4 der er das Deutschland der vierziger Jahre des 19. Jahrhun derts mit demjenigen vor 45 Jahren, als er selber noch in Deutschland studierte, vergleicht, sagt er unter anderem: »Die Wissenschaften sind hoch kultiviert. Die alte Pedanterie, das dürre Brotstudiumwesen, die Kleinlichkeit und Ein seitigkeit meiner Universitätsjahre haben aufgehört. —. —. — Die Hilfsmittel des Lehrens und Lernens haben sich un- gemein ausgebildet. —. —. — Die Ungebundenheit des Burschenlebens ist eingeschränkt zu grossem Nutzen. —. — Die Sitten der Studierenden sind geschliffener.« 1 ) Über Giessen äussert sich G. Kankrin an einer anderen Stelle der selben Tagebücher folgendermassen: »Giessen war ein gar elendes, befestigtes Städtchen, jetzt hat sich vieles zum Bessern und Schlechtem verändert. —. —. — Die einst schwache Universität ist durch Anstalten und neuerdings durch Professor Liebig in bedeutenden Flor gekommen. Der Ton scheint, wie ehemals, noch ziemlich gemein. Ein am Abend tiefbetrunkener, lallender, sonst geschickter Pro fessor G. drängte sich zum Aergernis der Anwesenden be ständig zu mir. —. —. — Doch wie haben sich die Wissen schaften in den 5ö Jahren, vor denen ich zuerst nach Giessen kam, aus dem trocknen Brotstudium gerissen, be sonders aber die dürre Juristerei gehoben, die aus verschie denen Epochen ein römisches Recht zusammenklaubte und ein deutsches machte, zu dem es nichts Allgemeines gibt.« 2 ) Über Marburg finden wir in den Tagebüchern 3 ) nur sehr weniges, nämlich nur die Tatsache konstatiert, daß der Autor, »durch die Franzosen aus Giessen verscheucht«, eine Zeitlang dort gelebt habe. Über die volkswirtschaftlichen Studien, die uns hier am meisten interessieren, finden wir keine Andeutung weder in den bisherigen und zwar sehr dürftigen Biographien von G. Kankrin, noch auch in seinen Tagebüchern selbt. Etwas Licht darüber zu werfen, wird vielleicht hier am Platze sein. >) Rtgb. I. 193/134. 3) Rtgb. II. 29—30.— “) Rtgb. II. 28-