38 Der auf die hier gekennzeichnete verschiedenartige Weise entstehende Anteil des Nationalreichtums am Welt reichtum kann selbstverständlich »bald grösser, bald kleiner sein« 1 ) und muß offenbar, um uns merkantilistich auszu drücken, in einer günstigen oder ungünstigen Handels bilanz seinen Ausdruck finden. Doch ist zu bemerken, dass Kankrin wohl den Aus druck »Handelsbilanz« schon im »Weltreichtum« hie und da gebraucht, aber eine weitere Erklärung dieses Zentral begriffes des Merkantilismus nicht gibt. Überall da, wo vom Anteil am Weltreichtum gesprochen wird, scheint der Begriff der Handelsbilanz immer vorausgesetzt zu sein, als bedürfte er keiner näheren Erörterung. Erst in der »Öko nomie« wird die Handelsbilanz besonders behandelt. »Die Handelsbilanz — heisst es da — ist dasjenige Verhältnis, wenn aus der Vergleichung aller ausgeführten und einge führten Werte, nach Ablauf des Jahres, für eine Nation ein plus oder minus herauskommt, also eine günstige oder ungünstige Handelsbilanz.« 2 ) »Eine günstige Handelsbilanz vermehrt das Kapital der Nation«, sagt Kankrin 3 ), und deshalb sei sie besonders jungen Nationen sehr notwendig. Eine ungünstige Bilanz dagegen sei sehr zu meiden, da sie das Kapital des Landes vermindere und mit edlen Metallen oder Geld ausgeglichen werden müsse. Hier warnt aber Kankrin davor, bei der Herausrechnung der Handelsbilanz in einen Irrtum zu ver fallen, denn »edle Metalle, ja gemünztes Gold . — . — . sind nicht selten Ware, weil die Nation sie über Bedarf produziert« 4 ). Es sei deshalb »nicht immer leicht zu ent scheiden, wie viel davon Ware oder Saldo für eine ungün stige Bilanz« sei. Immerhin müsse jeder Staat stets nach einer günstigen Bilanz streben und sie durch verschiedene Maßregeln besser ») Weltr. 2- — 2 ) Ök. 246. — Ök. 248. — 4 ) Ök. 248-