31 sich selbst kaum ernähren. Der Wert der Getreideproduktion in Österreich im Jahre 1912 hat 1918 Millionen Kronen ausgemacht, könnte man ihn durch intensivere Wirtschaft nur um 20°/o vermehren, so würde Österreich aus dem Boden 3836 Millionen Kronen pro Jahr mehr erreichen. Die Einfuhr von Getreide nach Österreich ist 1912 gegen das Jahr 1911 um 34‘6 Millionen Kronen gestiegen, und so hat die Einfuhr schon den Wert von 122 Millionen Kronen erreicht. Auf dem Koseier Wasserwege wurden im Jahre 1912 für Österreich Chilisalpeter für den Ackerbau für 21 Millionen Kronen zugeführt; in Triest aber nur für 9 Millionen Kronen und in Fiume für 6 Mil lionen Kronen. In der Zufuhr von Superphosphaten und Kalidünger ist das Verhältnis noch ungünstiger. Die Aufgabe, das Kunstdüngerkartell zu brechen, kann nur eine unter Einfluß des Staates stehende, an dem Wasserwege gelegene neutrale Fabrik lösen; deswegen wäre für diesen Zweck eine gemischt öffentliche Genossenschaft dringend notwendig. Die Erträgnisse wer den die Auslagen amortisieren, auch hier wäre kein Heller von Steuergeldern zu verwenden nötig. Eine Superphosphatfabrik auf der österreichischen Grenze bei Udine, als Genossenschaft gegründet, hat ihren Abnehmern 500/0 vom Kaufpreise als Dividende im Jahre 1913 zurückgezahlt! Das Ausnützen der natürlichen Wasserkräfte für den sehr teuern Staatsbahnbetrieb, für die auf teuere Kohle angewiesene Industrie, für die Fabrikation von Kalksalpeter, ein Ersatzmittel 'für Chili- natron-Salpeter, dem ausgezeichneten Kunstdünger, wobei die Roh stoffe, der Kalk, in Mengen dort vorhanden sind und der Stickstoff aus der Luft entnommen wird, wären die wirksamen Mittel, um dem Übel abzuhelfen. In der zweiten Hälfte der Monarchie, in Ungarn, geht es auch nicht besser, von dort erhalten wir stets weniger Getreide, der Boden ist auch dort mangels des billigen Kunstdüngers ärmer geworden. In den Jahren 1908—1912 ist weniger Getreide nach Österreich gebracht worden, als in den Jahren 1903—1907, und zwar an Weizen 1147 Tausend Meterzentner (5092—3945), an Roggen 23 Tausend Meterzentner (2672—2649), an Gerste 44 Tausend Meterzentner (2108 bis 2064). Der in dem fortschrittlichen Ackerbau unumgänglich not wendige. Kunstdünger ist dort beinahe unbekannt, dort entfällt auf ein Katastraljoch nur 1 / 10 % an Kali, in Deutschland 57 kg, in Öster reich o'4Ö kg. So sieht der Ackerbau im österreichischen Speicher