38 Den italienischen und spanischen Niederlassungen schließt sich die in Lyon als Zentrum des französischen und die in Wien als das des österreichischen Anbaugebiets an. So ist es den Ravensburgern möglich, die verschiedenen marktgängigen Sorten zu liefern. Dieses Netz von Niederlassungen ermöglicht es ihnen zugleich, die regelmäßige jährliche Preisschwankung auszu beuten. Die Faktoreien werden von Ravensburg aus regiert und mit Nachrichten über die Marktverhältnisse versehen. Unter diesen Nachrichten nehmen einen großen Raum ein die jenigen über die Preise, die am Ende des Erntejahres auf den Hauptmärkten, besonders in Nürnberg und Frankfurt erzielt werden. Sind die Preise hoch und die Nachfrage ist rege, so gibt man den Faktoren Weisung, möglichst bald die Einkäufe der neuen Ernte zu bewerkstelligen und auf den Markt zu bringen. So hat im Herbst 1479 der Safran in Frankfurt in hohem Preis gestanden und die letzten Vorräte sind verkauft worden. Dies wird nach Spanien berichtet und auf schleunige Neueinkäufe gedrungen; selbst wenn die Preise der ersten Ernte noch hoch seien, solle man sich nicht scheuen, reichlich einzukaufen, um vor anderen Firmen, vor der Ankunft der Hauptmasse der neuen Ernte, frische Ware auf den Markt zu bringen und die Preissteigerung auszu nutzen ‘). Langsamer gehen die Geschäfte vor sich, wenn zu sorgen ist, daß, wie es heißt, der neue Stank ! ) dem alten auf den Hals kommt. Die Beherrschung aller Anbaugebiete ermöglicht es der Gesellschaft zugleich, die Konjunktur von Ernteausfall und Nachfrage auszunutzen. Im Spätsommer fangen die Faktoren der verschiedenen Niederlassungen an, über Land zu reiten und die Felder in Augenschein zu nehmen. Auch wird die Meinung der Bauern eingeholt. In Ravensburg laufen die Berichte über die verschiedenen Gegenden zu sammen, und nach der Übersicht, die man dort gewinnt, wird den Faktoren Anweisung über die zu machenden Einkäufe, 1) Rav. Pap. 8. 2) In diesen Korrespondenzen wird der Safran meist als Stank bezeichnet.