— 30 — das Fabrikwesen so in die Höhe gebracht werden, dass »nicht bloss der eigene Bedarf gedeckt, sondern auch eine bedeutende Ausfuhr erübrigt würde.« 1 ) Zweitens, soll der Handel so gefördert werden, dass man immer höhere »Privationsgewinne«, d. h. immer grösseren Anteil am Welt reichtum erzielen kann. Das solle geschehen durch die gesteigerte Produktion, sowie durch andre Hilfsmittel, wie: Kolonialsysteme, Navigationsakte, Rückzölle, Handelstraktate, Seemacht, Streben nach Monopolen, verbesserte Schiffahrt usw. Dabei soll drittens durch die gesteigerte Produktion und den Handel auch der Ackerbau einen höheren Impuls bekommen. Man habe zwar vom Ackerbau weniger als von der Industrie und Handel gesprochen, nichtsdestoweniger habe man richtig angenommen, dass er durch Einwirkung der Industrie »von selbst komme«. Übrigens sei in einzelnen Fällen, wie z. B. in England, durch Ausfuhr- und Einfuhr verbote manches auch für den Ackerbau geschehen. Es mag auffallen, dass bei der Besprechung des Mer kantilsystems von der Handelsbilanz, die doch als das Hauptdogma des Merkantilismus gilt, keine Rede ist, trotzdem Kankrin die Grundsätze dieses Systems hier im allgemeinen richtig angegeben hat. In Wirklichkeit verhält es sich aber so, dass Kankrin nur den Ausdruck Handelsbilanz nicht gebraucht, die Sache selber aber in dem bringt, was er »Privationsgewinne« nennt. Darauf werden wir später aus führlicher zurückkommen müssen. Wie aus dem obigen zu ersehen ist, nimmt Kankrin den Merkantilismus im allgemeinen gegen die Anfeindungen seiner Gegner in Schutz. Man muß dabei aber gleich be tonen, daß er gewisse merkantilistische Fehlgriffe doch an erkennt. Diese sind nach seinen Worten »die Übertreibungen in Hinsichten des Staatsweisheit«. 2 ) Die Industrie eines Landes muß, um für dasselbe nicht nachteilig zu werden, nach Kankrin in ihren »natürlichen ') Weltr. 110. — -’) Weltr. 111.