18 — schieht.« 1 ) All das zeugt, dass er die grosse Bedeutung der Wissenschaft im Staatsleben zu schätzen wusste. Und als im J. 1844, während seines Aufenthalts in Paris, die Pariser Akademie der Wissenschaften ihm für die Förderung der Wissenschaft ihre Anerkennung bezeugte, wurde ihm damit eine wohlverdiente Ehre erwiesen. 3 ) Mit den Männern der Kunst und Wissenschaft ver kehrte Kankrin mit Vorliebe, und den Poeten gegenüber, deren manche er auch in seinem Ministerium beschäftigte, erwies er immer einen grossen Respekt. Er, der wegen seiner schroffen Art im Alltagsleben bekannt war, wusste wenn es galt etwas für seine Lieblingsneigungen zu tun, auch fein und bescheiden zu sein. Hierfür ist z. B. sein Brief bezeichnend, den er an Al. v. Humboldt geschrieben hat. In dem Briefe hemerkt er mit Bezug auf die Absicht Humboldts, an Kaiser Nikolaus I. einen Danksagungsbrief zu richten: »Der Brief an den Kaiser dürfte, ich bitte, nichts über mich enthalten.« 8 ) Darauf erwiderte Al. v. Humboldt: »Ihres Namens ist in dem Briefe nicht erwähnt, was mir nicht leicht geworden ist«. 4 ) Bemerkenswert ist Kankrins Verhältnis zu Kaiser Nikolaus I. ln einem Nikolaus I. gewidmeten Artikel in der »Gegenwart« 5 ) aus dem Jahre 1849 heisst es unter anderm: »Kankrin, persönlich vom Kaiser gar nicht geliebt, ist in finanziellen Fragen mit seiner Ansicht häufig gegen die des Kaisers durchgedrungen«. Und tatsächlich war das Finanzministerium unter Nikolaus I. wohl das einzige Ministerium, das von Kankrin selbständig geleitet wurde. Aber trotz der Verschiedenheit der Meinungen in Finanz sachen, die ziemlich oft zum Ausdruck kam, waren alle beide wohl ganz einig in der Auffassung der Hauptfrage der Staatspolitik. Beide stimmten in dem Grundprinzip überein, daß jede Abweichung vom Status quo in der Lage ') Rtgb. I. 236. — 2 ) Rtgb. II. 163. — 3 ) Briefwechsel, 61. — 4 ) Briefwechsel, 64. — 6 ) II Bd. 296. —