— 13 — Armee, wo er im Hause des Fürsten Barklay-de-Tolli eine junge Dame, Namens Katharina Murawjew, kennen lernte und später, nämlich 1816, heiratete. Die Gefühle der Treue und Liebe hat er für sie bis ans Lebensende bewahrt. Indessen wurden die Dienstverhältnisse nach dem Kriege für Kankrin immer unerträglicher. In Petersburg schien man ihn zu vergessen. Er versuchte die Aufmerk samkeit auf sich zu lenken, doch scheinen die Versuche keine gute Wirkung gehabt zu haben. Was waren das für Versuche? Das russische Volk schmachtete damals bekanntlich nicht nur unter den Lasten des Krieges, sondern auch und zwar ganz besonders unter dem Joche der Leibeigenschaft. In Weiss-Russland, wo Kankrin um diese Zeit beim Haupt quartier wohnte, begegnete er auf jedem Schritt und Tritt dem Elende der russischen Leibeigenen. »Der Ackerbau macht nirgends bei uns Fortschritte, weil bisher alle Be mühungen der Grundbesitzer nicht darauf gerichtet waren, die Lage der Bauern zu verbessern, sondern bloss, um sie zu bedrücken. Die Vermehrung der Abgaben des Land bauern — das ist das einzige Ziel der Grundbesitzer.« So hiess es in der Denkschrift, 1 ) die Kankrin am 24. Febr. 1818 durch den Grafen Nesselrode Alexander I. übergab. In dieser Denkschrift schlug er Alexander I. den Plan der langsamen aber endgültigen Abschaffung der Leibeigen schaft vor. Der Plan wurde nicht beachtet, ja er hat viel leicht sogar zu Ungunsten Kankrins gewirkt, denn es war schon mit den liberalen Allüren Alexanders I. vorbei und die Idee der Bauernreform war schon in massgebenden Kreisen so gut wie begraben. Die Bedrückung der Leib eigenen war inzwischen sogar noch stärker geworden als je vorher. 2 ) *) »Recherches sur l’origine et l’abolition du vasselage« etc. — 2 ) Semevskij, 199.