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        <title>Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg</title>
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            <forname>Wilhelm</forname>
            <surname>Krag</surname>
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        </author>
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        Schwäbische  Geschichtsquellen  und  Forschungen

Schriftenfolge  des  Historischen  Vereins  für  Schwaben  u.  Neuburg
Herausgegeben  von  Dr.  P.  Dirr
1.  Heft  —

Die  Paumgartner
von  Nürnberg  und  Augsburg
Ein  Beitrag  zur  Handelsgeschichte
des  XV.  und  XVI.  Jahrhunderts
        <pb n="2" />
        Die  Meistersingerschule  in  Augsburg
und  der  Homerübersetzer  Johannes  Spreng
Von
Dr.  Rudolf  Pfeiffer

3.  Heft
Der  Kampf  um  die  Reichsstandschaft  der
Städte  auf  dem  Augsburger  Reichstag  1582
Von
Dr.  Rudolf  Reuter

In  Vorbereitung:
4.  Heft
Niedergang  und  Ende  der  Reichsstadt  Augsburg
Von
Dr.  P.  Dirr
        <pb n="3" />
        Vorbemerkung.
Die  hiermit  erscheinenden  drei  ersten  Hefte  der  Schriftenfolge ­
  „Schwäbische  Geschichtsquellen  und  Forschungen“  sind
zum  Teile  schon  vor  dem  Kriege  entstanden  und  während  des
Krieges  gedruckt  worden.
Durch  die  misslichen  Zeitumstände  wurde  die  Herausgabe
verzögert.  Doch  sind  die  Arbeiten  in  ihrem  wissenschaftlichen
Gehalte  und  Werte  keineswegs  überholt,  eignen  sich  vielmehr
nach  wie  vor  zur  Veröffentlichung.
Augsburg,  im  August  1919.

Dr.  P.  Dirr.
        <pb n="4" />
        Schwäbische  Geschichtsquellen  und  Forschungen  |
Schriftenfolge  des  Historischen  Vereins  für  Schwaben  und  Neuburg
Herausgegeben  von  Dr.  P.  Dirr
—  i.  Heft  "=Die

  Paumgartner
von  Nürnberg  und  Augsburg
Ein  Beitrag  zur  Handelsgeschichte
des  XV.  und  XVI.  Jahrhunderts

Von
Dr.  phil.  Wilhelm  Krag

Mit  einem  Anhang:
Die  bayerischen  Baumgartner
von  Kufstein  und  Wasserburg

München  und  Leipzig
Verlag  von  Duncker  &amp;amp;  Humblot
1919
        <pb n="5" />
        Inhaltsübersicht.

Vorwort  VII
I.  Die  Paumgartner  von  Nürnberg  i—28
1.  Kapitel:  Herkunft  und  älteste  Geschichte  der  Familie  3
2.  Kapitel:  Konrad  Paumgartner  ca.  1380—1464  ....  5
1.  als  Kaufmann  und  Bankier  5
2.  als  Ratsherr  und  in  seinem  Familienleben  ...  14
3.  Kapitel:  Anton  Paumgartner  und  der  Zusammenbruch
der  Firma  19
4.  Kapitel:  Ueberblick  über  die  späteren  Schicksale  der
Familie  in  Nürnberg  25
II.  Die  Paumgartner  von  Augsburg  29—118
1.  Kapitel:  Die  Anfänge:  Hans  Paumgartner  d.  Ae.  .  .  31
2.  Kapitel:  Die  Zeit  der  Blüte:  Hans  Paumgartner  d.  J.
(ca.  1490—1549)  45
a)  Hans  Paumgartners  d.  J.  Anfänge  bis  zur  selbständigen ­
  Uebernahme  des  Geschäfts  45
b)  Hans  Paumgartners  Finanzgeschäfte  mit  den
Habsburgern  und  seine  Bergwerksunternehmungen  49
c)  Hans  Paumgartners  Privathandel  und  Vermögen  69
d)  Hans  Paumgartners  Gütererwerbungen  und  seine
Erhebung  in  den  Freiherrnstand  75
e)  Hans  Paumgartner  als  Freund  des  Humanismus  .  84
f)  Hans  Paumgartners  Anteil  an  der  hohen  Politik  90
g)  Hans  Paumgartners  Privatleben  101
3.  Kapitel:  Die  Zeit  des  Verfalls:  Hans  Georg  und  David
Paumgartner  106
Anhang:  Die  bayerischen  Baumgartner  von  Kufstein  und
Wasserburg
        <pb n="6" />
        Vorwort.

Die  für  die  Geschichte  des  deutschen  Handels  im  Uebergang
  vom  Mittelalter  zur  Neuzeit  so  wichtige  Einzelforschung,
besonders  die  Beschäftigung  mit  den  grossen  Kaufmannsfamilien ­
  Nürnbergs  und  Augsburgs,  steht  erst  in  den  Anfängen.
Zwar  besitzen  wir  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  Richard
Ehrenbergs  gross  angelegtes  Werk  „Das  Zeitalter  der
Fugger"  (2  Bde.  Jena  1896),  das  neben  den  Fuggern  auch  die
andern  bedeutenden  Handelsfamilien  behandelt,  es  kann  und
will  aber  Ehrenbergs  Darstellung  die  Einzelforschung  nicht
unnötig  machen,  sondern  erst  recht  dazu  anregen.  Für  die
Frage  nach  den  Vermögensverhältnissen  der  Augsburger  Kaufleute ­
  hat  dann  Jacob  Strieder  in  seiner  „Genesis  des
modernen  Kapitalismus“  (Leipzig  1904)  eine  Grundlage  geschaffen. ­
  So  wertvolle  Aufschlüsse  wir  den  beiden  genannten
Werken  verdanken,  so  sind  sie  doch,  freilich  ohne  Schuld  ihrer
Verfasser,  in  Einzelheiten  nicht  immer  genau,  da  eine  Reihe
wichtiger  Vorarbeiten  besonders  auf  genealogischem  und  verfassungsgeschichtlichem ­
  Gebiet  fehlte.  Wie  wichtig  aber  gerade
genealogische  Fragen  auch  für  den  Forscher  der  Handelsgeschichte ­
  sind,  davon  wird  die  vorliegende  Arbeit  Zeugnis
ablegen.
Die  eigentliche  Einzelforschung  begann  dann  mit  Max
Jansens  „Studien  zur  Fugger-Geschichte“.  Hier  wurde
zum  erstenmal  gezeigt,  welch  reiches,  bisher  unbenütztes
Material  dem  Handelshistoriker  noch  zur  Verfügung  steht.
Einer  Anregung  Jansens  verdankt  auch  die  vorliegende  Arbeit
ihre  Entstehung,  die  versuchen  möchte,  eine  andere  Augsburger ­
  Kaufmannsfamilie,  die  Paumgartner,  in  ihrer  Bedeutung ­
  zu  schildern.  Stand  es  auch  von  vornherein  fest,  dass  sich
über  diese  längst  erloschene  Familie  nicht  so  reiches  Material
finden  würde,  wie  über  die  Fugger,  die  heute  noch  blühen  und
über  ein  wohlgeordnetes  Familienarchiv  verfügen,  so  hat  sich
doch  gezeigt,  dass  auch  für  die  Paumgartner  sich  noch  eine
Fülle  neuen  Stoffes  beibringen  liess.
        <pb n="7" />
        VIII

Meine  Arbeit  umfasst  zwei  Teile,  von  denen  der  erste,
kürzere  die  Anfänge  der  Familie  in  Nürnberg  behandelt.  Die
meiste  Ausbeute  bot  hierfür  naturgemäss  das  Kgl.  Kreisarchiv
in  Nürnberg,  wozu  ergänzend  das  Kgl.  Bayerische  Allgemeine
Reichsarchiv  und  die  Kgl.  Hof-  und  Staatsbibliothek  in  München
traten.  (Cgm  =  Codex  germanicus  Monacensis.)
Der  zweite  umfangreichere  Teil  beschäftigt  sich  mit  der
Geschichte  der  Paumgartner  in  Augsburg.  Neben  dem  Stadtarchiv ­
  in  Augsburg  bot  hier  vor  allem  das  k.  k.  Statthaltereiarchiv ­
  in  Innsbruck  mit  seinen  Copialbüchern  (Cop.)  reiches
Quellenmaterial.  In  diesem  zweiten  Teil  war  besonders  bei  der
Persönlichkeit  Hans  Paumgartners  d.  J.  länger  zu  verweilen
und  seine  Betätigung  auf  den  verschiedensten  Gebieten  des
öffentlichen  Lebens  zu  schildern.  Für  den  Verfall  der  Familie
unter  Hans  Paumgartners  Söhnen  konnten  einige  Archivalien
des  Kgl.  Bayerischen  Geheimen  Staatsarchivs  benützt  werden.
In  einem  Anhang  wurde  sodann  noch  einer  Familie  gedacht,
die  in  der  Handelsgeschichte  bisher  überhaupt  nicht  genannt
wurde,  weil  sie  das  Schicksal  hatte,  mit  der  Augsburger  Familie
zusammengeworfen  zu  werden.
Es  ist  mir  schliesslich  noch  eine  angenehme  Pflicht,  allen
den  obengenannten  Instituten,  die  mich  bei  der  Sammlung
des  Quellenmaterials  unterstützten,  den  geziemenden  Dank
auszusprechen.
Erwähnt  sei  nur  noch,  dass  die  Paumgartner  von  Augsburg,
bevor  sie  zum  Gegenstand  historisch-kritischer  Darstellung
wurden,  eine  dichterische  Behandlung  fanden.  Gutzkow
hat  sie  zum  Mittelpunkt  seines  fünfbändigen  Romans  „Hohenschwangau“ ­
  Leipzig  1867  ff.  gemacht.  Der  Dichter  hat  zu
diesem  Werk,  wie  schon  der  Untertitel  „Roman  und  Geschichte“
besagt,  nicht  unbeträchtliche  historische  Vorstudien  getrieben
und  deren  Resultat  in  den  jedem  Band  beigegebenen  „Anmerkungen“ ­
  niedergelegt.  Ich  verdanke  denselben  manchen
wertvollen  Hinweis.

Dr.  Wilhelm  Krag.
        <pb n="8" />
        I.
Die  Paumgartner  von  Nürnberg.
        <pb n="9" />
        Erstes  Kapitel.
Herkunft  und  älteste  Geschichte  der  Familie.

Die  Paumgartner 1 )  tauchen  am  Ausgang  des  14.  Jahrhunderts ­
  in  Nürnberg  auf.  Das  erste  urkundlich  gesicherte
Datum  in  ihrer  Geschichte  ist  das  Jahr  1396,  in  welchem  sie
Aufnahme  in  den  Rat  der  Stadt  und  damit  zugleich  ins  Patriziat
fanden.  Ueber  die  Herkunft  des  Geschlechts  und  seine  Schicksale ­
  vor  dieser  Zeit  sind  wir  leider  wenig  unterrichtet.  Zwar
wissen  ältere  Genealogien  darüber  mancherlei  zu  erzählen,  aber
die  Angaben,  die  sich  noch  dazu  vielfach  widersprechen,  können
durch  urkundliches  Material  nicht  begründet  werden.  Eine
jener  Annahmen  geht  dahin,  dass  die  Familie  aus  Siebenbürgen
stamme,  wo  in  der  Nähe  von  Hermannstadt  ein  Ort  Baumgarten ­
  liege 2 ).  Belege  hierfür  haben  sich  nicht  beibringen  lassen.
Nicht  besser  beglaubigt  ist  die  Ansicht  derer,  die  das  Schloss
Baumgarten  in  Schwaben  als  ursprüngliche  Heimat  unseres
Geschlechts  annehmen 3 ).  Der  in  der  Markgrafschaft  Burgau
gelegene  Ort  nebst  Schloss  dieses  Namens,  an  den  dabei  gedacht
ist,  kam,  wie  wir  noch  sehen  werden,  erst  im  16.  Jahrhundert
in  den  Besitz  der  Paumgartner,  die  vorher  in  dieser  Gegend  nie
begütert  waren.
Mehr  Wahrscheinlichkeit  hat  dagegen  eine  Angabe  für  sich,
die  wir  in  einem  Briefe  des  Erasmus  von  Rotterdam  lesen.
Der  bekannte  Humanist  stand,  wie  später  zu  erzählen  sein
wird,  zu  dem  Augsburger  Zweig  der  Paumgartner  in  freundschaftlichen ­
  Beziehungen  und  konnte  daher  wohl  Nachrichten
x )  Die  Schreibung  des  Namens  ist  eine  sehr  schwankende.  Als
von  der  gewöhnlichen  Form  besonders  abweichend  hebe  ich  hervor:
Paungartner,  Pangartner  (Schreibungen,  die  von  der  Familie  selbst
gebraucht  werden),  Bongartner,  Bongärter.  In  italienischen  Urkunden
findet  sich  auch  die  Form  Pangortiner.
2 )  Cgm  2056  als  Ansicht  des  Nürnberger  Patriziers  und  Genealogen ­
  Konrad  Haller  erwähnt.
3 )  Paul  v.  Stetten:  Geschichte  der  adelichen  Geschlechter  in
der  freyen  Reichs-Stadt  Augsburg.  Augsbg.  1762.  S.  195.
        <pb n="10" />
        4

haben,  die  auf  Familientradition  beruhten.  Er  nennt  nun  an
der  betreffenden  Stelle 1 )  Ostfranken  als  die  Heimat  der  Paumgartner
  und  erzählt,  dass  sie  dort  ein  Kloster  mit  Schenkungen
reich  bedacht  hätten.  Ueber  diese  Stiftungen  liess  sich  freilich
auch  nichts  Näheres  finden,  da  Erasmus  den  Namen  des  Klosters
verschweigt;  seine  Angabe  wird  aber  meiner  Ansicht  nach
gestützt  durch  Nachrichten  über  die  Herkunft  des  Paumgartnerschen
  Wappens.  Nach  einer  glaubwürdigen  Notiz 2 )
wurde  nämlich  der  Familie  ihr  Wappen  von  einem  Bischof  von
Bamberg  verliehen.  Die  Paumgartner  gehörten  also  wohl
ursprünglich  zu  dem  begüterten  niederen  Landadel  Ostfrankens 3 ).
Der  Verfall  des  Rittertums  trieb  bekanntlich  vielfach  Adelige
in  die  Städte,  deren  mächtig  aufblühender  Handel  Ansehen
und  Reichtum  in  Aussicht  stellte.  Wann  sich  die  Paumgartner
dazu  entschlossen  haben,  nach  Nürnberg  zu  ziehen,  lässt  sich
nicht  sagen.  Sicher  wohnten  sie  bereits  geraume  Zeit  in  der
Stadt,  als  1396  ihre  Aufnahme  in  den  Rat  erfolgte 4 ).
Auch  die  älteste  Genealogie  der  Familie,  wie  sie  bei  Stetten 5 ),
Möhner 6 )  und  anderen  Familienforschern  verzeichnet  ist,  lässt
sich  aus  Mangel  an  urkundlichem  Material  weder  belegen  noch
anfechten.  Der  älteste  bekannte  Paumgartner  wäre  danach
Konrad,  der  um  1350  gestorben  sein  soll.  Sein  Sohn  Konrad
{|  1367)  hatte  zwei  Söhne,  Konrad,  den  ersten  ratsfähigen
Paumgartner,  und  Friedrich,  den  Ulman  Stromer 7 )  erwähnt.

4 )  Erasmi  opera  omnia  ed.  Clericus  III,  1480  F.
2 )  Paumgartnerscher  Familienkodex  Bl.  1  a  (R.  A.:  Hohenschwangau, ­
  Herrschaft  I  36,  2).  Das  Paumgartnersche  Wappen  in  seiner
ursprünglichen  Form  stellt  in  zweigeteiltem  Schild  einen  Sittich  auf
einer  Lilie  sitzend  dar.  (Vgl.  z.  B.  Dürers  Paumgartneraltar.)
3 )  Vgl.  auch  die  unten  S.  37  besprochene  Urkunde  Kaiser  Maximilians ­
  I.,  laut  deren  die  Ahnen  Paumgartners,  schon  ehe  sie  sich  in
Städten  niedergelassen,  dem  Ritterstande  angehörten.
*)  Herr  Archivrat  Mummenhoff,  der  beste  Kenner  der  Nürnberger ­
  Familiengeschichte,  hat  mir  auf  meine  Anfrage  bestätigt,  dass
sich  über  die  Paumgartner  vor  1396  nichts  Sicheres  sagen  lasse.  Das
Jahr  1396  geben  die  Nürnberger  Ratsbücher  übereinstimmend  als  die
Zeit  der  Aufnahme  ins  Patriziat  an.
5 )  A.  a.  O.  S.  T95.
•)  Möhner,  Genealogie  patrizischer  Familien  Augsburgs  (handschriftl.
  in  der  Augsb.  Stadtbibi,  vorhanden).
’)  Die  Chroniken  der  deutschen  Städte  I  (Nürnberg  Bd.  1)  Leipzig
1862.  S.  97.
        <pb n="11" />
        5

Alle  diese  genannten  Glieder  des  Geschlechts  sind  für  uns  nur
Namen,  da  sich  über  ihre  Lebensschicksale  keinerlei  Nachrichten ­
  erhalten  haben.  Da  sich  aber  die  Familie  später  hauptsächlich ­
  dem  Handel  widmete,  dürfen  wir  wohl  annehmen,
dass  auch  jene  älteren  Generationen  bereits  auf  diesem  Gebiet
tätig  waren.
Doch  verlassen  wir  das  unsichere  Feld  der  Hypothese,
und  wenden  wir  uns  der  beglaubigten  Geschichte  zu!  Hier
tritt  uns  dann  in  Konrad  Paumgartner,  dem  Enkel  jenes  Mannes,
der  zuerst  in  der  Familie  das  Patriziat  erlangte,  eine  greifbare
Persönlichkeit  vor  Augen.  Die  Nachrichten,  die  sich  über  ihn
erhalten  haben,  geben  die  Möglichkeit,  ein  Bild  seines  Lebens,
das  in  die  Glanzperiode  Nürnbergs  fällt,  zu  entwerfen.

Zweites  Kapitel.
Konrad  Paumgartner  c.  1380  —  1464.
1.  Konrad  Paumgartner  als  Kaufmann  und  Bankier.
Konrad  Paumgartner 1 )  wurde  um  das  Jahr  1380  in  Nürnberg ­
  geboren.  Ueber  seine  Jugendzeit  und  die  Erziehung,  die
er  genoss,  fehlen  uns  nähere  Nachrichten.  Im  Jahre  1402
verheiratete  er  sich  mit  Anna  Kress,  der  Tochter  des  Fritz
Kress 2 ).  Diese  Heirat  brachte  unsern  Konrad  in  nahe  Verbindung ­
  mit  einem  der  angesehensten  Nürnberger  Geschlechter
und  wurde  auch  für  den  weiteren  Gang  seines  Lebens  bedeutungsvoll. ­
  Wie  andere  Nürnberger  Patrizier  betrieb  nämlich
Fritz  Kress  einen  ausgedehnten  Handel  und  hatte  im  Jahre  1370
mit  Heinz  Rummel  eine  Gesellschaft  zu  gemeinsamer  Ausübung
x )  Der  Vorname  Konrad  ist  in  unserer  Familie  häufig  vertreten.
Dadurch  wird  ein  Auseinanderhalten  der  einzelnen  Personen  erschwert
und  oft  unmöglich  gemacht.
2 )  Die  meisten  genauen  Daten  über  Geburt,  Hochzeit  und  Tod
der  einzelnen  Glieder  des  Paumgartnerschen  Geschlechts  bis  zum  Jahre
1464  verdanken  wir  den  Aufzeichnungen  Konrad  Paumgartners  (s.  u.
S.  16).
        <pb n="12" />
        6

der  Kaufmannschaft  begründet 1 ).  Nach  Rummels  Ausscheiden
(1388)  hatte  Kress  seine  Söhne  Hilpolt  und  Konrad  in  diese
Gesellschaft  aufgenommen.  Auch  andere  Nürnberger  Kaufleute
gehörten  ihr  vorübergehend  an.  Im  Jahre  1402  trat  nun  auch
des  Fritz  Kress  Schwiegersohn  Konrad  Paumgartner  als  Teilhaber ­
  ein  und  blieb  fast  30  Jahre  lang  bis  zur  Auflösung  der
Gesellschaft  in  ihr  tätig.
Der  Handel  Nürnbergs 2 )  hatte  um  das  Jahr  1430  bereits
einen  Höhepunkt  erreicht,  der  auch  später  nicht  mehr  stark
übertroffen  wurde.  Besonders  eng  waren  die  Beziehungen  zu
Venedig,  wo  viele  Nürnberger  Kaufleute  im  Fondaco  dei  Tedeschi
  eigene  Gewölbe  und  Kammern  besassen 3 ).  Neben  Venedig ­
  wurde  Mailand  und  Genua  von  den  Nürnbergern  besucht.
Im  Norden  waren  zunächst  die  Frankfurter  Messen  Hauptabsatzgebiet ­
  für  die  aus  Italien  über  den  Brenner  gebrachten
Waren.  Aber  auch  in  Brabant  und  Flandern  finden  wir  damals
bereits  den  Nürnberger  Kaufmann  ebenso,  wie  im  Osten  in
Böhmen,  Mähren,  Polen  und  Steiermark.  Gegenstände  des
Handels  bildeten  hauptsächlich  die  aus  dem  Orient  über  Venedig
eingeführten  Gewürze  und  Tuche,  die  besonders  aus  Flandern
kamen.
In  diesen  Bahnen  bewegte  sich  nun  auch  die  Tätigkeit
der  von  Kress  gegründeten  Gesellschaft,  der  ein  für  die  damalige
Zeit  recht  beträchtliches  Betriebskapital  zur  Verfügung  stand.
Es  betrug  im  Jahre  1397:  29  100  fl  und  wird  sich  durch  Paumgartners
  Beitritt  w'ohl  noch  vergrössert  haben 4 ).  Von  den

*)  Vgl.  für  das  Folgende:  Mitteilungen  d.  Vereins  f.  d.  Geschichte
der  Stadt  Nürnberg  II,  wo  S.  187  ff.  Mitteilungen  aus  dem  Frhr.  v.  Kresssehen
  Familienarchiv  über  diese  Handelsgesellschaft  gemacht  werden.
Wie  mir  auf  meine  Anfrage  Frhr.  v.  Kress  mitzuteilen  die  Güte  hatte,
enthält  das  genannte  Archiv  sonst  keine  weiteren  Aufzeichnungen  über
die  Geschichte  der  Kress  ’schen  Handelsgesellschaft.
s )  Für  die  Geschichte  des  Nürnberger  Handels  im  allgemeinen
ist  immer  noch  das  Hauptwerk:  Joh.  Ferdin.  Roth:  Geschichte  des
nümbergischen  Handels,  4  Bde.  Leipzig  1800—1802.  Wertvolle  Ergänzungen ­
  dazu  bietet:  J.  Baader:  Nürnbergs  Handel  im  Mittelalter.
(38.  Jahresbericht  des  Historischen  Vereins  für  Mittelfranken,  1871/72).
3 )  Henry  Simonsfeld:  Der  Fondaco  dei  Tedeschi  und  die
deutsch-venezianischen  Handelsbeziehungen,  2  Bde.  Stuttgart  1887.
Vgl.  bes.  Bd.  II  S.  73  ff.
4 )  Zum  Vergleich  sei  angeführt,  dass  in  Augsburg  im  Jahre  1396
        <pb n="13" />
        7

Gefahren,  die  in  jenen  unruhigen  Zeiten  des  Raubrittertums
den  Handel  umgaben,  hatte  auch  unsere  Firma  manches  zu
spüren.  So  wurde  gleich  im  Jahre  des  Eintritts  Paumgartners
{1402)  ein  der  Gesellschaft  gehöriger  Warenzug  in  Böhmen
aufgehalten 1 ).  Trotz  solcher  nicht  seltenen  Ueberfälle  warfen
die  Unternehmungen  einen  recht  ansehnlichen  Gewinn  ab,
wie  aus  den  Abrechnungen,  die  Fritz  Kress  machte,  hervorgeht.
So  heisst  es  im  Jahre  1403:  „wir  hetten  gewunnen  13)4  fl  am
hundert".
Nach  dem  Tode  des  Fritz  im  Jahre  1406  übernahm  dessen
Sohn  Konrad  Kress  die  Leitung.  Paumgartners  Einfluss  muss
aber  daneben  sehr  bedeutend  gewesen  sein,  da  die  Gesellschaft
von  jetzt  an  den  Namen  „Conradten  Kressen  und  Cunraden
Paumgarttners  gesellschaft“  führte.  Andere  Teilhaber  waren
zeitweise  Paulus  Vorchtel  und  Hans  Waldstromer,  die  mit  der
Familie  Kress  verwandt  waren.  Von  Paumgartners  Seite  trat
1424  Endres  Tücher,  seit  1420  Konrad  Paumgartners  Schwiegersohn, ­
  mit  einem  Kapital  von  2000  fl  bei 2 ).  Einen  interessanten
Aufschluss  über  die  Handelsartikel  der  Gesellschaft  erhalten
wir  im  Jahre  1426.  Damals  wurden  in  der  Nähe  von  Landsberg
einer  Reihe  von  Nürnbergern  Warenzüge  aufgehalten 3 ).  Es  befanden ­
  sich  dabei  auch  solche  der  Kress-Baumgartner-Gesellschaft, ­
  nämlich  „ein  Ballen  mit  Baumwolle  beschlagen  und  mit
dem  Zeichen  X;  darin  waren  4  Säcke  Ingwer,  2  Büschel 4 )  in
Brettern  mit  einem  roten  und  einem  schwarzen  Sammat  und
mit  2  Tüchern  von  Damasko,  3  Büschel  Gold-  und  Silberfelle
in  einen  Rock  und  Mantel  gebunden“.  Das  hier  genannte
Warenzeichen  ist  das  Kress’sche.  Die  Gegenstände  kamen
wahrscheinlich  aus  Italien,  vermutlich  aber  nicht  aus  Venedig,

die  reichste  Person,  die  „Dächsin“,  ein  Vermögen  von  21  630  fl  versteuert. ­
  (Jac.  Strieder:  Zur  Genesis  d.  modern.  Kapitalismus,
Leipzig  1904,  S.  10.)
1 )  Rotha.  a.  O.  Bd.  I  S.  140,  Auch  inMüllners  Annalen  III
S.  52  ist  dieser  Ueberfall  erwähnt.  Ich  zitiere  dieses  Werk,  das  bekanntlich ­
  nur  handschriftlich  vorhanden  ist,  nach  dem  auf  der  Kgl.  Hof-  und
Staatsbibliothek  vorhandenen  Exemplar  Cgm  2074.
2 )  Chroniken  der  deutschen  Städte  Bd.  II,  Einleitung  S.  5  Anm.  3.
3 )  J.  Baader  a.  a.  O.  S.  108  ff.
*)  Büschel  =  buschförmige  Verbindung  von  Dingen,  z.  B.  Bänder.
(Schmeller,  Joh.  Andr.:  Bayerisches  Wörterbuch.  München  1869  ff.
Bd.  I  Sp.  299.)
        <pb n="14" />
        8

da  im  Jahre  1426  die  von  Kaiser  Sigismund  mehrmals  über
jene  Stadt  verhängte  Handelssperre  wieder  in  Kraft  war 1 ).
Infolge  des  erzielten  Gewinnes  und  des  Beitritts  von  Teilhabern ­
  war  das  Gesellschaftsvermögen  im  Jahre  1422  auf
47  770  fl  gestiegen.  Nach  dem  Tode  des  Konrad  Kress,  der
1430  starb,  löste  sich  die  Handelsgesellschaft  auf.  Damals
wandten  sich  die  Gläubiger  des  Kress  durch  Venedigs  Vermittlung ­
  an  den  Rat  von  Nürnberg,  um  zu  ihrem  Geld  zu
kommen.  Ob  Kress  schliesslich  in  Zahlungsschwierigkeiten
geraten  war,  oder  ob  jene  Gläubiger  nur  jetzt  ihre  Aussenstände
hereinzubringen  suchten,  geht  aus  dem  Schreiben  nicht  hervor.
Paumgartners  Name  wird  dabei  überhaupt  nicht  erwähnt 2 ).
So  wenig  wir  von  der  inneren  Organisation  und  der  äusseren
Geschichte  unserer  Handelsgesellschaft  während  ihres  dreissigjährigen
  Bestehens  wissen,  wir  gewinnen  doch  den  Eindruck,
dass  dieselbe,  was  Betriebskapital  und  Ausdehnung  betrifft,
zu  den  bedeutendsten  der  damaligen  Zeit  gehörte.  Für  Konrad
Paumgartner  aber  war  die  Beteiligung  an  ihr  eine  gute  Schule
gewesen.  Als  junger  Mann  war  er  eingetreten,  jetzt  nach  ihrer
Auflösung  stand  er  in  der  Vollkraft  des  Lebens,  reich  an  Erfahrungen, ­
  die  er  nun  für  sein  eigenes  Geschäft  benützen  konnte.
Er  nahm  nämlich  keine  dauernden  Mitgesellschafter  mehr  an,
sondern  führte  den  Handel  in  selbständiger  Weise  fort.  Nur
seine  Söhne  Konrad  (geb.  1406)  und  Anton  (geb.  1418)  waren
an  seinen  Unternehmungen  beteiligt.  Wenn  wir  von  diesen
einige  Kenntnis  haben,  so  verdanken  wir  das  den  gelegentlich
erwähnten  Ueberfällen  auf  Paumgartners  Warenzüge.  Im
Jahre  1434  warfen  Hartwig  von  Ramungen  und  einige  andere
Placker  einen  Kaufmannszug  nieder,  in  dem  sich  auch  Ballen
mit  Tüchern  aus  Köln,  Konrad  Paumgartner  gehörig,  befanden 3 ).
Sie  trugen  das  neue  Paumgartnersche  Warenzeichen  £ 4 ).
Bis  nach  den  Niederlanden  erstreckten  sich  damals  Paum-1
 )  Wilh.  S  t  i  e  d  a:  Hansisch-venezianische  Handelsbeziehungen  im
15.  Jahrhundert,  Rostock  1894  S.  30.  Vielleicht  hängt  mit  dieser  Handelssperre ­
  auch  der  Bankrott  des  Nürnberger  Kaufmanns  Seyfried
Schmelzing  zusammen.  Konrad  Paumgartner  hatte  von  ihm  1800  fl
zu  bekommen.  (Simonsfeld  a.  a.  O.  Bd.  I  Urk.  Nr.  388.)
2 )  Simonsfeld  a.  a.  O.  Bd.  I  Urk.  Nr.  375  ff.
3 )  J.  B  a  a  d  e  r  a.  a.  O.  S.  110.
4 )  Dieses  Handelszeichen  führten  später  auch  die  Augsburger
Paumgartner.
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        9

gartners  Handelsbeziehungen.  Im  Jahre  1436  wurden  Nürnberger ­
  Bürgern  in  den  jülichischen  Landen,  als  sie  von  einem
Markt  von  Antorff  (=  Antwerpen)  heimzogen,  ihre  Waren
weggenommen  und  sie  selbst  gefangen  nach  Geldern  geführt 1 ).
Unter  ihnen  befand  sich  auch  Konrad  Paumgartner  d.  J.,  der
wohl  im  Auftrag  seines  Vaters  den  Markt  besucht  hatte.  Erst
auf  die  energische  Einsprache  des  Nürnberger  Rats,  der  nach
Brüssel,  Löwen,  Aachen  und  an  den  Kurfürsten  Dietrich  II.
von  Köln  schrieb,  wurden  die  Gefangenen  wieder  in  Freiheit
gesetzt.  Dass  Paumgartner  auch  noch  Handel  mit  Gewürzen
trieb,  zeigt  ein  Vorfall  des  Jahres  1442.  Damals  lag  Ulrich
von  Cilly,  einer  der  mächtigsten  Herren  Steiermarks,  in  Fehde
mit  König  Friedrich  III.  und  glaubte  für  die  Forderungen,
die  er  an  diesen  hatte,  die  Reichsstadt  Nürnberg  haftbar  machen
zu  können.  Er  liess  daher  durch  seinen  Pfleger  Endres  von  Graben
in  Steiermark  einen  Warenzug  der  Nürnberger  überfallen,  der
fast  nur  Paumgartnersches  Gut,  nämlich  14  Saum  Pfeffer,
enthielt 2 ).  Der  Nürnberger  Rat  machte  alle  Anstrengungen,
um  seinem  Mitbürger  wieder  zu  seinem  Eigentum  zu  verhelfen,
worauf  Endres  von  Graben  die  Waren  schliesslich  wieder
herausgab.
Dies  sind  die  wesentlichsten  Nachrichten,  die  sich  über
Konrad  Paumgartners  Handel  erhalten  haben.  Es  sind  nur
zufällige  Notizen  ohne  inneren  Zusammenhang,  sie  lassen  aber
doch  erkennen,  dass  wir  es  hier  mit  einem  sehr  ausgedehnten
Grosshandel  zu  tun  haben,  wie  ihn  im  gleichen  Umfang  wenig
andere  Nürnberger  betrieben  haben  werden.  Im  Nord  westen
des  Reichs  so  gut  wie  im  Südosten,  in  den  Niederlanden  und  in
Steiermark  trafen  wir  Paumgartners  Warenzüge.  Seinen  Hauptstützpunkt ­
  aber  hatte  dieser  Handel  in  Venedig.  Um  das
Jahr  1434  war  dort  Konrad  Paumgartner  neben  dem  Augsburger ­
  Hans  Hoy  und  dem  Frankfurter  Konrad  Neuhaus  einer
der  bekanntesten  Kaufherrn 3 ).  Er  hatte  schon  zusammen  mit
Kress  im  Fondaco  ein  eigenes  Gewölbe  in  Miete  gehabt,  später
*)  Müllner,  Annalen  III  (Cgm  2074)  S.  390.
2 )  Kreisarchiv  Nürnberg:  Briefbuch  XV,  S.  255  u.  274.  Die  hierher
gehörigen  Urkunden  sind  abgedruckt  bei  Simonsfelda,  a.  O.  Bd.  I
Urk.  Nr.  439,  441  u.  ff.
3 )  Alexander  Dietz:  Frankfurter  Handelsgeschichte,  Frankf.  a.  M.
1910  Bd.  I  S.  259,  leider  ohne  Quellenangabe.
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        IO

treffen  wir  sogar  einen  ständigen  Faktor  der  Firma  in  Venedig.
Eine  andere  Filiale  besass  dieselbe  in  Wien 1 ).
Die  Tätigkeit  des  spätmittelalterlichen  Kaufmanns  ging
jedoch  im  Warenhandel  —  mochte  er  auch  noch  so  ausgedehnt
sein  •—-  nicht  auf.  Dieser  bildete  vielfach  sogar  nur  die  Grundlage ­
  und  Voraussetzung  für  das  Geld-  und  Bankiergeschäft,
dem  sich  seit  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  auch  christliche
Kaufleute  zuwandten.  Vorher  wurde  es  zum  grössten  Teil  von
den  Juden  ausgeübt,  da  die  Kirche  ja  Geldleihen  gegen
Zins  verbot 2 ).  Es  war  jetzt  nur  eine  natürliche  Entwicklung,
wenn  der  Kaufmann,  dessen  Kapitalien  im  Warenhandel  sich
vergrösserten,  sein  Geld  durch  Ausleihen  nutzbringend  anzulegen ­
  suchte.  Frühzeitig  finden  wir  daher  auch  Konrad  Paumgartner
  als  Geldgeber  einzelner  Fürsten.  So  lieh  er  im  Jahre  1417
zusammen  mit  Ulrich  Haller  d.  Ae.  und  Sebald  Pfinzing  dem
Burggrafen  Friedrich  von  Nürnberg  2200  fl,  als  dieser  zu  Konstanz ­
  mit  der  Markgrafschaft  Brandenburg  und  der  Kur  belehnt
wurde 3 ).  Ebenso  streckte  er  zusammen  mit  Hans  Rummel  und
Ulrich  Ortlieb  dem  Kaiser  Sigismund  bei  seinem  Aufenthalt  in
Nürnberg  im  Jahre  1431  6000  fl  vor 4 ).
Seit  dem  Jahre  1439  stand  Paumgartner  dann  in  finanziellen ­
  Beziehungen  zu  Ludwig  dem  Höckerigen,  dem  Sohne
Ludwigs  des  Gebarteten,  Herzogs  von  Bayern-Ingolstadt 5 ).
In  dem  ärgerlichen,  unnatürlichen  Krieg,  den  Ludwig  d.  J.
damals  gegen  seinen  Vater  begann,  stand  auf  des  ersteren  Seite
Markgraf  Albrecht  Achilles,  der  wohl  die  Aufmerksamkeit
seines  Verbündeten  auf  den  Nürnberger  Kaufmann  lenkte,  als
es  galt,  für  die  Kriegszwecke  Geld  aufzubringen  oder  wenigstens
zahlungskräftige  Bürgen  zu  erlangen.  So  hatte  Herzog  Ludwig
im  Jahre  1439  von  dem  Ritter  Hans  v.  Lidbach  2000  fl  entliehen, ­
  die  bis  Lichtmess  1440  wieder  zurückbezahlt  werden
sollten.  Wilhelm  von  Rechberg,  der  in  Albrechts  Diensten
*)  Siehe  u.  S.  15  Anm.  5.
2 )  Richard  Ehrenberg:  Das  Zeitalter  der  Fugger,  Jena  1896
Bd.  I  S.  43  ff.
3 )  Andreas  Würfel:  Historisch-genealogische  und  diplomatische
Nachrichten  zur  Erläuterung  der  Nürnberger  Stadtgeschichte,  Nürnberg ­
  1766  Bd.  I  S.  372.
4 )  W.  Alt  mann:  Regesten  zur  Regierung  Kaiser  Sigismunds
(Regesta  imperii  XI)  Nr.  8769.
‘)  Sigismund  Riezler:  Geschichte  Bayerns  Bd.  III  S.  335  ff.
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        II

&amp;gt;  stand,  Konrad  Paumgartner  und  ein  anderer  Nürnberger,
Peter  Steinberger,  verbürgten  sich  als  ,,  Selbstschuldner‘',  indem
sie  versprachen,  dem  Lidbach  die  2000  fl  zu  bezahlen,  falls
Ludwig  den  Termin  nicht  einhielte.  Gleichzeitig  brachten  die
drei  genannten  Bürgen  bei  dem  Juden  Seligmann  Bach  von
Nürnberg  1000  fl  für  Herzog  Ludwig  auf  und  leisteten  auch
hierfür  Bürgschaft.  Dem  Juden  mussten  19  %  Zins  gegeben
werden.  Um  Wilhelm  von  Rechberg,  Paumgartner  und  Peter
Steinberger  ihrerseits  sicherzustellen,  gab  ihnen  der  Herzog
am  11.  September  1439  einige  Kleinodien  zum  Pfand 1 ).  Am
22.  Januar  1440  kam  ein  ähnlicher  Vertrag  mit  denselben  drei
Personen  zustande,  die  diesmal  bei  anderen  Nürnberger  Juden
1800  fl  (gegen  24  %  Verzinsung)  für  Herzog  Ludwig  aufgebracht
hatten.  Auch  hierfür  wurden  den  Bürgen  Kleinodien  zum
Pfand  gesetzt 2 ).  Ludwigs  d.  J.  Unternehmungen  waren  bekanntlich ­
  vom  Glück  begünstigt.  Er  eroberte  eine  Stadt  seines
Vaters  nach  der  andern  und  begann  am  12.  Mai  1443  die  Belagerung ­
  von  Neuburg.  Am  Mittwoch  nach  Bartholomäi
(28.  August)  1443  stellten  Ludwig  und  sein  Bundesgenosse
Albrecht  zu  „Neuburg  im  Veldt"  dem  Konrad  Paumgartner
und  Peter  Steinberger  einen  Schuldbrief  über  1046  fl  85  hl
aus 3 ).  Diese  Summe  hatten  die  beiden  Kaufleute  in  Nürnberg
für  die  Fürsten  bezahlt,  als  diese  dort  zu  Belagerungszwecken
75  Ztr.  45  Pfd.  Salpeter  und  41  Ztr.  Schwefel  gekauft  hatten.
Bis  Mittfasten  1444  sollte  die  Schuld  zurückgezahlt  sein.  Von
weiteren  Geldgeschäften  hören  wir  nichts  mehr 4 ).  Da  Lud-1
 )  München,  Reichsarchiv:Neuburger  Kopialbücher  XIII,  fol.  38a.  b.
Die  Kleinodien  (Sechs  grosse  gülden  Stuck  und  hefftlein  und  sechs  kleine
gülden  Stuck  darzwischen,  darinnen  versetzt  sein  sechsunddreissig  palas
[=  blasser  oder  völlig  weisser  Edelstein],  siebentzehn  diamandt  grosser
und  klainer  und  siebenundzwentzig  grosser  perlin)  stammten  wohl  aus
dem  Besitz  Ludwig  des  Gebarteten,  der  dieselben  am  Hof  seiner  Schwester
Isabeau  in  Paris  erworben  hatte.
2 )  Neuburger  Kopialbücher  XIII,  fol.  40  a.  b.
3 )  Neuburger  Kopialbücher  XIII,  fol.  234.
*)  Als  sich  nach  Beendigung  des  Krieges  zwischen  Ludwig  d.  J.
und  dem  obengenannten  Lidbach  Streitigkeiten  erhoben,  machte  Albrecht
Achilles  den  Vermittler.  Lidbach  sollte  das  Schloss  Gansheim,  das,
wie  es  scheint,  Gegenstand  der  Irrung  war,  an  Ludwig  um  2200  fl  abtreten ­
  und  dazu  noch  2000  fl  leihen.  Konrad  Paumgartner  und  Peter
Steinberger  verbürgten  sich  dafür,  dass  Ludwig  die  2000  fl  samt  jährlich
200  fl  Zins  innerhalb  drei  Jahren  zurückzahle.  Neubg.  Kopialb.  XIII,
        <pb n="18" />
        —  12  —
wig  d.  J.  bereits  im  Jahre  1445  starb,  so  hörten  die  Beziehungen
zu  den  Wittelsbachern  zunächst  wieder  auf.
Dagegen  lassen  sich  etwa  zehn  Jahre  später  Verbindungen
unseres  Nürnberger  Handelshauses  mit  der  Kurie  nach  weisen.
Als  Schutzherr  der  abendländischen  Christenheit  hielt  sich
der  Papst  nach  dem  Fall  Konstantinopels  für  verpflichtet,  dem
weiteren  Vordringen  der  Türken  gegen  Westen  entgegenzutreten, ­
  da  die  weltlichen  Mächte,  voran  der  Kaiser,  versagten.
Calixt  III.  (1455—1458)  griff  diesen  Gedanken  mit  einer  für
sein  hohes  Alter  bewundernswerten  Energie  auf.  Um  die
Mittel  für  eine  zu  bauende  Flotte  zu  beschaffen,  wurde  ein
Türkenzehnte  in  der  Christenheit  erhoben 1 ).  Hauptsammelstelle ­
  für  die  einlaufenden  Gelder  war  das  Bankhaus  der  Medici
in  Florenz,  das  die  Geldgeschäfte  der  Kurie  besorgte 2 ),  und  bei
dem  Calixt  6000  Dukaten  für  den  Flottenbau  aufgenommen
hatte.  In  alle  Länder  entsandte  nun  der  Papst  Kreuzzugsprediger, ­
  die  zugleich  als  Zehntensammler  (Kollektoren)
fungierten.  Für  Nordeuropa  (Dänemark,  Schweden  und  Norwegen, ­
  die  Erzbistümer  Lemberg  und  Magdeburg,  die  Bistümer ­
  Bamberg  und  Münster)  ernannte  Calixt  am  26.  März  1457
den  Subdiakon  der  Diözese  Parma,  Marinus  de  Fregeno,  zum
Kollektor 3 ).  Das  von  ihm  gesammelte  Geld  sollte  er  bei  dem
Bankhaus  Paumgartner  in  Nürnberg  abliefern,  welches  dann
wahrscheinlich  die  einlaufenden  Summen  an  die  Medici  weiter
leitete.  Marinus  scheint  bei  seiner  Mission  nicht  geschickt  vorgegangen ­
  zu  sein,  da  sich  bald  Klagen  gegen  ihn  erhoben.
Besonders  Sachsen  war  ein  Herd  der  Opposition 4 ).  Er  wurde
daher  am  8.  Juni  1458  durch  ein  päpstliches  Schreiben  heimberufen. ­
  Das  Ergebnis  seiner  Sammlung  sollte  er  zuvor  bei
Paumgartner  deponieren 5 ).  Marinus  muss  sich  in  Rom  genügend
fol.  236.  Vgl.  Erh.  Waldemar  Kanter:  Markgraf  Achilles  von  Brandenburg ­
  Bd.  I  (1911)  S.  234.
4  Ludwig  Pastor:  Geschichte  der  Päpste  Bd.  I  (3.  u.  4.  Aufl.)
S.  655  ff.  u.  bes.  S.  659  Anm.  6.
s )  Ehrenberg:  Zeitalter  d.  Fugger  I  S.  46  ff.
3 )  Das  auf  Marinus  de  Fregeno  (vgl.  Pastor  a.  a.  O.  S.  664
Anm.  1)  bezügliche  Urkundenmaterial  ist  veröffentlicht  in:  Diplomatarium
  Norvegicum  XVII  (Christiania  1907)  S.  519  ff.  u.  1242  ff.  Die
Ernennungsurkunden  stehen  unter  Nr.  1242—1245.
*)  Archiv  f.  sächsische  Geschichte  V  (1867)  S.  117  ff-*)
  Dipl.  Norv.  XVII  Urk.  Nr.  1246.
        <pb n="19" />
        13

*  gerechtfertigt  haben,  da  ihn  Calixts  Nachfolger  Pius  II.  am
5.  Juli  1459  wieder  als  Kollektor  auf  stellt 1 ).  In  dem  nämlichen
Schreiben  bestätigt  der  Papst  die  Firma  Paumgartner  in  Nürnberg ­
  von  neuem  als  Sammelstelle  der  eingehenden  Türkengelder
und  wies  in  einem  Breve  vom  30.  Juli  1459  auch  den  Kurfürsten
von  Sachsen  an,  die  noch  nicht  abgelieferten  Kreuzzugsgelder
an  die  apostolische  Kammer  oder  an  Paumgartner  abzuschicken 2 ).
Die  genannten  Urkunden  zeigen,  dass  Paumgartners
Name  in  Rom  nicht  unbekannt  war.  Anderweitige  Nachrichten
bestätigen  dies.  Im  Jahre  1458  ff  weilte  der  Kaplan  und  spätere
Protonotar  des  päpstlichen  Stuhles,  Thomas  Pirkheimer,
mehrmals  an  der  Kurie,  um  für  die  Herzoge  Albrecht,  Wolfgang ­
  und  Christoph  von  Bayern,  die  sich  dem  geistlichen  Berufe ­
  widmen  sollten,  Bullen  und  Dispensationen  zu  erwirken 3 ).
Nach  Regensburg,  wo  er  Geistlicher  war,  zurückgekehrt,  berichtet ­
  Pirkheimer  in  einem  Schreiben  den  Herzogen  Johann
und  Sigismund  über  den  Erfolg  seines  römischen  Aufenthaltes 4 ).
Er  gibt  unter  anderem  den  Rat,  man  solle  das  Geld  für  die  erlangten ­
  Bullen  nicht  direkt  nach  Rom  senden,  sondern  von
Anton  Paumgartner  zu  Nürnberg  Wechselbriefe  nehmen
und  diese  auf  Christoph  Schachner,  einen  geborenen  Bayern,
der  sich  in  Rom  aufhalte,  ausstellen  lassen.  Schachner  werde
dann  die  Bullen  herausbringen.  Dem  Paumgartner  gebe  man
für  je  100  Dukaten  135  fl 5 ).  Ob  Paumgartner  einen  Vertreter
in  Rom  hatte  —  vielleicht  den  genannten  Schachner  —  oder
ob  der  Wechsel  bei  einem  mit  Paumgartner  befreundeten
römischen  Bankhaus  eingelöst  wurde,  muss  aus  Mangel  an
weiteren  Belegen  dahingestellt  bleiben.  Jedenfalls  aber  zeigen
9  Dipl.  Norv.  XVII  Urk.  Nr.  638.  Mit  der  Revision  der  Angelegenheit ­
  des  Marinus  betraute  Pius  II.  den  Propst  von  Nürnberg  Johannes
Lochner  (Dipl.  Norv.  XVII  Urk.  Nr.  634).
9  Fontes  rerum  Austriacarum  II,  42  S.  283.
3 )  Riezlef:  Geschichte  Bayerns  III  S.  462  ff.  Eine  kurze
Uebersicht  über  den  interessanten  Lebensgang  dieses  Thomas  Pirkheimer ­
  gibt  Arnold  R  e  i  m  a  n  n:  Pirkheimer-Studien  (Dissertation  1900).
Leider  liegt  nur  die  Inhaltsübersicht  der  Thomas  Pirkheimer  betreffenden ­
  Kapitel  der  Arbeit  vor.
4 )  München,  Reichsarchiv:  Fürstensachen  Nr.  250.  Das  Schreiben,
,  datiert  regensburg  am  mitwoch  vor  thome,  gehört  wohl  ins  Jahr  1460.
6 )  Die  Fugger,  die  später  ähnliche  Wechselgeschäfte  machten,  berechneten ­
  für  100  Dukaten  134  fl  minder  1  ort.  (Max  J  a  n  s  e  n:  Anfänge
der  Fugger  S.  52.)
4
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        14

die  angeführten  Urkunden,  dass  sich  unser  Nürnberger  Handelshaus ­
  zu  einer  in  der  internationalen  Finanzwelt  angesehenen
Stellung  emporgeschwungen  hatte.  Wenn  uns  bei  diesen  Geschäften ­
  jetzt  häufig  statt  Konrad  Paumgartner  der  Name
seines  Sohnes  Anton  begegnet,  so  hat  dies  seinen  Grund  darin,
dass  der  hochbetagte  Konrad  sich  vom  Geschäft  mehr  zurückzog
und  dessen  Leitung  seinen  Söhnen  Konrad  und  Anton  überliess.
Dem  letzeren  fiel,  da  sein  Bruder  schon  1457  starb,  schliesslich
die  alleinige  Führung  zu.  Bevor  wir  jedoch  auf  die  weiteren
Schicksale  des  Handelshauses  näher  eingehen,  wollen  wir  noch
einen  Blick  auf  Konrad  Paumgartners  Tätigkeit  im  Dienste
seiner  Vaterstadt  und  sein  Privatleben  werfen.

2.  Konrad  Paumgartner  als  Ratsherr  und  in  seinem
Familienleben.
Konrad  Paumgartner  ging  nicht  gänzlich  in  seinem  kaufmännischen ­
  Beruf  auf 1 ).  Er  gehörte  seit  dem  Jahre  1424  dem
Rat  seiner  Vaterstadt  an,  war  seit  1440  Alter  Bürgermeister
und  hat  sich  an  der  Regierung  des  städtischen  Gemeinwesens
eifrig  beteiligt 2 ).  Wiederholt  berichten  die  Chroniken  und  Briefbücher ­
  von  Aufträgen,  mit  deren  Ausführung  ihn  seine  Mitbürger ­
  betrauten.  Besonders  gern  verwendete  man  den  welterfahrenen ­
  Ratsherrn  zu  Gesandtschaften  an  benachbarte  Fürsten, ­
  oder  ordnete  ihn  ab,  wenn  es  galt,  auf  Städtetagen  die
Rechte  Nürnbergs  zu  vertreten.  So  war  er  im  Jahre  1438,
als  die  Pfarrei  St.  Lorenz  neu  besetzt  werden  musste,  zweimal
bei  dem  Bischof  von  Bamberg,  um  dort  die  Wünsche  der  Stadt
vorzutragen 3 ).  In  nahen  Beziehungen  stand  Paumgartner
besonders  zu  dem  Burggrafen  und  späteren  Kurfürsten  Friedrich ­
  I.  von  Brandenburg,  was  besonders  daraus  hervorgeht,  dass
er  in  dessen  letzten  Tagen  in  seiner  Nähe  weilte  (September
‘)  Anderseits  muss  entgegengesetzten  Behauptungen  gegenüber
immer  wieder  darauf  hingewiesen  werden,  dass  die  Betätigung  im  Grosshandel ­
  für  die  Patrizier  der  Reichsstädte  keine  Schädigung  ihres  Ansehens ­
  bedeutete.  Nur  der  Detailhandel  war  ihnen  verboten.  Wir  finden
die  angesehensten  Nürnberger  Geschlechter  (Beheim,  Haller,  Tücher,
Imhof)  auf  dem  Gebiet  des  Handels  tätig.
2 )  Nürnberger  Ratsbücher  z.  B.  Cgm  2050  fol.  427.
3 )  Chroniken  der  deutschen  Städte  I  Beilage  XIII  S.  457  ff.
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        15

144°)  un d  von  ihm  zu  einem  seiner  Testamentsvollstrecker
ernannt  wurde 1 ).  Weniger  freundlich  gestalteten  sich  dann,
wie  bekannt,  die  Beziehungen  Nürnbergs  zu  Friedrichs  I.
Sohn,  dem  streitbaren  Albrecht  Achilles.  Als  dieser  im  Jahre
1449  der  Stadt  Fehde  ansagte,  war  Konrad  Paumgartner  mit
Rat  und  Tat  zur  Hand.  Er  wurde  mit  anderen  angesehenen
Bürgern  auf  die  Tage  nach  Bamberg  und  Ingolstadt  gesandt,
wo  man  vor  Ausbruch  des  Krieges  noch  eine  Versöhnung  herbeizuführen ­
  hoffte  (Juni  und  Juli  1449) 2 ).  Während  des  Kampfes ­
  selbst  war  er  einer  der  fünf  von  der  Stadt  aufgestellten
Kriegsräte 3 ).  An  den  Beratungen,  die  dann  auf  eine  Einigung
und  Friedensschluss  hinzielten,  nahm  er  ebenfalls  teil.  Zu
einem  Ergebnis  führten  diese  Verhandlungen  erst  auf  dem
Tage  zu  Lauf  (27.  April  1453),  dem  Paumgartner  zusammen
mit  Gregor  Heimburg,  Niklas  Muffel  und  Erhard  Schürstab
als  Vertreter  Nürnbergs  anwohnte 4 ).
Natürlich  bediente  sich  die  Stadt  auch  ihres  Mitbürgers
in  seiner  Eigenschaft  als  Kaufmann,  wenn  sie  in  die  Lage  kam,
Geldgeschäfte  und  ähnliche  in  das  Gebiet  des  Handels  einschlägige ­
  Angelegenheiten  zu  erledigen.  Wir  haben  oben  gesehen, ­
  wie  Paumgartner  seit  dem  Jahre  1456  bei  der  Sammlung
der  Türkengelder  im  Auftrag  der  Kurie  beteiligt  war.  In  Nürnberg ­
  predigten  damals  Johannes  Capistrano  und  der  Kardinal
Carvajal  gegen  die  Türken.  Als  sich  daraufhin  800  Kreuzfahrer
sammelten,  deren  Verpflegung  die  Stadt  auf  sich  nahm,  wurde
die  Firma  Paumgartner  beauftragt,  das  Geld  für  die  Unterhaltungskosten ­
  vorzustrecken.  Es  sind  mehrere  Schreiben
erhalten,  in  denen  der  Nürnberger  Rat  dem  Vertreter  Paumgartners
  die  Weisung  gibt,  an  die  Hauptleute  des  Zuges  Summen ­
  für  diesen  Zweck  auszubezahlen 5 ).
1 )  Das  Testament  Kurfürst  Friedrich  I.  von  Brandenburg  (f  21.  September ­
  1440)  ist  abgedruckt  bei  Julius  von  Minutoli:  Friedrich  I.,  Kurfürst ­
  von  Brandenburg  S.  334.  Der  Kurfürst  teilte  dem  Kaufmann
gelegentlich  auch  wichtige  briefliche  Nachrichten  mit,  die  ihm  zukamen.
(Vgl.  Anzeiger  f.  Kunde  der  deutschen  Vorzeit  1863  Spalte  392  und
Joh.  Janssen:  Frankfurts  Reichskorrespondenz  Bd.  I  Freiburg  i.  Br.
1863  S.  472.)
2 )  Chroniken  der  deutschen  Städte  II  S.  365  u.  374.
3 )  Ebenda  S.  245.
*)  Ebenda  S.  413.
6 )  Die  Hauptleute  der  Kreuzfahrer,  die  in  Wien  von  dem  dortigen
        <pb n="22" />
        i6

Mannigfach  waren  die  Pflichten  und  Aufgaben,  die  an  den
Bürger  und  Ratsherrn  einer  Stadt  wie  Nürnberg  herantraten,
das  damals  von  starkem  Leben  durchflutet  war.  Paumgartner
nahm  an  allen  Ereignissen,  die  das  Wohl  und  Wehe  seiner
Vaterstadt  betrafen,  innigen  Anteil.  Nicht  minder  gross  aber
war  die  Fürsorge  für  seine  Familie,  die  ihm  zu  verdanken  hatte,
was  sie  an  Glanz  und  Ansehen  besass.  Das  Nürnberger  Patriziat ­
  des  15.  Jahrhunderts  zeichnet  überhaupt  ein  ausgeprägter ­
  Familiensinn  aus.  Fast  in  jedem  dieser  Geschlechter
fanden  sich  damals  Männer,  die  schlichte  Aufzeichnungen  über
Geburt,  Hochzeit  und  Tod  ihrer  Angehörigen  machten 1 ).
Auch  von  Konrad  Paumgartners  Hand  besitzen  wir  solche
kurze  Notizen  über  die  wichtigsten  Vorfälle  in  seiner  Familie.
Sie  haben  sich  in  mehreren  Abschriften  erhalten  und  sind
wegen  der  Fülle  ihrer  Daten  nicht  ohne  Wert  für  die  Geschichte
Nürnbergs  und  seines  Patriziats 2 ).  Paumgartner  will  in  dieser
„handtschrifft“  berichten,  ,,was  und  wie  vil  er  kinder,  enicklein
und  urenicklein  erlebt  hat,  und  von  im  herkomen  und  geporn
sind“,  seine  Aufzeichnungen  aber  sind  für  uns  zugleich  ein
Beweis  für  die  angesehene  Stellung,  die  seine  Familie  im  Nürnberger ­
  Patriziat  einnahm.  Zu  vielen  der  in  Nürnbergs  Geschichte
ausgezeichneten  Geschlechter  sind  die  Paumgartner  in  verwandtschaftliche ­
  Beziehung  getreten.  Konrad  Paumgartner
selbst  war  zweimal  verheiratet.  Nach  dem  Tod  seiner  schon

Faktor  Paumgartners  das  Geld  in  Empfang  nahmen,  waren  Ott  Herdegen ­
  von  Nürnberg  und  derSchweizer  Heinrich  von  Malters  gen.  Schlosser.
Ihre  Korrespondenz  mit  dem  Rat  der  Stadt  hat  sich  in  den  Nürnberger
Briefbüchern  Bd.  26  fol.  210  b  u.  236  erhalten.  Vgl.  auch  Chroniken  der
deutschen  Städte  III  S.  411.  Die  Briefe  sind  abgedruckt  in:  Anzeiger
für  Kunde  der  deutschen  Vorzeit  1863  Spalte  252  ff.  und  Fontes  rerum
Austriacarum  II42  S.  192.
r)  Erinnert  sei  nur  an  Ulman  Stromers  Puechl  von  meinem
Geschlecht  (Chroniken  der  deutschen  Städte  Bd  .  1)  und  Erasmus  Schürstabs ­
  Geschlechterbuch  (veröffentl.  von  Friedr.  Weechim  31.  Jahresbericht ­
  d.  Hist.  Vereins  von  Mittelfranken  S.  39  ff.).
2 )  Eine  Abschrift  ist  erhalten  in  dem  Collektaneenband  H  der
Scheurischen  Bibliothek,  jetzt  im  Archiv  des  Germanischen  Museums
aufbewahrt.  Diese  Abschrift  rührt  wahrscheinlich  von  Hans  Hallers
Hand  her.  Es  hat  jedoch  auch  Christoph  Scheurl,  der  Besitzer  des
Kodex,  Nachträge  hinzugefügt.  Eine  zweite  Abschrift  von  Konrad
Paumgartners  Aufzeichnungen,  einst  in  Tucherschem  Besitz,  hat  sich
im  Kreisarchiv  Nürnberg  (D  1071)  erhalten.
        <pb n="23" />
        2

*7

obenerwähnten  ersten  Gemahlin  Anna  Kress  (f  22.  September ­
  1415)  schloss  er  am  22.  November  1417  eine  zweite  Ehe
mit  Klara,  der  Tochter  Konrad  Zenners.  Von  den  21  Kindern,
die  diesen  Ehen  entsprossten,  pflanzten  fünf  Söhne  das  Geschlecht ­
  fort,  vier  Töchter  verheirateten  sich  mit  angesehenen
Patriziern  aus  den  Familien  Tücher,  Löffelholz,  Graser  und
Tetzel.
Wohl  die  glänzendste  Verbindung  ging  Paumgartners
älteste  Tochter  Margareta  (geb.  1404)  ein.  Sie  vermählte
sich  im  Jahre  1420  mit  Endres  Tücher,  Hans  Tuchers  Sohn.
Der  Prunk,  der  bei  dieser  Hochzeit  entfaltet  wurde 1 ),  legte
Zeugnis  ab  von  dem  Wohlstand  der  beiden  Familien,  die  hier
in  verwandtschaftliche  Beziehung  zueinander  traten.  Noch
bekannter  in  der  Nürnberger  Stadtgeschichte  ist  die  Vermählung ­
  einer  anderen  Tochter  Paumgartners,  Kunigunde,
geworden,  die  sich  im  Jahre  1446  mit  Wilhelm  Löffelholz
verheiratete.  Zur  Feier  der  Hochzeit  veranstalteten  die  Patrizier ­
  ein  „Gesellenstechen“,  über  das  wir  durch  Abbildungen
und  schriftliche  Mitteilungen  unterrichtet  sind.  Dieses  Turnier ­
  soll  den  Adel  nicht  wenig  verdrossen  haben.  Die  Nürnberger ­
  selbst  glaubten,  dass  dasselbe  den  Ausbruch  des  Städtekrieges ­
  im  Jahre  1449  beschleunigt  habe 2 ).  Jedenfalls  legte  es
Zeugnis  ab  von  dem  Stolz  und  Selbstbewusstsein  des  unabhängigen ­
  Bürgertums  der  freien  Reichsstadt 3 ).
Neben  solch  frohen  Ereignissen  musste  Konrad  Paumgartner
  auch  manches  Traurige  in  seine  Familienchronik  aufnehmen. ­
  Von  einem  peinlichen  Handel,  der  besonders  seinen
Sohn  Anton  anging,  der  aber  auch  für  die  Entwicklung  des
Handelshauses  verhängnisvoll  wurde,  soll  weiter  unten  noch
die  Rede  sein.  Im  Jahre  1449  verlor  Paumgartner  in  wenigen
1 )  Chroniken  der  deutschen  Städte  II  S.  5  Anm.  3:  der  preütt
vergülter  gürtet  unnd  gülden  hefftlein  gestunden  58  gülden,  unnd  die
hochtzeitt  kopff,  mahelfingerlein,  clayder,  kürssner  lotter  ansing  und
kuchen  gelt,  badtclaidt  unnd  zech  zur  hochtzeitt  177  gülden;  darzu  gab
Hanns  Tücher  diesem  seinem  sun  gegen  800  fl  hayrat  guts  tausennt
gülden  gegenschatz  unnd  noch  tausennt  gülden  an  lehen  güettern  .  .  .
Vgl.  dazu  37.  Jahresber.  d.  Hist.  Ver.  v.  Mittelfranken  S.  120  ff.
2 )  Chroniken  der  deutschen  Städte  I  S.  218/19.
3 )  Das  Nürnberger  Gesellenstechen  vom  Jahr  1446,  radiert  und
herausgegeben  von  Philipp  Walter.  Mit  einer  geschichtlichen  Einleitung ­
  von  Prof.  Lochner  ,  Nürnbg.  1845.
        <pb n="24" />
        naoBKasi

—  18  —
Wochen  die  Gattin  (f  23.  August)  und  zwei  blühende  Kinder,
einen  Sohn  Sebald  (geb.  1411,  f  2.  September)  und  eine  Tochter ­
  Agnes  (geb.  1431,  f  16.  Oktober).  Auch  der  älteste  Sohn
Konrad,  der  wohl  bestimmt  war,  einst  das  Geschäft  zu  übernehmen, ­
  starb  1457  vor  seinem  Vater 1 ).
Aber  dafür  umgab  ihn  ein  stets  wachsender  Kreis  von
Enkeln  und  Urenkeln.  Aus  seinen  Aufzeichnungen  ergibt  sich,
dass  er  74  Enkel  und  40  Urenkel  erlebte.  Wie  ein  Patriarch
stand  er  inmitten  seiner  Familie.  Eine  alte  Tradition  hat  uns
die  Nachricht  aufbewahrt,  dass  er  alle  Weihnachten,  Sunwenden
und  Martini  seine  Enkel  um  sich  vereinigte  und  jedem  einen
neuen  Heller  verehrte,  ein  schlichter  Zug,  der  uns  das  Familienleben ­
  in  Konrad  Paumgartners  Hause  in  schönstem  Lichte
zeigt 2 ).  Bis  zum  Jahre  1461,  also  über  sein  achtzigstes  Lebensjahr ­
  hinaus,  ging  Paumgaitner  in  den  Rat.  Die  letzten  beiden
Jahre  seines  Lebens  war  er  krank  und  bettlägerig.  Er  starb
am  Montag  nach  St.  Gilgentag  (3.  September)  1464 3 ).  Ein
Leben  voll  rastloser  Tätigkeit  fand  damit  seinen  Abschluss.
Wir  haben  —  soweit  es  das  leider  nicht  sehr  reich  fliessende
Quellenmaterial  zuliess  —  versucht,  ein  allseitiges-  Bild  von
Konrad  Paumgartners  Wirken  auf  dem  Hintergrund  der  reichbewegten ­
  Stadt-  und  Zeitgeschichte  zu  entwerfen,  und  besonders ­
  seine  Bedeutung  für  die  Handelsgeschichte  ins  rechte
Licht  zu  setzen.  Von  kleinen  Anfängen  hatte  er  sein  Geschäft
zu  hoher  Blüte  geführt  und  mit  den  Kreisen  der  Handelsund ­
  Finanzwelt  wichtige  Beziehungen  angeknüpft.  An  seinem
Erben  lag  es  jetzt,  in  diesen  Bahnen  weiterzugehen.  Anton
Paumgartner,  an  den  als  an  den  ältesten  der  lebenden  Söhne
Konrads  die  Leitung  überging,  war  dieser  Aufgabe  nicht  gewachsen. ­
  Schon  ein  Jahr  nach  seines  Vaters  Tod  brach  über
ihn  die  Katastrophe  herein.

1 )  Nach  Konrad  Paumgartners  Familienchronik.  Die  an  sich  einförmigen ­
  Daten  dieser  Aufzeichnungen  sind  ein  neuer  Beleg  für  die  hohe
Sterblichkeitsziffer  in  den  Städten  des  Mittelalters.
2 )  Erwähnt  von  Lochnerim  Anzeiger  für  Kunde  der  deutschen
Vorzeit  1863  Spalte  392  (Alphabet.  Verzeichnis  der  im  1.  TI.  von  „Frankfurts ­
  Reichscorrespondenz“  vorkommenden  Nürnberger).
3 )  Diese  zuletzt  erwähnten  Daten  sind  Konrad  Paumgartners.
Familienaufzeichnungen  von  späterer  Hand  beigefügt.
        <pb n="25" />
        2*

!9

Drittes  Kapitel.
Anton  Paumgartner
und  der  Zusammenbruch  der  Firma.
Anton  Paumgartner  (geb.  1418)  ist  uns  im  Verlauf  unserer
Darstellung  bereits  begegnet,  da  er,  seit  sein  Vater  ins  höhere
Alter  getreten  war,  in  dessen  Namen  das  Paumgartnersche
Geschäft  weiterführte.  Seit  dem  Jahre  1442  war  er  verheiratet ­
  mit  Klara  Arzt,  die  dem  bekannten  Augsburger  Geschlecht
dieses  Namens  entstammte 1 ).  Durch  seine  Gemahlin  war  er
im  Jahre  1453  in  einen  ärgerlichen  Streit  verwickelt  worden,
der  für  seine  Vermögensverhältnisse  unheilvolle  Folgen  hatte
und  auch  weitere  Kreise  berührte.  Da  sich  darüber  ein  ausserordentlich ­
  reiches  und  interessantes  Material  erhalten  hat,
so  verlohnt  es  sich,  hier  näher  darauf  einzugehen 2 ).
Anton  Paumgartners  Schwiegervater,  Ulrich  Arzt,  war
im  Jahre  1426  nach  Aufgabe  seines  Bürgerrechts  von  Augsburg ­
  nach  Nürnberg  gezogen,  wo  er  im  Jahre  1436  starb 3 ).
Er  hinterliess  zwei  Söhne:  Ulrich  und  Hans  und  drei  Töchter 4 ).
Justina,  die  Hans  Ulstatt  heiratete,  Klara,  die  Gemahlin  Anton
1 )  Im  Gegensatz  hierzu  findet  sich  bei  Stetten  (Geschichte  der
adel.  Geschlechter  S.  195)  die  irrige  Annahme,  dass  Anton  Paumgartner
sich  erst  nach  seinem  Bankrott  im  Jahre  1475  in  Augsbug  mit  Klara
Arzt  vermählte.  Neuere  Historiker  (Strieder  u.  a.)  sind  Stetten  gefolgt ­
  und  haben  dadurch  ein  falsches  Bild  von  den  Anfängen  der  Paumgartner ­
  in  Augsburg  gegeben.  Wie  sich  die  Sache  in  Wirklichkeit  verhielt, ­
  wird  weiter  unten  dargelegt  werden.
2 )  Als  Quellen  für  die  ff.  Darstellung  der  handelsgeschichtlich
hochinteressanten  Vorgänge  kommen  Archivalien  im  Nbg.  Kreisarchiv
in  Betracht  und  ausserdem  ein  Kodex,  der  sich  als  Leihgabe  im  Besitz  der
Kgl.  Hof-  und  Staatsbibliothek  München  befindet.  (Cod.  Aschaff.  Nr.  9
Pap.)  Herr  Oberbibliothekar  Dr.  L  e  i  d  i  n  g  e  r  hatte  die  Freundlichkeit, ­
  mich  auf  denselben  aufmerksam  zu  machen.
3 )  Vgl.  über  ihn,  was  der  bekannte  Chronist  Burkard  Zink  unter
der  Ueberschrift  „Von  ainem  reichen  man“  erzählt.  (Chroniken  d.
deutschen  Städte  V  S.  72/73.)
*)  Zur  Erläuterung  diene  folgende  Stammtafel:
Ulrich  Arzt  J  1436

Hans  f  1453,  Ulrich  Justina,  Klara,  Ursula
m.  Anna  Graser  m.  Hans  Ulstatt  m.Ant.Paumg.  m.Sigm.Gossembr.
        <pb n="26" />
        Paumgartners,  und  Ursula,  die  sich  mit  dem  bekannten  Humanisten ­
  Sigmund  Gossembrot  vermählte.  Die  Söhne  Ulrich
Arzts  betrieben  nun  die  von  ihrem  Vater  gegründete  Handelsgesellschaft ­
  weiter,  an  der  auch  Hans  Ulstatt,  Sigmund  Gossembrot ­
  und  Klara  Arzt,  letztere  mit  ihrem  Heiratgut,  sich  beteiligten ­
 1 ).  Anton  Paumgartner  erklärte  später  wiederholt,
dass  er  für  seine  Person  der  Gesellschaft  fern  gestanden  habe.
Da  die  Mehrzahl  der  Teilhaber  in  Nürnberg  wohnte,  so  wurde
als  Sitz  der  Gesellschaft  diese  Stadt  bestimmt.  Sigmund
Gossembrot  liess  sich  in  Nürnberg  durch  Kaspar  Nagel,  einen
geborenen  Augsburger,  vertreten 2 ).  An  der  Spitze  des  ganzen
Unternehmens  stand  als  „Obmann"  Hans  Arzt,  der  die  Rechnungsbücher ­
  führte  und  im  Namen  der  Mitgesellschafter  die
Geschäfte  abschloss.  Um  das  Jahr  1450  entstanden  jedoch
wegen  der  Rechnungsführung  des  Obmanns  Streitigkeiten,
worauf  sich  die  Teilhaber  (Ulrich  Arzt,  Gossembrot,  Klara
Paumgartner  und  Ulstatt)  in  den  Besitz  von  Papieren  zu  setzen
suchten,  die  Hans  Arzt  in  Verwahrung  hatte.  Sie  gewannen
den  Kaspar  Nagel,  der  sich  dazu  herbeiliess,  dem  Hans  Arzt
die  Schriftstücke,  auf  die  sich  ihre  Verdachtsgründe  bezogen,
zu  entwenden.  Auf  Grund  derselben  zwangen  die  Teilhaber
dann  den  Arzt,  eine  Schuldurkunde  zugunsten  der  Teilhaber
auszustellen.  Hans  Arzt  rief  gegenüber  dieser  Nötigung  die
Hilfe  des  Nürnberger  Rats  an  und  beschuldigte  Kaspar  Nagel
des  Diebstahls  der  Papiere.  Nagel  wurde  hierauf  in  Nürnberg
im  Jahre  1451  verhaftet  und  gefangen  gesetzt.  Da  er  jedoch
ein  geborener  Augsburger  war,  so  focht  Gossembrot  und  seine
Partei  dieses  Vorgehen  der  Nürnberger  an,  und  sie  wandten
sich  an  den  Rat  der  Stadt  Augsburg,  um  Nagel  frei  zu  bekommen.
Augsburg  brachte  die  Angelegenheit  sogar  in  Ulm  auf  dem
Städtetage  zur  Sprache.  Dieser  sprach  jedoch  den  Nürnbergern
  das  Recht  zu,  über  den  in  ihrer  Stadt  geschehenen

Die  ff.  Erzählung  gibt  uns  einige  Aufschlüsse  über  die  kaufmännische ­
  Tätigkeit  des  Humanisten  Gossembrot.  Ueber  seine  gelehrten
Neigungen  sind  wir  ja  durch  Wattenbach  (Ztschr.  für  Gesch.  d.
Oberrheins  XXII  n.  XXV)  und  Paul  Joachimson  (Zentralblatt
für  Bibliothekswesen  Bd.  11  Hft.  6,  7)  gut  unterrichtet.  Vgl.  auch  den
Artikel  Friedr.  Roths  in  Allg.  deutsche  Biographie  Bd.  49  S.  475.
2 )  Nagel  wohnte  zuvor  in  Augsburg  im  Hause  Gossembrots  (Augsb.
Steuerbuch  1449  fol.  20  b).
        <pb n="27" />
        21

Frevel  selbst  zu  richten 1 ).  Als  Gossembrot  die  Freilassung
Nagels  auf  diesem  Wege  nicht  erreichen  konnte,  rief  er  und
seine  Partei  den  Herzog  Albrecht  III.  von  Bayern-München
um  Schutz  an 2 ).  Hans  Arzt  seinerseits  wandte  sich  hierauf
an  Herzog  Ludwig  den  Reichen  von  Bayern-Landshut,  um  die
Bestrafung  Nagels  durchzusetzen.
Damit  war  aus  dem  privaten  Streit  ein  politischer  Handel
von  folgenschwerer  Bedeutung  geworden.  Die  um  Beistand
angerufenen  Fürsten  übten  nämlich  jetzt  im  Namen  ihrer
Schutzbefohlenen  auf  Nürnberg  einen  Druck  aus  und  griffen
zu  dem  alterprobten  Mittel,  den  Nürnberger  Kaufleuten  in
ihren  Ländern  die  Handelschaft  zu  verbieten  und  ihnen  ihre
Warenzüge  aufzuhalten.  Die  Stadt  war  damit  an  ihrem  wundesten ­
  Punkte  getroffen  und  musste  danach  trachten,  eine
Einigung  herbeizuführen.  Im  Jahre  1453  begaben  sich  zu
diesem  Zweck  im  Auftrag  der  Nürnberger  Konrad  von  Heideck,
Werner  von  Parsberg  und  Gregor  Heimburg  an  den  Hof  Ludwig ­
  des  Reichen.  Nach  langen  Verhandlungen  brachten  sie
eine  Aussöhnung  zustande  —  die  sogenannte  Landshuter
Richtung.  Danach  sollte  Anna  Arzt  —  die  Witwe  des  inzwischen ­
  verstorbenen  Hans  Arzt  —  als  Entschädigung  für
den  ihrem  Mann  zugefügten  Schaden  28  700  fl  erhalten,  für
deren  richtige  Bezahlung  sich  die  Stadt  Nürnberg  verbürgte 3 ).
Nach  der  Rückkehr  der  Gesandten  —  die  Landshuter  Richtung
kam  am  15.  April  1453  zustande  —  wandte  sich  der  Rat  an
Anton  Paumgartner  und  seinen  Vater,  um  von  ihnen  die  Bezahlung ­
  zu  erlangen,  da  die  anderen  ehemaligen  Teilhaber
der  Gesellschaft  nicht  mehr  in  Nürnberg  weilten.  Anton  Paumgartner ­
  erklärte  nun  zwar,  dass  er  mit  der  ganzen  Angelegenheit ­
  nichts  zu  tun  habe,  da  nur  seine  Frau  ihr  Heiratgut  in
*)  Kreisarchiv  Nürnberg:  D  1773.
a )  Chroniken  der  deutschen  Städte  X  S.  197  mit  Anm.
3 )  Die  Landshuter  Richtung,  die  sich  im  Wortlaut  in  dem  obenerwähnten ­
  Aschaffenburger  Kodex  erhalten  hat,  bestimmte,  dass  diese
Summe  an  Anna  Arzt  bezahlt  werden  sollte,  wenn  sich  ihre  Prozessgegner
weigerten,  die  Bücher  und  Rechnungen  der  Gesellschaft  in  Landshut
zur  Einsicht  vorzulegen.  Als  Revisoren  dieser  Geschäftsbücher  wurden
aufgestellt:  Ludwig  Meuting  und  Klaus  Grander  von  Augsburg,  Heinrich
Müllner  von  Nördlingen,  Erhärt  Vehlin  von  Memmingen  und  Jobst
*  Humpis  von  Ravensburg,  also  die  Hauptvertreter  des  oberdeutschen
Handels  in  damaliger  Zeit.
        <pb n="28" />
        22

der  Gesellschaft  gehabt  habe.  Belastend  für  ihn  aber  war,
dass  die  dem  Hans  Arzt  entwendeten  Papiere  in  seinem  Hause
wieder  gefunden  wurden.  Er  erklärte  sich  schliesslich  auch
mit  seinem  Vater  bereit,  die  Entschädigung  an  Anna  Arzt
zu  bezahlen,  wenn  der  Rat  einen  Teil  der  Summe  auf  sich
nehme.  Er  hätte  dies  wohl  nicht  getan,  wenn  er  sich  nicht
doch  irgendwie  schuldig  gefühlt  hätte.
Schliesslich  verständigte  man  sich  dahin,  dass  der  Rat
von  den  28  700  fl  an  Paumgartner  10  350  fl  bezahlte,  die  übrigen
18  350  fl  entrichteten  Konrad  und  Anton  Paumgartner  aus
ihrem  Vermögen 1 ).  Kaspar  Nagel  blieb  noch  bis  zum  Jahre
1455  im  Nürnberger  Gefängnisse.  Er  schwört  am  16.  Juni
dieses  Jahres  bei  seiner  Freilassung  den  Nürnbergern  Urfehde.
Gleichzeitig  erklären  Konrad  und  Anton  Paumgartner,  Ulrich
Arzt,  Sigmund  Gossembrot  und  Justina  Ulstatt,  dass  sie  des
Nagels  wegen  mit  der  Stadt  Nürnberg  völlig  versöhnt  seien.
Anton  Paumgartner  schien  mit  der  Lösung  des  Streites  zufrieden ­
  zu  sein,  da  er  in  den  folgenden  Jahren  nicht  mehr
darauf  zurückkam.  Erst  zehn  Jahre  später  griff  er  wieder
darauf  zurück.
Dem  Ansehen  des  Handelshauses  tat  der  doch  recht  unwürdige ­
  Vorfall  keinen  Eintrag.  Wir  haben  bereits  oben  gesehen, ­
  wie  gerade  zwischen  1455  und  1460  die  Firma  zu  Florenz
und  Rom  in  Beziehung  trat.  Anton  Paumgartner  war  dabei
selbst  beteiligt.  Warenhandel  und  Geldgeschäfte  gingen  wie
zu  Konrads  Zeiten  nebeneinander  her.  Seit  Anfang  der  sechziger ­
  Jahre  erscheint  Anton  Ridler,  ein  Verwandter  Paumgartners,
  als  Teilhaber.  Den  beiden  Kaufleuten  wurden  Ende
August  1462  bei  Fulda  Waren  im  Werte  von  1237  fl  weggenommen ­
 2 ).  Neu  scheint  Paumgartners  Teilnahme  an  dem
eben  mächtig  auf  blühenden  Metallhandel  gewesen  zu  sein.
Im  Jahre  1463  kaufte  er  von  Ludwig  dem  Reichen,  dem  Inhaber ­
  der  Rattenberger  Silbergruben,  800  Mark  Silber  um
1 )  Die  Quittungen  der  Anna  Arzt  und  ihrer  Söhne  Hans  und
Wilhelm  vom  28.  Mai  und  24.  August  1453  über  den  Empfang  der
28  700  fl  haben  sich  im  Kreisarchiv  Nürnberg  D  1807  und  Urk.  VI  Ul
Nr.  2341  erhalten.  Anton  Paumgartner  erscheint  dabei  nur  als  Vertreter
seiner  Gattin  Klara.
*)  Nürnberger  Briefbücher  Bd.  30  S.  42  b.  Die  Waren  gehörten
Anton  Paumgartner,  dessen  Warenzeichen  f  die  Ballen  trugen  und
seinem  Mitgesellschafter  Anton  Ridler,  der  das  Warenzeichen  |  %  führte
        <pb n="29" />
        23

5280  tl 1 ).  Paumgartner  lieh  dem  Herzog  dagegen  4000  fl.  In
Mainz  wurden  ihm  damals  bei  Eroberung  der  Stadt  während
der  Mainzer  Stiftsfehde  zwei  Saum  Gewand  im  Wert  von
350  fl  und  zwei  Säcke  mit  Kupfer  und  130  Mark  Feinsilber
weggenommen 2 ).
Solche  Schädigungen  konnten,  wenn  sie  sich  öfter  ereigneten, ­
  wohl  einen  ungünstigen  Einfluss  auf  den  Geschäftsgang ­
  ausüben.  Dazu  kam,  dass  im  Jahre  1460  Antons  jüngerer
Bruder  Martin  fallierte 3 ).  Dies  mochte  mit  der  Grund  sein,
dass  Anton  damals  in  Zahlungsschwierigkeiten  geriet.  Die
ersten  Anzeichen  davon  finden  sich  im  Jahre  1461.  Damals
unternahm  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen  eine  Pilgerreise  ins
Heilige  Land.  Da  die  im  Orient  gebräuchliche  Münze  nicht
der  rheinische  Gulden,  sondern  der  Dukaten  war,  so  wandte
sich  der  Herzog  an  das  Bankhaus  Paumgartner  in  Nürnberg,
um  Gulden  in  Dukaten  umwechseln  zu  lassen.  Zwei  herzogliche ­
  Agenten  zahlten  in  Nürnberg  10  154  fl  ein  und  erhielten
dafür  Wechselbriefe,  gegen  welche  Paumgartners  Vertreter  in
Venedig,  Anton  Ridler,  die  entsprechende  Summe  Dukaten
auszahlen  sollte 4 ).  Paumgartner  nahm  nun  das  Geld  in  Nürnberg ­
  wohl  in  Empfang,  zögerte  aber  mit  der  Aushändigung
der  Dukaten.  Nach  auf  uns  gekommenen  Rechnungen  konnte
der  herzogliche  Agent  von  Ridler  nur  3350  Dukaten  erhalten.
Als  nun  der  Herzog  nach  seiner  Rückkehr  aus  Palästina  sein
Geld  ohne  Erfolg  zurückforderte  und  sich  auch  vergebens  an
den  Rat  wandte,  liess  er  den  Nürnbergern  Fehde  ankündigen
und  die  Warenzüge  der  Kaufleute  aufhalten.  Durch  Vermittlung ­
  der  Stadt  Erfurt  kam  im  Mai  1466  eine  Einigung  zwischen
Nürnberg  und  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen  zustande,  indem
der  Herzog  seine  Forderung  —  8811  fl  12  kr  10  h  —  an  Nürnberger ­
  Bürger  ab  trat 5 ).  Anton  Paumgartner  hatte  aber  noch
M  München,  Reichsarchiv:  Neuburger  Kopialbücher  XXIV  fol.
302  a  u.  b.
2 )  Nürnberger  Briefbücher  Bd.  30  S.  63.
3 )  Simonsfeld,  Fondaco  I  S.  491.
*)  J.  G.  Kohl:  Die  Pilgerfahrt  des  Landgrafen  Wilhelm  des
Tapferen  von  Thüringen  zum  Hl.  Land  im  Jahre  1461,  Bremen  1868.
Das  ausführliche  Verzeichnis  der  Ausgaben  ist  S.  132  ff.  abgedruckt.
6 )  Nach  der  Erzählung  des  zeitgenössischen  sächsischen  Chronisten
Hartung  Kammermeister.  (Geschichtsquellen  der  Provinz  Sachsen
XXXV  S.  218.)
        <pb n="30" />
        24

andere  Gläubiger.  So  hören  wir,  dass  er  dem  Pfalzgrafen
Friedrich  2400  fl  schuldig  war 1 ).  Als  seine  finanziellen  Schwierigkeiten ­
  in  Nürnberg  ruchbar  wurden,  hielt  er  sich  dort  nicht
mehr  für  sicher.  Er  ritt  am  20.  Juni  1465  aus  der  Stadt 2 ),  in
der  er  ebenfalls  viele  Gläubiger  zurückliess,  sagte  sein  Bürgerrecht ­
  auf  und  begab  sich  in  den  Schutz  des  Markgrafen  Albrecht
Achilles  nach  Schwabach.
Von  hier  aus  strengte  er  gegen  seine  Vaterstadt  eine  Klage
am  kaiserlichen  Hofgerichte  an.  Zurückgreifend  auf  die  oben
von  uns  ausführlich  geschilderten  Ereignisse  des  Jahres  1453
erklärte  er,  dass  der  Anfang  seines  Verderbens  jene  Bezahlung
der  18  350  fl  an  Anna  Arzt  gewesen  sei,  zu  der  ihn  der  Rat
von  Nürnberg  gezwungen  habe.  Er  suchte  nun  auf  dem  Prozesswege ­
  die  Rückzahlung  jener  Summe  vom  Rat  zu  erreichen.
Dadurch  wurde  jener  ganze  Streit  von  neuem  aufgerollt 3 ).
Die  Nürnberger  erhoben  vor  dem  Hofgericht  Gegenklage  wider
Anton  Paumgartner  wegen  einer  Schuld  von  644  fl  und  holten
von  verschiedenen  Universitäten  (z.  B.  Heidelberg,  Köln,
Padua,  Bologna)  Rechtsgutachten  ein 4 ).  Der  Prozess  am
Hofgerichte,  der  sich  vom  August  1466  bis  Februar  1469  hinzog, ­
  führte  zu  keinem  Resultat.  Die  Parteien  einigten  sich
nun  dahin,  dass  ein  Schiedsgericht  auf  einem  dazu  bestimmten
Rechtstage  die  Streitsache  entscheiden  solle.  Der  zum  Schiedsrichter ­
  ernannte  Landkomtur  der  Ballei  Franken  (Deutschherrnorden), ­
  Melchior  v.  Neuneck,  berief  während  der  Jahre
1469  bis  1472  mehrmals  solche  Tagungen  zu  Vergleichshandlungen. ­
  Schliesslich  wurde  der  Streit  zugunsten  Nürnbergs
entschieden  und  Paumgartners  Ansprüche  auf  Wiederherauszahlung ­
  der  18  350  fl  für  nichtig  erklärt.  Mit  seinen  übrigen
Gläubigern  scheint  sich  Paumgartner  auf  friedlichem  Wege
geeinigt  zu  haben.  Zum  Teil  kamen  auch  seine  Geschwister
für  seine  Schulden  auf.
1 )  Nürnberger  Kreisarchiv  D  1773.
2 )  In  mehreren  Schreiben  an  den  Rat  der  Stadt  (Nbg.  Kreisarchiv
D  1807)  suchte  er  sein  „Ausreiten"  zu  rechtfertigen.
3 )  Aus  den  Verhandlungen  des  Jahres  1465  stammen  die  oben
bei  der  Erzählung  der  Ereignisse  des  Jahres  1453  benützten  Quellen,
besonders  der  Aschaffeuburger  Kodex,  der  eine  grosse  Fülle  von  Einzelheiten ­
  über  den  Prozess  am  kaiserlichen  Hofgericht  (Zeugenaussagen,
inserierte  Urkunden  usw.)  enthält.
4 )  Nbg.  Kreisarchiv  D  327.
        <pb n="31" />
        25

Nach  dem  Jahre  1472  entschwindet  Anton  Paumgartner
aus  unseren  Augen.  Nur  sein  Todesjahr  haben  uns  Familienaufzeichnungen ­
  aufbewahrt:  er  starb,  57  Jahre  alt,  zu  Würzburg
am  26.  Oktober  1475 1 ).  Fern  von  der  Heimat  also  hat  er  die
letzten  Jahre  seines  Lebens  zugebracht  und  ist  als  gebrochener
Mann  in  der  Fremde  gestorben.  Und  doch  wurde  gerade  er
der  Stammvater  eines  neuen  blühenden  Zweiges  des  Paumgartnerschen
  Geschlechts.  Einer  seiner  Söhne,  Anton,  wurde
Geistlicher  und  brachte  es  bis  zum  Domherrn  von  Brixen  und
Augsburg 2 ).  Zwei  andere  Söhne,  Franz  und  Hans,  aber  liessen
sich  durch  ihres  Vaters  Misserfolge  vom  Kaufmannsberufe  nicht
abschrecken.  Da  sie  in  die  Stadt  nicht  zurückkehren  wollten,
mit  der  ihr  Vater  in  so  heftiger  Fehde  gelegen  war,  mussten
sie  sich  einen  neuen  Wohnsitz  suchen.  Sie  wählten  als  solchen
Augsburg,  die  Rivalin  Nürnbergs.  Dort  in  der  Metropole  des
süddeutschen  Handels  tat  sich  ihnen  für  ihre  Tätigkeit  ein
weites  Feld  auf.  Bevor  wir  ihnen  jedoch  dorthin  folgen,  wollen
wir  uns  in  grossen  Zügen  die  weiteren  Schicksale  der  in  Nürnberg ­
  gebliebenen  Linie  vergegenwärtigen.

Viertes  Kapitel.
Ueberblick  über  die  späteren  Schicksale
der  Familie  in  Nürnberg.
Die  Fortsetzung  des  Nürnberger  Zweigs  der  Paumgartner
knüpft  sich  an  die  schon  obenerwähnten  zwei  Brüder  Antons:
Konrad  und  Martin.  Von  ihnen  wurde  Konrad  (f  1457)  der
Ahnherr  einer  Reihe  von  Gelehrten,  die  in  ihrem  engern  und
weiteren  Vaterland  sehr  verdienstvoll  wirkten.  Gabriel  Paum-')
  In  Konrad  Paumgartners  Familienchronik  ist  dieses  Datum
nachgetragen.
2 )  Herzog  Sigismund  bediente  sich  seiner  des  öftem  zu  Gesandtschaften ­
  nach  Rom.  Anton  (geh.  1451)  starb  im  Jahre  1492  zu  Brixen,
wo  sein  Grabstein  noch  zu  sehen  ist.  (Jos.  R  e  s  c  h:  Monumenta  veteris
ecclesiae  Brixinensis,  1765  Teil  I  S.  12,  enthält  den  Text  seines  Grabmals, ­
  das  mit  dem  Paumgartnerschen  Wappen  geschmückt  ist.)
        <pb n="32" />
        -•i'üäSSBr.

UMMfcMMM

26

gartner 1 ),  Konrads  Sohn,  geboren  im  Jahre  1449,  studierte
in  Leipzig  während  der  Jahre  1463  bis  1465  und  erlangte  dort
1465  das  Bakkalaureat.  Nachdem  er  die  Würde  eines  Doktors
der  Rechte  sich  erworben,  wirkte  er  seit  1478  an  der  neugegründeten ­
  Universität  Ingolstadt  und  bekleidete  dort  im
Jahre  1481  das  Rektorat.  1497  kehrte  er  in  seine  Vaterstadt
zurück  und  wirkte  dort  als  Rechtskonsulent  bis  zu  seinem
Tode  (1507).  Sein  Sohn  ist  der  berühmte  Hieronymus  Paumgartner
  (1498  bis  1565) 2 ),  der  neben  Wilibald  Pirkheimer
und  Lazarus  Spengler  zu  den  führenden  Männern  in  dem  Nürnberg ­
  der  Reformationszeit  gehörte.  Er  schloss  sich  der  Lehre
Luthers  an  und  trat  zu  ihm  und  Melanchthon  in  freundschaftliche ­
  Beziehungen.  Der  reiche  Briefwechsel  der  Reformatoren
mit  ihm  legt  davon  Zeugnis  ab.  In  seiner  Vaterstadt  war  er
in  den  höchsten  Aemtern  tätig  und  machte  sich  besonders
um  das  Schulwesen  verdient.  Wie  sein  Bruder  Bernhard,  war
er  mehrmals  Vertreter  Nürnbergs  auf  Reichstagen.  Als  er
1544  von  Speyer  heimritt,  wurde  er  bei  Wimpfen  von  Albrecht
von  Rosenbergs  Reitern  überfallen  und  gefangen  genommen;
eine  Untat,  die  in  den  weitesten  Kreisen  des  Reichs  Aufsehen
und  Empörung  hervorrief.  Erst  nachdem  sich  Philipp  von
Hessen  seiner  annahm,  wurde  er  nach  vierzehnmonatlicher
Haft  gegen  ein  hohes  Lösegeld  freigegeben 3 ).  Sein  Leben  hat
der  Humanist  Joachim  Camerarius  beschrieben.
Während  sich  so  Konrad  Paumgartners  d.  J.  Söhne  und
Enkel  auf  dem  Gebiet  der  Wissenschaft  hervortaten,  knüpft
sich  an  den  Namen  seines  Bruders  Martin  und  der  Söhne  desselben ­
  die  Erinnerung  an  ein  von  Albrecht  Dürers  Hand  geschaffenes ­
  Kunstwerk,  den  Paumgartner-Altar.  Die  Stifter
sind  Martins  Söhne  Stefan,  Dürers  Freund,  und  Lucas,  die

1 )  Gg.  Andreas  Will:  Nürnbergisches  Gelehrtenlexikon  3.  Teil
S.  119.  Val.  Rotmarus-Mederer:  Annales  Academiae  Ingolstadtensis;
  Ingoist.  1782  f.  I  13.  21.  65.  —  In  der  Matrikel  der  Universität
Leipzig  ist  Gabriel  Paumgartner  im  Sommersemester  1463  eingetragen.
(Codex  diplomaticus  Saxoniae  hrsg.  v.  O.  Posse  u.  H.  E  r  m  i  s  c  h
II  16,  17.)
2 )  Neben  W  i  11  a.  a.  O.  3.  Teil  S.  120  ff.  unterrichtet  über  ihn  der
Artikel  in  der  Allg.  deutschen  Biographie  Bd.  2  S.  168.
3 )  Ein  eigenhändiger  Bericht  Hieronymus  Paumgartners  über
seine  Gefangennahme  durch  Albrecht  von  Rosenberg  ist  veröffentlicht
im  33.  Jahresbericht  des  Histor.  Ver.  von  Mittelfranken  1865  S.  103  ff.
        <pb n="33" />
        2  7

“bekanntlich  beide  als  heiliger  Georg  und  heiliger  Eustachius
auf  den  Flügeln  des  Altars  porträtähnlich  dargestellt  sind.  Der
fromme  Sinn  der  Brüder  hat  hier  ein  Denkmal  entstehen  lassen,
das  allein  genügte,  ihr  und  ihres  Geschlechtes  Namen  für  alle
Zeiten  unsterblich  zu  machen 1 ).
Die  Nürnberger  Familie,  die  sich  von  ihren  Gütern  Holnstein ­
  und  Lonerstadt  seit  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts
Paumgartner  von  Holnstein  und  Lonerstadt  nannte,  bestand
noch  bis  Anfang  des  18.  Jahrhunderts,  ohne  dass  jedoch  aus
ihr  weiterhin  Männer  hervorgegangen  wären,  die  mehr  als
stadtgeschichtliches  Interesse  besitzen.  Im  Jahre  1726  erlosch ­
  die  Linie  und  mit  ihr  zugleich  das  ganze  Geschlecht,  da
der  Augsburger  Stamm  nach  kurzer,  aber  herrlicher  Blüte
schon  zuvor  ein  wenig  rühmliches  Ende  genommen  hatte.
*)  Ueber  den  Paumgartner-Altar,  der  jetzt  im  Dürer-Saal  der
Alten  Pinakothek  neben  Dürers  berühmten  Aposteln  hängt,  vgl.  Friedrich
H.  Hofmann:  Die  Donatoren  auf  Dürers  Paumgartner-Altar  (in:
Die  christliche  Kunst  Bd.  1  [1905]  S.  169  u.  S.  205  ff.).  Unerklärlich  ist
mir,  wie  Valentin  Scherer  „Dürer“  (Klassiker  der  Kunst  Bd.  4)  die
Behauptung  aufstellen  konnte,  dass  die  auf  dem  Altarbild  abgebildeten
Wappen  nicht  die  der  Paumgartner  seien.  Ein  Blick  in  Siebmachers
Wappenbuch  genügt,  um  „diese  etwas  diktatorische  Behauptung“  zu
widerlegen.  .
        <pb n="34" />
        Erstes  Kapitel.

Die  Anfänge.
Hans  Paumgartner  der  Aeltere.
Der  erste  Paumgartner,  der  sich  in  Augsburg  niederliess,
war  Antons  Sohn  Franz  (geh.  1453) x ).  Sein  Name  findet  sich
seit  dem  Jahre  1479  in  den  Steuerbüchern  von  Augsburg  verzeichnet ­
 *  2 ).  Er  wohnte  zunächst  bei  „Unserer  Frauen-Brüderkloster“
  (jetzige  Annastrasse)  und  zahlte  seit  1480  eine  Steuer
von  15  fl 3 ),  was  ein  immerhin  nicht  unbeträchtliches  Vermögen
voraussetzt.  Wir  werden  annehmen  dürfen,  dass  er  dasselbe
im  Handel  sich  erworben  hat,  wenn  auch  nähere  Angaben  über
seinen  Lebensgang  vor  seiner  Ankunft  in  Augsburg  fehlen.
Keine  Stadt  war  damals  für  einen  aufstrebenden  Kaufmann ­
  als  Wohnsitz  geeigneter  als  die  alte  Augusta 4 ).  An  der
Hauptverbindungsstrasse,  die  von  Italien  nach  dem  Norden
Deutschlands  führte,  gelegen,  stellte  Augsburg  allmählich  selbst
Nürnberg  in  den  Schatten.  Hier  sassen  die  mächtigen  Kaufherren, ­
  deren  Reichtum  bereits  anfing,  die  Welt  in  Staunen
zu  setzen:  neben  den  Fuggern  und  Weisem  die  Höchstetter,
Meuting,  Gossembrot,  Adler  u.  a.  Mit  einigen  dieser  Familien,
den  Gossembrot  und  Arzt,  standen  die  Paumgartner,  wie  wir
x )  Anton  Paumgartner  selbst  war  nie  in  Augsburg  ansässig.  Die
sich  bei  Stetten,  Geschichte  der  adel.  Geschlechter,  findende
Notiz  (S.  196)  entbehrt  jeder  Begründung.  Seine  Verheiratung  mit
Klara  Arzt  fällt  nicht  ins  Jahr  1475,  sondern  ins  Jahr  1442  (siehe  o.  S.  19).
2 )  Augsburger  Steuerbuch  1479  fol.  29  b.
3 )  Ebenda  1480  fol.  29  b.  Ueber  die  mit  den  Augsburger  Steuerverhältnissen ­
  zusammenhängenden  Fragen  gibt  Aufschluss:  Jac.  Strieder:
Zur  Genesis  des  modernen  Kapitalismus  S.  1  ff.,  und  Max  J  ansen:
Die  Anfänge  der  Fugger  (Studien  zur  Fuggergeschichte  1.  Heft),  Leipzig
1907  S.  83!!
*)  Einen  guten  Ueberblick  über  die  Zustände  Augsburgs  um  das
Jahr  1500  gibt  Friedrich  Roth  im  1.  Bande  seines  Werks:  Augsburgs
Reformationsgeschichte  S.  1—35.
        <pb n="35" />
        32

schon  wissen,  in  verwandtschaftlichen  Beziehungen,  so  dass
also  Franz  kein  völlig  Fremder  war,  als  er  nach  Augsburg  kam,
um  sich  hier  eine  neue  Existenz  zu  gründen.
Er  schloss  sich  der  Kaufmannszunft  an 1 )  und  trieb  neben
Warenhandel  auch  Geldgeschäfte.  So  bediente  sich  die  Stadt
seiner  und  seines  obengenannten  Bruders,  des  Brixener  Domherrn ­
  Anton  Paumgartners,  Vermittlung,  als  sie  im  Jahre  1482
ein  an  das  Brixener  Domkapitel  jährlich  zu  zahlendes  Ewiggeld
von  110  fl  durch  2750  fl  ablöste 2 ).  Ein  Geschäft  anderer  Art,
das  bereits  auf  Beziehungen  zu  Rom  hinweist,  machte  er  für
die  Stadt  im  Jahre  1484.  Der  Vertreter  Augsburgs  in  Rom,
Hans  Gassei,  hatte  dort  wahrscheinlich  von  einem  Faktor
Franz  Paumgartners  280  Dukaten  erhalten.  Dafür  zahlte  die
Stadt  dann  an  Paumgartner  379  fl 3 ).  Es  war  also  ein  Wechselgeschäft, ­
  wie  solche  damals  auch  die  Fugger  mehrmals  ausführten ­
 4 ).
Im  Jahre  1484  folgte  Franz  Paumgartners  Schwester
Kunigunde  ihrem  Bruder  nach  Augsburg,  als  sie  sich  mit  Michael
von  Stetten,  einem  angesehenen  Bürger,  verheiratete 5 ).  Bereits
im  nächsten  Jahr  1485  kam  dann  auch  noch  Anton  Paumgartners ­
  jüngster  Sohn  Hans  dorthin.  Ihm,  zweifellos  dem
Bedeutendsten  der  vier  Söhne  Antons,  gelang  es  durch  eine
vornehme  Heirat,  engere  Beziehungen  zum  Augsburger  Patriziat
anzuknüpfen.  Er  vermählte  sich  nämlich  im  Jahre  1485  mit
Felizitas  Rehlinger,  der  Tochter  Leonhard  Rehlingers 6 ).  Einem
alten  reichen  Geschlecht  entsprossen,  brachte  sie  ihrem  Gatten
gewiss  ein  ansehnliches  Vermögen  zu.  Als  Gemahl  einer  Patrizierstochter ­
  fand  Hans  Paumgartner  auch  Aufnahme  in  die
*)  Die  städtische  Verfassung  Augsburgs  im  ausgehenden  Mittelalter
unterscheidet  sich  bekanntlich  von  der  Nürnbergs  dadurch,  dass  in
Augsburg  die  Zünfte  im  Jahre  1368  Anteil  an  der  Regierung  des  Gemeinwesens ­
  erhielten,  wogegen  Nürnberg  stets  ein  rein  aristokratisches
Regiment  hatte.  In  Augsburg  war  daher  der  Zugang  zum  Patriziat
nicht  mit  der  Aufnahme  in  den  Rat  verbunden.  Die  Patrizier  bildeten
vielmehr  eine  streng  abgeschlossene  Kaste,  in  die  Neuaufnahmen  vor
dem  Jahr  1538  überhaupt  nicht  stattfanden.  Jeder  Bürger,  der  nicht  zum
Patriziat  gehörte,  musste  Mitglied  einer  Zunft  sein.
2 )  Baumeisterbuch  1482  fol.  86.
3 )  Ebenda  1484  fol.  37,  38.
4 )  Jansen,  Anfänge  S.  52.
6 )  F.  Warnecke:  Augsburger  Hochzeitsbuch,  Berlin  1886  S.  9.
•)  Ebenda  S.  10.
        <pb n="36" />
        33

3

(pro  Jahr)  Steuer 2 )

Gesellschaft  der  Mehrer,  deren  Mitglieder  Zugang  zur  Herrenstube ­
  hatten  und  auch  sonst  fast  alle  Vorrechte  der  Patrizier
genossen 1 ).  Rasch  hatte  sich  so  Hans  Paumgartner  eine  angesehene ­
  gesellschaftliche  Stellung  unter  Augsburgs  Bürgern
errungen.  Er  schloss  sich  nun  mit  seinem  Bruder  Franz  zu
gemeinsamer  Ausübung  des  Handels  zusammen.  Wir  sind
darüber  im  einzelnen  freilich  nicht  näher  unterrichtet,  sehen
aber  aus  den  Steuerbüchern,  wie  sich  ihr  Reichtum  mehrte.
Die  Brüder  bezahlen  nämlich:
1490  Franz  20  fl  Hans  42  fl
1492—97  „  26  „  „  62  „
I49 8  .»  86  ..  »  X1 4  „  ,
Im  Jahre  1498  stand  damit  Hans  Paumgartner  unter  den
reichsten  Bürgern  an  sechster,  sein  Bruder  Franz  an  zehnter
Stelle.  Die  Fugger  folgten  erst  an  zwölfter,  fünfzehnter  und
siebzehnter  Stelle 3 ).  Das  Vermögen  des  Hans  Paumgartner
muss  sich  nach  dieser  Tabelle  um  das  Jahr  1497  gewaltig  gesteigert ­
  haben.  Woher  kam  nun  dieser  rapide  Vermögenszuwachs? ­
  Es  waren  die  ersten  Früchte  der  neuen  bedeutungsvollen ­
  Verbindung,  in  welche  die  beiden  Brüder  damals,  andern
Augsburgern  folgend,  getreten  waren:  des  Tiroler  Bergbaus.
Um  diese  Dinge  besser  zu  verstehen,  müssen  wir  kurz  auf
die  Entwicklung  der  Tiroler  Bergwerke  und  ihre  Bedeutung  für
das  Finanzwesen  der  Habsburger  einen  Blick  werfen 4 ).  Die
Entdeckung  der  reichen  Silbergruben  in  der  Nähe  von  Schwaz,
am  Falkenstein  um  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  rief  in  der
damaligen  Welt  grosses  Aufsehen  hervor.  Die  Erlaubnis  zum
Abbau  wurde  vom  Landesherrn,  der  das  Bergregal  besass,  an
*)  Ueber  die  „Mehrer“,  die  gesellschaftlich  eine  Mittelstellung
zwischen  den  Patriziern  und  den  Angehörigen  der  Zünfte  einnahmen,
vgl.  Dirr:  Kaufleutezunft  u.  Kaufleutestube  in  Augsbg.  zur  Zeit
des  Zunftregiments  (1368—1548)  in:  Ztschr.  d.  Hist.  Ver.  f.  Schw.  u.
Nbg.  Bd.  35  S.  137  ff.  Ferner  Dirr:  Zur  Gesch.  d.  Augsbg.  Zunftverfassung ­
  (ebda  Bd.  39).
2 )  Nach  den  Augsburger  Steuerbüchern  der  betreffenden  Jahre.
3 )  Strieder:  Zur  Genesis  des  modernen  Kapitalismus  S.  19
(Tabelle  10),  wo  die  „Vermögenden“  des  Jahres  1498  zusammengestellt ­
  sind.
4 )  Diese  Verhältnisse  hat  erstmals  Jansen  in  seinen  „Studien
zur  Fuggergeschichte“  zum  Gegenstand  eingehendster  Untersuchungen
gemacht.  Vgl.  bes.  „Anfänge  der  Fugger“  S.  54ff.  und  „Jacob  Fugger
der  Reiche“  (Studien  z.  Fugger-Geschichte,  3.  Heft  1910)  S.  13  ff.
        <pb n="37" />
        einzelne  Unternehmer,  meist  Tiroler  Familien,  verliehen.  Die
Füger,  Tänzl,  Stöckl  und  der  aus  Salzburg  stammende,  dann
in  Rattenberg  ansässige  Virgil  Hofer  waren  die  bedeutendsten
dieser  Schmelzherrn  oder  Gewerken.  Sie  erhielten  jedoch  das
von  ihnen  gewonnene  Erz  nicht  zum  freien  Verkauf,  sondern
mussten  dasselbe  nach  Hall  in  die  Münze  liefern,  wo  sie  für  jede
Mark  Silber  5  fl  (später  mehr)  erhielten.  Soweit  das  Edelmetall
nun  nicht  vermünzt  wurde,  verwendete  es  der  Landesfürst
—  seit  1446  der-  trotz  seines  Beinamens  der  „Münzreiche“  stets
geldbedürftige  Herzog  Sigismund  —  dazu,  Bargeld  aufzunehmen. ­
  Man  verschrieb  kapitalkräftigen  Kaufleuten,  die
Geld  darliehen,  Silber,  das  diese  dann  in  Venedig  auf  den  Markt
brachten.  Die  Rückzahlung  des  Darlehens  geschah  nun  in  der
Weise,  dass  der  Kaufmann  als  Empfänger  des  Silbers  an  die
Stelle  des  Landesherrn  trat  und  den  Gewerken  die  ihnen  zustehenden ­
  5  fl  bezahlte.  Da  nun  die  Mark  Silber  einen  Kurswert ­
  von  ungefähr  8  fl  hatte,  so  konnte  die  Differenz,  der  sog.
Silberwechsel,  als  Tilgungsquote  für  das  Darlehen  benützt
werden.  Neben  dieser  besonders  anfangs  häufigen  Art  der  Rückzahlung ­
  kamen  gegen  Ende  des  15.  Jahrhunderts  auch  noch
andere  vor,  die  uns  im  Zusammenhang  der  Darstellung  noch
begegnen  werden.  Seit  dem  Jahre  1470  war  Sigismunds  Hauptgeldgeber ­
  ein  Kufsteiner  Kaufmann  Hans  Baumgartner 1 ),  der
in  Handelsgesellschaft  stand  mit  Hans  Knoll  von  Salzburg.
Diese  beiden  Kaufleute  behaupteten  bis  1487  fast  unbestritten
ihren  Platz  als  Sigismunds  Geldquelle.  Die  Not  des  venezianischen ­
  Kriegs  und  die  an  Venedig  zu  zahlende  Entschädigung
zwang  dann  Sigismund,  sich  nach  einem  kapitalkräftigeren
»)  Es  kann  bei  der  zufälligen  Gleichheit  der  Familien-  und  Vornamen ­
  nicht  ■wundernehmen,  wenn  dieser  Kufsteiner  Baumgartner
immer  mit  unserm  Augsburger  Hans  Päumgartner  identifiziert  wurde,
z.  B.  von  Ehrenberg:  Zeitalter  d.  Fugger  I  S.  192,  und  dann  von
S  t  r  i  e  d  e  r  a.  a.  O.  S.  53.  In  Wirklichkeit  haben  wir  es  jedoch  mit
zwei  völlig  verschiedenen  Personen  zu  tun,  die  auch  zwei  ganz  verschiedenen ­
  Familien  angehörten.  Der  Kufsteiner  Hans  Baumgartner
ist  bereits  im  Jahre  1462  in  Tirol  tätig,  also  zu  einer  Zeit,  wo  Hans
Paumgartner  noch  als  vierjähriges  Kind  in  Nürnberg  lebte.  Uebrigens
hat  bereits  Jansen  (Jacob  Fugger  d.  R.  S.  13)  die  richtige  Behauptung
aufgestellt,  dass  die  beiden  Hans  Baumgartner  auseinanderzuhalten
seien.  Ueber  Hans  Baumgartner  von  Kufstein  und  seine  Familie  gibt
ein  Exkurs  die  wichtigsten  Nachrichten.  (S.  1  ic&amp;gt;  ff.)
        <pb n="38" />
        35

Finanzmann  umzusehen.  Er  trat  in  Beziehung  zu  den  Fuggern,
die  allmählich  Hans  Baumgartners  von  Kufstein  Sonderstellung ­
  erschütterten.  Als  dann  im  Jahre  1490  Maximilian  I.
an  Stelle  des  schwachen  Sigismund  die  Regierung  Tirols  übernahm, ­
  begünstigte  er  die  Augsburger  Kaufleute  in  erster  Linie
und  liess  ihnen  den  reichen  Bergsegen  zukommen.  Neben  den
Fuggern  bekamen  jetzt  Sigismund  Gossembrot  und  sein  Bruder
Georg,  der  Rat  Maximilians  und  Pfleger  von  Ehrenberg  war 1 ),
ferner  die  Herwart,  Adler  und  Höchst  etter  Anteil  am  Tiroler
Finanzwesen,  das,  seit  Maximilian  König  geworden  war,  auch
das  Geld  für  dessen  weittragende  Pläne  aufzubringen  hatte.
Dies  ist  in  grossen  Zügen  die  Entwicklung  der  Tiroler  Verhältnisse ­
  bis  zum  Jahre  1496,  in  dem  Franz  und  Hans  Paumgartner
  Zugang  zu  den  Bergschätzen  fanden,  die  auch  für  sie
eine  Quelle  des  Reichtums  wurden.  Maximilian,  der  damals  in
Italien  gegen  die  Franzosen  Krieg  führte,  wandte  sich,  da  der
„gemeine  Pfennig“  nur  spärlich  einlief  und  auch  das  verbündete
Venedig  die  zugesagten  Geldmittel  vorenthielt 2 ),  an  die  Fugger,
Georg  Herwart,  Sigmund  Gossembrots  Gesellschaft  und  Franz
und  Hans  Paumgartner),  um  ein  Darlehen  zu  erhalten.  Die
genannten  vier  Firmen  liehen  hierauf  dem  König  am  22.  August
1496  60  000  fl.  Dafür  wurden  ihnen  120  000  M  Silber  gegeben,
jede  Mark  zu  8  fl  5  kr  gerechnet.  Die  Kaufleute  bezahlten  an  die
Gewerken  für  die  Mark  6  fl  20  kr  und  ausserdem  1  fl  15  kr  an
den  Tiroler  Schatzmeister,  den  Rest  (also  y 2  fl)  durften  sie  zur
Tilgung  der  60  000  fl  behalten.  Ab  1.  Januar  1497  sollte  ihnen
alles  in  Schwaz  gemachte  Silber  drei  Jahre  lang  zustehen.
Da  nun  aber  der  Marktpreis  des  Silbers  in  Venedig  ein  viel
höherer  war  und  für  die  Mark  Silber  ca.  10  fl  betrug,  so  konnten
die  Paumgartner,  angenommen  sie  erhielten  den  vierten  Teil
des  Silbers,  in  einem  Jahr  gegen  20  000  fl  gewinnen 2 ).  Wir
begreifen  so  das  plötzliche  Emporschnellen  ihrer  Steuersumme
zwischen  1497  und  1498.
Bereits  hn  Jahre  1497  schlossen  die  Brüder  wieder  einen
Silbervertrag  mit  Maximilian  ab,  diesmal  ohne  weitere  Teil!) ­
  Sigmund  und  Georg  Gossembrot  sind  Söhne  des  uns  schon
bekannten  Humanisten  Sigmund  Gossembrot.
2 )  Der  Reingewinn  freilich  wird  etwas  geringer  anzusetzen  sein,
da  die  Fracht,  Zölle,  Fuhrlöhne  etc.  von  obiger  Summe  noch  in  Abzug
zu  bringen  sind.
3*
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        36

nehmer.  Sie  liehen  am  5.  Mai  dem  König  22  500  fl  und  erhielten
dafür  45  000  M  Silber 1 ).  Maximilian  brauchte  dieses  Geld
ebenso,  wie  schon  vorher  bei  Gossembrot  und  Herwart  aufgenommene ­
  40  000  fl  zu  „Bezahlung  etlicher  Schulden“  in
Augsburg,  wo  er  im  Vorjahre  mehrere  Monate  geweilt  hatte.
Die  Paumgartner  konnten  mit  dem  Empfang  der  45  000  M
Silber  erst  im  Jahre  1501  beginnen,  da  zuvor  das  dem  Gossembrot ­
  und  Herwart  für  jene  40  000  fl  verschriebene  Silber  entrichtet ­
  werden  musste.
Das  Jahr  1498  brachte  keine  weiteren  Anlehen  bei  den
Paumgartnern,  um  so  grösser  waren  dafür  die  Forderungen
Maximilians  im  Jahre  des  verhängnisvollen  Schweizerkriegs,
der  bekanntlich  die  Finanzkraft  der  Augsburger  Kaufherrn
auf  eine  besonders  schwere  Probe  stellte.  Der  König  betraute
seinen  Rat  Georg  Gossembrot  mit  der  Aufgabe,  in  Augsburg
Geld  aufzubringen.  Das  uns  aus  dem  Jahre  1496  schon  bekannte
Konsortium  der  vier  Gesellschaften  Fugger,  Herwart,  Sigmund
Gossembrot  und  Paumgartner  lieh  am  St.  Matthiastag
(24.  Februar)  14  000  fl  dar,  die  bar  zurückbezahlt  werden
sollten 2 ).  Falls  dies  nicht  möglich  wäre,  sollten  die  Kaufleute
mit  Silber  befriedigt  werden,  aber  erst  nach  Erfüllung  des
den  Paumgartnern  im  Jahre  1497  gegebenen  Vertrags.
Weitere  Darlehen  von  6000  und  4000  fl  schlossen  sich  an 3 ),
abgesehen  von  den  grossen  Verträgen,  die  Maximilian  mit
Fugger  und  Sigmund  Gossembrot  allein  zustande  brachte,
die  uns  aber  hier  nicht  weiter  beschäftigen  können.
Die  Paumgartner  hatten  also  festen  Fuss  in  Tirol  gefasst.
Die  grossen  Silberbeträge,  die  sie  jetzt  alljährlich  zu  empfangen
hatten,  machten  natürlich  die  dauernde  Anwesenheit  einer
Vertrauensperson  der  Firma  in  Schwaz  und  Hall  nötig.  Seit
dem  Jahre  1500  wird  Lucas  Meuting,  der  einer  bekannten
Augsburger  Kaufmannsfamilie  entstammte,  als  Vertreter  (Faktor) ­
  der  Paumgartner  in  Tirol  erwähnt 4 ).
*)  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Kopialbuch  II.  Serie  T.  fol.  14.
Vgl.  ausserdem  J  ansen:  Jacob  Fugger  d.  R.  fol.  85  ff.,  wo  dieser  und
eine  Reihe  der  folgenden  Verträge  von  Jansen  im  Zusammenhänge  der
Fuggerschen  Geschäfte  bereits  erwähnt  sind.
2 )  Innsbruck  Statthaltereiarchiv:  Cop.  II.  Ser.  1499  fol.  1  u.  2.
3 )  Ebenda  fol.  32.
4 )  Ebenda  Kopialbuch  Missiv  1500  fol.  124.
        <pb n="40" />
        37

Maximilian  erkannte  die  Dienste,  die  ihm  Hans  Paumgartner
  erwiesen,  dankbar  an.  In  einer  Urkunde  vom  2.  Oktober ­
  1499,  in  der  er  besonders  die  Leistungen  Paumgartners
im  letztvergangenen  Krieg  gegen  die  Schweizer  hervorhebt,
verbesserte  er  ihm  sein  Wappen  und  erhöhte  ihn  in  den  Stand
der  edlen  Turniergenossen  und  rittermässigen  Leute,  dem
auch  seine  Ahnen,  bevor  sie  sich  in  Städten  niederliessen,  schon
angehört  hätten.  Er  soll  ferner  das  Recht  haben,  auch  in  weltlichen ­
  und  geistlichen  Stiften  Lehen  zu  tragen  und  zu  Gericht
zu  sitzen 1 ).  Gegenüber  seinem  Bruder  trat  Franz  an  Bedeutung
mehr  zurück.  Er  starb  bereits  im  Jahre  1503 2 ),  worauf  Hans
allein  das  Geschäft  weiterführte.  Bald  sollte  er  in  noch  engere
Beziehungen  zu  Maximilian  und  der  Tiroler  Finanzbehörde  treten.
Der  Schweizerkrieg  hatte  zu  einer  völligen  Erschöpfung  der
Tiroler  Finanzen  geführt.  Maximilian,  der  seit  Antritt  seiner
Regierung  an  einer  Neuorganisation  der  Verwaltung  arbeitete,
suchte  daher  jetzt  auch  das  Finanzwesen  auf  eine  sichere  Grundlage ­
  zu  stellen.  Der  geeignetste  Mann  für  diese  nicht  leichte
Aufgabe  schien  ihm  Georg  Gossembrot  zu  sein,  der  schon  seit
1496  in  der  Schatzkammer  tätig  war.  Auf  Grund  zweier  Verträge, ­
  die  Maximilian  mit  ihm  abschloss,  trat  nun  Gossembrot
an  die  Spitze  des  ganzen  ober-  und  niederösterreichischen  Finanzwesens ­
 3 ).  Der  oberösterreichische  Vertrag  vom  26.  August
1501,  der  3%  Jahre,  also  bis  1504  Geltung  haben  sollte,  bestimmte, ­
  dass  Gossembrot  alle  Einkünfte  Tirols  und  der  vorderösterreichischen ­
  Lande  erhalten  und  datür  für  alle  Ausgaben
der  Kammer,  den  Hofstaat  der  Königin  usw.  aufkommen  sollte.
Ausserdem  hatte  er  für  die  Befriedigung  der  Gläubiger,  darunter ­
  auch  der  Augsburger  Kaufleute,  zu  sorgen 4 ).  Am
*)  München,  Reichsarchiv:  Familienkodex  der  Paumgartner  (Herrschaft ­
  Hohenschwangau  I  36,  2)  enthält  diese  Urkunde,  ausgestellt  zu
Innsbruck  am  andern  Tag  Oktobris  1499.
a )  Franz  Paumgartner  zahlt  im  Jahre  1502  in  Augsburg  zum
letztenmal  Steuer  (Steuerbuch  1502  fol.  38  c).  Im  nächsten  Jahr  zahlen
seine  Erben  (Steuerbuch  1503  fol.  44  d).  Franz  Paumgartner  hinterliess
mehrere  Söhne,  von  denen  einer,  Johann,  sich  mit  Ottilie  Höchstätter
vermählte  und  im  Jahre  1529  beim  Höchstätter  Konkurs  eine  wenig
rühmliche  Rolle  spielte.  (Chroniken  d.  deutschen  Städte  XXIII  S.  221.)
3 )  Sigmund  Adler:  Die  Organisation  der  Zentralverwaltung
unter  Kaiser  Maximilian  I.  Leipzig  1886  S.  395  ff.
*)  Der  oberösterr.  Vertrag  (Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Geschäft ­
  v.  Hof  1501  fol.  142)  ist  besprochen  bei  Adler  a.  a.  O.  S.  395—400.
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        38

3-  Januar  1502  kam  unter  ähnlichen  Bedingungen  der  niederösterreichische ­
  Vertrag  zustande,  der  das  Finanzwesen  Niederösterreichs ­
  in  Ordnung  bringen  sollte 1 ).  Der  energische  Gossembrot
  wäre  der  rechte  Mann  gewesen,  hier  Besserung  zu  schaffen.
Er  starb  aber  bereits  Mitte  Juni  1502,  für  Maximilian  ein
schwerer  Verlust 2 ).  In  seinem  Testament  setzte  Gossembrot
als  „testamentari,  Verweser  und  handler“  seinen  Freund  Hans
Paumgartner  und  den  Kaufmann  Lucas  Gassner  ein 3 ).  Maximilian ­
  billigte  die  von  Gossembrot  getroffene  Wahl  und  betraute
die  beiden  auch  mit  dem  Vollzug  jener  Verträge.  Paumgartner
trat  ausserdem  als  Gossembrots  Nachfolger  in  den  Besitz  der
Pflege  Ehrenberg  und  wurde  am  18.  August  vom  König  zu
seinem  Rat  ernannt.  Der  Raitkammer  wurde  befohlen,  Paumgartner, ­
  wenn  er  nach  Innsbruck  komme,  an  den  Beratungen
teilnehmen  zu  lassen  und  seine  Vorschläge  anzuhören 4 ).  Paumgartner ­
  war  in  Geldgeschäften  erfahren  genug,  um  den  Bedingungen ­
  der  Finanz  Verträge  nachkommen  zu  können,  so
dass  es  zu  Aenderungen  keinen  Anlass  gab.  Wir  hören  daher
auch  über  die  Ausführung  der  ihm  anvertrauten  Aufgabe
wenig,  ein  Beweis  dafür,  dass  dieselbe  sich  in  den  ursprünglich
festgesetzten  Bahnen  vollzog.  Für  unsern  Kaufmann  waren  so
die  Jahre  1502  bis  1504  von  einer  ausserordentlichen  Bedeutung.
Er  hatte  Einfluss  bekommen  auf  die  Regierung  des  Landes,
mit  dem  er  auch  geschäftlich  in  Berührung  stand,  und  war  so
über  alle  wichtigen  Vorgänge  gut  orientiert.  Zu  Maximilian
war  er  in  ein  näheres  persönliches  Verhältnis  getreten  und
dessen  Rat  geworden.  Letzteres  blieb  er  auch  weiterhin,  als
1504  die  Gossembrotschen  Verträge  abliefen.  Diese  hatten  ihn
auch  mit  dem  obengenannten  Lucas  Gassner  enger  verbunden,
so  dass  derselbe  nun  eine  Zeitlang  als  Paumgartners  Teilhaber
erscheint.
Den  Warenhandel  gab  Hans  Paumgartner  nicht  auf.  Wir
hören  mehrmals,  dass  er  für  den  König  und  seine  Hofhaltung
Gewürze  und  Tuche  besorgte,  auch  verproviantierte  er  gex ­

 )  Abgedruckt  bei  Adler  a.  a.  O.  Anhang  III,  S.  536.
2 )  Adlera.a.  O.  S.  116;  bei  H.  U  1  m  a  n  n:  Kaiser  Maximilian  I.
1.  Bd.  S.  819  Anm.  2,  ist  als  Gossembrots  Todesdatum  fälschlich  der
Januar  1502  angegeben.
3 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Max.  XIII,  cart.  32.
*)  Adler  a.  a.  O.  S.  116.
        <pb n="42" />
        39

legentlich  Maximilians  Truppen  mit  Getreide.  Hauptgegenstand
seines  Handels  bildete  aber  Silber  und  Kupfer,  das  er  in  Venedig ­
  auf  den  Markt  brachte.  Dort  besass  er  im  neugebauten
Fondaco  eigene  Gewölbe.  Seine  ständigen  Beziehungen  zur
Lagunenstadt  ermöglichten  es  ihm  auch,  Nachrichten  über
wichtige  politische  Vorgänge  zu  erhalten,  die  er  dann  dem
König  mitteilte.
Indessen  hatten  sich  infolge  der  Entdeckung  Amerikas
Veränderungen  auf  dem  Weltmarkt  ergeben,  die  gewiss  Paumgartners
  Geschäft  nicht  unberührt  liessen.  In  den  Tagen,
da  die  Fugger,  Welser  und  Höchstetter  ihre  Schiffe  nach  Venezuela ­
  und  Ostindien  aussandten,  muss  auch  Paumgartner
an  diesen  Unternehmungen  irgendwie  Anteil  genommen  haben
und  wenigstens  zu  den  neuen  Handelsplätzen  in  den  Niederlanden
(bes.  Antwerpen),  die  allmählich  Venedig  aus  seiner  Vormachtstellung ­
  verdrängten,  in  Beziehung  getreten  sein.  Dass  uns
darüber  keine  Nachrichten  vorliegen,  hat  seinen  Grund  in  der
Beschaffenheit  des  handelsgeschichtlichen  Quellenmaterials,
das  uns  ja  bekanntlich  gerade  in  bezug  auf  den  Privathandel
leider  nur  zu  oft  im  Stich  lässt.  Auch  Paumgartner  wird  sich
dem  Zug  der  neuen  Zeit  gefügt  haben  und  dorthin  gefolgt  sein,
wo  sich  ungeahnte  Gewinnaussichten  eröffneten.
Vielleicht  hängt  es  damit  zusammen,  dass  wir  aus  den  Jahren
1504  bis  1507  wenig  von  Geldgeschäften  mit  den  Habsburgern
hören.  Es  erscheinen  damals  als  Gläubiger  Maximilians  die
Rehlinger,  Stunz,  Besserer  von  Ulm  u.  a.,  also  Firmen,  die
nicht  in  dem  Masse  zu  den  Weltfirmen  gehörten,  wie  die  Fugger,
Welser,  Höchstetter  und  Paumgartner 1 ).  Erst  im  Jahre  1508,
als  Maximilian  seinen  Krieg  mit  Venedig  begann,  zwang  ihn
seine  Geldnot,  mit  den  Kaufleuten  in  Augsburg  wieder  wegen
einer  grossen  Anleihe  zu  unterhandeln,  wobei  auch  Paumgartner ­
  mit  herangezogen  wurde 2 ).  Wie  unwillkommen  den
*)  Dass  die  Paumgartner  damals  bereits  zur  Hochfinanz  gehörten,
wird  bestätigt  durch  eine  Stelle  in  den  Relationen  des  venezianischen
Gesandten  Vincenzo  Quirini.  Dieser  zählt  folgende  sieben  Augsburger
Firmen  auf,  mit  denen  Maximilian  seine  Geschäfte  abschloss:  Fugger,
Welser,  Höchstetter,  Gossembrot  (so  ist  natürlich  die  Form  Casimprout
aufzulösen,  die  der  Herausgeber  der  Relationen  nicht  zu  erklären  wusste),
Adler,  Baumgartner,  Herwart.  (Eugenio  Alberi:  Le  relazione  degli
ambasciatori  Veneti  al  Senato,  1.  Serie  Bd.  6  S.  29.)
2 )  Ehrenberg:  Zeitalter  d.  Fugger  I  S.  92  Anm.
        <pb n="43" />
        4 o

Augsburgern  gerade  damals  solche  Geldgeschäfte  waren,  zeigt
die  Tatsache,  dass  ihnen  der  Kaiser  bei  seiner  Anwesenheit
in  Augsburg  versprechen  musste,  er  werde  sie  gegen  ihren
Willen  nicht  mehr  zu  Anleihen  heranziehen 1 ).  Auf  die  Dauer
war  freilich  ein  solches  Versprechen  bei  Maximilians  beständiger
Geldknappheit  nicht  zu  halten.  Als  1513  „die  Kriegsleuff  dermassen ­
  zuegefallen,  dass  die  Kammer  einer  trefflichen  Summe
Geldes  notdürftig“  wurde,  wandte  man  sich  auch  wieder  an
Paumgartner.  Am  5.  Juli  schrieb  die  Regierung  an  Hans  Paumgartner,
  dass  man  mit  ihm  bis  zu  20  000  fl  handeln  wolle.  Er
solle  sich  eilends  nach  Innsbruck  verfügen  und  Geld  mitbringen ­
 2 ).  Ob  dann  wirklich  ein  Vertrag  abgeschlossen  wurde,
geht  aus  den  Einträgen  des  Kopialbuchs  nicht  hervor.  Zu
den  Verhandlungen  über  Geldgeschäfte  in  den  folgenden  Jahren
zog  Hans  Paumgartner  auch  seinen  Sohn  Hans  bei,  da  er  sich
allmählich  vom  Geschäft  zurückzuziehen  beschloss.  Wir  werden
daher  erst  weiter  unten  darauf  zurückkommen,  wenn  wir
Hans  Paumgartner  d.  J.  uns  zuwenden.
Seit  einer  Reihe  von  Jahren  erstreckten  sich  die  Beziehungen ­
  Paumgartners  nicht  mehr  allein  auf  die  mit  Maximilian ­
  I.  abgeschlossenen  Verträge.  Sein  kaufmännischer
Blick  hatte  den  Wert  der  Bergwerke  gleich  erkannt.  Er  sah
ein,  dass  sich  sein  Einfluss  noch  bedeutend  steigern  würde,
wenn  er  selbst  in  den  Besitz  von  Gruben  käme.  Er  konnte
dann  auf  die  Silberproduktion  regulierend  ein  wirken  und  auch
verlangen,  dass  man  auf  das  von  ihm  gewonnene  Silber  zuerst
mit  ihm  verhandle  und  Verträge  abschliesse.  Als  einer  der
ersten  unter  den  Augsburgern  brachte  er  deshalb  einige  Gruben
an  sich,  die  er  auf  seine  Rechnung  abbauen  liess.  Bereits  im
Jahre  1502  ist  er  zusammen  mit  Lucas  Gassner  Besitzer  von
Bergwerken  am  Falkenstein 3 ),  vorher  im  Jahre  1500  hatte  er
auch  bei  Sterzing  sich  ins  Bauen  eingelassen.  Der  schon  genannte ­
  Lucas  Meuting  überwachte  die  Silbergewinnung.  Im
Jahre  1513  lässt  sich  endlich  ein  eigenes  Hütt-  und  Schmelzwerk ­
  in  Paumgartners  Besitz  in  Kundl  nach  weisen 4 ).  Der
l )  Ehrenberg:  Zeitalter  d.  Fugger  I  S.  92  Anm.
a )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Missiv  ad  Caesarem  (1513)
fol.  123.
3 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Max.  XII,  1.
*)  Ebenda.  Entbieten  und  Befehl  (1513)  f.  229.
        <pb n="44" />
        4i

Vater  legte  damit  den  Grund  zu  seines  Sohnes  grossartigen
Bergwerksunternehmungen,  die  wir  später  kennen  lernen  werden.
Auch  auf  einem  anderen  Gebiet  leitete  er  die  Bestrebungen
Hans  Paumgartners  d.  J.  ein  —  im  Erwerb  von  Gütern.  Im
Zusammenhang  mit  Gossembrots  Testament  haben  wir  bereits
der  von  ihm  übernommenen  Pflege  Ehrenberg  bei  Füssen  Erwähnung ­
  getan 1 ).  Er  zahlte  den  Erben  Gossembrots  2000  fl,
welche  diesem  auf  die  Pflege  versichert  waren,  hinaus  und
löste  ausserdem  mit  Maximilians  Zustimmung  den  Grafen
Hans  v.  Montfort,  der  2000  fl  auf  dem  Gericht  Ehrenberg  und
Tannheim  stehen  hatte,  ab.  Am  18.  August  1502  teilte  dann
der  König  den  Untertanen  des  Gerichts  mit,  dass  er  den  Hans
Paumgartner,  seinen  Rat,  zum  Pfleger  in  Ehrenberg  ernannt
habe 2 ).  Es  wurden  ihm  für  Burghut  und  Dienstleistungen
500  fl  aus  den  Einkünften  der  Herrschaft  zugesichert.  Bis
zum  Jahre  1523  blieb  Paumgartner  Inhaber  der  Pflege,  dann
übernahm  sie  Ferdinands  I.  Günstling  Gabriel  Salamanca,
dem  Ferdinand  8500  fl  darauf  verschrieben  hatte 3 ).
Seit  1504  besass  Hans  Paumgartner  das  Dorf  Türkheim
in  der  zu  Bayern  gehörigen  Herrschaft  Schwabeck.  Er  hatte
dem  Herzog  Albrecht  IV.  2800  fl  geliehen,  wofür  ihm  dieses
Dorf  verpfändet  worden  war.  Im  Jahre  1529  kaufte  Herzog
Wilhelm  die  Besitzung  wieder  zurück 4 ).  Auch  die  Herrschaft
Pähl,  die  Paumgartner  und  Jörg  Wieland  im  Jahre  1505  von
Herzog  Albrecht  IV.  von  Bayern  um  18  000  fl  gekauft  hatten,
wurde  von  Bayern  noch  zu  Hans  Paumgartners  d.  Ae.  Lebzeiten ­
  wieder  zurückerworben 5 ).  Dagegen  erwarb  Paumgartner ­
  mehrere  Güter,  die  den  Grundstock  des  späteren  Güterbestandes ­
  der  Familie  bildeten.  Im  Jahre  1507  kaufte  er  von
Wilhelm  Ulstatt  einige  Höfe  zu  Weringen,  Anried  und  Döpshofen
  um  1174  fl  und  löste  ausserdem  eine  auf  diesen  Gütern
lastende  Schuld  von  1000  fl  ab 6 ).  Im  Jahre  1511  gingen  zwei
Höfe  und  drei  Sölden  zu  Steppach  aus  dem  Besitz  des  bekannten

1 )  J.  Ladurner:  Veste  und  Herrschaft  Ehrenberg  (Ztschr.  des
Ferdinandeums  f.  Tirol  u.  Vorarlberg  3.  Folge  Bd.  15  S.  5  ff.  bes.  S.  109).
2 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Cop.  I.  Ser.  Missiv  (1502)  fol.  105.
3 )  L  a  d  u  r  n  e  r  a.  a.  O.  S.  110.
*)  Lori:  Geschichte  des  Lechrains  2.  Bd.  Urk.  Nr.  271  (S.  272).
e )  München,  Reichsarchiv:  Gerichtsurkunden  von  Weilheim  Fasz.  5.
*)  München,  Reichsarchiv:  Familienkodex  f.  6  b,  7  a.
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        42

Augsburger  Kaufherrn  Philipp  Adler  um  671  %  fl  an  ihn  über 1 ).
In  Augsburg  selbst  bewohnte  Hans  Paumgartner  ein  stattliches ­
  Haus  in  der  Annastrasse,  das  er  1492/93  von  Franz
Riglers  Erben  erstanden  hatte 2 ).  —
In  dem  glänzenden  Leben  der  Reichsstadt,  die  Kaiser
Maximilians  Lieblingsaufenthalt  war,  spielte  unser  Kaufherr
gewiss  eine  grosse  Rolle.  Gerade  die  Unternehmungslust  und
der  Wagemut  ihrer  Bürger  hatte  ja  die  Stadt  auf  die  Höhe
geführt,  so  dass  man  in  aller  Welt  ihren  Reichtum  und  ihre
Pracht  rühmte.  An  der  Leitung  des  Gemeinwesens  und  an  den
Regierungsgeschäften  beteiligte  sich  Hans  Paumgartner  ebensowenig ­
  wie  Jacob  Fugger.  Wie  dieser,  gehörte  er  nur  als
Zwölfer  der  Kaufmannszunft  dem  grossen  Rate  an 3 ).  Sein  Einfluss
auf  die  städtischen  Geschäfte  war  aber  deswegen  doch  nicht
gering.  Nicht  selten  übertrug  man  dem  beim  Kaiser  hochgeschätzten
  Kaufherrn  wichtige  Missionen.  Im  Jahre  1506  ging  er
an  den  kaiserlichen  Hof,  um  Maximilian  beim  Tode  Philipps  von
Kastilien  (f  25.  September  1506)  das  Beileid  der  Stadt  auszudrücken ­
 4 ).  Ebenso  wurde  er  mit  Jörg  Langenmantel  und  Jörg
Vetter  als  Vertreter  der  Stadt  im  Jahre  1508  zur  „Besingnis“
Herzog  Albrechts  geschickt 5 ).  Wiederholt  weilte  er  zusammen
mit  Konrad  Peutinger  bei  Maximilian,  um  mit  diesem  über
städtische  Angelegenheiten  zu  verhandeln,  so  besonders  im
Jahre  1513,  um  für  die  Aufhebung  der  Strassensperre  nach
Venedig  zu  wirken,  die  den  Handel  und  Verkehr  mit  dieser
Stadt  fast  zum  Stillstand  gebracht  hatte 6 ).
Die  gesellschaftliche  Stellung  Paumgartners  in  Augsburg
war  durch  die  mannigfach  angeknüpften  Familien  Verbindungen
eine  glänzende  geworden.  Man  hat  nicht  mit  Unrecht  von
einer  Heiratspolitik  gesprochen,  die  von  den  reichen  Kaufherrn
befolgt  wurde.  Vermögen  sollte  zu  Vermögen  kommen,  das
1 )  München,  Reichsarchiv:  Familienkodex  f.  6b,  10  a.
2 )  Steuerbuch  1492  fol.  28  c  u.  1493  fol.  30  d.  Das  Haus  stand
an  der  Stelle,  wo  sich  jetzt  die  Geschäftsräume  der  Firma  Lotzbeck  &amp;amp;  Co.
befinden  (Annastrasse  D  225).
а )  Augsburg,  Stadtarchiv:  im  Zunftbuch  der  Kaufleute  ist  er  von
1505  bis  1516  als  Zwölfer  genannt.
*)  Augsburg,  Stadtarchiv:  Baumeisterbuch  1506.
б )  Ebenda:  1508  S.  34  und  Litteraliensammlung  23.  Januar  1508.
8 )  Ebenda:  Baumeisterbuch  1513  an  mehreren  Stellen,  z.  B.
S.  37  u.  Lit.  S.  18.  24.  26.  Juli  1513.
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        43

war  der  Grundsatz  in  jenen  Handelsfamilien.  Auch  Hans
Paumgartner  huldigte  ihm  in  so  ausgesprochenem  Masse,  dass
er  deshalb  sogar  einmal  mit  der  Augsburger  „jeunesse  doree“  in
Konflikt  geriet,  die  ihm  auf  recht  handgreifliche  Weise  zu
erkennen  gab,  dass  die  Augsburger  reichen  Kaufmannstöchter
in  erster  Linie  für  sie  bestimmt  seien.  Paumgartner  hatte
nämlich  zwischen  seinem  Nürnberger  Vetter  Sebald  und  der
Tochter  des  sehr  reichen  Baltasar  Wolf  im  Jahre  1494  eine
Heirat  zustande  gebracht 1 ).  Darüber  erbost,  rächten  sich  die
eifersüchtigen  jungen  Patrizier  an  dem  Heiratsstifter,  indem
sie  ihm,  als  er  einst  aus  der  Annakirche  nach  Haus  ging,  auflauerten ­
  und  ihm  im  nahen  Stadtbrunnen  eine  kalte  Dusche
zuteil  werden  Hessen 2  3 ).  Hans  Paumgartners  eigene  sechs
Töchter  waren  fast  alle  mit  angesehenen  Patriziern  oder  Kaufleuten ­
  vermählt.  Jede  bekam  ausser  einer  ,,ziemlichen“  Aussteuer ­
  4000  fl  in  Gold  als  Heiratsgut  mit  in  die  Ehe?).  Und  noch
ein  zweites  Mal  zeigte  sich  Paumgartner  als  kluger  Heiratsstifter, ­
  als  er  am  12.  März  1512  mit  Jacob  Fugger  die  Vermählung ­
  seines  Sohnes  Hans  mit  dessen  Nichte  Regina  verabredete. ­
  Am  28.  Juli  1512  hielt  dann  Hans  Paumgartner  d.  J.
Hochzeit  mit  Georg  Fuggers  Tochter 4 ).  Dieser  Tag  bedeutete
wohl  den  Höhepunkt  in  Paumgartners  d.  Ae.  Leben,  da  es
ihm  gelungen  war,  seine  Familie  durch  verwandtschaftliche
Bande  mit  dem  angesehensten  Handelshaus  Europas  zu  verknüpfen. ­
  Damals  hat  ihn  Hans  Burgkmair  porträtiert.  Der
I-Iolzschnitt,  ein  prächtiges  Kunstwerk,  zeigt  uns  Paumgartners
Züge  an  der  Schwelle  des  Greisenalters.  Der  mit  kostbaren
*)  Sebald  Paumgartner,  ein  Sohn  Michael  Paumgartners  (der  ein
Bruder  Antons  war),  siedelte  dann  nach  Augsburg  über.  Baltasar  Wolf
gehörte  zu  den  reichsten  Augsburgern.  Seine  Witwe  zahlte  im  Jahre  1498
dieselbe  Steuer  wie  Hans  Paumgartner,  nämlich  114  fl  (Strieder
a.  a.  O.  S.  19).
2 )  Pirmin  Gasser:  Annales  ad.  a.  1494,  bei  Menken:  Scriptores
  rerum  Germanicarum  I.  Sp.  1719.
3 )  Paumgartnerscher  Familienkodex  im  Reichsarchiv  Bl.  2,  wo
auch  angegeben  ist,  mit  wem  sich  die  Töchter  vermählten:  Anna  mit
Simon  Imhof  von  Nürnberg,  Sabina  mit  Wolfgang  Rudolf  (i.  J.  1512),
Felizitas  mit  Anton  Welser,  Bürgermeister  (i.  J.  1514),  Regina  mit
Marx  Ehern  (i.  J.  1517),  Monica  mit  Leonhard  Imhof  (i.  J.  1520),  Helena
mit  Conrad  Rott  v.  Ulm  (i.  J.  1527).  Die  beigefügten  Jahreszahlen
nach  Warnecke:  Hochzeitsbuch.
4 )  Warnecke:  Hochzeitsbuch  S.  23.
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        44

Pelzen  verbrämte  Mantel  bringt  uns  den  Reichtum  des  Dargestellten ­
  zum  Bewusstsein 1 ).
Wenn  das  Vermögen  ein  Gradmesser  ist  für  die  Tüchtigkeit
eines  Kaufmanns,  dann  müssen  wir  Hans  Paumgartners  Erfolge ­
  bewundern.  Von  Jahr  zu  Jahr  erhöht  sich  seine  Steuersumme. ­
  Während  er  1498  noch  mit  1x4  fl  eingeschätzt  ist,
zahlte  er  1510  bereits  346  fl,  1516  425  fl.  Im  zuletzt  genannten
Jahr  ist  dann  auch  schon  sein  Sohn  mit  173  fl  verzeichnet 2 ).
Jedenfalls  gehörten  die  Paumgartner  Vater  und  Sohn  damals
schon  zu  den  allerreichsten  Bürgern.  Reicher  waren  wohl  nur
die  Fugger  und  Höchstetter.
In  seinem  Testament  konnte  Hans  Paumgartner  seinen
Kindern  daher  eine  ansehnliche  Erbschaft  zur  Verteilung  hinterlassen. ­
  Jede  seiner  sechs  Töchter  bzw.  deren  Kinder  erhielten
14  500  fl.  Der  Sohn  berechnet  sein  Erbteil  (abgesehen  von
den  Häusern  und  liegenden  Gütern)  auf  51  000  fl 3 ).
Noch  mehr  als  ein  Jahrzehnt  lebte  Hans  Paumgartner  d.  Ae.,
nachdem  er  sich  von  den  Geschäften  zurückgezogen  hatte.  Ein
schöner  Lebensabend  war  ihm  beschieden,  währenddessen  er
mit  Befriedigung  auf  das  von  ihm  Geschaffene  zurückblicken
konnte  und  zugleich  den  Glanz  seines  Hauses  unter  seines
Sohnes  Leitung  weiter  wachsen  sah.  Zwischen  10.  September
und  Oktober  1527  starb  er 4 ),  fast  siebzigjährig  —  der  Sohn
jenes  Anton,  der  1475  im  Elend  gestorben  war.
1 )  Eine  Reproduktion  des  Holzschnittes,  „von  den  so  sehr  geschätzten ­
  Helldunkelblättern  eines  der  schönsten“,  findet  sich  in  der
Kunstgeschichte  von  Knack  fuss  Bd.  2  S.  586  und  bei  Friedr.
Lippmann:  Engravings  and  Woodcuts  by  old  masters  sec.
XV—XIX  Part  II  (1891)  Taf.  38.
2 )  Augsburger  Steuerbücher  der  betreffenden  Jahre.
3 )  Familienkodex  Bl.  2.
*)  Am  10.  September  1527  wird  seiner  nochmals  in  den  Tiroler
Kopialbüchern  gedacht.
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        45

Zweites  Kapitel.
Die  Zeit  der  Blüte.
Hans  Paumgartner  der  Jüngere  (c.  1490—1549).
a)  Hans  Paumgartners  d.  J.  Anfänge  bis  zur  selbständigen
Uebernahme  des  Geschäfts.
Hans  Paumgartner  d.  J. 1 ),  des  Aelteren  einziger  Sohn,
wurde  zwischen  1487  und  1491  in  Augsburg  geboren 2 ).  Ueber
seine  Jugendzeit  sind  wir  wenig  unterrichtet.  Wir  werden
jedoch  nicht  fehlgehen  mit  der  Annahme,  dass  ihm  sein  Vater
eine  gründliche  kaufmännische  Ausbildung  zuteil  werden  liess.
Auf  den  hohen  Schulen  der  Kaufmannschaft  in  Venedig  und  in
den  Niederlanden  wird  er  eingeweiht  worden  sein  in  die  Geheimnisse ­
  des  Handels  und  der  Geldgeschäfte.  Vielleicht  hat
er  sich  auch  auf  einer  Universität  einige  gelehrte  Kenntnisse
angeeignet,  da  später  seine  Gelehrsamkeit,  besonders  sein
juristisches  Wissen,  viel  gepriesen  wird.  Nach  Beendigung  der
Lehr-  und  Wanderjahre  pflegte  der  vornehme  junge  Kaufmann
jener  Tage  in  die  Heimat  zurückzukehren,  wo  dann  eine  reiche
Heirat  gewöhnlich  die  Jugendperiode  zum  Abschluss  brachte.
Für  unsern  Hans  hatte  sein  Vater,  wie  wir  bereits  wissen,  eine
besonders  glänzende  Partie  ausersehen.  Nachdem  Jacob  Fugger
seine  Zustimmung  gegeben,  durfte  Hans  Paumgartner  am  28.  Juli
1512  Georg  Fuggers  Tochter  Regina  als  seine  Gattin  heimführen.
Die  Verbindung  mit  dieser  gewiss  viel  umworbenen  „Fuggerin“
brachte  dem  jungen  Paumgartner  nicht  nur  ein  ansehnliches
Vermögen,  sondern  auch  bedeutende  geschäftliche  Vorteile 3 ).
l j  Eine  populäre  Biographie  Hans  Paumgartners  gibt  Paul  v.  S  t  e  tt
  e  n  d.  J.  in  seinen  „Lebensbeschreibungen  zur  Erweckung  und  Unterhaltung ­
  bürgerlicher  Tugend“.  1.  Bd.  (Augsburg  1782)  S.  171—208.
2 )  Seine  Schwester  Anna  war  älter  als  er.  Da  ferner  Hans  Paumgartners ­
  d.  Ae.  viertes  Kind  Felizitas  um  1494  geboren  wurde  (Dan.
P  r  a  s  c  h:  Epitaphia  Augustana,  Augsbg.  1624  I  S.  290),  so  ergibt  sich
für  Hans  Paumgartner  d.  J.  ungefähr  die  oben  angegebene  Geburtszeit.
3 )  Regina  Fugger,  geb.  7.  Nov.  1499,  war  Georg  Fuggers  (f  1506)
und  der  Regina  Imhof  Tochter,  also  eine  Schwester  Anton  Fuggers.  Sie
zahlte  in  Augsburg  seit  ihres  Vaters  Tod  eine  Steuer  von  jährl.  70  fl.
Nach  einem  am  4.  April  1519  abgeschlossenen  Ehevertrag  hatte  sie  ihrem
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        46

Die  gefährlichsten  Rivalen  und  Konkurrenten  waren  nun  durch
nahe  verwandtschaftliche  Verbindung  gewonnen.  Anton  Fugger,
der  bestimmt  war,  in  der  nächsten  Generation  an  die  Spitze
des  Fuggerschen  Geschäftes  zu  treten,  war  jetzt  Hans  Paumgartners
  d.  J.  Schwager  geworden  und  von  dem  gegenwärtigen
Leiter  der  Fuggerhandlung,  Jakob  dem  Reichen,  besagt  eine
Notiz,  dass  er  seinen  jungen  Verwandten  „fast“  lieb  gehabt
haben  soll 1 ).
Hans  Paumgartner  war  nach  seiner  Verheiratung  im  väterlichen ­
  Geschäft  tätig  und  stand  dem  Vater  zur  Seite.  Dieser
zog  sich  dann  —  nahe  dem  sechzigsten  Lebensjahr  —  mehr
und  mehr  zurück.  Der  damalige  weltumspannende  Handel
erforderte  jüngere  Kräfte.  Am  12.  November  1515  gab  der
Vater  dem  Sohn  „alle  Gewalt,  mit  Hab,  Gütern  und  Geld  zu
handeln  und  zu  hantieren  nach  seinem  Ermessen“.  Seitdem
finden  wir  auch  tatsächlich  Hans  d.  J.  in  Urkunden  und  Verträgen ­
  als  Inhaber  der  Firma  genannt,  obwohl  er  zunächst
noch  unter  väterlicher  Oberaufsicht  die  Geschäfte  erledigte 2 ).
Als  im  Oktober  1515  der  kaiserliche  Rat  Blasius  Hölzl  in  Augsburg ­
  weilte  und  mit  den  Kaufleuten  wegen  eines  Anlehens
verhandelte,  zog  Hans  Paumgartner  zu  den  Beratungen  neben
seinem  Teilhaber  Lucas  Gassner  auch  seinen  Sohn  bei.  Da
damals  den  Fuggern  auf  lange  Zeit  hinaus  alles  Silber  verschrieben ­
  war,  und  diese  nichts  abtreten  wollten,  so  konnte
trotz  mehrtägiger  Verhandlungen  kein  Silbervertrag  mit  den
Paumgartnern  abgeschlossen  werden 3 ).  Im  Jahre  1516,  als
Maximilian  gegen  Venedig  im  Felde  lag,  gab  Paumgartner  zu
Verpflegung  der  Kriegsknechte  zusammen  mit  Hans  Auslasscr
Gatten  6000  fl  mit  in  die  Ehe  gebracht.  Hans  Paumgartner  d.  J.  zahlte
seit  1512  in  Augsburg  Steuer  und  zwar  zunächst  jährl.  100  fl.  (Nach
den  Steuerbüchern.)  Er  wohnte  auch  nach  seiner  Vermählung  bei  seinem
Vater  in  der  Annastrasse  und  zwar  bis  zu  dessen  Tod  in  einem  Rückgebäude ­
  („in  der  hinteren  Behausung“).
*)  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Max.  XII.  40  Nr.  70.  „fast“
natürlich  gleich  „sehr“.
2 )  Diese  und  die  weiter  unten  (S.  48)  zu  erwähnenden  Notizen
über  die  Geschäftsübergabe  entnehme  ich  einer  Aufzeichnung  des
früheren  Augsbg.  Stadtarchivars  Herberger,  dem  Hans  Paumgartners
  d.  Ae.  Testament  vorlag.  Es  ist  mir  nicht  gelungen,  das  letztere,
das  sich  im  Augsburger  Stadtarchiv  befinden  soll,  aufzufinden.
3 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Max.  XII.  40  Nr.  70.
        <pb n="50" />
        47

und  ebenso  die  Manlich  grössere  Summen  und  Waren.  Am
9.  September  1516  hat  ihm  dann  der  Kaiser  dafür  5000  Jl
Silber  (ä  8  fl  27  kr)  verkauft 1 ).  Auf  grössere  Darlehen  liess
sich  jedoch  Paumgartner  nicht  ein,  da  ihm  Maximilian  noch
eine  Summe  für  Formschneiden  schuldig  war 2 ).  Wahrscheinlich
hatte  Paumgartner  Zahlungen  an  einige  Augsburger  Künstler
wie  Burgkmair,  Amberger  u.  a.  gemacht,  die  bekanntlich  für
den  Kaiser  arbeiteten.
Bei  der  argen,  von  Jansen  bereits  geschilderten  Zerrüttung
der  Finanzen  blieb  schliesslich,  da  die  Metalle  den  Fuggern
verschrieben  waren,  nichts  übrig,  als  andere  Einnahmequellen
Tirols  zu  verpfänden.  Hier  tritt  im  Jahre  1517  auch  Hans
Paumgartner  d.  Ae.  nochmals  als  Geldgeber  auf.  Nachdem
am  1.  Januar  die  Fugger  zur  Abfertigung  des  Kriegs  Volks  in
Verona  um  18  000  fl  angesprochen  worden  waren,  liehen  am
17.  Januar  Anton  Welser  4000  fl,  Hans  Paumgartner  d.  Ae.
3000,  Lucas  Gassner  2000,  Philipp  Adler  7500  und  Jacob  Villinger
  2000  fl.  Sie  alle  wurden  damit  auf  das  Pfannhaus  zu
Hall,  also  den  Salzertrag,  verwiesen 3 ).  Im  Februar  des  gleichen
Jahres  erklärte  sich  Hans  Paumgartner  d.  J.  bereit,  der  Regierung ­
  6000  fl  auf  drei  Monate  zu  leihen.  Dieses  Anerbieten
wurde  mit  Dank  am  25.  Februar  angenommen  und  Paumgartner
in  Aussicht  gestellt,  man  werde  ihn  bei  künftigen  Silber-  und
Kupferkäufen  besonders  berücksichtigen 4 ).  Am  6.  März  bat
die  Kammer  dann  den  Kaufmann,  er  möge  das  Geld  hereinschicken. ­
  Da  man  genötigt  gewesen  wäre,  zur  Zurückzahlung
der  6000  fl  bei  den  Fuggern  Geld  aufzunehmen,  so  liess  sich
Paumgartner  am  1.  September  dazu  herbei,  mit  seinen  6000  fl
noch  stillzustehen  und  dazu  weiter  noch  2000  fl  bar  und  für
2000  fl  Seidenwaren  darzustrecken.  Die  ganze  Summe  (10  000  fl)
sollte  ihm  nächste  Lichtmess  mit  200  fl  Zins  zurückbezahlt
werden 5  6 ).  Auffallend  ist  die  Zuvorkommenheit,  die  der  junge
Paumgartner  hier  der  Tiroler  Finanzbehörde  gegenüber  zeigt.
Er  ging  dabei  gewiss  von  dem  Gedanken  aus,  dass  man  beq ­

  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Missiven  (1516)  fol.  408.
2 )  Jansen:  Jacob  Fugger  d.  R.  S.  117.
3 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Entbieten  u.  Befehl  (1517)
fol.  SS-*)
  Ebenda:  Gemain  Missiven  (15x7)  fol.  131  u.  140.
6 )  Ebenda  fol.  68.
        <pb n="51" />
        48

sonders  anfangs  sich  etwas  nachgiebiger  verhalten  müsse,
um  sich  die  Regierung  für  spätere  Geschäfte  geneigt  zu  machen.
Maximilians  I.  Lebenszeit  nahte  sich  ihrem  Ende 1 ).  Auf
seinem  letzten  Reichstag  zu  Augsburg  im  Herbst  1518  betrieb
der  Kaiser  die  Wahl  seines  Enkels  Karl  zu  seinem  Nachfolger.
Die  Rolle,  die  das  Fuggersche  Geld  bei  diesen  Verhandlungen
spielte,  ist  bekannt.  Auch  Paumgartner  durfte  mit  seinem
Kapital  Karl  zur  Krone  verhelfen.  Er  lieh  Maximilian  I.
10  000  fl  zu  „Unterhaltung“  auf  dem  Reichstag.  Die  Summe
ist  eingetragen  in  einer  von  Greiff  edierten  Abrechnung  „Was
Kayser  Carolus  dem  V ten  die  Römisch  Küniglich  Wal  cost  im
1520.  Jar.“ 2 )  Sie  ist  klein  im  Verhältnis  zu  den  Fuggerschen
Aufwendungen  für  diesen  Zweck.  Indirekt  war  Hans  Paumgartner ­
  auch  vermutlich  stärker  beteiligt.  In  jenem  bekannten
stolzen  Brief,  den  Jacob  Fugger  im  Jahre  1523  an  Karl  V.
schrieb,  und  in  dem  er  den  Kaiser  um  Rückzahlung  der  für
die  Wahlkosten  vorgestreckten  Gelder  bittet,  sagt  er  ja  ausdrücklich ­
  „dann  ich  war  lieh  von  solchem  aufgebrachten  geld
selbst  Interesse  zahlen  muost“ 3 ).  Sollte  hierbei  Fugger  nicht
auch  das  Kapital  seines  Schwagers  Hans  Paumgartner  herangezogen ­
  haben?
In  den  Jahren  1515  bis  1520  hatte  der  junge  Paumgartner
noch  unter  seines  Vaters  Oberleitung  gestanden.  Er  legte
diesem  am  26.  März  und  am  20.  Dezember  1517  sowie  nochmals ­
  am  7.  Mai  1520  Rechenschaft  ab,  wobei  der  Vater  alles
in  bester  Ordnung  fand.  Am  7.  November  1520  übergab  er  dem
Sohn  alle  Geschäfte.  Dieser  sollte  doppelt  so  viel  erben  als
eine  der  Töchter.  Verschwiegenheit  über  geschäftliche  Dinge

l )  Wie  bedeutungsvoll  gerade  die  Regierung  Maximilians  I.  für
die  Augsburger  Kaufleute  war,  geht  aus  ff.  Stelle  bei  dem  Chronisten
Wilhelm  Rem  hervor  (Chron.  d.  deutschen  Städte  XXV  S.  101):  „Der
kaiser  was  den  von  Augspurg  günstig  und  besunderlich  den  bürgern,  es
waren  vil  lcauffleut  hie,  die  handleten  mit  ihm;  wan  er  gelt  dorft,  so
liehen  sie  im  gros  gutt  auff  die  Silber  und  kupfer  zu  Schwotz.  dieselben
kafleut  gewunen  vil  gelt  an  im,  dan  er  was  frum  und  hielt  in  die  keff
redlich,  so  künden  die  kaffleut  wol  scheren.“
a )  Deutsche  Reichstagsakten.  Jüngere  Reihe  Bd.  1  S.  117.  Greiffs
Veröffentlichung  findet  sich  im  Jahresbericht  des  Hist.  Ver.  f.  Schwaben
u.  Neuburg  Bd.  XXXIV  (1868)  S.  9  ff.
3 )  Dieser  berühmte  Brief  ist  öfter  gedruckt,  so  zuletzt  bei  Jansen:
Jacob  Fugger  der  Reiche  S.  249  f.
        <pb n="52" />
        49

schärfte  er  ihm  besonders  ein.  Da  er  (der  Vater)  mit  vielen
Leuten,  hauptsächlich  auch  mit  Maximilian,  viel  und  mancherlei
gehandelt  und  solches  in  seine  Bücher  geschrieben,  auch  darüber
allerlei  Quittungen  und  Rechnungen  aufgerichtet  habe,  so  solle
der  Sohn,  der  jetzt  das  Geschäft  in  allen  Teilen  übernehme,
niemand  in  diese  Bücher  Einsicht  gestatten 1 ).
Wie  im  Reich,  so  trat  jetzt  auch  —  wenn  man  Kleines
mit  Grossem  vergleichen  darf  —  in  der  Firma  Paumgartner
ein  neuer  Herr  an  die  Spitze.  Mit  der  Regierung  Karls  V.  bzw.
seines  Bruders  Ferdinand  beginnt  eine  noch  stärkere  Heranziehung ­
  der  Paumgartner  zu  Anleihen.  Die  mehr  und  mehr
wachsenden  Aufgaben  in  allen  Teilen  des  weitausgedehnten  Reichs
stellten  auch  an  die  Finanzkräfte  der  Herrscher  immer  höhere
Forderungen 2 ).  Bei  der  noch  wenig  durchgebildeten  Organisation
des  Steuerwesens  musste  die  Regierung  immer  wieder  ihre
Zuflucht  zu  den  Kaufherrn  nehmen,  die  allein  im  Besitz  grosser
Kapitalien  waren.  Zu  den  bekanntesten  Vertretern  dieser
Hochfinanz  gehörte  jetzt  auch  schon  unser  Hans  Paumgartner
d.  J.,  dessen  Beziehungen  zu  Karl  V.  und  Ferdinand  I.  wir
nun  zunächst  näher  betrachten  wollen.

b)  Hans  Paumgartners  Finanzgeschäfte  mit  den  Habsburgern ­
  und  seine  Bergwerksunternehmungen.
Mit  einem  grossen  Geldgeschäft  setzen  Paumgartners
Beziehungen  zu  Karl  V.  ein,  der  auch  die  Tiroler  Bergwerke
seiner  Politik  dienstbar  machte.  Am  6.  Dezember  1519  lieh
der  Kaufherr  dem  Kaiser  40  000  fl  und  wurde  dafür  auf  Tiroler
Silber  verwiesen.  Die  Rückzahlung  begann  erst  1521  in  der
Weise,  dass  Paumgartner  von  dem  in  seinen  Gruben  gewonnenen
Silber  von  jeder  Mark  45  kr  zurückbehielt  und  ausserdem  noch
1 )  Vgl.  dazu  das  oben  S.  46  Anm.  2  Gesagte.
2 )  Wertvolle  Beiträge  zu  einer  Geschichte  der  österreichischen
Staatsschulden  liefert:  Otto  T  h  o  r  s  c  h:  Materialien  zu  einer  Geschichte
der  österreichischen  Staatsschulden  vor  dem  18.  Jahrhundert.  Leipziger
Inauguraldissertation.  Greifswald  1891.  Die  in  den  Text  eingeschobenen
Tabellen  lassen  den  hervorragenden  Anteil  der  Augsburger  Kaufleute,
nicht  nur  der  Fugger,  deutlich  erkennen.  Auch  die  Paumgartner  sind
häufig  vertreten.

4
        <pb n="53" />
        5»

alle  Quatember  2000  fl  bar  empfing 1 ).  Das  Geld  brauchte
der  Kaiser  zu  Rüstungen  gegen  Ulrich  von  Württemberg,  der,
bekanntlich  damals  in  die  Reichsacht  erklärt,  Unruhen  verursachte, ­
  die  ihn  schliesslich  um  sein  Land  brachten.
Am  15.  Mai  1520  zahlte  Paumgartner  an  die  Regierung
zu  Innsbruck  6000  fl  in  Sonnencronen,  die  zu  einer  Bezahlung
an  die  Schweiz  benötigt  wurden.  Er  erhielt  dafür  1200  M  Silber
aus  seiner  eigenen  Schmelzhütte  (monatlich  175  M),  aber  erst,
wenn  er  für  zwei  frühere  Beträge  von  8000  fl  befriedigt  worden
wäre 2 ).  Aus  besonderen  Gründen,  die  ich  aber  nicht  anzugeben
vermag,  schob  Hans  Paumgartner  in  einem  Vertrag  vom
8.  März  1521  seine  beiden  Söhne  (die  damals  erst  zwischen
vier  und  acht  Jahre  alt  waren)  vor.  Ihnen  verschrieb  der  Kaiser
damals  für  ein  Darlehen  von  20  000  fl  10  000  M  Silber 3 ).  Erst
fünf  Jahre  später,  als  die  Tiroler  Regierung  die  Hüttwerke
von  den  Fuggern  wieder  zurückbekam,  konnte  diese  Silberlieferung ­
  beginnen,  die  dann  im  November  1527  ihren  Abschluss ­
  fand.
Die  Aufnahme  von  Geldern  bei  den  Paumgartnern  verlor
jetzt  immer  mehr  den  Charakter  einmaliger  ausserordentlicher
Forderungen.  Wie  die  Fugger,  so  war  auch  unser  Kaufherr
zum  ständigen  Hofbankier  geworden,  an  den  man  jeden
Augenblick  mit  neuen  Bitten  um  Darlehen  herantrat 4 ).  Fast
alljährlich,  ja  oft  mehrmals  im  Jahre,  sandte  die  Regierung
in  Innsbruck  einen  der  Räte  mit  einer  „Credenz“  oder  Instruktion ­
  nach  Augsburg,  um  bei  den  Kaufleuten  wegen  Geldaufnahme ­
  anzuklopfen.  Paumgartner  war  neben  den  Fuggern
immer  einer  der  ersten,  an  den  man  sich  wandte.  So  weilte
im  Juü  1521  Christof  Fuchs  von  Fuchsberg  in  Augsburg,,
um  im  Namen  des  Regiments  und  der  Kammer  für  Karl  V.
6000  fl  bei  Paumgartner  zu  erlangen.  Falls  er  abschlagen
würde,  sollte  Fuchs  mit  den  Höchstettern  verhandeln 5 ).  Etwas
*)  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Gemain  Missiven  (1521)  f.  155..
2 )  Ebenda.  Missiven  und  Befehl  (1520)  f.  180,  199.
3 )  Ebenda.  Entbieten  und  Befehl  (1526)  f.  177.
*)  Daneben  sind  auch  die  Höchstetter,  Herwart  und  Bimmel
dauernd  Geldgeber  der  Habsburger.  Gerade  die  Tiroler  Kopialbücher
bieten  für  die  Geschichte  der  Augsburger  Handelsfamilien  eine  Fülle
von  Material,  das  bisher  noch  wenig  beachtet  wurde,  soweit  die  Zeit
nach  1525  in  Betracht  kommt.
5 )  Die  „Instruktion  und  Memorial  Herr  Christof  Fuchsen
        <pb n="54" />
        5i

später  folgte  Blasius  Hölzl  ebenfalls  Finanzgeschäfte  halber
nach  Augsburg  dem  von  Fuchsberg  nach.  Das  Resultat  ihrer
Mission  war,  dass  Hans  Paumgartner  am  3.  September  12  000  fl
dar  lieh 1 ).
Im  Juli  1522  rechnete  die  Regierung  mit  Paumgartner
ab.  Es  zeigte  sich,  dass  er  mit  Einschluss  der  zuletzt  vorgestreckten ­
  12  000  fl  und  eines  Postens  von  864  fl  19  kr  für  Seidenwaren ­
  im  ganzen  noch  22  014  fl  19  kr  (zum  Teil  noch  von  den
1519  dargeliehenen  40  000  fl  herrührend)  zu  erhalten  hatte.
Er  wurde  am  26.  Juli  auf  die  Einnahme  aus  dem  Pfannhaus
zu  Hall  verwiesen 2 ).
Kurz  zuvor  (7.  Februar  1522)  war  in  Brüssel  zwischen
Karl  V.  und  Ferdinand  I.  die  Teilung  der  habsburgischen
Lande  zustande  gekommen,  in  der  letzterem  auch  Tirol  zugefallen ­
  war.  Er  trug  nun  auch  die  Verantwortung  für  die  Verwendung ­
  der  reichen  Metallschätze  dieses  Landes  und  es  konnte
nicht  ausbleiben,  dass  sich  anfangs  deshalb  manche  Kompetenzstreitigkeiten ­
  ergaben.  So  hatte  Hans  Paumgartner  im
Herbst  1522  Karl  V.  wieder  24  000  fl  dargestreckt.  Da  er  trotz
seines  wiederholten  Ersuchens  für  diese  Summe  längere  Zeit
keine  Verschreibung  erhielt,  wandte  er  sich  an  Ferdinand.
Dieser  weigerte  sich  jedoch,  die  Schuld  seines  Bruders  anzunehmen ­
 3 ).  Als  er  sich  an  die  Räte  in  Innsbruck  um  Aufschluss ­
  über  die  Verwendung  des  Geldes  wandte,  wurde  ihm
die  Antwort,  dass  dasselbe  dem  Kammermeister  übergeben
worden  sei,  der  darüber  Rechenschaft  abzulegen  habe.  Weder
zu  Herzog  Sigismunds  noch  zu  Maximilians  I.  Zeit  seien  die
Räte  verpflichtet  gewesen,  Rechnung  abzulegen.  Ferdinand
gab  sich  mit  dieser  Antwort  noch  keineswegs  zufrieden,  sondern
schrieb  am  29.  November  von  Nürnberg  aus  nach  Innsbruck
zurück,  dass  er  die  Kammer  deshalb  um  Rechenschaft  gebeten

von  Fuchsperg  Ritters,  römisch  kaiserlicher  Majestät  Rat.  6000  fl
vinantzen“  steht  Entbieten  u.  Befehl  (1521)  f.  478.  Gewöhnlich  schrieb
die  Tiroler  Kammer,  wenn  sie  einen  solchen  Gesandten  nach  Augsburg
schickte,  gleichzeitig  an  die  Kaufleute  und  bat  sie,  sie  möchten  den
Boten  günstig  aufnehmen  und  sich  seinem  Anliegen  willfährig  zeigen.
!)  Entbieten  u.  Befehl  (.1521)  fol.  302  u.  (1522)  fol.  403.
2 )  Entbieten  u.  Befehl  (1522)  fol.  403.
3 )  Schreiben  Ferdinands  I.  an  das  Regiment  in  Innsbruck  aus
Nürnberg:  Missiv  u.  Befehl  von  Hof  (1520—1522)  fol.  338.
4*
        <pb n="55" />
        52

habe,  weil  sie  den  Vertrag  zustande  gebracht,  er  erklärte  sich
dann  aber  damit  einverstanden,  dass  Paumgartner  auf  das
Pfannhaus  verwiesen  werde.  Sobald  jedoch  das  Silber  wieder
frei  sei,  solle  Paumgartner  den  Rest  aus  seinem  Hüttwerk
erhalten.  Als  dies  im  Oktober  1523  eintrat,  hatte  Paumgartner
von  den  24  000  fl  noch  16  801  fl  zu  empfangen 1 ).  Der  Münzmeister
wurde  angewiesen,  den  Kaufmann  von  dem  Silber,  das  er  mache,
und  in  die  Münze  liefere,  45  kr  von  jeder  Mark  zurückbehalten
zu  lassen.
Die  Jahre  1524  bis  1526  stellten  infolge  der  Bauernunruhen
und  der  gleichzeitigen  Kriege  Karls  V.  in  Italien  grosse  Forderungen ­
  an  die  Tiroler  Finanzen,  mit  deren  Mitteln  Karl  und
Ferdinand  indirekt  durch  die  Augsburger  Kaufherrn  ihre
Kriege  führten.  Nicht  mit  Unrecht  behauptet  ein  Geschichtsschreiber ­
  Tirols,  dass  der  Bauernkrieg,  die  Türken-  und  Franzosenkriege ­
  die  Hilfsmittel  Tirols  erschöpften  und  es  aus  einem
der  zahlungsfähigsten  zum  ärmsten  der  Erblande  machten 2 ).
Gerade  der  reiche  Ertrag  der  Bergwerke  wurde  dem  Lande,
wie  wir  noch  sehen  werden,  zum  Unsegen,  da  man  diese  Quelle
für  unversiegbar  hielt.  Immer  neue  Geldaufnahmen  machte
man  auf  die  Edelmetalle  und  erschöpfte  damit  vorzeitig  den  4
Reichtum  der  Gruben.  Am  27.  Februar  1524  teilte  Gabriel
Salamanca,  Ferdinands  allmächtiger  Generalschatzmeister,  der
Tiroler  Regierung  mit,  dass  Hans  Paumgartner  20  000  fl  dargestreckt, ­
  einige  Monate  später  (10.  Mai)  berichtet  Ferdinand
von  Horb  aus,  dass  man  bei  dem  genannten  Augsburger  Kaufmann ­
  ausserdem  noch  19  998  fl  32  kr  y 2  f  aufgenommen  habe 3 ).
Beide  Summen  wurden  auf  den  Silberwechsel  verwiesen.  Angesichts ­
  dieser  Verpflichtungen  und  der  unerquicklichen  Zustände ­
  des  Landes 4 )  konnte  die  Regierung  bald  ihren  Zahlungen
nicht  mehr  nachkommen,  zumal  auch  die  Unruhen,  „so  sich
an  vielen  Orten  durch  den  gemeinen  Mann  erzeigten“,  grösseren

1 )  Missiv  und  Befehl  von  Hof  (1520  bis  1522)  fol.  341.
2 )  Jos.  Egger:  Geschichte  Tirols  von  den  ältesten  Zeiten  bis
in  die  Neuzeit  Bd.  II  (Innsbruck  1876)  S.  152  u.  ö.
3 )  Geschäft  v.  Hof  (1524)  fol.  180.
*)  Besonders  Ferdinands  I.  Günstling,  der  Spanier  Gabriel  Salamanca, ­
  Graf  zu  Ottenburg,  Freiherr  zu  Freienstein,  der  in  Tirol  wie
ein  Fürst  gebot,  war  den  Einheimischen  verhasst.  Vgl.  Egger  a.  a.  O.
S.  86  ff.
        <pb n="56" />
        53

Umfang  annahmen 1 ).  Die  Räte  trugen  Ferdinand  ihre  Not
vor  und  erhielten  den  Rat,  mit  Höchstetter  und  Paumgartner
über  ein  Anlehen  von  20  000  fl  auf  Tauf  rer  Kupfer  zu  handeln.
Die  Kaufleute,  die  in  solchen  unruhigen  Zeiten  ihr  Geld  zusammenhielten, ­
  gewährten  aber  nur  wenig,  so  Paumgartner
3000  und  Fugger  6000  fl 2 ).  Die  Rückzahlung  der  Darlehen
wurde  immer  schwieriger.  So  hatten  sich  die  Schulden,  die
Ferdinand  bei  Paumgartner  hatte,  bis  Ende  1524  auf  75  000  fl
aufgelaufen,  worunter  noch  Posten  aus  Maximilians  I.  Zeit
waren 3 ).
Im  eigentlichen  Sturmjahr  1525  selbst  hielten  die  Kaufleute ­
  erst  recht  ihre  Taschen  zu.  Trotzdem  die  Regierung
die  Räte  Blasius  Hölzl  und  Hans  Löble  nach  Augsburg  schickte,
„da  die  Kammer  eine  eilende  Hilf  brauche“,  waren  bei  Paumgartner ­
  nur  5000  fl  (3000  im  Juli  und  2000  am  12.  August)
zu  erlangen 4 ).
Um  so  grösser  war  die  Erschöpfung  der  Tiroler  Finanzen
dann  im  Jahre  1526,  nachdem  die  Hauptgefahr  vorüber  war.
Obwohl  er  noch  45  000  M  Silber  zu  empfangen  hatte,  liess
sich  Paumgartner  am  20.  Februar  doch  herbei,  20  000  fl  darzuleihen. ­
  Es  wird  ihm  dafür  bewilligt,  dass  er  mit  dem  Empfang
der  genannten  45  000  M  sofort  beginnen  solle  und  auch  die
20  000  fl  vom  Wechselgeld  des  Schwazer  Silbers  zurückerhalte.
Da  Paumgartner  die  Hälfte  der  ihm  zustehenden  45  000  M
zum  Vermünzen  nach  Hall  gab,  erhielt  er  dort  für  jede  Mark
10  fl  45  kr 5 ).  Von  den  obenerwähnten  20000  fl  beanspruchte
Ferdinand  sogleich  3200  fl  für  sich,  um  die  Kosten  seines
„Aufbruchs“  von  Augsburg  zum  Reichstag  nach  Speyer  zu
begleichen.  Am  17.  März  lieh  dann  Paumgartner  ausserdem
noch  6000  fl 6 ).  In  eindringlichen  Vorstellungen  wandte  sich
1 )  Ferdinand  I.  an  die  Räte  der  oberösterr.  Kammer:  Geschäft
v.  Hof  (1524)  fol.  236.
2 )  Gemain  Missiven  (1524)  fol.  188.
3 )  Karl  Oberleitner:  Oesterreichs  Finanzen  u.  Kriegswesen
unter  Ferdinand  I.  (in:  Archiv  f.  Kunde  österreichischer  Geschichtsquellen ­
  XXII  S.  17  ff.  Oberleitner  berechnet  die  Ausgaben  der  österr.
Regierung  für  den  Bauernkrieg  auf  226  812  fl  (S.  23).
‘)  Geschäft  von  Hof  fol.  51  u.  61.
5 )  Entbieten  u.  Befehl  fol.  47.  Genannte  Summe  war  also  wohl
damals  der  Marktpreis  des  Silbers.
®)  Geschäft  Von  Hof  (1526)  fol.  48.
        <pb n="57" />
        54

anfangs  Juni  die  Kammer  an  Ferdinand  und  schilderte  den
traurigen  Zustand  der  Finanzen 1 ).  Die  Bauernunruhen  dauerten
zum  Teil  im  Pinzgau  und  bei  Brixen  noch  fort.  Den  Knechten
an  der  Etsch  war  man  am  19.  Mai  1526  bereits  einen  halben
Monatssold  (5000  fl)  schuldig.  Zott,  der  in  Augsburg  weilte,
um  Geld  aufzunehmen,  richtete  nur  wenig  aus.  Die  Räte
fürchteten,  wenn  nicht  bald  Hilfe  komme,  dass  „grosses  Geschrei
und  Gerücht  und  ander  Nachteil  im  römischen  Reich  und
bei  anderen  Leuten“  entstehen  möchte.  Gabriel  Salamanca,
Graf  von  Ortenburg,  erlangte  schliesslich  bei  den  Fuggern
40  000  fl  und  bei  Paumgartner  9000  fl,  dem  letzteren  wurde
sein  Darlehen  auf  das  Hilfsgeld  in  der  Lausitz  verwiesen 2 ).
Ferdinand  genehmigte  diese  Verträge  und  riet,  am  21.  Juli  mit
Höchstetter  und  Bimmel  weiter  zu  verhandeln 3 ).  Die  zu  diesem
Zweck  nach  Augsburg  gesandten  Räte  Georg  von  Fiundsberg,
Christof  Fuchs  und  Hans  Zott  richteten  dort  aber  wenig  aus 4 ).
Kaum  waren  die  Aufstände  beruhigt,  so  pochte  im  Osten
der  bei  Mohacs  siegreiche  Türke  stärker  an  die  Pforten  des
Reichs.  Ferdinand  befand  sich  im  Feldlager  bei  Ofen.  Dort
bestätigte  er  in  einem  Vertrag  vom  18.  August  1527,  dass  ihm
die  Höchstetter  7000  fl  dargestreckt  und  sich  auch  für  weitere
10  000  fl  verbürgt  hätten,  die  bei  Hans  Paumgartner  aufgebracht ­
  wurden.  Diese  Summen  wurden  auf  Taufrer  Kupfer
verschrieben  und  den  beiden  Kaufleuten  ausserdem  ein  Silberkauf ­
  von  8000  M  gewährt 5 ).  Im  Laufe  dieses  Jahres  waren  bei
1 )  Missiv  an  Hof  (1526)  fol.  89.
2 )  Geschäft  v.  Hof  (1526)  fol.  373.
3 )  Entbieten  u.  Befehl  (1526)  fol.  153.  Das  Schreiben  Ferdinands
ist  datiert:  Speyer,  21.  Juli  1526.
*)  In  diesen  Zusammenhang  gehört  ein  Brief  Gg.  v.  Frundsbergs
aus  Augsburg  v.  19.  Sept.  1526.  (Korrespondenz  österr.  Herrscher:  Die
Korrespondenz  Ferdinands  I.  1.  Bd.  Familienkorrespondenz  in:  Veröffentlichungen ­
  der  Kommission  f.  neuere  Geschichte  Oesterreichs  II
S.  484/85.  Anm.)  Frundsberg  schildert  hier  seine  Bemühungen,  bei
den  Kaufleuten  Geld  aufzubringen  zur  „röttung  der  erlichen  Gesellen“
in  Mailand  u.  Cremona.  Es  handelte  sich  um  ein  Hilfsheer,  das  dann
unter  Frundsbergs  Oberbefehl  nach  Italien  zog.  Die  Gesandten  der
Tiroler  Kammer  versuchten  bei  Fugger,  Welser,  Höchstetter,  Herwart,
Paumgartner  Geld  aufzunehmen.  Die  Kaufleute  entschuldigten  sich
aber  mit  früheren  Darlehen  und  finanziellen  Verlusten  in  Ungarn.  (Jahr
der  Schlacht  v.  Mohacs!)
5 )  Original  desVertrags  imAugsb.Stadtarchiv,  Litter.  S.  18.  Aug.  1527.
        <pb n="58" />
        Paumgartner  auch  schon  weitere  Darlehen  aufgenommen
worden,  so  am  5.  April  3600  fl  auf  Klausner  Erz  verschrieben,
und  am  20.  August  zusammen  mit  den  Fuggern  9000  fl,  wofür
ihnen  10  000  M  Silber  verkauft  wurden.  Das  Hilfsgeld  der
Lausitz,  auf  das  Paumgartner  im  Vorjahr  für  9000  fl  eine
Anweisung  erhalten  hatte,  ging  sehr  langsam  ein,  weshalb  diese
Anweisung  jetzt  zurückgenommen  und  dem  Kaufmann  dafür
7000  M  Silber  gewährt  wurden.  Doch  sollte  er  diese  erst  1534
empfangen.
Am  10.  Oktober  1527  wurden  der  Tiroler  Kanzler  Dr.
Hieronymus  Baidung  und  Hans  Auslasser  mit  einer  Instruktion
zu  den  Fuggern,  Paumgartner,  Herwart-Bimmel  und  Manlich
nach  Augsburg  geschickt 1 ).  Die  Finanznot  der  Kammer  war
so  gross,  dass  sie  mit  Müh’  und  Not  einen  Botenlohn  aufbrachte.
Doch  die  Kaufleute  halfen  immer  wieder.  Fugger  und  Paumgartner ­
  zahlten  für  Unterhaltung  der  Landsknechte  2600  fl,
Paumgartner  allein  ausserdem  noch  8000  fl,  wofür  ihm  die
Einkünfte  aus  dem  Zoll  am  Lueg  und  bei  Rattenberg  verschrieben ­
  wurden,  und  er  ferner  noch  5333%  M  Silber  erhielt 2 ).
Paumgartner  wollte  in  den  Vertrag  die  Bedingung  aufgenommen
wissen,  dass  er  in  Jahresfrist  um  weitere  Darlehen  nicht  angegangen ­
  würde.  Die  Regierung  liess  ihm  hierauf  erklären,
dass,  wenn  man  kein  Geld  brauche,  man  ihn  nicht  belästigen
würde,  wenn  es  aber  nötig  sein  sollte,  so  würden  sich  Wege
finden,  die  ihm  vielleicht  nützlich  sein  könnten 3 ).
Und  in  der  Tat  konnte  den  Kaufleuten  kein  grösserer  Gefallen ­
  erwiesen  werden,  als  dass  sie  um  Geld  angesprochen
wurden.  Mochte  ihnen  auch  momentan  einmal  die  Geduld
reissen  ob  den  ewigen  Forderungen,  so  war  doch  Tirol  für  sie
die  beste  Quelle  des  Gewinns.  Nicht  nur  alles  Silber  gehörte
immer  aut  Jahre  hinaus  ihnen,  auch  die  anderen  Einnahmen
des  Landes,  das  Pfannhaus,  Zölle  und  Aemter  waren  ihnen
zeitweise  verschrieben.  Gelegentlich  kam  es  auch  zwischen
den  Empfängern  des  Silbers  zu  Streitigkeiten,  da  bei  der  Menge
gleichzeitig  laufender  Verträge  Versehen  nicht  zu  vermeiden
waren.  Besonders  misslich  war,  dass  Ferdinand  selbst  in  Wien
mit  den  Kaufleuten  Geschäfte  abschloss,  wovon  dann  die  Re-1
 )  Gemain  Missiven  (1527)  fol.  504.
2 )  Entbieten  u.  Befehl  (1527)  fol.  66.
3 )  Gemain  Missiven  (1527)  fol.  504.
        <pb n="59" />
        gierung  in  Innsbruck,  die  inzwischen  auch  Geld  aufgenommen
hatte,  erst  nachträglich  erfuhr.  So  beschwerten  sich  die  Fugger
häufig,  dass  auf  Silber,  das  ihnen  verschrieben  war,  auch  andere
Ansprüche  machten.  Im  Jahre  1531  sollte  Paumgartner  die
ihm  für  9000  fl  Darlehen  zugestandenen  6000  M  Silber  erhalten,
und  zwar  jährlich  2000  M.  Nun  waren  aber  bereits  den  Fuggern,
Paumgartner  und  Bimmel  zusammen  für  diese  Jahre  19  200  M
zugesagt.  Paumgartner  musste  sich  daher  schliesslich  dazu
verstehen,  bis  1534  zu  warten.  Als  Entschädigung  gab  man
ihm  dafür  noch  1000  M  Silber  mehr,  also  7000  M 1 ).
Im  Jahre  1529  verschwand  eine  der  Firmen,  die  bisher
in  Tirol  an  der  Seite  der  Fugger  und  Paumgartner  gestanden,
vom  Schauplatz.  Ambrosius  Höchstetter  musste  damals
seinen  Bankrott  erklären 2 ),  der  wegen  der  Begleitumstände
bekanntlich  viel  Aufsehen  erregte.  Paumgartner  rettete  vielleicht ­
  einen  Teil  der  Guthaben,  die  er  bei  den  Höchstettern
hatte,  dadurch,  dass  er  alle  Rechte  und  Gerechtigkeiten  an
jenen  obenerwähnten  17  000  fl  übernahm,  um  die  er  zugleich
mit  den  Höchstettern  auf  Taufrer  Kupfer  verschrieben  worden
war 3 ).  An  die  Stelle  der  ausscheidenden  Firma  traten  nun  in
Tirol  zwei  andere  mehr  hervor,  die  bisher  nur  gelegentlich
erwähnt  wurden,  die  Bimmel  und  Manlich.
Auch  in  Tirol  selbst  machte  sich  der  bisher  getriebene
riesige  Silberhandel  immer  mehr  bemerkbar.  Die  Zeit  von
1500  bis  1530  ist  die  Glanzperiode  des  Tiroler  Bergbaues.  Nur
infolge  einer  fast  unerschöpflich  scheinenden  Ergiebigkeit  der
Silbergruben  waren  die  grossen  Anlehen  möglich  gewesen,  von
l )  Die  Tiroler  Regierung  war  den  Augsburger  Kaufleuten  völlig
ausgeliefert.  Sie  bemüht  sich  stets,  diese  bei  gutem  Willen  zu  erhalten
und  wagt  nur  höchst  selten  mit  ihnen  in  ernsterem  Ton  zu  reden  aus
Furcht,  die  Kaufleute  möchten  sich  ihren  Bitten  um  Geld  verschliessen.
! )  Eine  ausführliche  Schilderung  des  Höchstetter-Konkurses  gibt
Clemens  Sender  in  seiner  Chronik  (Chroniken  der  deutschen  Städte  Bd.  23
S.  219  ff.).
3 )  Geschäft  v.  Hof  (1529)  fol.  114.  Ursache  des  Bankrotts  waren
einige  Verluste  an  Waren,  besonders  aber  die  Verschwendung,  die
Ambrosi  Höchstetters  Sohn  und  sein  Schwiegersohn  trieben.  Der  letztere,
Hans  Franz  Paumgartner,  war  Hans  Paumgartners  Neffe.  Von  ihm
erzählt  Sender  a.  a.  O.  S.  220/221:  „Dann  sein  sun  Joachim  (Höchstetter) ­
  und  sein  tochtermann  Frantz  Baungartner  haben  auff  ain  nacht
in  ainem  panget  thüren  laussen  auffgan  und  verthon  5000  oder  10  000  fl
und  auff  ain  mall  10000  oder  20000  oder  30000  fl  verspillen.“
        <pb n="60" />
        57

denen  die  bei  Paumgartner  aufgenommenen  ja  nur  einen  kleinen
Teil  bilden.  Bevor  wir  die  weiteren  Geldgeschäfte,  die  unsere
Firma  mit  den  Habsburgern  machte,  besprechen,  wollen  wir
einen  Blick  werfen  auf  die  Entwicklung  des  Tiroler  Bergbaus
und  insbesondere  die  grossartigen  Unternehmungen  Hans
Paumgartners  auf  diesem  Gebiet  ins  Auge  fassen.
Zu  Ausgang  des  15.  Jahrhunderts  und  im  ersten  Jahrzehnt
des  16.  lag  der  Tiroler  Bergbau  noch  ganz  in  den  Händen  einheimischer ­
  Gewerken 1 ).  Allmählich  trat  jedoch  hierin  ein
Aenderung  ein.  Die  schwäbischen  Kaufleute  erkannten
nämlich,  dass  sie  das  Finanzwesen  des  Landes  erst  dann  völlig
beherrschen  würden,  wenn  sie  sich  dort  selbst  festgesetzt  und
Bergwerksbesitzer  geworden  wären.  Unabhängig  von  fremden
Kräften  konnten  sie  dann  das  Silber,  das  sie  für  ihre  Darlehen
erhielten,  selbst  zutage  fördern  und  die  Produktion  steigern.
Hans  Paumgartner  d.  J.  griff  daher  mit  aller  Energie  hier
ein  und  suchte  Einfluss  aut  die  Montanindustrie  zu  gewinnen.
Wir  erinnern  uns,  dass  schon  sein  Vater  einzelne  Gruben  besessen ­
  hatte.  Als  er  selbständig  geworden  war,  strebte  der  Sohn
danach,  diesen  Besitz  zu  vergrössern.  Seit  dem  Jahre  1518
begann  er  mit  dem  Ankauf  von  Bergwerken  in  grossem  Massstab. ­
  Aus  seinen  darüber  geführten  Aufzeichnungen  ergibt
sich,  dass  er  in  den  Jahren  1518  bis  1535  allein  am  Falkenstein
für  44  497  fl  20  kr  ]/ 2  f  Grubenanteile  kaufte  (also  für  ca.  eine
halbe  Million  Mark  nach  jetzigem  Geld) 2 ).  Dazu  kamen  noch
kleinere  Käufe  an  anderen  Orten.  Alle  diese  Erwerbungen
geschahen  auf  Kosten  der  kleineren  Gewerken,  die  sich  mit
ihren  geringen  Betriebskapitalien  gegen  die  Augsburger  Geldleute ­
  nicht  behaupten  konnten.  Nicht  selten  kamen  die  Kaufleute
  auch  dadurch  in  den  Besitz  von  Bergwerken,  dass  sie
den  immer  schwerer  um  ihre  Existenz  kämpfenden  Gewerken
Geld  vorstreckten,  und  sich  dafür  ihre  Gruben  verschreiben
liessen,  die  dann  beim  wirtschaftlichen  Zusammenbruch  der

')  Ueber  den  Tiroler  Bergbau  handelt:  Max  v.  Wolfstrigl-Wolfskron:
  Die  Tiroler  Erzbergbaue  1301—1665,  Innsbruck  1903.
2 )  Hans  Paumgartner  hat  in  dem  schon  mehrmals  erwähnten
Familienkodex  über  seine  Bergwerksunternehmungen  auf  Bl.  334  a  bis
369  a  genaue  Rechnung  geführt  und  besonders  seine  Ankäufe  genau
verzeichnet  mit  Angabe  des  früheren  Besitzers  und  Namens  einer  jeden
einzelnen  Grube.
        <pb n="61" />
        5«

Schuldner  in  den  Besitz  der  Gläubiger  übergingen 1 ).  Auf  diese
Weise  kam  allmählich  fast  der  ganze  Tiroler  Bergbau  in  die
Hände  der  Fugger,  die  seit  1522  Gruben  besassen,  der  Paumgartner
  und  Herwart.  Von  den  einheimischen  Familien  konnten
sich  nur  die  Stöckl  und  Tänzl  als  Gewerken  grösseren  Stils
neben  den  „Schwaben“  behaupten.  Dieser  ganze  Prozess,
der  fast  den  grössten  Teil  des  Bergwesens  in  den  Händen  auswärtiger ­
  Kaufleute  vereinigte,  war  für  dessen  Entwicklung  nicht
segensreich.  Für  die  Kaufleute,  denen  es  nur  um  raschen  Gewinn ­
  zu  tun  war,  bildete  der  Bergbau  nur  ein  Mittel  zum  Zweck.
Statt  den  Abbau  mit  Liebe  und  Neigung  zu  betreiben,  verlegten ­
  sie  sich  auf  den  Raubbau.  Bereits  Ende  der  zwanziger
Jahre  des  16.  Jahrhunderts  werden  die  ersten  Klagen  laut,
dass  der  Berg  nicht  mehr  so  reiche  Erträge  bringe,  wie  früher.
Am  interessantesten  ist  die  Entwicklung  am  Falkenstein,  die
wir  nun  etwas  näher  betrachten  wollen.
Hans  Paumgartner  stand  hier,  was  Umfang  seiner  Betriebe
betrifft,  an  der  Spitze  der  Gewerken.  Von  1507  bis  1535  produzierte ­
  er  allein  282  222  M  13  1  Silber.  Selbst  Virgil  Hofer,
der  reiche  Bergherr  von  Rattenberg,  brachte  es  in  den  Jahren
1475  bis  1526  nur  auf  305  388  Ji?).  Die  Tiroler  Regierung  erkannte
diesen  Vorrang  Paumgartners  auch  an.  Im  Jahre  1524  z.  B.
lesen  wir  in  den  Kopialbüchern,  „dass  Paumgartner  der  meisten
Schmelzer  einer  sei“ 3 ).  Aehnlich  heisst  es  1526:  „Paumgartner,
als  der  jetzt  das  ansehnlichste  Bergwerk  hat  .  ,“ 4 ).  Später
musste  die  Regierung,  da  das  Bauen  schwieriger  wurde,  den
Gewerken  ein  Gnad-  und  Hilfsgeld  gewähren,  um  sie  „beim
Berg  zu  halten“.  Bei  der  ständigen  Finanznot  konnte  sie
jedoch  diesen  Verpflichtungen  häufig  nicht  nachkommen.  So
hatten  die  Gewerken  im  Jahre  1524  noch  42  364  fl  zu  empfangen.
')  Ein  typisches  Beispiel  dafür  ist  der  Bankrott  Martin  Baumgartners ­
  von  Kufstein,  des  Sohnes  Hans  Baumgartners.  Er  beteiligte
sich  am  Tiroler  Bergbau,  geriet  in  Schulden  und  musste  schliesslich  seinen
ganzen  Besitz  an  Gruben  seinen  Gläubigern  abtreten.  Näheres  darüber
siehe  u.  S.  128.
’)  Wolfstrigl-Wolfskron  a.  a.  O.  S.  52—56  ist  das
Silberverzeichnis  der  Silberbrenner  Jörg  und  Sebastian  Anndorfer  zu
Schwatz  abgedruckt,  dem  ich  obige  Zahlen  entnehme.
3 )  Missiven  (1524)  fol.  43.
*)  Missiv  an  Hof  (1526)  fol.  88.  Fugger,  Stöckl  u.  Höchstetter
werden  i.  J.  1524  als  die  bedeutendsten  Gewerken  erwähnt  nach  Paumg.
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        Auf  Paumgartner  fielen  dabei  allein  n  ooo  fl.  Um  diese  Rückstände ­
  bezahlen  zu  können,  nahm  die  Regierung  bei  Fugger,
Paumgartner  und  Höchstetter  ein  Anlehen  auf.  Mit  Paumgartner, ­
  der  ja  selbst  Gewerke  war,  verständigte  man  sich
dahin,  dass  er  einstweilen  gegen  5%  Verzinsung  warte  und
dann,  wie  die  Fugger  und  Stöckl,  sich  vom  Silberwechsel  bezahlt ­
  mache 1 ).
In  den  dreissiger  Jahren  wurde  dann  der  Rückgang  der
Bergerträgnisse  ganz  offenkundig.  Die  Gewerken  erklärten
1534  und  in  den  folgenden  Jahren  wiederholt,  sie  könnten,
ohne  Schaden  zu  erleiden,  nicht  mehr  weiter  bauen,  wenn  ihnen
nicht  die  Regierung  weitere  Zuschüsse  gewähre 2 ).  Sie  drohten
sogar,  den  Bau  ganz  einzustellen.  Daraufhin  gewährte  die
Kammer  den  einheimischen  Gewerken  Stöckl  und  Tänzl  eine
„Particulargnad".  Sie  erhielten  die  Berechtigung,  2 / 3  (statt
bisher  %)  des  von  ihnen  gemachten  Silbers  frei  verführen  zu
dürfen.  Man  begründete  dies  damit,  dass  sie  auch  ,,im  ringen
Wechsel“  bauten,  im  Land  selbst  Steuer  zahlten  und  den
Bergbau  als  Beruf  ausübten 3 ).  Die  Augsburger  (Fugger,  Paumgartner ­
  usw.)  hatten  sich  zunächst  mit  diesem  Sonderprivilegium
einverstanden  erklärt,  aber  bald  darauf  traten  auch  sie  mit  der
Bitte  an  die  Regierung  heran,  dass  man  ihnen  ebenfalls  jene
„besondere  Gnad“  gewähre.  Die  Kammer  wies  diese  Forderung ­
  jedoch  ab  und  betonte  mit  Recht,  dass  die  Kaufleute
auch  aus  dem  Silberhandel  grossen  Nutzen  zögen,  was  bei
Stöckl  und  Tänzl  nicht  der  Fall  sei.  Es  wäre  auch  schimpflich,
wenn  der  König  nicht  die  Macht  hätte,  einem  vor  dem  andern
mehr  Gnad  zu  gewähren 4 ).  Der  Einfluss,  den  die  Augsburger
in  Tirol  gewonnen  hatten,  war  aber  bereits  zu  gross,  als  dass
man  auf  die  Dauer  ihre  Wünsche  hätte  ignorieren  können.
Bei  jedem  neuen  Darlehen,  das  sie  gewährten,  stellten  sie  die
Forderung  einer  Erhöhung  des  Gnadgeldes.  Als  1543  die  Paumgartner, ­
  Fugger,  Haug  und  Neithart  —  damals  die  Hauptgewerken ­
  —  an  den  König  besonders  hartnäckig  ihre  Bitte

*)  Missiv  an  Hof  (1523)  fol.  18.
2 )  W  o  1  f  s  t  r  i  g  1  a.  a.  O.  S.  50.
3 )  Die  einheimischen  Gewerken  bauten  auch  an  den  weniger
ergiebigen  Plätzen  weiter,  während  die  Augsburger  den  Bau  an  jenen
Stellen  aufgaben,  wo  sich  ein  Rückgang  der  Erträgnisse  zeigte.
*)  Missiv  an  Hof  (1538)  fol.  82.
        <pb n="63" />
        6o

wiederholten,  ihnen  auch  2 / g  ihres  Silbers  freizugeben,  hielt  die
Kammer  in  ihrem  Gutachten  an  den  König  mit  ihrer  Meinung
nicht  zurück.  Sie  erklärte,  die  Augsburger  Kaufleute  hätten
keinen  Grund,  sich  zu  beschweren.  Sie  hätten  die  Einheimischen
ausgekauft  und  man  hätte  nicht  geglaubt,  dass  sie  vorhatten,
„einen  Schatz  und  Gottesgab“  wie  den  Falkenstein  zu  ruinieren.
Man  sei  vielmehr  der  Meinung  gewesen,  sie  würden  andere,
wenn  sie  zaghaft  würden,  zum  Ausharren  und  tröstlichen
Bauen  bewegen.  Wenn  die  Stöckl  und  Tänzl  sich  zurückgezogen
hätten,  so  wäre  weniger  Silber  gemacht  worden  und  sie,  die
Kaufleute,  hätten  dann  mit  der  Rückzahlung  ihrer  Darlehen
länger  warten  müssen.  Die  Inländer  hätten  auch  kein  anderes
Gewerbe  als  den  Berg,  während  der  Ausländer  Vermögen  davon
nicht  allein  abhängig  sei.  Wenn  der  Berg  nicht  mehr  Nutzen
bringe,  so  seien  sie  trotzdem  Herren  mit  ihrem  Handel,  so  sie
in  allen  Ländern  haben 1 ).
Damals,  als  die  Regierung  dieses  Schreiben  an  Ferdinand
sandte  (27.  Januar  1544),  übertraf  der  Bergbau  Paumgartners
immer  noch  bei  weitem  den  der  andern  Augsburger.  Die  Fugger
machten  nämlich  1543:  4091  M  14  1,  die  Haug  und  Neithart
4918  M  12  1,  Paumgartner  dagegen  7138  M  15  1  Silber 2 ).
Im  Jahre  1544  hatten  dann  die  Supplikationen  schliesslich
Erfolg.  Die  Regierung  durfte  es  mit  den  Kaufleuten  nicht
verderben.  Um  das  Heiratgut  für  Ferdinands  Tochter  Elisabeth
aufzubringen  (siehe  u.  S.  68),  musste  man  den  Kaufleuten  am
1.  November  1544  auch  die  Gnade  gewähren 3 ),  dass  sie  „wegen
ihres  tapferen  Bauens  und  in  der  Hoffnung,  dass  sie  auch  ferner
getreu  bauen  wollten,  auch  anderer  bewegenden  Ursachen
halber“  statt  der  bisherigen  vierten  Mark  über  den  halben
Teil  ihres  Silbers  gegen  Bezahlung  des  Wechselgeldes  frei  verfügen ­
  dürften.  Diese  Gnade  sollte  bis  Ende  1548  gelten.  Noch
war  diese  Frist  nicht  abgelaufen,  da  kamen  die  Augsburger
(auch  die  seit  1547  im  Bergbau  tätigen  Herwart)  mit  der  Bitte
um  noch  weitere  Privilegien.  Die  Ergiebigkeit  des  Falkenstein
nahm  nämlich  jetzt  rapid  ab.  Die  Gewerken  erklärten,  sie
*)  Dieses  interessante  Schreiben  an  Ferdinand,  aus  dem  der  langverhaltene ­
  Groll  der  Regierung  über  die  Gewinnsucht  der  Augsburger
spricht,  steht  Missiv  an  Hof  (1543)  fol.  27.
2 )  Missiv  an  Hof  (1543)  fol.  88.
3 )  Entbieten  u.  Befehl  (1544)  fol.  299.
        <pb n="64" />
        hätten  in  den  letzten  fünf  Jahren  mit  grossem  Schaden  gebaut.
Paumgartner  stand,  was  Silbererzeugung  betrifft,  immer  noch  an
der  Spitze.  Den  von  ihm  produzierten  7000  M  stehen  bei
den  Fuggern  nur  5000,  Haug-Neithart  4300  und  Herwart
950  M  gegenüber 1 ).  Die  Regierung,  die  die  Berechtigung  jener
Klagen  zugestehen  musste,  verstand  sich  zu  einigen  Milderungen,
blieb  aber  anderseits  bei  ihrer  früheren  Ansicht,  dass  die  Kaufleute
  nur  aus  Spekulation  ohne  Rücksicht  auf  den  Nutzen  oder
Schaden  des  Landes  sich  in  den  Bergbau  eingelassen  hätten.
Und  damit  hatte  sie  gewiss  recht.  Der  Kaufmann,  der  sich
nur  des  Gewinns  halber  in  die  Bergwerksunternehmungen
einliess,  kannte  die  moralische  Verpflichtung,  auch  in  schlechteren ­
  Zeiten  auszuharren,  nicht.  Es  wird  sich  wohl  nicht  bestreiten ­
  lassen,  dass  die  Augsburger,  besonders  die,  welche
wie  Paumgartner  sich  am  Bergbau  selbst  beteiligten,  die  Schuld
an  dessen  Verfall  trugen.  Das  Wohl  und  Wehe  des  Tiroler
Landes  lag  ihnen  nicht  am  Herzen.  Diese  Rücksichtslosigkeit
im  Gewinnen  gehörte  eben  mit  zum  Wesen  des  Kaufmanns
in  jenen  Tagen.  Darin  lag  für  ihn  das  Lockende  an  seinem
Beruf,  der  anderseits  Gefahren  und  Risiko  genug  in  sich  schloss 2 ).
Neben  dem  Hauptunternehmen  am  Falkenstein,  dessen
Entwicklung  wir  im  vorstehenden  genauer  verfolgt  haben,
beteiligte  sich  Hans  Paumgartner  noch  an  einer  Reihe  anderer
Orte  am  Bergbau.  Grössere  Anteile  besass  er  noch  zu  Klausen
und  bei  Sterzing,  wo  er  mit  Hans  Stöckl  der  Hauptgewerke
war 3 ).  Auch  hier  baute  er  mit  Unterstützung  der  Regierung.
Er  erhielt  für  jeden  Kübel  Erz,  den  er  von  Klausen  nach  Schwaz
führte,  36  kr  Hilfsgeld.  Ferdinand  stellt  ihm  und  Stöckl  das
Zeugnis  aus,  dass  sie  das  dortige  Bergwerk  in  Aufschwung  gebracht
hätten 4 ).  Paumgartner  erhielt  dann  1524  die  Erlaubnis,  am
Klausen  ein  eigenes  Hüttwerk  anzulegen 6 ).  Ferner  baute  er
*)  Missiv  an  Hof  (1548)  fol.  69.
2 )  Der  Ausspruch,  den  Jacob  Fugger  der  Reiche  einmal  tat:  er
wolle  gewinnen,  solange  er  könne  (Ehrenberg:  Zeitalter  d.  Fugger
I  S.  118),  war  auch  das  Losungswort  eines  Paumgartner  und  der  andern
Augsburger  Kaufleute.
3 )  Wolfstrigl-Wolfskron  a.  a.  O.  S.  242.  Klausen  am
Eisack,  unterhalb  Brixen  gelegen.
*)  Geschäft  von  Hof  (1523)  fol.  176.
5 )  Entbieten  u.  Befehl  (1524)  fol.  306.  Im  Jahre  1528  kaufte
        <pb n="65" />
        bei  Gossensass  und  dem  in  der  Nähe  gelegenen  Schneeberg
ebenfalls  mit  Stöckl.  Im  Jahre  1520  hatte  er  dort  so  viel  Erz
zutage  gefördert,  dass  er  nicht  wusste,  wo  er  es  unterbringen
sollte,  weshalb  er  es  der  Regierung  anbot 1 ).  Bedeutend  scheint
auch  seine  Bergwerkstätigkeit  bei  Nals  und  Terlan  seit  1545
gewesen  zu  sein 2 ).  Das  gewonnene  Erz  wurde  in  den  Hütt-  und
Schmelzwerken,  deren  Paumgartner  drei  besass  (zu  Kundl.
am  Klausen  und  in  Rattenberg),  verarbeitet.
Auch  ausserhalb  Tirols  war  er  an  der  Metallgewinnung
beteiligt.  Schon  im  Jahre  1526  waren  ihm  Silberbergwerke  in
St.  Joachimstal  in  Böhmen  verpfändet  worden 3 ),  später,  im
Jahre  1549,  lud  ihn  die  Regierung  ein,  dort  selbständig  zu
bauen.  Zusammen  mit  Konrad  und  Hans  Rehlinger  ist  Paumgartner ­
  endlich  auch  noch  an  dem  Bergbau  an  der  Idria  (in
Krain)  tätig,  wo  Quecksilber  und  Zinnober  gewonnen  wurde.
Er  ist  dort  um  1535  nachweisbar 4 ).
Auf  die  technische  Seite  des  Bergbaus  soll  hier  nicht  weiter
eingegangen  werden.  Erwähnt  sei  nur  noch,  dass  Hans  Paumgartner ­
  in  der  Nähe  seiner  Schmelzhütten  häufig  Wälder  angewiesen ­
  erhielt.  In  Schwaz  besass  er,  wie  die  Fugger,  ein  eigenes
Haus,  in  welchem  er  bei  seiner  häufigen  Anwesenheit  wohnte 4 ).
Ein  eigener  Faktor,  der  eine  gewisse  Selbständigkeit  besass,
überwachte  die  Bergwerksbetriebe  und  die  Silberablieferungen.
Das  Gesagte  wird  genügen,  um  eine  Vorstellung  von  Hans
Paumgartners  Anteil  an  der  Montanindustrie  zu  geben.  Man
gewinnt  den  Eindruck,  dass  er  auf  seine  Tiroler  Unternehmungen ­
  sein  besonderes  Augenmerk  richtete.  Wir  hatten
wiederholt  Gelegenheit,  darauf  hinzuweisen,  dass  er  dort  zu
allen  Zeiten  als  Gewerke  die  erste  Stelle  einnahm.  Mehr  als

Paumgartner  von  dem  Bischof  von  Brixen  für  4300  fl  eine  Reihe  von
Gruben  in  Klausen.  (W  o  1  f  s  t  r  i  g  1  a.  a.  O.  S.  289.)
9  Wolfstrigl  a.  a.  O.  S.  288.
2 )  Paumgartner  haute  in  Nals  und  Terlan  schon  im  Jahre  1545.
nicht  erst  seit  1546,  wie  Wolfstrigl  S.  331  angibt.  Vgl.  Gemain
Missiven  (1545)  fol.  370.  Er  bat  um  die  Erlaubnis,  das  in  Terlan  gewonnene ­
  Erz  in  seinen  Hüttenwerken  zu  Klausen  oder  Kundl  verarbeiten ­
  zu  dürfen,  was  ihm  dann  am  2.  Febr.  1546  erlaubt  wurde.
3 )  Thorsch,  Materialien  zu  einer  Geschichte  d.  österr.  Staatsschulden ­
  S.  25.
*)  Hans  Paumgartners  Testament  (im  Geh.  Staatsarchiv  München)
vom  5.  Mai  1535.
        <pb n="66" />
        63

irgendeiner  der  anderen  Augsburger  Handelsherrn  verdankte
er  seinen  Reichtum  Tirol,  wo  er  in  seinen  Bergwerken  einen
grossen  Teil  seiner  Kapitalien  stecken  hatte.
In  der  soeben  geschilderten  Periode  des  Niedergangs
des  Tiroler  Bergbaus  (ca.  1530  bis  1548)  dauerten  natürlich  auch
die  finanziellen  Beziehungen  Paumgartners  zu  Ferdinand  fort,
da  dieser  infolge  der  politischen  Weltlage  mehr  denn  je  gezwungen ­
  wurde,  sich  an  die  Kaufleute  zu  wenden.  Vor  allem
verursachten  jetzt  die  Türkenkriege  grosse  Ausgaben.  Es
würde  über  den  Rahmen  unserer  Familiengeschichte  hinausgeheii,
  wollten  wir  alle  bei  den  Augsburgern  gemachten  Anlehen
genauer  besprechen.  Selbst  in  der  Aufzählung  der  Hans  Paumgartner
  betreffenden  Verträge  müssen  wir  uns  einige  Schranken
setzen  und  können  aus  der  Fülle  des  in  den  Kopialbüchern
erhaltenen  Materials  nur  das  Wichtigste  hervorheben.  Paumgartner
  gehörte  eben  wie  die  Fugger  schon  längst  zu  den  ständigen ­
  Geldgebern  der  Habsburger,  eine  Stellung,  die  er  nicht
zuletzt  seinem  ausgedehnten  Besitz  an  Bergwerken  zu  danken
hatte.
Der  allmähliche  Rückgang  in  der  Silbererzeugung  musste
natürlich  auch  auf  die  Erfüllung  der  von  der  Regierung  abgeschlossenen ­
  Verträge  zurückwirken.  Es  wurde  immer  unmöglicher, ­
  die  Lieferungstermine  einzuhalten.  So  hatte  Paumgartner
  nach  einer  Berechnung  vom  12.  April  1529  an  Silber
noch  zu  empfangen  2925  M  für  das  Jahr  1528  und  bereits  weitere
1000  M  für  die  ersten  Monate  des  Jahres  1529.  Er  lieh  trotzdem ­
  wieder  8000  fl  her,  für  die  ihm  6000  M  Silber  verschrieben
wurden 1 ).  Um  dem  Sultan  Soliman,  der  im  Jahre  1529  bekanntlich ­
  bis  vor  Wien  vorgedrungen  war,  Widerstand  leisten  zu
können,  nahm  Ferdinand  am  25.  September  bei  Fugger  und
Paumgartner  28  500  fl  auf  und  gewährte  ihnen  dafür  12  000  M 2 ).
Auf  die  gegenseitige  Eifersucht  und  den  Konkurrenzkampf
der  Augsburger  Firmen  wirft  ein  Vorgang  einiges  Licht,  der
sich  in  den  Jahren  1529  bis  1531  abspielte 3 ).  Ferdinand  hatte  am
1 )  Missiv  an  Hof  (1529)  fol.  37  ff.  Es  wurden  am  12.  April  von  der
Regierung  Philipp  von  Lichtenstein,  Johann  Zott  und  Andreas  Teubler
nach  Augsburg  geschickt,  um  mit  den  Kaufleuten  (Fugger,  Paumgartner, ­
  Herwart-Bimmel  und  Manlich)  zu  verhandeln.
2 )  Entbieten  u.  Befehl  (1531)  fol.  48.
3 )  Die  meisten  Aufschlüsse  darüber  gibt:  Missiv  an  Hof  (i530&amp;gt;
fol.  6  ff.
        <pb n="67" />
        64

9.  November  1528  in  Wien  einen  grossen  Vertrag  mit  der  Handelsgesellschaft ­
  Bimmel-Herwart  abgeschlossen  und  ihr  für
ein  Darlehen  von  90  000  fl  60  000  M  Silber  verkauft.  In  den
Jahren  1534  bis  1536  sollten  die  genannten  Kaufleute  je  20000  M
erhalten.  Doch  hatte  sich  der  König  für  die  nächsten  drei
Jahre  (vom  1.  Januar  1529  ab  gerechnet)  eine  eventuelle  Rückgängigmachung ­
  dieses  Abkommens  in  der  Weise  Vorbehalten,
dass  er  versprach,  im  Fall  der  Ablösung  den  Kaufleuten  für  jede
Mark  im  ersten  Jahr  12  kr  (also  zusammen  für  die  60  000  M
12  000  fl),  im  zweiten  Jahr  15  kr  (zusammen  15  000  fl)  und  im
dritten  Jahr  20  kr  (zusammen  20  000  fl)  zu  bezahlen.  Anton
Fugger  und  Hans  Paumgartner  lag  alles  daran,  Bimmel  in
Tirol  nicht  zu  mächtig  werden  zu  lassen,  und  sie  erboten  sich
daher,  die  genannte  Firma  abzulösen,  um  ihrerseits  in  den
Besitz  des  Silbers  zu  kommen.  Da  sie  ausserdem  noch  12  000  fl
mehr  bewilligten,  so  war  die  Regierung  mit  ihrem  Vorschlag
einverstanden;  doch  verlangten  Fugger  und  Paumgartner
ausdrücklich,  dass  die  Ablösung  im  Namen  der  Regierung
geschehe.  Sie  wollten  nämlich  nicht  in  den  Verdacht  kommen,
als  hätten  sie  an  der  Verdrängung  der  Bimmel  mitgewirkt.
Die  letzteren  wollten  nun  zwar  von  einer  Wiedereinlösung  des
Vertrags  nichts  wissen,  mussten  sich  aber  schliesslich  doch  darein
fügen,  worauf  am  1.  Juni  1531  unter  Zustimmung  Ferdinands
der  Vertrag  zugunsten  der  Fugger  und  Paumgartners  rückgängig ­
  gemacht  wurde,  indem  letztere  die  Ablösungssumme
von  15  000  fl  bezahlten.
Der  Reichstag  in  Augsburg  im  Jahre  1530  wurde  von  der
Tiroler  Regierung  bzw.  ihren  Abgesandten  Johann  Löble 1 )  und
Andreas  Teubler  zu  Finanzgeschäften  mit  den  Kaufleuten
benützt.  Obwohl  Fugger  und  Paumgartner  am  17.  Januar  1530
erst  30  000  fl  dargeliehen,  traten  jene  Vertreter  der  Tiroler
Kammer  jetzt  mit  neuen  Forderungen  an  sie  heran 2 ).  Paumgartner ­
  wollte  sich  zunächst  auf  weitere  Darlehen  nicht  einlassen ­
  und  wies  auf  die  grossen,  in  der  jüngsten  Zeit  abgeschlossenen ­
  Verträge  hin.  Schliesslich  verstand  er  sich  doch
1 )  Johann  Löble,  der  uns  öfter  als  Gesandter  in  Geldangelegenheiten ­
  begegnet,  war  Reichsschatzmeister  und  mit  einer  Tochter
Philipp  Adlers  vermählt.  (Roth:  Augsb.  Reformationsgesch.  II  S.  148
m.  Anm.)
2 )  Entbieten  u.  Befehl  (1530)  fol.  33.
        <pb n="68" />
        65

5

noch  zu  einer  Summe  von  8000  fl,  wofür  er  auf  den  Silberwechsel
der  Jahre  1534  und  1535  verwiesen  wurde.
Aber  nicht  nur  mit  seinem  Geld  unterstützte  Hans  Paumgartner
  in  jenen  kriegerischen  Zeiten  Ferdinand  im  Kampf
gegen  die  Türken,  sondern  er  rüstete  im  Jahre  1532  auch
30  Mann  aus,  die  er  persönlich  nach  Wien  zum  königlichen
Heere  führte.  Während  des  Feldzuges  sorgte  er  für  ihre  Verpflegung. ­
  Später  in  den  Kämpfen  Karl  V.  gegen  Franz  I.
in  Burgund  und  dann  nochmals  im  Türkenkrieg  des  Jahres  1542
hat  er  wiederholt  in  gleicher  Weise  die  Heere  Ferdinands  und
seines  Bruders  verstärkt 1 ).
Neben  den  Türkenkriegen  verschlang  jetzt  die  Hofhaltung
Ferdinands  in  Innsbruck  grössere  Beträge,  da  dort  seine  Söhne
und  Töchter  erzogen  wurden.  Das  für  diese  Zwecke  nötige
Geld  wurde  zum  Teil  von  den  Augsburger  Kaufleuten  aufgebracht. ­
  Als  z.  B.  zu  Anfang  des  Jahres  1533  in  Schwaz  und
Hall  die  Pest  herrschte,  sah  sich  die  Regierung  veranlasst,
die  Hofhaltung  aus  Innsbruck  zeitweise  wegzuverlegen,  um  die
„königlichen  Kinder“  vor  Ansteckung  zu  schützen.  Paumgartner,
  Fugger  und  Bimmel  liehen  aus  diesem  Anlass  je
12  000  fl,  und  man  gab  diesen  drei  Kaufleuten  das  Versprechen,
dass  man  sie  in  Zukunft  bei  Geldgeschäften  in  erster  Linie
berücksichtigen  werde 2 ).
In  der  Tat  wurde  dann  im  Mai  1534  Gregori  Maschwander 3 )
mit  einer  Instruktion  nach  Augsburg  geschickt,  um  mit  diesen
drei  „Parteien“  in  Finanzhandlung  zu  treten.  Es  gelang  ihm,
von  jeder  4000  fl  zu  erhalten.  Anton  Fugger  aber  sagten  solche
gemeinsame  Geschäfte  nicht  zu.  Sein  Wunsch  war  es  stets
gewesen,  das  ganze  Tiroler  Finanzwesen  als  Monopol  in  seine

1 )  Alle  diese  Ausrüstungen  von  Truppen  werden  von  Karl  V.  in
der  Urkunde  anerkennend  hervorgehoben,  in  der  der  Kaiser  Hans  Paumgartner
  den  Freiherrntitel  verleiht.  (Familienkodex  Bl.  30  a—34  a.)
2 )  Gemein  Missiven  (1533).
3 )  Maschwander  war  Tirolischer  Kammermeister.  Er  sollte  sich
laut  seiner  Instruktion  an  die  folgenden  Kaufleute  und  Gesellschaften
wenden:  Raimund,  Anton  und  Hieronymus  Fugger,  Hans  Paumgartner,
Anthon  Haug,  Hans  Langenauer  als  Gewalthaber  anstatt  der  Bimmel
und  Sebastian  Neithart  anstatt  weiland  Christof  Herwärts  Erben.  Die
zuletzt  Genannten  (ausser  Fugger  und  Paumgartner)  bildeten  eine  Gesellschaft, ­
  da  in  der  Instruktion  nur  von  drei  Parteien  die  Rede  ist.
Entbieten  u.  Befehl  (1534)  fol.  406.
        <pb n="69" />
        66

Hand  zu  bekommen.  Was  ihm  bisher  noch  nicht  gelungen,
schien  er  jetzt  auf  dem  Weg  über  Wien  zu  erreichen.  Als  er
nämlich  im  Jahre  1534  Ferdinand  für  die  „württembergische
Kriegshandlung“  50  000  fl  dargeliehen  hatte,  wurde  ihm  vom
König  zugesichert,  dass  man  in  den  nächsten  13  Jahren  nur
mit  ihm  allein  Verträge  abschliessen  werde.  Als  diese  Bevorzugung ­
  Fuggers  Hans  Paumgartner  zu  Ohren  kam,  war  er
darüber  höchst  empört  und  machte  der  Regierung  in  Innsbruck
deshalb  Vorhalt.  Man  stellte  ihm  hierauf  eine  Nebenurkunde
aus,  in  der  das  im  Jahre  1533  den  drei  Augsburger  Firmen
gegebene  Versprechen  erneuert  wurde.  Gleichzeitig  richteten
die  Räte  ein  Schreiben  an  den  König  mit  der  Bitte,  er  möge
in  Zukunft  eigenmächtige  Finanzhandlungen  unterlassen,  da
dieselben  der  Regierung  stets  grosse  Verlegenheiten  brächten 1 ).
Wie  Anton  Fugger  sich  mit  der  Aufhebung  der  ihm  von  Ferdinand ­
  gegebenen  Vorrechte  abfand,  geht  aus  unsern  Quellen
nicht  hervor.  Hans  Paumgartner  aber  bleibt  auch  fernerhin
mit  Tirol  in  enger  Verbindung  und  steuert  zur  Unterhaltung
des  Hofes  und  zu  andern  Zwecken  recht  ansehnliche  Summen
bei.  So  zahlte  er  am  19.  August  1536  an  die  Regierung  43  000  fl,
wofür  ihm  30  000  M  Silber  zugesagt  wurden 2 ).  Die  Bergwerke
reichten  aber  längst  nicht  mehr  hin,  um  solche  Mengen  in
einigermassen  naher  Zukunft  liefern  zu  können.  Im  Jahre  1538
hatte  er  an  Rückständen  noch  29  637  M  Silber  zu  erhalten 1 ).
Die  Folge  war,  dass  Streitigkeiten  unter  den  Kaufleuten  über
den  Empfang  des  Metalls  ausbrachen,  da  keiner  länger  warten
wollte  und  jeder  sich  aus  dem  von  ihm  in  seinen  Hüttwerken
produzierten  Silber  bezahlt  machte,  ohne  auf  die  andern  Rücksicht ­
  zu  nehmen.  Die  Regierung  hatte  alle  Mühe,  die  Streitenden ­
  zu  beschwichtigen  und  gewährte  ihnen  öfter  zu
,,Ergötzlichkeit  ihres  guten  Willens“  Zuschüsse  zu  ihren
Verträgen.
Im  Jahre  1539  begab  sich  Ferdinand  zu  seinem  Bruder

9  Missiv  an  Hof  (1538)  fol.  23.  28.  50.  Wegen  des  Rückganges
der  Silbererzeugung  am  Falkenstein  hatten  die  drei  Kaufleute  zu  Anfang ­
  des  Jahres  1538  noch  ff.  rückständige  Summen  aus  früheren  Verträgen ­
  zu  erhalten:  Fugger:  33  857  Ml  61,  Paumgartner:  29  637  JL  3  1,
Bimmel:  17  280  Ji  8  1.
a )  Entbieten  u.  Befehl  (1536)  fol.  14.
3 )  Geschäft  von  Hof  (1539)  fol.  242.
        <pb n="70" />
        5*

6  7

Karl  V.  in  die  Niederlande.  Wohl»  um  dort  nicht  mit  leeren
Händen  anzukommen,  teilte  er  der  Regierung  in  Innsbruck
mit,  dass  er  „zu  dem  hochnotdürftigen  Fürnemen  des  Zugs
in  das  Niederland“  60  ooo  fl  nötig  habe,  mindestens  aber
50  000  fl,  da  ihm  mit  weniger  nicht  gedient  sei.  Die  Räte,
selbst  in  grosser  Geldnot,  beriefen  sofort  die  Tiroler  Landstände ­
  und  schickten  zu  den  bekannten  drei  Augsburger  Firmen,
um  mit  ihnen  wegen  eines  Anlehens  zu  sprechen.  Die  letzteren
gewährten  zusammen  30  000  fl  (jede  10  000)  und  Hessen  sich
dafür  20  000  M  Silber  aus  ihren  Bergwerken  verschreiben 1 ).
In  Gent  angekommen  (März  1540),  erklärte  Ferdinand,  es
sei  eine  viel  grössere  Summe  nötig,  als  er  veimutet,  und  befahl
den  Räten  in  Innsbruck,  sie  sollten  mit  den  Kaufleuten  weiter
verhandeln.  Gleichzeitig  stand  die  Regierung  mit  diesen  in
Unterhandlung,  um  Geld  aufzubringen  für  5  Fähnlein  Landsknechte, ­
  die  im  September  1540  nach  Ungarn  gegen  die  Türken
geschickt  werden  sollten.  Paumgartner  lieh  für  diesen  Zweck
7000  fl  her 2 ).  Für  die  Bekämpfung  des  Sultans  mussten  die
Kaufleute  aber  im  Jahre  1541  noch  weit  grössere  Summen
aufbringen.  Ferdinand,  der  vor  Ofen  gegen  Soliman  im  Felde
lag,  schloss  im  Mai  dieses  Jahres  mit  Anton  Fugger,  Hans
Paumgartner  und  Matthias  Manlich  einen  grossen  Vertrag
über  110  000  fl  ab  und  verschrieb  ihnen  dafür  50  000  M  Süber 3 ).
Die  Regierung  konnte,  als  ihr  dieses  Abkommen  bekannt
wurde,  es  nicht  unterlassen,  den  König  auf  die  schlimme  Finanzlage ­
  Tirols  und  die  arge  Belastung  der  Bergwerke  hinzu  weisen 4 ).
Sie  weigerte  sich,  den  Vertrag  anzuerkennen,  da  der  König
auf  dem  letzten  Landtag  zu  Bozen  versprochen  habe,  keine
eigenmächtigen  Finanzhandlungen  mehr  abzuschliessen.  Die
Räte  sprachen  auch  die  Befürchtung  aus,  dass  die  Unterhaltung
des  „Wesens“  in  Innsbruck  und  in  Ensisheim  wohl  einmal
Stillstehen  werde.  Auch  könne  das  Tiroler  Land  die  Gelder  für
die  Türkenkriege  nicht  allein  aufbringen.  Der  König  solle
auf  eine  stärkere  Heranziehung  der  Reichsstände  dringen.
Da  der  obige  Vertrag  aber  nun  einmal  abgeschlossen  war,  so
half  ein  Widerstand  dagegen  wenig  und  die  Regierung  verstand
')  Entbieten  und  Befehl  (1540)  fol.  284.
2 )  Geschäft  von  Hof  (1540)  fol.  132.
s )  Gemein  Missiven  (1541)  fol.  136.
4 )  Missiv  an  Hof  (1541)  fol.  88.
        <pb n="71" />
        68

sich  schliesslich  auch  dazu,  zu  unterschreiben  und  damit  das
Darlehen  anzuerkennen.
Im  Jahre  1542  ging  es  in  der  nämlichen  Weise  mit  Geldaufnahmen ­
  fort.  Paumgartner  gewährte  für  den  Türkenkrieg
10  000  fl  und  ausserdem  zusammen  mit  Fugger  und  Bimmel
12  000  fl  zur  Beförderung  welscher  Pferde  und  des  Kriegsvolks
des  Papstes  nach  Ungarn 1 ).  1543  wandte  sich  die  Regierung
an  ihn  mit  der  Bitte,  Geld  zur  Ausrüstung  von  Erzknappen
für  den  Türkenkrieg  zur  Verfügung  zu  stellen.  Die  3000  fl,
die  Paumgartner  hierauf  hergab,  wurden  dazu  benützt,  um
200  in  Erdarbeiten  geschickte  Schwazer  Bergknappen  nach
Ungarn  zum  Aufwerfen  von  Schanzen  und  Wällen  zu  senden 2 ).
Aber  nicht  nur  zur  Führung  seiner  Kriege  standen  dem
König  die  Kassen  der  Augsburger  offen.  Auch  für  die  habsburgische ­
  Heirats-  und  Familienpolitik  mussten  sie  die  Mittel
liefern.  Ein  Beispiel  dafür  ist  die  Vermählung  von  Ferdinands
Tochter  Elisabeth  mit  dem  Sohne  des  Polenkönigs  Sigismund.
In  dem  Heiratsvertrag  hatte  der  Vater  der  Braut  ein  Heiratgut
von  100  000  fl  ung.  (=  175  000  fl  rh.)  bewilligt,  das  in  drei
Fristen,  nämlich  am  Tage  der  Hochzeit  und  je  ein  halbes  Jahr
danach,  an  den  jungen  Polenkönig  bezahlt  werden  sollte.
Würden  diese  Termine  nicht  eingehalten,  so  sollte  die  doppelte
Summe  verfallen  sein,  oder  der  Polenkönig  das  Recht  haben,
die  habsburgischen  Lande  anzugreifen.  Am  17.  Oktober  1544
teilte  Ferdinand  von  Prag  aus  der  Regierung  in  Innsbruck
diese  Vertragsbedingungen  mit 3 ).  Bis  dahin  war,  da  die  Türkenkriege ­
  alles  Geld  verschlangen,  an  dem  Heiratgut  noch  kein
Pfennig  bezahlt  worden,  weshalb  der  Polenkönig  jetzt  ernstliche
Mahnungen  und  Drohungen  an  Ferdinand  richtete  und  bis
nächste  Weihnachten  das  Geld  verlangte.  Ferdinand  hatte
hierauf  seinen  Rat  Georg  Ilsung  nach  Augsburg  geschickt,
damit  er  mit  den  Kaufleuten  wegen  Aufbringung  der  Summe
in  Unterhandlung  trete.  Fugger,  Paumgartner  und  Bimmel
benützten  diese  Gelegenheit  und  erklärten  sich  zu  einem  Darlehen ­
  nur  bereit,  wenn  ihnen  bei  ihrem  Bergbau  wesentliche
Erleichterungen  gewährt  würden.  Der  Regierung  blieb  nichts
übrig,  als  in  die  von  den  Kaufleuten  aufgestellten  Bedingungen
1 )  Gemein  Missiven  (1542)  fol.  154.
2 )  Geschäft  von  Hof  (1543)  fol.  182.
3 )  Geschäft  von  Hof  (1544)  fol.  217—222.
        <pb n="72" />
        6g

zu  willigen,  worauf  die  Augsburger  sich  zur  Zahlung  von
ioo  ooo  fl  rh.  bereit  erklärten 1 ).
Das  zuletzt  besprochene  Ereignis  hat  nochmals  besonders
deutlich  die  grosse  Finanznot  Ferdinands  einerseits  und  die
mächtige  Stellung  der  Augsburger  Kaufleute  anderseits  gezeigt.
Die  Regierung  war  mit  der  Zeit  in  völlige  Abhängigkeit  geraten
von  drei  oder  vier  Firmen,  die  den  Metallhandel  Tirols  beherrschten. ­
  Es  ist  nicht  zu  viel  gesagt,  wenn  wir  behaupten,
dass  das  Geld  der  Augsburger  bei  allen  wesentlichen  Unternehmungen ­
  des  Hauses  Habsburg  in  der  ersten  Hälfte  des
16.  Jahrhunderts  eine  wichtige  Rolle  spielte.  Wenn  auch  in
dieser  Hinsicht  der  Name  Jacob  und  Anton  Fuggers  immer  an
erster  Stelle  zu  nennen  sein  wird,  so  hat  die  bisherige  Darstellung, ­
  wie  ich  glaube,  doch  auch  den  Beweis  erbracht,  dass
den  beiden  Hans  Paumgartnern  Vater  und  Sohn  der  nächste
Platz  nach  jenen  einzuräumen  ist.  Die  Summen,  die  diese
im  Laufe  eines  halben  Jahrhunderts  den  Habsburgern  geliehen
haben,  werden  sich  ebensowenig  mehr  genau  feststellen  lassen,
als  die  vielen  Tausende  Mark  Silber,  die  sie  während  dieser
Zeit  aus  Tirol  fortführten,  um  damit  in  Venedig  und  auf  anderen
Weltmärkten  gewinnbringenden  Handel  zu  treiben.  Um  so
klarer  liegen  die  Folgen  dieser  Unternehmungen  vor  uns:  ein
immer  höher  steigender  Reichtum  und  eine  glanzvolle  äussere
Lebensstellung  der  Familie.

c)  Hans  Paumgartners  Privathandel  und  Vermögen.
Während  wir  über  die  Beziehungen  Hans  Paumgartners  d.  J.
zu  Tirol  und  den  Habsburgern  aufs  genaueste  unterrichtet
sind,  fehlen  uns  für  seine  übrigen  Handels-  und  Geldgeschäfte
nähere  Angaben  fast  gänzlich.  Nur  Analogien  mit  anderen
Firmen  ermöglichen  hier  einen  Rückschluss  auf  Paumgartners
Tätigkeit.  Die  Unternehmungen  der  Welser  und  Fugger  zeigen,
in  welchen  Bahnen  sich  der  Welthandel  zur  Zeit  seiner  Blüte
zwischen  1520  und  1550  bewegte 2 ).  Paumgartner  stand  hinter
ihnen  nicht  weit  zurück,  wie  schon  daraus  hervorgeht,  dass
er  bei  den  Zeitgenossen  öfter  mit  diesen  beiden  Weltfirmen
*)  Geschäft  von  Hof  (1544)  fol.  217—222.
2 )  Vgl.  bes.  Ehrenberg:  Zeitalter  der  Fugger  1.  Bd.
        <pb n="73" />
        70

zusammen  genannt  wird,  wenn  die  mächtigsten  Handelshäuser
der  Christenheit  aufgeführt  werden.  So  sagt  der  venezianische
Gesandte  Mocenigo:  Sono  in  questa  cittä  (=  Augsburg)  molti
mercanti  richissimi,  dico  alcuni  cosi  ricchi,  che  non  vi  sono  ne
maggiori  ne  di  gran  lunga  pari  ä  loro  in  tutta  la  Christianitä.
Li  principali  di  questi  sono  li  Beizer,  Pangortiner  et  Focchari 1 ).
Aleander,  der  römische  Legat,  nennt  Paumgartner  den  Reichsten
nach  den  Fuggern,  sogar  reicher  als  die  Welser 2 ).
Ebensowenig  wie  diese  wird  auch  unser  Handelshaus
sich  auf  die  Tiroler  Unternehmungen  beschränkt  haben.  An
den  bedeutenderen  Plätzen  Europas  werden  wir  Paumgartnersche
  Faktoreien  und  Kontore  annehmen  dürfen.  Neben  Venedig, ­
  das  als  Stapelplatz  für  die  Produkte  des  nahen  Orients
immer  noch  in  Betracht  kam,  wurden  die  Niederlande  immer
wichtiger  für  den  Welthandel.  Die  Erzeugnisse  der  niederländischen ­
  und  englischen  Tuchindustrie  kamen  hier  auf  den
Markt.  Baumwolle  und  die  andern  Produkte  des  neuentdeckten
Erdteils  wurden  in  Antwerpen  von  den  oberdeutschen  Kaufleuten ­
  eingehandelt,  wogegen  sie  hier  ihr  Silber  und  Kupfer
zum  Verkauf  brachten 3 ).  Paumgartner  beteiligte  sich  an  diesem
Warengrosshandel  in  ausgedehntem  Masse.  Wiederholt  hörten
wir,  dass  er  für  Ferdinands  Hofhaltung  Seide,  Tuche  und
Gewürze  besorgte.  Als  bei  Ausbruch  des  Schmalkaldischen
Krieges  Karl  V.  den  Augsburger  Kaufleuten  den  Handel  mit
den  Niederlanden  verbieten  wollte,  wird  auch  Paumgartner
unter  denen  genannt,  die  dadurch  schwer  betroffen  würden 4 ).
1 )  Relationen  venetianischer  Botschafter  über  Deutschland  und
Oesterreich  im  16.  Jahrh.  Hrsg.  v.  Joseph  Fiedler,  Wien  1870  S.  71.
(In:  Fontes  rerum  Austriacarum  2.  Abt.  Bd.  30.)  Alois  Mocenigo  weilte
im  Jahre  1548  am  Hofe  u.  im  Lager  Karls  V.
2 )  Nuntiaturberichte  aus  Deutschland.  Im  Aufträge  des  Kgl.
Preussischen  Historischen  Instituts  bearbeitet.  1.  Abteilung  Bd.  4
S.  374  ff.  Aleander  weilte  im  August  1539  am  Wiener  Hofe  und  führte
über  die  Zeit  seiner  Legation  ein  Tagebuch,  dem  auch  obige  Notiz  entnommen ­
  ist.
3 )  Ein  Blick  in  die  im  Augsburger  Stadtarchiv  vorhandenen
Handlungsbücher  der  Firma  Haug  lässt  die  Ausdehnung  der  Geschäfte
erkennen,  die  von  den  Augsburger  Kaufleuten  getrieben  wurden.  (Vgl.
Johannes  Meilinget:  Der  Warenhandel  der  Augsburger  Handelsgesellschaft ­
  Anton  Haug,  Hans  Langenauer,  Ulrich  Link  u.  Mitverwandte ­
  (1532—1562),  Gräfenhainichen  1911.  (Leipziger  Dissertation.)
4 )  Rud.  Häpke:  Niederländische  Akten  u.  Urkunden  zur  Ge-
        <pb n="74" />
        7i

Umfassender  freilich  als  der  Warenhandel  waren  wohl
zu  allen  Zeiten  Hans  Paumgartners  Geldgeschäfte.  Als  Bankier
König  Ferdinands  I.  haben  wir  ihn  bereits  in  hervorragender
Weise  tätig  gesehen.  Interessant  wäre  es,  über  seine  Stellung
zu  dem  französischen  König  Franz  I.  Näheres  zu  erfahren.
Leider  konnte  ich  darüber  ausser  den  sogleich  anzuführenden
Notizen  nichts  weiter  ermitteln.  Begreiflicherweise  bewahrte
Paumgartner  über  diesen  Teil  seiner  Geschäfte  tiefe  Verschwiegenheit. ­
  Trotzdem  scheint  seine  Verbindung  mit  dem
französischen  Hof  bei  den  Zeitgenossen  bekanntgeworden  zu
sein.  So  schreibt  der  schon  obenerwähnte  Aleander  in  sein
Tagebuch,  dass  er  bei  seinem  Aufenthalt  am  Wiener  Hof  gehört
habe,  Paumgartner  mache  viele  Geschäfte  mit  Frankreich
und  sei  am  Hof  Franz  I.  eine  wohlbekannte  Persönlichkeit 1 ).
Er  übernehme  besonders  Wechselgeschäfte  für  den  französischen
König  ausserhalb  Frankreichs.  Ferdinand  selbst  hatte  Kenntnis
von  diesen  Unternehmungen  Paumgartners  und  warnte  einmal
Karl  V.  vor  dem  Kaufmann,  den  er  ,,ung  homme  .  .  .  assez
favorable  es  affaires  de  France“  nennt 2 ).  Vielleicht  war  ein
Förderer  dieser  Beziehungen  der  Hofbankier  Franz  I.  Hans
Kleeberg,  „der  gute  Deutsche",  den  wir  als  Freund  Paumgartners ­
  einmal  erwähnt  finden 3 ).  Es  braucht  uns  übrigens
nicht  wundernehmen,  dem  Geldgeber  Karls  V.  und  Ferdinands
auch  in  den  Diensten  ihres  grossen  Gegners  Franz  I.  zu  begegnen. ­
  Die  Kaufleute  Augsburgs,  auch  die  Fugger,  betrieben
ihre  Geschäfte  auf  einer  internationalen  Grundlage  und  waren
bereit,  mit  jedem  Fürsten  in  Verbindung  zu  treten,  wenn  nur
Aussicht  auf  Gewinn  sich  bot.
Auch  zu  England  hatte  Paumgartner  geschäftliche  Beschichte ­
  d.  Hanse  u.  zur  deutschen  Seegeschichte,  München-Leipzig  19x3
(Urk.  Nr.  516  im  1.  Bd.).
1 )  Dixit  [sc.  Ribeysen]  .  .  .,  quod  [Paumgart]  maximam  partem
suorum  negociorum  tractat  in  Gallia  et  bene  sit  notus  in  curia  regis
Franciae  innuens,  quod  rex  aliquando  eo  utatur  in  transmittendis  pecuniis
  extra  regnum.  (Nuntiaturberichte  a.  a.  O.  S.  375.)  Paumgartner
weilte  damals  (1.  August  1539)  selbst  in  Wien,  um  einen  Vertrag  mit
dem  König  über  Quecksilber  u.  Zinnober  abzuschliessen.  (Vgl.  die  der
zitierten  Stelle  vorhergehenden  Worte.)
2 )  Nuntiaturberichte  a.  a.  O.  1.  Abt.  Bd.  6  (1909)  S.  328.
3 )  Siehe  u.  S.  85.
        <pb n="75" />
        72

Ziehungen,  da  einmal  erwähnt  wird,  dass  er  von  dort  Geld
erwarte 1 ).
Neben  diese  grossen  europäischen  Unternehmungen  traten
solche  im  engem  Kreis.  Paumgartners  Vaterstadt  Augsburg
war  ja  um  1530  der  erste  Geldmarkt  Europas  und  Wohnsitz
der  reichsten  Bankiers  der  Welt.  Wer  Geld  brauchte  —  Fürsten,
Adelige  und  Bürger  —,  wandte  sich  an  die  dortigen  Kaufherrn.
Wie  mancher  Besucher  der.  glänzenden  Reichstage  von  1518,
1530  und  1548  wird  damals  bei  Paumgartner  Geld  aufgenommen ­
  haben.  Das  Bürgertum  aber,  besonders  die  kleinen
Leute,  legten  ihre  Ersparnisse  gegen  Verzinsung  bei  den  Bankiers
ein  oder  beteiligten  sich  mit  ihren  Kapitalien  an  den  weitausschauenden ­
  Projekten  der  grossen  Geldfürsten  gegen  das
Versprechen  hoher  Gewinnanteile 2 ).  Weil  dies  alltägliche
Vorgänge  waren,  so  haben  sich  Nachrichten  davon  nicht  erhalten. ­
  Nur  wenn  wir  Hans  Paumgartners  Geschäftsbücher
besässen,  könnten  wir  nähere  Aufschlüsse  über  diese  Seite
seiner  Tätigkeit  geben.
Alle  Fäden  dieses  weltumspannenden  Geld-  und  Warenhandels ­
  liefen  zusammen  in  Augsburg,  wo  in  der  Annastrasse
der  reiche  Kaufherr  wohnte  und  wohl  auch  seine  Kontore  und
Wechselstuben  sich  befanden.  Mehrere  Angestellte,  oft  auf
verantwortungsvollen  Posten,  waren  hier  tätig.  Zwei  derselben, ­
  Christoph  Gering  und  Lorenz  Grieninger,  besässen
Hans  Paumgartners  besonderes  Vertrauen.  Gering,  dem  wir
weiter  unten  nochmals  begegnen  werden,  hatte  Sabina  Arzt
zur  Frau  und  gehörte  zur  Gesellschaft  der  Mehrer.  Er  nahm
sicher  eine  leitende  Stellung  im  Geschäfte  ein 3 ).  Seit  1538
*)  Roth,  Reformationsgeschichte  Bd.  3  S.  445.
2 )  Von  Ambrosius  Höchstetter  erzählt  Clemens  Sender  (Chron.
d.  deutsch.  Städte  23  S.  219):  „zu  im  haben  fürsten,  graffen,  edel,
burger,  bauren,  dienstknecht  und  dienstmägt  ir  gelt,  was  sie  haben
gehept,  (zu  im)  gelegt  und  von  dem  100  genommen  5  fl.“
a )  Warnecke,  Augsburger  Hochzeitsbuch  z.  J.  1537  (S.  40),
und  Stetten,  Adeliche  Geschlechter  S.  442  Sp.  3.  Gering  unterschreibt ­
  sich  in  einem  Brief  an  Erasmus  (siehe  u.  S.  89)  als  Paumgartners ­
  Sekretär.  Er  ist  aber  wohl  kaum  identisch  mit  jenem  Christoph
Gerung,  der  als  Prediger  bei  St.  Elisabeth  in  Memmingen  tätig  war
(Dobel:  Memmingen  im  Reformationszeitalter  I  S.  35  f.).’ !  Grieninger
wird  in  Hans  Paumgartners  Testament  als  „Geheim  Buchhalter“  bezeichnet. ­
        <pb n="76" />
        73

finden  wir  dann  auch  Paumgartners  ältesten  Sohn  Hans  in
der  väterlichen  Firma  tätig.  Nach  seinem  frühen  Tod  (1542)
führte  Grieninger  die  Handelsbücher 1 ).  Hans  Paumgartner
selbst  behielt  nur  die  Oberleitung  in  seiner  Hand.  Andere
Interessen  und  die  politischen  Verhältnisse  in  Augsburg  brachten
es  mit  sich,  dass  er  seit  ca.  1538  häufiger  sich  von  seiner
Vaterstadt  fernhielt 2 ).
Bevor  wir  auf  diesen  Umschwung  der  Verhältnisse  näher
eingehen,  müssen  wir  uns  noch  kurz  mit  der  Frage  nach  Paumgartners ­
  Vermögen  beschäftigen.  Mocenigo,  der  venezianische
Gesandte, 3 )  nimmt  als  durchschnittlichen  Gewinn,  den  die
grossen  Kaufleute  bei  ihren  Unternehmungen  machten,  ca.
30  %  an.  Kein  Wunder,  wenn  infolgedessen  der  Reichtum
immer  mehr  zunahm  und  bald  bei  einigen  eine  fabelhafte  Höhe
—  wenigstens  für  die  damalige  Zeit  —  erreichte.  Im  Jahre
1522  zahlte  Jakob  Fugger  1200  fl  Steuer  und  liess  damit  alle
anderen  Kaufleute  weit  hinter  sich.  Der  nächstreichste  war
Philipp  Adler,  Philippine  Welsers  Grossvater  mütterlicherseits, ­
  mit  einer  Steuersumme  von  500  fl 4 ).  Nehmen  wir  jedoch
die  von  Hans  Paumgartner  d.  Ae.  und  seinem  Sohne  bezahlten
Beträge  zusammen,  so  rücken  sie  an  die  zweite  Stelle,  denn
mit  ihren  691  fl  übertreffen  sie  Adler  noch  um  ein  Beträchtliches. ­
  Bald  war  es  Hans  Paumgartner  bei  der  Vielgestaltigkeit
seiner  Geschäfte  nicht  mehr  möglich,  jederzeit  genau  den
Stand  seines  Vermögens  anzugeben,  wie  es  für  die  Steuereinschätzung ­
  nötig  gewesen  wäre.  Er  schloss  daher  im  Jahre
1536  mit  der  Stadt  ein  Abkommen,  wie  dies  ein  Jahr  zuvor  auch
Fugger  getan  hatte,  indem  er  sich  bereit  erklärte,  jährlich
800  fl  Steuer  zu  bezahlen.  Er  sollte  dann  des  Steuereides  ledig

*)  In  Hans  Paumgartners  „Teilbrief“  (siehe  u.  S.  106)  wird  dies
erwähnt.
2 )  Natürlich  hatte  Paumgartner  an  den  wichtigsten  Mittelpunkten
seiner  Geschäftstätigkeit  dauernde  Vertreter  oder  „Faktoren“.  Nach
E  h  r  e  n  b  e  r  g  a.  a.  O.  I  S.  248  war  um  das  Jahr  1531  in  Antwerpen
der  einflussreiche  Rat  Karls  V.  Wolfgang  Haller  sein  Vertreter.  In
Schwaz  werden  genannt:  1522  u.  1525  Jobst  Engensteiner,  1527—1537
Hans  Klocker,  1537  u.  1546  Jakob  Plan.
3 )  Relationen  venetianischer  Botschafter  .  .  .  (Fontes  rer.  Austr.
II  30  S.  71).
*)  Nach  der  von  Strieder:  Genesis  .  .  .  S.  198  Anm.  2  gemachten ­
  Zusammenstellung  der  elf  reichsten  Augsburger  im  Jahre  1522.
        <pb n="77" />
        74

sein  und  auch  keine  Aemter  annehmen  müssen.  Dieses  Steuerpauschale ­
  hatte  dieselbe  Höhe  wie  das  Fuggers,  der  auch  jährlich
800  fl  bezahlte 1 ).  Es  ist  damit  freilich  nicht  gesagt,  dass  Paumgartners
  Vermögen  dem  der  Fugger  gleich  war.  Fast  möchte
man  vermuten,  Paumgartner  habe  sich  zu  dem  Vertrag  mit
der  Stadt  entschlossen,  um  nicht  hinter  Fugger  zurückzustehen. ­
  Auch  auf  anderem  Gebiet  werden  wir  nämlich  diesem
Bestreben,  es  soviel  wie  möglich  dem  Rivalen  gleichzutun,
bald  begegnen.
Nicht  leicht  ist  es  jedoch,  nun  wirklich  die  Grösse  des
Paumgartnerschen  Vermögens  anzugeben.  Wir  haben  zwei
Anhaltspunkte,  die  es  ermöglichen,  zu  einem  ungefähren  Resultat ­
  zu  gelangen.  Der  schon  mehrfach  genannte  Aleander
gibt  im  Jahre  1539  das  Vermögen  Paumgartners  mit  600  000  fl
an 2 )  (nach  einer  Mitteilung,  die  ihm  am  Wiener  Hof  gemacht
wurde),  und  der  Venezianer  Mocenigo  sagt,  dass  Fugger  im
Jahre  1548  ca.  4  Millionen,  Paumgartner  und  Welser  zusammen
2—3  Millionen  besessen  hätten 3 ).  Nach  dem,  was  uns  sonst
über  Paumgartners  Finanzkraft  bekannt  ist,  glaube  ich  nicht,
dass  der  Venezianer  hier  übertrieben  hat.  Wir  dürfen  wohl
annehmen,  dass  unser  Kaufmann  zur  Zeit  der  Blüte  seines
Geschäftes  ein  Vermögen  von  ca.  einer  Million  Gulden  besessen
hat 4 ).  Um  das  Jahr  1540  war  Hans  Paumgartner  nach  Anton
Fugger  wohl  der  reichste  Mann  in  deutschen  Landen.
Um  diese  Zeit  hatte  sich  aber  im  Schosse  der  Familie
‘)  Augsburg,  Stadtarchiv:  Paumgartnerakt  Nr.  4.  Nicht  nur
Anton,  sondern  auch  jeder  seiner  Brüder  bezahlte  diese  sog.  reiche  Steuer.
2 )  Nuntiaturberichte  a.  a.  O.  1.  Abt.  Bd.  4  S.  375.
3 )  A.  a.  O.  Fontes  rer.  Austr.  II,  30  S.  71.
*)  Ehrenberg  a.  a.  O.  S.  149  unterschätzt  meines  Erachtens  die
Kapitalkraft  Paumgartners,  wenn  er  die  Angabe  Mocenigos  über  das
Paumgartnersche  u.  Welsersche  Vermögen  zu  hoch  findet.  Bei  den
Summen,  die  Hans  Paumgartner  in  seinen  Bergwerken  und  im  Handel
angelegt  hatte,  wären  ihm  bei  geringerem  Vermögen  nicht  noch  solche
stattliche  Güterkäufe  möglich  gewesen,  wie  wir  sie  sogleich  zu  schildern
haben  werden.  Der  Vermögenszuwachs  resultierte  übrigens  nicht  allein
aus  dem  Handelsgewinn,  sondern  auch  aus  Erbschaften,  Einkünften
aus  Aemtern,  Besitzungen  usw.  Der  Jurist  Z  a  s  i  u  s  ,  Paumgartners
Freund,  schätzt  den  jährlichen  Reingewinn,  den  dieser  aus  seinen  Bergwerken ­
  erziele,  auf  100000  fl.  Vgl.  Förstemann  u.  O.  Günther:
Briefe  an  Desiderius  Erasmus  (=  Beih.  z.  Zentralbl.  f.  Bibliotheksw.
XXVII  S.  197).
        <pb n="78" />
        75

Paumgartner  ein  Umschwung  vollzogen,  der  zu  dem  grossen
Reichtum  auch  einen  glänzenden  Namen  fügte  und  damit  die
Familie  zu  einem  höheren  Rang  erhob.

d)  Hans  Paumgartners  Gütererwerbungen  und  seine
Erhebung  in  den  Freiherrnstand.
Bei  einer  Reihe  von  Kaufleuten,  so  vor  allem  den  Fuggern,
machte  sich  bald  das  Bestreben  geltend,  einen  Teil  des  in  Bergwerksunternehmungen ­
  und  im  Bankiergeschäft  gewonnenen
Kapitals  in  Bodenwerten  anzulegen  und  ihn  so  dem  schwankenden ­
  Kaufmannsglück  zu  entziehen.  Ein  weiterer  Grund  zum
Ankauf  von  Gütern  war  der  Gedanke  an  die  Nachkommen,
denen  der  vom  Vater  erworbene  Reichtum  auf  diese  Weise
gesichert  werden  sollte.  Nicht  wenige  ehemalige  Handelsfamilien ­
  haben  so  einen  Teil  ihres  einstigen  Vermögens  durch
die  bald  einsetzenden  Geldkrisen  hindurch  bis  auf  die  Gegenwart ­
  herübergerettet,  es  sei  neben  den  Weisem  und  Fuggern
nur  an  die  Herwart,  Rehlinger,  Stetten,  Tücher  u.  a.  erinnert 1 ).
Erleichtert  wurde  dieser  Gütererwerb  durch  die  mannigfachen ­
  Pfandschaften,  zu  denen  sich  die  Habsburger  bei  der
Unmöglichkeit  barer  Rückzahlung  von  Darlehen  häufig  genug
verstehen  mussten.  Auch  Hans  Paumgartner  d.  Ae.  kam
dadurch  in  den  Besitz  einer  schönen  Herrschaft  in  Südtirol.
Noch  Maximilian  I.  hatte  ihm  für  verschiedene  Darlehen
das  Amt  Kaltarn  (s.  von  Bozen)  und  die  dortigen  Einkünfte
verpfändet,  und  diese  Verschreibung  war  auch  von  seinem
Nachfolger  nicht  wieder  eingelöst  worden 2 ).
Seit  dem  Jahre  1524  begann  sodann  Hans  Paumgartner  d.  J.,
anknüpfend  an  die  Tradition  seines  Vaters  und  dem  Vorbild
der  Fugger  nacheifernd,  in  grossem  Masstab  mit  dem  Kauf
von  Grundbesitz 3 ).  Nur  kurze  Zeit  besass  er  das  Schloss  und
1 )  Ueber  Jacob  Fuggers  Gütererwerbungen  unterrichtet  das
jüngst  erschienene  4.  Heft  der  Studien  zur  Fuggergeschichte:  Die  Gütererwerbungen ­
  Jacob  Fuggers  des  Reichen  (1494—1525)  und  seine  Standeserhöhung. ­
  Ein  Beitrag  z.  Wirtschafts-  u.  Rechtsgeschichte  v.  Thea
D  ü  v  e  1.  München  u.  Leipzig  1913.
2 )  Nach  dem  von  Hans  Paumgartner  kurz  vor  seinem  Tod  errichteten ­
  Teilbrief  (jetzt  im  Kgl.  Bayer.  Geh.  Staatsarchiv).
3 )  Die  wichtigste  Quelle  für  die  Geschichte  der  Gütererwerbungen
        <pb n="79" />
        76

den  Markt  Neuburg  a.  d.  Kammei,  die  er  am  20.  April  1524
von  Wolf  von  Rechberg  um  15  100  fl  gekauft  hatte,  aber  bereits
am  1.  Oktober  1524  um  denselben  Preis  an  Erhärt  Vöhlin  von
Frickenhausen  wieder  verkaufte 1 ).  Dagegen  ging  ein  Turm
und  Schloss  zu  Schwabmünchen  im  Jahre  1526  in  seinen
dauernden  Besitz  über.  Er  erwarb  diese  Güter  um  1600  fl
von  Ulrich  Jung,  der  Arznei  Doktor,  und  hielt  sich  auf  denselben ­
  wohl  wegen  der  Nähe  Augsburgs  häufig  auf 2 ).
In  die  Jahre  1530  bis  1535  fallen  sodann  die  grossen  Erwerbungen, ­
  die  der  Familie  einen  ausgedehnten  Grundbesitz
in  den  verschiedensten  Teilen  Süddeutschlands  verschafften.
Der  erste  grössere  Kauf  führt  uns  in  die  Markgrafschaft  Burgau.
Hier  besass  der  uns  schon  bekannte  Augsburger  Bankier  Philipp
Adler  das  Schloss  Konzenberg  mit  einigen  kleineren  Gütern,
das  er  im  Jahre  1524  von  Wolfdietrich  v.  Knöringen  erworben
hatte.  Am  17.  Mai  1530  genehmigte  der  Oberlehnsherr  jener
Herrschaft  die  Uebertragung  des  Lehens  auf  Hans  Paumgartner.
  Am  13.  Oktober  1530  wurde  sodann  der  Kauf  abgeschlossen, ­
  indem  Adler  das  Schloss  um  10  000  fl  an  Paumgartner
  abtrat.  Die  Uebernahme  der  Güter  durch  den  neuen
Besitzer  und  die  Vereidigung  der  Untertanen  hatte  schon  am
9.  Juni  stattgefunden,  wobei  Adler  durch  seine  Schwiegersöhne ­
  Lucas  Meuting  und  Franziskus  Welser  sich  vertreten
liess 3 ).  Hans  Paumgartner  erweiterte  dieses  Besitztum  durch

Hans  Paumgartners  ist  der  schon  mehrfach  erwähnte  Familienkodex
(jetzt  im  Reichsarchiv),  ein  mächtiger  Foliant  mit  schweren  Holzdeckeln. ­
  Die  Einträge  sind  auf  Pergament  durchweg  von  einer  Hand
geschrieben.  Hans  Paumgartner  selbst  hat  diesen  Kodex  anlegen
und  in  denselben  Abschriften  aller  Urkunden  eintragen  lassen,  die  sich
auf  die  Familie  bezogen.  Auch  Urbare  der  erworbenen  Herrschaften
und  die  schon  genannten  Bergwerksrechnungen  stehen  hier.
M  Luitpold  Brunner:  Die  Vöhlin  vonFrickenhausen,  Freiherrn
v.  Illertissen  u.  Neuburg  a.  d.  Kammei  (in:  Zeitschr.  d.  Hist.  Vereins  v.
Schwaben  u.  Neuburg  II  [1875]  S.  276).
2 )  Familienkodex  fol.  329a.  Das  Schloss  führte  den  Namen
,,Geyrenburg“.
3 )  Ebenda:  fol.  131a  ff.  Franz  Welser,  der  Vater  Philippine
Welsers,  war  seit  dem  Jahre  1524  mit  Anna  Adler  verheiratet  (W  ar  -
n  e  c  k  e  a.  a.  O.  S.  31).  Lukas  Meuting,  der  uns  schon  als  Vertreter
Hans  Paumgartners  d.  Ae.  in  Schwaz  begegnete,  hatte  seit  dem  Jahre
1502  Helena  Adler  zur  Gemahlin  (W  a  r  n  e  c  k  e  a.  a.  O.  S.  18).
        <pb n="80" />
        77

Ankauf  mehrerer  Güter  in  den  folgenden  Jahren  zu  einer
„Herrschaft  Konzenberg“.
Auf  dem  Wege  der  Pfandschaft  kam  Hans  Paumgartner
im  Jahre  1533  in  den  Besitz  des  Schlosses  Obenhausen,  ebenfalls ­
  in  der  Markgrafschaft  Burgau  gelegen.  Paumgartner
hatte  nämlich  an  den  Hofzahlmeister  Hans  Angerer  3000  fl
bezahlt  und  war  ausserdem  für  9000  fl  auf  das  „schlesische
Einkommen"  verwiesen  worden  (1531).  Als  er  daraus  zwei
Jahre  lang  nichts  erhalten  konnte,  gewährte  ihm  Ferdinand
als  Entschädigung  600  fl  und  „verkaufte“  ihm  im  Jahre  1533
das  Schloss  Obenhausen  um  3600  fl.  Paumgartner  sollte  ferner
den  burgauischen  Forstmeister  Konrad  Rott,  der  auf  Obenhausen ­
  4500  fl  stehen  hatte,  ablösen.  Am  25.  Januar  1538,
nach  Rotts  Tod,  erhielt  dann  Paumgartner  die  Herrschaft
wirklich  übertragen  und  lieh  auf  dieselbe  am  25.  April  1538
noch  weitere  2000  fl.  Der  Gesamtkaufspreis  betrug  demnach
10  100  fl 1 ).
Im  Jahre  1533  erwarb  Paumgartner  das  Schloss  und  Dorf
Baumgarten,  dessen  Lehensherr  Herzog  Wilhelm  von  Bayern
war.  Der  vorige  Besitzer  Jörg  Argon,  der  letzte  Spross  eines
alten  Augsburger  Kaufherrngeschlechts,  hatte,  als  er  starb,
die  Antoniuspfründe  in  Augsburg  zu  seiner  Erbin  eingesetzt 2 ).
Mit  Herzog  Wilhelms  Erlaubnis  verkauften  deren  Pfleger
Ulrich  Rehlinger  und  Hieronymus  Imhof  das  Schloss  Baumgarten ­
  am  23.  August  1533  um  6000  fl  an  Hans  Paumgartner 3 ).
Andere  Güter  Jörg  Argons  waren  an  König  Ferdinand  zurückgefallen, ­
  der  sie  seinem  Rat  Johann  Zott  schenkte.  Es  waren
Besitzungen  in  der  Nähe  von  Konzenberg  und  daher  zur  Abrundung ­
  des  dortigen  Paumgartnerschen  Besitzes  wohl  geeignet.
Daher  verkaufte  sie  Zott  mit  Ferdinands  und  des  Bischofs  von
Augsburg,  als  der  Lehensherrn,  Erlaubnis  am  10.  April  1534
um  10  000  fl  an  Hans  Paumgartner,  der  Zott  wohl  darum
ersucht  hatte 4 ).
L )  Familienkodex  fol.  245  a  ff.
2 )  Vgl.  zu  Georg  Argons  Tod  (September  1532)  Clemens  Sender
in:  Chroniken  d.  deutschen  Städte  23  S.  338.
3 )  Familienkodex  62  a.  Georg  Argons  Vorfahren  hatten  das  St.
Antoniusspital  in  Augsburg  mit  reichen  Stiftungen  begabt.  (Clemens
S  e  n  d  e  r  a.  a.  O.  S.  338  Anm.  4.)
‘)  Nach  S  e  n  d  e  r  (a.  a.  O.  S.  338  Anm.  2)  war  es  das  Dorf  Refingen,
  das  damals  an  Zott  und  dann  an  Paumgartner  kam.  Johann
        <pb n="81" />
        7 8

So  setzten  sich  die  neuaufstrebenden  Kaufherrn  in  den
Besitz  der  Güter  alteingesessener  absterbender  Familien.  Neue
Geschlechter  kamen  empor,  während  die  alten,  die  sich  in  die
neue  Zeit  nicht  schicken  konnten,  untergingen.  Die  Güterpolitik
Paumgartners  bringt  uns  noch  einen  interessanten  Beleg  für
diese  Art  von  Besitzwechsel.
Am  Fuss  der  Alpen,  unweit  von  Füssen,  waltete  seit  Jahrhunderten ­
  das  stolze  Geschlecht  der  Schwangauer,  das  manchen
tapferen  Ritter  und  edlen  Minnesinger  hervorgebracht  hatte.
Jetzt  war  dies  Geschlecht  am  Erlöschen 1 ).  Um  das  Jahr  1530
geboten  Heinrich  und  Georg  von  Schwangau  auf  den  herrlichen
Schlössern  Hohenschwangau  und  Schwanenstein.  Nur  der
eine  der  beiden  schon  betagten  Brüder  —  Georg  —  war  vermählt, ­
  aber  kinderlos  geblieben 2 ).  Schon  längst  hatten  sich
Interessenten  für  das  sich  in  naher  Zukunft  erledigende  Reichslehen ­
  gefunden.  Ferdinand  selbst  hatte  die  Schlösser  einmal
besichtigen  lassen,  aber  aus  Geldmangel  musste  er  von  dem
Kauf  abstehen.  Jetzt  richtete  Hans  Paumgartner  sein  Augen-,
  merk  auf  dieses  Kleinod  landschaftlicher  Schönheit.  Wenn
ihm  diese  glänzende  Erwerbung  gelang,  dann  stand  er  in  nichts
mehr  hinter  den  Fuggern  zurück.  Noch  zu  Lebzeiten  der  beiden
Schwangauer  begann  er  die  Unterhandlungen.  Der  mit  Paumgartner ­
  befreundete  kaiserliche  Rat  und  Schatzmeister  der
Regentin  Maria  in  den  Niederlanden,  Wolfgang  Haller,  erhielt
in  einer  Urkunde  (Saragossa,  16.  Januar  1534)  von  Karl  V.  die
Anwartschaft  auf  das  Reichslehen  Hohenschwangau  im  Falle
des  Ablebens  der  Inhaber.  Später  genehmigte  der  Kaiser
(Madrid,  18.  Februar  1535)  sogar,  dass  die  Schwangauer  selbst
noch  bei  ihren  Lebzeiten  das  Lehen  an  Haller  abtreten  dürften 3 ).
Am  3.  Juli  1535  stellten  hierauf  diese  zugunsten  Hallers  eine  Verzichturkunde ­
  auf  das  Lehen  aus.  Paumgartner  hatte  aber
Zott  von  Beineck  war  mit  Paumgartner  wohlbekannt,  da  er  öfter  im
Auftrag  Ferdinands  nach  Augsburg  kam,  um  mit  den  Kaufleuten  wegen
Darlehen  zu  verhandeln.
*)  Zum  Folgenden  vgl.:  Karl  August  Muffat:  Beschreibung  u.
Geschichte  des  Schlosses  u.  der  ehern.  Reichsherrschaft  Hohenschwangau,
München  1837,  u.  Joseph  Frhr.  v.  Hormayt:  Die  goldene  Chronik
von  Hohenschwangau,  München  1842.
*)  Georg  v.  Hohenschwangau  war  vermählt  mit  Johanna  v.  Argon,
wohl  einer  Schwester  des  obengenannten  Georg  v.  Argon.
3 )  Familienkodex  fol.  159  a—160  b.
        <pb n="82" />
        79

offenbar  den  Haller  nur  vorgeschoben,  denn  letzterer  bat  Karl  V.,
alle  seine  Rechte  an  Hohenschwangau  auf  Paumgartner  übertragen ­
  zu  dürfen.  Der  Kaiser  war  in  Anbetracht  der  vielen
Verdienste  um  das  Reich,  die  sich  Hans  Paumgartner  erworben,
damit  einverstanden  und  erlaubte  die  Uebertragung  (Neapel,
i.  Dezember  1535) 1 ).  Inzwischen  hatte  sich  Paumgartner  mit
den  Schwangauern  selbst  wegen  des  Verkaufs  ihrer  Lehengüter
und  Allodien  ins  Benehmen  gesetzt,  und  am  3.  Juli  1535  kam
dann  der  denkwürdige  Kauf  zum  Abschluss.  Um  den  Preis
von  31  000  fl  gingen  sämtliche  Besitzungen  der  Schwangauer
an  Hans  Paumgartner  über.  Zu  den  Lehen  gehörte  ausser
einem  Wildpann,  „die  Vischenz  von  Füssen  in  dem  Lech  gen
Schwangau  wärts  und  das  Gericht  zu  Waltenhofen“,  zu  den
Allodien  „das  Schloss  Hohenschwangau  mitsamt  den  andern
zugehörigen  Schlössern,  Dörfern,  Weilern  und  dem  See“.  Der
Kauf  sollte  unwiderruflich  sein 2 ).  Am  16.  Januar  1536  fand
die  Einantwortung  und  die  Huldigung  der  Untertanen  statt.
Georg  von  Schwangau  war  inzwischen  schon  gestorben,  sein
Bruder  folgte  ihm  bald  darauf.
Während  die  Verhandlungen  wegen  Hohenschwangau  noch
schwebten,  hatte  Hans  Paumgartner,  der  damals  förmlich
Jagd  auf  erledigte  Güter  machte,  eine  andere  grosse
Herrschaft  in  seinen  Besitz  gebracht  —  das  im  Donautal  südwestlich ­
  von  Ulm  gelegene  Erbach,  ein  vorderösterreichisches
Lehen 3 ).  Ferdinand  hatte  den  stattlichen,  von  einem  Schloss
gekrönten  Ort  im  Jahre  1526  an  Ulrich  von  Habsberg  verpfändet. ­
  Nach  dessen  Tod  suchten  die  Erben  die  Herrschaft
zu  verkaufen.  Sie  unterhandelten  mit  Hans  Paumgartner,
der  den  hohen  Pfandschilling  an  sie  hinauszahlte,  worauf  sie
das  Lehen  an  Ferdinand  Zurückgaben.  Am  12.  März  1535
verkaufte  dann  der  König  dasselbe  um  40  000  fl  an  Hans
*)  Familienkodex  fol.  161  a—162  b.
s )  Ebenda:  fol.  164  a,  b.  Hormayr  und  Muifat  haben  den
Erwerb  der  Herrschaft  durch  Paumgartner  bereits  ausführlich  behandelt,
so  dass  wegen  Einzelheiten  auf  ihre  Darstellung  verwiesen  werden  kann.
3 )  Ueber  Erb(b)ach,  auch  Ellerbach  genannt,  vgl.  Beschreibung  des
Oberamts  Ehingen  (Oberamtsbeschreibung  von  Württemberg  2),  Stuttgart ­
  1893  2.  Teil  S.  93  ff.,  ferner:  Die  Kunst-  u.  Altertumsdenkmale  im
Königreich  Württemberg,  hrsg.  v.  Eugen  Gradmann.  Inventar
45.—48.  Lieferung:  Donaukreis  Oberamt  Ehingen  bearb.  v.  Hans  K  1  a  i  -
ber,  Esslingen  1912  S.  66  ff.
        <pb n="83" />
        8o

Paumgartner  und  stellte  es  ihm  als  rechtes  Mannlehen  am
14.  März  zu 1 ).
Nach  diesen  beiden  grossartigen  Erwerbungen  hielt  Paumgartner ­
  in  den  folgenden  Jahren  mit  Güterkäufen  zurück  und
suchte  nur  durch  einige  kleinere  Flecken  und  Höfe  die  erworbenen ­
  Gebiete  zu  vergrössern  und  abzurunden.  In  das  Jahr  1543
fällt  dann  nochmals  ein  grösserer  Kauf  durch  Uebernahme
der  im  Breisgau  gelegenen  Stadt  Kenzingen  samt  dem  dazugehörigen ­
  Burgstall  Kürnberg.  Nach  Ausgang  der  dem  Herrn
von  Hürnheim  darauf  gegebenen  Pfandverschreibung  sollten
diese  Gebiete  an  Gangolf  von  Geroldsegg  gegen  Erlegung  des
Pfandschillings  fallen.  Dieser  trat  dann  mit  König  Ferdinands,
des  Lehensherrn,  Zustimmung  seine  Rechte  an  Hans  Paumgartner ­
  ab.  Der  Pfandschilling  betrug  10  200  fl,  die  Paumgartner ­
  an  den  von  Hürnheim  bezahlte.  Ausserdem  lieh  er
Ferdinand  noch  4500  fl  auf  die  Herrschaft 2 ).
Im  Jahre  1546  vergrösserte  Paumgartner  seinen  Besitz
Hohenschwangau,  indem  er  von  dem  Kloster  Stams  den  grossen
Zehnten  zu  Kätrichshausen,  Bebenhausen  und  Seeg  um  15  000  fl
kaufte 3 ).
Am  Fuss  der  Alpen,  an  der  Donau,  am  Rhein  und  in  Südtirol ­
  dehnten  sich  so  die  Güter  und  Herrschaften  Hans  Paumgartners
  aus  und  brachten  ihrem  Inhaber  neue  Pflichten  und
Aufgaben,  die  dem  Kaufmann  bisher  ferngelegen  waren,  die
er  aber  mit  Geschick  anfasste.  Zur  Verwaltung  der  einzelnen
Gebiete  wurden  Pfleger  eingesetzt,  die  eine  vielfach  recht
1 )  Beschreibung  des  Oberamts  Ehingen  S.  97  u.  Familienkodex
fol.  201  a  ff.  Die  Verkaufsverhandlungen  schwebten  bereits  im  Jahre
1534.  Am  16.  Februar  1534  genehmigt  Ferdinand,  dass  Paumgartner
die  Herrschaft  einnehme,  bevor  die  Abrechnung  abgeschlossen  sei.  Es
geschah  dies  dann  im  März  1534.  Am  19.  Juni  1534  richtete  der  Rat
der  Stadt  Augsburg  an  Herzog  Ulrich  v.  Württemberg  u.  Landgraf
Philipp  von  Hessen  die  Bitte,  sie  möchten  bei  der  Wiedereroberung  des
Landes  die  Besitzungen  Paumgartners  schonen.  (Augsbg.  Stadtarchiv
Litt.  S.)
2 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Geschäft  v.  Hof  (1543)  fol.  30,
55,  148;  ferner:  Albert  K  r  i  e  g  e  r:  Topographisches  Wörterbuch  des
Grossherzogtums  Baden  I  Sp.  1142.  Ueber  die  Herren  von  Geroldsegg
siehe  Kindler  v.  Knobloch:  Oberbadisches  Geschlechterbuch  I
S.  433  ff.
3 )  Steichele:  Das  Bistum  Augsburg  IV  S.  534.  Die  Orte
liegen  in  der  Nähe  von  Füssen.
        <pb n="84" />
        6

8i

selbständige  Stellung  einnahmen,  wie  z.  B.  Sigmund  Rothut
in  Hohenschwangau  und  Michael  Han  in  Konzenberg.  In  allen
Paumgartnerschen  Herrschaften  sollte  eine  einheitliche  Rechtsordnung ­
  eingeführt  werden,  die  die  Pflichten  der  Untertanen
festsetzen  und  den  Richtern  bei  der  Urteilsfindung  als  Grundlage ­
  dienen  sollte.  Bei  der  Ausarbeitung  derselben  wurde
Paumgartner  unterstützt  durch  seinen  Freund,  den  berühmten
Juristen  Ulrich  Zasius 1 ).  Das  Original  dieses  Rechtsbuches  ist
auf  uns  gekommen  und  wird  jetzt  unter  den  Handschriften  der
Münchener  Hof-  und  Staatsbibliothek  aufbewahrt 2  3  *  *  *  * ).
Der  Zustand  der  Schlösser  und  Gebäulichkeiten  in  manchen
Herrschaften  entsprach  nicht  dem  künstlerischen  Geschmack
des  neuen  Besitzers,  der  in  glänzenden  Neubauten  den  Reichtum
seiner  Familie  zum  Ausdruck  bringen  wollte.  Vor  allem  wandte
er  Hohenschwangau  seine  Fürsorge  zu.  Von  seinen  dortigen
drei  Schlössern  Vorder-  und  Hinter-Hohenschwangau  und
Schwanenstein 8 )  liess  er  das  letztere  einreissen  und  an  seiner
Stelle  durch  italienische  Baumeister  und  Architekten  einen
Neubau  aufführen.  Vom  Jahre  1538  bis  1547  bauten  italienische
Künstler,  um  ein  der  neuen  südländischen  Stilrichtung  entsprechendes ­
  Schloss  an  die  Stelle  des  alten  zu  setzen.  Die  innere
Einrichtung  wird  dem  glanzvollen  Aeusseren  wohl  entsprochen
haben.
Nach  Beendigung  des  Neubaus  in  Hohenschwangau  ging
Paumgartner  daran,  in  seiner  Herrschaft  Erbach  ebenfalls
ein  neues  Schloss  zu  errichten.  Die  Vorarbeiten  dazu  wurden
noch  gemacht,  über  der  Ausführung  überraschte  ihn  der  Tod.
Er  bestimmte  jedoch  in  seinen  letzten  Lebenstagen,  dass  aus
1 )  Näheres  siehe  u.  S.  86.
2 )  Cgm  1514.
3 )  Ueber  die  gegenseitige  Lage  der  drei  (nach  Muf  f  at  S.  5  ff.
vier)  Schlösser  vgl.  die  Angabe  des  zeitgenössischen  Geographen  Philipp
A  p  i  a  n  (Philipp  Apians  Topographie  v.  Bayern.  Zur  Feier  des  700  jähr.
Herrscherjubiläums  des  Hauses  Wittelsbach  hrsg.  v.  Histor.  Verein
v.  Oberbayem.  München  1880).  Danach  führte  die  westlich  gelegene
Burg  den  Namen  Hohenschwangau  (jetzt  Neuschwanstein),  die  östlich
gelegene  den  Namen  Schwanenstein  (das  jetzige  Hohenschwangau).
Auf  den  Trümmern  des  einst  von  Hans  Paumgartner  neugebauten
Schwanenstein  errichtete  der  spätere  König  Maximilian  II.  in  den  Jahren
1832  ff.  das  Schloss  Hohenschwangau.  —  Die  Namen  der  italienischen
Künstler  siehe  bei  H  o  r  m  a  y  r  a.  a.  O.  S.  191.
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        82

seinem  Gesamtvermögen  14  000  fl  zur  Vollendung  der  Bauten
genommen  würden 1 ).  Noch  heute  grüsst  das  doppelgieblige
stattliche  Schloss,  an  der  Zugbrücke  geziert  mit  dem  Paumgartnerschen
  Wappen,  ins  Donautal  in  der  Gestalt,  die  ihm
nach  des  alten  Paumgartners  Tod  sein  Sohn  Hans  Georg  gegeben. ­

Aber  nicht  nur  für  die  Verschönerung  seines  Grundbesitzes
war  Hans  Paumgartner  tätig,  sein  Blick  ging  auch  in  die  Zukunft. ­
  Die  von  ihm  erworbenen  Herrschaften  sollten  für  immer
bei  seinem  Namen  und  Stamm  bleiben  und  ein  sicherer,  unentreissbarer
  Besitz  seiner  Familie  werden.  Schon  im  Jahre  1530
hatte  er  sich  vo'n  Karl  V.  die  Erlaubnis  zur  Errichtung  eines
Familienstatutes  geben  lassen.  Im  Jahre  1535,  nachdem  Erbach
und  Hohenschwangau  in  seinen  Besitz  gekommen  waren,
schrieb  er  an  Zasius  und  bat  ihn  um  Ratschläge  für  die  Abfassung ­
  eines  Statuts 2 ).  Inwieweit  der  genannte  Jurist,  der
bereits  im  nämlichen  Jahre  starb,  seinen  Freund  hierin  noch
unterstützen  konnte,  ist  nicht  bekannt.  Erst  im  Jahre  1539
legte  Hans  Paumgartner  dann  die  „Statuta  familiae  Paumgartnerorum“
  dem  Kaiser  zur  Genehmigung  vor,  die  dieser
am  1.  März  1539  erteilte 3 ).  Am  10.  März  1541  erklärten  die
vier  Söhne  Paumgartners,  Hans,  Hans  Georg,  David  und  Anton,
dass  sie  sich  an  die  in  der  Familienordnung  festgesetzten  Bestimmungen ­
  halten  wollten 4 ).  Hans  Paumgartner  erklärte
darin  seine  sämtlichen  erworbenen  und  noch  zu  erwerbenden
Güter  als  Fideikommiss.  Die  weiblichen  Glieder  sollten  von
der  Erbfolge  ausgeschlossen  sein  und  nur  eine  ziemliche  Aussteuer ­
  und  Heiratgut,  „wie  es  beim  Adel  in  Schwaben  Brauch“,
erhalten.  Alle  Güter  sollten  bei  den  männlichen  Nachkommen
bleiben,  und  zwar  sollte  die  Vererbung  nicht  per  capita,  sondern
per  stirpem  erfolgen.  Ausdrücklich  wurde  betont,  dass  keines
der  Güter  als  Pfand  eingesetzt  werden  dürfe.
Dieses  Statut  schloss  eine  Entwicklung  ab,  die  sich  in  dem
1 )  Hans  Paumgartners  Teilbrief  im  Geh.  Staatsarchiv.
2 )  Jos.  Ant.  Rieggerus:  Udalrici  Zasii  .  .  .  epistolae,  Ulmae  1774
S.  507.
3 )  Die  Statuten  sind  enthalten  im  Familienkodex  fol.  35  a—49  a
in  einer  lateinischen  und  deutschen  Fassung.
*)  Familienkodex  fol.  49  a—50  b.  Zeugen  dabei  sind  u.  a.  Herr
Johann  Zott  von  Perneckh  zu  Melanns,  römischer  Majestät  Hofkammerrat, ­
  Wolfgang  Rudolf  v.  Gabelbach,  Christoph  Gering,  Lorenz  Grieninger.
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        83

6*

Jahrzehnt  von  1530  bis  1540  in  unserer  Familie  vollzogen  hatte.
Aus  dem  Bürger  der  freien  Reichsstadt,  dem  Kaufmann  und
Bankier  war  ein  Gutsherr  und  Lehenträger  von  Fürsten  geworden. ­
  Karl  V.  erkannte  diesen  Wandel  der  Dinge  an,  indem
er  am  27.  Juli  1543  die  Familie  in  den  Freiherrnstand  erhob 1 ).
Er  erinnert  an  die  treuen  Dienste,  die  Hans  Paumgartner
seinen  Vorfahren  und  besonders  ihm  in  den  letzten  Kriegen
erwiesen.  Die  Familie  soll  sich  in  Zukunft  nach  ihren  neuerworbenen ­
  Schlössern  nennen  dürfen,  und,  da  sie  wegen  ihres
alten  Herkommens  auch  noch  zu  höheren  Ehren  erhoben
werden  können,  so  verleiht  er  ihnen  den  Stand  der  geborenen
Herren  und  Fräulein  und  das  Recht,  auf  ihren  Schlössern  und
Herrschaften  Münzen  mit  ihrem  Wappen  zu  prägen.
Es  war  ein  Aufstieg  ohnegleichen,  der  damit  seinen  Abschluss ­
  fand.  Paumgartner  hatte  erreicht,  was  ihm  beim  Blick
auf  seine  Rivalen,  die  Fugger,  immer  heimlich  vorgeschwebt.
Wie  diese,  war  auch  er  jetzt  geadelt  und  seinem  Geschlecht  stand
eine  sichere  glänzende  Zukunft  in  Aussicht.  ,,Freiherrn  von  Paumgarten
  zu  Paumgarten,  Konzenberg,  Hohenschwangau  und
Erbbach“,  so  lautete  der  stolze  Titel,  den  Hans  Paumgartner
und  seine  Söhne  von  nun  an  führten,  und  ein  Schwan  schmückte
das  Wappen  zum  Zeichen,  dass  die  Familie  ein  Besitztum
erworben  hatte,  wie  es  ähnlich  selbst  Fugger  nicht  besass.
Die  Standeserhebung  brachte  bald  eine  Veränderung  der
Gesinnung  mit  sich,  soweit  diese  nicht  schon  als  treibendes
Moment  vorher  dagewesen  war.  Mit  stolzer  Verachtung  blickte
man  nun  auf  das  Bürgertum  herab  und  suchte  Beziehungen
zum  Landadel,  in  dessen  Reihen  man  eingetreten  war.  War
es  bisher  üblich  gewesen,  unter  den  städtischen  Patriziern  und
Kaufleuten  Schwiegersöhne  und  Schwiegertöchter  zu  suchen,
so  änderte  sich  jetzt  diese  Heiratspolitik.  Auch  Hans  Paumgartner ­
  suchte  für  seine  Kinder  im  schwäbischen  Adel  passende
Partien.  Regina  Paumgartner  heiratete  im  Jahre  1532  Christoph
von  Knöringen,  der  einem  reichbegüterten  Geschlecht  angehörte 2 ).
Der  älteste  Sohn  Hans  vermählte  sich  am  3.  Januar  1537  mit
Anna  von  Stadion,  einer  Nichte  des  regierenden  Augsburger
Bischofs 2 ).  Der  jüngste  Sohn  David  führte  Ursula  aus  dem
*)  Familienkodex  fol.  30  a—34  a.
a )  Warnecke:  Hochzeitsbuch  S.  37  u.  S.  40.  Welcher  Aufwand ­
  bei  solchen  Hochzeiten  gemacht  wurde,  und  mit  welcher  Ge-
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        8 4

Geschlecht  der  Freiberge  von  Eissenberg  im  Jahre  1547  heim.
Dem  Landadel  waren  solche  Verbindungen  mit  den  neugeadelten
Angehörigen  der  Grossfinanz  sehr  willkommen,  da  sie  ihm
die  stets  leeren  Kassen  mit  Geld  füllten.
Die  glänzende  Entwicklung,  die  wir  bisher  verfolgt  haben,
barg  aber  doch  eine  Gefahr  in  sich,  wenn  wir  an  das  kaufmännische ­
  Geschäft  zurückdenken,  das  ja,  wie  wir  wissen,
ohne  Unterbrechung  weitergeführt  wurde.  Mit  Besorgnis
fragen  wir,  ob  bei  den  veränderten  Verhältnissen  der  alte
Handelsgeist  frisch  blieb.  Zu  gross  war  die  Verlockung,  die
Gewohnheiten  des  Adels  anzunehmen  und  über  den  gesellschaftlichen ­
  Verpflichtungen  die  wichtigsten  geschäftlichen  Aufgaben
zu  vernachlässigen.  Solange  Hans  Paumgartner  lebte,  bestand
in  dieser  Hinsicht  keine  Gefahr.  Ob  aber  die  nächste  Generation, ­
  die  bereits  nicht  mehr  in  der  harten  Schule  des  Handels
aufwuchs,  Kraft  genug  besass,  um  auch  in  ernsten  Zeiten  das
Geschäft  auf  der  Höhe  zu  erhalten,  das  ist  eine  Frage,  die
sich  uns  beantworten  wird,  wenn  wir  zu  der  Geschichte  der
dritten  Generation  unserer  Familie  uns  wenden.  Zunächst  gilt
es  noch,  Hans  Paumgartners  Verdienste  um  die  Wissenschaft
und  seine  politische  Tätigkeit  näher  zu  betrachten.

e)  Hans  Paumgartner  als  Freund  des  Humanismus.
Es  war  zu  allen  Zeiten  das  edle  Vorrecht  der  Reichen,  Beschützer ­
  und  Gönner  von  Kunst  und  Wissenschaft  zu  sein.
Auch  Hans  Paumgartner  fand  trotz  der  immer  weiteren  Ausdehnung ­
  seiner  Geschäfte  und  dem  wachsenden  Kreis  von
sinnung  der  gemeine  Mann  in  Augsburg  über  diesen  Prunk  urteilte,
zeigt  die  Chronik  des  Augsburger  Malers  Georg  Preu  (Chroniken  d.
deutschen  Städte  29  S.  50  u.  S.  78).  Die  zuletzt  angegebene  Stelle
lautet:  „Item  adj  29.  jenner  ist  Hans  Baumgartner  sampt  seinem  sun
zu  einer  von  Stadion  verheirat  worden,  welche  ains  bischoffs  zu  Augspurg
brueders  tochter  gewest;  ist  die  hochzeit  zu  Dillingen  gehalten  worden  .  .  .
Also  hat  man  am  6.  hornung  ain  gross  mal  mitsambt  den  freundten  und
darnach  ain  köstlichen  dantz,  [wie]  der  in  langer  Zeit  nie  gesehen  ist
worden,  mit  berlen,  goldt,  Silber,  edlen  stainen,  halsbanden,  ringen,
sammat,  damascat,  atlass  und  von  zoblnfuttern;  da  was  kain  tadl,  in
kainer  hoffart  nichts  gespart.  Item  adj  7.  hornung  ritt  das  hochtzeitvolck
wider  heim  mit  grossen  Freuden.“  Noch  drastischer  ist  die  andere  Stelle
a.  a.  O.  S.  50.
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        85

Aufgaben  und  Pflichten,  die  an  ihn  herantraten,  noch  Müsse,
die  wissenschaftlichen  und  literarischen  Bestrebungen  seiner
Zeit  zu  verfolgen.  Im  Umgang  mit  den  Gelehrten  suchte  der
reiche  Kaufherr  Erholung;  er  scheint  aber  auch  für  einzelne
Zweige  der  Wissenschaft  persönliches  Interesse  gehabt  zu
haben.  Augsburg,  die  Stadt  eines  Peutinger,  mit  dem  Paumgartner
  verwandt  war,  und  eines  Adelmann  von  Adelmannsfelden,
bot  in  dieser  Hinsicht  mannigfache  Gelegenheit.  Auch  im
Kloster  zu  St.  Ulrich  fand  der  Humanismus  eifrige  Pflege  durch
Männer  wie  Veit  Bild  und  Otmar  Nachtigall  (Luscinius) 1 ).  Mit
ihnen  trat  Paumgartner  wohl  in  mannigfache  Beziehung.
Aber  sein  Verkehr  beschränkte  sich  nicht  auf  die  einheimischen
Gelehrten.  Er  war  auch  befreundet  mit  Wilibald  Pirkheimer,
wie  aus  einem  Brief  hervorgeht,  den  Paumgartner  im  Jahre  1530
an  den  Humanisten  schrieb.  Pirkheimers  Tochter,  Felizitas,
hatte  mit  ihrem  Gatten  Hans  Kleeberg  in  unglücklicher  Ehe
gelebt,  ja  nach  ihrem  Tod  erhob  der  alte  Pirkheimer  gegen
seinen  Schwiegersohn  den  schweren  Vorwurf,  dass  er  den  Tod
der  Gattin  selbst  verschuldet  habe.  Da  griff  nun  Hans  Paumgartner, ­
  der  gemeinsame  Freund  Kleebergs  und  Pirkheimers,
ein  und  suchte  in  einem  Brief  (18.  Juni  1530)  eine  Versöhnung
herbeizuführen,  indem  er  Kleeberg  gegen  die  Anschuldigungen
Pirkheimers  in  Schutz  nahm 2 ).
Ausgesprochene  Neigung  brachte  Hans  Paumgartner  der
auf  blühenden  Rechtswissenschaft  entgegen.  Mit  ihrem  bedeutendsten ­
  Vertreter  in  Deutschland,  Ulrich  Zasius,  dem
‘)  Konrad  Peutinger  war  bekanntlich  mit  einer  Welser  verheiratet.
Ueber  den  Humanismus  in  Augsburg  vgl.  Lier:  Der  Augsburger  Humanistenkreis ­
  mit  besonderer  Berücksichtigung  Bernhard  Adelmanns
von  Adelmannsfelden  (in:  Ztschr.  d.  Hist.  Ver.  f.  Schwaben  u.  Neuburg
Jhrg.  1880  S.  68  ff.)  u.  Thurnhofer,  Franz  Xaver:  Bernhard
Adelmann  von  Adelmannsfelden,  Humanist  u.  Luthers  Freund  (1457  bis
1523)  in:  „Erläuterungen  u.  Ergänzungen  zu  Janssens  Geschichte  des
deutschen  Volkes.  Herausgegeben  von  Ludwig  Pastorll,  Bd.,  1.  Heft.
Ueber  Peutinger  unterrichten  jetzt  am  besten  die  Peutinger-Studien
von  Erich  König  (Studien  u.  Darstellungen  a.  d.  Gebiet  der  Geschichte.
Im  Auftrag  der  Görres-  Gesellschaft  .  .  .  herausgegeben  von  Hermann
Grauert.  IX.  Bd.,  1.  u.  2.  Heft).
2 )  Dieser  Brief  Paumgartners  an  Pirkheimer  wird  erwähnt  von
Richard  Ehrenberg  in  seinem  Aufsatz:  „Hans  Kleeberg,  der  gute
Deutsche,“  in:Mitteilungen  d.  Ver.  f.  Gesch.  der  Stadt  Nürnberg,  Bd.  IX
S.  15.
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        86

„Humanisten  unter  den  Juristen“,  verband  ihn  eine  innige
Freundschaft,  von  der  mehrere  Briefe  Zeugnis  geben.  Ein
Rechtsstreit,  in  dem  Paumgartner  sich  bei  Zasius  Rat  erholt
hatte,  gab  den  Anlass  zu  der  näheren  Bekanntschaft.  Durch
ein  reiches  Geschenk  zeigte  sich  der  Kaufmann  dem  Gelehrten
dafür  erkenntlich 1 ).  Wir  haben  bereits  oben  erwähnt,  wie  Paumgartner ­
  sich  dann  weiterhin  an  den  Juristen  wandte,  als  er
daran  ging,  für  seine  Besitzungen  Rechtsordnungen  und  Statuten ­
  auszuarbeiten.  Am  17.  Oktober  1535  übersandte  er  ihm
ein  kürzlich  (am  5.  Mai)  aufgerichtetes  Testament  und  bat  ihn
um  ein  Gutachten  darüber.  Gleichzeitig  ersuchte  er  Zasius
um  Ratschläge  für  die  Errichtung  eines  Familienstatuts,  doch
sollte  dieser  die  Sache  geheimhalten 2 ).  Da  der  gelehrte  Jurist
bereits  am  24.  November  1535  starb,  wird  er  nur  geringen  oder
gar  keinen  Anteil  an  der  Ausführung  des  Planes  gehabt  haben.
Er  hatte  aber  bereits  vorher  dem  Freunde  durch  Zueignung
seines  Werks  „Usus  feudorum“  die  Mittel  an  die  Hand  gegeben,
um  sich  auf  dem  Gebiet  des  Lehensrechtes  zu  orientieren.
Bereits  im  Jahre  1534  hatte  Zasius  beschlossen,  Paumgartner
dieses  Werk  zu  widmen,  wie  er  mehrmals  seinen  Freunden
(z.  B.  Amerbach)  mitteilt 3 ),  aber  erst  an  Pfingsten  1535  übersandte ­
  er  es  ihm  mit  einer  schmeichelhaften  Widmungsepistel
zu 4 ).  Er  preist  darin  Paumgartners  Freigebigkeit  gegen  die
Armen  und  rühmt  den  Glanz  seines  Hauses  sowie  die  sorgfältige ­
  Erziehung,  die  er  seinen  Söhnen  angedeihen  lasse.
Um  sich  für  empfangene  Wohltaten  dankbar  zu  erweisen,
zugleich  aber,  damit  Paumgartner  aus  dem  Werke  für  die
Verwaltung  seiner  Güter  (er  nennt  ausdrücklich  das  kürzlich
erworbene  Erbach)  Nutzen  ziehen  könne,  eigne  er  ihm  dieses  zu.

*)  Paumgartner  war  bereits  im  Jahre  1530  mit  Zasius  bekannt
(siehe  ff.  S.).  Im  Jahre  1332  vermittelte  er  Briefe  des  Viglius  von
Zwichem  an  Zasius.  Riegger:  Udalr.  Zasii  epp.  S.  399.  Ueber  Zasius
vgl.  R.  Stintzing:  Ulrich  Zasius.  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der
Rechtswissenschaft  im  Zeitalter  der  Reformation,  Basel  1857  bes.
S.  293.
2 )  Riegger  a.  a.  O.  S.  507.  Kurz  zuvor  war  der  Kauf  von
Hohenschwangau  gelungen.
3 )  Riegger  a.  a.  O.  S.  223,  227,  229.
*)  Diese  steht  sowohl  an  der  Spitze  des  Werkes  von  Zasius:  Usus
feudorum  epitome,  Basel  1535,  als  auch  bei  R  i  e  g  g  e  r  a.  a.  O.  S.  431
und  ist  datiert  v.  13.  Juni  1535.
        <pb n="90" />
        87

Nach  Ulrich  Zasius’  Tod  übertrug  Paumgartner  seine  Verehrung ­
  für  den  grossen  Juristen  auf  dessen  Sohn  Johann  Ulrich.
Er  liess  diesen  zusammen  mit  seinen  eigenen  Söhnen  in  Italien
studieren  und  sorgte  auch  weiter  für  seine  Zukunft.  Der  junge
Zasius  erwies  sich  des  Vertrauens,  das  sein  Gönner  in  ihn  gesetzt
hatte,  würdig.  Er  wurde  später  kaiserlicher  Rat  und  Nachfolger ­
  Selds  als  Reichsvizekanzler  unter  Kaiser  Maximilian  II 1 ).
Durch  Zasius’  Vermittlung  suchte  Hans  Paumgartner  die
Freundschaft  des  Desiderius  Erasmus  zu  gewinnen,  um  sich
rühmen  zu  können,  dass  er  mit  dem  ersten  Gelehrten  Europas
in  Beziehung  stehe.  Auch  hier  wollte  er  nicht  hinter  Anton
Fugger  Zurückbleiben,  der  bereits  die  Freundschaft  des  Erasmus
genoss.  In  einem  Brief  an  Zasius  sprach  Paumgartner  den
Wunsch  aus,  mit  Erasmus  bekannt  zu  werden  und  von  ihm
ein  Buch  gewidmet  zu  erhalten.  Doch  solle  der  Anschein  erweckt
werden,  als  habe  Erasmus  aus  eigenem  Antrieb  und  aus  Bewunderung ­
  für  Paumgartner  sich  zu  der  Widmung  entschlossen.
Zasius  teilte  Paumgartners  Begehren  am  6.  Februar  1532  dem
Erasmus  mit 2 ),  worauf  dieser  bereits  am  8.  Februar  an  den
Augsburger  Kaufherrn  schrieb  und  ihm  seinerseits  seine  Freundschaft ­
  anbot 3 ).  Schon  vor  zwei  Jahren,  als  er  einmal  bei  Zasius
zu  Gaste  gewesen,  schreibt  Erasmus,  und  von  dem  edlen  Wein
gekostet  habe,  den  Paumgartner  dem  Zasius  verehrt,  sei  er
begeistert  worden  für  den  Spender.  Inzwischen  habe
ihm  dann  Zasius  weiter  in  so  ehrenden  Worten  über  Paumgartner ­
  gesprochen,  dass  er  selbst  wünschen  müsse,  zu  ihm  in
nähere  Beziehung  zu  treten.  Auf  des  Zasius  Aufforderung
hin  habe  er  es  nun  gewagt,  an  Paumgartner  zu  schreiben.
Mit  Freuden  nahm  dieser  des  Erasmus  Brief  auf,  der  seiner
Eitelkeit  Genüge  tat,  und  er  war  eifrig  bedacht,  diese  berühmte
Freundschaft  zu  pflegen  und  zu  befestigen.  Er  erwiderte  den
Brief  und  fügte  als  Geschenk  ein  Stück  gediegenes  Gold  bei,
')  Allg.  deutsche  Biogr.  Bd.  44  S.  706.  Paumgartner  machte  auch
für  Joh.  Ulr.  Zasius  im  März  1547  den  Heiratsvermittler,  indem  er  ihn
mit  der  Tochter  des  Augsburger  Kaufherrn  Wolfgang  Neithart  zu  vermählen ­
  suchte.  R.  Stintzing  hat  1857  die  Briefe  des  jüngeren
Zasius  an  Bonifatius  Amerbach  herausgegeben.  In  Brief  2  weiht  Zasius
den  Freund  in  diese  Heiratsangelegenheit  ein.
2 )  Förstemann-Günther:  Briefe  an  Desiderius  Erasmus
(Beihefte  z.  Zentralbl.  f.  Bibliothekswesen  XXVII  S.  197).
3 )  Erasmi  opera  omnia  ed.  Clericus  T.  III  1430  F.
        <pb n="91" />
        88

was  den  Humanisten  zu  einem  feinsinnigen  Dankbrief  veranlasste
 1 ).  Den  zweiten  Wunsch  Paumgartners  erfüllte  Erasmus
am  i.  März  1533,  indem  er  ihm  einigeHomilien  desChrysostomus,
die  er  damals  herausgab,  zueignete.  In  der  Widmungsepistel
preist  er  Paumgartners  Liebe  zu  den  Wissenschaften  und  hebt
rühmend  hervor,  dass  er  ebenso  wie  Anton  Fugger  sein  Geld
recht  verwende.  Er  entschuldigt  sich,  dass  er  einem  Laien
ein  geistliches  Werk  widme,  weist  aber  auf  die  nahe  Fastenzeit
hin,  in  der  seinem  Freunde  vielleicht  solche  Lektüre  willkommen ­
  sei 2 ).  Paumgartner  sandte  hierauf  dem  Humanisten
einen  goldenen  Becher  als  Gegengeschenk 3 ).
Man  wird  es  den  Gelehrten  jener  Tage,  in  denen  Verlegerhonorare ­
  noch  nicht  üblich  waren,  nicht  zum  Vorwurf  machen
können,  wenn  sie  sich  bei  den  reichen  Kaufherren  in  Gunst  zu
setzen  suchten  und  in  der  Hoffnung  auf  reiche  Geschenke
ihnen  Weihrauch  streuten.  Spendeten  doch  jene  Mäzene  gern
von  ihrem  Reichtum  an  die  Humanisten,  die  dazu  beitrugen,
dass  ihre  Namen  bei  Mit-  und  Nachwelt  bekannt  wurden.  So
kargte  auch  Erasmus  nicht  mit  seinen  Lobeserhebungen  zum
Preis  der  Familie  Paumgartner.  Besonders  interessant  ist
nach  dieser  Richtung  sein  Brief  an  den  spanischen  Theologen
Johannes  Vergara  (19.  November  1533),  in  dem  er  diesen  mit
seinem  neuen  Augsburger  Freunde  bekannt  macht 4 ).  Erasmus
gedenkt  zunächst  des  Ablebens  Wilhelm  Warams,  des  Erzbischofs ­
  von  Canterbury,  dessen  Tod  ihn  tief  betroffen  habe.
Ueber  den  Verlust  dieses  Freundes  könne  ihn  nur  der  Gedanke
an  seinen  tüchtigen  Nachfolger  (Thomas  Cranmer)  und  der
Umstand  trösten,  dass  er  in  Augsburg  einige  Freunde  neu  ge-9

  Erasmi  opera  a.  a.  O.  1435  B.  Anspielend  auf  Paumgartners
Tiroler  Bergwerke  beginnt  Erasmus  den  Brief  mit  den  Worten:  Utinam
ex  ingenii  mei  vena  tarn  facile  aliquod  depromere  liceat,  vir  clarissime,
quam  tibi  proclive  est  e  terrae  venis  munus  nostra  dignum  amicitia.
2 )  Aliquot  Homiliae  Divi  Joannis  Chrysostomi,  ad  pietatem
summopere  conducibiles  nunc  primum  et  versae  et  editae  per  Erasmum
Roterodamum.  Basileae  1533.
3 )  Brief  des  Erasmus  an  Paumgartners  Sohn  Johann  Georg  vom
12.  Mai  1533.  Erasmi  opp.  III.  1469  A.
*)  Erasmi  opp.  III  1480  F.  Johannes  Vergara,  geb.  in  Toledo,
spanischer  Theologe,  den  Hadrian  VI.  als  Mitglied  der  Bibelübersetzungskommission ­
  wählte.  Zur  Vorgeschichte  dieses  Briefes  vgl.
Beihefte  z.  Zentralbl.  f.  Bibliothekswesen  XXVII  S.  239.
        <pb n="92" />
        89

wonnen  habe,  die  jene  Lücke  ausfüllen  würden,  nämlich  Christoph
von  Stadion,  den  Bischof  von  Augsburg,  Anton  Fugger  und  Hans
Paumgartner 1 ).  Mit  der  Persönlichkeit  des  letzteren  beschäftigt
sich  nun  der  ganze  weitere  Brief,  der  fast  den  Charakter  einer
kleinen  Abhandlung  annimmt.  Um  seinem  Freunde  in  Spanien
ein  klares  Bild  von  dem  berühmten  Augsburger  Kaufmann  zu
geben,  schildert  er  eingehend  dessen  Verdienste  um  den  Kaiser
und  verweilt  dann  bei  der  Darlegung  der  Familienverhältnisse
Paumgartners.  Wie  Zasius,  rühmt  auch  er  die  sorgfältige  Erziehung, ­
  die  Paumgartner  seinen  Söhnen  angedeihen  liess 2 )
und  kommt  dann  auf  die  Gütererwerbungen  zu  sprechen,
worauf  der  Schluss  des  Briefes  in  einen  Panegyricus  auf  Paumgartners ­
  Tugenden  ausläuft:  „Abundat  Germania  magnis  et
excellentibus  viris,  sed  utinam  quam  plurimos  haberet  Paumgartnero
  pares  .  .  .  Felix  Germania  tali  heroe;  Felix  ego
tali  amico,  quo  cum  mihi  sunt  omnia  communia“ 3 ).  Trotz
solcher  begeisterten  Worte  kam  es  wohl  nie  zu  einer  persönlichen ­
  Bekanntschaft  der  beiden  Männer.  Am  26.  Oktober  1533
hatte  Erasmus  dem  Hans  Paumgartner  zum  Erwerb  von  Erbach
gratuliert,  worauf  ihm  dieser  in  einem  Dankbrief  (28.  November
I 533)  die  Zusendung  eines  Geschenkes  in  Aussicht  stellte 4 ).
Ende  Januar  1534  liess  dann  Paumgartners  Sekretär  Gering
im  Aufträge  seines  Herrn  an  den  Humanisten  eine  Sendung
Wein  abgehen 6 ).  Der  letzte  Brief  Paumgartners  an  Erasmus
berührte  nochmals  den  Namen  des  verstorbenen  Zasius 6 ).
Paumgartner  teilte  hierin  (25.  Juni  1536)  dem  Humanisten  mit,
dass  er  den  Sohn  des  Zasius  auf  seine  Kosten  studieren  lasse,  da
er  seine  Freunde  nicht  nur  zu  ihren  Lebzeiten,  sondern  auch  noch
über  den  Tod  hinaus  zu  ehren  pflege.  Die  allernächste  Zukunft  gab
diesen  Versicherungen  Paumgartners  noch  eine  besondere  Bedeutung, ­
  denn  bereits  am  12.  Juli  1536  starb  auch  Erasmus.
*)  Derselbe  Gedanke  kehrt  wieder  in  einer  Widmung  des  Erasmus
an  Christoph  von  Stadion,  mit  der  er  diesem  im  Jahre  1535  seinen  ,,Ecclesiastes"
  übersandte.
2 )  Näheres  siehe  u.  S.  101  ff.  Irrigerweise  nennt  Erasmus  hier
Paumgartners  jüngsten  Sohn  Daniel  statt  David.
3 )  Erasmi  opp.  III  1484.
4 )  Beihefte  zum  Zentralbl.  f.  Bibliothekswesen  XXVII  S.  230.
6 )  Ebenda  S.  237.  Noch  ein  zweites  Mal  (29.  Januar  1535)  erfreute
Paumgartner  den  Erasmus  mit  einer  Sendung  Wein.  Ebenda  S.  257.
*)  Erasmi  opp.  III  1773  B.
        <pb n="93" />
        90

Die  Erziehung  seiner  Söhne  brachte  Paumgartner  in  der
Folge  noch  in  Verbindung  mit  verschiedenen  anderen  Gelehrten,
so  mit  Alciatus,  Viglius  von  Zwichem  u.  a.  Für  sie  alle  stand
sein  gastliches  Haus,  wenn  sie  nach  Augsburg  kamen,  offen,
und  keiner  verliess  es,  der  nicht  dort  reich  bewirtet  und  beschenkt ­
  worden  wäre.

f)  Hans  Paumgartners  Anteil  an  der  hohen  Politik 1 ).
Das  Jahrzehnt  von  1530  bis  1540  hatte  unserer  Familie
eine  Reihe  glänzender  Erfolge  gebracht.  Eine  stattliche  Anzahl
von  Gütern  nannte  sie  jetzt  ihr  eigen,  unter  denen  Hohenschwangau ­
  als  besonderes  Kleinod  glänzte.  Die  Reihe  wichtiger ­
  Privilegien,  die  sie  nacheinander  vom  Kaiser  erlangt
hatte,  fand  ihren  krönenden  Abschluss  im  Jahre  1543  durch
die  Erhebung  in  den  Freiherrnstand.  Die  Geldgeschäfte,  die
Hans  Paumgartner  mit  den  Habsburgern  abschloss,  führten
ihn  häufig  an  den  Wiener  Hof,  wo  er  auch  Gelegenheit  hatte,
die  Bekanntschaft  der  staatsmännischen  Persönlichkeiten  seiner
Zeit  zu  machen.  Die  kaufmännische  Tätigkeit  zwang  ihn,  der
Entwicklung  der  politischen  Verhältnisse  Europas  sein  Augenmerk ­
  zuzuwenden.  Seine  Vertreter  an  allen  bedeutenderen  Plätzen
hielten  ihn  stets  über  die  wichtigeren  Vorgänge  auf  dem  laufenden, ­
  so  dass  er  oft  rascher  mit  den  Ereignissen  bekannt
wurde  als  selbst  die  leitenden  Staatsmänner.  Kein  Wunder,
wenn  er  daher  jetzt,  nachdem  er  die  Zukunft  seiner  Familie
gesichert  sah,  seine  einflussreiche  Stellung  dazu  benützte,  um
mithandelnd  in  die  Politik  einzugreifen  und  auf  den  Gang  der
Ereignisse  in  seinem  Sinne  einzuwirken.  Die  nähere  Veranlassung ­
  dazu  gaben  ihm  die  Vorgänge  in  seiner  Vaterstadt
Augsburg.
Wie  Hans  Paumgartner  d.  Ae.,  hatte  sich  auch  sein  Sohn
gemäss  der  Augsburger  Verfassung  an  die  Kaufleutezunft  anschliessen
  müssen,  in  der  er  von  1520  bis  1536  als  Zwölfer  tätig
war 2 ).  Höhere  Aemter  bekleidete  er  niemals,  um  nicht  in
l )  Die  Grundlage  für  die  folgende  Darstellung  bildet  Friedrich
Roths  ausgezeichnetes  vierbändiges  Werk:  Augsburgs  Reformationsgeschichte.
  München  1901  ff.
a )  Augsburg,  Stadtarchiv:  Zunftbuch  der  Kaufleute.
        <pb n="94" />
        seinem  kaufmännischen  Beruf  behindert  zu  sein.  Wie  für
Jacob  und  Anton  Fugger,  war  auch  für  ihn  die  Handelsmetropole
Augsburg  vor  allem  der  günstigste  Platz  zur  Ausübung  seiner
Geschäfte.  Besondere  Liebe  zu  seiner  Vaterstadt  dürfen  wir
bei  ihm  nicht  suchen.  Gesellschaftlich  gehörte  er  mit  seiner
Familie,  wie  wir  schon  erwähnten,  zu  den  ,,Mehrern,“  die  mit
dem  Patriziat  in  naher  Verbindung  standen.  Als  dann  1538  neue
Familien  ins  Patriziat  aufgenommen  wurden,  gehörten  auch
die  Paumgartner  zu  den  Auserwählten 1 ).
Die  Familie  war  so  äusserlich  in  der  Stadt  geehrt,  aber
innerlich  mit  ihr  zerfallen.  Die  Augsburger  Bürger  hassten
die  „grossen  Hansen“,  in  denen  sie  nur  Wucherer  sahen,  die
durch  ihre  Monopole  die  Lebensmittel  verteuerten  und  sich  so
auf  Kosten  der  kleinen  Leute  bereicherten.  Anderseits  war
den  Grosskaufleuten  das  zünftische  Regiment  ein  Greuel.
Dazu  kam  dann  noch  besonders  die  Art,  wie  man  sich  in  Augsburg ­
  zur  Hauptfrage  der  Zeit,  der  religiösen,  stellte.  Von
Anfang  an  war  die  Stadt  der  neuen  Lehre  zugetan  gewesen.  Die
Paumgartner  jedoch  blieben,  wie  die  meisten  andern  Grosskaufleute, ­
  katholisch,  da  sie  als  Besitzende  an  sich  schon  einer
konservativen  Anschauung  huldigten.  Auch  fanden  sie  für  ihre
Handelsinteressen  auf  katholischer  Seite  damals  mehr  Verständnis ­
  als  bei  den  Reformatoren,  die  bekanntlich  den  Kaufleuten ­
  nicht  gewogen  waren 2 ).  Endlich  fielen  für  ihre  Haltung
auch  noch  die  nahen  Beziehungen  ins  Gewicht,  die  sie  zu  den
Habsburgern,  der  katholischen  Vormacht  Deutschlands,  hatten.
Die  religiöse  Bewegung  hatte  in  Augsburg  somit  ihren
hauptsächlichsten  Rückhalt  in  den  Zünften,  also  mehr  bei
den  Handwerkern  und  kleinen  Leuten,  die  auch  vor  gewalttätigem ­
  Vorgehen  bei  der  Einführung  der  Reformation  nicht
zurückgeschreckt  waren.  Als  dann  vollends  im  Jahre  1537
der  Rat  durch  Vertreibung  des  Bischofs  und  der  katholischen
*)  Ihre  einstige  Zugehörigkeit  zum  Nürnberger  Patriziat  und  die
Tatsache,  dass  sie  schon  seit  50  Jahren  in  Augsburg  zu  den  Herrengeschlechtern ­
  geheiratet,  machte  ihre  Aufnahme  möglich.  Vgl.  Dir  r:
Kaufleutezunft  und  Kaufleutestube  in  Augsburg  zur  Zeit  des  Zunftregiments ­
  (1368—1548),  in:  Ztschr.  d.  Hist.Ver.  f.  Schw.  u.  Nbg.  35  S.  138  ff.
—  Derselbe:  Zur  Gesch.  der  Augsb.  Zunftverfassung:  Ebenda,  Bd.  39.
2 )  Luther  bekämpfte  bekanntlich  in  seiner  Schrift:  Von  Kauffs-'
handlung  und  Wucher,  Wittenberg  1524,  das  Zinsnehmen  und  die
Monopolien  der  Kaufleute  aufs  schärfste.
        <pb n="95" />
        92

Geistlichkeit  das  Papsttum  in  der  Stadt  ausrottete  und  den
katholischen  Kultus  verbot,  musste  dies  den  streng  katholischen
Paumgartner  besonders  erbittern.  Er  hielt  sich  seitdem  häufig
von  der  Stadt  fern,  begab  sich  an  den  Hof  des  Kaisers  oder
lebte  auf  seinen  Schlössern.  Sein  Bestreben  ging  dahin,  dem
Katholizismus  und  der  kaiserlichen  Partei  in  Augsburg  wieder
zum  Siege  zu  verhelfen.  In  diesem  Sinne  griff  er  seit  dem
Jahre  1539  aktiv  in  die  Politik  ein.
In  der  Periode  von  1530  bis  .1544  suchten  Karl  V.  und
Ferdinand  auf  friedlichem  Wege  die  Parteien  wieder  zu  vereinigen ­
  und  die  Protestanten  zur  alten  Lehre  zurückzuführen.
Das  Konzil  und  die  in  Deutschland  abgehaltenen  Religionsgespräche ­
  zu  Hagenau,  Worms  und  Regensburg  sind  verschiedene ­
  Versuche  gewesen,  eine  solche  friedliche  Einigung
zu  erzielen.  Auch  mit  Augsburg  stand  der  Minister  Karls  V.,
Granvella,  in  Unterhandlungen,  die  in  seinem  Namen  Hans
Paumgartner  führte 1 ).  Dieser  suchte  den  ihm  befreundeten
Bürgermeister  Wolfgang  Rehlinger  für  sich  zu  gewinnen,  der
seit  1533  die  Fäden  der  städtischen  Politik  in  seiner  Hand
vereinigte 1 ).  Obwohl  Lutheraner,  glaubte  Rehlinger  doch  eine
kaiserfreundliche  Politik  treiben  zu  können.  Seine  dahingehenden ­
  Bestrebungen  fanden  aber  in  der  Stadt,  die  seit  1536
dem  Schmalkaldischen  Bund  angehörte,  keinen  Anklang  und
man  verübelte  ihm  besonders  seine  häufigen  Unterredungen
mit  Paumgartner,  in  dem  man  schon  längst  einen  Feind  und
Verräter  der  städtischen  Interessen  zu  sehen  glaubte.  Paumgartner ­
  berichtete  über  die  mit  Rehlinger  geführten  Unterhandlungen ­
  im  Jahre  1540  mehrmals  an  Granvella  und  an  den
an  Heids  Stelle  getretenen  Vizekanzler  Karls  V.,  Johann
von  Weeze,  Erzbischof  von  Lund.  Karl  V.  sandte  dann  Paumgartners
  Berichte  an  seinen  Bruder  Ferdinand  zur  Begutachtung ­
 2 ).  Dieser,  der  die  Beziehungen  des  Kaufmanns  zu
Frankreich  kannte,  zweifelte,  wohl  ohne  Grund,  an  Paumgartners
  Aufrichtigkeit  und  seiner  katholischen  Gesinnung

*)  Roth  a.  a.  O.  III  S.  20.  Ueber  Wolfgang  Rehlinger  vgl.
Roth  II  S.  150  ff.  und  III  S.  45  ff.
2 )  Nuntiaturberichte  aus  Deutschland  nebst  ergänzenden  Aktenstücken ­
  1.  Abt.  5.U.  6.Bd.,  im  Aufträge  des  Kgl.  PreussischenHistorischen
Instituts  in  Rom  bearb.  v.  Ludwig  Cardauns,  Bd.  6  S.  320,  326,
328  ff.  und  Einleitung  S.  XC  Anm.  3.
        <pb n="96" />
        93

und  hatte  auch  sonst  Bedenken  gegen  seine  Vorschläge 1 ).  Er
schrieb  daher  an  Karl  V.  zurück,  dass  er  Paumgartners  Sohn
Johann  Georg,  der  in  Geldgeschäften  bei  ihm  gewesen  sei,
aufgetragen  habe,  mit  seinem  Vater  zu  sprechen  und  ihm  des
Königs  Bedenken  vorzutragen.
Im  November  1540  weilte  Hans  Paumgartner  selbst  am
Wiener  Hof,  wo  er  mit  dem  Sekretär  des  päpstlichen  Nuntius
in  Wien,  Confallonero,  ein  interessantes  Gespräch  führte,  über
das  dieser  seinem  Herrn  berichtet 2 ).  Die  Unterhaltung  drehte
sich  um  die  Religionsgespräche,  wobei  Paumgartner  die  Ansicht ­
  äusserte,  man  müsse  besonders  darauf  sehen,  dass  Melanchthon
  dabei  ausgeschaltet  werde,  da  dieser  der  Unnachgiebigste ­
  von  allen  Gelehrten  sei.  Er  sei  auch  schuld  gewesen,
dass  in  Augsburg  (1530)  und  in  Regensburg  (1532)  keine  Einigung ­
  zustande  kam  —  eine  recht  eigenartige  Ansicht  über  den
Reformator,  den  man  sonst  als  den  Versöhnlichsten  anzusehen
gewohnt  ist.  Es  zeigt  von  einem  geringen  Verständnis  für  die
religiösen  Probleme,  welche  die  Zeit  bewegten,  ist  aber  charakteristisch ­
  für  den  Kaufmann,  wenn  er  bald  darauf  (am
26.  Januar  1541)  zu  Confallonero  die  Ansicht  äusserte,  man
solle  versuchen,  Melanchthon  und  Buzer  durch  Bestechung  zu
gewinnen 3 ).  Paumgartner  betonte  seine  Ergebenheit  gegen
den  römischen  Stuhl  und  bot  seine  Dienste  an,  wenn  man  die
genannten  Reformatoren  durch  Geldgeschenke  zur  Ruhe  und
Unterwerfung  bringen  wolle.  Die  Vermittlung  könnte  am
besten  sein  Verwandter  Rehlinger  übernehmen,  auf  den  Melanchthon ­
  grosse  Stücke  halte.  Der  Vertreter  des  Papstes  zeigte
sich  jedoch  charaktervoller  als  der  Kaufmann  und  wies  mit
vornehmer  Entrüstung  dieses  Projekt  als  der  Kurie  unwürdig
zurück.  Jene  seien,  so  entgegnete  er  dem  Kaufmann,  schon
so  lange  hartnäckig  auf  ihrer  Meinung  bestanden,  dass  eine
Bekehrung  wohl  nicht  zu  erwarten  sei.  Und  wenn  sie  wirklich
in  den  Schoss  der  Kirche  zurückkehrten,  so  müssten  sie  es  um
der  Wahrheit  und  ihres  Seelenheils  willen  tun,  sonst  seien  sie
charakterlose  Menschen,  mit  denen  der  Papst  und  seine  Diener
*)  Es  ist  die  schon  oben  S.  71  angeführte  Stelle:  Nuntiaturberichte
a.  a.  O.  S.  328.
2 )  Nuntiaturberichte  a.  a.  O.  S.  203  ff.  (6.  Bd.).
3 )  Ebenda  S.  227.  Von  anderen  Bestechungsversuchen,  die  natürlich ­
  auch  keinen  Erfolg  hatten,  erzählt  Roth  Bd.  II  S.  39  u.  164.
        <pb n="97" />
        94

nichts  zu  tun  haben  wollten 1 ).  Es  war  dies  die  rechte  Antwort
auf  ein  solches  unwürdiges  Ansinnen,  das  eben  nur  der  Ausdruck ­
  war  einer  materiell  gerichteten  Weltanschauung,  die
nichts  Höheres  als  das  Geld  kannte.
Auf  dem  Reichstage  zu  Regensburg  (März  bis  Juli  1541) 2 )
drang  Paumgartner  dann  weiter  in  Rehlinger,  um  ihn  auf  die
Seite  des  Kaisers  zu  ziehen.  Auch  auf  die  anderen  Vertreter
Augsburgs,  Gereon  Sailer  und  den  Stadtschreiber  Fröhlich,
suchte  er  einzuwirken 3 ).  Sailers  und  Fröhlichs  Berichte  sind
voll  Aerger  und  Klagen  über  diese  Praktiken  Paumgartners,
„der  ein  ärgerer  Feind  des  Evangeliums  sei  als  alle  Bischöfe  in
Deutschland“.  Der  Stadtschreiber  wurde  sogar  verdächtigt,
dass  er  sich  durch  Paumgartnersches  Geld  habe  bestechen
lassen 4 ).  Mit  Misstrauen  verfolgten  die  Augsburger  Rehlingers
Verhalten,  der,  wie  sie  glaubten,  durch  Paumgartner  schon
ganz  für  den  Kaiser  gewonnen  sei  und  eine  der  Stadt  feindselige ­
  Politik  treibe.  Man  tat  damit  diesem,  wie  Roth  auseinandersetzt, ­
  wohl  unrecht.  Der  beständigen  Verdächtigungen
überdrüssig,  sagte  Rehlinger,  der  ein  überzeugter  Lutheraner
war  und  zugleich  gut  kaiserlich  gesinnt  sein  wollte,  das  Bürgerrecht ­
  in  Augsburg  auf  (20.  Dezember  1543)  und  siedelte  nach
Strassburg  über 5 ).  Weil  er  eine  kaisertreue  Politik  im  Interesse
seiner  Vaterstadt  gelegen  hielt  und  bei  Paumgartner  darin

*)  Nuntiaturberichte  Bd.  6  S.  228.  Das  Gespräch  Paumgartners
mit  Confallonero  ist  zum  Teil  wörtlich  von  letzterem  wiedergegeben
worden  in  seinem  Bericht  an  Morone.
2 )  Auf  diesem  Reichstage  war  bekanntlich  als  päpstlicher  Legat
Contarini  anwesend,  für  den  Paumgartner  Geld  aus  Venedig  übermittelte. ­
  (Fr.  Dittrich:  Regesten  u.  Briefe  des  Kardinals  Gasparo
Contarini  1483—1542,  Braunsbg.  1881,  S.  167  Regest.  Nr.  665.)
3 )  Ueber  diese  beiden  in  der  Augsburger  Geschichte  in  jener  Zeit
bedeutungsvoll  hervortretenden  Männer  vgl.  R  o  t  h  a.  a.  O.  III.  S.  4
mit  den  Anmerkungen.
l )  So  schreibt  Sailer  am  19.  August  1543  an  den  Landgrafen  Philipp
von  Hessen  (Lenz:  Briefwechsel  Landgraf  Philipps  d.  Grossmütigen  von
Hessen  mit  Bucer,  3.  Teil,  Leipzig  1891,  in:  Publikationen  aus  den
Kgl.  Preussischen  Staatsarchiven  Bd.  47  S.  316):  So  pefind  ich  aber,
das  ime  (dem  Stadtschreiber)  das  geld  so  lieb  ist,  das  er  auch  von  desselben ­
  wegen  thuet,  was  man  an  inemuet;  sorg  gentzlich  erhab  durch  den
Rochlinger  und  aus  des  Paumgartners  seckel  ain  kefer  geschlickht,  der
in  anderst  mache  dann  er  sein  sulle.
6 )  Roth  III,  S.  216  ff.
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        95

Unterstützung  fand,  war  er  auf  dessen  Ideen  eingegangen;  in
religiösen  Fragen  ging  er  ganz  andere  Wege  als  jener,  der  gewiss
nicht  richtig  urteilt,  wenn  er  von  Rehlinger  sagt:  „quäl  e  tenuto
per  gran  Lutherano  et  nondimeno  nel  core  e  bon  catholico“ 1 ).
Paumgartner  hatte,  wie  wir  gesehen,  Rehlinger  nicht  für
die  katholische  Sache  gewinnen  können,  ebensowenig  hatte
er  Erfolg  mit  seinem  Bestreben,  den  Landgrafen  von  Hessen
und  Schertlin  von  Burtenbach  auf  die  Seite  des  Kaisers  zu  ziehen.
Schon  auf  dem  Reichstag  zu  Regensburg  hatten  sich  dahingehende ­
  Verhandlungen,  abgespielt  und  Philipp  von  Hessen
hatte  damals  wirklich  eine  Annäherung  an  Karl  V.  gesucht
und  einen  Vertrag  abgeschlossen,  der  aber  nur  politische  Dinge
berührte.  Damals  war  Granvella  an  Philipp  auch  schon  mit
der  Aufforderung  herangetreten,  er  solle  den  Kaiser  in  dem
Kriege  gegen  Jülich  unterstützen 2 ).  Als  dann  1543  der  Kaiser
gegen  Jülich  und  Frankreich  rüstete,  wurden  diese  Bemühungen
fortgesetzt.  Am  21.  Januar  1543  kam  Granvella  nach  Augsburg
und  suchte  zusammen  mit  Paumgartner  auf  Schertlin  von  Burtenbach, ­
  den  Vertrauten  Philipps,  einzuwirken.  Nach  der  Abreise
Granvellas  fuhr  Paumgartner  allein  fort,  Schertlin  zu  bearbeiten,
bis  dann  im  Mai  Granvella  und  der  kaiserliche  Rat  Liera  nach
Schluss  des  Nürnberger  Reichstages  wieder  nach  Augsburg
Zurückkehrten.  Mit  vereinten  Kräften  drangen  nun  Paumgartner, ­
  Granvella  und  Liera  in  Schertlin  und  Gereon  Sailer.
Man  liess  es  an  Versprechungen  nicht  fehlen  und  Paumgartner
sparte  auch  sein  Geld  nicht,  um  Philipp  von  Hessens  Augsburger ­
  Freunde  zum  Anschluss  an  den  Kaiser  zu  bewegen.
Wir  sind  durch  Sailers  Briefe  an  Philipp  aufs  genaueste  unterrichtet ­
  über  alle  diese  Versuche  der  Kaiserlichen 3 ).  Wir  können
hier  aber  nicht  näher  auf  diese  kleinliche,  von  gegenseitiger
Gehässigkeit  diktierte  Politik  eingehen,  wo  einer  den  andern
auszuhorchen  suchte  und  die  Erbitterung  dadurch  noch  gel
 )  Auch  gegen  den  in  Strassburg  weilenden  Rehlinger  setzte  Sailer
seine  Verdächtigungen  fort,  dass  er  in  städtefeindlichem  Sinne  agitiere.
L  e  n  z  a.  a.  O.  S.  415:  Her  Jacoben  Sturm  acht  ich  für  ain  pidermann,  der
sich  nit  lass  corrumpieren:  das  sorg  ich  aber,  das  Paumgartner  und  der
Rochlinger  zu  straspurg  ander  leut  mochten  corrumpieren,  die  fuleucht
in  ainer  reputation  pei  her  Jacoben  weren  und  alsdann  her  Jacoben
verfierten.
')  Len*  a.  a.  O.  S.  87  u.  256.
3 )  L  e  n  z  a.  a.  O.  S.  261—264,  294,  298  u.  316;  Roth  III,  S.  92  ff.
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        g6

steigert  wurde,  weil  man  im  politischen  Widersacher  auch  den
religiösen  Gegner  bekämpfte.  Besonders  schlecht  ist  Sailer
auf  Paumgartner  zu  sprechen,  der  „mit  seinen  gülden  spies"
viele  anrenne  und  bei  manchem  auch  Erfolg  habe  mit  seinen
Bestechungsversuchen 1 ).  Der  Einfluss,  den  Paumgartner  in
den  engen  Grenzen  dieser  Politik  als  Vertrauter  Granvellas
ausübte,  war  nicht  unbedeutend.  „Aus  dem  Paumgartner
handele  Granvella  Alles  in  Deutschland;  der  sage  ihm,  wie  mit
dem  wie  mit  jenem  zu  handeln  sei,“  schreibt  Sailer  am  28.  Dezember ­
  1543  an  Philipp  von  Hessen 2 ).  Wenn  unser  Kaufmann,
den  Karl  V.  am  27.  Juli  1541  zu  seinem  Rat  ernannt  hatte,
trotz  dieses  Eifers  nichts  erreichte,  so  lag  dies  weniger  an  ihm,
als  an  der  politischen  Lage.  Die  Gegensätze  der  Parteien
hatten  sich  so  verschärft,  dass  schliesslich  nur  die  Waffen
entscheiden  konnten.
Der  Kaiser  war  ja  längst  zum  Krieg  entschlossen,  in  dem
er  die  ungehorsamen  Fürsten,  voran  Philipp  von  Hessen,
demütigen  und  zur  Pflicht  zurückführen  wollte.  Er  hatte  im
Jahre  1544  mit  Frankreich  Frieden  geschlossen,  Ferdinand
die  Türken  zu  einem  Waffenstillstand  vermocht,  auch  mit  dem
Papst  kam  ein  Bündnis  zustande.  Mit  den  oberdeutschen
Städten  wurden  noch  bis  zuletzt  Verhandlungen  gepflogen,
um  sie  zum  Anschluss  an  die  kaiserliche  Sache  zu  bewegen.
Hans  Paumgartner  und  sein  Sohn  David  waren  dabei  als  Vermittler ­
  tätig.  Sailer  berichtet  am  15.  Dezember  1545  ausführlich, ­
  wie  er  mit  Paumgartner,  der  ihn  habe  rufen  lassen,
eine  Unterredung  gehabt  habe,  wobei  letzterer  unter  Hinweis
auf  die  geringe  Einigkeit  und  die  schwachen  Rüstungen  der
Protestanten  versucht  habe,  ihn  an  dem  schmalkaldischen
Bündnis  irre  zu  machen 3 ).  Sailer  zeigte  den  Fragen  Paumgartners
  gegenüber  grosse  Zurückhaltung,  da  er  überzeugt
war,  dass  man  ihn  nur  ausforschen  wollte.  Noch  im  Juni  1546,
kurz  vor  Ausbruch  der  Feindseligkeiten,  machten  Granvella
und  Paumgartner  einen  letzten  Versuch,  die  Städte  einzufangen ­
 4 ).  Doch  diese  waren  zum  Widerstand  bereit.  Die  Handelsstadt ­
  Augsburg,  wo  der  reiche  Jacob  Herbrot  die  Zügel  der
‘)  Lenz  a.  a.  O,  S.  316.
2 )  Ebenda  S.  340  in  der  Anmerkung.
3 )  Ebenda  S.  380.
4 )  Roth  III  S.  344.
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        97

~/

Regierung  in  Händen  hatte,  war  in  einer  besonders  schwierigen
Lage.  Hatte  man  doch  nicht  nur  den  Kaiser  zum  Gegner.
Auch  von  den  eigenen  Bürgern  hielten  gerade  die  reichen  und
vornehmen  zur  feindlichen  Partei  und  unterstützten  diese  mit
ihren  Kapitalien.  Gegen  Paumgartner,  einen  der  Führer  dieser
Opposition,  richtete  sich  der  Hass  der  Bürger  am  meisten.
Denn  er  streckte  wie  Anton  Fugger  dem  Kaiser  die  Mittel  zur
Kriegführung  vor  und  begab  sich  bei  Ausbruch  des  Krieges
sofort  ins  Lager  des  Kaisers.  Auch  die  anderen  Kaufleute,
soweit  sie  katholisch  waren,  verliessen  die  Stadt 1 ).  Gross  war
die  Empörung  über  diese  Verräter.  Während  sich  aber  die
andern  wenigstens  durch  eine  Geldzahlung  an  die  Stadt  die
Erlaubnis  zum  Fernbleiben  erkauften,  Hess  sich  Paumgartner
dazu  nicht  herbei 2 ).  Er  trotzte  im  Vertrauen  auf  den  Kaiser,
der  ihm  und  den  Manlich  am  6.  Juli  einen  Schutzbrief  ausstellte, ­
  der  am  n.  und  13.  Juli  noch  erweitert  wurde 3 ).  Weil
Paumgartner  sich  den  Ungehorsamen  nicht  angeschlossen  habe,
so  solle  er  auch  „derselben  Empörung  genntzlich  nichts  zu
entgelten  haben“.  Da  er  und  seine  Söhne  aber  der  Stadt  Augsburg ­
  mit  Aidpflichten  und  Bürgerrecht  verbunden  seien  und
die  Stadt  sich  ganz  freventlich  in  Kiiegsrüstungen  eingelassen,
so  sagt  der  Kaiser  die  Paumgartner  kraft  seiner  kaiserlichen
Rechte  von  den  genannten  Pflichten  und  Eiden  los  und  verbietet ­
  bei  einer  Strafe  von  50  M  lötigen  Goldes,  dass  Paumgartners
  Güter  angegriffen  würden.  Die  Augsburger  waren
aber  nicht  gewillt,  die  Verletzung  der  Rechte  der  Stadt  zu
dulden.  Mehrmals  erging  an  Paumgartner  die  Aufforderung,
er  solle  in  die  Stadt  zurückkehren  und  sich  verantworten.  Dieser
entschuldigte  sich  (am  6.  und  9.  August)  mit  dringenden  Geschäften ­
  und  wies,  auf  eine  neue  Mahnung  des  Rats  hin,  in
gereizten  Worten  alle  weiteren  Zumutungen  an  ihn  zurück  und
bat,  man  solle  ihn  fernerhin  unbehelligt  lassen 4 ).  Nun  ging  die
Stadt  zu  Taten  über.  Sie  liess  Paumgartners  Güter  zu  Konzen-1
 )  Ueber  das  Verhalten  der  Kaufleute  und  kaiserlich  Gesinnten  in
der  Stadt  siehe  Roth  III  S.  360—362.
2 )  RothS.  362.  Ausser  den  von  Roth  benützten  Akten  im  Augsburger ­
  Stadtarchiv  (bes.  die  Litteraliensammlung)  hat  sich  weiteres
Material  nicht  auffinden  lassen.
3 )  Familienkodex  fol.  58  a—60  b.
4 )  Augsburger,  Stadtarchiv:  Litteraliensammlung6.  u.  9.  Aug.  1546.
Die  Schreiben  Paumgartners  sind  von  München  datiert.
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        9 8

berg  und  Baumgarten  besetzen,  an  den  Schlössern  das  Wappen
der  Stadt  anschlagen  und  später  auch  seine  Häuser  in  der
Stadt  versiegeln 1 ).  Seine  Briefschaften  wurden  aufgefangen  und
vom  Rat  geöffnet.  Die  Augsburger  glaubten  sich  berechtigt,  in
dieser  Weise  gegen  ihren  ungehorsamen  Bürger  vorzugehen,  riefen
aber  dadurch  dessen  Erbitterung  im  höchsten  Grade  hervor.
Der  Gang  der  Kriegsereignisse  ist  zu  bekannt,  als  dass
hier  darauf  eingegangen  zu  werden  brauchte.  Die  Uneinigkeit
in  der  Kriegführung  der  Schmalkaldener  ermöglichte  es  dem
Kaiser,  Erfolge  zu  erzielen,  die  den  Städten  weiteren  Widerstand ­
  gefährlich  erscheinen  liessen.  Eine  der  ersten,  die  sich
unterwarf,  war  Ulm.  Mit  ihr  hatten  Hans  Paumgartner  und  sein
Sohn  David  die  Unterhandlungen  geführt,  die  am  22.  Dezember
1546  mit  der  Unterwerfung  der  Stadt  ihren  Abschluss  fanden 2 ).
Die  übrigen  ober  deutschen  Städte  folgten  dem  Beispiel  Ulms 3 ).
Nur  Augsburg  nahm  Paumgartner  bei  seiner  Friedensvermittlung
  aus.  Er  wollte  die  Stadt  wohl  von  den  andern  trennen,
und  es  ihr  so  erschweren,  die  Gnade  des  Kaisers  zu  erlangen 4 ).
Während  sich  dann  im  Januar  1547,  als  auch  an  Augsburg  die
Frage  der  Unterwerfung  herantrat,  Anton  Fugger  in  selbstloser ­
  und  aufopfernder  Weise  um  seine  Vaterstadt  annahm,
stand  Paumgartner  grollend  beiseite  und  tat  nichts,  um  ihre
schwierige  Lage  zu  erleichtern  und  den  zürnenden  Kaiser  zu
versöhnen 5  6 ).  Er  gönnte  vielmehr  der  Stadt  ihre  Demütigung.

l )  Augsburger  Stadtarchiv:  Litteraliensammlung  20.  August,
21.  August.  Am  26.  August  teilte  Matthäus  Langenmantel  dem  Rat  in
Augsburg  mit,  dass  sich  Fugger,  Paumgartner  und  Welser  zu  Ingolstadt
aufhalten.
*)  Irrigerweise  hält  Ranke:  Deutsche  Geschichte  im  Zeitalter
der  Reformation  (Sämtliche  Werke  4.  Bd.  S.  333)  die  Paumgartner
für  geborene  Ulmer.  Bereits  Gutzkow  in  dem  erwähnten  Roman  Hohenschwangau ­
  Bd.  s  S.  460  hat  den  Sachverhalt  richtiggestellt.
3 )  Auch  bei  der  Unterwerfung  der  andern  oberdeutschen  Städte
war  Paumgartner  beteiligt.  Wegen  Konstanz  siehe  z.  B.  Briefwechsel
der  Gebrüder  Blaurer.  Hrsg,  von  der  Bad.  Hist.  Kommission,  Freiburg
i.  Br.  Bd.  II  S.  558,  1908  ff.
*)  A.  v.  D  r  u  f  f  e  1:  Des  Viglius  v.  Zwichem  Tagebuch  des  Schmalkaldischen
  Donaukriegs,  München  1877  S.  238  wird  erzählt,  wie  Paumgartner ­
  darauf  ausging,  Augsburg  von  den  Verhandlungen  auszuschliessen.
6 )  Anton  Fuggers  Haltung  geht  am  deutlichsten  hervor  aus  den
Briefen,  die  er  an  Herbrot  richtete.  (Ztschr.  d.  Hist.  Ver.  f.  Schw.  u.  Nbg.
I  S.  260  ff.)
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        99

Hart  genug  fiel  die  Strafe  aus.  Unter  den  vielen  schweren
Bedingungen,  welche  der  Stadt  auferlegt  wurden,  war  wohl  die
schmerzlichste,  dass  man  den  wackeren  Streiter  für  die  Sache
des  Protestantismus,  Schertlin  von  Burtenbach,  preisgeben
musste.
Während  der  Kaiser  dann  nach  dem  Norden  zog,  um  den
Kurfürsten  von  Sachsen,  Johann  Friedrich,  zu  demütigen,
kehrte  Paumgartner  nach  Augsburg  zurück  und  machte  Entschädigungsansprüche ­
  an  die  Stadt  wegen  der  Wegnahme
seiner  Güter  und  „anderer  zugefügten  Schmach  und  Schäden
halber“.  Er,  der  reiche  Kaufherr,  forderte  von  der  an  sich
schon  schwer  gebrandschatzten  Stadt  6000  fl  und  wandte  sich
in  einer  Supplikation  an  den  Kaiser,  der  hierauf  eine  Kommission
zur  Untersuchung  der  Klagen  einsetzte.  „Dieselb  clag  und  die
vorige  suplication“,  schreibt  der  Chronist  Langenmantel,,,  [waren]
warlich  dergestalt  gestellt,  dass  sie  ainem  eerliebenden,  erbern
und  redlichen  burgersmann,  der  seine  bürgerliche  aid  alle  jar
geschworen  und  ein  unerlassner  burger  noch  ist,  nit  wol  gezimbt
und  seiner  aidspflicht  zue  nah  und  nit  wol  verantwurtlich.“
Schliesslich  stand  Paumgartner  von  seiner  Geldforderung  ab
und  begnügte  sich  mit  einigen  Zugeständnissen.  „Das  seind
fürwar  frembd  hendel,  die  vor  erbern  leuthen  seltzam  zue
hören  seind,“  meint  der  genannte  Chronist 1 ).  Und  in  der  Tat
erscheint  das  Benehmen  Paumgartners  gegen  die  Stadt,  besonders ­
  wenn  man  es  mit  der  Haltung  Anton  Fuggers  vergleicht, ­
  wenig  vornehm.  Die  Stadt  war  offenbar  im  Recht,
wenn  sie  gegen  den  ungehorsamen  Bürger  vorging,  der  trotz
seines  Freiherrntitels  und  seiner  Schlösser  noch  immer  gehalten
war,  die  Verfassung  der  Stadt  zu  respektieren,  solange  er  sein
Bürgerrecht  nicht  aufgegeben  hatte.  Letzteres  zu  tun,  hinderte
ihn  aber  sein  Handel,  der  in  dem  Masse,  wie  Paumgartner  ihn
übte,  nur  in  Augsburg  möglich  war.
Mit  innerer  Genugtuung  mag  Paumgartner  dem  Einzug
Karl  V.  (23.  Juli  1547)  beigewohnt  haben,  der  nach  Augsburg
zur  Eröffnung  des  Reichstags  kam.  Ausser  der  einstweiligen
Lösung  der  religiösen  Fragen  brachte  dieser  für  die  Stadt
*)  Anton  Fngger  selbst  weigerte  sich,  zwischen  der  Stadt  und
seinem  „ungetreuen  Schwager“  zu  verhandeln  (Ztschr.  d.  Hist.  Ver.  f.
Schw.  u.  Nbg.  I  S.  309),  und  Herbrot  meinte  angesichts  dieser  unfreundlichen ­
  Haltung  Paumgartners:  „das  heisst’s  Vaterland  geliebt!“  (ebenda).
y  *
        <pb n="103" />
        100

Augsburg  noch  eine  einschneidende  Aenderung  ihrer  Verfassung. ­
  Schon  längst  war  den  Patriziern  das  „Zunftregiment“
ein  Dorn  im  Auge.  Voll  Spott  äusserten  sich  diese  Aristokraten
über  die  Unfähigkeit  der  Zünfte,  die  Stadt  zu  regieren.  Besonders ­
  über  den  Emporkömmling  Herbrot,  der  seit  Wolfgang
Rehlingers  Weggang  die  erste  Rolle  spielte,  sprachen  sie  sich
in  abfälliger  Weise  aus.  Paumgartner,  einer  der  ärgsten  Hetzer,
machte  seinen  ganzen  Einfluss  geltend,  um  den  Kaiser  für  den
Sturz  des  „plebeischen  Regiments“  zu  gewinnen.  Karl  V.,
der  in  einer  Verfassungsänderung  zugunsten  des  Patriziats  ein
weiteres  Mittel  sah,  die  unbotmässigen  Städte  zu  ihrer  Pflicht
zurückzuführen,  ging  auf  den  Plan  ein.  Nach  zweihundertjährigem ­
  Bestand  wurde  die  Zunftverfassung,  unter  der  Augsburg ­
  seine  Blütezeit  erlebt  hatte,  gestürzt  und  ein  patrizisches
Stadtregiment  eingesetzt  (3.  August  1548).  Hans  Paumgartner ­
  war  unter  denen,  die  in  den  „geheimen  Rat"  gewählt ­
  wurden 1 ).
So  war  schliesslich  doch  noch  die  Sache  zum  Sieg  gelangt,
für  die  Hans  Paumgartner  ein  Jahrzehnt  seines  Lebens  gewirkt
hatte.  Als  er  kurz  darauf  starb,  konnte  er  das  Bewusstsein
mit  ins  Grab  nehmen,  an  seinem  Teil  zu  den  Erfolgen  des
Kaisers  beigetragen  zu  haben.  Aber  dieser  Sieg  war  errungen
auf  Kosten  der  Demütigung  seiner  Vaterstadt,  der  Stadt,  die
ihm  und  seinen  Eltern  fast  70  Jahre  lang  Heimatrecht  gewährt
und  Gelegenheit  gegeben  hatte,  seine  Reichtümer  zu  sammeln.
Aber  je  höher  er  stieg,  desto  breiter  wurde  die  Kluft,  die  ihn
von  den  Anschauungen  seiner  Mitbürger  trennte,  bis  er  sich
schliesslich  durch  seine  Politik  in  vollen  Gegensatz  zu  ihnen
stellte.  Dafür  stieg  sein  Ansehen  beim  Kaiser  und  seinen  Ministern ­
  immer  höher.  Er  war  zuletzt  einer  der  einflussreichsten
und  vertrautesten  Räte  Karls  V.  geworden,  dessen  Politik  er,
wie  wir  gesehen,  eifrigst  förderte.
Wir  haben  nun  Hans  Paumgartners  Tätigkeit  auf  den  verschiedensten ­
  Gebieten  des  öffentlichen  Lebens  verfolgt  und
einen  Aufstieg  zu  den  höchsten  Ehren  mitangesehen,  wie  er  in
gleichem  Masse  damals  nur  den  Fuggern  geglückt  war.  Bevor
*)  Vgl.  dazu  den  Aufsatz  von  Paul  Hecker:  Der  Augsburger
Bürgermeister  Jacob  Herbrot  und  der  Sturz  des  zünftischen  Regiments
in  Augsburg  (in:  Zeitschr.  d.  Hist.  Ver.  f.  Schw.  u.  Nbg.  I  S.  34  ff.)  und
die  Darstellung  bei  Roth  IV  S.  178  ff.
        <pb n="104" />
        IOI

wir  jetzt  Hans  Paumgartner  verlassen,  bleibt  uns  nur  noch
die  Aufgabe,  auf  sein  Familienleben  einen  kurzen  Blick  zu
werfen.

g)  Hans  Paumgartners  Familienleben.
Der  Ehe  Hans  Paumgartners  mit  Regina  Fugger  entsprossten
  ausser  drei  Töchtern  vier  Söhne,  deren  Erziehung
der  Vater  mit  grösster  Sorgfalt  überwachte.  Beruhte  doch
auf  ihnen  seine  ganze  Hoffnung  für  die  Zukunft  seines  Geschlechtes. ­
  Erasmus  in  dem  bekannten  Brief  an  Johannes
Vergara  kommt  ausführlich  auf  die  Erziehungsmethode  Paumgartners ­
  zu  sprechen:  „Nullum  omnium  (sc.  filiorum)  destinavit
negotiationi  aut  aliis  sordidioribus  artibus.  Ad  eruditionem,  ad
pietatem,  ad  gerenda  Principum  ac  Reipublicae  splendida
munia  instituit  omnes,“  rühmt  der  Humanist  und  schildert
dann  kurz  den  Lebensgang  der  einzelnen  Söhne 1 ).  Nachdem
diese  zu  Hause  durch  einen  Hofmeister 2 )  vorgebildet  waren,
schickte  sie  der  Vater  nach  Frankreich  und  Italien,  wo  sie  auf
den  Universitäten  in  den  Wissenschaften  von  ausgezeichneten
Lehrern  unterrichtet  wurden  und  sich  weltmännische  Bildung
aneigneten.  Der  älteste  Sohn  Hans  hörte  in  Bourges  in  den
Jahren  1530/31  bei  den  Juristen  Alciatus  und  Viglius  von
Zwiehern 3 )  und  kam  dann  an  den  Hof  der  Königin  Maria  von
1 )  Erasmi  opera  omnia  ed.  Clericus  III  1480  F.
2 )  Als  solcher  war  längere  Zeit  Franziscus  Rupilius  in  der  Familie
tätig  seit  dem  Jahre  1527.  Er  nennt  sich  im  Familienkodex,  in  den  er
auf  fol.  35  a—49  a  die  obenerwähnten  Statuten  des  Paumgartnerschen
Geschlechts  eintrug:  L.  L.  doctor,  Ratisbonensis  et  Brixinensis  ecclesiarum
  canonicus  atque  tune  temporis  (1541)  Rev.  ac  Illustr.  episcopi
ac  principis  Brixinensis  dni  Christophori  Fux  a  Fuxperg  cancellarius  ac
magnifici  et  nobilis  domini  Joannis  Paumgartneri  cliens  deditissimus.
Er  wird  auch  von  Z  a  s  i  u  s  (bei  Riegger  Zasii  epistolae  S.  434)  als  Erzieher ­
  der  Söhne  Paumgartners  erwähnt  und  ist  identisch  mit  jenem
Franziskus  Rupilius,  der  mit  Erasmus  und  Nausea  in  brieflichem  Verkehr
stand.  Da  Rupilius  nur  eine  Latinisierung  des  Namens  „Rothut“  ist,
so  ist  wahrscheinlich  der  o.  S.  81  genannte  Pfleger  von  Hohenschwangau,
Sigmund  Rothut,  ein  Verwandter  von  ihm.
3 )  Dem  Alciatus  sandte  Paumgartner  die  Ausgabe  der  Pandekten
des  Haloander  nach  Bourges  zum  Geschenk,  ca.  1530  (Stintzing:
        <pb n="105" />
        102

Ungarn,  der  Regentin  der  Niederlande 1 ).  Später  war  er  im
väterlichen  Geschäft  tätig,  starb  aber  schon  1542  oder  1543.
Seine  Ehe  mit  Anna  von  Stadion  war  kinderlos  geblieben.  Der
zweitgeborene  Sohn  Johann  Georg  war  geboren  um  1515.
Ihn  nahm  im  Herbst  1531  Viglius  von  Zwichem  bei  seiner  Durchreise ­
  durch  Augsburg  nach  Padua  mit  und  war  dort  in  der
Jurisprudenz  sein  Lehrer 2 ).  Johann  Georg  kam  dann  an  den
Hof  Ferdinands,  wurde  dessen  Rat 3 )  und  trat  auch  zu  Gelehrten ­
  in  Beziehung.  Er  schrieb  im  Aufträge  seines  Vaters
mehrmals  an  Erasmus  und  wurde  im  Jahre  1544  von  Cochläus
mit  der  Widmung  seiner  „Vita  Theoderici“  geehrt 4 ).  Seine
späteren  Lebensschicksale  müssen  uns  weiter  unten  noch  ausführlicher ­
  beschäftigen.  Hans  Paumgartners  dritter  Sohn
Anton  bereitete  seinen  Eltern  durch  seine  Lebensführung  schwere
Sorgen.  Er  vertrat  das  väterliche  Geschäft  eine  Zeitlang  in
Venedig.  Der  jüngste  Sohn  David  endlich  (geboren  1521)
weilte  im  Jahre  1533  noch  zu  Hause  unter  der  Obhut  des
Paumgartnerschen  Hauslehrers  Franz  Rupilius.  Im  Jahre  1537
vertraute  ihn  dann  sein  Vater  in  Padua  der  Erziehung  des  aus  Oettingen
  im  Ries  gebürtigen  Johannes  Muschler  an,  der  in  Padua  zur
Erweiterung  seiner  juristischen  Kenntnisse  sich  auf  hielt  und
daneben  als  Erzieher  von  jungen  Adeligen  tätig  war.  Die
Erziehungsmethode  Muschlers,  der  offenbar  gegen  die  Verabredung ­
  ausser  David  Paumgartner  noch  andere  junge  Leute
bei  sich  aufnahm,  konnte  jedoch  Hans  Paumgartner  nicht
befriedigen,  und  er  nahm  deshalb  seinen  Sohn  aus  Muschlers
Schule 5 ).  Wir  haben  oben  bereits  erwähnt,  wie  David  Paum-Ulrich
  Zasius  S.  293),  dem  Viglius  v.  Zwichem  verehrte  er  einen  kostbaren ­
  Ring  (Hoynck  v.  Papenbrecht:  Analecta  Belgica  I  S.  81).
1 )  Brief  des  Erasmus  an  Vergara  III  1480  F.
2 )  Viglius  v.  Zwichem  erzählt  in  seiner  Selbstbiographie  (Hoynck
v.  Papenbrecht:  Analecta  Belgica  I  S.  10  §  20),  dass  er  im  Herbst
1531  in  Augsburg  weilte.  Täglich  war  er  bei  den  Fuggern  und  bei  Paumgartner ­
  eingeladen  und  wurde  mit  Münzen,  goldenen  Ketten  und  Ringen
reich  beschenkt.  Vgl.  auch  Hoynck  v.  Papenbrecht  I  S.  81.
3 )  Familienkodex  fol.  57  a.
*)  Vita  Theoderici  regis  quondam  Ostrogothorum  et  Italiae  autore
Joanne  Cochlaeo.  Ingolstadt  1544.  Die  Widmung  trägt  das  Datum:
Ex  civitate  Eystetensi,  Quarto  Nonas  Junii  1544.  Vgl.  K.  Schottenloher: ­
  Jacob  Ziegler  aus  Landau  in  der  Pfalz.  Münster  1910  S.  352.
5 )  Dies  gab  Muschler  Anlass  zur  Abfassung  einer  dem  Anton
Fugger  und  seinem  Neffen  Johann  Jacob  Fugger  gewidmeten  Recht-9r



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        103

gartner  sich  dann  an  der  Seite  seines  Vaters  auf  dem  Gebiet
der  Politik  versuchte.  Seine  späteren  Lebensschicksale  und
sein  unrühmliches  Ende  wird  uns  bald  näher  beschäftigen.
So  sehr  diese  Erziehungsgrundsätze  Hans  Paumgartners
den  Beifall  des  Erasmus  fanden,  so  waren  sie  doch  nicht  dazu
angetan,  die  Söhne  für  den  kaufmännischen  Beruf  tüchtig
zu  machen.  Es  war  eine  weltmännische  und  höfische  Erziehung,
die  die  jungen  Paumgartner  genossen,  durchaus  nicht  passend
für  den  Ernst,  den  die  Handelstätigkeit  erforderte.  Das  Leben
an  den  Höfen  der  Fürsten  und  die  Pflege  der  durch  die  Standeserhöhung ­
  herbeigeführten  Beziehungen  zum  Adel  erschien
bald  wichtiger  und  verlockender  als  die  Beschäftigung  mit  den
Fragen  des  Geld-  und  Warenhandels.  Auch  in  den  Städten
war  an  Stelle  der  berechtigten  Lebensfreude,  wie  sie  noch  das
Augsburg  Maximilians  I.  zeigte,  allmählich  Ueppigkeit  und
Raffinement  im  Lebensgenuss  getreten.  Die  jungen  Patrizierssöhne, ­
  die  in  dieser  Luft  heranwuchsen,  kosteten  dieses  Leben
reichlich  aus.  '  Die  Chroniken  und  Ratsbücher  erzählen  von
manchem  tollen  Streich  dieser  „goldenen  Jugend“,  wobei  die
Grenzen  des  noch  Erlaubten  nicht  immer  eingehalten  wurden.
Mit  am  tiefsten  scheint  der  schon  genannte  Anton  Paumgartner ­
  (geb.  c.  1518)  in  den  Strudel  des  grossstädtischen  Genusslebens ­
  eingetaucht  zu  sein.  Er  führte  in  Augsburg  und  Venedig,
wo  er  um  1533  weilte 1 ),  ein  recht  lockeres  Leben  und  gab  das
Geld  mit  vollen  Händen  aus.  Er  wurde  dann  von  seinem  Vater
mit  Regina  Honold,  einer  reichen  Augsburger  Kaufmannstochter, ­
  verheiratet  (Februar  1540) 2 ).  Die  Ehe  hielt  ihn  jedoch
nicht  ab,  sein  ausschweifendes  Leben  fortzusetzen,  und  er  trieb
es  dabei  so  stark,  dass  ihn  seine  Gattin  im  Juli  1543  verliess 3 ).

fertigungsschrift:  En  tandem  libellus,  ex  captivitatis  tenebris  .  .  .  revocatus.
  Venetiis  anno  1538.  Das  Exemplar  der  Hof-  u.  Staatsbibliothek
(Jur.  isag.  133  m)  enthält  auf  einigen  Seiten  Stellen,  die  durch  die
venezianische  Zensur  unleserlich  gemacht  wurden.  Eine  Biographie
Muschlers  findet  sich  in:  Beiträge  zur  Oettingischen  Geschichte,
1.  Teil  (1772)  S.  182  ff.
*)  Brief  des  Erasmus  an  Vergara:  Tertius  (filius)  Antonius  agit
Venetiae  velut  in  theatro  totius  Italiae  splendidissimo,  variis  linguis
expeditus  et  omni  morum  elegantia  perpolitus  ad'  unguem.
2 )  Warnecke:  Hochzeitsbuch  S.  42.
3 )  Nach  der  sogleich  zu  erwähnenden  Verzichturkunde  Antons
(Geh.  Staatsarchiv  K  blau  382/6).
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        104

Hans  Paumgartner,  dem  diese  Lebensführung  seines  Sohnes
besonders  auch  im  Gedanken  an  die  Zukunft  seines  Geschlechts
schwere  Sorgen  bereitete,  sah  sich  schliesslich  veranlasst,
den  ungeratenen  Sprössling  vom  Genuss  des  Fideikommisses
auszuschliessen.  Er  tat  dies  in  einem  Testament  vom  17.  Juni
1543 1 ).  Nachdem  er  in  demselben  das  Familienstatut  bestätigt
und  nochmals  seiner  Gattin,  wie  bereits  im  Jahre  1535,  ihren
Witwensitz  gesichert  hatte,  setzte  er  als  Erben  seiner  Güter
die  beiden  Söhne  Hans  Georg  und  David  ein.  Er  fährt  dann
fort,  dass  er  auch  noch  einen  dritten  Sohn  Anton  habe,  „aber
so  hat  sich  doch  desselbigen  unseres  Sohns  Antonien  halben
und  von  ihme  in  etlich  mer  weg  zugetragen,  dass  wir  aus  väterlicher ­
  und  mütterlicher  Bekümmernus  und  Betrübnus  hierin
austrucklich  anzeigen,  dardurch  wir  verursacht  ihme  unserm
Sohn  auch  seinen  ehelichen  Söhnen  etwas  unterschiedliches
verordnen  zu  müssen,  neben  anderem  auch  darum,  dass  ich
Hans  Paumgartner  von  Paumgarten  begere,  dass  alle  meine
gelegenheit,  wesen,  vermögen  in  geheim  und  eingezogen,  auch
guter  Ordnung  bleiben  und  meines  gefallens  erhalten  werden“.
Es  werden  ihm  dann  74  000  fl  zugesprochen,  von  denen  jedoch
20  000  fl,  die  er  bei  seiner  Verheiratung  erhalten,  und  von
denen  er  bereits  10  000  fl  verbraucht  hat,  abgezogen  wurden.
Obwohl  er  ausser  diesen  10  000  fl  noch  weitere  6000  eingenommen, ­
  die  er  vertan  und  verbraucht  hat,  soll  ihm  doch
dafür  nichts  abgezogen  werden.  Solange  der  Vater  lebte,  sollte
er  in  Abschlag  des  ihm  noch  zustehenden  Erbteils  die  Nutzniessung
  der  Güter  Konzenberg  und  Glettweng  haben.  Nach
dem  Tode  des  Vaters  sollten  Hans  Georg  und  David  ihrem
Bruder  sein  Erbteil  hinauszahlen  und  dieser  die  genannten
Güter  zurückgeben.  Von  der  Familienerbfolge  wurde  er  solange ­
  samt  seinen  Nachkommen  ausgeschlossen,  als  noch
Nachkommen  Hans  Georgs  und  Davids  lebten.  Karl  V.  bestätigte ­
  dieses  Testament,  und  Anton  musste  am  30.  Januar  1544
vor  dem  Landrichter  des  Bischofs  von  Augsburg  auf  allen  Anteil
an  den  Gütern,  auch  auf  Konzenberg  und  Glettweng,  verzichten,

*)  Dieses  letzte  endgültige  Testament  Hans  Paumgartners  ist
erhalten  im  Geh.  Staatsarchiv  K  blau  382/3.  Die  Lebensführung  Antons
führte  Hans  Paumgartner  dazu,  ein  früher  errichtetes  Testament  vom
5.  Mai  1535  durch  dieses  neue  zu  ersetzen.
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        105

wofür  ihm  ein  jährliches  Leibgeding  von  1800  fl  zugestanden
wurde 1 ).
Mit  kraftvoller  Hand  beseitigte  hier  Hans  Paumgartner
die  Gefahr,  die  dem  Besitzstand  seiner  Familie  durch  die
Verschwendungssucht  seines  Sohnes  drohte.  Er  war  nicht
gewillt,  die  glanzvolle  Stellung,  die  er  seinem  Hause  erworben,
so  rasch  wieder  einer  ungewissen  Zukunft  preisgegeben  zu
sehen.  Und  glanzvoll  fürwahr  war  Hans  Paumgartners  Lebensstellung, ­
  wenn  wir  zum  Schluss  nochmals  auf  das  von  ihm
Geleistete  zurückblicken.  In  aller  Welt  war  der  Name  dieses
mächtigen  Kaufherrn  bekannt,  mit  dessen  Geld  die  Habsburger
ihre  Kriege  führten,  und  der  den  Metallhandel  Tirols  mit  seinem
Kapital  beherrschte.  Als  Freiherr  und  Rat  Karls  V.  spielte
er  in  der  Politik  eine  bedeutsame  Rolle  und  war  der  Gönner
der  angesehensten  Gelehrten  Europas.  Das  Stammhaus  in
Augsburg  und  die  Schlösser  in  Hohenschwangau  sahen  Tage
festlichen  Glanzes.  Gelehrte,  Künstler  und  Staatsmänner
gingen  hier  ein  und  aus  in  den  Gemächern,  die  mit  kostbaren
Teppichen  des  Orients,  Gold-  und  Silbergerät  und  den  Kunstwerken ­
  zeitgenössischer  Maler  geschmückt  waren 2 ).  Bis  in
seine  letzten  Tage  war  der  Besitzer  all  dieser  Herrlichkeiten

1 )  Diese  Verzichturkunde  ist  ebenfalls  im  Geh.  Staatsarchiv
erhalten,  K  blau  382/6.  Ueber  Antons  spätere  Lebensschicksale  lässt
sich  nicht  viel  sagen.  Dass  er  auch  fernerhin  in  leichtlebigen  Kreisen
verkehrte  und  an  deren  Treiben  seine  Freude  hatte,  dafür  ist  ein  Beweis
sein  Umgang  mit  dem  Schwankdichter  Michael  Lindener,  der  ihm  sein
„mit  Recht  übel  berufenes“  Rastbüchlein  widmete,  eine  Sammlung
von  lockeren  Schwänken  in  der  Art  des  Boccaccio.  (1.  Ausg.  1558;  eine
jüngere  Ausgabe  des  seltenen  Büchleins  vom  Jahre  1568  besitzt  die
Kgl.  Hof-  und  Staatsbibliothek  München.  Ein  Neudruck  liegt  vor
im  163.  Bd.  der  Bibliothek  des  Literar.  Vereins  Stuttgart  (1884).  Ueber
Lindener  vgl.  den  Artikel  Erich  Schmidts  in  der  Allg.  deutschen
Biogr.  Bd.  18  S.  693  ff.  Trotz  alledem  hielt  Anton  Paumgartner  sein
Vermögen  besser  zusammen  als  seine  beiden  Brüder.  Bei  dem  Vermögenszusammenbruch ­
  der  letzteren  fiel  ihm  sogar  noch  die  Herrschaft
Baumgarten  zu,  die  er  als  Gläubiger  und  in  Abschlag  seines  Leibgedings
beanspruchte.  Er  lebte  in  ziemlichem  Wohlstand  in  Augsburg  und  auf
seinen  Besitzungen  bis  zum  Jahre  1583  (Augsbg.  Steuerbücher).
2 )  In  dem  gleich  zu  erwähnenden  Teilbrief  trifft  Hans  Paumg.
besondere  Verfügung  über  ein  mehrteiliges  Silbergeschirr,  „Schüsseln,.
Teller,  Salzfass,  Tischplatt  und  dergleichen,  so  zusammengehörig,  wie
ichs  aus  dem  Niderland  hab  mit  pringen  lassen“.
        <pb n="109" />
        mit  dem  Gedanken  beschäftigt,  wie  er  sie  am  sichersten  seiner
Familie  erhalte.
Eine  schwere  Krankheit  lähmte  im  Herbst  des  Jahres  1549
Hans  Paumgartners  rastlosen  Tätigkeitstrieb.  Er  konnte  auf
seinem  Besitztum  in  Schwabmünchen,  bereits  ans  Bett  gefesselt, ­
  noch  die  letzten  notariellen  Verfügungen  treffen  und
am  27.  August  in  einem  „Teilbrief“  seine  Güter  und  Besitzungen
zwischen  seinen  beiden  Söhnen  Hans  Georg  und  David  teilen 1 ).
Am  2.  September  garantierte  er  seiner  Gattin  nochmals  ihre
Rechte  und  hielt  zugleich  die  getroffenen  Verfügungen  wegen
Anton  aufrecht 1 ).  Am  14.  September  gedenkt  die  Tiroler  Regierung ­
  noch  seiner  Krankheit  in  einem  Schreiben  an  seine
Söhne,  indem  sie  ihrem  Vater  baldige  Genesung  wünscht 2 ).
Dieser  Wunsch  ging  nicht  in  Erfüllung.  Ende  September  oder
Anfang  Oktober  1549  starb  der  kaiserliche  Rat  und  Freiherr
von  Hohenschwangau  im  Alter  von  etwa  sechzig  Jahren  wahrscheinlich ­
  in  Schwabmünchen.  Wie  er  gewünscht,  wurde  er
in  Waltenhofen  bestattet,  angesichts  seiner  Schlösser  Hohenschwangau ­
  und  Schwanenstein,  deren  Erwerb  ihm  einst  in
glücklicher  Stunde  gelungen.

Drittes  Kapitel.
Die  Zeit  des  Verfalls.
Hans  Georg  und  David  Paumgartner.
Von  den  Söhnen  Hans  Paumgartners  war  Hans,  der  älteste,
schon  zu  Lebzeiten  des  Vaters  gestorben,  Anton  wurde  von
dem  Fideikommiss  gegen  eine  Leibrente  ausgeschlossen.  Das
Geschäft  und  der  Grundbesitz  gingen  daher  jetzt  auf  Hans  Georg
und  David  über,  und  zwar  in  der  von  dem  Vater  noch  vor
seinem  Hinscheiden  festgesetzten  Weise 3 ).  Danach  sollte
1 )  Geh.  Staatsarchiv  K  blau  382/4.
2 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Gemein  Massiven  (1549)  fol.  566.
3 )  Diese  Teilung  nahm  Hans  Paumgartner  kurz  vor  seinem  Tod
vor.  In  seinem  Testament  vom  Jahre  1543  hatte  er  sich  die  Errichtung
        <pb n="110" />
        io7

Hans  Georg  Erbbach,  Kürnberg  und  Kenzingen,  Haus  und
Turm  in  Schwabmünchen,  David  Hohenschwangau,  Baumgarten, ­
  Konzenberg  und  Kaltarn  erhalten.  Das  Stammhaus
in  Augsburg  sollte  ihnen  gemeinsam  gehören.  Ebenso  sollten
sie  —  aus  praktischen  Gründen  und  Erwägungen  —  die  Bergwerke ­
  auf  gemeinsame  Rechnung  betreiben  und  Gewinn  und
Verlust  von  beiden  zu  gleichen  Teilen  getragen  werden.  Alle
andere  Habe,  Barschaft,  angelegtes  Geld,  Schulden,  Hausrat,
Silbergeschirr,  Edelgestein,  Ringe,  Kleinodien,  Ketten,  Kleider
und  alles  andere  sollten  die  Brüder  unter  sich  teilen.  Den  Titel
sollte  jeder  Zweig  der  Familie  ganz  führen  in  der  Form:  die
von  Paumgarten,  Herrn  zu  Hohenschwangau,  Erbbach,  Kürnberg ­
  und  Kenzingen.
Hans  Georg  und  David  Paumgartner,  deren  Jugendentwicklung ­
  wir  bereits  oben  besprochen,  kamen  zunächst  dem
letzten  Willen  ihres  Vaters  völlig  nach.  In  den  letzten  Wochen
des  Jahres  1549  und  zu  Anfang  des  Jahres  1550  erfolgte  die
Belehnung  der  beiden  Brüder  mit  ihren  Gütern  durch  die
Lehensherrn,  am  6.  November  1549  versammelte  David  Paumgaitner
  zugleich  im  Namen  seines  Bruders  die  Untertanen  der
Herrschaft  Hohenschwangau,  um  von  ihnen  die  Huldigung
entgegenzunehmen 1 ).  Aehnlich  geschah  es  auf  den  andern
Besitzungen.  Auch  auf  die  Vermehrung  ihrer  Güter  waren
die  beiden  Paumgartner  bedacht.  So  kaufte  David  mehrere
Höfe  in  der  Pfarrei  Waltenhofen  im  Jahre  1557  um  5200  fl
von  dem  Abt  Georg  Albrecht  des  Magnusklosters  in  Füssen 2 ).
Am  7.  Mai  1560  empfingen  die  Brüder  den  Markt  Thannhausen ­
  vom  Kaiser  zu  Lehen,  nachdem  sie  denselben  von  dem
Truchsess  Heinrich  von  Höfingen  erworben  hatten 3 ).  Das  Haus
in  der  Stadt  bewohnten  sie  gemeinsam  und  zahlten  auch  die
reiche  Steuer  von  800  11  fort.  David  wurde  der  Nachfolger
seines  Vaters  im  geheimen  Rat.
In  Tirol  wurden  die  noch  von  Hans  Paumgartner  hereines ­

  solchen  Teilbriefs  ausdrücklich  Vorbehalten.  Erhalten  ist  derselbe ­
  im  Geh.  Staatsarchiv  K  blau  382/4.  Da  dieser  und  die  andern  von
mir  benützten  Bände  keine  Paginierung  haben,  so  sind  nähere  Angaben
über  die  Seite  nicht  zu  machen.
*)  Missiv  an  Hof  (1549).
2 )  Steichele:  Bistum  Augsburg  4  S.  403.
3 )  Ebenda  Bd.  5  S.  758.
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        —  io8  —
rührenden  Geschäfte  erledigt  und  auch  neue  abgeschlossen.
Am  15.  März  1550  begann  die  Rückzahlung  der  8000  fl  mit
Silber,  die  Hans  1546  dargeliehen  hatte 1 ).  Im  Jahre  1552  wurde
den  beiden  Brüdern,  den  Fuggern,  Haug  und  Neithart  ein
Silbervertrag  von  54  545  M  eingelöst,  an  dem  sie,  wie  die
Kammer  annimmt,  abgesehen  vom  Interesse,  einen  Nutzen
von  80  000  fl  hatten 2 ).
Indessen  scheint  das  Interesse  der  Brüder  am  Metallhandel
nicht  sehr  lebhaft  gewesen  zu  sein,  auch  fehlte  die  beim  Kaufmann ­
  so  nötige  Ordnung  in  der  Geschäftsführung.  Als  die
Tiroler  Regierung  im  Jahre  1553  erledigte  Silberverträge  zurückverlangte, ­
  mussten  die  Paumgartner  erklären,  sie  hätten  dieselben ­
  verloren  „neben  anderen  mehr  ihren  brieflichen  Gerechtigkeiten“. ­
  Es  wurde  ihnen  sodann  auf  erlegt,  Kassationsbriefe ­
  auszustellen,  in  denen  sie  die  Erfüllung  der  Verträge
bestätigten,  da  die  Regierung  „glaubwürdig  erfahren  hatte,
dass  sie  einen  ansehnlichen  Verlust  mit  mehreren  anderen  ihren
brieflichen  Gerechtigkeiten  zu  ihrem  merklichen  Nachteil
genommen  haben“.  Der  Vorfall  zeigt,  dass  Hans  Georg  und
David  Paumgartner  für  das  kaufmännische  Geschäft  Geschick
und  Neigung  fehlte 3 ).  Dies  geht  auch  daraus  hervor,  dass  sie
bald  nach  ihres  Vaters  Tod  aus  dem  Tiroler  Bergbau  sich  zurückzogen. ­
  Bereits  im  Jahre  1553  verkauften  sie  ihre  Bergwerksanteile ­
  an  Hans  Paul  und  Hans  Heinrich  die  Herwart 4 ).  Damit
lösten  sie  auch  alle  Beziehungen  zur  Tiroler  Regierung,  mit
der  ihr  Haus  seit  mehr  als  einem  halben  Jahrhundert  in  innigster
Geschäftsverbindung  gestanden  hatte,  und  zugleich  das  Band,
das  nach  ihres  Vaters  Willen  die  beiden  Brüder  zusammengehalten ­
  hatte.  Sie  gaben  nun  die  Geschäfte  auf  gemeinsame
Rechnung  auf  und  jeder  ging  seine  eigenen  Wege.  Das  Jahr  1555
können  wir  als  den  Höhepunkt  ihres  Lebens  bezeichnen.  Unter
die  Stände  des  Reiches  aufgenommen,  haben  sie  damals  dem
Reichstag  zu  Augsburg  beigewohnt  und  den  Reichstagsabschied
—  den  Augsburger  Religionsfrieden  —  mit  unterzeichnet 5  6 ).
1 )  Entbieten  und  Befehl  (1550)  fol.  36.
2 )  Missiv  an  Hof  (1553)  fol.  177.
3 )  Missiv  an  Hof  (1553)  fol.  279;  Geschäft  von  Hof  (1554)  fol.  100;
Missiv  an  Hof  (1554)  fol.  86.
4 )  Entbieten  und  Befehl  (1553)  fol.  394;  Gemein  Missiven  (1554)
fol.  525.
6 )  Neue  und  vollständige  Sammlung  der  Reichsabschiede  4  Teile,
        <pb n="112" />
        -  iog

Die  Beschäftigung  mit  der  Politik  machte  einen  grossen  Teil
der  Tätigkeit  der  beiden  Paumgartner  in  den  folgenden  Jahren
aus.  Durch  die  Erziehung,  die  ihnen  zuteil  geworden  war,
wurden  sie  ja  auch  darauf  besonders  hingewiesen 1 ).
Vor  allem  David  Paumgartner,  dessen  Schicksale  wir  nun
zunächst  näher  ins  Auge  fassen,  wandte  sich  bald  vollständig
der  Politik,  dem  Hofleben  und  dem  Verkehr  mit  dem  Adel  zu.
Sein  Bürgerrecht  in  Augsburg  gab  er  auf  und  lebte  auf  seinen
Hohenschwangauer  Besitzungen.  Der  jüngste  von  Hans  Paumgartners
  Söhnen,  besass  er  einen  ehrgeizigen  Charakter  und
fühlte  sich  am  wohlsten  in  der  Nähe  des  Kaisers,  wo  er  am
ersten  Gelegenheit  fand,  Einfluss  zu  gewinnen.  Er  setzte  die
schon  von  seinem  Vater  betriebene  Politik  —  Unterwerfung
der  schwäbischen  Reichsstädte  unter  Karl  V.  —  fort  und  beteiligte ­
  sich  lebhaft  an  den  Verfassungsänderungen,  die  dort
der  Schmalkaldische  Krieg  zur  Folge  hatte.  So  setzte  er  im
Oktober  1551  zusammen  mit  Heinrich  Hasse  in  Kaufbeuren
an  die  Stelle  des  Zunftregiments  eine  aristokratische  Verfassung ­
 2 ).  Im  Jahre  1553  verwendete  ihn  dann  Karl  V.  als
Vermittler  bei  seinen  Bemühungen,  Schertlin  von  Burtenbach,
der  in  französische  Dienste  getreten  war,  wieder  zu  versöhnen.
Paumgartners  Mission  hatte  Erfolg,  und  Schertlin  kehrte  nach
Deutschland  zurück,  wo  er  in  alle  seine  Güter  wieder  eingesetzt
wurde  (Juni  I553) 3 )-  Durch  solche  glücklich  durchgeführte
Aufgaben  erwarb  sich  David  Paumgartner  die  Gunst  des
Kaisers  und  Königs  im  höchsten  Masse.  Im  Jahre  1558  nennt
ihn  der  venezianische  Gesandte  Mocenigo  eine  Persönlichkeit
von  so  grossem  Einfluss,  wie  ihn  die  Fugger  nicht  besitzen.
Auch  in  Geldangelegenheiten  wurde  er  noch  benützt.  Im
Jahre  1555  beliefen  sich  die  Schulden,  die  die  Habsburger  noch
bei  ihm  hatten,  auf  38  200  fl 4 ).
Frankf.  a.  M.  1747.  3.  Teil  S.  42  (Abschied  vom  25.  September  1555).
Ebenso  steht  ihr  Name  unter  dem  Reichstagsabschied  zu  Regensburg
vom  16.  März  1557  (ebenda  S.  152).
x )  David  war  auch  Inhaber  des  Erbmarschallamtes  des  Bistums
Augsburg.
2 )  Steichele:  Bistum  Augsburg,  Bd.  6  S.  3x1,  und  die  S.  310
Anm.  179  angegebene  Literatur.
3 )  Ottmar  F.  H.  Schönhut:  Leben  u.  Thaten  des  .  .  .  Sebastian ­
  Schertlin  v.  Burtenbach.  Münster  1858  S.  105.
*)  Archiv  f.  Kunde  österr.  Geschichtsquellen  Bd.  22  S.  97.
        <pb n="113" />
        HO

Das  ständige  Leben  am  Hofe  war  für  einen  Mann  von
David  Paumgartners  Charakter  sehr  gefährlich.  Er  war  nicht
stark  genug,  den  tausendfachen  Verlockungen  und  Versuchungen^
die  hier  an  ihn  herantraten,  zu  widerstehen.  Rasch  verschlang
das  üppige  Leben  Paumgartners  Vermögen,  zumal  sich  auch
mancher  geldbedürftige  Adelige  an  ihn  heranmachte  und  sich
seiner  als  Geldgeber  bediente.  Bald  sah  sich  der  Freiherr  von
Hohenschwangau  selbst  genötigt,  Geld  aufzunehmen.  Er
wandte  sich  an  seinen  Bruder  Hans  Georg,  der  im  Jahre  1559
für  ihn  bei  einer  Reihe  Augsburger  Kaufleute  Geld  aufbrachte
und  sich  dafür  verbürgte.  Das  Anlehen  erreichte  eine  Höhe
von  129  000  fl.  Unter  den  Gläubigern  befand  sich  Sebastian
Schertlin  mit  10  000  fl,  Wolfgang  Paller  und  Anton  Rehlinger
mit  9000  fl,  Christoph  Rehlinger  mit  6000  fl,  Georg  von  Stetten
mit  4000  fl  usw. 1 ).
Wir  dürfen  jedoch  David  Paumgartners  Geldnot  nicht
allein  seiner  Verschwendungssucht  und  seinen  Charaktereigenschaften ­
  zuschreiben.  Gerade  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts ­
  rief  die  veränderte  politische  Lage  auf  dem  Weltmarkt ­
  Krisen  hervor,  die  bald  die  ganze  Augsburger  Finanzwelt
in  starke  Mitleidenschaft  zogen.  Die  auf  unsicherer  Basis
ruhende  Finanzwirtschaft  Karl  V.  und  Franz  I.  rächte  sich
gleich  zu  Anfang  der  Regierung  ihrer  Nachfolger  Philipp  II.
und  Heinrich  II.  Im  Jahre  1557  geriet  Spanien  in  Zahlungsschwierigkeiten, ­
  kurz  darauf  auch  Frankreich.  In  den  Niederlanden ­
  riefen  die  unsichern  politischen  Verhältnisse  eine  Gefährdung ­
  des  Geldverkehrs  hervor.  Von  diesen  Finanzkrisen
wurden  in  erster  Linie  die  oberdeutschen  Handelshäuser  schwer
betroffen,  die  in  den  genannten  Ländern  ihre  Kapitalien  angelegt ­
  hatten.  In  Augsburg  fallierte  eine  Firma  nach  der  andern.
Hektor  Mair  zählt  in  seinem  Memorialbuch  in  den  Jahren  1545
bis  1575  nicht  weniger  als  73  Bankrotte  auf,  darunter  alle  die
Kaufleute,  die  zehn  Jahre  vorher  an  der  Spitze  der  europäischen

l )  Für  das  ff.  sind  Hauptquelle  die  fünf  im  Geh.  Staatsarchiv
München  erhaltenen  Bände:  Zu  der  Paumgartnerischen  Rechtsache
gehörig  K  blau  382/3—382/7.  Wie  schon  erwähnt,  sind  die  einzelnen
Bände  ohne  Paginierung.  Der  1.  Bd.  enthält  die  schon  besprochenen
Testamente  Hans  Paumgartners  und  seiner  Gemahlin  Regina  Fugger
v.  Jahre  1535  u.  1543.  —  Die  Notariatsurkunde,  in  der  sich  Hans  Georg
für  seinen  Bruder  verschrieb,  steht  K  blau  382/6.
        <pb n="114" />
        III

Handelswelt  genannt  wurden 1 ).  Wenn  wir  an  die  weitläufigen
Unternehmungen  der  Paumgartner,  besonders  auch  ihre  Beziehungen ­
  zu  Frankreich  denken,  wird  es  uns  nicht  zweifelhaft
sein,  dass  auch  David  Paumgartner  durch  diese  Krisis  berührt
wurde.  Im  Jahre  1561  wird  die  schwierige  finanzielle  Stellung
der  Fugger  und  Paumgartner  auch  ausdrücklich  erwähnt
gelegentlich  von  Geldaufnahmen,  die  der  König  von  Spanien
in  Augsburg  bewerkstelligen  wollte.  „Aber  dieweil  die  zwey
Geschlechter  Fugger  und  Baumgartner  izo  mit  sich  genug  zu
tun  haben,  dan  inen  ain  gewaltige  Summa  Gelds  abkundigt
ist,“  konnte  er  nichts  ausrichten 2 ).  Im  nämlichen  Jahr  1561
zwang  dann  seine  Geldnot  den  David  Paumgartner  zu  erneuten
Geldaufnahmen,  die  zugleich  eine  Verletzung  der  von  seinem
Vater  errichteten  Familienstatuten  zur  Folge  hatten.  Er  lieh
am  24.  August  1561  von  dem  Markgrafen  Georg  Friedrich  von
Brandenburg  120  000  fl  und  musste  dafür  seine  Eigengüter  in
Hohenschwangau  und  das  Amt  Kaltarn  verpfänden.  Als
der  Markgraf  dem  Vertrag  gemäss  am  20.  August  1562
das  geliehene  Kapital  aufkündigte  und  bis  cathedra  Petri  1563
die  Rückzahlung  der  ersten  Hälfte  verlangte,  konnte  David
diese  nicht  leisten.  Auch  an  dem  neuen  Termin  (cathedra
Petri  1565),  zu  dem  sich  dann  Georg  Friedrich  auf  Bitten  des
Herzogs  Christof  von  Württemberg  verstand,  war  Paumgartner ­
  zahlungsunfähig 3 ).  Der  Markgraf  Georg  Friedrich
ergriff  hierauf  Besitz  von  der  Herrschaft  Hohenschwangau.
Im  Jahre  1561  musste  David  Paumgartner  auch  das  Lehen
Hohenschwangau  und  seine  erst  kürzlich  erworbene  Besitzung
Thannhausen  verschreiben.  Zusammen  mit  seinem  Verwandten
Oswald  von  Eck 4 )  nahm  er  damals  am  26.  Mai  1561  bei  Bona-’)

  P.  Hektor  M  a  i  r  s  Memorialbuch  K  fol.  357  ff.  (im  Augsburger
Stadtarchiv).  Bekanntlich  fallierte  damals  auch  Johann  Jakob  Fugger
(1563)-2
 )  A.  Kluckhohn:  Briefe  Friedrichs  d.  Frommen,  Kurfüisten
von  der  Pfalz,  Braunschweig  1868  S.  211  Anm.  1.
3 )  Lori:  Geschichte  des  Lechrains  2.  Bd.  S.  377.  Die  Urkunde,
in  der  David  Paumg.  Hohenschwangau  dem  Markgrafen  verschreibt,
K  blau  382/7  in  mehreren  Abschriften.
*)  Oswald  v.  Eck,  der  Sohn  des  mächtigen  Kanzlers  Wilhelms  IV.
v.  Bayern,  Leonhard  v.  Eck,  vermochte  ebensowenig  wie  die  Paumgartner ­
  sein  Erbe  zu  verwalten.  Er  geriet  in  Schulden  u.  musste  seine
Besitzungen  Randeck  u.  Eisenhofen  verpfänden  u.  verkaufen.  Eisen-
        <pb n="115" />
        112

Ventura  Furtenbach *  1 )  72  600  fl  auf  und  im  Jahre  1563  nochmals ­
  35  554  fl 2 ).  Hans  Georg  Paumgartner  protestierte  gegen
diese  eigenmächtigen  Verpfändungen  von  Familiengütern,  hatte
damit  aber  keinen  Erfolg.  Davids  schlimme  wirtschaftliche
Lage  wurde  im  Jahre  1563  allgemein  bekannt.  „Es  soll  auch
Herr  Davidt  Paumgartner  zu  Paumgarten  und  Hohenschwangau
verdorben  und  ob  300  000  gülden  schuldig  sein,“  schrieb  der
schon  genannte  Hektor  Mair  im  Junii  563  in  sein  Memorialbuch 2 ).
Beschleunigt  wurde  Paumgartneis  wirtschaftlicher  Zusammenbruch ­
  durch  den  Riesenbankrott  Jacob  Herbrots,  der  Paumgartner ­
  mit  ins  Verderben  riss.  David  Paumgartner  war  Herbrots ­
  Hauptgläubiger  und  hatte  von  ihm  85  630  fl  39  kr  zu
fordern.  Welcher  Art  die  Geschäfte  waren,  die  den  Freiherrn
von  Hohenschwangau  mit  dem  Augsburger  Spekulanten  und
Grosskaufmann  Herbrot  zusammengeführt  hatten,  lässt  sich
nicht  näher  angeben 3 ).  Herbrots  Konkurs  hatte  auch  den
Zusammenbruch  Oswald  von  Ecks  zur  Folge,  der  in  die  Hände
dieses  Wucherers  gefallen  war.  Ihm  schuldete  Herbrot  62  081  fl 4 ).
Oswald  von  Eck  seinerseits  war  mit  119  899  fl  43  kr  Gläubiger
David  Paumgartners 5  6 ).  Bei  diesen  engen  gegenseitigen  Beziehungen ­
  Herbrots,  Paumgartners  und  Ecks  riss  einer  den
andern  mit  ins  Verderben.  Paumgartners  Passiven  betrugen
gegen  600  000  fl.  Ausser  den  schon  genannten  Gläubigern

hofen  kam  an  die  Furtenbach,  die  sich  fortan  Furtenbach  v.  Reichenschwand ­
  u.  Eisenhofen  nannten.  Ueber  Eck,  dessen  Mutter,  wie  David
Paumgartners  Gemahlin,  aus  dem  Geschlecht  der  Freiberge  v.  Eisenberg
stammte,  vgl.  u.  a.  Th.  Wiedemann:  Johann  Turmair,  genannt
Aventin,  1858.  S.  72  ff.  Zu  Ecks  Bankrott  vgl.  auch  Cgm  2235.
1 )  Ueber  die  Furtenbach  siehe  Kneschke:  Neues  allgem.
Adelslexikon  Bd.  3  S.  412.
2 )  Augsburger  Stadtarchiv.
3 )  In  dem  obengenannten  Cgm  2235,  in  dem  Herbrot  und  Paumgartner ­
  öfter  im  Zusammenhang  mit  Oswald  v.  Ecks  Konkurs  genannt
werden,  spielen  Edelsteine  eine  gewisse  Rolle,  die  Eck  bei  Jacob  Herbrot ­
  verpfändete,  und  die  der  letztere  dann  wieder  an  Frankfurter
Juden  verkaufte.  Herbrot  hatte  für  die  Edelsteine,  die  gegen  26  250  fl
wert  waren,  ein  Anlehen  von  16000  fl  gemacht.  Auch  im  Herbrot-Selekt
  des  Augsburger  Stadtarchivs  (4)  ist  von  Kleinodien  die  Rede,  die
Herbrot  von  Eck  empfangen  hatte.
4 )  Herbrot-Selekt  4.  Herbrot  fallierte  mit  einer  Schuldsumme
von  566  687  fl.
6 )  Cgm  2235.
        <pb n="116" />
        —  1X3  —
Markgraf  Georg  Friedrich,  Bonaventura  Furtenbach  und  Hans
Georg  Paumgartner  sind  noch  zu  nennen:  Johann  von  der  Leyen,
trierischer  Amtmann,  mit  50  000  fl,  Lazarus  Schwendi  mit
15  000  fl,  Lazarus  Tuchers  Erben  33  000  fl,  Langenmantel  mit
16  000  fl  und  eine  Reihe  anderer  Personen  mit  kleineren
Summen 1 ).  Die  Umstände,  unter  denen  diese  Gläubiger  mit
David  Paumgartner  in  Beziehung  traten,  Hessen  sich  nicht
mehr  im  einzelnen  feststellen.  Bei  dem  Ansehen,  das  Paumgartner ­
  genoss,  und  bei  seinen  vielfachen  politischen  und
finanziellen  Verbindungen  muss  es  ihm  leicht  gewesen  sein,
Kredit  zu  erlangen.
Sobald  nun  seine  verzweifelte  Lage  bekannt  wurde,  suchten
die  Gläubiger  sich  ihrer  Gelder  zu  versichern 2 ).  Markgraf  Georg
Friedrich  nahm,  wie  schon  erwähnt,  Hohenschwangau  in  Besitz,
die  Furtenbach  Hessen  sich  mit  Hohenschwangau  (soweit  es
kaiserliches  Lehen  war)  belehnen  und  bemächtigten  sich  Thannhausens. ­
  Die  kleineren  Gläubiger  aber  glaubten  am  ehesten
wieder  zu  ihrem  Gelde  zu  kommen,  wenn  sie  sich  an  die  Tiroler
Regierung  wendeten.  Diese  erklärte  sich  bereit,  die  Forderungen ­
  einer  Reihe  von  Gläubigern  auf  sich  zu  nehmen,  wenn
diese  zugleich  noch  Bargeld  an  die  Kammer  liehen.  In  Innsbruck
benützte  man  nämlich  jetzt  die  günstige  Gelegenheit,  wieder
in  den  Besitz  von  Herrschaften  zu  gelangen,  die  einst  an  die
Paumgartner  verpfändet  worden  waren.  So  konnten  durch
Uebernahme  Paumgartnerscher  Schulden  einige  dieser  Besitzungen ­
  abgelöst  werden 3 ).  Vor  allem  aber  stach  der  Tiroler
Regierung  Hohenschwangau  in  die  Augen.  Diese  „grosse  weite
und  lustige  Herrschaft“  an  der  Landesgrenze  war  jetzt  Gegenstand ­
  der  eifrigsten  Bemühungen  der  Tiroler  Räte,  um  sie  in
Habsburgischen  Besitz  zu  bringen.  Wiederholte  Verhandlungen
wurden  in  den  Jahren  1565—1567  mit  dem  Markgrafen  gepflogen. ­
  Aber  für  das  schön  gelegene  Besitztum  interessierte
sich  auch  ein  anderer  Fürst,  an  dessen  Gebiet  dasselbe  grenzte  —
1 )  Geh.  Staatsarchiv  K  blau  382/7.  Davids  Bruder  Anton  erscheint
in  dieser  Tabelle  mit  einem  Guthaben  von  36  000  fl.  Er  erhielt  dafür
die  Herrschaft  Baumgarten.
2 )  Briefwechsel  der  Gebrüder  Blaurer  III  S.  773  schreibt  Ambr.
Blaurer  an  Heinr.  Bullinger  Ende  Juni  1563,  dass  David  mit  600000  fl
fallierte.
3 )  Die  Tirolische  Regierung  übernahm  ca.  37  000  fl  Paumgartnerscher ­
  Schulden  von  den  Gläubigern.  (Missiv  an  Hof  [1563])  fol.  839.
8
        <pb n="117" />
        —  ii4  —
Herzog  Albrecht  V.  von  Bayern 1 ).  Die  Regierung  in  Innsbruck
machte  vergebliche  Anstrengungen,  den  Uebergang  Hohenschwangaus ­
  an  den  Wittelbacher  zu  verhindern.  Am  14.  Juli
1567  trat  Markgraf  Georg  Friedrich  zu  Ansbach  nach  längeren
Verhandlungen  mit  den  bayerischen  Räten  alle  seine  Rechte
an  Hohenschwangau,  soweit  es  einst  dem  David  Paumgartner
zu  eigen  gehört  hatte,  um  69  000  fl  an  Albrecht  V.  ab 2 ).  Zwei
Jahre  zuvor  hatte  der  Herzog  von  Bayern  auch  den  Furtenbach
ihre  Ansprüche,  die  sie  auf  das  Lehen  Hohenschwangau  hatten,
abgekauft 3 ).  So  ging  diese  prächtige  Herrschaft,  die  Hans
Paumgartner  einst  im  Jahre  1535  mit  so  grossen  Anstrengungen
erworben  hatte,  nach  nur  3ojährigem  Besitz  aus  den  Händen
seines  Sohnes  in  den  Besitz  der  Wittelsbacher  über.  Sie  hatten
zwar  diese  auf  rechtmässigem  Wege  erworbene  Herrschaft  noch
Jahrzehnte  hindurch  gegen  die  Ansprüche  der  Paumgartnerschen
  Erben  zu  verteidigen,  aber  die  deshalb  am  kaiserlichen
Kammergericht  geführten  Prozesse  änderten  an  der  Sachlage
nichts  mehr.  Hohenschwangau  blieb  seit  1567  im  Besitz  der
Wittelsbacher.
Von  all  seinen  Gütern  blieb  David  Paumgartner  nichts
mehr  als  Konzenberg,  das  seine  Gattin  Ursula  von  Freiberg  zur
Nutzniessung  erhielt.  Er  selbst  irrte  nach  dem  Zusammenbruch
seiner  Vermögensverhältnisse  ruhelos  umher.  Sein  ehrgeiziges
Wesen  liess  ihn  den  Wechsel  des  Glückes  nicht  mit  Fassung
ertragen.  Er  fasste  den  abenteuerlichen  Gedanken,  einen
Versuch  zur  Wiederherstellung  seines  früheren  Ansehens  zu
wagen 4 ).  Bereits  im  Jahre  1561  hatte  er  Beziehungen  zu  dem
fränkischen  Ritter  Wilhelm  von  Grumbach  angeknüpft  und
diesem  am  8.  Dezember  1000  Kronen  geliehen 5  6 ).  Grumbach
*)  Vgl.  dazu  Sigm.  Riezler:  Geschichte  Bayerns  IV  S.  474  ff.
Albrecht  V.  suchte  Hohenschwangau  auch  deshalb  in  seinen  Besitz
zu  bringen,  weil  es  öfter  zu  Grenzstreitigkeiten  (bes.  1553,  1561)  mit
den  Inhabern  der  Herrschaft  gekommen  war.
2 )  Lori  II  377  ist  dieser  Kaufbrief  gedruckt.
3 )  Urkunde  bei  Aettenkhover  (Jos.  Ant.):  Kurzgefasste
Geschichte  der  Herzoge  v.  Bayern,  Regensburg  1767  S.  450  ff.  Auch
Thannhausen  ging  dann  in  den  Besitz  Albrechts  V.  über  (vgl.  Steichele
Bd.  5  S.  758).
4 )  Das  Hauptwerk  für  die  Geschichte  der  Grumbachschen  Händel
ist:  Friedrich  Ortloff:  Geschichte  der  Grumbachschen  Händel
4  Tie.,  Jena  1868  ff.
6 )  Ortloff  I  S.  236.
        <pb n="118" />
        8*

hoffte,  von  dem  als  reich  bekannten  Paumgartner  noch  grössere
Summen  für  seine  Zwecke  erlangen  zu  können.  Aber  die  diesbezüglichen ­
  Verhandlungen  zerschlugen  sich,  da  Paumgartner
als  Geldgeber  bald  nicht  mehr  in  Betracht  kommen  konnte 1 ).
Dafür  suchte  man  ihn  für  die  Zwecke  der  Adelsverschwörung
in  anderer  Weise  dienstbar  zu  machen.  Er  blieb  während  der
Jahre  1562  bis  1564  in  Korrespondenz  mit  Grumbach  und  dem
Herzog  Johann  Friedrich  von  Sachsen  und  machte  diesem
wiederholt  Mitteilung  über  seine  alchemistischen  Versuche.
In  seiner  Verzweiflung  hatte  sich  nämlich  der  Sohn  jenes  Mannes,
der  einst  aus  den  Bergwerken  Tirols  Tausende  von  Mark  Silbern
geholt  hatte,  der  Goldmacherkunst  in  die  Arme  geworfen.  In
einem  Schreiben  vom  23.  Oktober  1564  klagte  er  über  seine
drückenden  Schulden  und  die  Versuche  des  Markgrafen  von
Brandenburg,  Hohenschwangau  an  Bayern  zu  verkaufen 2 ).
Er  bat  dann  den  Herzog  von  Sachsen,  sich  für  ihn  beim  Markgrafen ­
  zu  verwenden  und  ihm  zu  raten,  wohin  er  sich  wenden
solle,  „wenn  er  sich  eine  Zeit  abwegs  tun  wolle“.  Was  letzteren
Punkt  betrifft,  so  hatte  Grumbach  für  ihn  bereits  einen  Auftrag:
er  sollte  an  den  Hof  des  Kaisers  sich  begeben  und  diesen  insgeheim ­
  in  die  Bestrebungen  des  fränkischen  Ritters  einweihen.
Paumgartner  begab  sich  hierauf  Ende  April  1565  in  die  Nähe
Grumbachs  und  übernahm  die  Mission  nach  Wien 3 ).  Vom
Mai  1565  bis  März  1566  weilte  er  am  Kaiserhofe,  wo  er  zugleich
auch  eigene  Angelegenheiten,  die  seinen  Gantprozess  betrafen,
erledigte.  Nach  seiner  Rückkehr  von  Wien,  wo  er  natürlich  in
der  Grumbachschen  Sache  nichts  ausrichtete,  blieb  er  in  der
Nähe  des  aufständischen  Ritters  und  wurde  wie  dieser  in  die
Reichsacht  erklärt.  Rasch  folgten  sich  nun  die  Ereignisse
und  das  Verhängnis  brach  über  die  Häupter  Grumbachs  und
seiner  Anhänger  herein.  Die  Stadt  Gotha,  in  der  sich  an  Herzog
Johann  Friedrichs  von  Sachsen  Seite  die  Aufrührer  verschanzt
hatten,  wurde  von  Kurfürst  August  von  Sachsen  als  dem  Vollstrecker ­
  der  Acht  belagert  (24.  Dezember  1566).  Die  Festung
Grimmenstein  wurde  erstürmt  und  Grumbach  mit  seinem
Anhang,  darunter  auch  David  Paumgartner,  gefangen  genommen. ­
  Man  erzählte  sich,  dass  der  letztere  beim  Abzug  des

*)  Ortloff  I  S.  241  ff.
a )  Ebenda  II  S.  331.
3 )  Ebenda  II  S.  332  ff.
        <pb n="119" />
        n6

Kriegsvolkes  hätte  mit  entkommen  können,  wenn  es  ihm
sein  Stolz  zugelassen  hätte,  in  einfacher  Tracht  zu  fliehen 1 ).
So  aber  mischte  er  sich  auf  stolzem  Ross  in  stattlicher  Rüstung
unter  die  Abziehenden,  wurde  von  dem  Grafen  Günther  von
Schwarzburg  erkannt  und  mit  Gewalt  zurückgehalten.  Als
ein  Anhänger  des  geächteten  Wilhelm  von  Grumbach,  in  dessen
aufrührerische  Praktiken  er  sich  eingelassen,  hatte  er  seinen
Leib,  Leben,  Lehen  und  Güter  verwirkt  und  war  einer  harten
Strafe  verfallen 2 ).  Aus  Gnaden  sollte  diese  gemildert  und  er
mit  dem  Schwerte  hingerichtet  werden.  Am  18.  April  1567
wurde  das  Urteil  vollzogen,  und  David  Paumgartner,  der
„herrlich  gekleidet  war,  als  keiner  unter  ihnen“,  enthauptet 3 ).
In  der  Augustinerkirche  zu  Gotha  wurde  er  begraben.  Auf  so
tragische  Weise  endete  der  Freiherr  von  Hohenschwangau  sein
Leben.  In  seiner  Verzweiflung  über  den  Zusammenbruch
seines  Vermögens  hatte  er  sich  unbesonnenerweise  an  die
Adelsverschwörung  angeschlossen,  in  der  Hoffnung,  bei  deren
Gelingen  wieder  zu  seinen  Gütern  zu  kommen,  die  er  in  die
Hände  von  Fürsten  hatte  übergeben  müssen.
In  den  Tagen,  da  David  Paumgartner  ein  so  unseliges
Ende  fand,  lag  sein  Bruder  Johann  Georg  zu  Augsburg  in
Schuldhaft.  Dieser  war,  soviel  sich  erkennen  lässt,  noch  der
geratenste  von  Hans  Paumgartners  Söhnen.  Er  war  in  Augsburg
geblieben  und  hatte  dort  wahrscheinlich  seine  kaufmännische
Tätigkeit  fortgesetzt.  Der  Bankrott  Davids  riss  ihn  dann  mit
ins  Verderben.  Er  hatte  sich  für  diesen,  wie  erwähnt,  verschrieben ­
  und  wurde  im  Jahre  1563  von  Davids  Gläubigern
1 )  Ortloff  III  S.  133  Anm.  1.  Dasselbe  berichtet  auch  ein  im
Augsburger  Stadtarchiv  (Litteraliensammlung  13.  April  1567)  erhaltenes
Schreiben,  das,  von  unbekannter  Hand  an  Herzog  Albrecht  v.  Bayern
gerichtet,  die  Uebergabe  Gothas  u.  den  Auszug  des  Kriegsvolks  schildert:
Wie  das  Kriegsvolk  hinauszogen,  hat  sich  David  Baumgartner,  so  der
letzt  bey  seynem  herrn  gestanden  auch  unter  in  mit  hinaus  dräen  wellen,
des  ist  Graf  Günther  von  Schwarzburg  innen  worden,  ine  mit  der  pixen
übel  zum  khopff  griesst,  das  ross  under  ime  weckfuren  und  ine  in  die
stadt  fueren  und  in  die  eisen  schlagen  lassen  da  liget  er  noch,  soll  auch
zu  ime  gesagt  haben,  die  kriegsleuth  seindt  nur  gefreit,  du  bist  khain
kriegsmann,  sonndern  ain  knapsackh.  Also  sein  gefangen  Grumbach,
Wilhelm  vom  Stain  .  .  .  und  Davidt  Baumgartner,  dem  es  meniglich
wol  gönnet,  sowol  als  den  andern  .  .  .
2 )  Das  Urteil  gedruckt  bei  Ortloff  III  S.  543.
3 )  Schilderung  der  Hinrichtung  ebenda  S.  158.
        <pb n="120" />
        II?

zur  Rückzahlung  der  Gelder  auf  gef  ordert.  Obwohl  selbst  vermögend, ­
  konnte  oder  wollte  er  für  des  Bruders  Schulden,  den
sein  „Uebelhausen  und  Prodigalität“  ins  Verderben  gebracht
hatte,  nicht  aufkommen.  Als  er  seinen  Verpflichtungen  nicht
nachkam,  reichten  die  Augsburger  Bürger,  die  Geld  zu  fordern
hatten,  Klage  beim  Rat  ein.  Aber  dieser  konnte  nichts  ausrichten,
  da  Paumgartner  sich  auf  seinen  Landgütern  aufhielt
und  sich  hütete,  in  die  Stadt  zu  kommen.  Als  er  dann  am
5.  März  1565  doch  die  Stadt  betrat,  um  der  Hochzeit  der
Sidonia  Isabella  Fugger  beizuwohnen,  wurde  er  auf  Befehl  des
Rates  verhaftet 1 ).  Zunächst  hielt  man  ihn  fünf  Monate  in
seinem  eigenen  Haus  in  der  Annastrasse  fest,  dann  wurde  er
auf  Drängen  seiner  Gläubiger  am  21.  August  in  strengere  Haft
genommen  und  aufs  Rathaus  geführt 2 ).  Seine  Schulden  beliefen
sich  nur  auf  ca.  80  000  fl 3 ),  er  weigerte  sich  aber  unter  Berufung
auf  seines  Vaters  Testament,  seine  Güter  an  Zahlungsstatt
zu  geben,  ganz  im  Gegensatz  zu  David,  der  einst  ohne  grosse
Bedenken  seine  Besitzungen  verpfändet  hatte.  Fast  fünf
Jahre  lang  wurde  er  in  Schuldhaft  gehalten,  bis  er  schliesslich
sich  mit  seinen  Gläubigern  einigte.  Seinem  Hauptgläubiger
Sebastian  Schertlin  von  Burtenbach  fiel  dabei  das  Paumgartnersche
  Stammhaus  in  der  Annastrasse  zu 4 ).  Am  3.  Mai  1570
konnte  Hans  Georg  Paumgartner  sein  Gefängnis  verlassen  —
ein  kranker,  gebrochener  Mann.  In  dem  Haus  eines  befreun-‘)

  Vgl.  Gasser:  Annales  Augstburgenses  bei  M  e  n  k  e  n  ,  Script,
rer.  germ.  I  Spalte  1907/08.
2 )  Paul  Hektor  M  a  i  r  in  seinem  Memorialbuch  K  fol.  246  a  bis
247  b  erzählt  ausführlich  von  Johann  Georgs  Schuldhaft.
3 )  Diese  Summe  nennt  Gasser  a.  a.  O.  Damit  stimmt  fast
überein  eine  Tabelle  der  Gläubiger  im  Geh.  Staatsarchiv  K  blau  382/7,
wo  die  Schuldsumme  mit  72  500  fl  angegeben  ist.  Unter  den  genannten
Personen  steht  Sebastian  Schertlin  mit  10000  fl  an  der  Spitze.
4 )  Vgl.  Ottmar  F.  H.  Schönhut:  Leben  und  Thaten  des  weil,
wohledlen  u.  gestrengen  Herrn  Sebastian  Schertlin  durch  ihn  selbst
deutsch  beschrieben.  Münster  1858.  S.  157:  Doch  als  ich  vertröst  bin
worden,  verhofft  von  Ferdinand  zu  Oesterreiche  und  den  Furtenbach
Münsterhausen  und  Thainhausen  ...  zu  kauffen,  ist  der  kauff  dissmal
hinter  sich  gangen  .  .  .  aber  in  Augspurg  der  Paumgartner  behausung
umb  10  000  fl  an  ainer  schuld  angenomen.  Schertlin  baute  das  Haus
dann  mit  einem  Aufwand  von  5000  fl  um.  So  wurde  das  Stammhaus
der  Paumgartner  in  der  Annastrasse  das  Sterbehaus  Sebastian  Schertlins,
woran  eine  jetzt  dort  angebrachte  Gedenktafel  erinnert.
        <pb n="121" />
        n8  —

deten  Bürgers  verbrachte  er  seine  letzten  Tage,  von  der  Krankheit, ­
  die  er  sich  während  seiner  Haft  zugezogen,  erholte  er  sich
nicht  mehr.  „Herr  Hannss  Jerg  Bangartt  im  Monat  29.  Juni
{1570)  nach  mittag  umb  acht  Uhr  ist  er  gestorben  inn  des
Vogels  haus  und  30.  ditto  am  Sambstag  hat  man  in  hinaus
gen  Erbbach  geführt  und  alda  begraben,  also  ist  er  der  zeittliche
  gefencknus  erledigt" 1 ).
Mit  dem  tragischen  Ausgang  Hans  Georgs  endigt  für  uns
die  Geschichte  der  Familie  Paumgartner.  Wie  öfter  in  der
Handelsgeschichte,  hatte  die  dritte  Generation  es  nicht  verstanden, ­
  die  von  den  Vätern  ererbten  Güter  zu  bewahren  und
zu  mehren.  Von  dem  reichen  Grundbesitz  Hans  Paumgartners
blieb  nur  Erbbach  der  Familie  noch  erhalten.  Aber  bereits  mit
Davids  und  Hans  Georgs  Söhnen  starb  das  Augsburger  Geschlecht ­
  ganz  aus.
Fast  ein  Jahrhundert  hindurch  haben  wir  die  Schicksale
der  Paumgartner  von  Augsburg  verfolgen  können.  Auf  kleine
Anfänge  folgte  eine  Zeit  fast  fürstlichen  Glanzes.  Dem  raschen
Aufstieg  schloss  sich  dann  ein  ebenso  plötzlicher  völliger  Verfall
an.  Im  Laufe  unserer  Darstellung  sind  uns  eine  grosse  Reihe
anderer  Kaufmannsfamilien  neben  den  Paumgartnern  begegnet,
die  fast  alle  das  gleiche  Schicksal  mit  ihnen  teilten.  Die  Geschichte ­
  unserer  Familie  wird  so  typisch  für  den  Gang  der
Handelsgeschichte  im  16.  Jahrhundert  überhaupt,  die  ja  im
Grund  nichts  anderes  ist  als  die  Geschichte  der  grossen  Handelsfamilien. ­
  Wie  bei  diesen  auf  einen  hohen  Aufschwung  eine  Zeit
des  Niedergangs  folgt,  so  bietet  auch  der  deutsche  Handel  in
der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  nach  einer  kurzen  Blüte
das  Bild  eines  raschen  Verfalls.
*)  Sein  Grabmal  ist  heute  noch  in  der  Pfarrkirche  zu  Erbach  zu
sehen,  wurde  aber  bei  einer  Renovation  der  Kirche  zum  Teil  verbaut.
Das  Zitat  stammt  aus  Hektor  M  a  i  r  s  Memorialbuch  K  fol.  247  b.
        <pb n="122" />
        Die  bayerischen  Baumgartner  von  Kufstein
und  Wasserburg 1 ).
Hans  Baumgartner,  seit  1462  als  Bürger  in  Kufstein  nachweisbar ­
 2 ),  beteiligte  sich  damals  bereits  als  Gewerke  an  der
Silbergewinnung  in  den  aufblühenden  Bergwerken  zu  Rattenberg, ­
  Kitzbühel  und  Kufstein,  Orte,  die  damals  bekanntlich
noch  zu  Bayern  (und  zwar  zur  Landshuter  Linie)  gehörten.
Gleichzeitig  war  Hans  Baumgartner  auch  als  Kaufmann  tätig,
indem  er  das  gewonnene  Metall  in  Venedig  und  andern  Handelsplätzen ­
  auf  den  Markt  brachte.  Einige  Urkunden  zeigen,  dass
er  im  Metallhandel  sich  bald  eine  Vorzugsstellung  zu  erringen
wusste.  So  überliess  ihm  Herzog  Ludwig  der  Reiche  am  12.  März
1472  alles  Silber,  das  in  den  genannten  drei  Bergwerken  gemacht
wurde,  auf  drei  Jahre 3 ).  Er  allein  sollte  während  dieser  Zeit
das  Recht  zum  Silberankauf  (die  Mark  nicht  unter  8  fl)  haben.
Im  Jahre  1474  stand  Baumgartner  auch  als  Gewerke  an  der
Spitze.  Er  lieferte  damals  2132  M  3  Quint  Silber  in  den  „Brenngaden“ ­
  zu  Rattenberg  und  liess  damit  den  nächstbedeutenden
Gewerken  Virgil  Hofer,  der  1469  M  2  1  3  q  ablieferte,
weit  hinter  sich 4 ).  Baumgartner  nahm  so  im  bayrischen  Berg-')
  Es  ist  nicht  beabsichtigt,  hier  eine  vollständige  erschöpfende
Geschichte  der  Baumgartner  von  Kufstein  u.  Wasserburg  zu  geben.
Nur  ihr  Anteil  am  Tiroler  Metallhandel  soll  ausführlich  geschildert
werden,  um  zu  zeigen,  welche  Bedeutung  ihnen  auf  diesem  Gebiet  zukommt, ­
  und  um  der  von  E  h  r  e  n  b  e  r  g  (a.  a.  O.  I  S.  192)  aufgestellten
Behauptung  entgegenzutreten,  dass  Hans  Paumgartner  von  Augsburg
eine  Zeitlang  in  Kufstein  wohnte,  um  dem  Bergbau  näher  zu  sein.
2 )  Das  Wappen,  das  Friedrich  III.  dem  Hans  Baumgartner  im
Jahre  1466  verlieh  (Chmel:  Regesta  Friderici  III.  Wien  1840  Reg.
Nr.  4840),  stellt  zwei  sich  kreuzende  Aeste  über  einem  geflochtenen
Gartenzaun  dar.
3 )  München,  Reichsarchiv:  Finanzgegenstände  Nr.  37  fol.  193  a.
*)  Im  Reichsarchiv  (Rattenberg  Landgericht,  Stadt  u.  Bergwerk
Fasz.  3)  hat  sich  ein  Verzeichnis  des  Silberbrenners  Silvester  G  r  e  n  s  i  n  g
        <pb n="123" />
        122

•werksbetrieb  eine  Art  Monopolstellung  ein,  dehnte  aber  Anfang
der  siebziger  Jahre  seine  Tätigkeit  auch  auf  die  nahen  Tiroler
Bergwerke  aus.
Die  Zeiten  der  Blüte  und  des  Verfalls  des  Bergbaus  zu
Schwaz  haben  uns  oben  in  der  Geschichte  der  Paumgartner
von  Augsburg  beschäftigt.  In  seine  Anfänge  führen  uns  die
Beziehungen,  die  Hans  Baumgartner  von  Kufstein  zu  ihm
hatte,  als  er  der  Geldgeber  des  Erzherzogs  Sigismund  wurde.
Wie  später,  so  streckte  auch  damals  der  Kaufmann  dem  Fürsten
Bargeld  vor  und  erhielt  dafür  Silber  zur  Tilgung  der  Schuld.
In  den  ersten  Jahren  trat  Hans  Baumgartner  zusammen  mit
dem  schon  genannten  Rattenberger  Gewerken  Virgil  Hofer 1 )
auf.  So  liehen  die  beiden  am  14.  Mai  1472  dem  Erzherzog  2096  fl,
wofür  sie  mit  Silber  bezahlt  wurden 2 ).  Diese  Geschäftsverbindung ­
  dauerte  jedoch  nicht  lange,  da  Hofer  im  Jahre  1474
als  Teilhaber  Baumgartners  verschwindet  und  fortan  nur  als
Gewerke  im  Schwazer  Bergbau  tätig  ist.  Dagegen  wurden
Baumgartners  Beziehungen  zu  Sigismund  immer  enger.  Im
Jahre  1477  lieh  er  —  wenn  wir  kleinere  Beträge  aus  den  Jahren
1473  bis  1476  übergehen  —  8095  fl  und  wurde  damit  auf  das
Silber  der  Schwazer  Gewerken  Füger  und  Erlacher  verwiesen 3 ).
Damals  trat  mit  dem  Kufsteiner  Kaufmann  der  Salzburger
Hans  Knoll  in  Konkurrenz,  der  dann  im  Jahre  1480  sich  mit
erhalten,  das  angibt,  wieviel  Silber  jeder  Gewerke  im  Jahre  1474  in
den  „Brenngaden“  ablieferte.  Diesem  Verzeichnis  sind  obige  Zahlen
entnommen.
')  Virgil  Hofer,  aus  Salzburg  stammend,  seit  ca.  1470  in  Rattenberg ­
  wohnend,  wurde  bald  einer  der  Hauptgewerken  des  Schwazer
Bergbaus.  Er  erwarb  dann  mehrere  Schlösser  und  Herrschaften  in
Bayern,  so  Holzhausen,  Falkenstein  und  Urfahrn,  wonach  sich  die
verschiedenen  Linien  benannten.  (Vgl.  Siebmachers  Wappenbuch
VI  1,  Abgestorbener  bayer.  Adel  II  [1906]  S.  76  u.  I  S.  5,  ferner  Wiguleus
Hund:  Stammenbuch  3.  Teil  in  Freibergs  Sammlung  historischer
Schriften  III,  2  S.  394.)  Virgil  Hofer  starb  1494.  Einer  seiner  Söhne,
Wolfgang,  der  mit  Agnes  Lang,  einer  Nichte  des  bekannten  Kardinals
Matthäus  Lang,  vermählt  war,  erwarb  1501  das  Schloss  Wildenwart
bei  Prien  u.  besass  dasselbe  bis  1540.  Sein  Grabstein  ist  heute  noch
in  der  Pfarrkirche  zu  Prien  zu  sehen  und  deshalb  bemerkenswert,  weil
auf  demselben  der  Geburtsort  seiner  Gemahlin  angegeben  ist:  angneess
ein  geporene  langin  aus  engalland  in  der  stadt  kallis.
2 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Raitbuch  (1472)  fol.  4.
3 )  Ebenda:  Raitbuch  (1477)  fol.  18.
        <pb n="124" />
        123

Baumgartner  zu  einer  Handelsgesellschaft  zusammenschloss.
„Hans  Baumgartners  von  Kufstein  Gesellschaft“  beherrschte
von  nun  an  das  Tiroler  Finanzwesen,  bekam  fast  den  ganzen
Silberhandel  in  ihre  Hand  und  gehörte  zu  den  ständigen  Besuchern ­
  des  venezianischen  Marktes.  Ein  eigener  Faktor  besorgte ­
  in  Hall  und  Schwaz  die  Geschäfte  der  Firma.  Die  Jahre
i486  bis  1488  bedeuten  den  Höhepunkt  ihrer  Tätigkeit  im  Silberhandel. ­
  Gegen  100  000  fl  lieh  die  Gesellschaft  damals  dem
Erzherzog,  der  mit  Venedig  im  Kriege  lag 1 ).  Als  dann  der  Friede
geschlossen  wurde  und  an  die  Republik  die  Kriegsentschädigung
bezahlt  werden  sollte,  versagte  offenbar  die  Finanzkraft  der
Kufsteiner  Firma.  Sigismund  musste  sich  an  die  Fugger  wenden,
die  zusammen  mit  Antonio  von  Ross,  dem  obersten  Amtmann
Tirols,  23  627  fl  zur  Bezahlung  an  Venedig  darliehen.  Der
Einzug  der  Fugger  in  Tirol  bedeutete  eine  Erschütterung  der
Sonderstellung  der  Baumgartnerschen  Gesellschaft.  Der  Augsburger ­
  Kaufmann  erkannte  die  Vorteile  der  auf  den  Silberbergwerken ­
  beruhenden  Geldgeschäfte  und  liess  sich  nicht  mehr
verdrängen.  Gegen  seine  bereits  fest  fundierte  Finanzkraft
vermochte  aber  der  Kufsteiner  Baumgartner  nicht  aufzukommen. ­
  Am  9.  Juni  1488  schloss  Fugger  mit  Sigismund  einen
grossen  Vertrag  ab  über  150  000  fl  und  erhielt  dafür  am  28.  August
alles  Silber  aus  der  Haller  Münze  zugesichert,  doch  sollte  er
wöchentlich  200  M  an  die  Gesellschaft  Hans  Baumgartners
in  Kufstein  hinauszahlen,  bis  diese  für  ihre  kurz  zuvor  gegebenen ­
  Darlehen  befriedigt  seien.  Die  Fugger  nahmen  also  die
Forderungen,  welche  die  Kufsteiner  Firma  an  Sigismund  hatte,
auf  sich,  um  jene  um  so  sicherer  von  einer  Verbindung  mit  der
Tiroler  Regierung  auszuschliessen 2 ).  Dieses  Ringen  um  die
Vorherrschaft  in  Tirol  wurde  dann  völlig  zugunsten  der  Fugger
entschieden  durch  den  im  Jahre  1490  ein  tretenden  Regierungswechsel. ­
  Maximilian,  der  am  16.  März  1490  an  die  Stelle  des
unfähigen  Sigismund  in  Tirol  trat,  begünstigte  bei  seinen
Finanzgeschäften  die  Augsburger  Kaufleute,  gewährte  dagegen
den  Kufsteinern  nur  geringen  Anteil  an  denselben,  nicht  zuletzt
*)  Nach  den  Rait-  u.  Copialbüchern  des  Statthaltereiarchivs
Innsbruck.
s )  J  a  n  s  e  n  in  „Anfänge  der  Fugger“  hat  diese  Vorgänge  S.  54  ff.
ausführlich  geschildert  und  auch  in  den  Beilagen  S.  114  die  in  Betracht
kommenden  Urkunden  mitgeteilt.
        <pb n="125" />
        124

auch  deshalb,  weil  diese  bayrische  Untertanen  waren  und  man
glaubte,  dass  die  Wittelsbacher  einen  besonders  schlimmen
Einfluss  auf  den  schwachen  Sigismund  ausgeübt  hätten.  Und
Baumgartner  war  ja,  wie  wir  oben  erwähnten,  auch  im  Dienste
dieser  tätig.  Völlig  liess  sich  die  Kufsteiner  Firma  aus  dem
einträglichen  Metallhandel  nicht  verdrängen.  Wenn  sie  sich
auch  an  den  Silberverträgen  keinen  Anteil  mehr  sichern  konnte,
da  diese  von  nun  an  mit  den  Fuggern,  Gossembrot,  Paumgartnern
  und  Herwart  von  Augsburg  abgeschlossen  wurden,
so  suchte  sie  jetzt  den  Kupferhandel  in  ihre  Hand  zu  bekommen.
Die  Kupferproduktion  war  nicht  den  Beschränkungen  unterworfen ­
  wie  die  des  Silbers,  vielmehr  erhielten  die  Gewerken
gegen  Bezahlung  einer  Abgabe  an  die  Regierung  das  freie  Verfügungsrecht ­
  über  das  von  ihnen  gewonnene  Kupfer 1 ).  Hatte
also  der  Landesfürst  Kupfer  nötig  —  und  Maximilian  brauchte
viel  für  seine  Kanonen  —,  so  musste  er  sich  an  die  Gewerken
wenden  und  mit  diesen  einen  Kaufvertrag  abschliessen,  oder
es  auf  dem  Markt  kaufen.
Hier  griffen  nun  die  Baumgartner  von  Kufstein  ein,  indem
sie  das  Kupfer  den  Gewerken  abnahmen  und  es  auf  den  Markt
brachten.  An  der  Metallgewinnung  waren  sie  bisher  selbst
nicht  beteiligt.  Nur  auf  bayrischem  Gebiet  stand  neben  dem
Handel  auch  eine  lebhafte  Tätigkeit  der  Firma  als  Gewerke.
Erst  durch  die  pfandweise  Uebernahme  der  Tiroler  Bergwerksanteile ­
  des  tiefverschuldeten  Antonio  von  Ross  bekamen  sie
auch  Anteil  am  Tiroler  Bergbau 2 ).  Am  29.  Mai  1490  schloss
Maximilian  den  ersten  grossen  Kupfervertrag  mit  Hans  Baumgartners ­
  von  Kufstein  Gesellschaft  ab 3 ).  Er  kaufte  von  ihnen
1 )  Jansen:  Jacob  Fugger  der  Reiche  S.  21.
2 )  Maximilian  begann,  sobald  er  die  Regierung  in  Tirol  angetreten
hatte,  mit  einer  gründlichen  Reorganisation  des  Behördenwesens,  wobei
auch  das  Institut  des  obersten  Amtmanns,  das  zuletzt  Antonio  v.  Ross
innegehabt  hatte,  beseitigt  wurde.  Als  nun  Maximilian  mit  Ross  abrechnete, ­
  stellte  es  sich  heraus,  dass  dieser  dem  König  noch  29  540  fl
und  2460  fl  Zins  schuldig  war.  Da  Antonio  v.  Ross  nicht  imstande  war,
die  Summe  (32  000  fl)  zu  bezahlen,  so  schoss  Hans  Baumgartners  v.
Kufstein  Gesellschaft  diese  vor.  Als  Pfand  musste  Ross  alle  seine  Bergwerke ­
  verschreiben,  die  dann,  als  er  fallierte,  in  den  Besitz  der  Baumgartner ­
  übergingen.  (Nach  den  Tiroler  Copialbüchern.  Vgl.  auch  Sigm.
Adler:  Die  Organisation  der  Centralverwaltung  unter  Maximilian  I.
S.  320  u.  343.)
3 )  Innsbruck,  Statthaltereiarchiv:  Cop.  Serie  II,  4.
        <pb n="126" />
        125

500  Meiler  (=  5000  Zentner)  Kupfer  zu  Venedig  um  32  000  fl.
Die  Bezahlung  dieser  Summe  übernahm  für  Maximilian  Ulrich
Fugger,  um  die  Baumgartner  nicht  wieder  in  Besitz  von  Silber
kommen  zu  lassen.  Mit  diesen  Kupfer  vertrügen  beginnt  die
zweite  Periode  in  der  Entwicklung  unserer  Firma.  Im  Jahre
1492  schloss  der  König  wieder  einen  grossen  Kauf  ab,  da  man
in  den  Niederlanden  viel  Kupfer  zum  Giessen  von  Granaten
benötigte.  Baumgartner  kaufte  damals  von  den  Gewerken
30  000  Zentner  Schwazer  Kupfer  (den  Zentner  zu  4%  fl),  um
142  500  fl.  Maximilian  übernahm  davon  24  000  Zentner  kaufsweise ­
  von  der  Kufsteiner  Gesellschaft,  den  Zentner  zu  6  y 2  fl,
so  dass  diese  also  am  Zentner  1%  fl  gewann 1 ).  Es  würde  zu
weit  führen,  die  ganze  Reihe  der  Verträge,  die  nun  in  den
folgenden  Jahren  abgeschlossen  wurden,  hier  aufzuführen.  Es
mag  der  Hinweis  genügen,  dass  alle  die  monopolartige  Stellung
der  Baumgartner  von  Kufstein  im  Tiroler  Kupferhandel  zeigen.
Wer  Kupfer  nötig  hatte,  der  König,  die  Augsburger  Kaufleute,
wie  die  seit  1496  in  Verbindung  auftretenden  Fugger,  Gossembrot
  und  Herwart,  sie  alle  kauften  von  Baumgartners  Gesellschaft, ­
  die  allein  die  Verträge  mit  den  Schmelzern  abschloss
und  das  Kupfer  auf  den  Markt  nach  Venedig  brachte.
Hans  Baumgartner,  der  Gründer  und  langjährige  Leiter  des
Geschäfts,  wirkte  in  dieser  neuen  Tätigkeit  nicht  mehr  lange.
Er  starb  am  23.  August  1493 2 ).  In  Kufstein  hatte  er  dem  Rat
angehört  und  war  im  Jahre  1476  Bürgermeister  gewesen.  Er
war  mit  Elisabeth  Soiter  vermählt  und  am  20.  Februar  1491
von  Friedrich  III.  geadelt  und  ihm  sein  Wappen  verbessert
worden 4 ).
*)  Jansen:  Jacob  Fugger  d.  Reiche  S.  22.
2 )  Sein  Grabmal,  ein  Werk  des  bekannten  bayrischen  Steinmetzen
Wolfgang  Leeb,  ist  an  der  südlichen  Aussenwand  der  Kufsteiner  Pfarrkirche ­
  heute  noch  wohlerhalten  zu  sehen.  Es  trägt  die  Umschrift:  hie
ligt  begraben  der  edel  und  vest  hanns  Bawmgartner  zu  kuefstain,  ist
gestorben  an  sand  Bartholomeus  abent  do  man  zelet  nach  der  geburd
Cristi  M“CCCC°  und  in  dem  LXXXXIII  jar.  dem  got  genedig  sey
amen.  Vgl.  Ph.  M.  H  a  1  m:  „Wolfgang  Leeb“  in:  Ztschr.  d.  Münchener
Altertumsvereins.  N.  F.  Bd.  14/15  (1903/04)  S.  20  ff.  Hier  auch  S.  22
eine  gute  Abbildung  des  Grabsteins.
4 )  C  h  m  e  1:  Regesta  Friderici  III.  S.  780.  Das  neue  Wappen,
das  gleichzeitig  auch  seine  Wasserburger  Vettern  erhielten,  stellt  einen
über  Flechtwerk  (Gartenzaun)  schreitenden  Löwen  dar.  (Abb.  z.  B.
        <pb n="127" />
        I2Ö

Nach  seinem  Tode  übernahm  Hans  Knoll  die  Leitung  der
Firma,  die  unter  dem  Namen  „weiland  Hans  Baumgartners  von
Kufstein  Gesellschaft“  Weiterbestand  und  in  der  angegebenen
Weise  den  Kupferhandel  betrieb.  Bald  machte  sich  aber  auch
hier  die  Augsburger  Konkurrenz  geltend,  besonders  seit  sich
die  Fugger  in  Ungarn  in  den  Kupferbergbau  eingelassen  hatten
und  das  Metall  in  Venedig  abzusetzen  suchten.  Iro  Silberhandel
bereits  allmächtig,  suchten  sie  nun  auch  im  Vertrieb  des  Kupfers
den  lästigen  Rivalen  loszuwerden.  Sie  gingen  dabei  in  der
Weise  vor,  dass  sie  die  Kufsteiner  Gesellschaft  bestimmten,
ein  Kupfersyndikat  abzuschliessen.  Dies  geschah  im  Jahre  1498.
Der  Vertrag  ist  bei  Ehrenberg  gedruckt 1 ),  der  jedoch  den  Fehler
begeht,  unter  den  dort  genannten  „Hans  Paumgartner,  Hans
Knoll  und  Gesellschaft“  den  Augsburger  Paumgartner  zu  verstehen. ­
  Schon  die  Erwähnung  des  Hans  Knoll  zeigt,  dass  nur
die  Kufsteiner  Firma  in  Betracht  kommen  kann.  Dadurch
verliert  der  Vertrag  auch  seine  isolierte  Stellung,  die  er  bei
Ehrenberg  einnimmt,  und  erhält  seinen  Platz  in  der  Reihe  der
von  uns  schon  besprochenen  Kupferverträge.  Trotzdem  bleibt
er  in  anderer  Hinsicht  interessant  als  eine  Etappe  in  dem  wiitschaltlichen
  Ringen  der  Fugger  mit  den  Baumgartnern  von
Kufstein,  das  wir  jetzt  schon  seit  1488  verfolgen  konnten.  Es
konnte  kaum  zweifelhaft  sein,  wem  hierbei  der  endliche  Sieg
zufallen  würde.  Bereits  im  nächsten  Jahre  (16.  März  1499)
trat  Jacob  Fugger  direkt  mit  den  Gewerken  in  Beziehung  und
kaufte  von  ihnen  150000  Zentner  Kupfer 2 ).  Die  Vermittlung
durch  Baumgartners  Gesellschaft  war  also  beseitigt.  Am  nämlichen ­
  Tag  erklärte  Maximilian,  dass  die  gleich  günstigen  Lieferungs-
  und  Beförderungsbedingungen,  die  „weiland  Hans
Baumgartners  von  Kufstein  Gesellschaft“  zustehen,  auch
Jacob  Fugger  gemessen  solle.  In  der  Folge  schloss  jene  nur
mehr  unbedeutende  Verträge  mit  der  Tiroler  Regierung  ab 3 ).

Mon.  Boica  Tom.  V  Anhang  Nr.  11  u.  auf  dem  obenerwähnten  Grabstein
Hans  Baumgartners.)
1 )  Bd.  I  S.  417  ff.  u.  S.  192.
2 )  Cop.  Serie  II  (1499)  fol.  12.
3 )  Die  Gesellschaft  erlitt  um  das  Jahr  1500  mehrmals  grössere
Verluste.  Neben  Antonio  v.  Ross  gehörten  auch  die  Stammler  in  Augsburg, ­
  die  damals  fallierten,  zu  ihren  Schuldnern.  (Stadtarchiv  Augsburg,
Stadtgerichtsbuch  1502  fol.  253,  279.)
        <pb n="128" />
        127

Die  Besorgung  der  grossen  Geldgeschäfte  von  politischer  Bedeutung ­
  war  längst  an  die  Augsburger  übergegangen,  unter
denen  seit  1496  auch  die  Brüder  Hans  und  Franz  Paumgartner
her  vor  treten,  wie  wir  dies  oben  eingehend  schilderten.  Die
Kufsteiner  Firma  aber  verwandelte  sich  immer  mehr  in  ein
Bergwerksunternehmen,  während  der  Handel  zurücktrat.  Bis
zum  Jahre  1503  war  Hans  Knoll  Leiter  des  Geschäfts,  dann
wird  1507  Benedikt  Katzböck  als  Inhaber  desselben  genannt.
Im  Jahre  1510  finden  wir  den  letzten  auf  die  Firma  bezüglichen
Eintrag  in  den  Tiroler  Kopialbüchern.
Hans  Baumgartner  von  Kufstein  hinterliess  vier  Söhne:
Wolfgang 1 ),  Martin,  Hans 1 )  und  Leonhard,  von  denen  uns  besonders ­
  noch  das  Schicksal  Martins  interessiert,  dem  auch  in  der
„Allgemeinen  Deutschen  Biographie“  ein  Artikel  gewidmet  ist 2 ).
Archivalische  Quellen  ermöglichen  es,  noch  weitere  Nachrichten
über  Martin  Baumgartners  spätere  Lebensschicksale  mitzuteilen,
über  die  der  genannte  Artikel  wenig  zu  berichten  weiss.
Martin  Baumgartner,  geboren  im  Jahre  1473,  war  beim
Tode  des  Vaters  20  Jahre  alt.  Ueber  seine  Beteiligung  am
väterlichen  Geschäft  hören  wir  nichts.  Vielmehr  hatte  er  sich
bereits  damals  den  Beruf  eines  Gewerken  erwählt.  Er  baute
seit  1494  in  Rattenberg  und  begann  dann  auch  zu  Schwaz.  Im
Jahre  des  Landshuter  Erbfolgekriegs  (1504)  stand  er  auf  der
Seite  Maximilians  und  brachte  auch  materielle  Opfer  bis  zum
Betrag  von  8000  fl 3 ).  Sein  Haus  am  Inn  wurde  bei  der  Beschiessung
  Kufsteins  geschädigt.  Im  Jahre  1507/08  unternahm  er
eine  Pilgerreise  nach  Palästina,  deren  Beschreibung  gedruckt
b  Diese  Hans  und  Wolfgang  Baumgartner  scheinen  identisch
zu  sein  mit  den  in  Acta  nationis  Germanicae  universitatis  Bononiensis
ed.  Ernst  Friedländer  et  Karl  Malagola  Berlin  1887  S.  256  (Zeile  39)
u.  S.  268  (Zeile  33)  genannten  Personen.  Danach  wäre  Hans  im  Jahre
1500  in  Bologna  als  Student  gestorben  u.  Wolfgang  im  Jahre  1507  in
Pavia  an  der  Pest.  Letzterer,  der  sich  wohl  nicht  Studien  halber  in
Bologna  aufhielt,  ist  wohl  identisch  mit  jenem  Juristen  Wolfgang  B.,
der  von  1494  bis  1498  in  Ingolstadt  Professor  war.  (Mederei:  Annales
  Ingolstadensis  Academiae  I  46.)
2 )  Bd.  II  S.  160.
3 )  Der  gleich  zu  erwähnenden  Beschreibung  seiner  Pilgerreise  ins
Heilige  Land,  hrsg.  v.  Donauer,  ist  eine  Biographie  und  Selbstbiographie ­
  Martin  Baumgartners  beigegeben,  der  ich  diese  Daten  entnehme. ­
  Vgl.  auch  wegen  der  Beschädigung  seines  Hauses  Geschäft
v.  Hof  (1507)  fol.  4.
        <pb n="129" />
        128

vorliegt 1 ).  Nach  seiner  Rückkehr  wurde  er  von  Maximilian  mit
dem  Rittertitel  ausgezeichnet  und  leistete  dem  Kaiser  verschiedentlich ­
  Dienste.  So  zog  er  im  Jahre  1510  mit  in  den
Krieg  und  lernte  dabei  die  Bergwerke  in  Luenz  kennen.  Er  begann ­
  dann  dort  den  Bergbau  und  steckte  in  der  Hoffnung  auf
künftigen  Gewinn  grosse  Summen  in  seine  Bergwerke.  Aber
trotz  seiner  auch  von  der  Tiroler  Regierung  anerkannten  Tüchtigkeit ­
  und  Ausdauer  gelang  es  ihm  nicht,  die  Bergwerke  in  die
Höhe  zu  bringen.  Er  erlebte  eine  Enttäuschung  nach  der
andern,  so  dass  er  1509  seine  Schwazer  Gruben  aufgab.  Im
Jahre  1511  gewährte  ihm  die  Regierung  eine  Unterstützung
von  1000  fl,  damit  er  beim  Bauen  ausharre.  Wohl  schloss  er
dann  Lieferverträge  mit  oberdeutschen  Kaufleuten  ab  auf
Silber  und  Kupfer,  er  konnte  aber  die  Termine  nicht  einhalten 2 ).
Im  Jahre  1518  nahm  er  auch  den  Bergbau  in  Schwaz  wieder
auf.  Gegen  30  000  fl  steckte  er  in  seine  Betriebe,  konnte  aber
mit  den  Augsburger  Kautherrn  nicht  konkurrieren.  Er  geriet
immer  tiefer  in  Schulden.  Seine  Hauptgläubiger  Jacob  Fugger 3 )
und  die  Stöckl  bedrängten  ihn  seit  1519  hart  und  forderten  die
Rückzahlung  des  dargeliehenen  Geldes,  wofür  er  ihnen  seine
Bergwerke  hatte  verschreiben  müssen.  Er  wandte  sich  um
Hilfe  an  die  Regierung  und  bat  um  3000  fl,  die  für  ihn  genügen
würden,  um  sich  wieder  in  bessere  Verhältnisse  emporarbeiten
zu  können.  Er  scheint  jedoch  nichts  erlangt  zu  haben,  da  im
Jahre  1522  Fugger  und  Stöckl  seine  Bergwerke  in  Besitz
nahmen 4 ).  Er  war  diesen  gegen  22  000  fl  schuldig.  Seinen

')  Christoph  Donauer:  Martini  a  Baumgarten  in  Braitenbaclr
peregrinatio  in  Aegyptum,  Arabiam,  Palaestinam  et  Syriam.  Norimbergae
  1594.  Die  in  Allg.  d.  Biogr.  II  161  genannte  Leichenpredigt  auf
Martin  Baumgartners  Sohn  konnte  ich  bis  jetzt  nicht  einsehen.  Nach
Röhricht-Meisner:  Deutsche  Pügerreisen  nach  dem  Hl.  Lande
S.  522  wäre  dies  bereits  Baumgartners  zweite  Palästinareise  gewesen.
In  der  eben  erwähnten  Selbstbiographie  Baumgartners  ist  davon  aber
nirgends  die  Rede.
2 )  In  den  Tiroler  Prozessbüchern  finden  sich  in  den  Jahren  152t  ff.
mehrfach  Einträge  über  solche  Forderungen  Gordian  Suiters  von
Kempten  u.  Hans  Manlichs  von  Augsburg.
3 )  Jacob  Strieder:  Eine  Fuggerinventur  aus  dem  Jahr  1527
(in  Ztschr.  für  die  gesamte  Staatswissenschaft,  Ergänzungsheft  17
[Tübingen  1905]  S.  41).
*)  Erst  damals  begannen  die  Fugger  sich  am  Bergbau  selbst  zu
        <pb n="130" />
        9

129

völligen  Zusammenbruch  zeigen  die  Copialbücher  von  1526.
Sein  Haus  in  Kufstein  —  ein  stattliches  Patrizierhaus  mit
50  Gemächern,  das  aber  die  Spuren  der  Verwahrlosung  an  sich
trug  —  war  einem  gewissen  Dionysius  Praun  und  der  Stadt
Kufstein  verschrieben  wegen  30  fl  Zins,  die  er  nicht  bezahlen
konnte 1 ).  „Er  war  in  solcher  Armut  und  Elend,  dass  er  weiter
gar  kein  Unterhaltung  und  Nahrung  hatte."  Dazu  kamen
Bedrängnisse,  die  er  wegen  seines  religiösen  Bekenntnisses  zu
erleiden  hatte.  Er  schloss  sich  nämlich  der  Reformation  an
und  liess  in  der  ihm  gehörigen  Kapelle  zu  Kufstein  den  Priester
Wolfgang  Ochsenhauser  die  neue  Lehre  verkünden 2 ).  Mehrmals ­
  verwarnte  ihn  die  Regierung  in  Innsbruck  und  forderte
die  Abschaffung  dieser  Neuerungen.  Ochsenhauser  verliess
dann  zwar  Kufstein,  Baumgartner  aber  blieb  seinem  Bekenntnis
treu.  Im  Jahre  1528  sandte  ihm  Luther  selbst  einen  Trostbrief 3 ).
Die  Regierung  sah  mit  Bedauern  diesen  vollen  Bankrott
Baumgartners,  „da  er  ein  tüchtiger  Bergmann  war  und  nicht
leichtsinnig  spekuliert  hatte.“  Der  Uebergang  des  Tiroler  Bergbaus ­
  in  die  Hände  der  Augsburger  wurde  für  ihn  zum  Verderben. ­
  Der  kleine  Unternehmer  konnte  sich  gegen  diese
hinanzleute  nicht  behaupten.  Die  Regierung  verschaffte  ihm
ein  kleines  Amt,  aus  dem  er  seinen  Lebensunterhalt  gewann 4 ).
Seine  Bergwerke  in  Luenz  baute  er  weiter,  der  Ertrag  war
jedoch  den  Gläubigern  verschrieben.  Jahrelang  (1528  bis  1532)
führte  er  mit  diesen  Prozesse,  jedoch  ohne  Erfolg.  Zuletzt
musste  er  sogar  sein  Wohnhaus  in  Kufstein  verlassen.  Er
starb  im  Jahre  1535  zu  Kufstein  und  wurde  dort  in  der  von
seiner  Familie  gestifteten  Kapelle  begraben.

beteiligen.  Die  Bergwerke  Martin  Baumgartners  hatten  sie  zunächst
nur  verwesungsweise  inne.
9  Missiv  an  Hof  (1526)  fol.  64.
2 )  J.  Loser  th:  Der  Anabaptismus  in  Tirol  (in:  Archiv  für  österr.
Geschichte  Bd.  78  (1892)  S.  425  ff.).
3 )  Dr.  Martin  Luthers  Briefwechsel,  bearb.  u.  mit  Anmerkungen  versehen ­
  von  Ernst  Ludwig  Enders  6.  Bd.  Calw  und  Stuttgart  1895  S.  383.
4 )  Missiv  an  Hof  (1,326)  fol.  71.  Hier  wird  von  Baumgartners
bergmännischer  Tüchtigkeit  gesprochen  und  auch  erwähnt,  dass  geschickte ­
  „Bergwerkspersonen“  wenig  mehr  vorhanden  seien.  Baumgartner ­
  erhielt  dann  das  oberste  Bergmeisteramt  mit  jährlich  100  fl
Dienstgeld.
        <pb n="131" />
        Einer  seiner  Brüder,  Leonhard,  hatte  sein  Glück  besser  zu
machen  verstanden.  Er  legte  sein  Vermögen  in  Grundbesitz
an  und  erwarb  die  in  Niederbayern  gelegene  Herrschaft  Stubenberg ­
  und  das  im  Pflegamt  Aibling  liegende  Höhenrain  und
wurde  damit  der  Stammvater  der  Baumgartner  von  Stubenberg ­
  und  Höhenrain 1 ).  Diese  Linie  fiel  später  zusammen  mit
der  Wasserburger  Linie  der  Baumgartner  von  Frauenstein-Ering.

Wie  die  Baumgartner  von  Kufstein,  sind  auch  ihre  Vettern
in  Wasserburg  bürgerlicher  Herkunft.  Die  genauen  verwandtschaftlichen ­
  Beziehungen  lassen  sich  aber  nicht  mehr  feststellen. ­
  Ueberhaupt  macht  die  Aufstellung  einer  völlig  gesicherten ­
  Genealogie  bei  der  Gleichheit  der  Vornamen  grosse
Schwierigkeit 2 ).  Im  folgenden  kann  es  daher  nur  unsere  Aufgabe ­
  sein,  kurz  zusammenzustellen,  was  sich  aus  dem  urkundlichen ­
  Material  an  Tatsachen  ergibt,  und  die  Glieder  der  Familie,
die  bedeutsamer  hervorgetreten  sind,  kurz  zu  charakterisieren.
Um  das  Jahr  1440  lebte  in  Wasserburg  ein';  Bürger  Peter
Baumgartner 3 ),  der  Getreidehandel  trieb  und  sich  auch  an  der
Salzgewinnung  in  Reichenhall  beteiligte 4 ).  Näheres  über  ihn
lässt  sich  nicht  feststellen,  da  die  erhaltenen  Urkunden  weiteren
Aufschluss  nicht  geben.  Peter  Baumgartner  starb  im  Jahre
1477  und  hinterliess  drei  Söhne:  Peter,  Johann  und  Wolfgang,
sowie  mehrere  Töchter.
Peter  Baumgartner  d.  J.  widmete  sich  dem  Studium  der  Jurisprudenz ­
  und  gehörte  seit  1478  der  neuen  Universität  Ingolstadt
als  Professor  des  kanonischen  Rechts  an.  Zweimal,  in  den
Jahren  1479  und  1482,  bekleidete  er  das  Rektorat 5 ).  Er  wurde
*)  Oberbayrisches  Archiv  f.  vaterländische  Geschichte  II  fol.  342  ff.
u.  VII  fol.  243,  261  u.  VIII  f.  162  ff.
2 )  Besonders  der  Vorname  Wolfgang  war  in  der  Familie  häufig.
3 )  Nach  Otto  Titan  v.  Heiners  Bayerischem  Antiquarius  I
S.  182  wäre  Peter  Baumgartner  als  armer  Weberknappe  aus  Voldepp
in  Tirol  nach  Wasserburg  eingewandert.  Leider  gibt  Hefner  für  diese
Behauptung  keine  Quelle  an.  In  Wasserburg  soll  Baumgartner  dann
durch  Auffinden  eines  grossen  Schatzes  im  Keller  seines  Hauses  reich
geworden  sein.  (H  e  f  n  e  r  a.  a.  O.)  In  Kufstein  war  Peter  Baumgartner,
wie  Hefner  fälschlich  angibt,  nie  ansässig.
4 )  München,  Reichsarchiv:  Gerichtsurkunden  v.  Reichenhall
Fasz.  30  Nr.  386  u.  391.
5 )  Rotmarus-Mederer:  Annales  Academiae  Ingolstadtensis
I  13,  17  u.  67.
        <pb n="132" />
        —  131  —
dann  Rat  Herzog  Georgs  von  Bayern-Landsliut  und  war  in
dessen  Diensten  bei  mehreren  Gelegenheiten  tätig.  Er  wohnte
seitdem  in  Landshut.  Seine  Haltung  im  Landshuter  Erbfolgekrieg, ­
  wo  er  die  drei  Gerichte  Kufstein,  Rattenberg  und  Kitzbühel ­
  seinem  Lande  zu  erhalten  suchte,  zog  ihm  Maximilians  I.
Ungnade  zu.  Albrecht  IV.  dagegen  belohnte  ihn  und  seinen
Bruder  Wolfgang  für  ihre  treue  Gesinnung,  indem  er  ihnen  im
Jahre  1508  das  Schloss  Ering  verkaufte.  Peter  Baumgartner,
seit  1496  mit  Anna,  der  Tochter  Wilhelm  Trenbecks,  vermählt,
trat  dann  in  die  Dienste  der  Herzoge  von  Bayern  und  wird  im
Jahre  1523  nochmals  erwähnt  als  Gesandter  Herzog  Wilhelms
zusammen  mit  Johann  v.  d.  Leiter 1 ).
Der  neueste  Herausgeber  von  Ulrich  Füetrers 2 )  Chronik,
Reinhold  Spiller,  hat  starke  Gründe  dafür  beigebracht,  dass
unser  Peter  Baumgartner  der  Fortsetzer  der  Chronik  Füetrers
ist.  Auch  das  Spiller  nicht  bekannte  Datum  aus  Peter  Baumgartners ­
  Leben,  das  Jahr  1523,  scheint  mir  seinen  Beweis  nicht
zu  entkräften,  da  Baumgartner  ja  schon  zu  seinen  Lebzeiten
sein  Geschichtswerk  seinem  Schwager  Bernhard  Trenbeck  übergeben ­
  konnte,  der  im  Jahre  1520  nachweisbar  im  Besitz  der
Handschrift  war.
Ganz  sicher  aber  dürfen  wir  Dr.  Peter  Baumgartners
Bruder  Wolf  gang  in  der  Reihe  der  bayrischen  Geschichtsschreiber ­
  aufführen.  Er  war  seit  1500  Rentmeister  zu  Wasserburg ­
  und  erlebte  im  Jahre  1504  die  Einnahme  seiner  Vaterstadt
durch  Ruprecht  von  der  Pfalz  (23.—28.  Mai).  Der  anschauliche
Bericht,  den  er  über  diesen  Vorgang  verfasste  und  den  schon
Westenrieder  der  Veröffentlichung  für  wert  gehalten  hat,  ist
eine  Art  Rechtfertigungsschrift  seines  damaligen  Verhaltens 3 ).
Der  dritte  der  Brüder,  Hans,  war  Vorgänger  Wolfgangs
im  Rentmeisteramt  Wasserburg  und  im  Gebirg  (seit  ca.  1479
bis  1500).  Er  starb  im  Jahre  1500  zu  Wasserburg,  wo  sein

l )  Deutsche  Reichstagsakten,  jüngere  Reihe  Bd.  4  S.  26,  27,  28.
Die  beiden  waren  zu  dem  Reichstag  nach  Nürnberg,  der  am  13.  Juli
1523  beginnen  sollte,  dann  aber  verschoben  wurde,  abgeordnet.
a )  Ulrich  F  ü  e  t  r  e  r:  Bayerische  Chronik.  Hrsg.  v.  Reinhold
Spiller  (=  Quellen  und  Erörterungen  z.  bayer.  Geschichte.  Neue
Folge  II  Abt.  2  S.  LXXX).
3 )  Westenrieder:  Historische  Schriften  I  (München  1784)
S.  181—206.  Vgl.  Riezler,  Geschichte  Bayerns  III  S.  595  u.  918.
        <pb n="133" />
        132

Grabmal,  ein  Meisterwerk  der  Steinmetzkunst  Wolfgang  Leebs,
noch  zu  sehen  ist 1 ).
Die  Wasserburger  Linie,  die  zusammen  mit  ihren  Kufsteiner
  Vettern  im  Jahre  1491  von  Friedrich  III.  geadelt  wurde,
blühte  bis  ins  19.  Jahrhundert  herein.  Sie  erlangte  im  Jahre
1629  den  Reichsfreiherrnstand,  im  Jahre  1745  die  Gratenwürde 2 ).
Jetzt  ist  das  ganze  Geschlecht  im  Mannesstamme  ausgestorben.
Erwähnt  sei  schliesslich  noch,  dass  der  berühmte  Kanzler
Albrechts  V.,  Augustin  Baumgartner,  der  auf  dem  Konzil  zu
Trient  eine  hervorragende  Rolle  spielte,  nicht  zu  unserer  Familie
gehört.  Er  stammte  aus  München  und  führte  auch  ein  ganz
anderes  Wappen.
1 )  Vgl.  den  oben  (S.  125  Anm.  2)  zitierten  Aufsatz  von  Halm  über
Wolfgang  Leeb.
2 )  Genealogisches  Taschenbuch  der  Gräflichen  Häuser,  Gotha  1889
S.  734-
        <pb n="134" />
        Personen-Verzeichnis.
Bei  einigen  häufig  vorkommenden  Namen  (z.  B.  Fugger,  Maximilian  I,
Karl  V.  u.  ä.)  sind  nur  die  Hauptstellen  berücksichtigt.

Adelmann  v.  Adelmannsfelden  85
Adler,  Augsburger  Handelshaus  31
—  Anna  76
—  Helena  76
—  Philipp  42-  47-  64.  73.  75
Albrecht  III..Herzog  vonBayern  21
IV.  ,  Herzog  von  Bayern
13.  41  f.  131
V.  ,  Herzog  von  Bayern
114.  132
—  Achilles  10  ff.  15.  24
Alciatus,  Jurist  90.  101
Aleander  70  ff.  74
Amberger,  Chr.,  Maler  4.7
Amerbach,  Bonifatius,  Humanist
86  f.
Andorfer,  Jörg  u.  Sebastian  58
Angerer,  Hans,  Hofzahlmeister  77
Argon,  Jörg  77
—  Johanna  78
Arzt,  Anna  21.  24
—  Clara  19
—  Hans  19
—  Hans  d.  J.  22
—  Justina  19  f.
—  Sabina  72
—  Ulrich  d.  Ae.  19
—  Ulrich  d.  J.  19  ff.
—  Ursula  19  ff.
—  Wilhelm  22
August,  Kurf,  von  Sachsen  115
Auslasser,  Hans  55
Bach,  Seligmann,  Jude  in  Nürnberg ­
  11
Baidung,  Hieronymus  55
Baumgartner  von  Nürnberg  und
Augsburg  siehe  Paumgartner

Baumgartner  von  Kufstein  121
bis  130
■—  Hans  34.  121—-125
—  Hans  d.  J.  127
*—  Leonhard  127  f.
Martin  58.  127  ff.
—  Wolfgang  127
—  von  Wasserburg  130—132
-  -  Hans  130
—  Peter  130
—  Peter  d.  J.  130  f.
—  Wolfgang  130
Baumgartner,  Augustin,  Kanzler
Albrechts  V.  132
Besserer,  Ulmer  Handelshaus  39  &amp;gt;
Bild,  Veit,  Humanist  85
|Bimmel,  Augsburger  Handelshaus
50.  54  f.  63—68
Blaurer,  Ambrosius  113
Bullinger,  Heinrich  113
iBurgkmair,  Hans,  Maler  43.  47  j
Buzer  Martin  93
Calixt  III.,  Papst  12
Camerarius,  Joachim  26
Capistrano,  Joh.  de  15
Carvajal  15
Christof,  Herzog  von  Bayern  13
—  Herzog  von  Württemberg
in
Cilly,  Ulrich  v.  9
Cochläus,  Johann  102
Confallonero  93
Contarini,  Gasparo,  Kardinal  94
Cranmer,  Thomas,  Erzbischof  von
Canterbury  88
Dachsin,  die  6
        <pb n="135" />
        134

Dietrich  II.,  Kurfürst  von  Köln  g
Dürer,  Albrccht  4.  26
Eck,  Leonhard  v.  111
—  Oswald  v.  111  ff.
Eliem,  Marx  43
Elisabeth,  Tochter  Ferdinands  I.
60.  68
Endres  v.  Graben  9
Engensteiner,  Jobst  73
Erasmus  v.  Rotterdam  3.  72.
87—89.  101  ff.
Erlacher,  Schwazer  Gewerke  122
Ferdinand  I.,  röm.  König  49  ff.
95  u.  ö.
Franz  I.,  König  von  Frankreich
65.  71.  110
Fregeno,  Marinus  de  12
Freiberg,  Ursula  v.  84.  114
Friedrich  III.,  Kaiser  9.  121.  125.
132
—  Burggraf  von  Nürnberg,
Kurf,  von  Brandenburg
10.  14
—  Kurfürst  von  Sachsen  13
Fröhlich,  Augsburger  Stadtschreiber
94
Frundsberg,  Georg  v.  54
Fuchs  v.  Fuchsberg,  Christof  50.  54
Füetrer,  Ulrich  131
Füger,  Schwazer  Gewerke  34.  122
Fugger,  Augsburger  Handelshaus
13.  31.46  ff.  75.  108.  123  ff.  u.  ö.
—  Anton  45.  64  ff.  74.  87  ff.
98  f.
—  Georg  43-45
—  Hieronymus  65
—  Jakob  42.  45  ff.  73.  126  u.  ö.
—  Johann  Jakob  102.  in
—  Raymund  65.
—  Regina,  Gemahlin  Hans'
Paumgartners  43.  45.  101.
106
—  Sidonia  117
—  Ulrich  125
Furtenbach,  Bonaventura  H2f.

Gassei,  Hans  32
Gassner  Lukas  38.  40.  46  f.
Georg  d.  Reiche,  Herzog  von
Bayern  131
Georg  Albrecht,  Abt  in  Füssen  107
Georg  Friedrich,  Markgraf  von
Brandenburg  111.  114  f.
Gering,  Christof  72.  82.  89
I  Geroldseck,  Gangolf  v.  80  f
Gossembrot,  Georg  35—38.  41
—  Sigismund  d.  Ae.  19  ff.
—  Sigismund  d.  J.  35
Grander,  Klaus  21
Granvella  92.  95  ff.
Graser,  Nürnberger  Familie  17
Grensing,  Silvester  121
Grieninger,  Lorenz  72.  82
Grumbach,  Wilhelm  ii4ff.
Habsberg,  Ulrich  v.  79
Hadrian  VI.  88
Haller,  Hans  16
—  Konrad  3
—  Ulrich  10
—  Wolfgang  73.  78  ff.
Han,  Michael  81
Hasse,  Heinrich  109
Haug,  Anton  59  f.  65.  70.  108
Heideck,  Konrad  v.  21
Heimburg,  Gregor  15.  21
Heinrich  II.,  König  von  Frankreich ­
  110
Heinrich  v.  Malters  15
Herbrot,  Jakob  96.  98  ff.  102
Herdegen,  Otto  13
Herwart,  Augsburger  Handelshaus
35  f.  50.  54  f.  60  f.  64.
75-  123
—  Christof  65
—  Georg  35
-  Hans  Heinrich  108
—  Hans  Paul  108
Höchstetter,  Augsburger  Handelshaus ­
  31.  50.  54.  56  ff.
—  Ambrosius  56.  72
—  Joachim  56
—  Ottilie  37
        <pb n="136" />
        135

Höfingcn,  Heinrich  Truchsess  v.  j
io;
Hölzl,  Blasius  46.  51.  53
Hofer,  Virgil  34.  58.  121  f.
—•  Wolfgang  122
Honold,  Regina  103
Hoy,  Hans  9
Humpis,  Jobst  21.
Ilsung,  Georg  68
Imhof,  Hieronymus  77
■—•  Leonhard  43
—  Regina  45
Simon  43
Johann,  Herzog  von  Bayern  13
Johann  Friedrich,  Kurfürst  von
Sachsen  99.  115
Jung,  Ulrich  76
Karl  V.  48  ff.  82  ff.  92  ff.  104
Katzböck,  Benedikt  127
Kleeberg,  Hans  71.  85
Klocker,  Hans  73
Knöringen,  Christof  v.  83
—  Wolfdietrich  v.  76“
Knoll,  Hans  34.  122.  126  f.
Kress,  Anna  5.  17
—  Fritz  5  f.
Hilpolt  6
-  -  Konrad  6  f.  9
Lang,  Agnes  122
—  Matthäus,  Kardinal  122
Laugenauer,  Plans  65
Langenmantel,  J  örg  42
—  Matthäus  98
Leeb,  Wolfgang  125.  132
Leyen,  Johann  von  der  113
Leiter,  Johann  von  der  131
Lichtenstein,  Philipp  von  63
Lidbach,  Hans  v.  10  f.
Lindener,  Michael  105
Lochner,  Johann  13
Löble,  Plans  53.  64
Löffelholz,  Wilhelm  17
Ludwig  d.  Gebartete,  Herzog  von
Bayern  10  f.

Ludwig  d.  Höckerige,  Herzog  von
Bayern  10  f.
Ludwig  d.  Reiche,  Herzog  von
Bayern  21  f.  121
Luther,  Dr.  Martin  26.  91.  129
|Mair,  Hektor  nof.
Manlich,  Augsburger  Handelshaus
47-  55-  63.  97
—-  Hans  128
—  Matthias  67
Maria,  Königin  von  Ungarn  101
Maschwander,  Gregor  6  5
Maximilian  I.,  deutscher  Kaiser
4.  35  ff.  46  ff.  123  ff.  131
—■  II.,  deutscher  Kaiser  87
SMedici,  Bankhaus  in  P'lorenz  12  f
Melauchthon,  Philipp  26.  93
Meuting,  Ludwig  21
—  Lucas  36.  40.  76
Moccnigo,  venezianischer  Gesandter ­
  70.  73  f.  109
Montfort,  Hans  v.  41
Morone,  Nuntius  94
Müllner,  Heinrich  21
Muffel,  Nikolaus  15
Muschler,  Johann  102
Nachtigall,  Otmar  85
Nagel,  Kaspar  20  f.
Nausea  101
Neithart,  Augsburger  Handelshaus
59  f.  108
—  Sebastian  65
-  Wolfgang  87
Neuhaus,  Konrad  9
Neuneck,  Melchior  v.  24
Ochsenhauser,  Wolfgang  129
Ortlieb,  Ulrich  10
Paller,  Wolfgang  110
Parsberg,  Werner  v.  21
Paumgartner,  die  von  Augsburg
31—118
—-  Anna  43.  45
—-  Anton  82.  102  f.  106.  113
David  82  f.  96  f.  102.  106
bis  118
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        25-  32
—  Bernhard  26
—  Clara  s.  Arzt
-  Friedrich  4
Gabriel  26
Hieronymus  26
Konrad  f  1350  4
Konrad  f  1367  4
Konrad  d.  Ae.  5—18
Konrad  d.  J.  8  f.  14.  18.  25
Kunigunde  32
—  Lukas  26
—  Margaretha  17
—  Martin  23.  25  f.
Michael  43
—  Sebald  18.  43
•—  Stefan  26
Peutinger,  Konrad  42
Pfinzing,  Sebald  10
Philipp  von  Hessen  26.  80.  94  f.
Philipp  von  Kastilien  42
Philipp  II.  von  Spanien  110
Pirlcheimer,  Felizitas  85
—  Thomas  13
—  Wilibald  26.  85

Pius  II.,  Papst  13
Plan,  Jakob  73
Praun,  Dionys  129
Prcu,  Jörg  84
Ramungen,  Hartwig  v.  8
Rechberg,  Wilhelm  v.  10  f.
—  Wolfgang  v.  76
Rehlinger,  Anton  110
—  Christof  110
—  Felizitas  32
—  Hans  62
—  Konrad  63
—  Leonhard  32
—  Ulrich  77
—  Wolfgang  92—95.  100
Riedler,  Anton,  22  f.
Rigler,  Franz  42
Rosenberg,  Albrecht  v.  26
Ross,  Antonio  v.  123.  124
Rothut,  Sigmund  81
Rott,  Konrad  43.  77
Rudolf,  Wolfgang  43.  82
Rummel,  Hans  10
—  Heinz  5
Rupilius,  Franz  101  f.
Sailer,  Gereon  94  f.
Salamanca,  Gabriel,  Graf  v.  Ortenburg
  41.  52.  54
Schachner,  Christof  13.
Schwangau,  Georg  v.  78  f.
—  Heinrich  v.  78  f.
Schertlin  v.  Burtenbach  95.  99.
109  f.  117
Scheurl,  Christof  16
Schmelzing,  Seyfried  8
Schürstab,  Erhard  15
—  Erasmus  16
Schwendi,  Lazarus  1x3
Seid,  Vizekanzler  87
Sigismund,  deutscher  Kaiser  8
Sigismund,  König  von  Polen  68
Sigismund,  Herzog  von  Bayern  13
Sigismund,  Erzherzog  von  Tirol  25
34  f.  122  f.
Soliman,  Sultan  63.  67
Soiter,  Elisabeth  125
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        I 37

Stadion,  Anna  v.  83.  102
—  Christof  v.,  Bischof  von
Augsburg  89
Stammler,  Augsburger  Handelshaus ­
  126
Steinberger,  Peter  ix
Stetten,  Georg  v.  xio
—  Michael  v.  32
Stöckl,  Schwazer  Gewerke  34.
58  f.  128
Stromer,  Ulman  4.  16
Stunz,  Augsburger  Handelshaus  39
Sturm,  Jakob  95
Suitcr,  Gordian  128
Tänzl,  Schwazer  Gewerke  34.  58  ff.
Tetzel,  Nürnberger  Geschlecht  17
Teubler,  Andreas  63.  64
Trenbeck,  Anna  131
—  Bernhard  131
—  Wilhelm  131
Tücher,  Endres  7.  17
•—•  Hans  17
•—-  Lazarus  113
Ulrich,  Herzog  von  Württemberg
50.  80
Ulstatt,  Hans  19  f.
—  Justina  s.  Arzt
—  Wilhelm  41

Velilin,  Erhard  v.  Memmingen  21
Vergara,  Johannes  88.  101
Vetter,  Jörg  42
Viglius  v.  Zwichem  86.  90.  98.  101
Villinger,  Jakob  47
Vöhlin,  Erhard  von  Frickenhausen
76
Vorchtel,  Paul  7
Wararn,  Wilhelm,  Erzbischof  von
Canterbury  88
Waldstromer,  Hans  7
Weeze,  Johann  v.,  Erzbischof  von
Lund  92
Welser,  Anton  43.  47.  54.  69
—  Franz  76
—  Philippine  73.  76
Wieland,  Jörg  41
Wilhelm  IV.,  Herzog  von  Bayern
41.  77.  in.  131
Wilhelm,  Herzog  von  Sachsen  23
Wolf,  Baltasar  43
Wolfgang,  Herzog  von  Bayern  13
Zasius,  Johann  Ulrich  87
—  Ulrich  74.  81  f.  86  ff.  89.  101
Zenner,  Clara  17
—  Konrad  17
Zott,  Hans  v.  Berneck  54.  63
77.  82
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        Druck  von  Gebrüder  Reichel,  Augsburg
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101  —

ms  Paumgartner  verlassen,  bleibt  uns  nur  noch
auf  sein  Familienleben  einen  kurzen  Blick  zu

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Hans  Paumgartners  Familienleben.
ie  Hans  Paumgartners  mit  Regina  Fugger  entlsser
  drei  Töchtern  vier  Söhne,  deren  Erziehung
•nit  grösster  Sorgfalt  überwachte.  Beruhte  doch
eine  ganze  Hoffnung  für  die  Zukunft  seines  Ge-Erasmus
  in  dem  bekannten  Brief  an  Johannes
imt  ausführlich  auf  die  Erziehungsmethode  Paum-■prechen:
  „Nullum  omnium  (sc.  filiorum)  destinavit
aut  aliis  sordidioribus  artibus.  Ad  eruditionem,  ad
d  gerenda  Principum  ac  Reipublicae  splendida
tuit  omnes,“  rühmt  der  Humanist  und  schildert
len  Lebensgang  der  einzelnen  Söhne 1 ).  Nachdem
luse  durch  einen  Hofmeister 2 )  vorgebildet  waren,
der  Vater  nach  Frankreich  und  Italien,  wo  sie  auf
L &amp;gt;itäten  in  den  Wissenschaften  von  ausgezeichneten
:errichtet  wurden  und  sich  weltmännische  Bildung
Der  älteste  Sohn  Hans  hörte  in  Bourges  in  den
0/31  bei  den  Juristen  Alciatus  und  Viglius  von
md  kam  dann  an  den  Hof  der  Königin  Maria  von
T.mi  opera  omnia  ed.  Clericus  III  1480  F.
olcher  war  längere  Zeit  Franziscus  Rupilius  in  der  Familie
Q  Jahre  1527.  Er  nennt  sich  im  Familienkodex,  in  den  er
—49  a  die  obenerwähnten  Statuten  des  Paumgartnerschen
sintrug:  L.  L.  doctor,  Ratisbonensis  et  Brixinensis  ecclelicus
  atque  tune  temporis  (1541)  Rev.  ac  Illustr.  episcopi
Brixinensis  dni  Christophori  Fux  a  Fuxperg  cancellarius  ac
f“nobilis  domini  Joannis  Panmgartneri  cliens  deditissimus.
1  von  Z  a  s  i  u  s  (bei  Riegger  Zasii  epistolae  S.  434)  als  Er-Ihne
  Paumgartners  erwähnt  und  ist  identisch  mit  jenem
upilius,  der  mit  Erasmus  und  Nausea  in  brieflichem  Verkehr
lupilius  nur  eine  Latinisierung  des  Namens  „Rothut“  ist,
f  tieinlich  der  o.  S.  81  genannte  Pfleger  von  Hohenschwangau,
thut,  ein  Verwandter  von  ihm.
Alciatus  sandte  Paumgartner  die  Ausgabe  der  Pandekten
er  nach  Bourges  zum  Geschenk,  ca.  1530  (Stintzing:
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        ﻿
        <pb n="142" />
        ﻿
        <pb n="143" />
        ﻿
        <pb n="144" />
        ﻿
        <pb n="145" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
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