“3). Aehnlich heisst es 1526: „Paumgartner,
als der jetzt das ansehnlichste Bergwerk hat . ,“4). Später
musste die Regierung, da das Bauen schwieriger wurde, den
Gewerken ein Gnad- und Hilfsgeld gewähren, um sie „beim
Berg zu halten“. Bei der ständigen Finanznot konnte sie
jedoch diesen Verpflichtungen häufig nicht nachkommen. So
hatten die Gewerken im Jahre 1524 noch 42 364 fl zu empfangen.

') Ein typisches Beispiel dafür ist der Bankrott Martin Baum-
gartners von Kufstein, des Sohnes Hans Baumgartners. Er beteiligte
sich am Tiroler Bergbau, geriet in Schulden und musste schliesslich seinen
ganzen Besitz an Gruben seinen Gläubigern abtreten. Näheres darüber
siehe u. S. 128.

’) Wolfstrigl-Wolfskron a. a. O. S. 52—56 ist das
Silberverzeichnis der Silberbrenner Jörg und Sebastian Anndorfer zu
Schwatz abgedruckt, dem ich obige Zahlen entnehme.

3)	Missiven (1524) fol. 43.

*) Missiv an Hof (1526) fol. 88. Fugger, Stöckl u. Höchstetter
werden i. J. 1524 als die bedeutendsten Gewerken erwähnt nach Paumg.
        <pb n="66" />
        ﻿Auf Paumgartner fielen dabei allein n ooo fl. Um diese Rück-
stände bezahlen zu können, nahm die Regierung bei Fugger,
Paumgartner und Höchstetter ein Anlehen auf. Mit Paum-
gartner, der ja selbst Gewerke war, verständigte man sich
dahin, dass er einstweilen gegen 5% Verzinsung warte und
dann, wie die Fugger und Stöckl, sich vom Silberwechsel be-
zahlt mache1).

In den dreissiger Jahren wurde dann der Rückgang der
Bergerträgnisse ganz offenkundig. Die Gewerken erklärten
1534 und in den folgenden Jahren wiederholt, sie könnten,
ohne Schaden zu erleiden, nicht mehr weiter bauen, wenn ihnen
nicht die Regierung weitere Zuschüsse gewähre2). Sie drohten
sogar, den Bau ganz einzustellen. Daraufhin gewährte die
Kammer den einheimischen Gewerken Stöckl und Tänzl eine
„Particulargnad". Sie erhielten die Berechtigung, 2/3 (statt
bisher %) des von ihnen gemachten Silbers frei verführen zu
dürfen. Man begründete dies damit, dass sie auch ,,im ringen
Wechsel“ bauten, im Land selbst Steuer zahlten und den
Bergbau als Beruf ausübten3). Die Augsburger (Fugger, Paum-
gartner usw.) hatten sich zunächst mit diesem Sonderprivilegium
einverstanden erklärt, aber bald darauf traten auch sie mit der
Bitte an die Regierung heran, dass man ihnen ebenfalls jene
„besondere Gnad“ gewähre. Die Kammer wies diese For-
derung jedoch ab und betonte mit Recht, dass die Kaufleute
auch aus dem Silberhandel grossen Nutzen zögen, was bei
Stöckl und Tänzl nicht der Fall sei. Es wäre auch schimpflich,
wenn der König nicht die Macht hätte, einem vor dem andern
mehr Gnad zu gewähren4). Der Einfluss, den die Augsburger
in Tirol gewonnen hatten, war aber bereits zu gross, als dass
man auf die Dauer ihre Wünsche hätte ignorieren können.
Bei jedem neuen Darlehen, das sie gewährten, stellten sie die
Forderung einer Erhöhung des Gnadgeldes. Als 1543 die Paum-
gartner, Fugger, Haug und Neithart — damals die Haupt-
gewerken — an den König besonders hartnäckig ihre Bitte

*) Missiv an Hof (1523) fol. 18.

2)	W o 1 f s t r i g 1 a. a. O. S. 50.

3)	Die einheimischen Gewerken bauten auch an den weniger
ergiebigen Plätzen weiter, während die Augsburger den Bau an jenen
Stellen aufgaben, wo sich ein Rückgang der Erträgnisse zeigte.

*) Missiv an Hof (1538) fol. 82.
        <pb n="67" />
        ﻿6o

wiederholten, ihnen auch 2/g ihres Silbers freizugeben, hielt die
Kammer in ihrem Gutachten an den König mit ihrer Meinung
nicht zurück. Sie erklärte, die Augsburger Kaufleute hätten
keinen Grund, sich zu beschweren. Sie hätten die Einheimischen
ausgekauft und man hätte nicht geglaubt, dass sie vorhatten,
„einen Schatz und Gottesgab“ wie den Falkenstein zu ruinieren.
Man sei vielmehr der Meinung gewesen, sie würden andere,
wenn sie zaghaft würden, zum Ausharren und tröstlichen
Bauen bewegen. Wenn die Stöckl und Tänzl sich zurückgezogen
hätten, so wäre weniger Silber gemacht worden und sie, die
Kaufleute, hätten dann mit der Rückzahlung ihrer Darlehen
länger warten müssen. Die Inländer hätten auch kein anderes
Gewerbe als den Berg, während der Ausländer Vermögen davon
nicht allein abhängig sei. Wenn der Berg nicht mehr Nutzen
bringe, so seien sie trotzdem Herren mit ihrem Handel, so sie
in allen Ländern haben1).

Damals, als die Regierung dieses Schreiben an Ferdinand
sandte (27. Januar 1544), übertraf der Bergbau Paumgartners
immer noch bei weitem den der andern Augsburger. Die Fugger
machten nämlich 1543: 4091 M 14 1, die Haug und Neithart
4918 M 12 1, Paumgartner dagegen 7138 M 15 1 Silber2).

Im Jahre 1544 hatten dann die Supplikationen schliesslich
Erfolg. Die Regierung durfte es mit den Kaufleuten nicht
verderben. Um das Heiratgut für Ferdinands Tochter Elisabeth
aufzubringen (siehe u. S. 68), musste man den Kaufleuten am
1. November 1544 auch die Gnade gewähren3), dass sie „wegen
ihres tapferen Bauens und in der Hoffnung, dass sie auch ferner
getreu bauen wollten, auch anderer bewegenden Ursachen
halber“ statt der bisherigen vierten Mark über den halben
Teil ihres Silbers gegen Bezahlung des Wechselgeldes frei ver-
fügen dürften. Diese Gnade sollte bis Ende 1548 gelten. Noch
war diese Frist nicht abgelaufen, da kamen die Augsburger
(auch die seit 1547 im Bergbau tätigen Herwart) mit der Bitte
um noch weitere Privilegien. Die Ergiebigkeit des Falkenstein
nahm nämlich jetzt rapid ab. Die Gewerken erklärten, sie

*) Dieses interessante Schreiben an Ferdinand, aus dem der lang-
verhaltene Groll der Regierung über die Gewinnsucht der Augsburger
spricht, steht Missiv an Hof (1543) fol. 27.

2)	Missiv an Hof (1543) fol. 88.

3)	Entbieten u. Befehl (1544) fol. 299.
        <pb n="68" />
        ﻿hätten in den letzten fünf Jahren mit grossem Schaden gebaut.
Paumgartner stand, was Silbererzeugung betrifft, immer noch an
der Spitze. Den von ihm produzierten 7000 M stehen bei
den Fuggern nur 5000, Haug-Neithart 4300 und Herwart
950 M gegenüber1). Die Regierung, die die Berechtigung jener
Klagen zugestehen musste, verstand sich zu einigen Milderungen,
blieb aber anderseits bei ihrer früheren Ansicht, dass die Kauf-
leute nur aus Spekulation ohne Rücksicht auf den Nutzen oder
Schaden des Landes sich in den Bergbau eingelassen hätten.
Und damit hatte sie gewiss recht. Der Kaufmann, der sich
nur des Gewinns halber in die Bergwerksunternehmungen
einliess, kannte die moralische Verpflichtung, auch in schlech-
teren Zeiten auszuharren, nicht. Es wird sich wohl nicht be-
streiten lassen, dass die Augsburger, besonders die, welche
wie Paumgartner sich am Bergbau selbst beteiligten, die Schuld
an dessen Verfall trugen. Das Wohl und Wehe des Tiroler
Landes lag ihnen nicht am Herzen. Diese Rücksichtslosigkeit
im Gewinnen gehörte eben mit zum Wesen des Kaufmanns
in jenen Tagen. Darin lag für ihn das Lockende an seinem
Beruf, der anderseits Gefahren und Risiko genug in sich schloss2).

Neben dem Hauptunternehmen am Falkenstein, dessen
Entwicklung wir im vorstehenden genauer verfolgt haben,
beteiligte sich Hans Paumgartner noch an einer Reihe anderer
Orte am Bergbau. Grössere Anteile besass er noch zu Klausen
und bei Sterzing, wo er mit Hans Stöckl der Hauptgewerke
war3). Auch hier baute er mit Unterstützung der Regierung.
Er erhielt für jeden Kübel Erz, den er von Klausen nach Schwaz
führte, 36 kr Hilfsgeld. Ferdinand stellt ihm und Stöckl das
Zeugnis aus, dass sie das dortige Bergwerk in Aufschwung gebracht
hätten4). Paumgartner erhielt dann 1524 die Erlaubnis, am
Klausen ein eigenes Hüttwerk anzulegen6). Ferner baute er

*) Missiv an Hof (1548) fol. 69.

2)	Der Ausspruch, den Jacob Fugger der Reiche einmal tat: er
wolle gewinnen, solange er könne (Ehrenberg: Zeitalter d. Fugger
I S. 118), war auch das Losungswort eines Paumgartner und der andern
Augsburger Kaufleute.

3)	Wolfstrigl-Wolfskron a. a. O. S. 242. Klausen am
Eisack, unterhalb Brixen gelegen.

*) Geschäft von Hof (1523) fol. 176.

5) Entbieten u. Befehl (1524) fol. 306. Im Jahre 1528 kaufte
        <pb n="69" />
        ﻿bei Gossensass und dem in der Nähe gelegenen Schneeberg
ebenfalls mit Stöckl. Im Jahre 1520 hatte er dort so viel Erz
zutage gefördert, dass er nicht wusste, wo er es unterbringen
sollte, weshalb er es der Regierung anbot1). Bedeutend scheint
auch seine Bergwerkstätigkeit bei Nals und Terlan seit 1545
gewesen zu sein2). Das gewonnene Erz wurde in den Hütt- und
Schmelzwerken, deren Paumgartner drei besass (zu Kundl.
am Klausen und in Rattenberg), verarbeitet.

Auch ausserhalb Tirols war er an der Metallgewinnung
beteiligt. Schon im Jahre 1526 waren ihm Silberbergwerke in
St. Joachimstal in Böhmen verpfändet worden3), später, im
Jahre 1549, lud ihn die Regierung ein, dort selbständig zu
bauen. Zusammen mit Konrad und Hans Rehlinger ist Paum-
gartner endlich auch noch an dem Bergbau an der Idria (in
Krain) tätig, wo Quecksilber und Zinnober gewonnen wurde.
Er ist dort um 1535 nachweisbar4).

Auf die technische Seite des Bergbaus soll hier nicht weiter
eingegangen werden. Erwähnt sei nur noch, dass Hans Paum-
gartner in der Nähe seiner Schmelzhütten häufig Wälder ange-
wiesen erhielt. In Schwaz besass er, wie die Fugger, ein eigenes
Haus, in welchem er bei seiner häufigen Anwesenheit wohnte4).
Ein eigener Faktor, der eine gewisse Selbständigkeit besass,
überwachte die Bergwerksbetriebe und die Silberablieferungen.

Das Gesagte wird genügen, um eine Vorstellung von Hans
Paumgartners Anteil an der Montanindustrie zu geben. Man
gewinnt den Eindruck, dass er auf seine Tiroler Unterneh-
mungen sein besonderes Augenmerk richtete. Wir hatten
wiederholt Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass er dort zu
allen Zeiten als Gewerke die erste Stelle einnahm. Mehr als

Paumgartner von dem Bischof von Brixen für 4300 fl eine Reihe von
Gruben in Klausen. (W o 1 f s t r i g 1 a. a. O. S. 289.)

9 Wolfstrigl a. a. O. S. 288.

2)	Paumgartner haute in Nals und Terlan schon im Jahre 1545.
nicht erst seit 1546, wie Wolfstrigl S. 331 angibt. Vgl. Gemain
Missiven (1545) fol. 370. Er bat um die Erlaubnis, das in Terlan ge-
wonnene Erz in seinen Hüttenwerken zu Klausen oder Kundl ver-
arbeiten zu dürfen, was ihm dann am 2. Febr. 1546 erlaubt wurde.

3)	Thorsch, Materialien zu einer Geschichte d. österr. Staats-
schulden S. 25.

*) Hans Paumgartners Testament (im Geh. Staatsarchiv München)
vom 5. Mai 1535.
        <pb n="70" />
        ﻿63

irgendeiner der anderen Augsburger Handelsherrn verdankte
er seinen Reichtum Tirol, wo er in seinen Bergwerken einen
grossen Teil seiner Kapitalien stecken hatte.

In der soeben geschilderten Periode des Niedergangs
des Tiroler Bergbaus (ca. 1530 bis 1548) dauerten natürlich auch
die finanziellen Beziehungen Paumgartners zu Ferdinand fort,
da dieser infolge der politischen Weltlage mehr denn je ge-
zwungen wurde, sich an die Kaufleute zu wenden. Vor allem
verursachten jetzt die Türkenkriege grosse Ausgaben. Es
würde über den Rahmen unserer Familiengeschichte hinaus-
geheii, wollten wir alle bei den Augsburgern gemachten Anlehen
genauer besprechen. Selbst in der Aufzählung der Hans Paum-
gartner betreffenden Verträge müssen wir uns einige Schranken
setzen und können aus der Fülle des in den Kopialbüchern
erhaltenen Materials nur das Wichtigste hervorheben. Paum-
gartner gehörte eben wie die Fugger schon längst zu den stän-
digen Geldgebern der Habsburger, eine Stellung, die er nicht
zuletzt seinem ausgedehnten Besitz an Bergwerken zu danken
hatte.

Der allmähliche Rückgang in der Silbererzeugung musste
natürlich auch auf die Erfüllung der von der Regierung abge-
schlossenen Verträge zurückwirken. Es wurde immer unmög-
licher, die Lieferungstermine einzuhalten. So hatte Paum-
gartner nach einer Berechnung vom 12. April 1529 an Silber
noch zu empfangen 2925 M für das Jahr 1528 und bereits weitere
1000 M für die ersten Monate des Jahres 1529. Er lieh trotz-
dem wieder 8000 fl her, für die ihm 6000 M Silber verschrieben
wurden1). Um dem Sultan Soliman, der im Jahre 1529 bekannt-
lich bis vor Wien vorgedrungen war, Widerstand leisten zu
können, nahm Ferdinand am 25. September bei Fugger und
Paumgartner 28 500 fl auf und gewährte ihnen dafür 12 000 M2).

Auf die gegenseitige Eifersucht und den Konkurrenzkampf
der Augsburger Firmen wirft ein Vorgang einiges Licht, der
sich in den Jahren 1529 bis 1531 abspielte3). Ferdinand hatte am

1)	Missiv an Hof (1529) fol. 37 ff. Es wurden am 12. April von der
Regierung Philipp von Lichtenstein, Johann Zott und Andreas Teubler
nach Augsburg geschickt, um mit den Kaufleuten (Fugger, Paum-
gartner, Herwart-Bimmel und Manlich) zu verhandeln.

2)	Entbieten u. Befehl (1531) fol. 48.

3)	Die meisten Aufschlüsse darüber gibt: Missiv an Hof (i530&gt;
fol. 6 ff.
        <pb n="71" />
        ﻿64

9. November 1528 in Wien einen grossen Vertrag mit der Han-
delsgesellschaft Bimmel-Herwart abgeschlossen und ihr für
ein Darlehen von 90 000 fl 60 000 M Silber verkauft. In den
Jahren 1534 bis 1536 sollten die genannten Kaufleute je 20000 M
erhalten. Doch hatte sich der König für die nächsten drei
Jahre (vom 1. Januar 1529 ab gerechnet) eine eventuelle Rück-
gängigmachung dieses Abkommens in der Weise Vorbehalten,
dass er versprach, im Fall der Ablösung den Kaufleuten für jede
Mark im ersten Jahr 12 kr (also zusammen für die 60 000 M
12 000 fl), im zweiten Jahr 15 kr (zusammen 15 000 fl) und im
dritten Jahr 20 kr (zusammen 20 000 fl) zu bezahlen. Anton
Fugger und Hans Paumgartner lag alles daran, Bimmel in
Tirol nicht zu mächtig werden zu lassen, und sie erboten sich
daher, die genannte Firma abzulösen, um ihrerseits in den
Besitz des Silbers zu kommen. Da sie ausserdem noch 12 000 fl
mehr bewilligten, so war die Regierung mit ihrem Vorschlag
einverstanden; doch verlangten Fugger und Paumgartner
ausdrücklich, dass die Ablösung im Namen der Regierung
geschehe. Sie wollten nämlich nicht in den Verdacht kommen,
als hätten sie an der Verdrängung der Bimmel mitgewirkt.
Die letzteren wollten nun zwar von einer Wiedereinlösung des
Vertrags nichts wissen, mussten sich aber schliesslich doch darein
fügen, worauf am 1. Juni 1531 unter Zustimmung Ferdinands
der Vertrag zugunsten der Fugger und Paumgartners rück-
gängig gemacht wurde, indem letztere die Ablösungssumme
von 15 000 fl bezahlten.

Der Reichstag in Augsburg im Jahre 1530 wurde von der
Tiroler Regierung bzw. ihren Abgesandten Johann Löble1) und
Andreas Teubler zu Finanzgeschäften mit den Kaufleuten
benützt. Obwohl Fugger und Paumgartner am 17. Januar 1530
erst 30 000 fl dargeliehen, traten jene Vertreter der Tiroler
Kammer jetzt mit neuen Forderungen an sie heran2). Paum-
gartner wollte sich zunächst auf weitere Darlehen nicht ein-
lassen und wies auf die grossen, in der jüngsten Zeit abge-
schlossenen Verträge hin. Schliesslich verstand er sich doch

1)	Johann Löble, der uns öfter als Gesandter in Geldange-
legenheiten begegnet, war Reichsschatzmeister und mit einer Tochter
Philipp Adlers vermählt. (Roth: Augsb. Reformationsgesch. II S. 148
m. Anm.)

2)	Entbieten u. Befehl (1530) fol. 33.
        <pb n="72" />
        ﻿65

noch zu einer Summe von 8000 fl, wofür er auf den Silberwechsel
der Jahre 1534 und 1535 verwiesen wurde.

Aber nicht nur mit seinem Geld unterstützte Hans Paum-
gartner in jenen kriegerischen Zeiten Ferdinand im Kampf
gegen die Türken, sondern er rüstete im Jahre 1532 auch
30 Mann aus, die er persönlich nach Wien zum königlichen
Heere führte. Während des Feldzuges sorgte er für ihre Ver-
pflegung. Später in den Kämpfen Karl V. gegen Franz I.
in Burgund und dann nochmals im Türkenkrieg des Jahres 1542
hat er wiederholt in gleicher Weise die Heere Ferdinands und
seines Bruders verstärkt1).

Neben den Türkenkriegen verschlang jetzt die Hofhaltung
Ferdinands in Innsbruck grössere Beträge, da dort seine Söhne
und Töchter erzogen wurden. Das für diese Zwecke nötige
Geld wurde zum Teil von den Augsburger Kaufleuten auf-
gebracht. Als z. B. zu Anfang des Jahres 1533 in Schwaz und
Hall die Pest herrschte, sah sich die Regierung veranlasst,
die Hofhaltung aus Innsbruck zeitweise wegzuverlegen, um die
„königlichen Kinder“ vor Ansteckung zu schützen. Paum-
gartner, Fugger und Bimmel liehen aus diesem Anlass je
12 000 fl, und man gab diesen drei Kaufleuten das Versprechen,
dass man sie in Zukunft bei Geldgeschäften in erster Linie
berücksichtigen werde2).

In der Tat wurde dann im Mai 1534 Gregori Maschwander3)
mit einer Instruktion nach Augsburg geschickt, um mit diesen
drei „Parteien“ in Finanzhandlung zu treten. Es gelang ihm,
von jeder 4000 fl zu erhalten. Anton Fugger aber sagten solche
gemeinsame Geschäfte nicht zu. Sein Wunsch war es stets
gewesen, das ganze Tiroler Finanzwesen als Monopol in seine

1)	Alle diese Ausrüstungen von Truppen werden von Karl V. in
der Urkunde anerkennend hervorgehoben, in der der Kaiser Hans Paum-
gartner den Freiherrntitel verleiht. (Familienkodex Bl. 30 a—34 a.)

2)	Gemein Missiven (1533).

3)	Maschwander war Tirolischer Kammermeister. Er sollte sich
laut seiner Instruktion an die folgenden Kaufleute und Gesellschaften
wenden: Raimund, Anton und Hieronymus Fugger, Hans Paumgartner,
Anthon Haug, Hans Langenauer als Gewalthaber anstatt der Bimmel
und Sebastian Neithart anstatt weiland Christof Herwärts Erben. Die
zuletzt Genannten (ausser Fugger und Paumgartner) bildeten eine Ge-
sellschaft, da in der Instruktion nur von drei Parteien die Rede ist.
Entbieten u. Befehl (1534) fol. 406.

5
        <pb n="73" />
        ﻿66

Hand zu bekommen. Was ihm bisher noch nicht gelungen,
schien er jetzt auf dem Weg über Wien zu erreichen. Als er
nämlich im Jahre 1534 Ferdinand für die „württembergische
Kriegshandlung“ 50 000 fl dargeliehen hatte, wurde ihm vom
König zugesichert, dass man in den nächsten 13 Jahren nur
mit ihm allein Verträge abschliessen werde. Als diese Bevor-
zugung Fuggers Hans Paumgartner zu Ohren kam, war er
darüber höchst empört und machte der Regierung in Innsbruck
deshalb Vorhalt. Man stellte ihm hierauf eine Nebenurkunde
aus, in der das im Jahre 1533 den drei Augsburger Firmen
gegebene Versprechen erneuert wurde. Gleichzeitig richteten
die Räte ein Schreiben an den König mit der Bitte, er möge
in Zukunft eigenmächtige Finanzhandlungen unterlassen, da
dieselben der Regierung stets grosse Verlegenheiten brächten1).
Wie Anton Fugger sich mit der Aufhebung der ihm von Fer-
dinand gegebenen Vorrechte abfand, geht aus unsern Quellen
nicht hervor. Hans Paumgartner aber bleibt auch fernerhin
mit Tirol in enger Verbindung und steuert zur Unterhaltung
des Hofes und zu andern Zwecken recht ansehnliche Summen
bei. So zahlte er am 19. August 1536 an die Regierung 43 000 fl,
wofür ihm 30 000 M Silber zugesagt wurden2). Die Bergwerke
reichten aber längst nicht mehr hin, um solche Mengen in
einigermassen naher Zukunft liefern zu können. Im Jahre 1538
hatte er an Rückständen noch 29 637 M Silber zu erhalten1).
Die Folge war, dass Streitigkeiten unter den Kaufleuten über
den Empfang des Metalls ausbrachen, da keiner länger warten
wollte und jeder sich aus dem von ihm in seinen Hüttwerken
produzierten Silber bezahlt machte, ohne auf die andern Rück-
sicht zu nehmen. Die Regierung hatte alle Mühe, die Strei-
tenden zu beschwichtigen und gewährte ihnen öfter zu
,,Ergötzlichkeit ihres guten Willens“ Zuschüsse zu ihren
Verträgen.

Im Jahre 1539 begab sich Ferdinand zu seinem Bruder

9 Missiv an Hof (1538) fol. 23. 28. 50. Wegen des Rückganges
der Silbererzeugung am Falkenstein hatten die drei Kaufleute zu An-
fang des Jahres 1538 noch ff. rückständige Summen aus früheren Ver-
trägen zu erhalten: Fugger: 33 857 Ml 61, Paumgartner: 29 637 JL 3 1,
Bimmel: 17 280 Ji 8 1.

a) Entbieten u. Befehl (1536) fol. 14.

3)	Geschäft von Hof (1539) fol. 242.
        <pb n="74" />
        ﻿6 7

Karl V. in die Niederlande. Wohl» um dort nicht mit leeren
Händen anzukommen, teilte er der Regierung in Innsbruck
mit, dass er „zu dem hochnotdürftigen Fürnemen des Zugs
in das Niederland“ 60 ooo fl nötig habe, mindestens aber
50 000 fl, da ihm mit weniger nicht gedient sei. Die Räte,
selbst in grosser Geldnot, beriefen sofort die Tiroler Land-
stände und schickten zu den bekannten drei Augsburger Firmen,
um mit ihnen wegen eines Anlehens zu sprechen. Die letzteren
gewährten zusammen 30 000 fl (jede 10 000) und Hessen sich
dafür 20 000 M Silber aus ihren Bergwerken verschreiben1).
In Gent angekommen (März 1540), erklärte Ferdinand, es
sei eine viel grössere Summe nötig, als er veimutet, und befahl
den Räten in Innsbruck, sie sollten mit den Kaufleuten weiter
verhandeln. Gleichzeitig stand die Regierung mit diesen in
Unterhandlung, um Geld aufzubringen für 5 Fähnlein Lands-
knechte, die im September 1540 nach Ungarn gegen die Türken
geschickt werden sollten. Paumgartner lieh für diesen Zweck
7000 fl her2). Für die Bekämpfung des Sultans mussten die
Kaufleute aber im Jahre 1541 noch weit grössere Summen
aufbringen. Ferdinand, der vor Ofen gegen Soliman im Felde
lag, schloss im Mai dieses Jahres mit Anton Fugger, Hans
Paumgartner und Matthias Manlich einen grossen Vertrag
über 110 000 fl ab und verschrieb ihnen dafür 50 000 M Süber3).
Die Regierung konnte, als ihr dieses Abkommen bekannt
wurde, es nicht unterlassen, den König auf die schlimme Finanz-
lage Tirols und die arge Belastung der Bergwerke hinzu weisen4).
Sie weigerte sich, den Vertrag anzuerkennen, da der König
auf dem letzten Landtag zu Bozen versprochen habe, keine
eigenmächtigen Finanzhandlungen mehr abzuschliessen. Die
Räte sprachen auch die Befürchtung aus, dass die Unterhaltung
des „Wesens“ in Innsbruck und in Ensisheim wohl einmal
Stillstehen werde. Auch könne das Tiroler Land die Gelder für
die Türkenkriege nicht allein aufbringen. Der König solle
auf eine stärkere Heranziehung der Reichsstände dringen.
Da der obige Vertrag aber nun einmal abgeschlossen war, so
half ein Widerstand dagegen wenig und die Regierung verstand

') Entbieten und Befehl (1540) fol. 284.

2) Geschäft von Hof (1540) fol. 132.

s) Gemein Missiven (1541) fol. 136.

4)	Missiv an Hof (1541) fol. 88.

5*
        <pb n="75" />
        ﻿68

sich schliesslich auch dazu, zu unterschreiben und damit das
Darlehen anzuerkennen.

Im Jahre 1542 ging es in der nämlichen Weise mit Geld-
aufnahmen fort. Paumgartner gewährte für den Türkenkrieg
10 000 fl und ausserdem zusammen mit Fugger und Bimmel
12 000 fl zur Beförderung welscher Pferde und des Kriegsvolks
des Papstes nach Ungarn1). 1543 wandte sich die Regierung
an ihn mit der Bitte, Geld zur Ausrüstung von Erzknappen
für den Türkenkrieg zur Verfügung zu stellen. Die 3000 fl,
die Paumgartner hierauf hergab, wurden dazu benützt, um
200 in Erdarbeiten geschickte Schwazer Bergknappen nach
Ungarn zum Aufwerfen von Schanzen und Wällen zu senden2).

Aber nicht nur zur Führung seiner Kriege standen dem
König die Kassen der Augsburger offen. Auch für die habs-
burgische Heirats- und Familienpolitik mussten sie die Mittel
liefern. Ein Beispiel dafür ist die Vermählung von Ferdinands
Tochter Elisabeth mit dem Sohne des Polenkönigs Sigismund.
In dem Heiratsvertrag hatte der Vater der Braut ein Heiratgut
von 100 000 fl ung. (= 175 000 fl rh.) bewilligt, das in drei
Fristen, nämlich am Tage der Hochzeit und je ein halbes Jahr
danach, an den jungen Polenkönig bezahlt werden sollte.
Würden diese Termine nicht eingehalten, so sollte die doppelte
Summe verfallen sein, oder der Polenkönig das Recht haben,
die habsburgischen Lande anzugreifen. Am 17. Oktober 1544
teilte Ferdinand von Prag aus der Regierung in Innsbruck
diese Vertragsbedingungen mit3). Bis dahin war, da die Türken-
kriege alles Geld verschlangen, an dem Heiratgut noch kein
Pfennig bezahlt worden, weshalb der Polenkönig jetzt ernstliche
Mahnungen und Drohungen an Ferdinand richtete und bis
nächste Weihnachten das Geld verlangte. Ferdinand hatte
hierauf seinen Rat Georg Ilsung nach Augsburg geschickt,
damit er mit den Kaufleuten wegen Aufbringung der Summe
in Unterhandlung trete. Fugger, Paumgartner und Bimmel
benützten diese Gelegenheit und erklärten sich zu einem Dar-
lehen nur bereit, wenn ihnen bei ihrem Bergbau wesentliche
Erleichterungen gewährt würden. Der Regierung blieb nichts
übrig, als in die von den Kaufleuten aufgestellten Bedingungen

1)	Gemein Missiven (1542) fol. 154.

2)	Geschäft von Hof (1543) fol. 182.

3)	Geschäft von Hof (1544) fol. 217—222.
        <pb n="76" />
        ﻿6g

zu willigen, worauf die Augsburger sich zur Zahlung von
ioo ooo fl rh. bereit erklärten1).

Das zuletzt besprochene Ereignis hat nochmals besonders
deutlich die grosse Finanznot Ferdinands einerseits und die
mächtige Stellung der Augsburger Kaufleute anderseits gezeigt.
Die Regierung war mit der Zeit in völlige Abhängigkeit geraten
von drei oder vier Firmen, die den Metallhandel Tirols be-
herrschten. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten,
dass das Geld der Augsburger bei allen wesentlichen Unter-
nehmungen des Hauses Habsburg in der ersten Hälfte des
16. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte. Wenn auch in
dieser Hinsicht der Name Jacob und Anton Fuggers immer an
erster Stelle zu nennen sein wird, so hat die bisherige Dar-
stellung, wie ich glaube, doch auch den Beweis erbracht, dass
den beiden Hans Paumgartnern Vater und Sohn der nächste
Platz nach jenen einzuräumen ist. Die Summen, die diese
im Laufe eines halben Jahrhunderts den Habsburgern geliehen
haben, werden sich ebensowenig mehr genau feststellen lassen,
als die vielen Tausende Mark Silber, die sie während dieser
Zeit aus Tirol fortführten, um damit in Venedig und auf anderen
Weltmärkten gewinnbringenden Handel zu treiben. Um so
klarer liegen die Folgen dieser Unternehmungen vor uns: ein
immer höher steigender Reichtum und eine glanzvolle äussere
Lebensstellung der Familie.

c)	Hans Paumgartners Privathandel und Vermögen.

Während wir über die Beziehungen Hans Paumgartners d. J.
zu Tirol und den Habsburgern aufs genaueste unterrichtet
sind, fehlen uns für seine übrigen Handels- und Geldgeschäfte
nähere Angaben fast gänzlich. Nur Analogien mit anderen
Firmen ermöglichen hier einen Rückschluss auf Paumgartners
Tätigkeit. Die Unternehmungen der Welser und Fugger zeigen,
in welchen Bahnen sich der Welthandel zur Zeit seiner Blüte
zwischen 1520 und 1550 bewegte2). Paumgartner stand hinter
ihnen nicht weit zurück, wie schon daraus hervorgeht, dass
er bei den Zeitgenossen öfter mit diesen beiden Weltfirmen

*) Geschäft von Hof (1544) fol. 217—222.

2) Vgl. bes. Ehrenberg: Zeitalter der Fugger 1. Bd.
        <pb n="77" />
        ﻿70

zusammen genannt wird, wenn die mächtigsten Handelshäuser
der Christenheit aufgeführt werden. So sagt der venezianische
Gesandte Mocenigo: Sono in questa cittä (= Augsburg) molti
mercanti richissimi, dico alcuni cosi ricchi, che non vi sono ne
maggiori ne di gran lunga pari ä loro in tutta la Christianitä.
Li principali di questi sono li Beizer, Pangortiner et Focchari1).
Aleander, der römische Legat, nennt Paumgartner den Reichsten
nach den Fuggern, sogar reicher als die Welser2).

Ebensowenig wie diese wird auch unser Handelshaus
sich auf die Tiroler Unternehmungen beschränkt haben. An
den bedeutenderen Plätzen Europas werden wir Paumgartner-
sche Faktoreien und Kontore annehmen dürfen. Neben Ve-
nedig, das als Stapelplatz für die Produkte des nahen Orients
immer noch in Betracht kam, wurden die Niederlande immer
wichtiger für den Welthandel. Die Erzeugnisse der nieder-
ländischen und englischen Tuchindustrie kamen hier auf den
Markt. Baumwolle und die andern Produkte des neuentdeckten
Erdteils wurden in Antwerpen von den oberdeutschen Kauf-
leuten eingehandelt, wogegen sie hier ihr Silber und Kupfer
zum Verkauf brachten3). Paumgartner beteiligte sich an diesem
Warengrosshandel in ausgedehntem Masse. Wiederholt hörten
wir, dass er für Ferdinands Hofhaltung Seide, Tuche und
Gewürze besorgte. Als bei Ausbruch des Schmalkaldischen
Krieges Karl V. den Augsburger Kaufleuten den Handel mit
den Niederlanden verbieten wollte, wird auch Paumgartner
unter denen genannt, die dadurch schwer betroffen würden4).

1)	Relationen venetianischer Botschafter über Deutschland und
Oesterreich im 16. Jahrh. Hrsg. v. Joseph Fiedler, Wien 1870 S. 71.
(In: Fontes rerum Austriacarum 2. Abt. Bd. 30.) Alois Mocenigo weilte
im Jahre 1548 am Hofe u. im Lager Karls V.

2)	Nuntiaturberichte aus Deutschland. Im Aufträge des Kgl.
Preussischen Historischen Instituts bearbeitet. 1. Abteilung Bd. 4
S. 374 ff. Aleander weilte im August 1539 am Wiener Hofe und führte
über die Zeit seiner Legation ein Tagebuch, dem auch obige Notiz ent-
nommen ist.

3)	Ein Blick in die im Augsburger Stadtarchiv vorhandenen
Handlungsbücher der Firma Haug lässt die Ausdehnung der Geschäfte
erkennen, die von den Augsburger Kaufleuten getrieben wurden. (Vgl.
Johannes Meilinget: Der Warenhandel der Augsburger Handels-
gesellschaft Anton Haug, Hans Langenauer, Ulrich Link u. Mitver-
wandte (1532—1562), Gräfenhainichen 1911. (Leipziger Dissertation.)

4)	Rud. Häpke: Niederländische Akten u. Urkunden zur Ge-
        <pb n="78" />
        ﻿7i

Umfassender freilich als der Warenhandel waren wohl
zu allen Zeiten Hans Paumgartners Geldgeschäfte. Als Bankier
König Ferdinands I. haben wir ihn bereits in hervorragender
Weise tätig gesehen. Interessant wäre es, über seine Stellung
zu dem französischen König Franz I. Näheres zu erfahren.
Leider konnte ich darüber ausser den sogleich anzuführenden
Notizen nichts weiter ermitteln. Begreiflicherweise bewahrte
Paumgartner über diesen Teil seiner Geschäfte tiefe Ver-
schwiegenheit. Trotzdem scheint seine Verbindung mit dem
französischen Hof bei den Zeitgenossen bekanntgeworden zu
sein. So schreibt der schon obenerwähnte Aleander in sein
Tagebuch, dass er bei seinem Aufenthalt am Wiener Hof gehört
habe, Paumgartner mache viele Geschäfte mit Frankreich
und sei am Hof Franz I. eine wohlbekannte Persönlichkeit1).
Er übernehme besonders Wechselgeschäfte für den französischen
König ausserhalb Frankreichs. Ferdinand selbst hatte Kenntnis
von diesen Unternehmungen Paumgartners und warnte einmal
Karl V. vor dem Kaufmann, den er ,,ung homme . . . assez
favorable es affaires de France“ nennt2). Vielleicht war ein
Förderer dieser Beziehungen der Hofbankier Franz I. Hans
Kleeberg, „der gute Deutsche", den wir als Freund Paum-
gartners einmal erwähnt finden3). Es braucht uns übrigens
nicht wundernehmen, dem Geldgeber Karls V. und Ferdinands
auch in den Diensten ihres grossen Gegners Franz I. zu be-
gegnen. Die Kaufleute Augsburgs, auch die Fugger, betrieben
ihre Geschäfte auf einer internationalen Grundlage und waren
bereit, mit jedem Fürsten in Verbindung zu treten, wenn nur
Aussicht auf Gewinn sich bot.

Auch zu England hatte Paumgartner geschäftliche Be-
schichte d. Hanse u. zur deutschen Seegeschichte, München-Leipzig 19x3
(Urk. Nr. 516 im 1. Bd.).

1)	Dixit [sc. Ribeysen] . . ., quod [Paumgart] maximam partem
suorum negociorum tractat in Gallia et bene sit notus in curia regis
Franciae innuens, quod rex aliquando eo utatur in transmittendis pe-
cuniis extra regnum. (Nuntiaturberichte a. a. O. S. 375.) Paumgartner
weilte damals (1. August 1539) selbst in Wien, um einen Vertrag mit
dem König über Quecksilber u. Zinnober abzuschliessen. (Vgl. die der
zitierten Stelle vorhergehenden Worte.)

2)	Nuntiaturberichte a. a. O. 1. Abt. Bd. 6 (1909) S. 328.

3)	Siehe u. S. 85.
        <pb n="79" />
        ﻿72

Ziehungen, da einmal erwähnt wird, dass er von dort Geld
erwarte1).

Neben diese grossen europäischen Unternehmungen traten
solche im engem Kreis. Paumgartners Vaterstadt Augsburg
war ja um 1530 der erste Geldmarkt Europas und Wohnsitz
der reichsten Bankiers der Welt. Wer Geld brauchte — Fürsten,
Adelige und Bürger —, wandte sich an die dortigen Kaufherrn.
Wie mancher Besucher der. glänzenden Reichstage von 1518,
1530 und 1548 wird damals bei Paumgartner Geld aufge-
nommen haben. Das Bürgertum aber, besonders die kleinen
Leute, legten ihre Ersparnisse gegen Verzinsung bei den Bankiers
ein oder beteiligten sich mit ihren Kapitalien an den weit-
ausschauenden Projekten der grossen Geldfürsten gegen das
Versprechen hoher Gewinnanteile2). Weil dies alltägliche
Vorgänge waren, so haben sich Nachrichten davon nicht er-
halten. Nur wenn wir Hans Paumgartners Geschäftsbücher
besässen, könnten wir nähere Aufschlüsse über diese Seite
seiner Tätigkeit geben.

Alle Fäden dieses weltumspannenden Geld- und Waren-
handels liefen zusammen in Augsburg, wo in der Annastrasse
der reiche Kaufherr wohnte und wohl auch seine Kontore und
Wechselstuben sich befanden. Mehrere Angestellte, oft auf
verantwortungsvollen Posten, waren hier tätig. Zwei der-
selben, Christoph Gering und Lorenz Grieninger, besässen
Hans Paumgartners besonderes Vertrauen. Gering, dem wir
weiter unten nochmals begegnen werden, hatte Sabina Arzt
zur Frau und gehörte zur Gesellschaft der Mehrer. Er nahm
sicher eine leitende Stellung im Geschäfte ein3). Seit 1538

*) Roth, Reformationsgeschichte Bd. 3 S. 445.

2) Von Ambrosius Höchstetter erzählt Clemens Sender (Chron.
d. deutsch. Städte 23 S. 219): „zu im haben fürsten, graffen, edel,
burger, bauren, dienstknecht und dienstmägt ir gelt, was sie haben
gehept, (zu im) gelegt und von dem 100 genommen 5 fl.“

a) Warnecke, Augsburger Hochzeitsbuch z. J. 1537 (S. 40),
und Stetten, Adeliche Geschlechter S. 442 Sp. 3. Gering unter-
schreibt sich in einem Brief an Erasmus (siehe u. S. 89) als Paum-
gartners Sekretär. Er ist aber wohl kaum identisch mit jenem Christoph
Gerung, der als Prediger bei St. Elisabeth in Memmingen tätig war
(Dobel: Memmingen im Reformationszeitalter I S. 35 f.).’! Grieninger
wird in Hans Paumgartners Testament als „Geheim Buchhalter“ be-
zeichnet.
        <pb n="80" />
        ﻿73

finden wir dann auch Paumgartners ältesten Sohn Hans in
der väterlichen Firma tätig. Nach seinem frühen Tod (1542)
führte Grieninger die Handelsbücher1). Hans Paumgartner
selbst behielt nur die Oberleitung in seiner Hand. Andere
Interessen und die politischen Verhältnisse in Augsburg brachten
es mit sich, dass er seit ca. 1538 häufiger sich von seiner
Vaterstadt fernhielt2).

Bevor wir auf diesen Umschwung der Verhältnisse näher
eingehen, müssen wir uns noch kurz mit der Frage nach Paum-
gartners Vermögen beschäftigen. Mocenigo, der venezianische
Gesandte,3) nimmt als durchschnittlichen Gewinn, den die
grossen Kaufleute bei ihren Unternehmungen machten, ca.
30 % an. Kein Wunder, wenn infolgedessen der Reichtum
immer mehr zunahm und bald bei einigen eine fabelhafte Höhe
— wenigstens für die damalige Zeit — erreichte. Im Jahre
1522 zahlte Jakob Fugger 1200 fl Steuer und liess damit alle
anderen Kaufleute weit hinter sich. Der nächstreichste war
Philipp Adler, Philippine Welsers Grossvater mütterlicher-
seits, mit einer Steuersumme von 500 fl4). Nehmen wir jedoch
die von Hans Paumgartner d. Ae. und seinem Sohne bezahlten
Beträge zusammen, so rücken sie an die zweite Stelle, denn
mit ihren 691 fl übertreffen sie Adler noch um ein Beträcht-
liches. Bald war es Hans Paumgartner bei der Vielgestaltigkeit
seiner Geschäfte nicht mehr möglich, jederzeit genau den
Stand seines Vermögens anzugeben, wie es für die Steuer-
einschätzung nötig gewesen wäre. Er schloss daher im Jahre
1536 mit der Stadt ein Abkommen, wie dies ein Jahr zuvor auch
Fugger getan hatte, indem er sich bereit erklärte, jährlich
800 fl Steuer zu bezahlen. Er sollte dann des Steuereides ledig

*) In Hans Paumgartners „Teilbrief“ (siehe u. S. 106) wird dies
erwähnt.

2)	Natürlich hatte Paumgartner an den wichtigsten Mittelpunkten
seiner Geschäftstätigkeit dauernde Vertreter oder „Faktoren“. Nach
E h r e n b e r g a. a. O. I S. 248 war um das Jahr 1531 in Antwerpen
der einflussreiche Rat Karls V. Wolfgang Haller sein Vertreter. In
Schwaz werden genannt: 1522 u. 1525 Jobst Engensteiner, 1527—1537
Hans Klocker, 1537 u. 1546 Jakob Plan.

3)	Relationen venetianischer Botschafter . . . (Fontes rer. Austr.
II 30 S. 71).

*) Nach der von Strieder: Genesis . . . S. 198 Anm. 2 ge-
machten Zusammenstellung der elf reichsten Augsburger im Jahre 1522.
        <pb n="81" />
        ﻿74

sein und auch keine Aemter annehmen müssen. Dieses Steuer-
pauschale hatte dieselbe Höhe wie das Fuggers, der auch jährlich
800 fl bezahlte1). Es ist damit freilich nicht gesagt, dass Paum-
gartners Vermögen dem der Fugger gleich war. Fast möchte
man vermuten, Paumgartner habe sich zu dem Vertrag mit
der Stadt entschlossen, um nicht hinter Fugger zurückzu-
stehen. Auch auf anderem Gebiet werden wir nämlich diesem
Bestreben, es soviel wie möglich dem Rivalen gleichzutun,
bald begegnen.

Nicht leicht ist es jedoch, nun wirklich die Grösse des
Paumgartnerschen Vermögens anzugeben. Wir haben zwei
Anhaltspunkte, die es ermöglichen, zu einem ungefähren Re-
sultat zu gelangen. Der schon mehrfach genannte Aleander
gibt im Jahre 1539 das Vermögen Paumgartners mit 600 000 fl
an2) (nach einer Mitteilung, die ihm am Wiener Hof gemacht
wurde), und der Venezianer Mocenigo sagt, dass Fugger im
Jahre 1548 ca. 4 Millionen, Paumgartner und Welser zusammen
2—3 Millionen besessen hätten3). Nach dem, was uns sonst
über Paumgartners Finanzkraft bekannt ist, glaube ich nicht,
dass der Venezianer hier übertrieben hat. Wir dürfen wohl
annehmen, dass unser Kaufmann zur Zeit der Blüte seines
Geschäftes ein Vermögen von ca. einer Million Gulden besessen
hat4). Um das Jahr 1540 war Hans Paumgartner nach Anton
Fugger wohl der reichste Mann in deutschen Landen.

Um diese Zeit hatte sich aber im Schosse der Familie

‘) Augsburg, Stadtarchiv: Paumgartnerakt Nr. 4. Nicht nur
Anton, sondern auch jeder seiner Brüder bezahlte diese sog. reiche Steuer.

2)	Nuntiaturberichte a. a. O. 1. Abt. Bd. 4 S. 375.

3)	A. a. O. Fontes rer. Austr. II, 30 S. 71.

*) Ehrenberg a. a. O. S. 149 unterschätzt meines Erachtens die
Kapitalkraft Paumgartners, wenn er die Angabe Mocenigos über das
Paumgartnersche u. Welsersche Vermögen zu hoch findet. Bei den
Summen, die Hans Paumgartner in seinen Bergwerken und im Handel
angelegt hatte, wären ihm bei geringerem Vermögen nicht noch solche
stattliche Güterkäufe möglich gewesen, wie wir sie sogleich zu schildern
haben werden. Der Vermögenszuwachs resultierte übrigens nicht allein
aus dem Handelsgewinn, sondern auch aus Erbschaften, Einkünften
aus Aemtern, Besitzungen usw. Der Jurist Z a s i u s , Paumgartners
Freund, schätzt den jährlichen Reingewinn, den dieser aus seinen Berg-
werken erziele, auf 100000 fl. Vgl. Förstemann u. O. Günther:
Briefe an Desiderius Erasmus (= Beih. z. Zentralbl. f. Bibliotheksw.
XXVII S. 197).
        <pb n="82" />
        ﻿75

Paumgartner ein Umschwung vollzogen, der zu dem grossen
Reichtum auch einen glänzenden Namen fügte und damit die
Familie zu einem höheren Rang erhob.

d)	Hans Paumgartners Gütererwerbungen und seine
Erhebung in den Freiherrnstand.

Bei einer Reihe von Kaufleuten, so vor allem den Fuggern,
machte sich bald das Bestreben geltend, einen Teil des in Berg-
werksunternehmungen und im Bankiergeschäft gewonnenen
Kapitals in Bodenwerten anzulegen und ihn so dem schwanken-
den Kaufmannsglück zu entziehen. Ein weiterer Grund zum
Ankauf von Gütern war der Gedanke an die Nachkommen,
denen der vom Vater erworbene Reichtum auf diese Weise
gesichert werden sollte. Nicht wenige ehemalige Handels-
familien haben so einen Teil ihres einstigen Vermögens durch
die bald einsetzenden Geldkrisen hindurch bis auf die Gegen-
wart herübergerettet, es sei neben den Weisem und Fuggern
nur an die Herwart, Rehlinger, Stetten, Tücher u. a. erinnert1).

Erleichtert wurde dieser Gütererwerb durch die mannig-
fachen Pfandschaften, zu denen sich die Habsburger bei der
Unmöglichkeit barer Rückzahlung von Darlehen häufig genug
verstehen mussten. Auch Hans Paumgartner d. Ae. kam
dadurch in den Besitz einer schönen Herrschaft in Südtirol.
Noch Maximilian I. hatte ihm für verschiedene Darlehen
das Amt Kaltarn (s. von Bozen) und die dortigen Einkünfte
verpfändet, und diese Verschreibung war auch von seinem
Nachfolger nicht wieder eingelöst worden2).

Seit dem Jahre 1524 begann sodann Hans Paumgartner d. J.,
anknüpfend an die Tradition seines Vaters und dem Vorbild
der Fugger nacheifernd, in grossem Masstab mit dem Kauf
von Grundbesitz3). Nur kurze Zeit besass er das Schloss und

1)	Ueber Jacob Fuggers Gütererwerbungen unterrichtet das
jüngst erschienene 4. Heft der Studien zur Fuggergeschichte: Die Güter-
erwerbungen Jacob Fuggers des Reichen (1494—1525) und seine Standes-
erhöhung. Ein Beitrag z. Wirtschafts- u. Rechtsgeschichte v. Thea
D ü v e 1. München u. Leipzig 1913.

2)	Nach dem von Hans Paumgartner kurz vor seinem Tod errich-
teten Teilbrief (jetzt im Kgl. Bayer. Geh. Staatsarchiv).

3)	Die wichtigste Quelle für die Geschichte der Gütererwerbungen
        <pb n="83" />
        ﻿76

den Markt Neuburg a. d. Kammei, die er am 20. April 1524
von Wolf von Rechberg um 15 100 fl gekauft hatte, aber bereits
am 1. Oktober 1524 um denselben Preis an Erhärt Vöhlin von
Frickenhausen wieder verkaufte1). Dagegen ging ein Turm
und Schloss zu Schwabmünchen im Jahre 1526 in seinen
dauernden Besitz über. Er erwarb diese Güter um 1600 fl
von Ulrich Jung, der Arznei Doktor, und hielt sich auf den-
selben wohl wegen der Nähe Augsburgs häufig auf2).

In die Jahre 1530 bis 1535 fallen sodann die grossen Er-
werbungen, die der Familie einen ausgedehnten Grundbesitz
in den verschiedensten Teilen Süddeutschlands verschafften.
Der erste grössere Kauf führt uns in die Markgrafschaft Burgau.
Hier besass der uns schon bekannte Augsburger Bankier Philipp
Adler das Schloss Konzenberg mit einigen kleineren Gütern,
das er im Jahre 1524 von Wolfdietrich v. Knöringen erworben
hatte. Am 17. Mai 1530 genehmigte der Oberlehnsherr jener
Herrschaft die Uebertragung des Lehens auf Hans Paum-
gartner. Am 13. Oktober 1530 wurde sodann der Kauf abge-
schlossen, indem Adler das Schloss um 10 000 fl an Paum-
gartner abtrat. Die Uebernahme der Güter durch den neuen
Besitzer und die Vereidigung der Untertanen hatte schon am
9. Juni stattgefunden, wobei Adler durch seine Schwieger-
söhne Lucas Meuting und Franziskus Welser sich vertreten
liess3). Hans Paumgartner erweiterte dieses Besitztum durch

Hans Paumgartners ist der schon mehrfach erwähnte Familienkodex
(jetzt im Reichsarchiv), ein mächtiger Foliant mit schweren Holz-
deckeln. Die Einträge sind auf Pergament durchweg von einer Hand
geschrieben. Hans Paumgartner selbst hat diesen Kodex anlegen
und in denselben Abschriften aller Urkunden eintragen lassen, die sich
auf die Familie bezogen. Auch Urbare der erworbenen Herrschaften
und die schon genannten Bergwerksrechnungen stehen hier.

M Luitpold Brunner: Die Vöhlin vonFrickenhausen, Freiherrn
v. Illertissen u. Neuburg a. d. Kammei (in: Zeitschr. d. Hist. Vereins v.
Schwaben u. Neuburg II [1875] S. 276).

2)	Familienkodex fol. 329a. Das Schloss führte den Namen
,,Geyrenburg“.

3)	Ebenda: fol. 131a ff. Franz Welser, der Vater Philippine
Welsers, war seit dem Jahre 1524 mit Anna Adler verheiratet (W ar -
n e c k e a. a. O. S. 31). Lukas Meuting, der uns schon als Vertreter
Hans Paumgartners d. Ae. in Schwaz begegnete, hatte seit dem Jahre
1502 Helena Adler zur Gemahlin (W a r n e c k e a. a. O. S. 18).
        <pb n="84" />
        ﻿77

Ankauf mehrerer Güter in den folgenden Jahren zu einer
„Herrschaft Konzenberg“.

Auf dem Wege der Pfandschaft kam Hans Paumgartner
im Jahre 1533 in den Besitz des Schlosses Obenhausen, eben-
falls in der Markgrafschaft Burgau gelegen. Paumgartner
hatte nämlich an den Hofzahlmeister Hans Angerer 3000 fl
bezahlt und war ausserdem für 9000 fl auf das „schlesische
Einkommen" verwiesen worden (1531). Als er daraus zwei
Jahre lang nichts erhalten konnte, gewährte ihm Ferdinand
als Entschädigung 600 fl und „verkaufte“ ihm im Jahre 1533
das Schloss Obenhausen um 3600 fl. Paumgartner sollte ferner
den burgauischen Forstmeister Konrad Rott, der auf Oben-
hausen 4500 fl stehen hatte, ablösen. Am 25. Januar 1538,
nach Rotts Tod, erhielt dann Paumgartner die Herrschaft
wirklich übertragen und lieh auf dieselbe am 25. April 1538
noch weitere 2000 fl. Der Gesamtkaufspreis betrug demnach
10 100 fl1).

Im Jahre 1533 erwarb Paumgartner das Schloss und Dorf
Baumgarten, dessen Lehensherr Herzog Wilhelm von Bayern
war. Der vorige Besitzer Jörg Argon, der letzte Spross eines
alten Augsburger Kaufherrngeschlechts, hatte, als er starb,
die Antoniuspfründe in Augsburg zu seiner Erbin eingesetzt2).
Mit Herzog Wilhelms Erlaubnis verkauften deren Pfleger
Ulrich Rehlinger und Hieronymus Imhof das Schloss Baum-
garten am 23. August 1533 um 6000 fl an Hans Paumgartner3).
Andere Güter Jörg Argons waren an König Ferdinand zurück-
gefallen, der sie seinem Rat Johann Zott schenkte. Es waren
Besitzungen in der Nähe von Konzenberg und daher zur Ab-
rundung des dortigen Paumgartnerschen Besitzes wohl geeignet.
Daher verkaufte sie Zott mit Ferdinands und des Bischofs von
Augsburg, als der Lehensherrn, Erlaubnis am 10. April 1534
um 10 000 fl an Hans Paumgartner, der Zott wohl darum
ersucht hatte4).

L) Familienkodex fol. 245 a ff.

2)	Vgl. zu Georg Argons Tod (September 1532) Clemens Sender
in: Chroniken d. deutschen Städte 23 S. 338.

3)	Familienkodex 62 a. Georg Argons Vorfahren hatten das St.
Antoniusspital in Augsburg mit reichen Stiftungen begabt. (Clemens
S e n d e r a. a. O. S. 338 Anm. 4.)

‘) Nach S e n d e r (a. a. O. S. 338 Anm. 2) war es das Dorf Re-
fingen, das damals an Zott und dann an Paumgartner kam. Johann
        <pb n="85" />
        ﻿78

So setzten sich die neuaufstrebenden Kaufherrn in den
Besitz der Güter alteingesessener absterbender Familien. Neue
Geschlechter kamen empor, während die alten, die sich in die
neue Zeit nicht schicken konnten, untergingen. Die Güterpolitik
Paumgartners bringt uns noch einen interessanten Beleg für
diese Art von Besitzwechsel.

Am Fuss der Alpen, unweit von Füssen, waltete seit Jahr-
hunderten das stolze Geschlecht der Schwangauer, das manchen
tapferen Ritter und edlen Minnesinger hervorgebracht hatte.
Jetzt war dies Geschlecht am Erlöschen1). Um das Jahr 1530
geboten Heinrich und Georg von Schwangau auf den herrlichen
Schlössern Hohenschwangau und Schwanenstein. Nur der
eine der beiden schon betagten Brüder — Georg — war ver-
mählt, aber kinderlos geblieben2). Schon längst hatten sich
Interessenten für das sich in naher Zukunft erledigende Reichs-
lehen gefunden. Ferdinand selbst hatte die Schlösser einmal
besichtigen lassen, aber aus Geldmangel musste er von dem
Kauf abstehen. Jetzt richtete Hans Paumgartner sein Augen-
, merk auf dieses Kleinod landschaftlicher Schönheit. Wenn
ihm diese glänzende Erwerbung gelang, dann stand er in nichts
mehr hinter den Fuggern zurück. Noch zu Lebzeiten der beiden
Schwangauer begann er die Unterhandlungen. Der mit Paum-
gartner befreundete kaiserliche Rat und Schatzmeister der
Regentin Maria in den Niederlanden, Wolfgang Haller, erhielt
in einer Urkunde (Saragossa, 16. Januar 1534) von Karl V. die
Anwartschaft auf das Reichslehen Hohenschwangau im Falle
des Ablebens der Inhaber. Später genehmigte der Kaiser
(Madrid, 18. Februar 1535) sogar, dass die Schwangauer selbst
noch bei ihren Lebzeiten das Lehen an Haller abtreten dürften3).
Am 3. Juli 1535 stellten hierauf diese zugunsten Hallers eine Ver-
zichturkunde auf das Lehen aus. Paumgartner hatte aber

Zott von Beineck war mit Paumgartner wohlbekannt, da er öfter im
Auftrag Ferdinands nach Augsburg kam, um mit den Kaufleuten wegen
Darlehen zu verhandeln.

*) Zum Folgenden vgl.: Karl August Muffat: Beschreibung u.
Geschichte des Schlosses u. der ehern. Reichsherrschaft Hohenschwangau,
München 1837, u. Joseph Frhr. v. Hormayt: Die goldene Chronik
von Hohenschwangau, München 1842.

*) Georg v. Hohenschwangau war vermählt mit Johanna v. Argon,
wohl einer Schwester des obengenannten Georg v. Argon.

3) Familienkodex fol. 159 a—160 b.
        <pb n="86" />
        ﻿79

offenbar den Haller nur vorgeschoben, denn letzterer bat Karl V.,
alle seine Rechte an Hohenschwangau auf Paumgartner über-
tragen zu dürfen. Der Kaiser war in Anbetracht der vielen
Verdienste um das Reich, die sich Hans Paumgartner erworben,
damit einverstanden und erlaubte die Uebertragung (Neapel,
i. Dezember 1535)1). Inzwischen hatte sich Paumgartner mit
den Schwangauern selbst wegen des Verkaufs ihrer Lehengüter
und Allodien ins Benehmen gesetzt, und am 3. Juli 1535 kam
dann der denkwürdige Kauf zum Abschluss. Um den Preis
von 31 000 fl gingen sämtliche Besitzungen der Schwangauer
an Hans Paumgartner über. Zu den Lehen gehörte ausser
einem Wildpann, „die Vischenz von Füssen in dem Lech gen
Schwangau wärts und das Gericht zu Waltenhofen“, zu den
Allodien „das Schloss Hohenschwangau mitsamt den andern
zugehörigen Schlössern, Dörfern, Weilern und dem See“. Der
Kauf sollte unwiderruflich sein2). Am 16. Januar 1536 fand
die Einantwortung und die Huldigung der Untertanen statt.
Georg von Schwangau war inzwischen schon gestorben, sein
Bruder folgte ihm bald darauf.

Während die Verhandlungen wegen Hohenschwangau noch
schwebten, hatte Hans Paumgartner, der damals förmlich
Jagd auf erledigte Güter machte, eine andere grosse
Herrschaft in seinen Besitz gebracht — das im Donautal süd-
westlich von Ulm gelegene Erbach, ein vorderösterreichisches
Lehen3). Ferdinand hatte den stattlichen, von einem Schloss
gekrönten Ort im Jahre 1526 an Ulrich von Habsberg ver-
pfändet. Nach dessen Tod suchten die Erben die Herrschaft
zu verkaufen. Sie unterhandelten mit Hans Paumgartner,
der den hohen Pfandschilling an sie hinauszahlte, worauf sie
das Lehen an Ferdinand Zurückgaben. Am 12. März 1535
verkaufte dann der König dasselbe um 40 000 fl an Hans

*) Familienkodex fol. 161 a—162 b.

s) Ebenda: fol. 164 a, b. Hormayr und Muifat haben den
Erwerb der Herrschaft durch Paumgartner bereits ausführlich behandelt,
so dass wegen Einzelheiten auf ihre Darstellung verwiesen werden kann.

3)	Ueber Erb(b)ach, auch Ellerbach genannt, vgl. Beschreibung des
Oberamts Ehingen (Oberamtsbeschreibung von Württemberg 2), Stutt-
gart 1893 2. Teil S. 93 ff., ferner: Die Kunst- u. Altertumsdenkmale im
Königreich Württemberg, hrsg. v. Eugen Gradmann. Inventar
45.—48. Lieferung: Donaukreis Oberamt Ehingen bearb. v. Hans K 1 a i -
ber, Esslingen 1912 S. 66 ff.
        <pb n="87" />
        ﻿8o

Paumgartner und stellte es ihm als rechtes Mannlehen am
14. März zu1).

Nach diesen beiden grossartigen Erwerbungen hielt Paum-
gartner in den folgenden Jahren mit Güterkäufen zurück und
suchte nur durch einige kleinere Flecken und Höfe die erwor-
benen Gebiete zu vergrössern und abzurunden. In das Jahr 1543
fällt dann nochmals ein grösserer Kauf durch Uebernahme
der im Breisgau gelegenen Stadt Kenzingen samt dem dazu-
gehörigen Burgstall Kürnberg. Nach Ausgang der dem Herrn
von Hürnheim darauf gegebenen Pfandverschreibung sollten
diese Gebiete an Gangolf von Geroldsegg gegen Erlegung des
Pfandschillings fallen. Dieser trat dann mit König Ferdinands,
des Lehensherrn, Zustimmung seine Rechte an Hans Paum-
gartner ab. Der Pfandschilling betrug 10 200 fl, die Paum-
gartner an den von Hürnheim bezahlte. Ausserdem lieh er
Ferdinand noch 4500 fl auf die Herrschaft2).

Im Jahre 1546 vergrösserte Paumgartner seinen Besitz
Hohenschwangau, indem er von dem Kloster Stams den grossen
Zehnten zu Kätrichshausen, Bebenhausen und Seeg um 15 000 fl
kaufte3).

Am Fuss der Alpen, an der Donau, am Rhein und in Süd-
tirol dehnten sich so die Güter und Herrschaften Hans Paum-
gartners aus und brachten ihrem Inhaber neue Pflichten und
Aufgaben, die dem Kaufmann bisher ferngelegen waren, die
er aber mit Geschick anfasste. Zur Verwaltung der einzelnen
Gebiete wurden Pfleger eingesetzt, die eine vielfach recht

1)	Beschreibung des Oberamts Ehingen S. 97 u. Familienkodex
fol. 201 a ff. Die Verkaufsverhandlungen schwebten bereits im Jahre
1534. Am 16. Februar 1534 genehmigt Ferdinand, dass Paumgartner
die Herrschaft einnehme, bevor die Abrechnung abgeschlossen sei. Es
geschah dies dann im März 1534. Am 19. Juni 1534 richtete der Rat
der Stadt Augsburg an Herzog Ulrich v. Württemberg u. Landgraf
Philipp von Hessen die Bitte, sie möchten bei der Wiedereroberung des
Landes die Besitzungen Paumgartners schonen. (Augsbg. Stadtarchiv
Litt. S.)

2)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Geschäft v. Hof (1543) fol. 30,
55, 148; ferner: Albert K r i e g e r: Topographisches Wörterbuch des
Grossherzogtums Baden I Sp. 1142. Ueber die Herren von Geroldsegg
siehe Kindler v. Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch I
S. 433 ff.

3)	Steichele: Das Bistum Augsburg IV S. 534. Die Orte
liegen in der Nähe von Füssen.
        <pb n="88" />
        ﻿8i

selbständige Stellung einnahmen, wie z. B. Sigmund Rothut
in Hohenschwangau und Michael Han in Konzenberg. In allen
Paumgartnerschen Herrschaften sollte eine einheitliche Rechts-
ordnung eingeführt werden, die die Pflichten der Untertanen
festsetzen und den Richtern bei der Urteilsfindung als Grund-
lage dienen sollte. Bei der Ausarbeitung derselben wurde
Paumgartner unterstützt durch seinen Freund, den berühmten
Juristen Ulrich Zasius1). Das Original dieses Rechtsbuches ist
auf uns gekommen und wird jetzt unter den Handschriften der
Münchener Hof- und Staatsbibliothek aufbewahrt2 3 * * * *).

Der Zustand der Schlösser und Gebäulichkeiten in manchen
Herrschaften entsprach nicht dem künstlerischen Geschmack
des neuen Besitzers, der in glänzenden Neubauten den Reichtum
seiner Familie zum Ausdruck bringen wollte. Vor allem wandte
er Hohenschwangau seine Fürsorge zu. Von seinen dortigen
drei Schlössern Vorder- und Hinter-Hohenschwangau und
Schwanenstein8) liess er das letztere einreissen und an seiner
Stelle durch italienische Baumeister und Architekten einen
Neubau aufführen. Vom Jahre 1538 bis 1547 bauten italienische
Künstler, um ein der neuen südländischen Stilrichtung ent-
sprechendes Schloss an die Stelle des alten zu setzen. Die innere
Einrichtung wird dem glanzvollen Aeusseren wohl entsprochen
haben.

Nach Beendigung des Neubaus in Hohenschwangau ging
Paumgartner daran, in seiner Herrschaft Erbach ebenfalls
ein neues Schloss zu errichten. Die Vorarbeiten dazu wurden
noch gemacht, über der Ausführung überraschte ihn der Tod.
Er bestimmte jedoch in seinen letzten Lebenstagen, dass aus

1)	Näheres siehe u. S. 86.

2)	Cgm 1514.

3)	Ueber die gegenseitige Lage der drei (nach Muf f at S. 5 ff.
vier) Schlösser vgl. die Angabe des zeitgenössischen Geographen Philipp

A p i a n (Philipp Apians Topographie v. Bayern. Zur Feier des 700 jähr.
Herrscherjubiläums des Hauses Wittelsbach hrsg. v. Histor. Verein
v. Oberbayem. München 1880). Danach führte die westlich gelegene

Burg den Namen Hohenschwangau (jetzt Neuschwanstein), die östlich
gelegene den Namen Schwanenstein (das jetzige Hohenschwangau).
Auf den Trümmern des einst von Hans Paumgartner neugebauten

Schwanenstein errichtete der spätere König Maximilian II. in den Jahren

1832 ff. das Schloss Hohenschwangau. — Die Namen der italienischen

Künstler siehe bei H o r m a y r a. a. O. S. 191.

6
        <pb n="89" />
        ﻿82

seinem Gesamtvermögen 14 000 fl zur Vollendung der Bauten
genommen würden1). Noch heute grüsst das doppelgieblige
stattliche Schloss, an der Zugbrücke geziert mit dem Paum-
gartnerschen Wappen, ins Donautal in der Gestalt, die ihm
nach des alten Paumgartners Tod sein Sohn Hans Georg ge-
geben.

Aber nicht nur für die Verschönerung seines Grundbesitzes
war Hans Paumgartner tätig, sein Blick ging auch in die Zu-
kunft. Die von ihm erworbenen Herrschaften sollten für immer
bei seinem Namen und Stamm bleiben und ein sicherer, unent-
reissbarer Besitz seiner Familie werden. Schon im Jahre 1530
hatte er sich vo'n Karl V. die Erlaubnis zur Errichtung eines
Familienstatutes geben lassen. Im Jahre 1535, nachdem Erbach
und Hohenschwangau in seinen Besitz gekommen waren,
schrieb er an Zasius und bat ihn um Ratschläge für die Ab-
fassung eines Statuts2). Inwieweit der genannte Jurist, der
bereits im nämlichen Jahre starb, seinen Freund hierin noch
unterstützen konnte, ist nicht bekannt. Erst im Jahre 1539
legte Hans Paumgartner dann die „Statuta familiae Paum-
gartnerorum“ dem Kaiser zur Genehmigung vor, die dieser
am 1. März 1539 erteilte3). Am 10. März 1541 erklärten die
vier Söhne Paumgartners, Hans, Hans Georg, David und Anton,
dass sie sich an die in der Familienordnung festgesetzten Be-
stimmungen halten wollten4). Hans Paumgartner erklärte
darin seine sämtlichen erworbenen und noch zu erwerbenden
Güter als Fideikommiss. Die weiblichen Glieder sollten von
der Erbfolge ausgeschlossen sein und nur eine ziemliche Aus-
steuer und Heiratgut, „wie es beim Adel in Schwaben Brauch“,
erhalten. Alle Güter sollten bei den männlichen Nachkommen
bleiben, und zwar sollte die Vererbung nicht per capita, sondern
per stirpem erfolgen. Ausdrücklich wurde betont, dass keines
der Güter als Pfand eingesetzt werden dürfe.

Dieses Statut schloss eine Entwicklung ab, die sich in dem

1)	Hans Paumgartners Teilbrief im Geh. Staatsarchiv.

2)	Jos. Ant. Rieggerus: Udalrici Zasii . . . epistolae, Ulmae 1774
S. 507.

3)	Die Statuten sind enthalten im Familienkodex fol. 35 a—49 a
in einer lateinischen und deutschen Fassung.

*) Familienkodex fol. 49 a—50 b. Zeugen dabei sind u. a. Herr
Johann Zott von Perneckh zu Melanns, römischer Majestät Hofkammer-
rat, Wolfgang Rudolf v. Gabelbach, Christoph Gering, Lorenz Grieninger.
        <pb n="90" />
        ﻿83

Jahrzehnt von 1530 bis 1540 in unserer Familie vollzogen hatte.
Aus dem Bürger der freien Reichsstadt, dem Kaufmann und
Bankier war ein Gutsherr und Lehenträger von Fürsten ge-
worden. Karl V. erkannte diesen Wandel der Dinge an, indem
er am 27. Juli 1543 die Familie in den Freiherrnstand erhob1).
Er erinnert an die treuen Dienste, die Hans Paumgartner
seinen Vorfahren und besonders ihm in den letzten Kriegen
erwiesen. Die Familie soll sich in Zukunft nach ihren neu-
erworbenen Schlössern nennen dürfen, und, da sie wegen ihres
alten Herkommens auch noch zu höheren Ehren erhoben
werden können, so verleiht er ihnen den Stand der geborenen
Herren und Fräulein und das Recht, auf ihren Schlössern und
Herrschaften Münzen mit ihrem Wappen zu prägen.

Es war ein Aufstieg ohnegleichen, der damit seinen Ab-
schluss fand. Paumgartner hatte erreicht, was ihm beim Blick
auf seine Rivalen, die Fugger, immer heimlich vorgeschwebt.
Wie diese, war auch er jetzt geadelt und seinem Geschlecht stand
eine sichere glänzende Zukunft in Aussicht. ,,Freiherrn von Paum-
garten zu Paumgarten, Konzenberg, Hohenschwangau und
Erbbach“, so lautete der stolze Titel, den Hans Paumgartner
und seine Söhne von nun an führten, und ein Schwan schmückte
das Wappen zum Zeichen, dass die Familie ein Besitztum
erworben hatte, wie es ähnlich selbst Fugger nicht besass.

Die Standeserhebung brachte bald eine Veränderung der
Gesinnung mit sich, soweit diese nicht schon als treibendes
Moment vorher dagewesen war. Mit stolzer Verachtung blickte
man nun auf das Bürgertum herab und suchte Beziehungen
zum Landadel, in dessen Reihen man eingetreten war. War
es bisher üblich gewesen, unter den städtischen Patriziern und
Kaufleuten Schwiegersöhne und Schwiegertöchter zu suchen,
so änderte sich jetzt diese Heiratspolitik. Auch Hans Paum-
gartner suchte für seine Kinder im schwäbischen Adel passende
Partien. Regina Paumgartner heiratete im Jahre 1532 Christoph
von Knöringen, der einem reichbegüterten Geschlecht angehörte2).
Der älteste Sohn Hans vermählte sich am 3. Januar 1537 mit
Anna von Stadion, einer Nichte des regierenden Augsburger
Bischofs2). Der jüngste Sohn David führte Ursula aus dem

*) Familienkodex fol. 30 a—34 a.

a) Warnecke: Hochzeitsbuch S. 37 u. S. 40. Welcher Auf-
wand bei solchen Hochzeiten gemacht wurde, und mit welcher Ge-

6*
        <pb n="91" />
        ﻿84

Geschlecht der Freiberge von Eissenberg im Jahre 1547 heim.
Dem Landadel waren solche Verbindungen mit den neugeadelten
Angehörigen der Grossfinanz sehr willkommen, da sie ihm
die stets leeren Kassen mit Geld füllten.

Die glänzende Entwicklung, die wir bisher verfolgt haben,
barg aber doch eine Gefahr in sich, wenn wir an das kauf-
männische Geschäft zurückdenken, das ja, wie wir wissen,
ohne Unterbrechung weitergeführt wurde. Mit Besorgnis
fragen wir, ob bei den veränderten Verhältnissen der alte
Handelsgeist frisch blieb. Zu gross war die Verlockung, die
Gewohnheiten des Adels anzunehmen und über den gesellschaft-
lichen Verpflichtungen die wichtigsten geschäftlichen Aufgaben
zu vernachlässigen. Solange Hans Paumgartner lebte, bestand
in dieser Hinsicht keine Gefahr. Ob aber die nächste Gene-
ration, die bereits nicht mehr in der harten Schule des Handels
aufwuchs, Kraft genug besass, um auch in ernsten Zeiten das
Geschäft auf der Höhe zu erhalten, das ist eine Frage, die
sich uns beantworten wird, wenn wir zu der Geschichte der
dritten Generation unserer Familie uns wenden. Zunächst gilt
es noch, Hans Paumgartners Verdienste um die Wissenschaft
und seine politische Tätigkeit näher zu betrachten.

e)	Hans Paumgartner als Freund des Humanismus.

Es war zu allen Zeiten das edle Vorrecht der Reichen, Be-
schützer und Gönner von Kunst und Wissenschaft zu sein.
Auch Hans Paumgartner fand trotz der immer weiteren Aus-
dehnung seiner Geschäfte und dem wachsenden Kreis von

sinnung der gemeine Mann in Augsburg über diesen Prunk urteilte,
zeigt die Chronik des Augsburger Malers Georg Preu (Chroniken d.
deutschen Städte 29 S. 50 u. S. 78). Die zuletzt angegebene Stelle
lautet: „Item adj 29. jenner ist Hans Baumgartner sampt seinem sun
zu einer von Stadion verheirat worden, welche ains bischoffs zu Augspurg
brueders tochter gewest; ist die hochzeit zu Dillingen gehalten worden . . .
Also hat man am 6. hornung ain gross mal mitsambt den freundten und
darnach ain köstlichen dantz, [wie] der in langer Zeit nie gesehen ist
worden, mit berlen, goldt, Silber, edlen stainen, halsbanden, ringen,
sammat, damascat, atlass und von zoblnfuttern; da was kain tadl, in
kainer hoffart nichts gespart. Item adj 7. hornung ritt das hochtzeitvolck
wider heim mit grossen Freuden.“ Noch drastischer ist die andere Stelle
a. a. O. S. 50.
        <pb n="92" />
        ﻿85

Aufgaben und Pflichten, die an ihn herantraten, noch Müsse,
die wissenschaftlichen und literarischen Bestrebungen seiner
Zeit zu verfolgen. Im Umgang mit den Gelehrten suchte der
reiche Kaufherr Erholung; er scheint aber auch für einzelne
Zweige der Wissenschaft persönliches Interesse gehabt zu
haben. Augsburg, die Stadt eines Peutinger, mit dem Paum-
gartner verwandt war, und eines Adelmann von Adelmannsfelden,
bot in dieser Hinsicht mannigfache Gelegenheit. Auch im
Kloster zu St. Ulrich fand der Humanismus eifrige Pflege durch
Männer wie Veit Bild und Otmar Nachtigall (Luscinius)1). Mit
ihnen trat Paumgartner wohl in mannigfache Beziehung.
Aber sein Verkehr beschränkte sich nicht auf die einheimischen
Gelehrten. Er war auch befreundet mit Wilibald Pirkheimer,
wie aus einem Brief hervorgeht, den Paumgartner im Jahre 1530
an den Humanisten schrieb. Pirkheimers Tochter, Felizitas,
hatte mit ihrem Gatten Hans Kleeberg in unglücklicher Ehe
gelebt, ja nach ihrem Tod erhob der alte Pirkheimer gegen
seinen Schwiegersohn den schweren Vorwurf, dass er den Tod
der Gattin selbst verschuldet habe. Da griff nun Hans Paum-
gartner, der gemeinsame Freund Kleebergs und Pirkheimers,
ein und suchte in einem Brief (18. Juni 1530) eine Versöhnung
herbeizuführen, indem er Kleeberg gegen die Anschuldigungen
Pirkheimers in Schutz nahm2).

Ausgesprochene Neigung brachte Hans Paumgartner der
auf blühenden Rechtswissenschaft entgegen. Mit ihrem be-
deutendsten Vertreter in Deutschland, Ulrich Zasius, dem

‘) Konrad Peutinger war bekanntlich mit einer Welser verheiratet.
Ueber den Humanismus in Augsburg vgl. Lier: Der Augsburger Hu-
manistenkreis mit besonderer Berücksichtigung Bernhard Adelmanns
von Adelmannsfelden (in: Ztschr. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg
Jhrg. 1880 S. 68 ff.) u. Thurnhofer, Franz Xaver: Bernhard
Adelmann von Adelmannsfelden, Humanist u. Luthers Freund (1457 bis
1523) in: „Erläuterungen u. Ergänzungen zu Janssens Geschichte des
deutschen Volkes. Herausgegeben von Ludwig Pastorll, Bd., 1. Heft.
Ueber Peutinger unterrichten jetzt am besten die Peutinger-Studien
von Erich König (Studien u. Darstellungen a. d. Gebiet der Geschichte.
Im Auftrag der Görres- Gesellschaft . . . herausgegeben von Hermann
Grauert. IX. Bd., 1. u. 2. Heft).

2) Dieser Brief Paumgartners an Pirkheimer wird erwähnt von
Richard Ehrenberg in seinem Aufsatz: „Hans Kleeberg, der gute
Deutsche,“ in:Mitteilungen d. Ver. f. Gesch. der Stadt Nürnberg, Bd. IX
S. 15.
        <pb n="93" />
        ﻿86

„Humanisten unter den Juristen“, verband ihn eine innige
Freundschaft, von der mehrere Briefe Zeugnis geben. Ein
Rechtsstreit, in dem Paumgartner sich bei Zasius Rat erholt
hatte, gab den Anlass zu der näheren Bekanntschaft. Durch
ein reiches Geschenk zeigte sich der Kaufmann dem Gelehrten
dafür erkenntlich1). Wir haben bereits oben erwähnt, wie Paum-
gartner sich dann weiterhin an den Juristen wandte, als er
daran ging, für seine Besitzungen Rechtsordnungen und Sta-
tuten auszuarbeiten. Am 17. Oktober 1535 übersandte er ihm
ein kürzlich (am 5. Mai) aufgerichtetes Testament und bat ihn
um ein Gutachten darüber. Gleichzeitig ersuchte er Zasius
um Ratschläge für die Errichtung eines Familienstatuts, doch
sollte dieser die Sache geheimhalten2). Da der gelehrte Jurist
bereits am 24. November 1535 starb, wird er nur geringen oder
gar keinen Anteil an der Ausführung des Planes gehabt haben.
Er hatte aber bereits vorher dem Freunde durch Zueignung
seines Werks „Usus feudorum“ die Mittel an die Hand gegeben,
um sich auf dem Gebiet des Lehensrechtes zu orientieren.
Bereits im Jahre 1534 hatte Zasius beschlossen, Paumgartner
dieses Werk zu widmen, wie er mehrmals seinen Freunden
(z. B. Amerbach) mitteilt3), aber erst an Pfingsten 1535 über-
sandte er es ihm mit einer schmeichelhaften Widmungsepistel
zu4). Er preist darin Paumgartners Freigebigkeit gegen die
Armen und rühmt den Glanz seines Hauses sowie die sorg-
fältige Erziehung, die er seinen Söhnen angedeihen lasse.
Um sich für empfangene Wohltaten dankbar zu erweisen,
zugleich aber, damit Paumgartner aus dem Werke für die
Verwaltung seiner Güter (er nennt ausdrücklich das kürzlich
erworbene Erbach) Nutzen ziehen könne, eigne er ihm dieses zu.

*) Paumgartner war bereits im Jahre 1530 mit Zasius bekannt
(siehe ff. S.). Im Jahre 1332 vermittelte er Briefe des Viglius von
Zwichem an Zasius. Riegger: Udalr. Zasii epp. S. 399. Ueber Zasius
vgl. R. Stintzing: Ulrich Zasius. Ein Beitrag zur Geschichte der
Rechtswissenschaft im Zeitalter der Reformation, Basel 1857 bes.
S. 293.

2)	Riegger a. a. O. S. 507. Kurz zuvor war der Kauf von
Hohenschwangau gelungen.

3)	Riegger a. a. O. S. 223, 227, 229.

*) Diese steht sowohl an der Spitze des Werkes von Zasius: Usus
feudorum epitome, Basel 1535, als auch bei R i e g g e r a. a. O. S. 431
und ist datiert v. 13. Juni 1535.
        <pb n="94" />
        ﻿87

Nach Ulrich Zasius’ Tod übertrug Paumgartner seine Ver-
ehrung für den grossen Juristen auf dessen Sohn Johann Ulrich.
Er liess diesen zusammen mit seinen eigenen Söhnen in Italien
studieren und sorgte auch weiter für seine Zukunft. Der junge
Zasius erwies sich des Vertrauens, das sein Gönner in ihn gesetzt
hatte, würdig. Er wurde später kaiserlicher Rat und Nach-
folger Selds als Reichsvizekanzler unter Kaiser Maximilian II1).

Durch Zasius’ Vermittlung suchte Hans Paumgartner die
Freundschaft des Desiderius Erasmus zu gewinnen, um sich
rühmen zu können, dass er mit dem ersten Gelehrten Europas
in Beziehung stehe. Auch hier wollte er nicht hinter Anton
Fugger Zurückbleiben, der bereits die Freundschaft des Erasmus
genoss. In einem Brief an Zasius sprach Paumgartner den
Wunsch aus, mit Erasmus bekannt zu werden und von ihm
ein Buch gewidmet zu erhalten. Doch solle der Anschein erweckt
werden, als habe Erasmus aus eigenem Antrieb und aus Be-
wunderung für Paumgartner sich zu der Widmung entschlossen.
Zasius teilte Paumgartners Begehren am 6. Februar 1532 dem
Erasmus mit2), worauf dieser bereits am 8. Februar an den
Augsburger Kaufherrn schrieb und ihm seinerseits seine Freund-
schaft anbot3). Schon vor zwei Jahren, als er einmal bei Zasius
zu Gaste gewesen, schreibt Erasmus, und von dem edlen Wein
gekostet habe, den Paumgartner dem Zasius verehrt, sei er
begeistert worden für den Spender. Inzwischen habe
ihm dann Zasius weiter in so ehrenden Worten über Paum-
gartner gesprochen, dass er selbst wünschen müsse, zu ihm in
nähere Beziehung zu treten. Auf des Zasius Aufforderung
hin habe er es nun gewagt, an Paumgartner zu schreiben.
Mit Freuden nahm dieser des Erasmus Brief auf, der seiner
Eitelkeit Genüge tat, und er war eifrig bedacht, diese berühmte
Freundschaft zu pflegen und zu befestigen. Er erwiderte den
Brief und fügte als Geschenk ein Stück gediegenes Gold bei,

') Allg. deutsche Biogr. Bd. 44 S. 706. Paumgartner machte auch
für Joh. Ulr. Zasius im März 1547 den Heiratsvermittler, indem er ihn
mit der Tochter des Augsburger Kaufherrn Wolfgang Neithart zu ver-
mählen suchte. R. Stintzing hat 1857 die Briefe des jüngeren
Zasius an Bonifatius Amerbach herausgegeben. In Brief 2 weiht Zasius
den Freund in diese Heiratsangelegenheit ein.

2)	Förstemann-Günther: Briefe an Desiderius Erasmus
(Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXVII S. 197).

3)	Erasmi opera omnia ed. Clericus T. III 1430 F.
        <pb n="95" />
        ﻿88

was den Humanisten zu einem feinsinnigen Dankbrief ver-
anlasste1). Den zweiten Wunsch Paumgartners erfüllte Erasmus
am i. März 1533, indem er ihm einigeHomilien desChrysostomus,
die er damals herausgab, zueignete. In der Widmungsepistel
preist er Paumgartners Liebe zu den Wissenschaften und hebt
rühmend hervor, dass er ebenso wie Anton Fugger sein Geld
recht verwende. Er entschuldigt sich, dass er einem Laien
ein geistliches Werk widme, weist aber auf die nahe Fastenzeit
hin, in der seinem Freunde vielleicht solche Lektüre will-
kommen sei2). Paumgartner sandte hierauf dem Humanisten
einen goldenen Becher als Gegengeschenk3).

Man wird es den Gelehrten jener Tage, in denen Verleger-
honorare noch nicht üblich waren, nicht zum Vorwurf machen
können, wenn sie sich bei den reichen Kaufherren in Gunst zu
setzen suchten und in der Hoffnung auf reiche Geschenke
ihnen Weihrauch streuten. Spendeten doch jene Mäzene gern
von ihrem Reichtum an die Humanisten, die dazu beitrugen,
dass ihre Namen bei Mit- und Nachwelt bekannt wurden. So
kargte auch Erasmus nicht mit seinen Lobeserhebungen zum
Preis der Familie Paumgartner. Besonders interessant ist
nach dieser Richtung sein Brief an den spanischen Theologen
Johannes Vergara (19. November 1533), in dem er diesen mit
seinem neuen Augsburger Freunde bekannt macht4). Erasmus
gedenkt zunächst des Ablebens Wilhelm Warams, des Erz-
bischofs von Canterbury, dessen Tod ihn tief betroffen habe.
Ueber den Verlust dieses Freundes könne ihn nur der Gedanke
an seinen tüchtigen Nachfolger (Thomas Cranmer) und der
Umstand trösten, dass er in Augsburg einige Freunde neu ge-

9 Erasmi opera a. a. O. 1435 B. Anspielend auf Paumgartners
Tiroler Bergwerke beginnt Erasmus den Brief mit den Worten: Utinam
ex ingenii mei vena tarn facile aliquod depromere liceat, vir clarissime,
quam tibi proclive est e terrae venis munus nostra dignum amicitia.

2)	Aliquot Homiliae Divi Joannis Chrysostomi, ad pietatem
summopere conducibiles nunc primum et versae et editae per Erasmum
Roterodamum. Basileae 1533.

3)	Brief des Erasmus an Paumgartners Sohn Johann Georg vom
12. Mai 1533. Erasmi opp. III. 1469 A.

*) Erasmi opp. III 1480 F. Johannes Vergara, geb. in Toledo,
spanischer Theologe, den Hadrian VI. als Mitglied der Bibelüber-
setzungskommission wählte. Zur Vorgeschichte dieses Briefes vgl.
Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXVII S. 239.
        <pb n="96" />
        ﻿89

wonnen habe, die jene Lücke ausfüllen würden, nämlich Christoph
von Stadion, den Bischof von Augsburg, Anton Fugger und Hans
Paumgartner1). Mit der Persönlichkeit des letzteren beschäftigt
sich nun der ganze weitere Brief, der fast den Charakter einer
kleinen Abhandlung annimmt. Um seinem Freunde in Spanien
ein klares Bild von dem berühmten Augsburger Kaufmann zu
geben, schildert er eingehend dessen Verdienste um den Kaiser
und verweilt dann bei der Darlegung der Familienverhältnisse
Paumgartners. Wie Zasius, rühmt auch er die sorgfältige Er-
ziehung, die Paumgartner seinen Söhnen angedeihen liess2)
und kommt dann auf die Gütererwerbungen zu sprechen,
worauf der Schluss des Briefes in einen Panegyricus auf Paum-
gartners Tugenden ausläuft: „Abundat Germania magnis et
excellentibus viris, sed utinam quam plurimos haberet Paum-
gartnero pares . . . Felix Germania tali heroe; Felix ego
tali amico, quo cum mihi sunt omnia communia“3). Trotz
solcher begeisterten Worte kam es wohl nie zu einer persön-
lichen Bekanntschaft der beiden Männer. Am 26. Oktober 1533
hatte Erasmus dem Hans Paumgartner zum Erwerb von Erbach
gratuliert, worauf ihm dieser in einem Dankbrief (28. November
I533) die Zusendung eines Geschenkes in Aussicht stellte4).
Ende Januar 1534 liess dann Paumgartners Sekretär Gering
im Aufträge seines Herrn an den Humanisten eine Sendung
Wein abgehen6). Der letzte Brief Paumgartners an Erasmus
berührte nochmals den Namen des verstorbenen Zasius6).
Paumgartner teilte hierin (25. Juni 1536) dem Humanisten mit,
dass er den Sohn des Zasius auf seine Kosten studieren lasse, da
er seine Freunde nicht nur zu ihren Lebzeiten, sondern auch noch
über den Tod hinaus zu ehren pflege. Die allernächste Zukunft gab
diesen Versicherungen Paumgartners noch eine besondere Be-
deutung, denn bereits am 12. Juli 1536 starb auch Erasmus.

*) Derselbe Gedanke kehrt wieder in einer Widmung des Erasmus
an Christoph von Stadion, mit der er diesem im Jahre 1535 seinen ,,Ec-
clesiastes" übersandte.

2)	Näheres siehe u. S. 101 ff. Irrigerweise nennt Erasmus hier
Paumgartners jüngsten Sohn Daniel statt David.

3)	Erasmi opp. III 1484.

4)	Beihefte zum Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXVII S. 230.

6) Ebenda S. 237. Noch ein zweites Mal (29. Januar 1535) erfreute

Paumgartner den Erasmus mit einer Sendung Wein. Ebenda S. 257.

*) Erasmi opp. III 1773 B.
        <pb n="97" />
        ﻿90

Die Erziehung seiner Söhne brachte Paumgartner in der
Folge noch in Verbindung mit verschiedenen anderen Gelehrten,
so mit Alciatus, Viglius von Zwichem u. a. Für sie alle stand
sein gastliches Haus, wenn sie nach Augsburg kamen, offen,
und keiner verliess es, der nicht dort reich bewirtet und be-
schenkt worden wäre.

f)	Hans Paumgartners Anteil an der hohen Politik1).

Das Jahrzehnt von 1530 bis 1540 hatte unserer Familie
eine Reihe glänzender Erfolge gebracht. Eine stattliche Anzahl
von Gütern nannte sie jetzt ihr eigen, unter denen Hohen-
schwangau als besonderes Kleinod glänzte. Die Reihe wich-
tiger Privilegien, die sie nacheinander vom Kaiser erlangt
hatte, fand ihren krönenden Abschluss im Jahre 1543 durch
die Erhebung in den Freiherrnstand. Die Geldgeschäfte, die
Hans Paumgartner mit den Habsburgern abschloss, führten
ihn häufig an den Wiener Hof, wo er auch Gelegenheit hatte,
die Bekanntschaft der staatsmännischen Persönlichkeiten seiner
Zeit zu machen. Die kaufmännische Tätigkeit zwang ihn, der
Entwicklung der politischen Verhältnisse Europas sein Augen-
merk zuzuwenden. Seine Vertreter an allen bedeutenderen Plätzen
hielten ihn stets über die wichtigeren Vorgänge auf dem lau-
fenden, so dass er oft rascher mit den Ereignissen bekannt
wurde als selbst die leitenden Staatsmänner. Kein Wunder,
wenn er daher jetzt, nachdem er die Zukunft seiner Familie
gesichert sah, seine einflussreiche Stellung dazu benützte, um
mithandelnd in die Politik einzugreifen und auf den Gang der
Ereignisse in seinem Sinne einzuwirken. Die nähere Veran-
lassung dazu gaben ihm die Vorgänge in seiner Vaterstadt
Augsburg.

Wie Hans Paumgartner d. Ae., hatte sich auch sein Sohn
gemäss der Augsburger Verfassung an die Kaufleutezunft an-
schliessen müssen, in der er von 1520 bis 1536 als Zwölfer tätig
war2). Höhere Aemter bekleidete er niemals, um nicht in

l)	Die Grundlage für die folgende Darstellung bildet Friedrich
Roths ausgezeichnetes vierbändiges Werk: Augsburgs Reformations-
geschichte. München 1901 ff.

a) Augsburg, Stadtarchiv: Zunftbuch der Kaufleute.
        <pb n="98" />
        ﻿seinem kaufmännischen Beruf behindert zu sein. Wie für
Jacob und Anton Fugger, war auch für ihn die Handelsmetropole
Augsburg vor allem der günstigste Platz zur Ausübung seiner
Geschäfte. Besondere Liebe zu seiner Vaterstadt dürfen wir
bei ihm nicht suchen. Gesellschaftlich gehörte er mit seiner
Familie, wie wir schon erwähnten, zu den ,,Mehrern,“ die mit
dem Patriziat in naher Verbindung standen. Als dann 1538 neue
Familien ins Patriziat aufgenommen wurden, gehörten auch
die Paumgartner zu den Auserwählten1).

Die Familie war so äusserlich in der Stadt geehrt, aber
innerlich mit ihr zerfallen. Die Augsburger Bürger hassten
die „grossen Hansen“, in denen sie nur Wucherer sahen, die
durch ihre Monopole die Lebensmittel verteuerten und sich so
auf Kosten der kleinen Leute bereicherten. Anderseits war
den Grosskaufleuten das zünftische Regiment ein Greuel.
Dazu kam dann noch besonders die Art, wie man sich in Augs-
burg zur Hauptfrage der Zeit, der religiösen, stellte. Von
Anfang an war die Stadt der neuen Lehre zugetan gewesen. Die
Paumgartner jedoch blieben, wie die meisten andern Gross-
kaufleute, katholisch, da sie als Besitzende an sich schon einer
konservativen Anschauung huldigten. Auch fanden sie für ihre
Handelsinteressen auf katholischer Seite damals mehr Ver-
ständnis als bei den Reformatoren, die bekanntlich den Kauf-
leuten nicht gewogen waren2). Endlich fielen für ihre Haltung
auch noch die nahen Beziehungen ins Gewicht, die sie zu den
Habsburgern, der katholischen Vormacht Deutschlands, hatten.

Die religiöse Bewegung hatte in Augsburg somit ihren
hauptsächlichsten Rückhalt in den Zünften, also mehr bei
den Handwerkern und kleinen Leuten, die auch vor gewalt-
tätigem Vorgehen bei der Einführung der Reformation nicht
zurückgeschreckt waren. Als dann vollends im Jahre 1537
der Rat durch Vertreibung des Bischofs und der katholischen

*) Ihre einstige Zugehörigkeit zum Nürnberger Patriziat und die
Tatsache, dass sie schon seit 50 Jahren in Augsburg zu den Herren-
geschlechtern geheiratet, machte ihre Aufnahme möglich. Vgl. Dir r:
Kaufleutezunft und Kaufleutestube in Augsburg zur Zeit des Zunftregi-
ments (1368—1548), in: Ztschr. d. Hist.Ver. f. Schw. u. Nbg. 35 S. 138 ff.
— Derselbe: Zur Gesch. der Augsb. Zunftverfassung: Ebenda, Bd. 39.

2)	Luther bekämpfte bekanntlich in seiner Schrift: Von Kauffs-'
handlung und Wucher, Wittenberg 1524, das Zinsnehmen und die
Monopolien der Kaufleute aufs schärfste.
        <pb n="99" />
        ﻿92

Geistlichkeit das Papsttum in der Stadt ausrottete und den
katholischen Kultus verbot, musste dies den streng katholischen
Paumgartner besonders erbittern. Er hielt sich seitdem häufig
von der Stadt fern, begab sich an den Hof des Kaisers oder
lebte auf seinen Schlössern. Sein Bestreben ging dahin, dem
Katholizismus und der kaiserlichen Partei in Augsburg wieder
zum Siege zu verhelfen. In diesem Sinne griff er seit dem
Jahre 1539 aktiv in die Politik ein.

In der Periode von 1530 bis .1544 suchten Karl V. und
Ferdinand auf friedlichem Wege die Parteien wieder zu ver-
einigen und die Protestanten zur alten Lehre zurückzuführen.
Das Konzil und die in Deutschland abgehaltenen Religions-
gespräche zu Hagenau, Worms und Regensburg sind ver-
schiedene Versuche gewesen, eine solche friedliche Einigung
zu erzielen. Auch mit Augsburg stand der Minister Karls V.,
Granvella, in Unterhandlungen, die in seinem Namen Hans
Paumgartner führte1). Dieser suchte den ihm befreundeten
Bürgermeister Wolfgang Rehlinger für sich zu gewinnen, der
seit 1533 die Fäden der städtischen Politik in seiner Hand
vereinigte1). Obwohl Lutheraner, glaubte Rehlinger doch eine
kaiserfreundliche Politik treiben zu können. Seine dahin-
gehenden Bestrebungen fanden aber in der Stadt, die seit 1536
dem Schmalkaldischen Bund angehörte, keinen Anklang und
man verübelte ihm besonders seine häufigen Unterredungen
mit Paumgartner, in dem man schon längst einen Feind und
Verräter der städtischen Interessen zu sehen glaubte. Paum-
gartner berichtete über die mit Rehlinger geführten Unter-
handlungen im Jahre 1540 mehrmals an Granvella und an den
an Heids Stelle getretenen Vizekanzler Karls V., Johann
von Weeze, Erzbischof von Lund. Karl V. sandte dann Paum-
gartners Berichte an seinen Bruder Ferdinand zur Begut-
achtung2). Dieser, der die Beziehungen des Kaufmanns zu
Frankreich kannte, zweifelte, wohl ohne Grund, an Paum-
gartners Aufrichtigkeit und seiner katholischen Gesinnung

*) Roth a. a. O. III S. 20. Ueber Wolfgang Rehlinger vgl.
Roth II S. 150 ff. und III S. 45 ff.

2) Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Akten-
stücken 1. Abt. 5.U. 6.Bd., im Aufträge des Kgl. PreussischenHistorischen
Instituts in Rom bearb. v. Ludwig Cardauns, Bd. 6 S. 320, 326,
328 ff. und Einleitung S. XC Anm. 3.
        <pb n="100" />
        ﻿93

und hatte auch sonst Bedenken gegen seine Vorschläge1). Er
schrieb daher an Karl V. zurück, dass er Paumgartners Sohn
Johann Georg, der in Geldgeschäften bei ihm gewesen sei,
aufgetragen habe, mit seinem Vater zu sprechen und ihm des
Königs Bedenken vorzutragen.

Im November 1540 weilte Hans Paumgartner selbst am
Wiener Hof, wo er mit dem Sekretär des päpstlichen Nuntius
in Wien, Confallonero, ein interessantes Gespräch führte, über
das dieser seinem Herrn berichtet2). Die Unterhaltung drehte
sich um die Religionsgespräche, wobei Paumgartner die An-
sicht äusserte, man müsse besonders darauf sehen, dass Me-
lanchthon dabei ausgeschaltet werde, da dieser der Unnach-
giebigste von allen Gelehrten sei. Er sei auch schuld gewesen,
dass in Augsburg (1530) und in Regensburg (1532) keine Eini-
gung zustande kam — eine recht eigenartige Ansicht über den
Reformator, den man sonst als den Versöhnlichsten anzusehen
gewohnt ist. Es zeigt von einem geringen Verständnis für die
religiösen Probleme, welche die Zeit bewegten, ist aber cha-
rakteristisch für den Kaufmann, wenn er bald darauf (am
26. Januar 1541) zu Confallonero die Ansicht äusserte, man
solle versuchen, Melanchthon und Buzer durch Bestechung zu
gewinnen3). Paumgartner betonte seine Ergebenheit gegen
den römischen Stuhl und bot seine Dienste an, wenn man die
genannten Reformatoren durch Geldgeschenke zur Ruhe und
Unterwerfung bringen wolle. Die Vermittlung könnte am
besten sein Verwandter Rehlinger übernehmen, auf den Me-
lanchthon grosse Stücke halte. Der Vertreter des Papstes zeigte
sich jedoch charaktervoller als der Kaufmann und wies mit
vornehmer Entrüstung dieses Projekt als der Kurie unwürdig
zurück. Jene seien, so entgegnete er dem Kaufmann, schon
so lange hartnäckig auf ihrer Meinung bestanden, dass eine
Bekehrung wohl nicht zu erwarten sei. Und wenn sie wirklich
in den Schoss der Kirche zurückkehrten, so müssten sie es um
der Wahrheit und ihres Seelenheils willen tun, sonst seien sie
charakterlose Menschen, mit denen der Papst und seine Diener

*) Es ist die schon oben S. 71 angeführte Stelle: Nuntiaturberichte
a. a. O. S. 328.

2)	Nuntiaturberichte a. a. O. S. 203 ff. (6. Bd.).

3)	Ebenda S. 227. Von anderen Bestechungsversuchen, die na-
türlich auch keinen Erfolg hatten, erzählt Roth Bd. II S. 39 u. 164.
        <pb n="101" />
        ﻿94

nichts zu tun haben wollten1). Es war dies die rechte Antwort
auf ein solches unwürdiges Ansinnen, das eben nur der Aus-
druck war einer materiell gerichteten Weltanschauung, die
nichts Höheres als das Geld kannte.

Auf dem Reichstage zu Regensburg (März bis Juli 1541)2)
drang Paumgartner dann weiter in Rehlinger, um ihn auf die
Seite des Kaisers zu ziehen. Auch auf die anderen Vertreter
Augsburgs, Gereon Sailer und den Stadtschreiber Fröhlich,
suchte er einzuwirken3). Sailers und Fröhlichs Berichte sind
voll Aerger und Klagen über diese Praktiken Paumgartners,
„der ein ärgerer Feind des Evangeliums sei als alle Bischöfe in
Deutschland“. Der Stadtschreiber wurde sogar verdächtigt,
dass er sich durch Paumgartnersches Geld habe bestechen
lassen4). Mit Misstrauen verfolgten die Augsburger Rehlingers
Verhalten, der, wie sie glaubten, durch Paumgartner schon
ganz für den Kaiser gewonnen sei und eine der Stadt feind-
selige Politik treibe. Man tat damit diesem, wie Roth aus-
einandersetzt, wohl unrecht. Der beständigen Verdächtigungen
überdrüssig, sagte Rehlinger, der ein überzeugter Lutheraner
war und zugleich gut kaiserlich gesinnt sein wollte, das Bürger-
recht in Augsburg auf (20. Dezember 1543) und siedelte nach
Strassburg über5). Weil er eine kaisertreue Politik im Interesse
seiner Vaterstadt gelegen hielt und bei Paumgartner darin

*) Nuntiaturberichte Bd. 6 S. 228. Das Gespräch Paumgartners
mit Confallonero ist zum Teil wörtlich von letzterem wiedergegeben
worden in seinem Bericht an Morone.

2)	Auf diesem Reichstage war bekanntlich als päpstlicher Legat
Contarini anwesend, für den Paumgartner Geld aus Venedig über-
mittelte. (Fr. Dittrich: Regesten u. Briefe des Kardinals Gasparo
Contarini 1483—1542, Braunsbg. 1881, S. 167 Regest. Nr. 665.)

3)	Ueber diese beiden in der Augsburger Geschichte in jener Zeit
bedeutungsvoll hervortretenden Männer vgl. R o t h a. a. O. III. S. 4
mit den Anmerkungen.

l)	So schreibt Sailer am 19. August 1543 an den Landgrafen Philipp
von Hessen (Lenz: Briefwechsel Landgraf Philipps d. Grossmütigen von
Hessen mit Bucer, 3. Teil, Leipzig 1891, in: Publikationen aus den
Kgl. Preussischen Staatsarchiven Bd. 47 S. 316): So pefind ich aber,
das ime (dem Stadtschreiber) das geld so lieb ist, das er auch von des-
selben wegen thuet, was man an inemuet; sorg gentzlich erhab durch den
Rochlinger und aus des Paumgartners seckel ain kefer geschlickht, der
in anderst mache dann er sein sulle.

6) Roth III, S. 216 ff.
        <pb n="102" />
        ﻿95

Unterstützung fand, war er auf dessen Ideen eingegangen; in
religiösen Fragen ging er ganz andere Wege als jener, der gewiss
nicht richtig urteilt, wenn er von Rehlinger sagt: „quäl e tenuto
per gran Lutherano et nondimeno nel core e bon catholico“1).

Paumgartner hatte, wie wir gesehen, Rehlinger nicht für
die katholische Sache gewinnen können, ebensowenig hatte
er Erfolg mit seinem Bestreben, den Landgrafen von Hessen
und Schertlin von Burtenbach auf die Seite des Kaisers zu ziehen.
Schon auf dem Reichstag zu Regensburg hatten sich dahin-
gehende Verhandlungen, abgespielt und Philipp von Hessen
hatte damals wirklich eine Annäherung an Karl V. gesucht
und einen Vertrag abgeschlossen, der aber nur politische Dinge
berührte. Damals war Granvella an Philipp auch schon mit
der Aufforderung herangetreten, er solle den Kaiser in dem
Kriege gegen Jülich unterstützen2). Als dann 1543 der Kaiser
gegen Jülich und Frankreich rüstete, wurden diese Bemühungen
fortgesetzt. Am 21. Januar 1543 kam Granvella nach Augsburg
und suchte zusammen mit Paumgartner auf Schertlin von Burten-
bach, den Vertrauten Philipps, einzuwirken. Nach der Abreise
Granvellas fuhr Paumgartner allein fort, Schertlin zu bearbeiten,
bis dann im Mai Granvella und der kaiserliche Rat Liera nach
Schluss des Nürnberger Reichstages wieder nach Augsburg
Zurückkehrten. Mit vereinten Kräften drangen nun Paum-
gartner, Granvella und Liera in Schertlin und Gereon Sailer.
Man liess es an Versprechungen nicht fehlen und Paumgartner
sparte auch sein Geld nicht, um Philipp von Hessens Augs-
burger Freunde zum Anschluss an den Kaiser zu bewegen.
Wir sind durch Sailers Briefe an Philipp aufs genaueste unter-
richtet über alle diese Versuche der Kaiserlichen3). Wir können
hier aber nicht näher auf diese kleinliche, von gegenseitiger
Gehässigkeit diktierte Politik eingehen, wo einer den andern
auszuhorchen suchte und die Erbitterung dadurch noch ge-

l)	Auch gegen den in Strassburg weilenden Rehlinger setzte Sailer
seine Verdächtigungen fort, dass er in städtefeindlichem Sinne agitiere.
L e n z a. a. O. S. 415: Her Jacoben Sturm acht ich für ain pidermann, der
sich nit lass corrumpieren: das sorg ich aber, das Paumgartner und der
Rochlinger zu straspurg ander leut mochten corrumpieren, die fuleucht
in ainer reputation pei her Jacoben weren und alsdann her Jacoben
verfierten.

') Len* a. a. O. S. 87 u. 256.

3) L e n z a. a. O. S. 261—264, 294, 298 u. 316; Roth III, S. 92 ff.
        <pb n="103" />
        ﻿g6

steigert wurde, weil man im politischen Widersacher auch den
religiösen Gegner bekämpfte. Besonders schlecht ist Sailer
auf Paumgartner zu sprechen, der „mit seinen gülden spies"
viele anrenne und bei manchem auch Erfolg habe mit seinen
Bestechungsversuchen1). Der Einfluss, den Paumgartner in
den engen Grenzen dieser Politik als Vertrauter Granvellas
ausübte, war nicht unbedeutend. „Aus dem Paumgartner
handele Granvella Alles in Deutschland; der sage ihm, wie mit
dem wie mit jenem zu handeln sei,“ schreibt Sailer am 28. De-
zember 1543 an Philipp von Hessen2). Wenn unser Kaufmann,
den Karl V. am 27. Juli 1541 zu seinem Rat ernannt hatte,
trotz dieses Eifers nichts erreichte, so lag dies weniger an ihm,
als an der politischen Lage. Die Gegensätze der Parteien
hatten sich so verschärft, dass schliesslich nur die Waffen
entscheiden konnten.

Der Kaiser war ja längst zum Krieg entschlossen, in dem
er die ungehorsamen Fürsten, voran Philipp von Hessen,
demütigen und zur Pflicht zurückführen wollte. Er hatte im
Jahre 1544 mit Frankreich Frieden geschlossen, Ferdinand
die Türken zu einem Waffenstillstand vermocht, auch mit dem
Papst kam ein Bündnis zustande. Mit den oberdeutschen
Städten wurden noch bis zuletzt Verhandlungen gepflogen,
um sie zum Anschluss an die kaiserliche Sache zu bewegen.
Hans Paumgartner und sein Sohn David waren dabei als Ver-
mittler tätig. Sailer berichtet am 15. Dezember 1545 aus-
führlich, wie er mit Paumgartner, der ihn habe rufen lassen,
eine Unterredung gehabt habe, wobei letzterer unter Hinweis
auf die geringe Einigkeit und die schwachen Rüstungen der
Protestanten versucht habe, ihn an dem schmalkaldischen
Bündnis irre zu machen3). Sailer zeigte den Fragen Paum-
gartners gegenüber grosse Zurückhaltung, da er überzeugt
war, dass man ihn nur ausforschen wollte. Noch im Juni 1546,
kurz vor Ausbruch der Feindseligkeiten, machten Granvella
und Paumgartner einen letzten Versuch, die Städte einzu-
fangen4). Doch diese waren zum Widerstand bereit. Die Handels-
stadt Augsburg, wo der reiche Jacob Herbrot die Zügel der

‘) Lenz a. a. O, S. 316.

2)	Ebenda S. 340 in der Anmerkung.

3)	Ebenda S. 380.

4)	Roth III S. 344.
        <pb n="104" />
        ﻿97

Regierung in Händen hatte, war in einer besonders schwierigen
Lage. Hatte man doch nicht nur den Kaiser zum Gegner.
Auch von den eigenen Bürgern hielten gerade die reichen und
vornehmen zur feindlichen Partei und unterstützten diese mit
ihren Kapitalien. Gegen Paumgartner, einen der Führer dieser
Opposition, richtete sich der Hass der Bürger am meisten.
Denn er streckte wie Anton Fugger dem Kaiser die Mittel zur
Kriegführung vor und begab sich bei Ausbruch des Krieges
sofort ins Lager des Kaisers. Auch die anderen Kaufleute,
soweit sie katholisch waren, verliessen die Stadt1). Gross war
die Empörung über diese Verräter. Während sich aber die
andern wenigstens durch eine Geldzahlung an die Stadt die
Erlaubnis zum Fernbleiben erkauften, Hess sich Paumgartner
dazu nicht herbei2). Er trotzte im Vertrauen auf den Kaiser,
der ihm und den Manlich am 6. Juli einen Schutzbrief aus-
stellte, der am n. und 13. Juli noch erweitert wurde3). Weil
Paumgartner sich den Ungehorsamen nicht angeschlossen habe,
so solle er auch „derselben Empörung genntzlich nichts zu
entgelten haben“. Da er und seine Söhne aber der Stadt Augs-
burg mit Aidpflichten und Bürgerrecht verbunden seien und
die Stadt sich ganz freventlich in Kiiegsrüstungen eingelassen,
so sagt der Kaiser die Paumgartner kraft seiner kaiserlichen
Rechte von den genannten Pflichten und Eiden los und ver-
bietet bei einer Strafe von 50 M lötigen Goldes, dass Paum-
gartners Güter angegriffen würden. Die Augsburger waren
aber nicht gewillt, die Verletzung der Rechte der Stadt zu
dulden. Mehrmals erging an Paumgartner die Aufforderung,
er solle in die Stadt zurückkehren und sich verantworten. Dieser
entschuldigte sich (am 6. und 9. August) mit dringenden Ge-
schäften und wies, auf eine neue Mahnung des Rats hin, in
gereizten Worten alle weiteren Zumutungen an ihn zurück und
bat, man solle ihn fernerhin unbehelligt lassen4). Nun ging die
Stadt zu Taten über. Sie liess Paumgartners Güter zu Konzen-

1)	Ueber das Verhalten der Kaufleute und kaiserlich Gesinnten in
der Stadt siehe Roth III S. 360—362.

2)	RothS. 362. Ausser den von Roth benützten Akten im Augs-
burger Stadtarchiv (bes. die Litteraliensammlung) hat sich weiteres
Material nicht auffinden lassen.

3)	Familienkodex fol. 58 a—60 b.

4)	Augsburger, Stadtarchiv: Litteraliensammlung6. u. 9. Aug. 1546.
Die Schreiben Paumgartners sind von München datiert.

~/
        <pb n="105" />
        ﻿98

berg und Baumgarten besetzen, an den Schlössern das Wappen
der Stadt anschlagen und später auch seine Häuser in der
Stadt versiegeln1). Seine Briefschaften wurden aufgefangen und
vom Rat geöffnet. Die Augsburger glaubten sich berechtigt, in
dieser Weise gegen ihren ungehorsamen Bürger vorzugehen, riefen
aber dadurch dessen Erbitterung im höchsten Grade hervor.

Der Gang der Kriegsereignisse ist zu bekannt, als dass
hier darauf eingegangen zu werden brauchte. Die Uneinigkeit
in der Kriegführung der Schmalkaldener ermöglichte es dem
Kaiser, Erfolge zu erzielen, die den Städten weiteren Wider-
stand gefährlich erscheinen liessen. Eine der ersten, die sich
unterwarf, war Ulm. Mit ihr hatten Hans Paumgartner und sein
Sohn David die Unterhandlungen geführt, die am 22. Dezember
1546 mit der Unterwerfung der Stadt ihren Abschluss fanden2).
Die übrigen ober deutschen Städte folgten dem Beispiel Ulms3).
Nur Augsburg nahm Paumgartner bei seiner Friedensver-
mittlung aus. Er wollte die Stadt wohl von den andern trennen,
und es ihr so erschweren, die Gnade des Kaisers zu erlangen4).
Während sich dann im Januar 1547, als auch an Augsburg die
Frage der Unterwerfung herantrat, Anton Fugger in selbst-
loser und aufopfernder Weise um seine Vaterstadt annahm,
stand Paumgartner grollend beiseite und tat nichts, um ihre
schwierige Lage zu erleichtern und den zürnenden Kaiser zu
versöhnen5 6). Er gönnte vielmehr der Stadt ihre Demütigung.

l)	Augsburger Stadtarchiv: Litteraliensammlung 20. August,
21. August. Am 26. August teilte Matthäus Langenmantel dem Rat in
Augsburg mit, dass sich Fugger, Paumgartner und Welser zu Ingolstadt
aufhalten.

*) Irrigerweise hält Ranke: Deutsche Geschichte im Zeitalter
der Reformation (Sämtliche Werke 4. Bd. S. 333) die Paumgartner
für geborene Ulmer. Bereits Gutzkow in dem erwähnten Roman Hohen-
schwangau Bd. s S. 460 hat den Sachverhalt richtiggestellt.

3)	Auch bei der Unterwerfung der andern oberdeutschen Städte

war Paumgartner beteiligt. Wegen Konstanz siehe z. B. Briefwechsel
der Gebrüder Blaurer. Hrsg, von der Bad. Hist. Kommission, Freiburg
i. Br. Bd. II S. 558, 1908 ff.

*) A. v. D r u f f e 1: Des Viglius v. Zwichem Tagebuch des Schmal-
kaldischen Donaukriegs, München 1877 S. 238 wird erzählt, wie Paum-
gartner darauf ausging, Augsburg von den Verhandlungen auszuschliessen.

6) Anton Fuggers Haltung geht am deutlichsten hervor aus den
Briefen, die er an Herbrot richtete. (Ztschr. d. Hist. Ver. f. Schw. u. Nbg.
I S. 260 ff.)
        <pb n="106" />
        ﻿99

Hart genug fiel die Strafe aus. Unter den vielen schweren
Bedingungen, welche der Stadt auferlegt wurden, war wohl die
schmerzlichste, dass man den wackeren Streiter für die Sache
des Protestantismus, Schertlin von Burtenbach, preisgeben
musste.

Während der Kaiser dann nach dem Norden zog, um den
Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich, zu demütigen,
kehrte Paumgartner nach Augsburg zurück und machte Ent-
schädigungsansprüche an die Stadt wegen der Wegnahme
seiner Güter und „anderer zugefügten Schmach und Schäden
halber“. Er, der reiche Kaufherr, forderte von der an sich
schon schwer gebrandschatzten Stadt 6000 fl und wandte sich
in einer Supplikation an den Kaiser, der hierauf eine Kommission
zur Untersuchung der Klagen einsetzte. „Dieselb clag und die
vorige suplication“, schreibt der Chronist Langenmantel,,, [waren]
warlich dergestalt gestellt, dass sie ainem eerliebenden, erbern
und redlichen burgersmann, der seine bürgerliche aid alle jar
geschworen und ein unerlassner burger noch ist, nit wol gezimbt
und seiner aidspflicht zue nah und nit wol verantwurtlich.“
Schliesslich stand Paumgartner von seiner Geldforderung ab
und begnügte sich mit einigen Zugeständnissen. „Das seind
fürwar frembd hendel, die vor erbern leuthen seltzam zue
hören seind,“ meint der genannte Chronist1). Und in der Tat
erscheint das Benehmen Paumgartners gegen die Stadt, be-
sonders wenn man es mit der Haltung Anton Fuggers ver-
gleicht, wenig vornehm. Die Stadt war offenbar im Recht,
wenn sie gegen den ungehorsamen Bürger vorging, der trotz
seines Freiherrntitels und seiner Schlösser noch immer gehalten
war, die Verfassung der Stadt zu respektieren, solange er sein
Bürgerrecht nicht aufgegeben hatte. Letzteres zu tun, hinderte
ihn aber sein Handel, der in dem Masse, wie Paumgartner ihn
übte, nur in Augsburg möglich war.

Mit innerer Genugtuung mag Paumgartner dem Einzug
Karl V. (23. Juli 1547) beigewohnt haben, der nach Augsburg
zur Eröffnung des Reichstags kam. Ausser der einstweiligen
Lösung der religiösen Fragen brachte dieser für die Stadt

*) Anton Fngger selbst weigerte sich, zwischen der Stadt und
seinem „ungetreuen Schwager“ zu verhandeln (Ztschr. d. Hist. Ver. f.
Schw. u. Nbg. I S. 309), und Herbrot meinte angesichts dieser unfreund-
lichen Haltung Paumgartners: „das heisst’s Vaterland geliebt!“ (ebenda).

y *
        <pb n="107" />
        ﻿100

Augsburg noch eine einschneidende Aenderung ihrer Ver-
fassung. Schon längst war den Patriziern das „Zunftregiment“
ein Dorn im Auge. Voll Spott äusserten sich diese Aristokraten
über die Unfähigkeit der Zünfte, die Stadt zu regieren. Be-
sonders über den Emporkömmling Herbrot, der seit Wolfgang
Rehlingers Weggang die erste Rolle spielte, sprachen sie sich
in abfälliger Weise aus. Paumgartner, einer der ärgsten Hetzer,
machte seinen ganzen Einfluss geltend, um den Kaiser für den
Sturz des „plebeischen Regiments“ zu gewinnen. Karl V.,
der in einer Verfassungsänderung zugunsten des Patriziats ein
weiteres Mittel sah, die unbotmässigen Städte zu ihrer Pflicht
zurückzuführen, ging auf den Plan ein. Nach zweihundert-
jährigem Bestand wurde die Zunftverfassung, unter der Augs-
burg seine Blütezeit erlebt hatte, gestürzt und ein patrizisches
Stadtregiment eingesetzt (3. August 1548). Hans Paum-
gartner war unter denen, die in den „geheimen Rat" ge-
wählt wurden1).

So war schliesslich doch noch die Sache zum Sieg gelangt,
für die Hans Paumgartner ein Jahrzehnt seines Lebens gewirkt
hatte. Als er kurz darauf starb, konnte er das Bewusstsein
mit ins Grab nehmen, an seinem Teil zu den Erfolgen des
Kaisers beigetragen zu haben. Aber dieser Sieg war errungen
auf Kosten der Demütigung seiner Vaterstadt, der Stadt, die
ihm und seinen Eltern fast 70 Jahre lang Heimatrecht gewährt
und Gelegenheit gegeben hatte, seine Reichtümer zu sammeln.
Aber je höher er stieg, desto breiter wurde die Kluft, die ihn
von den Anschauungen seiner Mitbürger trennte, bis er sich
schliesslich durch seine Politik in vollen Gegensatz zu ihnen
stellte. Dafür stieg sein Ansehen beim Kaiser und seinen Mi-
nistern immer höher. Er war zuletzt einer der einflussreichsten
und vertrautesten Räte Karls V. geworden, dessen Politik er,
wie wir gesehen, eifrigst förderte.

Wir haben nun Hans Paumgartners Tätigkeit auf den ver-
schiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens verfolgt und
einen Aufstieg zu den höchsten Ehren mitangesehen, wie er in
gleichem Masse damals nur den Fuggern geglückt war. Bevor

*) Vgl. dazu den Aufsatz von Paul Hecker: Der Augsburger
Bürgermeister Jacob Herbrot und der Sturz des zünftischen Regiments
in Augsburg (in: Zeitschr. d. Hist. Ver. f. Schw. u. Nbg. I S. 34 ff.) und
die Darstellung bei Roth IV S. 178 ff.
        <pb n="108" />
        ﻿IOI

wir jetzt Hans Paumgartner verlassen, bleibt uns nur noch
die Aufgabe, auf sein Familienleben einen kurzen Blick zu
werfen.

g)	Hans Paumgartners Familienleben.

Der Ehe Hans Paumgartners mit Regina Fugger ent-
sprossten ausser drei Töchtern vier Söhne, deren Erziehung
der Vater mit grösster Sorgfalt überwachte. Beruhte doch
auf ihnen seine ganze Hoffnung für die Zukunft seines Ge-
schlechtes. Erasmus in dem bekannten Brief an Johannes
Vergara kommt ausführlich auf die Erziehungsmethode Paum-
gartners zu sprechen: „Nullum omnium (sc. filiorum) destinavit
negotiationi aut aliis sordidioribus artibus. Ad eruditionem, ad
pietatem, ad gerenda Principum ac Reipublicae splendida
munia instituit omnes,“ rühmt der Humanist und schildert
dann kurz den Lebensgang der einzelnen Söhne1). Nachdem
diese zu Hause durch einen Hofmeister2) vorgebildet waren,
schickte sie der Vater nach Frankreich und Italien, wo sie auf
den Universitäten in den Wissenschaften von ausgezeichneten
Lehrern unterrichtet wurden und sich weltmännische Bildung
aneigneten. Der älteste Sohn Hans hörte in Bourges in den
Jahren 1530/31 bei den Juristen Alciatus und Viglius von
Zwiehern3) und kam dann an den Hof der Königin Maria von

1)	Erasmi opera omnia ed. Clericus III 1480 F.

2)	Als solcher war längere Zeit Franziscus Rupilius in der Familie
tätig seit dem Jahre 1527. Er nennt sich im Familienkodex, in den er
auf fol. 35 a—49 a die obenerwähnten Statuten des Paumgartnerschen
Geschlechts eintrug: L. L. doctor, Ratisbonensis et Brixinensis eccle-
siarum canonicus atque tune temporis (1541) Rev. ac Illustr. episcopi
ac principis Brixinensis dni Christophori Fux a Fuxperg cancellarius ac
magnifici et nobilis domini Joannis Paumgartneri cliens deditissimus.
Er wird auch von Z a s i u s (bei Riegger Zasii epistolae S. 434) als Er-
zieher der Söhne Paumgartners erwähnt und ist identisch mit jenem
Franziskus Rupilius, der mit Erasmus und Nausea in brieflichem Verkehr
stand. Da Rupilius nur eine Latinisierung des Namens „Rothut“ ist,
so ist wahrscheinlich der o. S. 81 genannte Pfleger von Hohenschwangau,
Sigmund Rothut, ein Verwandter von ihm.

3)	Dem Alciatus sandte Paumgartner die Ausgabe der Pandekten
des Haloander nach Bourges zum Geschenk, ca. 1530 (Stintzing:
        <pb n="109" />
        ﻿102

Ungarn, der Regentin der Niederlande1). Später war er im
väterlichen Geschäft tätig, starb aber schon 1542 oder 1543.
Seine Ehe mit Anna von Stadion war kinderlos geblieben. Der
zweitgeborene Sohn Johann Georg war geboren um 1515.
Ihn nahm im Herbst 1531 Viglius von Zwichem bei seiner Durch-
reise durch Augsburg nach Padua mit und war dort in der
Jurisprudenz sein Lehrer2). Johann Georg kam dann an den
Hof Ferdinands, wurde dessen Rat3) und trat auch zu Ge-
lehrten in Beziehung. Er schrieb im Aufträge seines Vaters
mehrmals an Erasmus und wurde im Jahre 1544 von Cochläus
mit der Widmung seiner „Vita Theoderici“ geehrt4). Seine
späteren Lebensschicksale müssen uns weiter unten noch aus-
führlicher beschäftigen. Hans Paumgartners dritter Sohn
Anton bereitete seinen Eltern durch seine Lebensführung schwere
Sorgen. Er vertrat das väterliche Geschäft eine Zeitlang in
Venedig. Der jüngste Sohn David endlich (geboren 1521)
weilte im Jahre 1533 noch zu Hause unter der Obhut des
Paumgartnerschen Hauslehrers Franz Rupilius. Im Jahre 1537
vertraute ihn dann sein Vater in Padua der Erziehung des aus Oet-
tingen im Ries gebürtigen Johannes Muschler an, der in Padua zur
Erweiterung seiner juristischen Kenntnisse sich auf hielt und
daneben als Erzieher von jungen Adeligen tätig war. Die
Erziehungsmethode Muschlers, der offenbar gegen die Ver-
abredung ausser David Paumgartner noch andere junge Leute
bei sich aufnahm, konnte jedoch Hans Paumgartner nicht
befriedigen, und er nahm deshalb seinen Sohn aus Muschlers
Schule5). Wir haben oben bereits erwähnt, wie David Paum-

Ulrich Zasius S. 293), dem Viglius v. Zwichem verehrte er einen kost-
baren Ring (Hoynck v. Papenbrecht: Analecta Belgica I S. 81).

1)	Brief des Erasmus an Vergara III 1480 F.

2)	Viglius v. Zwichem erzählt in seiner Selbstbiographie (Hoynck
v. Papenbrecht: Analecta Belgica I S. 10 § 20), dass er im Herbst
1531 in Augsburg weilte. Täglich war er bei den Fuggern und bei Paum-
gartner eingeladen und wurde mit Münzen, goldenen Ketten und Ringen
reich beschenkt. Vgl. auch Hoynck v. Papenbrecht I S. 81.

3)	Familienkodex fol. 57 a.

*) Vita Theoderici regis quondam Ostrogothorum et Italiae autore
Joanne Cochlaeo. Ingolstadt 1544. Die Widmung trägt das Datum:
Ex civitate Eystetensi, Quarto Nonas Junii 1544. Vgl. K. Schotten-
loher: Jacob Ziegler aus Landau in der Pfalz. Münster 1910 S. 352.

5) Dies gab Muschler Anlass zur Abfassung einer dem Anton
Fugger und seinem Neffen Johann Jacob Fugger gewidmeten Recht-

9r

%

•f*
        <pb n="110" />
        ﻿103

gartner sich dann an der Seite seines Vaters auf dem Gebiet
der Politik versuchte. Seine späteren Lebensschicksale und
sein unrühmliches Ende wird uns bald näher beschäftigen.

So sehr diese Erziehungsgrundsätze Hans Paumgartners
den Beifall des Erasmus fanden, so waren sie doch nicht dazu
angetan, die Söhne für den kaufmännischen Beruf tüchtig
zu machen. Es war eine weltmännische und höfische Erziehung,
die die jungen Paumgartner genossen, durchaus nicht passend
für den Ernst, den die Handelstätigkeit erforderte. Das Leben
an den Höfen der Fürsten und die Pflege der durch die Standes-
erhöhung herbeigeführten Beziehungen zum Adel erschien
bald wichtiger und verlockender als die Beschäftigung mit den
Fragen des Geld- und Warenhandels. Auch in den Städten
war an Stelle der berechtigten Lebensfreude, wie sie noch das
Augsburg Maximilians I. zeigte, allmählich Ueppigkeit und
Raffinement im Lebensgenuss getreten. Die jungen Patriziers-
söhne, die in dieser Luft heranwuchsen, kosteten dieses Leben
reichlich aus. ' Die Chroniken und Ratsbücher erzählen von
manchem tollen Streich dieser „goldenen Jugend“, wobei die
Grenzen des noch Erlaubten nicht immer eingehalten wurden.

Mit am tiefsten scheint der schon genannte Anton Paum-
gartner (geb. c. 1518) in den Strudel des grossstädtischen Genuss-
lebens eingetaucht zu sein. Er führte in Augsburg und Venedig,
wo er um 1533 weilte1), ein recht lockeres Leben und gab das
Geld mit vollen Händen aus. Er wurde dann von seinem Vater
mit Regina Honold, einer reichen Augsburger Kaufmanns-
tochter, verheiratet (Februar 1540)2). Die Ehe hielt ihn jedoch
nicht ab, sein ausschweifendes Leben fortzusetzen, und er trieb
es dabei so stark, dass ihn seine Gattin im Juli 1543 verliess3).

fertigungsschrift: En tandem libellus, ex captivitatis tenebris . . . re-
vocatus. Venetiis anno 1538. Das Exemplar der Hof- u. Staatsbibliothek
(Jur. isag. 133 m) enthält auf einigen Seiten Stellen, die durch die
venezianische Zensur unleserlich gemacht wurden. Eine Biographie
Muschlers findet sich in: Beiträge zur Oettingischen Geschichte,
1. Teil (1772) S. 182 ff.

*) Brief des Erasmus an Vergara: Tertius (filius) Antonius agit
Venetiae velut in theatro totius Italiae splendidissimo, variis linguis
expeditus et omni morum elegantia perpolitus ad' unguem.

2)	Warnecke: Hochzeitsbuch S. 42.

3)	Nach der sogleich zu erwähnenden Verzichturkunde Antons
(Geh. Staatsarchiv K blau 382/6).
        <pb n="111" />
        ﻿104

Hans Paumgartner, dem diese Lebensführung seines Sohnes
besonders auch im Gedanken an die Zukunft seines Geschlechts
schwere Sorgen bereitete, sah sich schliesslich veranlasst,
den ungeratenen Sprössling vom Genuss des Fideikommisses
auszuschliessen. Er tat dies in einem Testament vom 17. Juni
15431). Nachdem er in demselben das Familienstatut bestätigt
und nochmals seiner Gattin, wie bereits im Jahre 1535, ihren
Witwensitz gesichert hatte, setzte er als Erben seiner Güter
die beiden Söhne Hans Georg und David ein. Er fährt dann
fort, dass er auch noch einen dritten Sohn Anton habe, „aber
so hat sich doch desselbigen unseres Sohns Antonien halben
und von ihme in etlich mer weg zugetragen, dass wir aus väter-
licher und mütterlicher Bekümmernus und Betrübnus hierin
austrucklich anzeigen, dardurch wir verursacht ihme unserm
Sohn auch seinen ehelichen Söhnen etwas unterschiedliches
verordnen zu müssen, neben anderem auch darum, dass ich
Hans Paumgartner von Paumgarten begere, dass alle meine
gelegenheit, wesen, vermögen in geheim und eingezogen, auch
guter Ordnung bleiben und meines gefallens erhalten werden“.
Es werden ihm dann 74 000 fl zugesprochen, von denen jedoch
20 000 fl, die er bei seiner Verheiratung erhalten, und von
denen er bereits 10 000 fl verbraucht hat, abgezogen wurden.
Obwohl er ausser diesen 10 000 fl noch weitere 6000 einge-
nommen, die er vertan und verbraucht hat, soll ihm doch
dafür nichts abgezogen werden. Solange der Vater lebte, sollte
er in Abschlag des ihm noch zustehenden Erbteils die Nutz-
niessung der Güter Konzenberg und Glettweng haben. Nach
dem Tode des Vaters sollten Hans Georg und David ihrem
Bruder sein Erbteil hinauszahlen und dieser die genannten
Güter zurückgeben. Von der Familienerbfolge wurde er so-
lange samt seinen Nachkommen ausgeschlossen, als noch
Nachkommen Hans Georgs und Davids lebten. Karl V. be-
stätigte dieses Testament, und Anton musste am 30. Januar 1544
vor dem Landrichter des Bischofs von Augsburg auf allen Anteil
an den Gütern, auch auf Konzenberg und Glettweng, verzichten,

*) Dieses letzte endgültige Testament Hans Paumgartners ist
erhalten im Geh. Staatsarchiv K blau 382/3. Die Lebensführung Antons
führte Hans Paumgartner dazu, ein früher errichtetes Testament vom
5. Mai 1535 durch dieses neue zu ersetzen.
        <pb n="112" />
        ﻿105

wofür ihm ein jährliches Leibgeding von 1800 fl zugestanden
wurde1).

Mit kraftvoller Hand beseitigte hier Hans Paumgartner
die Gefahr, die dem Besitzstand seiner Familie durch die
Verschwendungssucht seines Sohnes drohte. Er war nicht
gewillt, die glanzvolle Stellung, die er seinem Hause erworben,
so rasch wieder einer ungewissen Zukunft preisgegeben zu
sehen. Und glanzvoll fürwahr war Hans Paumgartners Lebens-
stellung, wenn wir zum Schluss nochmals auf das von ihm
Geleistete zurückblicken. In aller Welt war der Name dieses
mächtigen Kaufherrn bekannt, mit dessen Geld die Habsburger
ihre Kriege führten, und der den Metallhandel Tirols mit seinem
Kapital beherrschte. Als Freiherr und Rat Karls V. spielte
er in der Politik eine bedeutsame Rolle und war der Gönner
der angesehensten Gelehrten Europas. Das Stammhaus in
Augsburg und die Schlösser in Hohenschwangau sahen Tage
festlichen Glanzes. Gelehrte, Künstler und Staatsmänner
gingen hier ein und aus in den Gemächern, die mit kostbaren
Teppichen des Orients, Gold- und Silbergerät und den Kunst-
werken zeitgenössischer Maler geschmückt waren2). Bis in
seine letzten Tage war der Besitzer all dieser Herrlichkeiten

1)	Diese Verzichturkunde ist ebenfalls im Geh. Staatsarchiv
erhalten, K blau 382/6. Ueber Antons spätere Lebensschicksale lässt
sich nicht viel sagen. Dass er auch fernerhin in leichtlebigen Kreisen
verkehrte und an deren Treiben seine Freude hatte, dafür ist ein Beweis
sein Umgang mit dem Schwankdichter Michael Lindener, der ihm sein
„mit Recht übel berufenes“ Rastbüchlein widmete, eine Sammlung
von lockeren Schwänken in der Art des Boccaccio. (1. Ausg. 1558; eine
jüngere Ausgabe des seltenen Büchleins vom Jahre 1568 besitzt die
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek München. Ein Neudruck liegt vor
im 163. Bd. der Bibliothek des Literar. Vereins Stuttgart (1884). Ueber
Lindener vgl. den Artikel Erich Schmidts in der Allg. deutschen
Biogr. Bd. 18 S. 693 ff. Trotz alledem hielt Anton Paumgartner sein
Vermögen besser zusammen als seine beiden Brüder. Bei dem Ver-
mögenszusammenbruch der letzteren fiel ihm sogar noch die Herrschaft
Baumgarten zu, die er als Gläubiger und in Abschlag seines Leibgedings
beanspruchte. Er lebte in ziemlichem Wohlstand in Augsburg und auf
seinen Besitzungen bis zum Jahre 1583 (Augsbg. Steuerbücher).

2)	In dem gleich zu erwähnenden Teilbrief trifft Hans Paumg.
besondere Verfügung über ein mehrteiliges Silbergeschirr, „Schüsseln,.
Teller, Salzfass, Tischplatt und dergleichen, so zusammengehörig, wie
ichs aus dem Niderland hab mit pringen lassen“.
        <pb n="113" />
        ﻿mit dem Gedanken beschäftigt, wie er sie am sichersten seiner
Familie erhalte.

Eine schwere Krankheit lähmte im Herbst des Jahres 1549
Hans Paumgartners rastlosen Tätigkeitstrieb. Er konnte auf
seinem Besitztum in Schwabmünchen, bereits ans Bett ge-
fesselt, noch die letzten notariellen Verfügungen treffen und
am 27. August in einem „Teilbrief“ seine Güter und Besitzungen
zwischen seinen beiden Söhnen Hans Georg und David teilen1).
Am 2. September garantierte er seiner Gattin nochmals ihre
Rechte und hielt zugleich die getroffenen Verfügungen wegen
Anton aufrecht1). Am 14. September gedenkt die Tiroler Re-
gierung noch seiner Krankheit in einem Schreiben an seine
Söhne, indem sie ihrem Vater baldige Genesung wünscht2).
Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Ende September oder
Anfang Oktober 1549 starb der kaiserliche Rat und Freiherr
von Hohenschwangau im Alter von etwa sechzig Jahren wahr-
scheinlich in Schwabmünchen. Wie er gewünscht, wurde er
in Waltenhofen bestattet, angesichts seiner Schlösser Hohen-
schwangau und Schwanenstein, deren Erwerb ihm einst in
glücklicher Stunde gelungen.

Drittes Kapitel.

Die Zeit des Verfalls.

Hans Georg und David Paumgartner.

Von den Söhnen Hans Paumgartners war Hans, der älteste,
schon zu Lebzeiten des Vaters gestorben, Anton wurde von
dem Fideikommiss gegen eine Leibrente ausgeschlossen. Das
Geschäft und der Grundbesitz gingen daher jetzt auf Hans Georg
und David über, und zwar in der von dem Vater noch vor
seinem Hinscheiden festgesetzten Weise3). Danach sollte

1)	Geh. Staatsarchiv K blau 382/4.

2)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Gemein Massiven (1549) fol. 566.

3)	Diese Teilung nahm Hans Paumgartner kurz vor seinem Tod
vor. In seinem Testament vom Jahre 1543 hatte er sich die Errichtung
        <pb n="114" />
        ﻿io7

Hans Georg Erbbach, Kürnberg und Kenzingen, Haus und
Turm in Schwabmünchen, David Hohenschwangau, Baum-
garten, Konzenberg und Kaltarn erhalten. Das Stammhaus
in Augsburg sollte ihnen gemeinsam gehören. Ebenso sollten
sie — aus praktischen Gründen und Erwägungen — die Berg-
werke auf gemeinsame Rechnung betreiben und Gewinn und
Verlust von beiden zu gleichen Teilen getragen werden. Alle
andere Habe, Barschaft, angelegtes Geld, Schulden, Hausrat,
Silbergeschirr, Edelgestein, Ringe, Kleinodien, Ketten, Kleider
und alles andere sollten die Brüder unter sich teilen. Den Titel
sollte jeder Zweig der Familie ganz führen in der Form: die
von Paumgarten, Herrn zu Hohenschwangau, Erbbach, Kürn-
berg und Kenzingen.

Hans Georg und David Paumgartner, deren Jugend-
entwicklung wir bereits oben besprochen, kamen zunächst dem
letzten Willen ihres Vaters völlig nach. In den letzten Wochen
des Jahres 1549 und zu Anfang des Jahres 1550 erfolgte die
Belehnung der beiden Brüder mit ihren Gütern durch die
Lehensherrn, am 6. November 1549 versammelte David Paum-
gaitner zugleich im Namen seines Bruders die Untertanen der
Herrschaft Hohenschwangau, um von ihnen die Huldigung
entgegenzunehmen1). Aehnlich geschah es auf den andern
Besitzungen. Auch auf die Vermehrung ihrer Güter waren
die beiden Paumgartner bedacht. So kaufte David mehrere
Höfe in der Pfarrei Waltenhofen im Jahre 1557 um 5200 fl
von dem Abt Georg Albrecht des Magnusklosters in Füssen2).
Am 7. Mai 1560 empfingen die Brüder den Markt Thann-
hausen vom Kaiser zu Lehen, nachdem sie denselben von dem
Truchsess Heinrich von Höfingen erworben hatten3). Das Haus
in der Stadt bewohnten sie gemeinsam und zahlten auch die
reiche Steuer von 800 11 fort. David wurde der Nachfolger
seines Vaters im geheimen Rat.

In Tirol wurden die noch von Hans Paumgartner her-

eines solchen Teilbriefs ausdrücklich Vorbehalten. Erhalten ist der-
selbe im Geh. Staatsarchiv K blau 382/4. Da dieser und die andern von
mir benützten Bände keine Paginierung haben, so sind nähere Angaben
über die Seite nicht zu machen.

*) Missiv an Hof (1549).

2)	Steichele: Bistum Augsburg 4 S. 403.

3)	Ebenda Bd. 5 S. 758.
        <pb n="115" />
        ﻿— io8 —

rührenden Geschäfte erledigt und auch neue abgeschlossen.
Am 15. März 1550 begann die Rückzahlung der 8000 fl mit
Silber, die Hans 1546 dargeliehen hatte1). Im Jahre 1552 wurde
den beiden Brüdern, den Fuggern, Haug und Neithart ein
Silbervertrag von 54 545 M eingelöst, an dem sie, wie die
Kammer annimmt, abgesehen vom Interesse, einen Nutzen
von 80 000 fl hatten2).

Indessen scheint das Interesse der Brüder am Metallhandel
nicht sehr lebhaft gewesen zu sein, auch fehlte die beim Kauf-
mann so nötige Ordnung in der Geschäftsführung. Als die
Tiroler Regierung im Jahre 1553 erledigte Silberverträge zurück-
verlangte, mussten die Paumgartner erklären, sie hätten die-
selben verloren „neben anderen mehr ihren brieflichen Ge-
rechtigkeiten“. Es wurde ihnen sodann auf erlegt, Kassations-
briefe auszustellen, in denen sie die Erfüllung der Verträge
bestätigten, da die Regierung „glaubwürdig erfahren hatte,
dass sie einen ansehnlichen Verlust mit mehreren anderen ihren
brieflichen Gerechtigkeiten zu ihrem merklichen Nachteil
genommen haben“. Der Vorfall zeigt, dass Hans Georg und
David Paumgartner für das kaufmännische Geschäft Geschick
und Neigung fehlte3). Dies geht auch daraus hervor, dass sie
bald nach ihres Vaters Tod aus dem Tiroler Bergbau sich zurück-
zogen. Bereits im Jahre 1553 verkauften sie ihre Bergwerks-
anteile an Hans Paul und Hans Heinrich die Herwart4). Damit
lösten sie auch alle Beziehungen zur Tiroler Regierung, mit
der ihr Haus seit mehr als einem halben Jahrhundert in innigster
Geschäftsverbindung gestanden hatte, und zugleich das Band,
das nach ihres Vaters Willen die beiden Brüder zusammen-
gehalten hatte. Sie gaben nun die Geschäfte auf gemeinsame
Rechnung auf und jeder ging seine eigenen Wege. Das Jahr 1555
können wir als den Höhepunkt ihres Lebens bezeichnen. Unter
die Stände des Reiches aufgenommen, haben sie damals dem
Reichstag zu Augsburg beigewohnt und den Reichstagsabschied
— den Augsburger Religionsfrieden — mit unterzeichnet5 6).

1)	Entbieten und Befehl (1550) fol. 36.

2)	Missiv an Hof (1553) fol. 177.

3)	Missiv an Hof (1553) fol. 279; Geschäft von Hof (1554) fol. 100;
Missiv an Hof (1554) fol. 86.

4)	Entbieten und Befehl (1553) fol. 394; Gemein Missiven (1554)

fol. 525.

6) Neue und vollständige Sammlung der Reichsabschiede 4 Teile,
        <pb n="116" />
        ﻿- iog

Die Beschäftigung mit der Politik machte einen grossen Teil
der Tätigkeit der beiden Paumgartner in den folgenden Jahren
aus. Durch die Erziehung, die ihnen zuteil geworden war,
wurden sie ja auch darauf besonders hingewiesen1).

Vor allem David Paumgartner, dessen Schicksale wir nun
zunächst näher ins Auge fassen, wandte sich bald vollständig
der Politik, dem Hofleben und dem Verkehr mit dem Adel zu.
Sein Bürgerrecht in Augsburg gab er auf und lebte auf seinen
Hohenschwangauer Besitzungen. Der jüngste von Hans Paum-
gartners Söhnen, besass er einen ehrgeizigen Charakter und
fühlte sich am wohlsten in der Nähe des Kaisers, wo er am
ersten Gelegenheit fand, Einfluss zu gewinnen. Er setzte die
schon von seinem Vater betriebene Politik — Unterwerfung
der schwäbischen Reichsstädte unter Karl V. — fort und be-
teiligte sich lebhaft an den Verfassungsänderungen, die dort
der Schmalkaldische Krieg zur Folge hatte. So setzte er im
Oktober 1551 zusammen mit Heinrich Hasse in Kaufbeuren
an die Stelle des Zunftregiments eine aristokratische Ver-
fassung2). Im Jahre 1553 verwendete ihn dann Karl V. als
Vermittler bei seinen Bemühungen, Schertlin von Burtenbach,
der in französische Dienste getreten war, wieder zu versöhnen.
Paumgartners Mission hatte Erfolg, und Schertlin kehrte nach
Deutschland zurück, wo er in alle seine Güter wieder eingesetzt
wurde (Juni I553)3)- Durch solche glücklich durchgeführte
Aufgaben erwarb sich David Paumgartner die Gunst des
Kaisers und Königs im höchsten Masse. Im Jahre 1558 nennt
ihn der venezianische Gesandte Mocenigo eine Persönlichkeit
von so grossem Einfluss, wie ihn die Fugger nicht besitzen.
Auch in Geldangelegenheiten wurde er noch benützt. Im
Jahre 1555 beliefen sich die Schulden, die die Habsburger noch
bei ihm hatten, auf 38 200 fl4).

Frankf. a. M. 1747.	3. Teil S. 42 (Abschied vom 25. September 1555).

Ebenso steht ihr Name unter dem Reichstagsabschied zu Regensburg
vom 16. März 1557 (ebenda S. 152).

x) David war auch Inhaber des Erbmarschallamtes des Bistums
Augsburg.

2)	Steichele: Bistum Augsburg, Bd. 6 S. 3x1, und die S. 310
Anm. 179 angegebene Literatur.

3)	Ottmar F. H. Schönhut: Leben u. Thaten des . . . Se-
bastian Schertlin v. Burtenbach. Münster 1858 S. 105.

*) Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen Bd. 22 S. 97.
        <pb n="117" />
        ﻿HO

Das ständige Leben am Hofe war für einen Mann von
David Paumgartners Charakter sehr gefährlich. Er war nicht
stark genug, den tausendfachen Verlockungen und Versuchungen^
die hier an ihn herantraten, zu widerstehen. Rasch verschlang
das üppige Leben Paumgartners Vermögen, zumal sich auch
mancher geldbedürftige Adelige an ihn heranmachte und sich
seiner als Geldgeber bediente. Bald sah sich der Freiherr von
Hohenschwangau selbst genötigt, Geld aufzunehmen. Er
wandte sich an seinen Bruder Hans Georg, der im Jahre 1559
für ihn bei einer Reihe Augsburger Kaufleute Geld aufbrachte
und sich dafür verbürgte. Das Anlehen erreichte eine Höhe
von 129 000 fl. Unter den Gläubigern befand sich Sebastian
Schertlin mit 10 000 fl, Wolfgang Paller und Anton Rehlinger
mit 9000 fl, Christoph Rehlinger mit 6000 fl, Georg von Stetten
mit 4000 fl usw.1).

Wir dürfen jedoch David Paumgartners Geldnot nicht
allein seiner Verschwendungssucht und seinen Charakter-
eigenschaften zuschreiben. Gerade um die Mitte des 16. Jahr-
hunderts rief die veränderte politische Lage auf dem Welt-
markt Krisen hervor, die bald die ganze Augsburger Finanzwelt
in starke Mitleidenschaft zogen. Die auf unsicherer Basis
ruhende Finanzwirtschaft Karl V. und Franz I. rächte sich
gleich zu Anfang der Regierung ihrer Nachfolger Philipp II.
und Heinrich II. Im Jahre 1557 geriet Spanien in Zahlungs-
schwierigkeiten, kurz darauf auch Frankreich. In den Nieder-
landen riefen die unsichern politischen Verhältnisse eine Ge-
fährdung des Geldverkehrs hervor. Von diesen Finanzkrisen
wurden in erster Linie die oberdeutschen Handelshäuser schwer
betroffen, die in den genannten Ländern ihre Kapitalien ange-
legt hatten. In Augsburg fallierte eine Firma nach der andern.
Hektor Mair zählt in seinem Memorialbuch in den Jahren 1545
bis 1575 nicht weniger als 73 Bankrotte auf, darunter alle die
Kaufleute, die zehn Jahre vorher an der Spitze der europäischen

l)	Für das ff. sind Hauptquelle die fünf im Geh. Staatsarchiv
München erhaltenen Bände: Zu der Paumgartnerischen Rechtsache
gehörig K blau 382/3—382/7. Wie schon erwähnt, sind die einzelnen
Bände ohne Paginierung. Der 1. Bd. enthält die schon besprochenen
Testamente Hans Paumgartners und seiner Gemahlin Regina Fugger
v. Jahre 1535 u. 1543. — Die Notariatsurkunde, in der sich Hans Georg
für seinen Bruder verschrieb, steht K blau 382/6.
        <pb n="118" />
        ﻿III

Handelswelt genannt wurden1). Wenn wir an die weitläufigen
Unternehmungen der Paumgartner, besonders auch ihre Be-
ziehungen zu Frankreich denken, wird es uns nicht zweifelhaft
sein, dass auch David Paumgartner durch diese Krisis berührt
wurde. Im Jahre 1561 wird die schwierige finanzielle Stellung
der Fugger und Paumgartner auch ausdrücklich erwähnt
gelegentlich von Geldaufnahmen, die der König von Spanien
in Augsburg bewerkstelligen wollte. „Aber dieweil die zwey
Geschlechter Fugger und Baumgartner izo mit sich genug zu
tun haben, dan inen ain gewaltige Summa Gelds abkundigt
ist,“ konnte er nichts ausrichten2). Im nämlichen Jahr 1561
zwang dann seine Geldnot den David Paumgartner zu erneuten
Geldaufnahmen, die zugleich eine Verletzung der von seinem
Vater errichteten Familienstatuten zur Folge hatten. Er lieh
am 24. August 1561 von dem Markgrafen Georg Friedrich von
Brandenburg 120 000 fl und musste dafür seine Eigengüter in
Hohenschwangau und das Amt Kaltarn verpfänden. Als
der Markgraf dem Vertrag gemäss am 20. August 1562
das geliehene Kapital aufkündigte und bis cathedra Petri 1563
die Rückzahlung der ersten Hälfte verlangte, konnte David
diese nicht leisten. Auch an dem neuen Termin (cathedra
Petri 1565), zu dem sich dann Georg Friedrich auf Bitten des
Herzogs Christof von Württemberg verstand, war Paum-
gartner zahlungsunfähig3). Der Markgraf Georg Friedrich
ergriff hierauf Besitz von der Herrschaft Hohenschwangau.
Im Jahre 1561 musste David Paumgartner auch das Lehen
Hohenschwangau und seine erst kürzlich erworbene Besitzung
Thannhausen verschreiben. Zusammen mit seinem Verwandten
Oswald von Eck4) nahm er damals am 26. Mai 1561 bei Bona-

’) P. Hektor M a i r s Memorialbuch K fol. 357 ff. (im Augsburger
Stadtarchiv). Bekanntlich fallierte damals auch Johann Jakob Fugger

(1563)-

2)	A. Kluckhohn: Briefe Friedrichs d. Frommen, Kurfüisten
von der Pfalz, Braunschweig 1868 S. 211 Anm. 1.

3)	Lori: Geschichte des Lechrains 2. Bd. S. 377. Die Urkunde,
in der David Paumg. Hohenschwangau dem Markgrafen verschreibt,
K blau 382/7 in mehreren Abschriften.

*) Oswald v. Eck, der Sohn des mächtigen Kanzlers Wilhelms IV.
v. Bayern, Leonhard v. Eck, vermochte ebensowenig wie die Paum-
gartner sein Erbe zu verwalten. Er geriet in Schulden u. musste seine
Besitzungen Randeck u. Eisenhofen verpfänden u. verkaufen. Eisen-
        <pb n="119" />
        ﻿112

Ventura Furtenbach* 1) 72 600 fl auf und im Jahre 1563 noch-
mals 35 554 fl2). Hans Georg Paumgartner protestierte gegen
diese eigenmächtigen Verpfändungen von Familiengütern, hatte
damit aber keinen Erfolg. Davids schlimme wirtschaftliche
Lage wurde im Jahre 1563 allgemein bekannt. „Es soll auch
Herr Davidt Paumgartner zu Paumgarten und Hohenschwangau
verdorben und ob 300 000 gülden schuldig sein,“ schrieb der
schon genannte Hektor Mair im Junii 563 in sein Memorialbuch2).
Beschleunigt wurde Paumgartneis wirtschaftlicher Zusammen-
bruch durch den Riesenbankrott Jacob Herbrots, der Paum-
gartner mit ins Verderben riss. David Paumgartner war Her-
brots Hauptgläubiger und hatte von ihm 85 630 fl 39 kr zu
fordern. Welcher Art die Geschäfte waren, die den Freiherrn
von Hohenschwangau mit dem Augsburger Spekulanten und
Grosskaufmann Herbrot zusammengeführt hatten, lässt sich
nicht näher angeben3). Herbrots Konkurs hatte auch den
Zusammenbruch Oswald von Ecks zur Folge, der in die Hände
dieses Wucherers gefallen war. Ihm schuldete Herbrot 62 081 fl4).
Oswald von Eck seinerseits war mit 119 899 fl 43 kr Gläubiger
David Paumgartners5 6). Bei diesen engen gegenseitigen Be-
ziehungen Herbrots, Paumgartners und Ecks riss einer den
andern mit ins Verderben. Paumgartners Passiven betrugen
gegen 600 000 fl. Ausser den schon genannten Gläubigern

hofen kam an die Furtenbach, die sich fortan Furtenbach v. Reichen-
schwand u. Eisenhofen nannten. Ueber Eck, dessen Mutter, wie David
Paumgartners Gemahlin, aus dem Geschlecht der Freiberge v. Eisenberg
stammte, vgl. u. a. Th. Wiedemann: Johann Turmair, genannt
Aventin, 1858. S. 72 ff. Zu Ecks Bankrott vgl. auch Cgm 2235.

1)	Ueber die Furtenbach siehe Kneschke: Neues allgem.
Adelslexikon Bd. 3 S. 412.

2)	Augsburger Stadtarchiv.

3)	In dem obengenannten Cgm 2235, in dem Herbrot und Paum-
gartner öfter im Zusammenhang mit Oswald v. Ecks Konkurs genannt
werden, spielen Edelsteine eine gewisse Rolle, die Eck bei Jacob Her-
brot verpfändete, und die der letztere dann wieder an Frankfurter
Juden verkaufte. Herbrot hatte für die Edelsteine, die gegen 26 250 fl
wert waren, ein Anlehen von 16000 fl gemacht. Auch im Herbrot-
Selekt des Augsburger Stadtarchivs (4) ist von Kleinodien die Rede, die
Herbrot von Eck empfangen hatte.

4)	Herbrot-Selekt 4. Herbrot fallierte mit einer Schuldsumme

von 566 687 fl.

6) Cgm 2235.
        <pb n="120" />
        ﻿— 1X3 —

Markgraf Georg Friedrich, Bonaventura Furtenbach und Hans
Georg Paumgartner sind noch zu nennen: Johann von der Leyen,
trierischer Amtmann, mit 50 000 fl, Lazarus Schwendi mit

15	000 fl, Lazarus Tuchers Erben 33 000 fl, Langenmantel mit

16	000 fl und eine Reihe anderer Personen mit kleineren
Summen1). Die Umstände, unter denen diese Gläubiger mit
David Paumgartner in Beziehung traten, Hessen sich nicht
mehr im einzelnen feststellen. Bei dem Ansehen, das Paum-
gartner genoss, und bei seinen vielfachen politischen und
finanziellen Verbindungen muss es ihm leicht gewesen sein,
Kredit zu erlangen.

Sobald nun seine verzweifelte Lage bekannt wurde, suchten
die Gläubiger sich ihrer Gelder zu versichern2). Markgraf Georg
Friedrich nahm, wie schon erwähnt, Hohenschwangau in Besitz,
die Furtenbach Hessen sich mit Hohenschwangau (soweit es
kaiserliches Lehen war) belehnen und bemächtigten sich Thann-
hausens. Die kleineren Gläubiger aber glaubten am ehesten
wieder zu ihrem Gelde zu kommen, wenn sie sich an die Tiroler
Regierung wendeten. Diese erklärte sich bereit, die Forde-
rungen einer Reihe von Gläubigern auf sich zu nehmen, wenn
diese zugleich noch Bargeld an die Kammer liehen. In Innsbruck
benützte man nämlich jetzt die günstige Gelegenheit, wieder
in den Besitz von Herrschaften zu gelangen, die einst an die
Paumgartner verpfändet worden waren. So konnten durch
Uebernahme Paumgartnerscher Schulden einige dieser Be-
sitzungen abgelöst werden3). Vor allem aber stach der Tiroler
Regierung Hohenschwangau in die Augen. Diese „grosse weite
und lustige Herrschaft“ an der Landesgrenze war jetzt Gegen-
stand der eifrigsten Bemühungen der Tiroler Räte, um sie in
Habsburgischen Besitz zu bringen. Wiederholte Verhandlungen
wurden in den Jahren 1565—1567 mit dem Markgrafen ge-
pflogen. Aber für das schön gelegene Besitztum interessierte
sich auch ein anderer Fürst, an dessen Gebiet dasselbe grenzte —

1)	Geh. Staatsarchiv K blau 382/7. Davids Bruder Anton erscheint
in dieser Tabelle mit einem Guthaben von 36 000 fl. Er erhielt dafür
die Herrschaft Baumgarten.

2)	Briefwechsel der Gebrüder Blaurer III S. 773 schreibt Ambr.
Blaurer an Heinr. Bullinger Ende Juni 1563, dass David mit 600000 fl
fallierte.

3)	Die Tirolische Regierung übernahm ca. 37 000 fl Paumgartner-
scher Schulden von den Gläubigern. (Missiv an Hof [1563]) fol. 839.

8
        <pb n="121" />
        ﻿— ii4 —

Herzog Albrecht V. von Bayern1). Die Regierung in Innsbruck
machte vergebliche Anstrengungen, den Uebergang Hohen-
schwangaus an den Wittelbacher zu verhindern. Am 14. Juli
1567 trat Markgraf Georg Friedrich zu Ansbach nach längeren
Verhandlungen mit den bayerischen Räten alle seine Rechte
an Hohenschwangau, soweit es einst dem David Paumgartner
zu eigen gehört hatte, um 69 000 fl an Albrecht V. ab2). Zwei
Jahre zuvor hatte der Herzog von Bayern auch den Furtenbach
ihre Ansprüche, die sie auf das Lehen Hohenschwangau hatten,
abgekauft3). So ging diese prächtige Herrschaft, die Hans
Paumgartner einst im Jahre 1535 mit so grossen Anstrengungen
erworben hatte, nach nur 3ojährigem Besitz aus den Händen
seines Sohnes in den Besitz der Wittelsbacher über. Sie hatten
zwar diese auf rechtmässigem Wege erworbene Herrschaft noch
Jahrzehnte hindurch gegen die Ansprüche der Paumgartner-
schen Erben zu verteidigen, aber die deshalb am kaiserlichen
Kammergericht geführten Prozesse änderten an der Sachlage
nichts mehr. Hohenschwangau blieb seit 1567 im Besitz der
Wittelsbacher.

Von all seinen Gütern blieb David Paumgartner nichts
mehr als Konzenberg, das seine Gattin Ursula von Freiberg zur
Nutzniessung erhielt. Er selbst irrte nach dem Zusammenbruch
seiner Vermögensverhältnisse ruhelos umher. Sein ehrgeiziges
Wesen liess ihn den Wechsel des Glückes nicht mit Fassung
ertragen. Er fasste den abenteuerlichen Gedanken, einen
Versuch zur Wiederherstellung seines früheren Ansehens zu
wagen4). Bereits im Jahre 1561 hatte er Beziehungen zu dem
fränkischen Ritter Wilhelm von Grumbach angeknüpft und
diesem am 8. Dezember 1000 Kronen geliehen5 6). Grumbach

*) Vgl. dazu Sigm. Riezler: Geschichte Bayerns IV S. 474 ff.
Albrecht V. suchte Hohenschwangau auch deshalb in seinen Besitz
zu bringen, weil es öfter zu Grenzstreitigkeiten (bes. 1553, 1561) mit
den Inhabern der Herrschaft gekommen war.

2)	Lori II 377 ist dieser Kaufbrief gedruckt.

3)	Urkunde bei Aettenkhover (Jos. Ant.): Kurzgefasste
Geschichte der Herzoge v. Bayern, Regensburg 1767 S. 450 ff. Auch
Thannhausen ging dann in den Besitz Albrechts V. über (vgl. Steichele
Bd. 5 S. 758).

4)	Das Hauptwerk für die Geschichte der Grumbachschen Händel

ist: Friedrich Ortloff: Geschichte der Grumbachschen Händel
4 Tie., Jena 1868 ff.

6) Ortloff I S. 236.
        <pb n="122" />
        ﻿hoffte, von dem als reich bekannten Paumgartner noch grössere
Summen für seine Zwecke erlangen zu können. Aber die dies-
bezüglichen Verhandlungen zerschlugen sich, da Paumgartner
als Geldgeber bald nicht mehr in Betracht kommen konnte1).
Dafür suchte man ihn für die Zwecke der Adelsverschwörung
in anderer Weise dienstbar zu machen. Er blieb während der
Jahre 1562 bis 1564 in Korrespondenz mit Grumbach und dem
Herzog Johann Friedrich von Sachsen und machte diesem
wiederholt Mitteilung über seine alchemistischen Versuche.
In seiner Verzweiflung hatte sich nämlich der Sohn jenes Mannes,
der einst aus den Bergwerken Tirols Tausende von Mark Silbern
geholt hatte, der Goldmacherkunst in die Arme geworfen. In
einem Schreiben vom 23. Oktober 1564 klagte er über seine
drückenden Schulden und die Versuche des Markgrafen von
Brandenburg, Hohenschwangau an Bayern zu verkaufen2).
Er bat dann den Herzog von Sachsen, sich für ihn beim Mark-
grafen zu verwenden und ihm zu raten, wohin er sich wenden
solle, „wenn er sich eine Zeit abwegs tun wolle“. Was letzteren
Punkt betrifft, so hatte Grumbach für ihn bereits einen Auftrag:
er sollte an den Hof des Kaisers sich begeben und diesen ins-
geheim in die Bestrebungen des fränkischen Ritters einweihen.
Paumgartner begab sich hierauf Ende April 1565 in die Nähe
Grumbachs und übernahm die Mission nach Wien3). Vom
Mai 1565 bis März 1566 weilte er am Kaiserhofe, wo er zugleich
auch eigene Angelegenheiten, die seinen Gantprozess betrafen,
erledigte. Nach seiner Rückkehr von Wien, wo er natürlich in
der Grumbachschen Sache nichts ausrichtete, blieb er in der
Nähe des aufständischen Ritters und wurde wie dieser in die
Reichsacht erklärt. Rasch folgten sich nun die Ereignisse
und das Verhängnis brach über die Häupter Grumbachs und
seiner Anhänger herein. Die Stadt Gotha, in der sich an Herzog
Johann Friedrichs von Sachsen Seite die Aufrührer verschanzt
hatten, wurde von Kurfürst August von Sachsen als dem Voll-
strecker der Acht belagert (24. Dezember 1566). Die Festung
Grimmenstein wurde erstürmt und Grumbach mit seinem
Anhang, darunter auch David Paumgartner, gefangen ge-
nommen. Man erzählte sich, dass der letztere beim Abzug des

*) Ortloff I S. 241 ff.
a) Ebenda II S. 331.

3)	Ebenda II S. 332 ff.

8*
        <pb n="123" />
        ﻿n6

Kriegsvolkes hätte mit entkommen können, wenn es ihm
sein Stolz zugelassen hätte, in einfacher Tracht zu fliehen1).
So aber mischte er sich auf stolzem Ross in stattlicher Rüstung
unter die Abziehenden, wurde von dem Grafen Günther von
Schwarzburg erkannt und mit Gewalt zurückgehalten. Als
ein Anhänger des geächteten Wilhelm von Grumbach, in dessen
aufrührerische Praktiken er sich eingelassen, hatte er seinen
Leib, Leben, Lehen und Güter verwirkt und war einer harten
Strafe verfallen2). Aus Gnaden sollte diese gemildert und er
mit dem Schwerte hingerichtet werden. Am 18. April 1567
wurde das Urteil vollzogen, und David Paumgartner, der
„herrlich gekleidet war, als keiner unter ihnen“, enthauptet3).
In der Augustinerkirche zu Gotha wurde er begraben. Auf so
tragische Weise endete der Freiherr von Hohenschwangau sein
Leben. In seiner Verzweiflung über den Zusammenbruch
seines Vermögens hatte er sich unbesonnenerweise an die
Adelsverschwörung angeschlossen, in der Hoffnung, bei deren
Gelingen wieder zu seinen Gütern zu kommen, die er in die
Hände von Fürsten hatte übergeben müssen.

In den Tagen, da David Paumgartner ein so unseliges
Ende fand, lag sein Bruder Johann Georg zu Augsburg in
Schuldhaft. Dieser war, soviel sich erkennen lässt, noch der
geratenste von Hans Paumgartners Söhnen. Er war in Augsburg
geblieben und hatte dort wahrscheinlich seine kaufmännische
Tätigkeit fortgesetzt. Der Bankrott Davids riss ihn dann mit
ins Verderben. Er hatte sich für diesen, wie erwähnt, ver-
schrieben und wurde im Jahre 1563 von Davids Gläubigern

1)	Ortloff III S. 133 Anm. 1. Dasselbe berichtet auch ein im
Augsburger Stadtarchiv (Litteraliensammlung 13. April 1567) erhaltenes
Schreiben, das, von unbekannter Hand an Herzog Albrecht v. Bayern
gerichtet, die Uebergabe Gothas u. den Auszug des Kriegsvolks schildert:
Wie das Kriegsvolk hinauszogen, hat sich David Baumgartner, so der
letzt bey seynem herrn gestanden auch unter in mit hinaus dräen wellen,
des ist Graf Günther von Schwarzburg innen worden, ine mit der pixen
übel zum khopff griesst, das ross under ime weckfuren und ine in die
stadt fueren und in die eisen schlagen lassen da liget er noch, soll auch
zu ime gesagt haben, die kriegsleuth seindt nur gefreit, du bist khain
kriegsmann, sonndern ain knapsackh. Also sein gefangen Grumbach,
Wilhelm vom Stain . . . und Davidt Baumgartner, dem es meniglich
wol gönnet, sowol als den andern . . .

2)	Das Urteil gedruckt bei Ortloff III S. 543.

3)	Schilderung der Hinrichtung ebenda S. 158.
        <pb n="124" />
        ﻿II?

zur Rückzahlung der Gelder auf gef ordert. Obwohl selbst ver-
mögend, konnte oder wollte er für des Bruders Schulden, den
sein „Uebelhausen und Prodigalität“ ins Verderben gebracht
hatte, nicht aufkommen. Als er seinen Verpflichtungen nicht
nachkam, reichten die Augsburger Bürger, die Geld zu fordern
hatten, Klage beim Rat ein. Aber dieser konnte nichts aus-
richten, da Paumgartner sich auf seinen Landgütern aufhielt
und sich hütete, in die Stadt zu kommen. Als er dann am
5. März 1565 doch die Stadt betrat, um der Hochzeit der
Sidonia Isabella Fugger beizuwohnen, wurde er auf Befehl des
Rates verhaftet1). Zunächst hielt man ihn fünf Monate in
seinem eigenen Haus in der Annastrasse fest, dann wurde er
auf Drängen seiner Gläubiger am 21. August in strengere Haft
genommen und aufs Rathaus geführt2). Seine Schulden beliefen
sich nur auf ca. 80 000 fl3), er weigerte sich aber unter Berufung
auf seines Vaters Testament, seine Güter an Zahlungsstatt
zu geben, ganz im Gegensatz zu David, der einst ohne grosse
Bedenken seine Besitzungen verpfändet hatte. Fast fünf
Jahre lang wurde er in Schuldhaft gehalten, bis er schliesslich
sich mit seinen Gläubigern einigte. Seinem Hauptgläubiger
Sebastian Schertlin von Burtenbach fiel dabei das Paumgart-
nersche Stammhaus in der Annastrasse zu4). Am 3. Mai 1570
konnte Hans Georg Paumgartner sein Gefängnis verlassen —
ein kranker, gebrochener Mann. In dem Haus eines befreun-

‘) Vgl. Gasser: Annales Augstburgenses bei M e n k e n , Script,
rer. germ. I Spalte 1907/08.

2)	Paul Hektor M a i r in seinem Memorialbuch K fol. 246 a bis
247 b erzählt ausführlich von Johann Georgs Schuldhaft.

3)	Diese Summe nennt Gasser a. a. O. Damit stimmt fast
überein eine Tabelle der Gläubiger im Geh. Staatsarchiv K blau 382/7,
wo die Schuldsumme mit 72 500 fl angegeben ist. Unter den genannten
Personen steht Sebastian Schertlin mit 10000 fl an der Spitze.

4)	Vgl. Ottmar F. H. Schönhut: Leben und Thaten des weil,
wohledlen u. gestrengen Herrn Sebastian Schertlin durch ihn selbst
deutsch beschrieben. Münster 1858. S. 157: Doch als ich vertröst bin
worden, verhofft von Ferdinand zu Oesterreiche und den Furtenbach
Münsterhausen und Thainhausen ... zu kauffen, ist der kauff dissmal
hinter sich gangen . . . aber in Augspurg der Paumgartner behausung
umb 10 000 fl an ainer schuld angenomen. Schertlin baute das Haus
dann mit einem Aufwand von 5000 fl um. So wurde das Stammhaus
der Paumgartner in der Annastrasse das Sterbehaus Sebastian Schertlins,
woran eine jetzt dort angebrachte Gedenktafel erinnert.
        <pb n="125" />
        ﻿n8 —

deten Bürgers verbrachte er seine letzten Tage, von der Krank-
heit, die er sich während seiner Haft zugezogen, erholte er sich
nicht mehr. „Herr Hannss Jerg Bangartt im Monat 29. Juni
{1570) nach mittag umb acht Uhr ist er gestorben inn des
Vogels haus und 30. ditto am Sambstag hat man in hinaus
gen Erbbach geführt und alda begraben, also ist er der zeitt-
liche gefencknus erledigt"1).

Mit dem tragischen Ausgang Hans Georgs endigt für uns
die Geschichte der Familie Paumgartner. Wie öfter in der
Handelsgeschichte, hatte die dritte Generation es nicht ver-
standen, die von den Vätern ererbten Güter zu bewahren und
zu mehren. Von dem reichen Grundbesitz Hans Paumgartners
blieb nur Erbbach der Familie noch erhalten. Aber bereits mit
Davids und Hans Georgs Söhnen starb das Augsburger Ge-
schlecht ganz aus.

Fast ein Jahrhundert hindurch haben wir die Schicksale
der Paumgartner von Augsburg verfolgen können. Auf kleine
Anfänge folgte eine Zeit fast fürstlichen Glanzes. Dem raschen
Aufstieg schloss sich dann ein ebenso plötzlicher völliger Verfall
an. Im Laufe unserer Darstellung sind uns eine grosse Reihe
anderer Kaufmannsfamilien neben den Paumgartnern begegnet,
die fast alle das gleiche Schicksal mit ihnen teilten. Die Ge-
schichte unserer Familie wird so typisch für den Gang der
Handelsgeschichte im 16. Jahrhundert überhaupt, die ja im
Grund nichts anderes ist als die Geschichte der grossen Handels-
familien. Wie bei diesen auf einen hohen Aufschwung eine Zeit
des Niedergangs folgt, so bietet auch der deutsche Handel in
der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach einer kurzen Blüte
das Bild eines raschen Verfalls.

*) Sein Grabmal ist heute noch in der Pfarrkirche zu Erbach zu
sehen, wurde aber bei einer Renovation der Kirche zum Teil verbaut.
Das Zitat stammt aus Hektor M a i r s Memorialbuch K fol. 247 b.
        <pb n="126" />
        ﻿
        <pb n="127" />
        ﻿Die bayerischen Baumgartner von Kufstein
und Wasserburg1).

Hans Baumgartner, seit 1462 als Bürger in Kufstein nach-
weisbar2), beteiligte sich damals bereits als Gewerke an der
Silbergewinnung in den aufblühenden Bergwerken zu Ratten-
berg, Kitzbühel und Kufstein, Orte, die damals bekanntlich
noch zu Bayern (und zwar zur Landshuter Linie) gehörten.
Gleichzeitig war Hans Baumgartner auch als Kaufmann tätig,
indem er das gewonnene Metall in Venedig und andern Handels-
plätzen auf den Markt brachte. Einige Urkunden zeigen, dass
er im Metallhandel sich bald eine Vorzugsstellung zu erringen
wusste. So überliess ihm Herzog Ludwig der Reiche am 12. März
1472 alles Silber, das in den genannten drei Bergwerken gemacht
wurde, auf drei Jahre3). Er allein sollte während dieser Zeit
das Recht zum Silberankauf (die Mark nicht unter 8 fl) haben.
Im Jahre 1474 stand Baumgartner auch als Gewerke an der
Spitze. Er lieferte damals 2132 M 3 Quint Silber in den „Brenn-
gaden“ zu Rattenberg und liess damit den nächstbedeutenden
Gewerken Virgil Hofer, der 1469 M 2 1 3 q ablieferte,
weit hinter sich4). Baumgartner nahm so im bayrischen Berg-

') Es ist nicht beabsichtigt, hier eine vollständige erschöpfende
Geschichte der Baumgartner von Kufstein u. Wasserburg zu geben.
Nur ihr Anteil am Tiroler Metallhandel soll ausführlich geschildert
werden, um zu zeigen, welche Bedeutung ihnen auf diesem Gebiet zu-
kommt, und um der von E h r e n b e r g (a. a. O. I S. 192) aufgestellten
Behauptung entgegenzutreten, dass Hans Paumgartner von Augsburg
eine Zeitlang in Kufstein wohnte, um dem Bergbau näher zu sein.

2)	Das Wappen, das Friedrich III. dem Hans Baumgartner im
Jahre 1466 verlieh (Chmel: Regesta Friderici III. Wien 1840 Reg.
Nr. 4840), stellt zwei sich kreuzende Aeste über einem geflochtenen
Gartenzaun dar.

3)	München, Reichsarchiv: Finanzgegenstände Nr. 37 fol. 193 a.

*) Im Reichsarchiv (Rattenberg Landgericht, Stadt u. Bergwerk

Fasz. 3) hat sich ein Verzeichnis des Silberbrenners Silvester G r e n s i n g
        <pb n="128" />
        ﻿122

•werksbetrieb eine Art Monopolstellung ein, dehnte aber Anfang
der siebziger Jahre seine Tätigkeit auch auf die nahen Tiroler
Bergwerke aus.

Die Zeiten der Blüte und des Verfalls des Bergbaus zu
Schwaz haben uns oben in der Geschichte der Paumgartner
von Augsburg beschäftigt. In seine Anfänge führen uns die
Beziehungen, die Hans Baumgartner von Kufstein zu ihm
hatte, als er der Geldgeber des Erzherzogs Sigismund wurde.
Wie später, so streckte auch damals der Kaufmann dem Fürsten
Bargeld vor und erhielt dafür Silber zur Tilgung der Schuld.
In den ersten Jahren trat Hans Baumgartner zusammen mit
dem schon genannten Rattenberger Gewerken Virgil Hofer1)
auf. So liehen die beiden am 14. Mai 1472 dem Erzherzog 2096 fl,
wofür sie mit Silber bezahlt wurden2). Diese Geschäftsver-
bindung dauerte jedoch nicht lange, da Hofer im Jahre 1474
als Teilhaber Baumgartners verschwindet und fortan nur als
Gewerke im Schwazer Bergbau tätig ist. Dagegen wurden
Baumgartners Beziehungen zu Sigismund immer enger. Im
Jahre 1477 lieh er — wenn wir kleinere Beträge aus den Jahren
1473 bis 1476 übergehen — 8095 fl und wurde damit auf das
Silber der Schwazer Gewerken Füger und Erlacher verwiesen3).
Damals trat mit dem Kufsteiner Kaufmann der Salzburger
Hans Knoll in Konkurrenz, der dann im Jahre 1480 sich mit

erhalten, das angibt, wieviel Silber jeder Gewerke im Jahre 1474 in
den „Brenngaden“ ablieferte. Diesem Verzeichnis sind obige Zahlen
entnommen.

') Virgil Hofer, aus Salzburg stammend, seit ca. 1470 in Ratten-
berg wohnend, wurde bald einer der Hauptgewerken des Schwazer
Bergbaus. Er erwarb dann mehrere Schlösser und Herrschaften in
Bayern, so Holzhausen, Falkenstein und Urfahrn, wonach sich die
verschiedenen Linien benannten. (Vgl. Siebmachers Wappenbuch
VI 1, Abgestorbener bayer. Adel II [1906] S. 76 u. I S. 5, ferner Wiguleus
Hund: Stammenbuch 3. Teil in Freibergs Sammlung historischer
Schriften III, 2 S. 394.) Virgil Hofer starb 1494. Einer seiner Söhne,
Wolfgang, der mit Agnes Lang, einer Nichte des bekannten Kardinals
Matthäus Lang, vermählt war, erwarb 1501 das Schloss Wildenwart
bei Prien u. besass dasselbe bis 1540. Sein Grabstein ist heute noch
in der Pfarrkirche zu Prien zu sehen und deshalb bemerkenswert, weil
auf demselben der Geburtsort seiner Gemahlin angegeben ist: angneess
ein geporene langin aus engalland in der stadt kallis.

2)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Raitbuch (1472) fol. 4.

3)	Ebenda: Raitbuch (1477) fol. 18.
        <pb n="129" />
        ﻿123

Baumgartner zu einer Handelsgesellschaft zusammenschloss.
„Hans Baumgartners von Kufstein Gesellschaft“ beherrschte
von nun an das Tiroler Finanzwesen, bekam fast den ganzen
Silberhandel in ihre Hand und gehörte zu den ständigen Be-
suchern des venezianischen Marktes. Ein eigener Faktor be-
sorgte in Hall und Schwaz die Geschäfte der Firma. Die Jahre
i486 bis 1488 bedeuten den Höhepunkt ihrer Tätigkeit im Silber-
handel. Gegen 100 000 fl lieh die Gesellschaft damals dem
Erzherzog, der mit Venedig im Kriege lag1). Als dann der Friede
geschlossen wurde und an die Republik die Kriegsentschädigung
bezahlt werden sollte, versagte offenbar die Finanzkraft der
Kufsteiner Firma. Sigismund musste sich an die Fugger wenden,
die zusammen mit Antonio von Ross, dem obersten Amtmann
Tirols, 23 627 fl zur Bezahlung an Venedig darliehen. Der
Einzug der Fugger in Tirol bedeutete eine Erschütterung der
Sonderstellung der Baumgartnerschen Gesellschaft. Der Augs-
burger Kaufmann erkannte die Vorteile der auf den Silber-
bergwerken beruhenden Geldgeschäfte und liess sich nicht mehr
verdrängen. Gegen seine bereits fest fundierte Finanzkraft
vermochte aber der Kufsteiner Baumgartner nicht aufzukom-
men. Am 9. Juni 1488 schloss Fugger mit Sigismund einen
grossen Vertrag ab über 150 000 fl und erhielt dafür am 28. August
alles Silber aus der Haller Münze zugesichert, doch sollte er
wöchentlich 200 M an die Gesellschaft Hans Baumgartners
in Kufstein hinauszahlen, bis diese für ihre kurz zuvor gege-
benen Darlehen befriedigt seien. Die Fugger nahmen also die
Forderungen, welche die Kufsteiner Firma an Sigismund hatte,
auf sich, um jene um so sicherer von einer Verbindung mit der
Tiroler Regierung auszuschliessen2). Dieses Ringen um die
Vorherrschaft in Tirol wurde dann völlig zugunsten der Fugger
entschieden durch den im Jahre 1490 ein tretenden Regierungs-
wechsel. Maximilian, der am 16. März 1490 an die Stelle des
unfähigen Sigismund in Tirol trat, begünstigte bei seinen
Finanzgeschäften die Augsburger Kaufleute, gewährte dagegen
den Kufsteinern nur geringen Anteil an denselben, nicht zuletzt

*) Nach den Rait- u. Copialbüchern des Statthaltereiarchivs
Innsbruck.

s) J a n s e n in „Anfänge der Fugger“ hat diese Vorgänge S. 54 ff.
ausführlich geschildert und auch in den Beilagen S. 114 die in Betracht
kommenden Urkunden mitgeteilt.
        <pb n="130" />
        ﻿124

auch deshalb, weil diese bayrische Untertanen waren und man
glaubte, dass die Wittelsbacher einen besonders schlimmen
Einfluss auf den schwachen Sigismund ausgeübt hätten. Und
Baumgartner war ja, wie wir oben erwähnten, auch im Dienste
dieser tätig. Völlig liess sich die Kufsteiner Firma aus dem
einträglichen Metallhandel nicht verdrängen. Wenn sie sich
auch an den Silberverträgen keinen Anteil mehr sichern konnte,
da diese von nun an mit den Fuggern, Gossembrot, Paum-
gartnern und Herwart von Augsburg abgeschlossen wurden,
so suchte sie jetzt den Kupferhandel in ihre Hand zu bekommen.
Die Kupferproduktion war nicht den Beschränkungen unter-
worfen wie die des Silbers, vielmehr erhielten die Gewerken
gegen Bezahlung einer Abgabe an die Regierung das freie Ver-
fügungsrecht über das von ihnen gewonnene Kupfer1). Hatte
also der Landesfürst Kupfer nötig — und Maximilian brauchte
viel für seine Kanonen —, so musste er sich an die Gewerken
wenden und mit diesen einen Kaufvertrag abschliessen, oder
es auf dem Markt kaufen.

Hier griffen nun die Baumgartner von Kufstein ein, indem
sie das Kupfer den Gewerken abnahmen und es auf den Markt
brachten. An der Metallgewinnung waren sie bisher selbst
nicht beteiligt. Nur auf bayrischem Gebiet stand neben dem
Handel auch eine lebhafte Tätigkeit der Firma als Gewerke.
Erst durch die pfandweise Uebernahme der Tiroler Bergwerks-
anteile des tiefverschuldeten Antonio von Ross bekamen sie
auch Anteil am Tiroler Bergbau2). Am 29. Mai 1490 schloss
Maximilian den ersten grossen Kupfervertrag mit Hans Baum-
gartners von Kufstein Gesellschaft ab3). Er kaufte von ihnen

1)	Jansen: Jacob Fugger der Reiche S. 21.

2)	Maximilian begann, sobald er die Regierung in Tirol angetreten
hatte, mit einer gründlichen Reorganisation des Behördenwesens, wobei
auch das Institut des obersten Amtmanns, das zuletzt Antonio v. Ross
innegehabt hatte, beseitigt wurde. Als nun Maximilian mit Ross ab-
rechnete, stellte es sich heraus, dass dieser dem König noch 29 540 fl
und 2460 fl Zins schuldig war. Da Antonio v. Ross nicht imstande war,
die Summe (32 000 fl) zu bezahlen, so schoss Hans Baumgartners v.
Kufstein Gesellschaft diese vor. Als Pfand musste Ross alle seine Berg-
werke verschreiben, die dann, als er fallierte, in den Besitz der Baum-
gartner übergingen. (Nach den Tiroler Copialbüchern. Vgl. auch Sigm.
Adler: Die Organisation der Centralverwaltung unter Maximilian I.
S. 320 u. 343.)

3)	Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Cop. Serie II, 4.
        <pb n="131" />
        ﻿125

500 Meiler (= 5000 Zentner) Kupfer zu Venedig um 32 000 fl.
Die Bezahlung dieser Summe übernahm für Maximilian Ulrich
Fugger, um die Baumgartner nicht wieder in Besitz von Silber
kommen zu lassen. Mit diesen Kupfer vertrügen beginnt die
zweite Periode in der Entwicklung unserer Firma. Im Jahre
1492 schloss der König wieder einen grossen Kauf ab, da man
in den Niederlanden viel Kupfer zum Giessen von Granaten
benötigte. Baumgartner kaufte damals von den Gewerken
30 000 Zentner Schwazer Kupfer (den Zentner zu 4% fl), um
142 500 fl. Maximilian übernahm davon 24 000 Zentner kaufs-
weise von der Kufsteiner Gesellschaft, den Zentner zu 6 y2 fl,
so dass diese also am Zentner 1% fl gewann1). Es würde zu
weit führen, die ganze Reihe der Verträge, die nun in den
folgenden Jahren abgeschlossen wurden, hier aufzuführen. Es
mag der Hinweis genügen, dass alle die monopolartige Stellung
der Baumgartner von Kufstein im Tiroler Kupferhandel zeigen.
Wer Kupfer nötig hatte, der König, die Augsburger Kaufleute,
wie die seit 1496 in Verbindung auftretenden Fugger, Gossem-
brot und Herwart, sie alle kauften von Baumgartners Gesell-
schaft, die allein die Verträge mit den Schmelzern abschloss
und das Kupfer auf den Markt nach Venedig brachte.

Hans Baumgartner, der Gründer und langjährige Leiter des
Geschäfts, wirkte in dieser neuen Tätigkeit nicht mehr lange.
Er starb am 23. August 14932). In Kufstein hatte er dem Rat
angehört und war im Jahre 1476 Bürgermeister gewesen. Er
war mit Elisabeth Soiter vermählt und am 20. Februar 1491
von Friedrich III. geadelt und ihm sein Wappen verbessert
worden4).

*) Jansen: Jacob Fugger d. Reiche S. 22.

2)	Sein Grabmal, ein Werk des bekannten bayrischen Steinmetzen
Wolfgang Leeb, ist an der südlichen Aussenwand der Kufsteiner Pfarr-
kirche heute noch wohlerhalten zu sehen. Es trägt die Umschrift: hie
ligt begraben der edel und vest hanns Bawmgartner zu kuefstain, ist
gestorben an sand Bartholomeus abent do man zelet nach der geburd
Cristi M“CCCC° und in dem LXXXXIII jar. dem got genedig sey
amen. Vgl. Ph. M. H a 1 m: „Wolfgang Leeb“ in: Ztschr. d. Münchener
Altertumsvereins. N. F. Bd. 14/15 (1903/04) S. 20 ff. Hier auch S. 22
eine gute Abbildung des Grabsteins.

4)	C h m e 1: Regesta Friderici III. S. 780. Das neue Wappen,
das gleichzeitig auch seine Wasserburger Vettern erhielten, stellt einen
über Flechtwerk (Gartenzaun) schreitenden Löwen dar. (Abb. z. B.
        <pb n="132" />
        ﻿I2Ö

Nach seinem Tode übernahm Hans Knoll die Leitung der
Firma, die unter dem Namen „weiland Hans Baumgartners von
Kufstein Gesellschaft“ Weiterbestand und in der angegebenen
Weise den Kupferhandel betrieb. Bald machte sich aber auch
hier die Augsburger Konkurrenz geltend, besonders seit sich
die Fugger in Ungarn in den Kupferbergbau eingelassen hatten
und das Metall in Venedig abzusetzen suchten. Iro Silberhandel
bereits allmächtig, suchten sie nun auch im Vertrieb des Kupfers
den lästigen Rivalen loszuwerden. Sie gingen dabei in der
Weise vor, dass sie die Kufsteiner Gesellschaft bestimmten,
ein Kupfersyndikat abzuschliessen. Dies geschah im Jahre 1498.
Der Vertrag ist bei Ehrenberg gedruckt1), der jedoch den Fehler
begeht, unter den dort genannten „Hans Paumgartner, Hans
Knoll und Gesellschaft“ den Augsburger Paumgartner zu ver-
stehen. Schon die Erwähnung des Hans Knoll zeigt, dass nur
die Kufsteiner Firma in Betracht kommen kann. Dadurch
verliert der Vertrag auch seine isolierte Stellung, die er bei
Ehrenberg einnimmt, und erhält seinen Platz in der Reihe der
von uns schon besprochenen Kupferverträge. Trotzdem bleibt
er in anderer Hinsicht interessant als eine Etappe in dem wiit-
schaltlichen Ringen der Fugger mit den Baumgartnern von
Kufstein, das wir jetzt schon seit 1488 verfolgen konnten. Es
konnte kaum zweifelhaft sein, wem hierbei der endliche Sieg
zufallen würde. Bereits im nächsten Jahre (16. März 1499)
trat Jacob Fugger direkt mit den Gewerken in Beziehung und
kaufte von ihnen 150000 Zentner Kupfer2). Die Vermittlung
durch Baumgartners Gesellschaft war also beseitigt. Am näm-
lichen Tag erklärte Maximilian, dass die gleich günstigen Lie-
ferungs- und Beförderungsbedingungen, die „weiland Hans
Baumgartners von Kufstein Gesellschaft“ zustehen, auch
Jacob Fugger gemessen solle. In der Folge schloss jene nur
mehr unbedeutende Verträge mit der Tiroler Regierung ab3).

Mon. Boica Tom. V Anhang Nr. 11 u. auf dem obenerwähnten Grabstein
Hans Baumgartners.)

1)	Bd. I S. 417 ff. u. S. 192.

2)	Cop. Serie II (1499) fol. 12.

3)	Die Gesellschaft erlitt um das Jahr 1500 mehrmals grössere
Verluste. Neben Antonio v. Ross gehörten auch die Stammler in Augs-
burg, die damals fallierten, zu ihren Schuldnern. (Stadtarchiv Augsburg,
Stadtgerichtsbuch 1502 fol. 253, 279.)
        <pb n="133" />
        ﻿127

Die Besorgung der grossen Geldgeschäfte von politischer Be-
deutung war längst an die Augsburger übergegangen, unter
denen seit 1496 auch die Brüder Hans und Franz Paumgartner
her vor treten, wie wir dies oben eingehend schilderten. Die
Kufsteiner Firma aber verwandelte sich immer mehr in ein
Bergwerksunternehmen, während der Handel zurücktrat. Bis
zum Jahre 1503 war Hans Knoll Leiter des Geschäfts, dann
wird 1507 Benedikt Katzböck als Inhaber desselben genannt.
Im Jahre 1510 finden wir den letzten auf die Firma bezüglichen
Eintrag in den Tiroler Kopialbüchern.

Hans Baumgartner von Kufstein hinterliess vier Söhne:
Wolfgang1), Martin, Hans1) und Leonhard, von denen uns be-
sonders noch das Schicksal Martins interessiert, dem auch in der
„Allgemeinen Deutschen Biographie“ ein Artikel gewidmet ist2).
Archivalische Quellen ermöglichen es, noch weitere Nachrichten
über Martin Baumgartners spätere Lebensschicksale mitzuteilen,
über die der genannte Artikel wenig zu berichten weiss.

Martin Baumgartner, geboren im Jahre 1473, war beim
Tode des Vaters 20 Jahre alt. Ueber seine Beteiligung am
väterlichen Geschäft hören wir nichts. Vielmehr hatte er sich
bereits damals den Beruf eines Gewerken erwählt. Er baute
seit 1494 in Rattenberg und begann dann auch zu Schwaz. Im
Jahre des Landshuter Erbfolgekriegs (1504) stand er auf der
Seite Maximilians und brachte auch materielle Opfer bis zum
Betrag von 8000 fl3). Sein Haus am Inn wurde bei der Be-
schiessung Kufsteins geschädigt. Im Jahre 1507/08 unternahm er
eine Pilgerreise nach Palästina, deren Beschreibung gedruckt

b Diese Hans und Wolfgang Baumgartner scheinen identisch
zu sein mit den in Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis
ed. Ernst Friedländer et Karl Malagola Berlin 1887 S. 256 (Zeile 39)

u.	S. 268 (Zeile 33) genannten Personen. Danach wäre Hans im Jahre
1500 in Bologna als Student gestorben u. Wolfgang im Jahre 1507 in
Pavia an der Pest. Letzterer, der sich wohl nicht Studien halber in
Bologna aufhielt, ist wohl identisch mit jenem Juristen Wolfgang B.,
der von 1494 bis 1498 in Ingolstadt Professor war. (Mederei: An-
nales Ingolstadensis Academiae I 46.)

2)	Bd. II S. 160.

3)	Der gleich zu erwähnenden Beschreibung seiner Pilgerreise ins
Heilige Land, hrsg. v. Donauer, ist eine Biographie und Selbst-
biographie Martin Baumgartners beigegeben, der ich diese Daten ent-
nehme. Vgl. auch wegen der Beschädigung seines Hauses Geschäft

v.	Hof (1507) fol. 4.
        <pb n="134" />
        ﻿128

vorliegt1). Nach seiner Rückkehr wurde er von Maximilian mit
dem Rittertitel ausgezeichnet und leistete dem Kaiser ver-
schiedentlich Dienste. So zog er im Jahre 1510 mit in den
Krieg und lernte dabei die Bergwerke in Luenz kennen. Er be-
gann dann dort den Bergbau und steckte in der Hoffnung auf
künftigen Gewinn grosse Summen in seine Bergwerke. Aber
trotz seiner auch von der Tiroler Regierung anerkannten Tüch-
tigkeit und Ausdauer gelang es ihm nicht, die Bergwerke in die
Höhe zu bringen. Er erlebte eine Enttäuschung nach der
andern, so dass er 1509 seine Schwazer Gruben aufgab. Im
Jahre 1511 gewährte ihm die Regierung eine Unterstützung
von 1000 fl, damit er beim Bauen ausharre. Wohl schloss er
dann Lieferverträge mit oberdeutschen Kaufleuten ab auf
Silber und Kupfer, er konnte aber die Termine nicht einhalten2).
Im Jahre 1518 nahm er auch den Bergbau in Schwaz wieder
auf. Gegen 30 000 fl steckte er in seine Betriebe, konnte aber
mit den Augsburger Kautherrn nicht konkurrieren. Er geriet
immer tiefer in Schulden. Seine Hauptgläubiger Jacob Fugger3)
und die Stöckl bedrängten ihn seit 1519 hart und forderten die
Rückzahlung des dargeliehenen Geldes, wofür er ihnen seine
Bergwerke hatte verschreiben müssen. Er wandte sich um
Hilfe an die Regierung und bat um 3000 fl, die für ihn genügen
würden, um sich wieder in bessere Verhältnisse emporarbeiten
zu können. Er scheint jedoch nichts erlangt zu haben, da im
Jahre 1522 Fugger und Stöckl seine Bergwerke in Besitz
nahmen4). Er war diesen gegen 22 000 fl schuldig. Seinen

') Christoph Donauer: Martini a Baumgarten in Braitenbaclr
peregrinatio in Aegyptum, Arabiam, Palaestinam et Syriam. Norim-
bergae 1594. Die in Allg. d. Biogr. II 161 genannte Leichenpredigt auf
Martin Baumgartners Sohn konnte ich bis jetzt nicht einsehen. Nach
Röhricht-Meisner: Deutsche Pügerreisen nach dem Hl. Lande
S. 522 wäre dies bereits Baumgartners zweite Palästinareise gewesen.
In der eben erwähnten Selbstbiographie Baumgartners ist davon aber
nirgends die Rede.

2)	In den Tiroler Prozessbüchern finden sich in den Jahren 152t ff.
mehrfach Einträge über solche Forderungen Gordian Suiters von
Kempten u. Hans Manlichs von Augsburg.

3)	Jacob Strieder: Eine Fuggerinventur aus dem Jahr 1527
(in Ztschr. für die gesamte Staatswissenschaft, Ergänzungsheft 17
[Tübingen 1905] S. 41).

*) Erst damals begannen die Fugger sich am Bergbau selbst zu
        <pb n="135" />
        ﻿129

völligen Zusammenbruch zeigen die Copialbücher von 1526.
Sein Haus in Kufstein — ein stattliches Patrizierhaus mit
50 Gemächern, das aber die Spuren der Verwahrlosung an sich
trug — war einem gewissen Dionysius Praun und der Stadt
Kufstein verschrieben wegen 30 fl Zins, die er nicht bezahlen
konnte1). „Er war in solcher Armut und Elend, dass er weiter
gar kein Unterhaltung und Nahrung hatte." Dazu kamen
Bedrängnisse, die er wegen seines religiösen Bekenntnisses zu
erleiden hatte. Er schloss sich nämlich der Reformation an
und liess in der ihm gehörigen Kapelle zu Kufstein den Priester
Wolfgang Ochsenhauser die neue Lehre verkünden2). Mehr-
mals verwarnte ihn die Regierung in Innsbruck und forderte
die Abschaffung dieser Neuerungen. Ochsenhauser verliess
dann zwar Kufstein, Baumgartner aber blieb seinem Bekenntnis
treu. Im Jahre 1528 sandte ihm Luther selbst einen Trostbrief3).

Die Regierung sah mit Bedauern diesen vollen Bankrott
Baumgartners, „da er ein tüchtiger Bergmann war und nicht
leichtsinnig spekuliert hatte.“ Der Uebergang des Tiroler Berg-
baus in die Hände der Augsburger wurde für ihn zum Ver-
derben. Der kleine Unternehmer konnte sich gegen diese
hinanzleute nicht behaupten. Die Regierung verschaffte ihm
ein kleines Amt, aus dem er seinen Lebensunterhalt gewann4).
Seine Bergwerke in Luenz baute er weiter, der Ertrag war
jedoch den Gläubigern verschrieben. Jahrelang (1528 bis 1532)
führte er mit diesen Prozesse, jedoch ohne Erfolg. Zuletzt
musste er sogar sein Wohnhaus in Kufstein verlassen. Er
starb im Jahre 1535 zu Kufstein und wurde dort in der von
seiner Familie gestifteten Kapelle begraben.

beteiligen. Die Bergwerke Martin Baumgartners hatten sie zunächst
nur verwesungsweise inne.

9 Missiv an Hof (1526) fol. 64.

2)	J. Loser th: Der Anabaptismus in Tirol (in: Archiv für österr.
Geschichte Bd. 78 (1892) S. 425 ff.).

3)	Dr. Martin Luthers Briefwechsel, bearb. u. mit Anmerkungen ver-
sehen von Ernst Ludwig Enders 6. Bd. Calw und Stuttgart 1895 S. 383.

4)	Missiv an Hof (1,326) fol. 71. Hier wird von Baumgartners
bergmännischer Tüchtigkeit gesprochen und auch erwähnt, dass ge-
schickte „Bergwerkspersonen“ wenig mehr vorhanden seien. Baum-
gartner erhielt dann das oberste Bergmeisteramt mit jährlich 100 fl
Dienstgeld.

9
        <pb n="136" />
        ﻿Einer seiner Brüder, Leonhard, hatte sein Glück besser zu
machen verstanden. Er legte sein Vermögen in Grundbesitz
an und erwarb die in Niederbayern gelegene Herrschaft Stuben-
berg und das im Pflegamt Aibling liegende Höhenrain und
wurde damit der Stammvater der Baumgartner von Stuben-
berg und Höhenrain1). Diese Linie fiel später zusammen mit
der Wasserburger Linie der Baumgartner von Frauenstein-
Ering.

Wie die Baumgartner von Kufstein, sind auch ihre Vettern
in Wasserburg bürgerlicher Herkunft. Die genauen verwandt-
schaftlichen Beziehungen lassen sich aber nicht mehr fest-
stellen. Ueberhaupt macht die Aufstellung einer völlig ge-
sicherten Genealogie bei der Gleichheit der Vornamen grosse
Schwierigkeit2). Im folgenden kann es daher nur unsere Auf-
gabe sein, kurz zusammenzustellen, was sich aus dem urkund-
lichen Material an Tatsachen ergibt, und die Glieder der Familie,
die bedeutsamer hervorgetreten sind, kurz zu charakterisieren.

Um das Jahr 1440 lebte in Wasserburg ein'; Bürger Peter
Baumgartner3), der Getreidehandel trieb und sich auch an der
Salzgewinnung in Reichenhall beteiligte4). Näheres über ihn
lässt sich nicht feststellen, da die erhaltenen Urkunden weiteren
Aufschluss nicht geben. Peter Baumgartner starb im Jahre
1477 und hinterliess drei Söhne: Peter, Johann und Wolfgang,
sowie mehrere Töchter.

Peter Baumgartner d. J. widmete sich dem Studium der Juris-
prudenz und gehörte seit 1478 der neuen Universität Ingolstadt
als Professor des kanonischen Rechts an. Zweimal, in den
Jahren 1479 und 1482, bekleidete er das Rektorat5). Er wurde

*) Oberbayrisches Archiv f. vaterländische Geschichte II fol. 342 ff.
u. VII fol. 243, 261 u. VIII f. 162 ff.

2)	Besonders der Vorname Wolfgang war in der Familie häufig.

3)	Nach Otto Titan v. Heiners Bayerischem Antiquarius I
S. 182 wäre Peter Baumgartner als armer Weberknappe aus Voldepp
in Tirol nach Wasserburg eingewandert. Leider gibt Hefner für diese
Behauptung keine Quelle an. In Wasserburg soll Baumgartner dann
durch Auffinden eines grossen Schatzes im Keller seines Hauses reich
geworden sein. (H e f n e r a. a. O.) In Kufstein war Peter Baumgartner,
wie Hefner fälschlich angibt, nie ansässig.

4)	München, Reichsarchiv: Gerichtsurkunden v. Reichenhall
Fasz. 30 Nr. 386 u. 391.

5)	Rotmarus-Mederer: Annales Academiae Ingolstadtensis
I 13, 17 u. 67.
        <pb n="137" />
        ﻿— 131 —

dann Rat Herzog Georgs von Bayern-Landsliut und war in
dessen Diensten bei mehreren Gelegenheiten tätig. Er wohnte
seitdem in Landshut. Seine Haltung im Landshuter Erbfolge-
krieg, wo er die drei Gerichte Kufstein, Rattenberg und Kitz-
bühel seinem Lande zu erhalten suchte, zog ihm Maximilians I.
Ungnade zu. Albrecht IV. dagegen belohnte ihn und seinen
Bruder Wolfgang für ihre treue Gesinnung, indem er ihnen im
Jahre 1508 das Schloss Ering verkaufte. Peter Baumgartner,
seit 1496 mit Anna, der Tochter Wilhelm Trenbecks, vermählt,
trat dann in die Dienste der Herzoge von Bayern und wird im
Jahre 1523 nochmals erwähnt als Gesandter Herzog Wilhelms
zusammen mit Johann v. d. Leiter1).

Der neueste Herausgeber von Ulrich Füetrers2) Chronik,
Reinhold Spiller, hat starke Gründe dafür beigebracht, dass
unser Peter Baumgartner der Fortsetzer der Chronik Füetrers
ist. Auch das Spiller nicht bekannte Datum aus Peter Baum-
gartners Leben, das Jahr 1523, scheint mir seinen Beweis nicht
zu entkräften, da Baumgartner ja schon zu seinen Lebzeiten
sein Geschichtswerk seinem Schwager Bernhard Trenbeck über-
geben konnte, der im Jahre 1520 nachweisbar im Besitz der
Handschrift war.

Ganz sicher aber dürfen wir Dr. Peter Baumgartners
Bruder Wolf gang in der Reihe der bayrischen Geschichts-
schreiber aufführen. Er war seit 1500 Rentmeister zu Wasser-
burg und erlebte im Jahre 1504 die Einnahme seiner Vaterstadt
durch Ruprecht von der Pfalz (23.—28. Mai). Der anschauliche
Bericht, den er über diesen Vorgang verfasste und den schon
Westenrieder der Veröffentlichung für wert gehalten hat, ist
eine Art Rechtfertigungsschrift seines damaligen Verhaltens3).

Der dritte der Brüder, Hans, war Vorgänger Wolfgangs
im Rentmeisteramt Wasserburg und im Gebirg (seit ca. 1479
bis 1500). Er starb im Jahre 1500 zu Wasserburg, wo sein

l) Deutsche Reichstagsakten, jüngere Reihe Bd. 4 S. 26, 27, 28.
Die beiden waren zu dem Reichstag nach Nürnberg, der am 13. Juli
1523 beginnen sollte, dann aber verschoben wurde, abgeordnet.

a) Ulrich F ü e t r e r: Bayerische Chronik. Hrsg. v. Reinhold
Spiller (= Quellen und Erörterungen z. bayer. Geschichte. Neue
Folge II Abt. 2 S. LXXX).

3) Westenrieder: Historische Schriften I (München 1784)
S. 181—206. Vgl. Riezler, Geschichte Bayerns III S. 595 u. 918.
        <pb n="138" />
        ﻿132

Grabmal, ein Meisterwerk der Steinmetzkunst Wolfgang Leebs,
noch zu sehen ist1).

Die Wasserburger Linie, die zusammen mit ihren Kuf-
steiner Vettern im Jahre 1491 von Friedrich III. geadelt wurde,
blühte bis ins 19. Jahrhundert herein. Sie erlangte im Jahre
1629 den Reichsfreiherrnstand, im Jahre 1745 die Gratenwürde2).
Jetzt ist das ganze Geschlecht im Mannesstamme ausgestorben.

Erwähnt sei schliesslich noch, dass der berühmte Kanzler
Albrechts V., Augustin Baumgartner, der auf dem Konzil zu
Trient eine hervorragende Rolle spielte, nicht zu unserer Familie
gehört. Er stammte aus München und führte auch ein ganz
anderes Wappen.

1)	Vgl. den oben (S. 125 Anm. 2) zitierten Aufsatz von Halm über
Wolfgang Leeb.

2)	Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, Gotha 1889
S. 734-
        <pb n="139" />
        ﻿Personen-Verzeichnis.

Bei einigen häufig vorkommenden Namen (z. B. Fugger, Maximilian I,
Karl V. u. ä.) sind nur die Hauptstellen berücksichtigt.

Adelmann v. Adelmannsfelden 85
Adler, Augsburger Handelshaus 31
— Anna 76
— Helena 76

— Philipp 42- 47- 64. 73. 75
Albrecht III..Herzog vonBayern 21

IV.	, Herzog von Bayern

13. 41 f. 131

V.	, Herzog von Bayern

114. 132

— Achilles 10 ff. 15. 24
Alciatus, Jurist 90. 101
Aleander 70 ff. 74
Amberger, Chr., Maler 4.7
Amerbach, Bonifatius, Humanist
86 f.

Andorfer, Jörg u. Sebastian 58
Angerer, Hans, Hofzahlmeister 77
Argon, Jörg 77
— Johanna 78
Arzt, Anna 21. 24
— Clara 19
— Hans 19
— Hans d. J. 22
— Justina 19 f.

— Sabina 72
— Ulrich d. Ae. 19
— Ulrich d. J. 19 ff.

— Ursula 19 ff.

— Wilhelm 22

August, Kurf, von Sachsen 115
Auslasser, Hans 55

Bach, Seligmann, Jude in Nürn-
berg 11

Baidung, Hieronymus 55
Baumgartner von Nürnberg und
Augsburg siehe Paumgartner

Baumgartner von Kufstein 121
bis 130

■— Hans 34. 121—-125
— Hans d. J. 127
*— Leonhard 127 f.

Martin 58. 127 ff.

— Wolfgang 127

—	von Wasserburg 130—132

-	- Hans 130
— Peter 130

— Peter d. J. 130 f.

— Wolfgang 130
Baumgartner, Augustin, Kanzler
Albrechts V. 132
Besserer, Ulmer Handelshaus 39 &gt;
Bild, Veit, Humanist 85
|Bimmel, Augsburger Handelshaus
50. 54 f. 63—68
Blaurer, Ambrosius 113
Bullinger, Heinrich 113
iBurgkmair, Hans, Maler 43. 47 j
Buzer Martin 93

Calixt III., Papst 12
Camerarius, Joachim 26
Capistrano, Joh. de 15
Carvajal 15

Christof, Herzog von Bayern 13
— Herzog von Württemberg
in

Cilly, Ulrich v. 9
Cochläus, Johann 102
Confallonero 93

Contarini, Gasparo, Kardinal 94
Cranmer, Thomas, Erzbischof von
Canterbury 88

Dachsin, die 6
        <pb n="140" />
        ﻿134

Dietrich II., Kurfürst von Köln g
Dürer, Albrccht 4. 26

Eck, Leonhard v. 111
— Oswald v. 111 ff.

Eliem, Marx 43

Elisabeth, Tochter Ferdinands I.
60. 68

Endres v. Graben 9
Engensteiner, Jobst 73
Erasmus v. Rotterdam 3.	72.

87—89. 101 ff.

Erlacher, Schwazer Gewerke 122

Ferdinand I., röm. König 49 ff.
95 u. ö.

Franz I., König von Frankreich
65. 71. 110

Fregeno, Marinus de 12
Freiberg, Ursula v. 84. 114
Friedrich III., Kaiser 9. 121. 125.
132

— Burggraf von Nürnberg,

Kurf, von Brandenburg
10. 14

— Kurfürst von Sachsen 13
Fröhlich, Augsburger Stadtschreiber
94

Frundsberg, Georg v. 54
Fuchs v. Fuchsberg, Christof 50. 54
Füetrer, Ulrich 131
Füger, Schwazer Gewerke 34. 122
Fugger, Augsburger Handelshaus
13. 31.46 ff. 75. 108. 123 ff. u. ö.
— Anton 45. 64 ff. 74. 87 ff.
98 f.

— Georg 43-45
— Hieronymus 65
— Jakob 42. 45 ff. 73. 126 u. ö.
— Johann Jakob 102. in
— Raymund 65.

— Regina, Gemahlin Hans'
Paumgartners 43. 45. 101.
106

— Sidonia 117
— Ulrich 125

Furtenbach, Bonaventura H2f.

Gassei, Hans 32
Gassner Lukas 38. 40. 46 f.
Georg d. Reiche, Herzog von
Bayern 131

Georg Albrecht, Abt in Füssen 107
Georg Friedrich, Markgraf von
Brandenburg 111. 114 f.

Gering, Christof 72. 82. 89
I Geroldseck, Gangolf v. 80 f
Gossembrot, Georg 35—38. 41
— Sigismund d. Ae. 19 ff.

— Sigismund d. J. 35
Grander, Klaus 21
Granvella 92. 95 ff.

Graser, Nürnberger Familie 17
Grensing, Silvester 121
Grieninger, Lorenz 72. 82
Grumbach, Wilhelm ii4ff.

Habsberg, Ulrich v. 79
Hadrian VI. 88
Haller, Hans 16
— Konrad 3
— Ulrich 10
— Wolfgang 73. 78 ff.

Han, Michael 81
Hasse, Heinrich 109
Haug, Anton 59 f. 65. 70. 108
Heideck, Konrad v. 21
Heimburg, Gregor 15. 21
Heinrich II., König von Frank-
reich 110

Heinrich v. Malters 15
Herbrot, Jakob 96. 98 ff. 102
Herdegen, Otto 13
Herwart, Augsburger Handelshaus
35 f. 50. 54 f. 60 f. 64.
75- 123

— Christof 65
— Georg 35
- Hans Heinrich 108
— Hans Paul 108
Höchstetter, Augsburger Handels-
haus 31. 50. 54. 56 ff.

— Ambrosius 56. 72
— Joachim 56
— Ottilie 37
        <pb n="141" />
        ﻿135

Höfingcn, Heinrich Truchsess v. j
io;

Hölzl, Blasius 46. 51. 53
Hofer, Virgil 34. 58. 121 f.

—• Wolfgang 122
Honold, Regina 103
Hoy, Hans 9
Humpis, Jobst 21.

Ilsung, Georg 68
Imhof, Hieronymus 77
■—• Leonhard 43
— Regina 45
Simon 43

Johann, Herzog von Bayern 13
Johann Friedrich, Kurfürst von
Sachsen 99. 115
Jung, Ulrich 76

Karl V. 48 ff. 82 ff. 92 ff. 104
Katzböck, Benedikt 127
Kleeberg, Hans 71. 85
Klocker, Hans 73
Knöringen, Christof v. 83
— Wolfdietrich v. 76“

Knoll, Hans 34. 122. 126 f.

Kress, Anna 5. 17
— Fritz 5 f.

Hilpolt 6

- - Konrad 6 f. 9

Lang, Agnes 122

— Matthäus, Kardinal 122
Laugenauer, Plans 65
Langenmantel, J örg 42
— Matthäus 98
Leeb, Wolfgang 125. 132
Leyen, Johann von der 113
Leiter, Johann von der 131
Lichtenstein, Philipp von 63
Lidbach, Hans v. 10 f.

Lindener, Michael 105
Lochner, Johann 13
Löble, Plans 53. 64
Löffelholz, Wilhelm 17
Ludwig d. Gebartete, Herzog von
Bayern 10 f.

Ludwig d. Höckerige, Herzog von
Bayern 10 f.

Ludwig d. Reiche, Herzog von
Bayern 21 f. 121
Luther, Dr. Martin 26. 91. 129

|Mair, Hektor nof.

Manlich, Augsburger Handelshaus

47- 55- 63. 97
—- Hans 128
— Matthias 67
Maria, Königin von Ungarn 101
Maschwander, Gregor 6 5
Maximilian I., deutscher Kaiser
4. 35 ff. 46 ff. 123 ff. 131
—■ II., deutscher Kaiser 87
SMedici, Bankhaus in P'lorenz 12 f
Melauchthon, Philipp 26. 93
Meuting, Ludwig 21
— Lucas 36. 40. 76
Moccnigo, venezianischer Ge-
sandter 70. 73 f. 109
Montfort, Hans v. 41
Morone, Nuntius 94
Müllner, Heinrich 21
Muffel, Nikolaus 15
Muschler, Johann 102

Nachtigall, Otmar 85
Nagel, Kaspar 20 f.

Nausea 101

Neithart, Augsburger Handelshaus
59 f. 108
— Sebastian 65
- Wolfgang 87
Neuhaus, Konrad 9
Neuneck, Melchior v. 24

Ochsenhauser, Wolfgang 129
Ortlieb, Ulrich 10

Paller, Wolfgang 110
Parsberg, Werner v. 21
Paumgartner, die von Augsburg
31—118

—- Anna 43. 45
—- Anton 82. 102 f. 106. 113
David 82 f. 96 f. 102. 106
bis 118
        <pb n="142" />
        ﻿25- 32

— Bernhard 26
— Clara s. Arzt
- Friedrich 4
Gabriel 26
Hieronymus 26
Konrad f 1350 4
Konrad f 1367 4
Konrad d. Ae. 5—18
Konrad d. J. 8 f. 14. 18. 25
Kunigunde 32
— Lukas 26
— Margaretha 17
— Martin 23. 25 f.

.. Michael 43

— Sebald 18. 43
•— Stefan 26
Peutinger, Konrad 42
Pfinzing, Sebald 10
Philipp von Hessen 26. 80. 94 f.
Philipp von Kastilien 42
Philipp II. von Spanien 110
Pirlcheimer, Felizitas 85
— Thomas 13
— Wilibald 26. 85

Pius II., Papst 13
Plan, Jakob 73
Praun, Dionys 129
Prcu, Jörg 84

Ramungen, Hartwig v. 8
Rechberg, Wilhelm v. 10 f.

— Wolfgang v. 76
Rehlinger, Anton 110
— Christof 110
— Felizitas 32
— Hans 62
— Konrad 63
— Leonhard 32
— Ulrich 77
— Wolfgang 92—95. 100
Riedler, Anton, 22 f.

Rigler, Franz 42
Rosenberg, Albrecht v. 26
Ross, Antonio v. 123. 124
Rothut, Sigmund 81
Rott, Konrad 43. 77
Rudolf, Wolfgang 43. 82
Rummel, Hans 10
— Heinz 5
Rupilius, Franz 101 f.

Sailer, Gereon 94 f.

Salamanca, Gabriel, Graf v. Orten-
burg 41. 52. 54
Schachner, Christof 13.
Schwangau, Georg v. 78 f.

— Heinrich v. 78 f.

Schertlin v. Burtenbach 95. 99.

109 f. 117
Scheurl, Christof 16
Schmelzing, Seyfried 8
Schürstab, Erhard 15
— Erasmus 16
Schwendi, Lazarus 1x3
Seid, Vizekanzler 87
Sigismund, deutscher Kaiser 8
Sigismund, König von Polen 68
Sigismund, Herzog von Bayern 13
Sigismund, Erzherzog von Tirol 25
34 f. 122 f.

Soliman, Sultan 63. 67
Soiter, Elisabeth 125
        <pb n="143" />
        ﻿I37

Stadion, Anna v. 83. 102
— Christof v., Bischof von
Augsburg 89

Stammler, Augsburger Handels-
haus 126

Steinberger, Peter ix
Stetten, Georg v. xio
— Michael v. 32
Stöckl, Schwazer Gewerke 34.
58 f. 128

Stromer, Ulman 4. 16
Stunz, Augsburger Handelshaus 39
Sturm, Jakob 95
Suitcr, Gordian 128

Tänzl, Schwazer Gewerke 34. 58 ff.
Tetzel, Nürnberger Geschlecht 17
Teubler, Andreas 63. 64
Trenbeck, Anna 131
— Bernhard 131
— Wilhelm 131
Tücher, Endres 7. 17
•—• Hans 17
•—- Lazarus 113

Ulrich, Herzog von Württemberg
50. 80

Ulstatt, Hans 19 f.

— Justina s. Arzt
— Wilhelm 41

Velilin, Erhard v. Memmingen 21
Vergara, Johannes 88. 101
Vetter, Jörg 42

Viglius v. Zwichem 86. 90. 98. 101
Villinger, Jakob 47
Vöhlin, Erhard von Frickenhausen
76

Vorchtel, Paul 7

Wararn, Wilhelm, Erzbischof von
Canterbury 88
Waldstromer, Hans 7
Weeze, Johann v., Erzbischof von
Lund 92

Welser, Anton 43. 47. 54. 69
— Franz 76
— Philippine 73. 76
Wieland, Jörg 41
Wilhelm IV., Herzog von Bayern
41. 77. in. 131

Wilhelm, Herzog von Sachsen 23

Wolf, Baltasar 43

Wolfgang, Herzog von Bayern 13

Zasius, Johann Ulrich 87

— Ulrich 74. 81 f. 86 ff. 89. 101
Zenner, Clara 17
— Konrad 17

Zott, Hans v. Berneck 54. 63
77. 82
        <pb n="144" />
        ﻿Druck von Gebrüder Reichel, Augsburg
        <pb n="145" />
        ﻿(

*

£

o

co

O

^4

cd

■vi

&gt;

-"j

o

3- 00

n&gt;

i/&gt; CD
2 00

”&gt; &gt;
o 00

| O

Q_	tD

Q. CD
O «&gt;

c

3

B

101 —

ms Paumgartner verlassen, bleibt uns nur noch
auf sein Familienleben einen kurzen Blick zu

ISpJsp

I

Hans Paumgartners Familienleben.

ie Hans Paumgartners mit Regina Fugger ent-
lsser drei Töchtern vier Söhne, deren Erziehung
•nit grösster Sorgfalt überwachte. Beruhte doch
eine ganze Hoffnung für die Zukunft seines Ge-
Erasmus in dem bekannten Brief an Johannes
imt ausführlich auf die Erziehungsmethode Paum-
■prechen: „Nullum omnium (sc. filiorum) destinavit
aut aliis sordidioribus artibus. Ad eruditionem, ad
d gerenda Principum ac Reipublicae splendida
tuit omnes,“ rühmt der Humanist und schildert
len Lebensgang der einzelnen Söhne1). Nachdem
luse durch einen Hofmeister2) vorgebildet waren,
der Vater nach Frankreich und Italien, wo sie auf
L&gt;itäten in den Wissenschaften von ausgezeichneten
:errichtet wurden und sich weltmännische Bildung
Der älteste Sohn Hans hörte in Bourges in den
0/31 bei den Juristen Alciatus und Viglius von
md kam dann an den Hof der Königin Maria von

T.mi opera omnia ed. Clericus III 1480 F.
olcher war längere Zeit Franziscus Rupilius in der Familie
Q Jahre 1527. Er nennt sich im Familienkodex, in den er
—49 a die obenerwähnten Statuten des Paumgartnerschen
sintrug: L. L. doctor, Ratisbonensis et Brixinensis eccle-
licus atque tune temporis (1541) Rev. ac Illustr. episcopi
Brixinensis dni Christophori Fux a Fuxperg cancellarius ac
f“nobilis domini Joannis Panmgartneri cliens deditissimus.
1 von Z a s i u s (bei Riegger Zasii epistolae S. 434) als Er-
Ihne Paumgartners erwähnt und ist identisch mit jenem
upilius, der mit Erasmus und Nausea in brieflichem Verkehr
lupilius nur eine Latinisierung des Namens „Rothut“ ist,
f tieinlich der o. S. 81 genannte Pfleger von Hohenschwangau,
thut, ein Verwandter von ihm.

Alciatus sandte Paumgartner die Ausgabe der Pandekten
er nach Bourges zum Geschenk, ca. 1530 (Stintzing:
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
