86 Zeit ist eine Wandlung eingetreten. Die stets wachsende Zahl der im Umlaufe befindlichen Genussaktien musste not wendig dazu treiben. Der erste, der sich in eingehender Weise mit den Genussaktien befasste, war Thaller 1 ). Er findet es sonderbar, dass das gleiche Faktum einmal als Verteilung von Reingewinn, ein andermal als Rückzahlung von Grundkapital erscheint. Reingewinn kann nur in Form von Dividende zur Verteilung gelangen 2 ). Er sieht somit in der Genussaktie nichts anderes als eine mit einer ausser ordentlichen Dividende bedachte Aktie. Diese Theorie rvird durch folgendes praktisches Beispiel gestützt 8 ). Eine Aktien gesellschaft mit einem Kapital von 1 Million hat in wenigen Jahren ihre Aktien aus dem Reingewinn amortisiert. Auf die fetten Jahre folgen magere. Die Gesellschaft arbeitet während mehreren Jahren ohne Gewinn, aber auch ohne Verlust. Da die Aktionäre eine Katastrophe befürchten, beschliesst die Generalversammlung zu liquidieren. Was wird nun verteilt werden? Vielleicht etwa Gewinn? Nein. Denn die Gesellschaft kennt leider seit langem keinen Gewinn mehr, sie hat nur das Grundkapital gerettet. Die Aktionäre erhalten einfach ihre Einlage wieder zurück. Da die gleiche Schuld nicht zweimal bezahlt werden kann, so muss man annehmen, dass jene Zahlung, vermittelst welcher die Amortisation durchgeführt wurde, nichts anderes war als eine spezielle Dividende. Könnte man aber nicht gerade so gut annehmen, dass das Grundkapital damals amortisiert wurde und jetzt eine Gewinnverteilung vorliegt? Wenn aber nur ein Teil der Aktien amortisiert werden konnte 4 ), und dann, ohne dass ein Verlust auf das Grund kapital zu buchen wäre, die Gesellschaft liquidiert, so er halten nach der Theorie von Thaller die nicht amortisierten ') Thaller, Traite elementaire Nr. 587 ff. Auf dem gleichen Standpunkte steht auch Lehmann, RdAG 1 141. 2 ) Maria, 1. c., 18. 3 ) L. c., 27 ff. 4 ) L. c., 20.