— 85 — welche sich doch selber fast ausschließlich aus der Mitte derselben Fronherren rekrutierten. Außerdem hat unter Alexander I. eine für die Leibeigenen verhängnisvolle Ge pflogenheit Platz gegriffen. Sie wurden nämlich wie Sachen an die Unternehmer verschiedener Arbeiten oder an die Fabriken pachtweise abgegeben. Die Lage dieser Leib eigenen, die das Los von Sklaven trugen, war geradezu beklagenswert und menschenunwürdig. 1 ) Wie gestalteten sich die übrigen Seiten des ökono mischen Lebens in Rußland in der uns interessierenden Zeitperiode? Mit Bezug auf die Industrie muß zunächt konstatiert werden, daß sie um jene Zeit tatsächlich schon einige Fort schritte gemacht hatte. Allerdings waren dieselben nicht be trächtlich. Indessen war auch hier eine Situation geschaffen, die gebieterisch eine Änderung der socialen Verhältnisse forderte. Bekanntlich ist die russische Industrie auf Peter den Großen zurückzuführen, der zuerst Manufakturfabriken in seinem Lande gegründet hat. Um jene Zeit, d. h. im XVIII. Jh., lagen die sozialen Verhältnisse in Rußland so, daß die Fabriken ohne fronpflichtige Arbeit nicht hätten bestehen können. Es gab nämlich noch keine freien Arbeiter. Auch war die fronpflichtige Arbeit wegen der niedrigen Stufe der damaligen Technik viel lohnender als jede andere. So kam es denn, daß alle Industriezweige mit der herrschenden fron pflichtigen Arbeit gegen Ende des XVIII. Jh. nicht nur den inländischen Markt versorgen, sondern auch nach dem Aus land exportieren konnten. 3 ) Die Lage wurde aber eine ganz andere im XIX. Jh., als die Technik es ermöglichte die Ffandarbeit durch die Maschine zu ersetzen. Die fronpflichtige Arbeit ließ sich nur sehr schwer einer Produktionsweise anpassen, die mit technisch voll- b Vgl. Sem. 195—7. — 2 ) T.-Bar. I. 81-82.