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        <title>Der Safranhandel im Mittelalter</title>
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            <forname>Luise</forname>
            <surname>Bardenhewer</surname>
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            <idno>898132916</idno>
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        ﻿
        <pb n="2" />
        ﻿Der Safranhandel
im Mittelalter

Inaugural-Dissertation

zur

Erlangung der Doktorwürde

genehmigt

von der Philosophischen Fakultät
der

Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn

Von

Luise Bardenhewer

aus Uerdingen.

Promoviert am 26. Juni 1914.

i

BONN,

P. Hauptmann'sche Buchdruckerei
1914
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        ﻿
        <pb n="4" />
        ﻿
        <pb n="5" />
        ﻿&gt; ffi ^ ^

Literaturverzeichnis.

Von allgemeineren Werken wurden benutzt:

R. Davidsohn: Geschichte von Florenz. Berlin 1896 und 1907—08.
F. A. Flückiger: Pharmakognosie des Pflanzenreichs. Berlin 1883.
Flückigcr and Hanbury: Pharmakographia. 2. Aufl. London
1879 S. 664 ff.

K. H ä b 1 e r: Das Zollbuch der Deutschen in Barcelona und der
deutsche Handel mit Katalonien bis zum Ausgang des 16. Jahrh.
Württembergische Vierteljahrshefte N. F. X, XI.

H e y d : Histoire du commerce du Levant au moyen-äge. Leipzig 1885.
H e y d : Die große Ravensburger Gesellschaft. Stuttgart 1890.
Pigeonneau: Histoire du commerce de la France. Paris 1887.
Schaube: Handelsgeschichte der romanischen Völker des Mittel-
meergebiets bis zum Ende der Kreuzzüge. 1906.

A. Schulte: Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs
zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluß von Venedig.
Leipzig 1900.

H. Simonsfeld: Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die
deutsch-venezianischen Handelsbeziehungen. Stuttgart 1887-
W. S o m b a r t : Der moderne Kapitalismus. Leipzig 1902.

Die speziellere Literatur folgt in den Anmerkungen.

Die wertvollste Quelle waren Geschäftspapiere der Ravensburger
Handelsgesellschaft, deren Abschriften Herr Geheimrat Schulte mir in
liebenswürdiger Weise zur Benutzung überließ.
        <pb n="6" />
        ﻿I. Produktion und Herkuni

Im Haushalt spielt der Safran heute i

noch eine Rolle. Sein Aroma wird nicht mehr geschätzt.
Die Medizin kennt ihn noch in sehr beschränktem Maße,
und die Färbeindustrie verwendet gewisse Beträge. In-
folge der geringer gewordenen Nachfrage ist so der zu Be-
ginn der Neuzeit in Europa an vielen Orten blühende Anbau
überall zurückgegangen. Nur die Ausfuhr Spaniens kommt
noch als geringer Faktor im Welthandel in Betracht. Sie be-

89 000 kg,
14 682 „ ')

1907

1908

trug

Die Ausfuhr Frankreichs, die noch in den Jahren
1872	74 59 844—99 467 kg jährlich betrug1 2 3), findet heute

in der „Weltwirtschaft“ keine Erwähnung mehr. Auch die
Produktion Oesterreichs hat Ende des 19. Jahrhunderts wohl
völlig ihr Ende gefunden ’).

Ungleich größer war die Bedeutung der Safranpro-
duktion und des Safranhandels im Mittelalter. Eine unge-
heure Kapital- und Arbeitskraft fand hier Betätigung, und
die Bedingungen der Produktion schufen im Safranhandel
eine eigenartige Spekulationsform,

Der Safran ist die getrocknete dunkelgelbe Narbe des
Crocus Sativus L„ einer Abart unseres Frühlings-Crocus, die
ihre violetten Blüten im Herbst in der Zeit von September
bis November öffnet. Eine hübsche Schilderung der Blüte
und Narben gibt Hieronymus Bock in seinem „Kreuterbuch“
(2. Aufl. 1551). „In der mitten einer bluomen findet man
den bluotroten Saffran, das ist anzusehen gleich wie ein
zünglin mit dreien zünglin zwischen den andern gaelen

1)	Die Weltwirtschaft II. 1907, III. 1908.

2)	H. Semler: Die tropische Agrikultur. 2. Aufl. Wismar 1897—1900.

3)	M. Kronfeld: Geschichte des Safrans und seiner Kultur in
Europa, Wien 1892,
        <pb n="7" />
        ﻿8

zäpfflin wachsen." Sofort nach dem Aufbrechen werden
die Blüten gepflückt und die Narben herausgeschnitten und
getrocknet oder geröstet. Die Ernte erfordert also eine große
Zahl von Arbeitskräften. Dabei ist das Erträgnis quantitativ
gering. Im ersten Jahr soll 1 ha 6 kg getrockneten Safran
einbringen, in den folgenden Jahren 30 kg. 120 000 Narben
sollen zur Gewinnung von einem Kilogramm Safran er-
forderlich sein.

Wie die meisten Gewürze ist auch der Safran orienta-
lischen Ursprungs. Darauf deutet sein Name, den die euro-
päischen lebenden Sprachen vom arabischen Zaferän über-
nommen haben ‘). Auch das griechische xpoxö?, lat. crocus,
zu dem Hehn-Schrader das althebräische karköm und die
ebenfalls aus dem Semitischen entlehnte armenische Be-
zeichnung für Krokus in Parallele setzen, weist auf eine Ein-
führung des Safrans aus dem Orient1 2 *), In der orienta-
lischen Kultur und der griechischen Mythologie und Lite-
ratur spielt der Safran wegen seiner Farbe und heilenden
Kraft eine Rolle. Theophrast kennt Cyrene in Afrika als
den Ort, der den besten Safran hervorbringt. Die römischen
Botaniker Varro, Columella, Plinius sprechen von einem
geringfügigen Anbau in Italien ’). Nach Ovid findet ein
solcher in den Abruzzen bei Sulmona statt4 5). Als beste
Sorte gilt im Altertum die cilicische vom Gebirge Korycos,
es folgen in der Qualität der lyrische Safran vom Olymp
und der aus dem Gebiet der Stadt Aegae in Kleinasien. Statt
des letzteren wird an dritter Stelle auch eine sizilische Sorte
vom Fuß des Aetna erwähnt

Später als die Mehrzahl der übrigen Gewürze tritt der
Safran im Mittelalter uns entgegen. Das Althochdeutsche

1)	F. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.
Straßburg 1909. S. 382.

2)	V. Hehn: Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergang aus

Asien nach Griechenland und Italien. 6. Aufl. herausg. von O. Schräder,
Berlin 1894. S. 255 ff.	3) Hehn a. a. O.

4)	E. Gothein: Die Kulturentwicklung Süditaliens in Einzel-
darstellungen. Breslau 1886. S. 157.

5)	Hehn a. a. 0.
        <pb n="8" />
        ﻿9

kennt ihn als kruago, crugo, chruogo, kroge1). Jedoch ist
das Wort nur in Glossen belegt; sein Gebrauch läßt sich
also nicht sicher erschließen. Erst die Quellen, aus denen
hervorgeht, daß sein Gebrauch den Deutschen bekannt ist,
nennen ihn „Safran“. Der erste Beleg für seine Benutzung
findet sich in einem mittelhochdeutschen Arzneibuch von
1150. Er heißt dort caferän !). Diese Verdrängung des
lateinischen durch den arabischen Ausdruck scheint zu be-
sagen, daß der Gebrauch des Safrans im nördlichen Europa
sich durch arabischen Einfluß einbürgerte. In den arabischen
Reichen ist die Kultur im frühen Mittelalter bekannt. Der
Kalender von Cordova vom Jahr 961 sagt vom Februar, daß
nun der Krokus gesät wird, und vom November, daß die
Blüten geerntet werden 1 2 3). Durch den arabischen Geogra-
phen Isztachri sind im 10. Jahrhundert Kulturen im Süden
der Balkanhalbinsel und in Persien bezeugt4 5), und Ma&lt;;udi
rühmt zur selben Zeit den orientalischen Safran vor dem
spanischen s). Die Möglichkeit, daß auch in Italien um die-
selbe Zeit Safrankulturen aus der Römerzeit fortbestanden,
ist zwar nicht ausgeschlossen. So kann die im 15. Jahr-
hundert blühende Kultur in den Abruzzen vielleicht eine
Fortsetzung des antiken Anbaues von Sulmona sein. Auch
der sizilische Anbau, der zwar im Mittelalter für den Handel
keine Bedeutung hatte, mag fortbestanden haben. Doch
wird die Kenntnis des Safrangebrauchs im mittelalterlichen
Abendland mit größerer Wahrscheinlichkeit auf arabischen
Einfluß zurückgehen. Von den genannten Bezirken aus ist
dann im Laufe des Mittelalters ein allmähliches Nordwärts-
dringen der Kultur zu beobachten. Zuerst breitet sie sich in
Toskana aus. Dann gewinnt sie auch in anderen Teilen
Italiens Bedeutung. Von Spanien aus greift sie nach Süd-

1)	E. G. Graff: Althochdeutscher Sprachschatz. Berlin 1838.
IV. 592 f.

2)	Pfeiffer: Zwei deutsche Arzneibücher, Sitzungsber. der Wiener
Akademie der Wissenschaften. Philos. Hist. Klasse. Bd. 41. 1863. S. 120.

3)	Le calendrier de Cordoue, ed. Dozy, Leyde 1873. S. 41 u. 109.

4)	E. H. F. Meyer: Gesch. der Botanik. Königsberg 1854 II. S. 282.

5)	W, Heyd: Histoire de Commerce du Levant. 1885 II. S. 668 f.
        <pb n="9" />
        ﻿10

frankreich, von dort nach Mittelfrankreich und England
über, Deutsche Handelsbeziehungen verpflanzen sie an den
Oberrhein und nach Oesterreich,

II. Die für den mittelalterlichen Salranhandel wichtigen
Anbaubezirke. Der von ihnen ausgehende Handel mit
Ausschluß der Handelstätigkeit der Deutschen.

Schon um die Mitte des 12. Jahrhunderts gibt eine
Reihe von Urkunden Zeugnis von einem lebhaften Handel,
der sich an die Safrankultur bei Lucca anschloß. Zweimal
nimmt 1161 ein genuesischer Bankier Safran in Zahlung
„sicut a Lucca consuevit introduci"; ein andermal wird
Safran als Pfand auf ein Seedarlehn gegeben, 1169 strecken
die Kaufleute von Lucca dem genuesischen Staat 120 L, Jan.
vor, davon 80 1 in bar, 40 1 in Safran. Das teuer bewertete
Gewürz tritt also an Geldesstatt auf. Auch im Fernhandel
spielt der Safran schon eine Rolle. Von Genua aus wird er
nach Montpellier und Alexandrien exportiert ‘). Auf eine
umfangreiche, zu Handelszwecken ausgenutzte Kultur deu-
ten diese Zeugnisse hin.

In welchem Grade aber der Safranbau im Wirtschafts-
leben Toskanas eine Rolle spielte, geht erst aus den Quellen
des 13, Jahrhunderts hervor, vor allem aus den Stadtbüchern
von San Gimignano 1 2 3). Er erhöht nicht nur die Handels-
bedeutung von Lucca, Pisa, Florenz, sondern verleiht auch
den kleineren toskanischen Städten S. Gimignano, Poggi-
bonsi, Volterra, Colle d'Elsa eine Stellung im Handelsleben,
Er fungiert an Geldesstatt, und der Reichtum an Safran er-
leichtert es den kleinen Kommunen, auch politisch in den
guelfisch-ghibellinischen Kämpfen eine Rolle zu spielen.

Die Stadtbücher von San Gimignano *) sind dafür ein
Zeugnis von seltener Unmittelbarkeit und Lebensfülle. An

1)	A. Schaube: Handelsgeschichte der romanischen Völker 1906.
S. 157, 283 f., 362, 648 f.

2)	R. Davidsohn: Forschungen zur Geschichte von Florenz,
Berlin 1896-1901. II.

3)	Sie sind erhalten für die Zeit von 1221—1332, allerdings
nicht lückenlos,
        <pb n="10" />
        ﻿11

ihrer Hand ist es möglich, die Safranproduktion und den
Safranhandel nicht nur von S. Gimignano, sondern von Tos-
kana überhaupt, in ihren verschiedenen Stadien und ihrer
Bedeutung zu verfolgen. So führt ein Zeugenverhör in einem
Prozesse in einen Krokusgarten in San Gimignano selbst hin-
ein, wo zur Zeit der Ernte der Kauf abgeschlossen wird .
Ein andermal liest man von der Abtretung eines Landstücks
mitsamt den Krokuspflanzungen 2 3). Große Mengen des kost-
baren Bodenprodukts sammeln sich in San Gimignano an.
Seine Bewertung ist eine so hohe, daß es an Geldesstatt aus-
gegeben werden kann und dadurch auch Bedeutung für das
politische Leben Toskanas gewinnt. Zahlreiche Fälle sind
aus S. Gimignano in den Jahren 1228—1270 überliefert, in
denen Safran in Zahlung oder als Belohnung gegeben wird.
Es handelt sich um Zuwendungen von 2—400 Pfd. Safran als
Lohn für Boten, Bestechung für Beamte, unter denen wir
z. B. Pandulf von Fasanella, den Generalkapitän Enzios,
Robert v. Bari, den Verfasser des Todesurteils für Konradin,
den angiovinischen Generalvikar Tusziens Guido v. Monfort
finden, oder als Geschenk z. B. für König Enzio und Karl
von Anjou. Ein besonderes Interesse gewinnen diese Ein-
tragungen, weil sie die Bewegungen in den guelfisch-ghibel-
linischen Kämpfen widerspiegeln. So stammen verschiedene
Ausgaben aus den Jahren 1240 und 41, aus einer Zeit, in der
San Gimignano versucht, sich dem von König Enzio und
seinem Generalkapitän Pandulf geforderten Treueid zu ent-
ziehen. 1240 erhält Pandulf 60 Pfd. Safran „pro sua gratia
optinenda“, sein Richter Filippo 20 Pfd, s); König Enzio
selbst erhält 25 Pfd.4). Nach der Niederlage der Stadt erhält
Pandulf ein Geschenk von 25 1 „in groco vel denariis“, Leute
seines Gefolges 3 bezw. 1 1. ’). In diesen und den anderenFäl-
len handelt es sich teils um Ehrengeschenke oder um Be-
stechungen, die in die Form von Geschenken gehüllt wurden,
teils um ausgesprochene Zahlungen. Das letztere geht z. B.
hervor aus der Begleichung der Unkosten der Schlacht von

1)	Davidsohn: a. a. O. 2313.	2) Davidsohn: 2317.

3)	Davidsohn; 284.	4) Davidsohn: 326, 333,	5) Davidsohn: 423.
        <pb n="11" />
        ﻿12

Nigra 1228, die teils in Safran geschieht, wobei das Pfd. zu
36 solidi angerechnet wird ‘). Wie um 1150, so haben wir
auch hier wieder eine Erscheinung naturalwirtschaftlichen
Charakters, die im Gegensatz steht zu den fortgeschrittenen
geldwirtschaftlichen Verhältnissen im sonstigen Italien, und
die sich wohl nur durch den Reichtum an einem hochbewer-
teten Produkt erklären läßt. Nicht nur an St. Gimignano ist
diese Verwendung des Safrans geknüpft. Auch der Bischof
von Volterra sucht Richter und Advokaten der römischen
Kurie um die Mitte des 13. Jahrhunderts mit einem Krokus-
geschenk zu gewinnen2), und 1327 schenken verschiedene
Gemeinden Tusziens und des Vallis Spoleti dem Herzog
Karl von Kalabrien eine Quantität Safran s), Als wirtschaft-
liche Zentren, die die Landesproduktion aufnehmen, er-
scheinen Pisa, Genua und Florenz. Besonders mit Pisa steht
S. Gimignano in enger Handelsverbindung. 1238 mieten die
S. Gimignanesen ein hospitium für ihre Kaufleute in Pisa.
Unter den einzuführenden Waren ist Safran besonders her-
vorgehoben 4). Noch im selben Jahre kommt es wegen ver-
änderter Bestimmungen über die Krokuseinfuhr in Pisa zu
dem Beschluß des Rates von S. Gimignano, niemand dürfe
mit Safran nach Pisa gehen 5). Doch die Differenzen gleichen
sich aus, und als Pisa 1258 eine Verordnung gegen die Ver-
fälschung des Safrans erläßt, wird diese mitgeteilt nach
„Colle, S. Gemignano, Volterra et aliis communibus de Tus-
cia unde zaffaranum Pisas reducitur", damit sie ihre Leute
verwarnen 6), Die Safranfälschung soll mit dem Verbrennen
der Ware bestraft werden. Auch in andern Verordnungen
der Pisaner Statuten finden wir wieder Rücksicht auf den
Safranhandel genommen 7). Er muß auf öffentlicher Wage
gewogen werden; eine Abgabe auf den Safranverkauf im
Kaufhaus wird fixiert; die Sensale müssen schwören, keinen
Verkauf von falschem Safran zu vermitteln und sind zur

1)	Davidsohn 18.	2) F. Schneider: Regestum Vola-

terranum. Roma 1907. Nr. 675.	3) Davidsohn: 883.

4)	Davidsohn 2314.	5) Davidsohn 2325.	6) Davidsohn 2318.

7) Bonaini: Statuti inediti della cittä di Pisa dal XII. al XIV.
secolo. 3 vol. Firenze 1854—69. I. 378, III. 39, 66, 105, 111, 273.
        <pb n="12" />
        ﻿13 —

Denunziation verpflichtet, wenn sie gefälschten Safran be-
merken. Ein Teil der Safranproduktion Toskanas wird auch
nach Florenz gebracht1). Schon um 1160 sahen wir, wie
eine rege Einfuhr nach Genua von Lucca aus stattfand. Wohl
infolge der Differenzen mit Pisa knüpft dann im 13. Jahr-
hundert S. Gimignano anscheinend aufs neue mit Genua an
und erhält 1241 den Bescheid, seine Kaufleute dürften
Safran dorthin bringen 2).

In Pisa, Genua und Florenz mündet so das Landes-
produkt Toskanas in den internationalen Warenaustausch,
Doch seine Bedeutung für die toskanischen Gemeinden er-
schöpft sich nicht damit, daß er ihnen eine Rolle im terri-
torialen Handel verschafft. Wie die ländliche Leinenindustrie
die kleinen Städte des Bodenseehinterlandes in den Welt-
handel führt, so bewirkt hier die Krokusproduktion einen
direkten Anteil der toskanischen Kaufleute am Mittelmeer-
handel. Wir finden im 13. Jahrhundert Kaufleute aus S.
Gimignano in Aegypten, Tunis, Accon, Damiette, Aleppo,
Tripolis und Sizilien. 1245 beruft sich ein S. Gimignanese
vor Gericht auf 8 Mitbürger als Zeugen für die Zustände in
Syrien '). Verschiedentlich treffen Gruppen von Landsleuten
einander im Auslande * 4). In den Fällen, in denen ihre Waren
genannt werden, überwiegt Safran. Außer den S. Gimigna-
nesen erscheint auch einmal ein Kaufmann aus Poggibonsi
mit Safran in Aegypten ’). Im übrigen läßt sich der Anteil
der safranbauenden Landstädte am Orienthandel nicht klar
herausschälen, da die „Florentini Luccenses Sangeminianen-
ses, Senenses et omnes alii de Tuscia" meist unter dem
Namen von Pisanern handelten, um deren Privilegien teil-
haftig zu werden“). Auch nach Frankreich kommen die
toskanischen Händler mit Safran. 1221 führt ein Andreas
von S. Gimignano Krokus dorthin aus !). In der Richtung
nach Frankreich bewegt sich besonders der Safranhandel
der Sienesen und Florentiner. Von Marseille aus expor-

1) Davidsohn 2326.

4) Dav. 2304, 2310.
6) Davidsohn 2307.

2) Dav. 2315.

5) Dav. 2305.

7) Davidsohn 2321.

3) Dav. 2307.
        <pb n="13" />
        ﻿— 14

tieren die Sienesen Safran 1248 nach Accon und Messina * 2 3 4).
Auch ein Safrangeschäft, das sie in Marseille selbst ab-
schließen, ist überliefert2). Auf den Champagner-Messen
spielt besonders die Sienesische Gesellschaft der Tolomei
eine Rolle, deren Vertreter in dem detaillierten Kursbericht,
den er 1265 nach Hause schickt, auch Preise und Aussichten
des Safrans erwähnt“). Florentiner begegnen uns 1297 mit
Safran an der Zollstätte von Aigues-Mortes4), und die
beiden florentmischen Konsuln auf den Champagner-Messen
sind verpflichtet, nach Abschluß der Tuchmesse „examinare
omnes merces Florentie que venduntur ad pondus, et pre-
cipue zafferanum, granam et fricum et alumen“ 5).

Auch im späteren Mittelalter, seit 1300 behält der tos-
kanische Safran seine Handelsbedeutung. Zwar erscheinen
die kleineren Gemeinden nicht mehr als Träger des Aus-
landhandels. Ihre Blüte wird durch das Übergewicht von
Florenz und die Bedrückungen der Anjou vernichtet. Schon
1317 klagt San Gimignano, es ziehe kaum noch ein Kauf-
mann durch sein Gebiet6 7). Die Krokuskultur besteht aber
fort, ja seit der Vorherrschaft von Florenz ist eher eine Stei-
gerung zu erwarten, gemäß den wirtschaftlichen Tendenzen
der Florentiner Gesetzgebung, die verschiedentlich Bestim-
mungen zum Zweck einer höheren Bodenkultur erließ ’). In
Lucca und Volterra spielt der Anbau im 14. Jahrhundert
noch eine große Rolle. 1346 erläßt Lucca ein scharfes Edikt
gegen den Verkauf von Safran, der nicht vorher einer Schau
vorgelegt worden ist8). Volterra steigert die Strafe auf Sa-

li L. Blancard: Documents inedits sur le commerce de Marseille.
2 Bd. 1884 f. I. Nr. 230, II. Nr. 627.

2)	Blancard I. Nr. 362.

3)	A. Schaube: Ein Kursbericht von den Champagner-Messen.
Zeitschr. f. Soz. u. Wirtschaftsgeschichte, V. 1897. S. 248 ff.

4)	Giornale storico degli archivi toscani. I. 1857, S. 178.

5)	Schaube : Kursbericht S. 254.

6)	Davidsohn: Forschungen II. S. 6.

7)	R. Pöhlmann: Die Wirtschaftspolitik der Florentiner Renais-
sance und das Prinzip der Verkehrsfreiheit. Leipzig 1877 S. 10 f.

8)	Salv. Bongi: Bandi Lucchesi del secolo decirnoquarto 1863,
S. 115.
        <pb n="14" />
        ﻿iS

franfälschung in drei Erlassen von 1300 bis Ende des Mittel-
alters. Im ersten wird 25 1, im zweiten 50 1 Strafe fest-
gesetzt. Eine dritte Bestimmung setzt auf die Verfälschung
den Feuertod, auf den Verkauf gefälschten Safrans eine
Geldstrafe von 200 1 und Verlust einer Hand ').

Über den Florentiner Safranhandel der späteren Zeit
liegen einige Zeugnisse aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh.
vor. Wir finden florentinische Kaufleute mit Safran in An-
cona, auf dem Weg nach Pisa und Genua J). In Tana, Kon-
stantinopel, Armenien, Accon, Venedig, Pisa treiben die
Bardi Safranhandel. Bei diesen Städten wenigstens hebt der
Faktor der Bardi, Pegolotti, in seiner pratica della mercatura
unter den Waren, die dort verhandelt werden, den Safran
besonders hervor. Schon sehen wir hier, daß der toskanische
Safran nicht allein den Markt beherrscht. Pegolotti nennt
ihn zwar den besten, doch neben ihm sind auch die Sorten
aus den Abruzzen, den Marken und Katalonien bekannt. Als
Kennzeichen des Guten führt er an: rote Farbe, Trockenheit,
Freisein von feminella und Sand. Er muß sich zur Kugel
zusammenballen lassen. In Ledersäcken an nicht zu feuchten
und nicht zu trockenen Orten aufbewahrt, läßt er sich zehn
Jahre erhalten8). — Um die Mitte des 15. Jahrhunderts
halten sich florentinische Kaufleute mit Safran in Frank-
reich aufJ). Im Durchgangsverkehr von Pisa erscheint 1440
Safran aus dem Valdelsa, aus Siena und dem Contado. Doch
neben dem Handel mit diesen in Toskana angebauten Sorten
spielt jetzt schon der mit fremdem Safran eine Rolle. Die
Zollstätten von Florenz und Pisa passieren Sorten aus den
Marken, dem Mailändischen und aus anderen Gegenden 6).

1)	A. F. Giachi: Saggio di ricerche sopra lo stato antico e
moderno di Volterra. Firenze e Siena. 1786—1796. 2. Aufl. des
I. Bd. Volterra 1885.

2)	Davidsohn: Forschungen. III. 632, 777, 517.

3)	La pratica della Mercatura scritta da Francesco Balducci
Pegolotti, im 3. Bande von (Pagnini): Della decima, della moneta e
della mercatura de’ Fiorentini fino al secolo XVI. Lisbona e Lucca 1765.

4)	Pagnini II. S. 304.

5)	La pratica della Mercatura scritta da Giovanni di Antonio da
Uzzano nel 1442, in Pagnini IV.
        <pb n="15" />
        ﻿16 -

Bedeutend ist auch die Einfuhr von Abruzzen-Safran. Über
seinen Export von Aquila gibt Uzzano eingehende Anwei-
sung.

Die Frage, von welchen der anfangs des Mittelalters
bestehenden Anbaugebiete die Kultur nach Toskana drang,
läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Eher als an den
Einfluß einer Kultur in dem abgeschlossenen Abruzzengebiet
läßt sich an eine Uebertragung aus Spanien denken. Nahe
könnte auch die Annahme liegen, daß durch die Handels-
und Plantagenkolonien der Genuesen und Pisaner in Syrien
ein Anbau sich von dort nach Norditalien verpflanzt habe.
Doch besteht schon im Beginn des 13. Jahrhunderts eine leb-
hafte Ausfuhr von Safran aus Italien nach Syrien1). Ein
Anbau dort ist also nicht sehr wahrscheinlich, und wenn er
bestand, kann er nur geringe Bedeutung gehabt haben.
Sicherlich hätten dann die italienischen Kolonien ihn
ebenso gut im Orient weiter gepflegt, wie ihn in die Heimat
übertragen. Eine Pflege des Anbaus in Syrien ist aber, wie
später zu zeigen sein wird, sehr unwahrscheinlich. Der
Einfluß Spaniens bietet also die einwandfreieste Erklärung
für die toskanische Kultur. Das Aufkommen des Anbaus in
Toskana fällt in eine Zeit, in der sich hier der Übergang des
Grundbesitzes vom Adel und der Geistlichkeit an die städ-
tischen Kapitalisten vollzog, ein Prozeß, der vielleicht an-
fangs des 13. Jahrhunderts bereits vollzogen ist1 2). Der Ein-
fluß der städtischen Industrie und des Handels auf das
Agrarwesen, der sich in späterer Zeit z. B. in der Bestim-
mung, Maulbeerzucht zu treiben, äußerte ’), könnte sich also
vielleicht jetzt schon geltend machen. Sowohl dem Inter-
esse des Handels als auch dem der Luccheser Seidenindu-
strie diente aber die Safrankultur in hervorragendem Maße.
Auch der um dieselbe Zeit in Toskana emporkommende Teil-
bau begünstigt den Safranbau. Der Teilbau weckt das
Interesse des Bauern für feinere Kulturen durch die Aus-

1)	S. S. 13.

2)	H. Dietzel: Über Wesen und Bedeutung des Teilbaues in

Italien. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Bd. 40, S. 621 ff.,
Bd. 41, S. 29 ff.	3) Pöhlmann a. a. O. S. 10 f.
        <pb n="16" />
        ﻿17

sicht auf Gewinnanteil und liefert dem Grundbesitzer seinen
Anteil in den ihm erwünschten Naturalien.

Seit dem 15. Jahrhundert lassen sich die Deutschen im
toskanischen Safranhandel nachweisen. Wir finden sie in
Toskana als Safrankäufer. Hauptsächlich aber bewerk-
stelligen sie ihre Einkäufe in toskanischem Safran in der
Lombardei. Casalmaggiore und Mailand erscheinen als
Marktorte für den toskanischen Safran. Diese Verlegung
des toskanischen Safranmarktes ist wohl zum großen Teil
eben auf den Einfluß der Deutschen zurückzuführen, die
das östliche Oberitalien wegen seiner Messplätze und
leichteren Erreichbarkeit dem westlichen vorzogen.

Ein zweiter Umstand, der zur Verlegung des toska-
nischen Safranstapels in die Poebene führte, war wohl der,
daß hier der natürliche Sammelpunkt auch der Safranpro-
duktion der übrigen italienischen Anbaustellen war. Safran
aus den Abruzzen, den Marken, Apulien und der Lombardei
strömte hier zusammen. Das bedeutendste unter diesen
italienischen Anbaugebieten ist das von Aquila in den
Abruzzen. Hier wird der Zymmat-, Zyma- oder Zyman-
safran gebaut. Wie schon gesagt, ist es wohl möglich, daß
er sich hier in dem abgeschlossenen Hochtale des Aterno
von der Antike her erhalten hat. Als wichtig für den Handel
erscheint er erst anfangs des 14. Jahrhunderts bei Pegolotti,
der die Güte des Abruzzensafrans zwar der des toskanischen
nachstellt, ihn aber vor dem aus den Marken und Katalonien
rühmt. 1316 erhalten die Aquilaner, die Safran im König-
reich Neapel verkaufen, einen Freibrief von Karl II. Als
Hauptmarkt erscheint Aquila auch bei Uzzano 1442, in dem
venetianischen Handelsbuch des Pasi 1521 ä) und in den auf
den Handel der Deutschen bezüglichen Quellen. Auch Lan-
ciano spielt bei Pasi als Safranverkaufsplatz eine Rolle.
Ferner nennt er das Aquila benachbarte Sermona (Sul-
mona?), Im 15. Jahrhundert muß der Handel der Floren-
tiner hierher ein lebhafter gewesen sein. Uzzano verzeich«

1)	Gothein: a. a. 0. S. 157 ff. 2) (Barth, di Pasi) Tariffa de
pesi e mesure correspondenti dal Levante al Ponente. Venezia 1521.

2
        <pb n="17" />
        ﻿— 18 —

net für die florentinischen Kaufleute den Weg von Aquila
nach Florenz und veranschlagt die Zoll- und Transport-
kosten, die auf einen Transport von 500 Pfd. fallen. — Von
den Abruzzen aus verbreitet sich die Kultur nach Umbrien,
wo die Ravensburger Gesellschaft in Foligno Einkäufe ab-
schließt

Die dritte italienische Sorte, die schon zu Pegolottis
Zeit bekannt ist, ist die aus der Mark Ancona. Pegolotti er-
wähnt den Zoll, der in Pisa und Siena vom Mark-Safran er-
hoben wird. Uzzano kennt Sonderbestimmungen über den
Safranhandel aus der Mark über Florenz nach Pisa; doch
wird überwiegend der Export nach Venedig gewesen sein,
wie überhaupt der Handel der Marken von Venedig be-
herrscht wird. Pasi hebt die Sorte von Fabriano hervor.

Später erst tauchen die Sorten aus Apulien und der
Lombardei in den Quellen auf. Die Hauptzeugnisse für sie
liefern erst die Quellen über den Safranhandel der Deut-
schen. Die Sorte Pülsch ist im 15. Jahrhundert in Venedig
und in Deutschland wohlbekannt. Pasi kennt Safran von
Terra di Otrento und von Bari. Vielleicht handelt es sich
hier um eine Ausdehnung der Kultur der Abruzzen, da der
Safran von Aquila auch von Apulien aus zu Schiff exportiert
wird.

Um eine Ausbreitung der toskanischen Kultur könnte
es sich in der Lombardei handeln, wenngleich die lombar-
dische Sorte qualitativ von der toskanischen unterschieden
wurde. So führt 1409 der venezianische Bericht Peter Car-
bos beide Sorten getrennt auf1 2 3). Auch der Florentiner Uzzano
kennt den Zafferano lombardo; Pasi verzeichnet die Sorte
vom Contado von Crema als die eine unter mehreren lom-
bardischen Sorten.

Vereinzelt angeführt erscheint dann von italienischen
Sorten noch Safran aus dem Patrimonium s).

1)	Ravensburger Papiere 53.

2)	W. Stieda: Hansisch-venetianische Handelsbeziehungen im
15. Jahrh. Festschrift der Landesuniversität Rostock 1894. S. 117.

3)	Uzzano S. 45.
        <pb n="18" />
        ﻿19 —

Sehen wir von dem Handel ab, der sich um die Mitte
des 15. Jahrhunderts von diesen Anbaubezirken her nach
Florenz bewegt, so bleiben Mailand und Venedig die Zen-
tren, die die italienischen Produktionsorte beherrschen.
Beide erscheinen in ihrer Bedeutung als solche besonders in
den Quellen für den Safranhandel der Deutschen. Nach dem
Capitolare dei visdomini del fontego dei Tedeschi strömen in
Venedig die verschiedenen Sorien Italiens zusammen ‘), und
schon 1330 heißt es, daß zu den wichtigsten venezianischen
Handelsbestimmungen die über den Safran gehören1 2).
Über den außerdeutschen Safranhandel der Venezianer
orientiert besonders das Handelsbuch des Pasi von 1521. Er
zählt die verschiedenen Sorten auf und gibt als beste Ab-
satzplätze und -Gebiete an: Genf, Lyon, Paris, Brügge, Ant-
werpen, London, Burgund, Deutschland, Ungarn, die Le-
vante, Sizilien, Kalabrien (wenn in Apulien und Otranto
nicht viel vorhanden ist), Korfu, Candia, Zypern, Alexan-
drien.

Eine Handelsbedeutung des spanischen Safrans ist
erst Ende des 13. Jahrhunderts zu erkennen. Die gewohn-
heitsmäßige Anwesenheit von Kaufleuten aus Lerida, einer
späteren Zentrale des Safrananbaues, auf den Champagner
Messen legt zwar die Annahme nahe, daß sie Safran dorthin
zum Verkauf bringen. Doch sind die Kaufleute aus Lerida
wegen ihres Korduans in der Champagne '), und der Kor-
duanhandel scheint von hinlänglicher Bedeutung zu sein, um
ihre Anwesenheit dort zu erklären 3). Um 1300 kennt Pierre
von St. Omer die spanische Sorte als Farbstoff in der Male-

1)	C. M. Thomas: Das Capitolare dei visdomini del fontego dei
Tedeschi in Venezia. Berlin 1874, Auch Kalabrien wird hier mit auf-
gezählt, doch begegnet es sonst nie als Anbauort, und nach Pasi wird
aus Apulien und sogar zeitweise aus Venedig Safran dorthin ausgeführt.

2)	H. Simonsfeld: Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und
die deutsch-venezianischen Handelsbeziehungen. 2 Bde. Stuttgart 1887,
I. Nr. 785.

3)	F. Bourquelot: Etudes sur les foires de Champagne. Paris
1865. In Memoires presentes par divers savants ä l'acad. des inscr.
et belles-lettres. Serie 2, Tome V.
        <pb n="19" />
        ﻿=~ % -

rei'). Zur selben Zeit ist der spanische Safran Gegenstand
lebhaften Handels von Florenz, in Venedig und Südfrank-
reich, und zwar lassen diese ersten Nachrichten auf einen län-
ger geübten Handel schließen. Pegolotti verzeichnet für die
Florentiner die Maklergebühr für die Geschäfte in katalo-
nischem Safran in Pisa und bezeichnet die Sorte als eine den
italienischen an Güte nachstehende. Auch in Venedig wer-
den zu dieser Zeit dem katalonischen Safran die italienischen
Sorten vorgezogen, und die den Safranhandel regelnden Be-
stimmungen sind u. a. auch mit Rücksicht darauf erlassen,
daß die geringer geschätzte Sorte nicht an Stelle einer teure-
ren verkauft wird1 2). Große Bedeutung hat im 14. Jahr-
hundert auch Montpellier für den spanischen Safranhandel.
Aus einer Urkunde des Jahres 1326 und wieder 1356 lernen
wir eine fest organisierte Warenschau kennen, die einem
Safranhändler aus Cervera Fälschungen nachweist3).

Im Anfang des 15. Jahrhunderts unterscheidet man in
der Ausfuhr von Barcelona vier verschiedene Sorten: Orta,
Urgel oder Balaguer. Safran mercader und Safran lestat4).
Drei von diesen sind auch im florentinischen Handel be-
kannt. Uzzano nennt Orta, Bellingieri und Mercantieri. Die
beiden letzten der aus Barcelona überlieferten Namen deu-
ten wohl nicht auf die Herkunft. Eine befriedigende Deu-
tung dieser Namen gibt es nicht. Häbler erklärt Safran Mer-
cader als „Kaufmannssafran“ und Safran Lestat (kastil. listo
= gereinigt, garbuliert) als „gereinigten Safran“. „Orta“ soll
Zusammenhängen mit huerta = Garten. Für die Ravensbur-
ger Gesellschaft ist in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts
Saragossa Ausganspunkt des Handels mit Ortsafran. Auch
Calatavud und Alcaniz gehören zu den Safranmärkten Ara-

1)	Merrifield: Original treatises dating from the XII. the XVITL

centuries on the arts of painting in oil, miniature, mosaic and on glass.
2 Bde. London 1849. I. 112 ff.	2) Simonsfeld I Nr. 785.

3)	A. Germain: Histoire du commerce de Montpellier. 2 Bd.
1861. I S. 471, 474.

4)	K. Häbler: Das Zollbuch derDeutschenin Barcelona (1425—1440)
und der deutsche Handel mit Catalonien bis zum Ausgang des 16. Jahrh.
Württemb. Vierteljahrshefte. N. F. X, XI,
        <pb n="20" />
        ﻿21

goniens '). In die Ebene am Westrand des katalonischen Ge-
birges weisen die Märkte Lerida und Cervera und die Sorte
Balaguer, Belegier, der die Stadt Balaguer den Namen ge-
geben hat. Zwischen den genannten drei Städten und weiter
nach Süden hin liegt die Landschaft Urgel, nach der die
katalonische Sorte auch häufig genannt wird. Als Zentrale
für den Export aus Katalonien erscheint Barcelona. — Tho-
mas Münzer, ein Nürnberger Arzt, berichtet auch vom Kro-
kusanbau bei Valencia 1 2 3), doch muß er gering gewesen sein;
denn die Ravensburger Gesellschaft, die doch den Schwer-
punkt ihres spanischen Handels im Siafranexport sah, kennt
ihn nicht.

In Frankreich begegnet uns im 13. Jahrhundert zuerst
besonders toskanischer Safran auf den verschiedensten
Handelsplätzen, Sehr groß ist die Rolle, die er in der Aus-
fuhr von Marseille spielt. Eine Zollordnung von 1228 *)
führt auch den Safran auf; außer dem Zoll wird eine Abgabe
für die „Lesta“ festgesetzt. Hierunter ist wohl ein Schau-
amt zu verstehen, dem auch die Aufgabe oblag, den Safran
von Beimischungen zu befreien, wie wir es später auch in
anderen Städten finden (katalon. lesta — Wahl). Von Mitte
März bis Mitte Mai 1248 enthalten die Akten des Marseiller
Notars Amalric 4) 24 Urkunden, dje sich auf Safrangeschäfte
beziehen. Es handelt sich meist um Ausfuhr in die Mittel-
meerländer: neunmal nach Syrien, neunmal nach Marocco,
einmal nach Aegypten, einmal nach Cypern, dann nach
Avignon, Messina, Valencia; zweimal sind die Verkäufer
Sienesen, es scheint sich also um toskanischen Safran zu
handeln; sonst ist die Herkunft nicht zu erkennen. — los-
kanischer Safran begegnete uns auch 1297 in Aiguesmortes,
und auf den Champagner-Messen sahen wir schon im An-
fang des 13. Jahrhunderts die San Gimignanesen und Floren-
tiner mit dem Produkt ihrer Heimat. Safran unbestimmter
Herkunft findet sich Ende des 13. Jahrhunderts auf dem

1)	Geschäftspapiere der Ravensburger Gesellschaft. 9 und 11.

2)	Häbler XI. S. 413.

3)	L. Mery et F. Guindon: Histoire analytique et chronologique

des actes et des deliberations de la municipalite de Marseille. 1841—73.
I. S. 341 ff. 4) Blancard a. a. O.
        <pb n="21" />
        ﻿22

Markt von Narbonne'), und um 1250 notiert Albert von
Beham auf dem Lyoner Markt unter den Preisen der Ge-
würze auch den Preis des Safrans J). Der Tarif von Peronne
Ende des 13. Jahrhunderts kennt ihn als Gegenstand des
französisch-flandrischen Handels3), Im Anfang des 14,
Jahrhunderts besteht eine lebhafte Safraneinfuhr aus
Spanien nach Südfrankreich. Die Warenbeschauer in
Montpellier untersuchen 1356 Safran vor 14 sachverstän-
digen Zeugen aus Montpellier und vier weiteren aus Mar-
seille, Narbonne, Avignon und Aix. 1326 werden sogar
mehr als 20 Sachverständige zu einer Untersuchung zuge-
zogen und ihre Zahl noch erweitert, als der angeklagte
Kaufmann Berufung einlegt. Die Gutachten zeigen Kennt-
nis der Fälschungsmethoden; so lautet eine Aussage: „Quod
dictus safranus est totaliter corruptus et devastatus et etiam
putrefactus propter maximam leutositatem que fuit ibi
apposita, videlicet de oleo vel aqua, vel alia re quam
ignorat“4). Bis zum 14. Jahrhundert läßt sich so auf den
Märkten Frankreichs nur ausländischer Safran erkennen.
Im Ausland finden wir vor Mitte des 15. Jahrhunderts keinen
Safran französischen Wachstums. Auch dann läßt sich eine
Ausfuhr nur nach Deutschland und England nachweisen.
Weder die Florentiner Pegolotti und Uzzano noch der Vene-
zianer Pasi kennen die Sorte.

Schon Ende des 13. Jahrhunderts wird indessen der
Anbau in Frankreich gepflegt. Pierre von St. Omer kennt
in seiner schon zitierten Abhandlung über die Technik der
Malerei neben dem italienischen und spanischen auch den
Safran, „qui in hac nostra patria Galliae ut in toto Francia
crescit“. Eine Lokalisierung dieser französischen Kultur ist
erst im 15. Jahrhundert durch die Quellen über den Handel

1)	C. Port: Essai sur l'histoire du commerce maritime de Nar-
bonne. Paris 1854. S. 69,

2)	Bibliothek des Stuttgarter lit. Ver. XVI. 1847. S. XXIII.

3)	J. Finot: Etüde historique sur les relations commerciales
entre la France et la Flandre au moyen äge. Paris 1894. S. 176 f.

4)	Germain a. a. O.
        <pb n="22" />
        ﻿23

der Deutschen möglich. Im deutschen Handel ist sehr be-
kannt die Sorte Pronigeller, Bronochel, Brunickel, Sie weist
auf den Ort Brunequel am Aveyron in Languedoc und auf
das Albigeois als ein Anbaugebiet französischen Safrans.
In dem benachbarten St. Antonin am Aveyron besitzt das
Kapitel den Safranzehnten *). Im Albigeois wächst auch
der sogen, marokkanische Safran1 2 3). Mitte des 16. Jahr-
hunderts erhalten wir dann durch den Nürnberger Lorenz
Meder ’) des Näheren Aufschluß über die Orte, die hier für
den Safranhandel in Betracht kommen. Er kennt außer den
Sorten Prunischer und Marokkin auch den Mirabel, wohl von
der Stadt Mirabel nördlich vom Aveyron. Als Märkte dieser
Gegend nennt er St. Antonie (St. Antonin) und Cordiß
(Cordes, nördlich von Albi). Auch südlicher ist der An-
bau verbreitet. Ein Markt des 16. Jahrhunderts ist Casal-
nodariy (Castelnaudary am Kanal du Midi, zwischen Tou-
louse und Carcassonne). Casa da Lofferta oder Casa
Lofferta (?) hat ebenfalls in dieser Gegend ein eigenes
Safrangewicht. Von Lyon aus führen die Deutschen den
albigensischen Safran in ihre Heimat. Besonders beliebt
ist er in England. In den Papieren der Ravensburger Ge-
sellschaft heißt es: ,,aer me schliss haut in Engolant.....

denn Kain saffra......der Belligier haut niena denn schliss

noch kain saffra, weder Ort noch Tuscha in diser art auss
Bronocher“ 4 5). Von Rouen und Harfleur aus exportieren
französische Händler ihn nach England. Bis in die Neuzeit
bleibt der Safran eines der Hauptprodukte des Albigeois *).
Auch dieser südfranzösische Safrananbau mag wohl auf den
Einfluß der Kultur Spaniens zurückgehen, mit dem Süd-

1)	Bose: Memoires de Rovergue. 1797. III. S. 76.

2)	B. Greiff: Das Tagebuch des Lukas Rem. 26. Jahresbericht
des hist. Vereins von Schwaben und Neuburg 1861. S. 6f.

3)	Lorenz Meder: Handel-Buch, darin angezeigt wird, welcher
Gestalt inn den fürnembsten Handelstetten Europa allerley Waren etc.
Nürnberg 1558.

4)	Ravensburger Geschäftspapiere. 83.

5)	Guilleaume du Catel: Mamoirs de l'histoire du Languedoc.
Toulouse 1633. S. 50.
        <pb n="23" />
        ﻿24

frankreich im 13. Jahrhundert politisch und kulturell ver-
bunden war, und dessen Produkte auf den Märkten Süd-
frankreichs eine große Rolle spielten. Von den Bedürf-
nissen des Marktes angeregt ist wohl die Kultur in der un-
mittelbaren Umgebung von Lyon, Dort wird der Safran
Ende des 15. Jahrhunderts zu Handelszwecken angebaut,
wie es die Papiere der Ravensburger Gesellschaft bezeugen.

Von Südfrankreich aus verbreitet sich die Kultur wohl
nach Nordfrankreich, wo sie seit Anfang der Neuzeit nach-
zuweisen ist. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts blüht sie im
Angoumois Lorenz Meder kennt Roschavoca-Safran, der
wohl identisch ist mit dem von La Rochefoucauld nördlich
von Angouleme s). Von dort greift der Anbau über zum
Gatinais, wo er noch heute fortbesteht, und wo die Deutschen
im 17. Jahrhundert die besten Abnehmer sind 3).

In England knüpft die Überlieferung den Beginn des
Safranbaus an die Zeit Eduards des Dritten 1327—1370 4).
Im englischen Handelsleben findet sich seit 1259 der Safran
so häufig, daß sich Mittelpreise für je 10 Jahre ausrechnen
lassen 5). Erst Mitte des 15. Jahrhunderts tauchen Angaben
über Safran englischen Wachstums auf, so 1458 und 1467 "),
Von 1499 ist eine Notiz über die Verpachtung eines Safran-
grundstücks bei Cambridge überliefert:). In Essex gibt der
Anbau der Stadt Saffron Waiden den Namen. Doch ist dem
englischen Safran Handelsbedeutung für den Kontinent erst
seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zuzuschreiben. Um
diese Zeit verzeichnet Lorenz Meder die Safranmärkte in
England und die Gebräuche im englischen Safranhandel.

1)	De la Mare: Tratte de la Police, sec. ed. Amsterdam 1729.
IV. S. 592.

2)	Le Grand d'Aussy: Histoire de la vie privee des Franijais.
Paris 1815. II. 207.

3)	Guilleaume Morin: Histoire generale du Gastinois. Paris 1630.
Nouv. ed. p. H. Laurent 1883. S. 165 f.

4)	Morant: History of Essex 1768. II. 545.

5)	J. E. Th. Rogers: History of Agriculture and Prices in England
1866—87. I. S. 641.

6)	Rogers III. 527, 529.

7)	Rogers III. 680.
        <pb n="24" />
        ﻿25

Schon bei der Besprechung des toskanischen und Mar-
seiller Safranhandels war der starke Safranexport aufge-
fallen, der vom Abendland zum Orient ging. Es fanden sich
in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Kaufleute aus
Toskana mit Safran in Syrien; auch von Marseille aus ging
eine lebhafte Ausfuhr dorthin. Venezianer sind in der
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit Safran auf dem
Weg von Korfu nach Thessaloniche nachzuweisen ‘). Pego-
lotti zeichnet den Unterschied zwischen den Safrangewichten
von Florenz und Accon auf, und Pasi nennt die Levante ein
gutes Absatzgebiet des abendländischen Safrans. — Ganz
ausgesprochen scheint Ägypten auf Safranversorgung vom
Abendland angewiesen zu sein. Zeugnisse dafür ziehen
sich durch das ganze Mittelalter von 1156—1521. Von
Genua, Toskana, Marseille aus findet eine Einfuhr statt1 2).
Auch katalonischer Safran kommt nach Marino Sanuto in
Ägypten auf den Markt3), Besondere Bedeutung hatte
der Safranhandel nach Ägypten für Venedig. Zur Zeit des
päpstlichen Handelsverbot nach Ägypten versucht der Doge
die Erlaubnis vom Papst zu erlangen zur Einfuhr von Me-
tallen, Tuchen, Safran und anderen einheimischen Waren
nach Ägypten4). Auch Pasi betont, daß Safran sich in
Ägypten gut verkaufe. Daß auch die Inseln des Mittel-
meers ihren Bedarf von Westen her decken, geht aus dem
Handelsbuch Pasis hervor. Cypern begegnete uns schon als
Bestimmungsort eines Safrantransports von Marseille aus
1248 s). Von dorther bewegte sich zur selben Zeit eine Aus-
fuhr nach Marokko und Algerien. Bei Pegolotti finden sich
noch Tana, Konstantinopel, Armenien als Verkaufsorte
abendländischen Safrans. Wir sehen, wie ein Safranexport
von den großen Handelszentren in Oberitalien und Südfrank-

1)	Fontes Rerum Austriacarum Abt. II, Bd. 13, S. 262 f., X u.XI.

2)	S. S. 10, 13, 21. Eman. Piloti Cretensis, in Monuments pour
servir a l'histoire des Provinces de Namur, de Hainaut et de Luxem-
bourg VI. 1846 S. 358.

3)	C. Port: Essai sur l'histoire du commerce maritime de Narbonne
Paris 1854. S. 127.

4)	Heyd II. S. 42.

5) S. S. 21.
        <pb n="25" />
        ﻿26

reich strahlenförmig nach alienbedeutenderen Handelsplätzen
des Mittelmeers geht. Es läßt sich erkennen, daß seit Mitte
des 12. Jahrhunderts ein Safranexport in der Richtung statt-
findet, von der die Kultur ursprünglich ausgegangen war.
Die neue abendländische hat die alte morgenländische Kul-
tur überflügelt. — Wohl besteht diese letztere noch fort. Um
1420 gehört Safran zu den Produkten, die den Mäander
hinab nach Palatia kamen. Auch in Sathalia und Candiloro
in der Türkei findet ein Anbau statt1). In Cypern wird Safran
Ende des 15. Jahrhunderts angebaut'). Doch vermag dieser
Anbau in den östlichen Mittelmeerländern anscheinend keine
Ausfuhr in den Westen zu versorgen. Safran findet sich
nicht in der auf Vollzähligkeit ausgehenden Liste der 1233
in Venedig eingeführten Levanteprodukte8). Auch erwähnt
keines der Handelslehrbücher eine orientalische Sorte.
Weder im Handel noch im Gebrauch des Abendlandes be-
gegnet eine solche uns. Nur zwei Schriften zur Technik der
Malerei, die des Pierre von S. Omer, Ende des 13. Jahr-
hunderts, und die des Jehan le Begue 1431, scheinen das Be-
kanntsein von orientalischem Safran zu verbürgen. Beide
kennen die Sorte Coriscus von Sizilien 1 2 3 4 5). Damit ist zweifel-
los die im Altertum bekannte cilicische Sorte vom Berge
Korykos gemeint. Da sich aber der ältere der beiden auf das
Zeugnis Isidors von Sevilla beruft, der den corycischen aus
Cicilien kennt “), und der jüngere sich schon durch die
gleiche fehlerhafte Angabe ,,Sizilien“ anstelle von „Cilicien“
als von ihm oder seiner Quelle abhängig erweist, so ist klar,
daß ihre Angabe aus der antiken Tradition und nicht aus
dem Gebrauch hergenommen ist; für das Mittelalter können
diese Zeugnisse nicht verwendet werden,

1)	Heyd II. 355. Em. Piloti Cretensis a. a. 0- 370 f.

2)	L. de Mas-Latrie: Histoire de 1'ile de Chypre sous le regne
des princes de la maison de Lusignan. Paris 1852—61. III. 493 ff.

3)	Schaube 197.

4)	Merrifield: Original treatises. I. 1. ff., 112 ff.

5)	Corpus Grammat. Latinor. veterum. III. S. 544.
        <pb n="26" />
        ﻿III.	Der Salranhandel der Deutschen im Auslande.

Über den deutschen Safranhandel des 13.
hunderts geben nur wenige Zeugnisse Kunde. Wir wissen,
daß Albert von Beham um 1245 die Preise auf der Lyoner
Messe notiert ’). 1268 trifft das Capitolare dei visdomini in
Venedig unter anderen Bestimmungen auch solche über den
Safraneinkauf der deutschen Kaufleute. Kein Quantum
über drei Pfund darf eingekauft werden, das nicht vorher
abgeschätzt und amtlich gewogen worden ist=). Wir finden
auch Safran unter den Gütern, die im 13. Jahrhundert die
Zollstätte von Stein an der Donau passieren'’). Diese
Notizen werden ergänzt durch Zeugnisse aus der Literatur,
aus denen der Gebrauch des Safrans im täglichen Leben
hervorgeht. Die Arzneibücher von 1150 wurden schon er-
wähnt. Gottfried von Straßburg kennt die Safranfarbe 1 * * 4).
In der „Wiener Meerfahrt“ gibt es Speisen, mit Safran ge-
würzt5 6), und auch Reinmar von Zweter kennt ihn als eine
Würze, die die Speisen gut aussehend und schmackhaft
macht, wenn er unter einem Bild von der Lüge sagt: ,,ge-
balsmet lüge, gebismet lüge, lüge mit safran überzogen“ ").

Erst seit 1300 läßt sich der Anteil der Deutschen am
Safranhandel klarer erkennen. Wir finden sie in allen
Stadien des Handels, von der Krämerei bis zum kapitalistisch
organisierten Aufkauf an den Produktionsstätten selbst.
Am frühesten finden wir die Deutschen als Safrankäufer
auf dem italienischen Markt, es folgt Spanien; erst Ende
des Mittelalters begegnen sie uns auf den Märkten Frank-
reichs, und in der Neuzeit erst liefert auch England Safran
für den deutschen Markt.

In Italien erscheint zuerst Venedig — im 14, und weit
bis ins 15. Jahrhundert — als das Handelszentrum, von dem

1) S. S. 22.	2) Thomas: Capitolare S. 3.

3)	Rerum Austriacarum Scriptores ed. A. Rauch. Vindob. 1793

bis 1794. II. S. 109.

4)	Tristan, herausgeg. v. Marold, Leipzig 1906, Zeile 15 und 32.

5)	Gesamtabenteuer, herausgeg. v. von der Hagen II. 469, 93.

6)	Die Gedichte Reinmars von Zweter, herausgegeben v. Gustav
Roethe. Leipzig 1887. S. 495, Nr. 169, 3.

5

i
        <pb n="27" />
        ﻿28

aus die Deutschen Safran exportieren. Hier fanden sie auf
dem Markte die Produkte der verschiedenen Anbaustätten
Italiens, die von Aquila, Apulien und den Marken ‘). Unter
den zahlreichen Bestimmungen, die in Venedig den Handel
der Deutschen einschränken, findet sich eine ganze Reihe
speziell auf den Safranhandel bezüglicher. Aus diesen Be-
stimmungen und den Urkunden, die anläßlich ihrer Über-
tretung ausgestellt wurden, lassen sich hauptsächlich die
Handelsgeschäfte der Deutschen erkennen. 1301 führt ein
Deutscher 87 Pfund aus 2), 1302 wird ein anderer in Strafe
genommen, der acht Pfund Safran ohne die vorgeschriebene
Abschätzung ausgeführt hat 3). 1328 finden wir einen Kon-
rad von Salzburg 4 *), 1330 einen Ulrich von München6 7) als
Safranhändler. 1342 soll Safran konfisziert werden, der
einem Heinrich von Ibbs und seinem Gesellschafter Werner
gehörtc). In diesen Urkunden ist das Safrangeschäft cha-
rakteristisch ausgebaut. Neben dem Verkauf durch Ver-
mittlung des Sensals und der Aufbewahrung der Ware nur
im Kaufhaus der Deutschen, ist bei jedem Verkauf eine Unter-
suchung und Abschätzung des Safrans vorgeschrieben, auf
die mit großer Strenge gehalten wird. Es soll der Fälschung
und der Vermischung der schlechteren spanischen Sorte mit
den besseren Sorten aus Toskana und den Marken vorge-
beugt werden. Im späteren 14. und Anfang des 15. Jahr-
hunderts muß sich der Safranhandel der Deutschen nach
Venedig noch gesteigert haben. Darauf deuten die beredten
Klagen der Venetianer, als er Ende des 15. Jahrhunderts Ve-
nedig zu umgehen beginnt, und die Anstrengungen, ihn dort
zu halten. 1409 finden wir als Vertreter der Hanse die
Gesellschaft Carbo-Veckinhusen aus Lübeck in Venedig.
Carbo stellt einen Kursbericht für Venediger Ware zu-
sammen, mit u. a. auch Saveran van Tuschan, van Lumbart
und der Marken ?). 1420 kauft Johann Ayelinger aus Lau-

1)	Thomas: Capitolare. S. 277.

2)	Simonsfeld I. Nr. 11—13.	3) Simonsfeld I. Nr. 19.

4)	Simonsfeld I. Nr. 80.	5) Simonsfeld I, Nr. 785.

6)	Simonsfeld I. Nr. 802.

7)	Stieda: Hansisch-venezianische Handelsbeziehungen S. 117.
        <pb n="28" />
        ﻿^9 -“-ul

ingen in Venedig Safran1), und auch der Nürnberger Ul-
rich Stark bezieht Safran aus Venedig 1 2). Ende des 15. Jahr-
hunderts fangen die deutschen Kaufleute wohl wegen der
ihren Handel in Venedig einschränkenden Bestimmungen
an, für ihren Safranhandel die Lombardei vor Venedig zu
bevorzugen. Wir sahen, wie Mailand und Casalmaggiore
hier als Märkte Bedeutung erlangen. Auch beginnen die
Deutschen mit Umgehung der oberitalienischen Märkte ihre
Geschäfte an den Anbaustellen selbst abzuschließen. Cha-
rakteristisch für diesen Umschwung ist, daß wir die
Ravensburger Gesellschaft, deren Handelsbeziehungen alle
wichtigen Anbaustellen und Märkte umspannen, mit keinem
Safrangeschäft in Venedig antreffen. Wieviel Wert Venedig
auf den deutschen Safranhandel legt, geht aus den Bemü-
hungen hervor, mit denen es ihn in Venedig zu halten sich
bestrebt3). Venedig geht sogar von seinem obersten
handelspolitischen Prinzip ab, nach dem der Handel und
die Initiative der Fremden in Venedig ein Ende finden und
an die Venezianer übergehen sollte, 1479 wird den
Deutschen, um sie vom Weg nach Mailand abzuhalten, ge-
stattet, Safran durch Venedig zu führen, gegen Abgabe von
12 Duk, für 500 Pfund. 1482 wird der Import erlaubt und
nur eine kleine Abgabe davon erhoben. 1492 wird die Ver-
fügung für den Import wiederholt und auf dem Transit nur
der allgemein gebräuchliche venezianische Zollsatz von
3 Duk. pro Saum belassen. Alle diese Verordnungen werden
mit der Begründung erlassen, man wolle durch sie den
deutschen Safranhandel von Mailand nach Venedig zurück-
lenken. Ueber das Resultat dieser Bemühungen ist nicht
viel bekannt. Lorenz Meder berücksichtigt den venezia-
nischen Safranhandel noch eingehend.

Die Konkurrenz Mailands konnte Venedig so gefähr-
lich erscheinen, weil Mailand überhaupt für die Deutschen

1)	Simonsfeld I. 326. — Er macht auch Safrangeschäfte mit
seinem Schwiegervater Ott Ruland von Ulm (Ott Rulands Handlungs-
buch. Bibi, des lit. Ver. Stuttgart I. S. 14),

2)	Münchener Allg. Zeitg. Beilage Nr. 101. Jahrg. 1901.

3)	Thomas: Capitolare S. 235 und 277.
        <pb n="29" />
        ﻿30

wegen seiner Lage und dem Charakter seiner Handelsbe-
stimmungen den größeren Wert als Durchgangsort besaß,
also besonders für die Produkte Italiens von weit größerer
Anziehungskraft war als Venedig. Nicht nur einen Teil des
venezianischen Safranhandels nahm Mailand Ende des Mittel-
alters auf, auch der Stapel für den toskanischen Safran ver-
legt sich — wie wir oben sahen — später in die Lombardei.
Ein großes Safrangeschäft ist uns aus dem Jahr 1429 über-
liefert. Ein Nürnberger (Henricus de Nuyberga) schuldet
einem Mailänder 2069 1. 1 s. für Safran1). Ende des 15.
Jahrhunderts ist Mailand Stützpunkt für den italienischen
Safranhandel der Ravensburger Gesellschaft. Hierher be-
richtet man den Kurs des Safrans in Lyon5 6). Hier kauft
man große Posten Zima s) und Pulsch. Von hier wird Nach-
richt nach Nürnberg gesandt über die Ernteaussichten des
lombardischen und Abruzzen-Safrans 4), und hier werden
in jedem Herbst die Summen fällig, die zum Aufkauf der
Ernte in den Abruzzen und in der Lombardei dienen c).

Für toskanischen Safran kommt auch der Markt von
Casalmaggiore (Casalmort, Casalmayor) in Betracht, der
ein besonderes Safrangewicht hat 7). Zur Zeit Lorenz Meders
gilt es allgemein, daß der toskanische Safran in der Lom-
bardei eingekauft wird. Als Märkte kennt er Parma und
Casalmaggiore. Noch zur Zeit Uzzanos 1442 fanden wir die
Deutschen mit Safran in Toskana. Es besteht um diese Zeit
ein Statut über die Verzollung von Safran aus den Marken
und dem Patrimonium in Florenz, das mit der Rücksicht auf
die Deutschen motiviert ist, 1476 geht ein Transport Safran
für die Ravensburger Gesellschaft von Florenz nach Mai-
land "), doch wird es sich hier um das Produkt der Abruzzen
handeln, das die Ravensburger über Florenz nach Mailand
schaffen.

Wie Mailand als Durchgangsort nach den südlichen
Teilen Italiens für die Deutschen von Wichtigkeit ist, so
beruht die Bedeutung Genuas für den deutschen Handel

1) Schulte II. Nr. 204.	2) Ravensburger Papiere 23.

3)	Rav. Pap. 83.	4) Rav. Pap. 2, 62, 65.	5) Rav. Pap. 8.

6)	Rav. Pap. 52, 45, 53.	7) Rav. Pap. 2, 66.	8) Rav. Pap. 2.
        <pb n="30" />
        ﻿3i

2um großen Teil darauf, daß die Deutschen hier den Zu-
gang zum Meere und besonders nach Spanien finden. Daher
erscheint Genua hauptsächlich in Verbindung mit dem spa-
nischen Safranhandel. 1424 werden Verordnungen über den
Durchgangsverkehr von Spanien und der Provence über
Genua nach Deutschland zwischen dem Genuesischen Staat
und den deutschen Kaufleuten vereinbart, Safran finden
wir besonders genannt und mit 1% Transitzoll belegt, wäh-
rend sonst Vs % gebräuchlich ist'). Die Durchfuhr von
Safran ist also so stark, daß es sich lohnt, sie fiskalisch aus-
zunutzen. Die Ravensburger Gesellschaft verfrachtet hier-
her einmal Safran von Valencia aus s). Nicht ausgesprochen
finden wir bei Ulmarin Stromer, der Ende des 14. Jahr-
hunderts die Gebräuche des genuesischen Safranhandels auf-
zeichnet, ob es sich dabei um die italienische oder um ein-
geführte spanische Sorte handelt5).

Unter den Klagen, die in Venedig Ende des 15. Jahr-
hunderts über das Nachlassen des Safranhandels der Deut-
schen laut werden, findet sich auch die, daß die Deutschen
seit einiger Zeit an die Orte selbst Vordringen, wo der
Safran wächst, und dort ihre Einkäufe bewerkstelligen. Aus
diesem Umstand erwächst auch die Bedeutung von Mailand
und Genua; sie sind Durchgangsorte; es fällt also diese
lokale Verschiebung zusammen mit einer Veränderung des
ganzen Handelsbetriebs. Schon die Florentiner Zollbe-
stimmung zur Zeit Uzzanos läßt darauf schließen, daß die
Deutschen den Marksafran vom Ursprungsort selbst nach
Florenz schaffen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahr-
hunderts haben die Deutschen den Weg in die Abruzzen ge-
funden und kaufen dort in Aquila Safran ein. 1471 löst
sich mit der Ermordung des deutschen Teilhabers in Aquila
eine Handelsgesellschaft auf zwischen einem Nürnberger
Arnold von Seeland, auch Raynoldo de Piero genannt, und
Aquilanern 1 * * 4). Da an Produkten Aquilas außer Safran nur
noch Wolle in Betracht kommt, darf man wohl auf Safran-

1) Schulte II. Nr. 254.	2) Rav. Pap. 30.

3)	Ulmann Stromer: Püchel von meim gesiecht und von abentewr

1349—1407. Chroniken der deutschen Städte I, S. 101.

4)	Schulte I. S. 599 f,, II. Nr. 100.
        <pb n="31" />
        ﻿- 32

geschäfte der Gesellschaft schließen. Um dieselbe Zeit hat
die Ravensburger Gesellschaft eine Niederlassung in Aquila
zum Zweck des Safraneinkaufs. Alljährlich unternimmt
ein deutscher Faktor eine Reise dorthin, um eine „Safran-
anlegung“ zu machen, d. h. den Safran nach der Ernte auf-
zukaufen. Eine ausführliche Rechnungsablage des Faktors
Claus Steinhüsler ist für die Zeit von Dezember 1478 bis
Februar 1479 erhalten ')• In Mailand und Genua nimmt er
große Summen ein, die dort zur Zeit der Safranernte fällig
sind. Damit reitet er in die Abruzzen. In Aquila und Fo-
ligno legt er 1059 Duc. 102 s. 6 d. in Zimasafran an, 264 Duc.
122 s. in der Sorte Stima. Er bedient sich bei diesen Ein-
käufen eines Agenten, der von jedem Pfund Safran 3 s. oder
2 s. 6 d. Provision erhält. Von Bauern läßt er sich bei seinen
Ritten die Wege über das Gebirge zeigen. Über Florenz
führt er den Transport nach Mailand, nachdem er den Vor-
rat an Verpackungsmitteln, den die Gesellschaft in Aquila
liegen hat, ergänzt hat. So läßt er aus Florenz einen Ballen
lederne Säcke nach Aquila schaffen. Auch 1480 ist er um die-
selbe Zeit zum gleichen Zweck in Aquila2). — Ende des
15. Jahrhunderts dringen auch die Welser zum Zweck des
Safrankaufs über Venedig und Mailand hinaus in Italien vor.
1478 treffen wir sie mit 5 Ballen Safran im Gebiet von Bo-
logna * 3). Vielleicht kommt der Transport von Aquila, wo die
Welser im Anfang des 16. Jahrhunderts eine Faktorei
hatten J),

In Spanien läßt sich nicht wie in Italien trennen
zwischen dem Eiandel am Zwischenmarkt und dem an den
Anbaustellen, da beide zu sehr benachbart sind und sozu-
sagen zusammenfallen. Eine Ausnahmestellung nimmt
Barcelona ein, das mehr für den Export in Frage kommt.
Das Hauptausfuhrprodukt Kataloniens und Aragons ist im
späten Mittelalter der Safran. Nur Nebenbedeutung haben
Wolle und Korallen. So ist man berechtigt anzunehmen,
daß die Mehrzahl der deutschen Firmen, die sich im Handel

1) Rav. Pap. 53.

3) Schulte I. S. 592.

2)	Rav. Pap. 45.

4)	Schulte I. S. 644,
        <pb n="32" />
        ﻿— 33 -»■

des nördlichen Spaniens nachweisen lassen, vom Zweck des
Safraneinkaufs hierher geführt worden sind. Besonders zwei
Quellen werfen im 15. Jahrhundert auf die deutsch-spanischen
Handelsbeziehungen helleres Licht: das Zollbuch von Bar-
celona über die Ausfuhr der Savoyer und Deutschen 1425 bis
1440 ') und Geschäftspapiere der Ravensburger Gesellschaft
aus den Jahren 1476—1523. Aus ihnen und vereinzelten
anderen Nachrichten lassen sich einzelne Gruppen von deut-
schen Kaufleuten erkennen, die im spanischen Safranhandel
von Bedeutung sind. Eine führende Stelle nehmen die
Bodenseestädte ein und die diese repräsentierende Ravens-
burger Gesellschaft.

Seit 1383 finden wir vereinzelte Kaufleute vom Boden-
see in Spanien 5), darunter 1408 und 1410 Lutfried Muntprat
und die im Steinhaus von Konstanz a), die späteren Teil-
haber der Ravensburger Gesellschaft, inmitten einer Gruppe
von anderen Konstanzern. Ausdrücklich als Safranhändler
erscheinen im Zollbuch von Barcelona 1428 ein Johan de
Rafons (Ravensburg?) 4) und 1427 ein Anrich de Con-
stanza5). Auch die Späteli kann man dieser Gruppe zu-
rechnen; denn ein Glied der Familie erscheint zuerst als
Faktor der Ravensburger Gesellschaft. Später schließen sie
Safrangeschäfte auf eigene Rechnung ab 6).

Der Geschäftsumfang aller deutschen und savoyischen
Firmen, für die das Zollbuch von Barcelona angelegt ist, wird
übertroffen von dem der Ravensburger Gesellschaft. Ihr Ge-
samtumsatz in der Zeit von 1426—1440 beläuft sich auf
Waren im Wert von ca. 130590 1. 7), davon entfällt rund
58602 1. auf die Ausfuhr. An Safran führen sie in den 15
Jahren 34 000 Pfd. Gewicht aus. Rechnen wir dies in das
Ende des 15. Jahrhunderts übliche Gewicht von Zentnern
a 360 Pfd. um, so ergeben sich 94 4/9 Ztr. Auf das Jahr ent-
fiele ein Durchschnitt von 6V3 Ztr. Für die Organisation des
spanischen Safranhandels der Ravensburger Gesellschaft ist

1)	Herausgegeben von Häbler, Würtb. Vierteljahrshefte. N. F. X. XI.

2)	Häbler X. 114.	3)	Häbler	X. 118.

4) Häbler XI. 366.	5)	Häbler	XI. 363.

6) Häbler XI. 369,	374,	382.	7)	Häbler	X. 141, XI.	388.

3
        <pb n="33" />
        ﻿34

aus dem Zollbuch wenig zu erschließen. Anscheinend haben
sie eine ständige Warenniederlassung in Barcelona. Es ist
jedoch nicht zu erkennen, ob diese zeitweise durch spanische
Angestellte verwaltet wird, oder ob die Gesellschaft, was
wahrscheinlicher ist, einen ständigen deutschen Vertreter
dort hat. Ein deutscher Faktor wird fast in jedem Jahr hin-
gesandt und nimmt die Geschäfte in die Hand.

Die zweite Quelle, die hier in Betracht kommt, sind
Geschäftskorrespondenzen, Rechnungen und Notizbücher
der Ravensburger Gesellschaft. Die für den spanischen
Handel wichtigeren Papiere stammen aus den Jahren 1477
bis 80, doch ziehen sie sich bis 1523 hin. Sie geben nicht nur
Nachricht über den Safranhandel der Ravensburger und
seine Bedeutung innerhalb der anderen Safrangeschäfte des
Mittelalters, sondern sie sind auch die ersten Zeugnisse für
die eigenartige Organisation, die das Safrangeschäft ent-
wickelt hat und in der die Ravensburger Gesellschaft für die
großen Firmen des 16. Jahrhunderts vorbildlich gewesen ist.
Um die Tendenzen, durch welche diese Organisation bedingt
ist, klarzulegen, möge hier ein kurzer Ausblick folgen, der
zum Teil einige erst später im Zusammenhang zu behan-
delnde Tatsachen streift. Charakteristisch für das Safran-
geschäft sind die Preisschwankungen, denen der Safran
mehr als eine andere Ware ausgesetzt ist, und die ihm einen
wesentlichen Charakterzug in dem Mangel an Stetigkeit ver-
leihen. Schon aus den Eintragungen des Zollbuchs geht her-
vor, wie der Geschäftsbetrieb der einzelnen Jahre schwankt.
So bewegen sich die ausgeführten Quantitäten in Dezember
und Januar, den beiden Hauptmonaten, die für den Export
in Frage kommen, zwischen 256 u. 2549 Pfd. bezw. 0 oder
122 und 3639 Pfd. — Durch welche Faktoren sind die
Safranpreise bedingt? Konstant wirkt der Unterschied der
Sorten. Vor 1300 scheint er noch keine Bedeutung gehabt
zu haben. Noch wird keine Sorte gesondert bezeichnet, selbst
der Kursbericht der Tolomei von den Champagner Messen
zeichnet nur „Safran“preise auf. Seit dem 14. Jahrhundert
beginnt man die einzelnen Sorten verschieden zu schätzen,
und Ende des 15. Jahrhunderts bestehen Schätzungs- und
        <pb n="34" />
        ﻿Preisunterschiede in Italien zwischen Zima, Putsch, Tusch-
gan und Lombard (den Sorten seien hier ihre im Handels-
verkehr gebräuchlichen Namen gegeben), in Spanien zwischen
Belegier und Ort, in Frankreich zwischen Brunickel und
Lyoner. Einige Beispiele mögen die Preisunterschiede kenn-
zeichnen, 1434 erzielt der Ort in Spanien 30 s,, der Bele-
gier 24 s. Im Lauf des Jahres 1480 werden für den Ort
Preise bezahlt von 30—35 s. Im April 1480 wird in Urgel
Safran zu 16—17 s. eingekauft '). Ähnlich groß sind die
Preisunterschiede der beiden französischen, geringer die der
italienischen Sorten !).

Ein zweiter preisbildender Faktor ist das Verhältnis
zwischen der jährlichen Nachfrage und dem Angebot der
jährlichen Ernte. Die Nachfrage ist so stark, daß das An-
gebot einer Ernte ihr im Lauf des Jahres eben genügt. Gegen
Ende des Erntejahres werden die Vorräte knapp, und die
Preise steigen, bis die Hauptmassen der neuen Ernte auf
dem Markt sind. Dieser Umstand bewirkt also eine all-
jährliche Preisschwankung. Regelmäßig ist diese insofern,
als sie durchschnittlich in jedem Jahr ein tritt. Ihre Größe
hängt von den verschiedensten Umständen ab, und es bleibt
daher eine Frage, ob die folgende Kurve, die aus den von der
Ravensburger Gesellschaft im Geschäftsjahr von Oktober
1479 bis Oktober 1480 in Nürnberg erzielten Preisen ') zu-
sammengestellt ist, in anderen Geschäftsjahren nicht viel-
leicht eine noch markantere Form aufweist. Auch in Spanien
beobachtet Häbler ein jährliches Anschwellen der Preise.

Ein willkürliches Element kommt in die Preisbestim-
mung hinein durch den Ausfall der Ernte. Mehr als bei
gewöhnlichen Produkten des Garten- und Feldbaus ist bei
dem Safran die Schätzung der Ernte eine schwankende. Erst
in vorgerückter Jahreszeit öffnen sich die Blüten, und leicht
wird die feine Narbe durch Frost und Nässe verdorben. Miß-
ernten sind daher häufig. Auch wird jede Ernte anders ge-

1)	Bei diesen Preisangaben ist allerdings auch immer eine etwaige
Verschiedenheit der Münzsorten in Betracht zu ziehen.

2)	Belege und weitere Preise s. S. 66 ff.

3)	Rav. Pap. 65.
        <pb n="35" />
        ﻿36

wertet, und alljährlich werden nach ihrer Güte die Preise
festgesetzt. Bei der räumlichen Trennung der Anbaugebiete
ist oft hier eine verfehlte, dort eine gute Ernte möglich. Auch
diesen Umstand gilt es auszunutzen.

Aus den beiden letzten Preisfaktoren geht hervor, daß
schon die objektiven Verhältnisse der Produktion und des
Marktes einen spekulativen Charakter tragen. Dies spekula-
tive Element läßt sich noch steigern durch das Eingreifen des
Kaufmanns. Die beschränkte Zahl der Produktionsgebiete
macht es einer kapitalkräftigen Firma möglich, Einfluß auf
allen zu gewinnen und durch ihre Einkäufe die jährlichen
Preise zu bestimmen.

Die Organisation des Safranhandels entwickelt sich
aus dem Bestreben, diese Preisverhältnisse auszunutzen.
Typisch ist die Organisation der Ravensburger Gesellschaft.
Wir finden sie Ende des 15. Jahrhunderts an allen bekannten
Anbauplätzen durch Niederlassungen vertreten. Wir sahen,
wie Claus Steinhüsler zur Zeit der Ernte regelmäßig die Fak-
torei in Aquila verwaltet und die Einkäufe dort abschließt
        <pb n="36" />
        ﻿37

In Mailand begegneten uns die Ravensburger als Käufer der
toskanischen und lombardischen Sorte. In Spanien haben
sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine Nieder-
lassung in Barcelona. Ende dieses Jahrhunderts finden wir
Faktoreien in Barcelona und Saragossa, die ständig von ver-
schiedenen Deutschen verwaltet werden. Barcelona hat
wohl in erster Linie Wert als Ausfuhrhafen, doch ist es auch
für den Einkauf nicht unwichtig. Von hier aus wird der
Delegier eingekauft im Lande Urgel. Märkte, die von Barce-
lona aus besucht werden, sind nicht genannt, doch sind deren
verschiedene zu erschließen ‘). Der Haupteinkaufsplatz ist
Saragossa. Auch hier wird die Niederlassung von mehreren
dort ansässigen deutschen Faktoren geleitet. Bei der Ab-
trennung der Ankenreute — Gesellschaft 1477 wird die
Niederlassung und ein Teil des Safranvorrats dieser zu-
gesprochen, doch Saragossa ist von so großer Wichtigkeit,
daß die Ravensburger Gesellschaft den Ort nicht verläßt,
sondern sofort eine neue Niederlassung gründet. Sie moti-
vieren es damit: „An dem end schafft Aragon mit dem
saffra, dan daruff ist uniser haertz" 2). Man mietet ein Haus
mit ein oder zwei Butiken und ein oder zwei Kammern.
Zwei Faktoren werden mit der Verwaltung beauftragt. Sie
sollen nicht in Saragossa festsitzen, sondern im Land von
Aragon und Urgel umherreiten und dort die Geschäfte ab-
schließen. Sonst scheinen keine deutschen Angestellten an
einem spanischen Ort beständig zu wohnen. In Cervera be-
sorgt ein Spanier die Geschäfte s) der Gesellschaft. Die
Märkte von Calatayud'), Alcaniz 5) und Roden de Ruge-
sas") werden von Saragossa aus besucht. Außer diesen
Deutschen sind auch zahlreiche Spanier im Dienst der Ge-
sellschaft tätig. Sie werden „Respondenten“ genannt!), und
ihre Aufgabe besteht darin, den Safran auf dem platten
Lande und auf den Landmärkten einzukaufen.

1)	Rav. Pap. 8.	2) Rav. Pap. 66.	3) Rav. Pap. 66.

4)	Rav. Pap. 9.	5) Rav. Pap. 11, 7.	6) Rav. Pap. 9.

7) Rav. Pap. 66. Unter den Namen Respondenten kennt Lorenz
Meder auch die Einheimischen in Apulien, die teils mit den Deutschen
die Safranmärkte besuchen, teils selbständig für die Deutschen einkaufen.
        <pb n="37" />
        ﻿38

Den italienischen und spanischen Niederlassungen
schließt sich die in Lyon als Zentrum des französischen und
die in Wien als das des österreichischen Anbaugebiets an.
So ist es den Ravensburgern möglich, die verschiedenen
marktgängigen Sorten zu liefern.

Dieses Netz von Niederlassungen ermöglicht es ihnen
zugleich, die regelmäßige jährliche Preisschwankung auszu-
beuten. Die Faktoreien werden von Ravensburg aus regiert und
mit Nachrichten über die Marktverhältnisse versehen. Unter
diesen Nachrichten nehmen einen großen Raum ein die-
jenigen über die Preise, die am Ende des Erntejahres auf
den Hauptmärkten, besonders in Nürnberg und Frankfurt
erzielt werden. Sind die Preise hoch und die Nachfrage ist
rege, so gibt man den Faktoren Weisung, möglichst bald die
Einkäufe der neuen Ernte zu bewerkstelligen und auf den
Markt zu bringen. So hat im Herbst 1479 der Safran in
Frankfurt in hohem Preis gestanden und die letzten Vorräte
sind verkauft worden. Dies wird nach Spanien berichtet und
auf schleunige Neueinkäufe gedrungen; selbst wenn die
Preise der ersten Ernte noch hoch seien, solle man sich nicht
scheuen, reichlich einzukaufen, um vor anderen Firmen, vor
der Ankunft der Hauptmasse der neuen Ernte, frische Ware
auf den Markt zu bringen und die Preissteigerung auszu-
nutzen ‘). Langsamer gehen die Geschäfte vor sich, wenn zu
sorgen ist, daß, wie es heißt, der neue Stank !) dem alten auf
den Hals kommt.

Die Beherrschung aller Anbaugebiete ermöglicht es
der Gesellschaft zugleich, die Konjunktur von Ernteausfall
und Nachfrage auszunutzen. Im Spätsommer fangen die
Faktoren der verschiedenen Niederlassungen an, über Land
zu reiten und die Felder in Augenschein zu nehmen. Auch
wird die Meinung der Bauern eingeholt. In Ravensburg
laufen die Berichte über die verschiedenen Gegenden zu-
sammen, und nach der Übersicht, die man dort gewinnt, wird
den Faktoren Anweisung über die zu machenden Einkäufe,

1)	Rav. Pap. 8.

2)	In diesen Korrespondenzen wird der Safran meist als Stank
bezeichnet.
        <pb n="38" />
        ﻿39

ihre Quantität und die anzulegenden Preise, erteilt. Eine
gewisse Selbständigkeit wird ihnen dabei gelassen; denn bis
zum Schluß bleiben die Ernteaussichten unsicher. So geht
im Oktober 1477 von Ravensburg aus die Anleitung nach
Spanien, höchstens 6, wenigstens 1 Ztr, Belegier zu kaufen,
je nachdem er 12 bis über 15 s., 8—4 Ztr. Ort, je nachdem
er 24—28 s. kostet1). Temperamentvolle Empörungsaus-
brüche begegnen uns in den Briefen, wenn die Faktoren die
Pflicht, über die Ernteaussichten zu berichten, vernachläs-
sigen. So schreibt man Herbst 1479 nach Saragossa: „Ist es
nit ain schand und laster, das wyer noch byß her kain buoch-
staben hond von iuch, ob man zuoversicht zuo dem stank
haut ald nit, daran unsser hertz und trost gantz und gar
lytt“ !). Als typischer Erntebericht möge ein österreichischer
— in der gleichen Art gibt es auch spanische — folgen ’):
Es ist ein warmer Herbst, es regnet zwar oft, doch sind es
warme Regen „und muoss der zyboll geben waz er hautt.
Aber dyss tag synd dye puuren etlich ab dem markt fill hie
gewessen; dye sagend ess gang in ibell, sy werden kain
saffran hon, ess wachss das grass vom zybollen und gangen
wenyg blomen uff. Nun sagend etlich, wen das grass her
fyr gang, so syg ess nit guott und sig kain blom me da, so
sägen ain tayll, wen daz grass schon mytt den blomen uff
gang an der erste, so kome darnach noch ain blom und daz
ich iuch kain grund nit kann schryben; aber Hainrich ryt
durch daz best land, da der maystayll saffran wächst".

Oft gibt es an der einen Stelle Mißernten, an der
anderen gute Ernten. Dann ist ein Orientiertsein über die
Aussichten auf den verschiedenen Plätzen wichtig, um schnell
die guten Ernten aufkaufen zu können. In besonderer
Wechselbeziehung stehen so der Brunickel und der Bele-
gier, deren Schätzung eine verhältnismäßig ähnliche ist, und
deren Preis auch nicht sehr differiert. 1479 heißt es, der
Brunickel tue dem Bellegier großen Schaden, und man solle
viel Bellgier einkaufen, wenn wenig Brunickel zu erwarten
sei 4).	1477 heißt es, der Brunickel müsse der Wegweiser

1)	Rav. Pap. 66. 2) Rav. Pap. 8. 3) Rav. Pap. 90. 4) Rav. Pap. 8.
        <pb n="39" />
        ﻿40

für den Bellegier sein l). Auch die letzten Verkäufe auf den
Märkten stehen schon im Zeichen der Ernteaussichten.
Schiebt in Frankfurt den Safran von der Hand, schreibt man,
doch haltet ihn fest, wenn ihr hört, daß der Regen der neuen
Ernte Schaden getan hat2).

Zu den Obliegenheiten der Faktoren gehört endlich
auch, einen Überblick zu gewinnen über die Mengen des
produzierten Safrans überhaupt, über die Firmen, die einge-
kauft, die Preise, die sie gezahlt haben. Dabei ertönen
Klagen, daß die eine oder die andere Firma zu teuer ein-
gekauft und die Preise verdorben habe ’).

Die Einkäufe selbst finden hauptsächlich im Winter statt.
Wir sahen, wie Steinhüsler von Dezember bis Februar in die
Abruzzen reist und im Januar in Aquila und Foligno kauft.
Im März sind auch die Einkäufe in Spanien in der Haupt-
sache beendigt. Doch ist damit der ganze Safranvorrat der
Bauern noch nicht aufgekauft. Durch den ganzen Sommer
bis August finden Einkäufe statt, die sogenannte Sommer-
anlegung. Klarer als aus den Ravensburger Papieren geht
die zeitliche Verteilung der Einkäufe aus dem Zollbuch von
Barcelona hervor. Die Durchschnittsausfuhr der einzelnen
Monate beträgt in den 16 Jahren in runden Zahlen:

April	228	Pfd.	August	37	Pfd.	Dezember	1176	Pfd.

Mai	195	„	September	94	„	Januar	1195	„

Juni	287	„	Oktober	299	„	Februar	990	„

Juli	127	„	November	707	„	März	326	„

Schon vor der eigentlichen Ernte beziehen sich indeß
einzelne Geschäftsabschlüsse auf den neuen Safran in einer
Form, die als Käufe von „ersta balla“, „ersta flors", „pri-
meras flors" bezeichnet wird. In Saragossa sind solche 1480
schon vor Mitte Oktober abgeschlossen worden, zu einer
Zeit, als der meiste Safran noch auf dem Felde steht:).
Diese Käufe gelten als besonders spekulativ. Es heißt von
ihnen, sie seien ein blindes Ding 5). Man unterscheidet aus-
drücklich ersta flor von dem neuen Safran"). Auch fällt
die Tatsache auf, daß man ersta flor einkauft, ohne den

1) Rav. Pap. 66.

4) Rav. Pap. 11.

2)	Rav. Pap. 72.

5)	Rav. Pap. 10.

3)	Rav. Pap. 7, 9.

6)	Rav. Pap. 9.
        <pb n="40" />
        ﻿41

festen Preis zu kennen l). Dies führt auf die Vermutung, es
könne sich bei diesen Käufen um Abmachungen vor der
eigentlichen Ernte handeln.

Groß sind die Quantitäten, die die Ravensburger jähr-
lich aus Spanien schaffen. Aus der Geschäftskorrespondenz
von 1480 läßt sich für dieses Jahr eine Ausfuhr von rund
17—18 Ct. aus Saragossa und Barcelona erschließen1 2 3), für

1479	eine von rund wenigstens 12—14 Ct. 8). Im allge-
meinen enthält ein Zentner zwei Ballen ä zwei Stümpf
ä 45 Pfund, also ein Zentner 360 Pfund. Es wären also 1480
wenigstens 6120 Pfund, 1479 wenigstens 4320 Pfund von
den Ravensburgern aus Spanien geführt werden. Was die
Ausfuhr der Ravensburger im Verhältnis zu der Gesamtaus-
fuhr Spaniens bedeutet, geht aus der Angabe im April 1480,
also nach der Hauptanlegung, hervor, es seien an 90 Zentner
Safran aus dem Land gegangen4). Zur Ostermesse gehen

1480	aus Spanien: drei Zentner der Ravensburger Gesell-
schaft, vier Zentner der Mötteli, zwei Zentner der neuen
Ankenreute-Gesellschaft; nichtdeutsche Firmen führen 5,
2Vz, 1 und 3 Zentner aus. Im ganzen beträgt der Export
201/2 Zentner Ort6).

Um diese Einkäufe abschließen zu können, müssen
große Summen in Spanien flüssig sein. Sie werden in das
Land gebracht in Gestalt von deutschen Waren, hauptsäch-
lich von Produkten der Textilindustrie. Der Geschäftsbetrieb
ist so eingerichtet, daß die Schulden im Herbst zu Beginn
der Safranernte fällig werden"). Valencia hat vorwiegend
Bedeutung für die Einfuhr. Das über Valencia ins Land ge-
schaffte Kapital wird nach Saragossa überwiesen und dient

1)	Rav. Pap. 11.

2)	Man hat im April 3 Zt. gekauft und hat die Absicht, noch
4 Zt. hinzuzukaufen (66). Im Herbst kauft Saragossa 5 Zt. erst flor; 2—3 Zt.
sollen nach der Messe von Alcariiz nachfolgen (11). An Belegier sind
2-3 Zt. in Aussicht genommen.

3)	5 Zt. sind für die Ostermessen hinausgesandt worden; 3 Zt.
werden im Sommer hinzugekauft (7). Für sofortigen Herbsteinkauf
rät Ravensburg 2—3 Zt. Ort, 2—3 Zt, Belegier an (8). Damit sind
vermutlich die Einkäufe noch nicht erschöpft.

4)	Rav. Pap. 9.	5) Rav. Pap. 9.	6) Rav. Pap. 7.
        <pb n="41" />
        ﻿hier dem Safranhandel. Im Oktober 1477 gibt Valencia
10 000 fl. auf die Anlegung in Saragossa’). 1480 klagt
Saragossa, daß ihm für neue Käufe nur 4000 fl. zur Ver-
fügung stehen2).

Neben der Ravensburger Gesellschaft sind auch die
mit ihr verwandten beiden Gesellschaften der Mötteli und
Ankenreute im spanischen Safranhandel tätig. Die Mötteli
splittern sich um 1455, die Ankenreute 1477 von ihr ab.
1479 sind diese 3 Gesellschaften in Saragossa die einzigen
neben Firmen mit spanisch oder französisch klingendem
Namen s). Im April 1480 machen die Mötteli größere Ein-
käufe als die Ravensburger Gesellschaft. Der Anteil der
Ankenreute an derselben Anlegung wurde schon erwähnt* 4).

So früh wie die Bodenseestädte sind auch schon die
Nürnberger Kaufleute auf spanischem Boden nachzuweisen.
Ein Hermann von Nürnberg kommt neben dem Überlinger
im Geleitsbrief von 1383 vor. Die gleichzeitigen Aufzeich-
nungen Ulmann Stromers belehren auch über den spanischen
Handel. Wer in Barcelona Safran kauft, muß berücksich-
tigen, daß auf ein Zentner zwei Pfund Tara gerechnet wird.
Zwei Arten von Zöllen muß der Safranhändler bezahlen:
Barceloneser Zoll 2 d. pro Pfund, Pfundzoll 4 d. pro Pfund.
Auch den Fuhrlohn von Barcelona über Avignon, Genf, Bern,
Konstanz zeichnet er auf. Man erkennt also einen ganz regel-
mäßig organisierten Handel, Unter den Kaufleuten des
Zollbuchs von Barcelona finden sich als Safranhändler die
Nürnberger Türbrech 5), die in sieben Jahren 1782 Pfund aus-
führen, 1446 beschwert sich der Nürnberger Magistrat beim
Rat von Barcelona, daß den Nürnbergern kein guter Safran
geliefert worden sei6). — Häbler hält die Nürnberger für
führend in dem aragonischen Safranhandel, der mit Um-
gehung von Barcelona über die Pyrenäen führte. Er er-
schließt das aus der Tatsache, daß 1415 vier Nürnberger
Kaufleute einen Geleitsbrief von der Aragonischen Krone
ausgestellt erhalten, und daß keiner dieser vier im Zollbuch
von Barcelona erwähnt wird. Die vier Kaufleute sind Frie-

1) Rav. Pap. 66.	2) Rav. Pap. 11.	3) Rav. Pap. 7.

4)	S. S. 41.	5) Häbler X. 155.	6) Häbler XI. 28 ff,
        <pb n="42" />
        ﻿43

drich Gunsberg, Johann Fridringer, Sebold Schürstab, Hein-
rich Lochner ‘). Daß ein starker Safranexport über die
Pyrenäen nach Perpignan geht, entnimmt Häbler dem Werke
Capmanys: Memorias historicas sobre la marina comercio y
artes de la antigua ciudad de Barcelona. Dieser gibt als
Safranausfuhr von Aragon an für 1427 6746 Pfd.,

„ 1428 7723 „

„ 1443 1682 „

Die Blüte des spanischen Handels der Nürnberger fällt
indes in das 16. Jahrhundert.

Eine dritte Gruppe der im spanischen Safranhandel
tätigen Deutschen bilden die Basler. Schon vor 1417 handelt
die Gesellschaft des Hans Schreiberlein von Basel und des
Conrad Taubenei von Aschaffenburg unter anderem auch mit
aragonischem Safran 1 2 3), doch ist nicht zu ersehen, ob es sich
nur um Zwischengeschäfte handelt. 1435 finden wir in Bar-
celona einen Conrad de Bala, der 19 Pfund ausführt'J.
Jakob von Basel führt 1430 227 Pfund 4), 1435—36 92 Pfund
aus 5 *), Größer sind die Geschäfte des Leonhard Grieb, von
dem eine Ausfuhr von 2213 Pfund im Jahre 1430 "), von
316 Pfund im Jahre 1435—36 7) zu erkennen ist. Großen
Unternehmungsgeist zeigen die Baseler Kilchen. Sie handeln
in Venedig und Barcelona. Unter anderen Waren führt 1426
ein Werner Kilchen von Barcelona auch Safran aus, im
ganzen ca. 758 Pfund 8).	1438 verbinden sich die Kilchen

mit dem unternehmenden Heinrich Haibisen und Barcelo-
neser Kaufleuten zu einer Gesellschaft zum Zweck des
Safranhandels. Das Gesellschaftskapital beträgt 20 000 fl.
in Gold. Die Baseler sollen die Geschäfte leiten in Frank-
furt, Nürnberg und dem sonstigen Deutschland, die Spanier in
Frankreich und England s). Es scheint sich also um eine spe-

1)	Ein Stefan Lochner begegnet uns 1478 mit Safran auf den
Genfer Messen. (Fr. Borei: Les foires de Gcneve au quinzieme
siede. Geneve 1892, II. 63.)

2)	R. Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel 1.1907, II. 1911.1. 460.

3)	Häbler XI. 387.	4) Aus dem Zollbuch von Saragossa 1430,

das ich in einer Abschrift von Herrn Geheimrat Schulte benutzte.

5)	Häbler XI. 391.	6) Zollbuch von Saragossa 1430.

7)	Häbler XI. 387 f. 8) Häbler XI. 358 ff. 9) Wackernagel II. 513.
        <pb n="43" />
        ﻿44

kulative Ausbeutung des spanischen Anbaugebietes zu
handeln, analog der Geschäftsführung der Ravensburger Ge-
sellschaft. Auch der von Wackemagel als Safranhändler
bezeichnete Heinrich Wiß macht von 1448—53 Geschäfte
in Barcelona ').

Den Baselern schließt sich eine Reihe anderer
Schweizer Kaufleute an. Aus St. Gallen kauft Caspar de
Vat (Watt, Vadianus) in Spanien Safran ein. Er führt aus
Barcelona im Laufe von elf Jahren fast 11 000 Pfund aus 2).
Damit ist seine Ausfuhr nicht erschöpft; denn für das Jahr
1430 ist neben den in dem von Häbler herausgegebenen Zoll-
buch verzeichneten Mengen noch eine Ausfuhr von rund
4596 Pfund im Wert von rund 4013 1. bezeugt3). Gegen
Ende des 15. Jahrhunderts kommen die Zollikofer aus
St. Gallen in Spanien empor. 1515 führen sie fünf
Zentner aus“). Ein so großer Geschäftsumfang läßt
darauf schließen, daß ihre Beziehungen zu Spanien schon
des längeren angebahnt sind. Auch finden wir sie schon
1500 mit Safran auf der Frankfurter Messe3). Die St.
Galler Firmen sind wohl in Spanien im Zusammenhang mit
der Ravensburger Gesellschaft emporgekommen. Der
Geleitsbrief von 1415, der über den Handel der Nürnberger
in Aragonien Auskunft gibt, schließt auch die folgenden
Kaufleute aus Freiburg in der Schweiz ein: Johann Scudin,
Nikolaus und Henzelin Rehiff und Peter Malcher. Auch von
diesen dürfen wir wohl Safranhandel voraussetzen. Für die
Rehiff wird er verbürgt durch Zollbucheintragungen in Bar-
celona. Dort führt ein Johann Riff, dessen Name wohl
identisch ist mit Rehiff, 1430—32 viermal Safran, im ganzen
930 Pfund aus * 6), 1430 außerdem 1758 Pfund7). Hierhin
gehört wahrscheinlich auch Paul Fischer, der uns wiederholt
in den Papieren der Ravensburger Gesellschaft aus Spanien
begegnet8), und der im Winter 1478 zu hohen Preisen ein-
kauft. Er ist wohl gleich zu setzen mit dem Paul Fischer
aus Bern, der 1467 einem Nürnberger Safran verkauft"),

1)	Wackern. II. 520. 2) Häbler X. 338. 3) Zollbuch von Saragossa.

4)	Rav. Pap. 66.	5) Rav. Pap. 73.	6) Häbler XI. 371 ff.

7) Zollb, von Saragossa. 8) Rav. Pap. 8, 6.	9) Schulte II. Nr. 297.
        <pb n="44" />
        ﻿45 —

Die zweitbedeutendste Stelle unter den deutschen
Kaufleuten in Barcelona nimmt Anfang des 15. Jahrhunderts
ein Kölner ein: Johann de Colonia. Zwar ist er in Barcelona
naturalisiert, doch besteht seine Gesellschaft zu einem
Viertel bis zur Hälfte aus anderen Deutschen, und die Natur
der Waren, die er importiert — hauptsächlich Erzeugnisse
der niederrheinischen Metallindustrie — weist auf dauernden
Zasammenhang seiner Geschäfte mit seiner Heimat. Er
führt in den sechzehn Jahren des Zollbuchs 19 000 Pfund
Safran aus Barcelona aus '), 1430 überdies aus Saragossa
2481 Pfund im Wert von 2223 1. 18 s.5). Ein Simon de
Colonia führt 1428 Safran im Wert von 145 1. aus 5).

Im 16. Jahrhundert haben auch die Welser Beziehungen
zum spanischen Safranhandel. 1503 haben sie noch keine
ständige Niederlassung in Saragossa, sondern der Lyoner
Faktor Lukas Rem reitet von Lyon aus zum Einkauf dort-
hin * 3 4 * * 7). 1509 scheint Saragossa ein eigene Faktorei zu haben.
In diesem Jahr stirbt Conrad Vöhlin dort nach längerem
Aufenthalt'). An Umfang übertreffen die Safran-Geschäfte
der Welser 1515 die aller übrigen Firmen6). Eine Reihe
anderer deutscher Safranhändler in Spanien, die nicht zu
lokalisieren sind, mögen noch folgen: Johann Guarli, der in
5 Jahren 4000 Pfund Ausfuhr aus Barcelona verzeichnet ’),
Johann Closi (in drei Jahren ca. 220 Pfund), Gabriel Car-
man, Guillermo Gosoffre, Johann Ronoff, Enrich Barber,
Enrich Cubier (Cubri), Nortfc).

Von den französischen Anbaugebieten kommt für den
deutschen Handel des Mittelalters nur das albigensische des
Brunickel und das von Lyon in Betracht, Zentrale des
deutschen Handels ist hier Lyon mit seinen vier Messen im
Januar, zu Ostern, im August und November. Von hier
aus werden sowohl die Einkäufe im Lyonnais bewerkstelligt

1) Häbler X. 338.	2) Zollbuch von Saragossa.

3)	Häbler XI. 369.

4)	Vgl. B. Greift: Das Tagebuch des Lukas Rem. 26. Jahres-

bericht des hist. Ver. v. Schwaben u. Neuburg. 1861. S. 6 ff.

5)	Häbler XI. 29 f.	6) Rav. Pap. 23.

7) Häbler X. 338.	8) Häbler XI. 356 ff.
        <pb n="45" />
        ﻿46 —

als auch im Albigeois. 1479 heißt es aus Lyon daß viele
Deutsche und Welsche auf den Lyoner warten. Die Ein-
käufe des Lyoner finden anscheinend auf der Messe selbst
statt. Auf der Allerheiligenmesse 1479 kauft die Ravens-
burger Gesellschaft 955 Pfund 13 Unzen Lyoner im Wert
von 6232 fl. 18 s. *); auch im Albigeois hat anscheinend keine
deutsche Firma eine selbständige Faktorei zum Einkauf des
Brunickel. Die Ravensburger Gesellschaft läßt die Ernte-
aussichten von Lyon aus und durch die nach Spanien rei-
tenden Gesellen erkunden. Die Welser scheinen um 1500
alljährlich eine Safrananlegung im Albigeois von Lyon aus
zu machen. 1500 und 1502 wird sie durch Lukas Rem be-
sorgt2). Für diese internationalen Safranfirmen hat der
französische Safran insofern große Bedeutung, als sein An-
baugebiet den deutschen und flandrischen Märkten am
meisten benachbart ist. „Das best daran so ist, das man bin
ersten mit hussa mag sin“, heißt es in der Korrespondenz
der Ravensburger *). Er kann früher als die anderen Sorten
auf die Märkte kommen und so Nutzen aus der Preissteige-
rung am Schluß des Erntejahres ziehen. — Daß Lyon eine
gewisse zentrale Stellung im Safranhandel überhaupt ein-
nimmt, geht aus der Funktion der Ravensburger Faktoren
hervor, von Lyon aus die Käufer, Preise und Nachfrage im
Safranhandel an die verschiedenen für den Safranhandel in
Betracht kommenden Märkte rundzuschreiben. 1480 äußert
man sich sehr befriedigt über das von Lyon gemeldete
Steigen der Preise und erhofft davon Rückwirkung auf die
Preise in Deutschland s). 1515 wird gerügt, daß man dieser
Pflicht nicht nachgekommen sei °). Bei den regen Handels-
beziehungen der Deutschen nach Lyon wird auch wohl die
Bedeutung Lyons für den Safranzwischenhandel nicht ge-
ring gewesen sein. 1489 kauft Jörg Westermann von Augs-
burg von der Ravensburger Gesellschaft hier Ortsafran im
Wert von 896 fl. 10 s. 10 d. 7). 1513 geht mit dem der Ravens-
burger auch ein Transport für	die „Mützer“,	wohl	die

1)	Rav. Pap. 8.	2) Rav.	Pap.	19.

3) B. Greift a. a.	0.	S.	6 ff.	4) Rav.	Pap.	8.

5)	Rav. Pap. 10.	6) Rav. Pap.	23.	7)	Rav.	Pap. 19.
        <pb n="46" />
        ﻿41

Müntzer von Nürnberg, und für einen Erasmus Furtabach
nach Deutschland '). — Für die Firmen, die Handelsbezie-
hungen nach Spanien haben, ist Lyon auch wichtig als Durch-
gangstation für die Transporte von Spanien nach Deutsch-
land. So richten die Ravensburger Weisungen über Wege
und Transportmittel dorthin. Im allgemeinen geht ihr Be-
streben dahin, Lyon für den spanischen Safran nur zum
Transit zu benutzen, doch werden ihnen im August 1479 4
Ballen Ort, die durch Lyon weitergeführt werden sollen,
festgehalten. Sie müssen ein paar Tage feilgeboten werden.
Es heißt, die Freiheit der Messe dürfe nicht zur Durchfuhr
ausgenutzt werden 1 2 3).

England ziehen die deutschen Kaufleute im 15. Jahr-
hundert, soweit nachweisbar, noch nicht in den Bereich ihrer
Safraneinkäufe. Erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts be-
suchen Deutsche die englischen Safranmärkte, zur Zeit, als
der internationale Safranhandel der Deutschen seine größte
Blüte erreichte.

Ein kurzer Ausblick auf diese Periode sei gestattet,
weil hier die Form des Spekulationsgeschäftes, die im Mittel-
alter ihre Ausbildung fand, als Typus auftritt8). Haupt-
sächlich wird sie repräsentiert in den Geschäften der Imhof
und Welser. Die Imhof sind seit Anfang des 16. Jahrhun-
derts in Lyon 4) vertreten. Seit 1537 sind sie im aragonischen
Safrangebiet nachzuweisen. Von 1540—49 schließt alljähr-
lich Wilwolt Imhof in Saragossa und Cervera, einmal auch in
Barcelona, eine Safrananlegung ab. Gewöhnlich reitet er
von Lyon aus nach Spanien und bleibt dort von Herbst bis
Frühjahr. 1541 bleibt er auch den Sommer über in Sara-
gossa, um bei Heinrich Buckli-Mötteli spanisch zu lernen.
Eine ständige Faktorei haben also die Imhof um diese Zeit in
Saragossa noch nicht. Auch Ende des Jahrhunderts 1576
und 1580 haben sie Vertreter dort; ob ständige, ist fraglich.

1)	Rav. Pap. 22. Furtenbach gab es in Nürnberg, Augsburg
und Ulm.

2)	Rav. Pap. 7.

3)	Für das Folgende besonders Häbler XI. 29 ff.

4)	Ravensburger Papiere 100.
        <pb n="47" />
        ﻿48

1576 berichtet der Faktor Mathäus Jenisch aus Saragossa
über die Einkäufe der konkurrierenden deutschen Firmen
dort. In Aquila und in Bari sind sie neben den Weisem die
herrschende deutsche Firma. Lorenz Meder rät den deut-
schen Kaufleuten, bei Safraneinkäufen in Apulien obacht auf
die Geschäfte der Imhof und Welser dort zu geben, die täg-
lich Nachricht von allen Safranmärkten Apuliens empfingen.
Auch solle man, wenn man von dort Safran nach Venedig
führen wolle, möglichst die Schiffe benutzen, die Güter der
Welser und Imhof führen, da sie zuverlässig seien. Wir
sahen, wie vor 1517 die Safrangeschäfte der Welser Spanien
und Italien umspannten. Im 16. Jahrhundert finden wir so-
wohl die Augsburger als auch die Nürnberger Welser am
italienischen Safranhandel beteiligt. Ein päpstlicher Geleits-
brief von 1541 nennt Bartholome von der Augsburger Linie
und Hans, den Leiter der Augsburger Filiale von Jakob
Welser aus Nürnberg ‘). In Spanien dauern ihre Beziehun-
gen, besonders die der Augsburger Welser, fort. Von 1576
an verknüpfen sich die spanischen Safraneinkäufe der Wel-
ser und Imhof mit Geldgeschäften der Fugger. — Spe-
kulative Safrangeschäfte treiben auch die Tücher. In der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts haben sie Niederlas-
sungen in Genf und Lyon. Dem Safranhandel scheinen sie
sich erst später zuzuwenden, doch erscheint er in den dreißi-
ger Jahren des 16. Jahrhunderts als altgeübt. Tuchersche
Briefe vom Jahr 1547 lassen erkennen, daß man mehrmals
Safrantransporte den beschwerlichen Weg über den Col de
la Perche nehmen läßt. Man hält die Unkosten, die dabei
durch Mitnehmung eines Geleitsmannes erforderlich sind,
für aufgewogen durch den Gewinn, der aus dem rascheren
Transport der Safranernten erzielt wird1 2). Auch in Tou-
louse haben die Tücher Anfangs des 16. Jahrhunderts einen
Respondenten, wohl für den Safraneinkauf im Albigeois 3), —

1)	J. Strieder: Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Leipzig
1904. S. 127.

2)	J. Müller: Der Umfang und die Hauptrouten des Nürnberger

Handelsgebietes im Mittelalter. Vierteljahrsschr. f. Soz. und Wirtschafts-
geschichte VI. 1908.	3) Müller a. a. O.
        <pb n="48" />
        ﻿49 ~*i

In den 70er Jahren nehmen die Nürnberger Beyer starken
Anteil am Safranhandel. Die Augsburger Herwart kaufen
Safran in Italien ein. Zwei Geleitsbriefe zur Durchfuhr von
Safran durch päpstliches Gebiet liegen für sie aus den
Jahren 1500 ‘) und 1541 ') vor. Im letzteren sind außer
ihnen an Augsburgern auch die Rehlinger 3), Ulrich Weiß *)
und die Welser genannt. Neben den Augsburgern bezieht
er sich auch auf Straßburger Kaufleute. — Wir sahen, wie
die Ravensburger Gesellschaft im 15. Jahrhundert mit der
Schwierigkeit kämpfte, die zum Safraneinkauf nötigen Gel-
der in ein Land zu schaffen. Dadurch, daß es in der Form
von Waren geschah, wurde die Geschäftsführung nicht wenig
kompliziert. In Spanien vereinfacht sich das Problem im
16. Jahrhundert durch die finanzielle Beteiligung der Fugger
an den Safrangeschäften. Die Fugger hatten große Gewinne
in bar aus Spanien auszuführen. Sie taten es in der Form,
daß sie den Safranhändlern die zum Einkauf nötigen Kapi-
talien vorstreckten und ihr Geld so aus dem Lande brachten.
In solcher Geschäftsverbindung stehen mit den Fuggern die
Welser, die Imhof und die Beyer. — Für die meisten der
oben genannten Firmen muß bei ihren herbstlichen Ein-
käufen ein Überblick über den Stand der Ernte auf den ver-
schiedenen Anbaugebieten und über den Kurs des Safrans
auf den Hauptmärkten angenommen werden. Wenn sie auch
wahrscheinlich nicht Faktoreien an allen einzelnen Orten
hatten, so war es doch die Regel, daß sie sich über diese
Fragen orientierten. Die Notwendigkeit davon betont auch
das Kaufmannslehrbuch des Lorenz Meder 1558, das dem
Safranhandel besondere Aufmerksamkeit widmet. Er be-
spricht die Safrankäufe in Apulien, Aquila, Spanien, Frank-
reich und England. Wer in Apulien Safran kaufen will, der
muß Anfang Oktober in Venedig sein, „um allda eygentlich
zu erfaren, wie sich die Recolta allenthalben als zum Adler,
Albiges, Catalonica, Aragon, Sovergia (?) und Rosofockia5)
anlasst, damit sich einer in kauffen darnach wisse zurich-

1) Strieder S. 127.	2) Strieder S. 123.

3)	Strieder S. 88 f.	4) Strieder S. 157.

5)	Mit Rosofockia mag la Rochefoucauld gemeint sein. (S. S. 24).

4

l
        <pb n="49" />
        ﻿5o

ten". Es folgen Bemerkungen über die Art des Einkaufs auf
dem Land, die Mittelspersonen und Unkosten, Ratschläge
betreffend das Gewicht, den Transport, Wege, Zölle und
Kosten. Dieselben Punkte werden auch in bezug auf die
anderen Anbaugebiete besprochen. Auch die Landmärkte
und ihre Termine zählt er auf.

IV.	Safranhandel und Safrananbau in Deutschland.

Wir sahen, wie ein großer Teil der Safranproduktion
aus Spanien, Italien und Frankreich von Kaufleuten aus den
verschiedensten Städten des südlichen und westlichen
Deutschlands nach Deutschland geführt wird. Der Zwischen-
handel hier findet wesentlich auf den Messen statt. Nürn-
berg, Frankfurt und Nördlingen kommen dafür in Frage.

Nürnberg darf man wohl als die Zentrale des deut-
schen Safranhandels bezeichnen. Es geht dies hervor aus
der Wichtigkeit, die die Ravensburger Gesellschaft ihrem
Nürnberger Handel beilegt und aus dem Ansehen, daß die
Nürnberger Safranschau im internationalen Handel genießt.
Über die Geschäfte der Ravensburger in Nürnberg gibt Auf-
schluß die Rechnungsablage des dortigen Faktors Lutz Geß-
ler über das Geschäftsjahr von Oktober 1479 bis Oktober
1480 ‘). Unter den Eingängen an Waren notiert er an Safran:

Lyoner 680 Pf. 7 Unzen,

Tuschgan 620 Pf. (Gewicht von Casalmaggiore),

Ort 2909 Pf. (Gewicht von Aragon).

Aus den spanischen Geschäftspapieren läßt sich er-
rechnen, daß zur selben Zeit aus Spanien an Ortsafran ca.
12—13 Ztr. ausgeführt wurden1 2). Dies entspricht 4320 bis
4680 Pfd. aragonesischen Gewichtes. Zwei Drittel der gan-
zen Einkäufe an Ortsafran gehen demnach nach Nürnberg.

1)	Rav. Pap. 65.

2)	Im Sommer 1479 sind 3 Zentner aus Spanien geführt worden. (7).
Wenigstens zwei bis drei Zentner sind von der neuen Ernte gekauft
worden (8). Im Frühjahr 1480 kauft man 3 Zentner, und vor der
Frankfurter Herbstmesse sollen noch 4 Zentner hinzukommen (66).
        <pb n="50" />
        ﻿- 51

Diese Vorräte werden fast ganz verkauft, nämlich 2574 Pf.
Ort, 542 Pf. Lyoner, 506 Pf. Tuschgan. Die Käufer wer-
den alle mit Namen angeführt. Durchschnittlich werden
Quanta von 31 Pf. verkauft. Größere Posten kauft ein
Nikolaus Groß (aus Augsburg?), verschiedene Vertreter
einer Familie Imkoffer (Imhof?) und eine gewisse Firma
Morinse. Im Anfang des Geschäftsjahrs werden für Ort
hohe Preise erzielt: 3 fl. 13 s., einige Schwankungen ab-
gerechnet. Dann sinken die Preise bis zu 3 fl. 4 s. und steigen
wieder bis zu 3 fl. 7 s. 8 s. Wir gewinnen so ein Bild der
jährlichen Preisschwankung '). Wenn die Preise Ende des
Jahres keine sehr große Höhe erreichen, so liegt es an der
allgemeinen Lage des Marktes, über die eine gleichzeitige
spanische Rekordanz klagt2). Lose Notizen, die einen ähn-
lichen Geschäftsbetrieb erschließen lassen, enthalten die Ge-
schäftspapiere aus anderen Jahren. — Zu der Einfuhr der
Ravensburger auf den Nürnberger Markt gesellt sich noch die
der vielen Nürnberger, die uns im ausländischen Safran-
handel begegneten. Besonders für den Import von Venedig
darf man sie als sehr zahlreich annehmen bei der führenden
Stellung, die die Nürnberger im deutsch - venezianischen
Safranhandel einnehmen.

Den Bedürfnissen des Flandels kommt Nürnberg ent-
gegen durch Einrichtung einer Safranschau. 1420 finden wir
diese zum erstenmal in Tätigkeit. Die jurati cognitores sive
discreditores specierum mercimonialium finden den von
Johann Ayslinger aus Lauingen in Venedig gekauften
Safran mit zu viel Feminelli vermischt, und der Nürnberger
Rat schreibt an die venezianische Regierung, er weise den
schlechten Safran zurück s). Eine Reihe von Polizeiver-
fügungen aus dem 15. Jahrhundert beschäftigt sich mit dem
Safranverkauf und den strafbaren betrügerischen Verände-
rungen am Safran, zu deren Vorbeugung die Schau ein-
gesetzt ist* 4). Der Verkauf darf nur nach stattgefundener
Schau und unter Benutzung der städtischen Wage statt-

1) S. S. 35.	2) Rav. Pap. 10.	3) Simonsfeld I. Nr. 326.

4)	Nürnberger Polizeiverordnungen aus dem 13.—15. Jahrh.,
herausgegeben von Baader. Bibi, des Stuttg. Lit. Ver. 1861, S. 136 ff.
        <pb n="51" />
        ﻿52

finden. Verboten ist, die Sorten zu vermischen, sie unter
falschem Namen zu verkaufen und dem Safran fremde Be-
standteile beizumengen. In letzterem Fall soll der Safran
verbrannt und der Fälscher nach jeweiligem Urteil bestraft
werden. Im besonderen wird Vorsorge dafür getroffen, daß
Marksafran, Brunickel und Belegier rein verkauft werden.
Das Bußgeld soll auf das Rathaus fallen und den Safran-
schauern von ihm ein bestimmter Lohn ausgesetzt werden.
Die 6 Safranschauer fungieren in der Liste der städtischen
Beamten zwar erst an sehr später Stelle ‘), doch gehören sie
oft bekannten Kaufmannsfamilien an. 1495 ist Johann Fug-
ger von der Linie vom Reh Safranschauer1 2 3), 1541 Caspar
Imhof, 1550 Christian Behaim. Seit 1500 sind zahlreiche
Namen überliefert “). Die Wirksamkeit der Schau erkennen
wir aus den vielen Verurteilungen, die auf Grund der An-
zeigen der Safranschauer erfolgten und die Roth aus Müll-
ners Annalen zusammenstellt. Aus den Jahren 1441, 1444,
1447, 1448, 1456, 1484 sind solche überliefert4). Die Schau
veranlaßt den Nürnberger Rat, auch im Ausland sich tat-
kräftig der Nürnberger Safranhändler anzunehmen. Die Zu-
rückweisung venezianischen Safrans wurde schon erwähnt,
Eine Beschwerde über schlechten Safran geht auch 1446
nach Barcelona 5). 1470 schickt sogar der Vogt von Bormio
Safranproben zur Untersuchung nach Nürnberg und erhält
ein eingehendes Gutachten darüber'),

Aus den Papieren der Ravensburger Gesellschaft geht
auch die Bedeutung Frankfurts als Handelsplatz für Safran

1)	Ratsverzeichnis und Ämterbüchlein 1516. Chroniken der
deutschen Städte. I.

2)	Schulte I. S. 650.

3)	Roth : Geschichte des Nürnberger Handels. 1800—1802.

4)	In Bezug auf die Grausamkeit der Strafen tauchen Zweifel
auf. Einesteils sind die Strafen für das gleiche Vergehen sehr ver-
schieden, und ferner entspricht ihre grausame Härte nicht dem Ton
in den gleichzeitigen Polizeiverordnungen. — Als ein Attest der Safran-
schauer über nicht gerechten Safran sieht Roth einen Zettel an mit
den Worten: „Heinrich von Kölln Zettel den wir Ratt gaben am Freytag
vor Dionisy A. 1497.“

5)	S. S. 42.

6) Schulte II. Nr. 391.
        <pb n="52" />
        ﻿53

hervor. Eine Obliegenheit des Nürnberger Faktors ist die
Leitung der Geschäfte dort. Nach Nürnberg geht auch ein
großer Teil der in Frankfurt nicht verkauften Waren zurück.
Die Jahresrechnung Lutz Geßlers schließt auch eine zu-
sammenfassende Abrechnung über die Frankfurter Ge-
schäfte auf den beiden Messen des Jahres ein. In die Fasten-
messe kommen an Safran 1960 Pf. Ort aus Aragon,

425 Pf. Tuschgan,

492 Pf. Zima aus Mailand.

An Ort wird ca. 1160 Pf. verkauft, von dem Rest 370
Pf. nach Nürnberg transportiert Aus ca. 130 Pf. Zima
löst man 411 fl. 11 s., im ganzen betragen die Einnahmen
aus Safran 4046 fl. 27 s. Die Frankfurter Herbstmesse bringt
zum Verkauf 1620 Pf. Ort von Aragon, von dem 641 Pf.
verkauft werden. Vom Rest empfängt Nürnberg 680 Pf.
Die Preise für Ort sind in der Fastenmesse ziemlich niedrig,
meist 3 fl. % Ort. Um diese Zeit ist vielleicht schon der
größere Teil der herbstlichen Ernten auf dem deutschen
Markt. In der Herbstmesse sind die Preise höher, den Er-
wartungen entsprechend, meist 3% fl. Der nicht verkaufte
Zima und Tuschgan wird nach Flandern gesandt. Größere
Mengen kauft u. a. die Frankfurter Firma Blum ‘) und ein
Gossenbrot von Augsburg. 1478 verkauften die Ravens-
burger von 12 Ballen Ort 9 auf der Herbstmesse; außerdem
stellten sie zum Verkauf 6 Ballen Zima und drei Ballen
Mark2). Firmen, die neben den Ravensburgern mit Safran
auf den Frankfurter Messen erscheinen, sind 1478 die Möt-
teli mit 6, die Wißland mit 2 Ballen '), 1497 Jörg Hornung
und Plans Bär von Basel * 4), 1500 die Hochreutiner, Züg, Zol-
lykoffer, Schlüsselfelder, Sperer 5).	1507 beträgt der Ge-

samtverkauf auf der Messe 60 Ballen trotz sehr hoher
Preise '). Ziemliche Quantitäten von Safran führen die
Ravensburger auch auf die Nördlinger Messen. 1481 lösen
sie hier aus Ortsafran 757 fl. 32 s. ’).

1)	Siehe auch Rav.	Pap. 81.	2)	Rav.	Pap. 61.

3)	Rav. Pap. 61.	4)	Rav.	Pap. 71.

5)	Rav. Pap. 72.	6)	Rav.	Pap. 77.

7) Rav. Pap. 70.
        <pb n="53" />
        ﻿54 —

Es würde zu weit führen, die deutschen Zwischen-
händler im Safrangeschäft zu berücksichtigen, die den Über-
gang vom Meßverkehr zum Kleinhandel bilden. Vielleicht
sind von den deutschen Safranhändlern noch die Meuting
aus Augsburg hervorzuheben, die anfangs des 16. Jahr-
hunderts unter anderem auch mit Tuschgan handeln ‘), und
die uns auch mit Safran in Wien begegnen !).

Im Allgemeinen findet bei den Bestimmungen über
städtischen Wagezwang, Kaufhäuser, Gästeverkehr und
Unterkauf sowie in Zolltarifen seit dem Beginn des 14, Jahr-
hunderts auch der Safran Berücksichtigung. Eine Schau wie
in Nürnberg, die auf stärkeren Safranumsatz in einer Stadt
schließen ließe, findet sich nur noch in Basel, doch ist sie
hier durch den Anbau hervorgerufen und auf den heimischen
Safran zugeschnitten. Auch Straßburg erläßt eine beson-
dere Polizeiverordnung gegen die Vermischung von Sorten
und gegen die verschiedenen Fälschungen s).

Ein Teil des in Frankfurt nicht verkauften Safrans
wird von den Ravensburgern den Rhein hinab über Köln
nach Flandern geführt. Auch von Spanien aus bringen sie
Safran zur See dort hin. Sie stellen ihn zum Verkauf auf
den Märkten von Brügge, Antwerpen und Bergen op Zoom4).
Meß- und Preisberichte von dort berücksichtigen stets die
verschiedenen Sorten, Weit weniger als in Nürnberg und
Frankfurt wird hier Ort verlangt. Brunickel ist die belieb-
teste Sorte, daneben Belegier und Tuschgan5). Nach Eng-
land scheinen die Deutschen den Safran nicht zu bringen,
doch verkaufen sie zu Zeiten auf dem Festlande anscheinend
viel an die Engländer. Aus der Tatsache, daß nach dem
Ende des französisch-englischen Krieges die Franzosen von
Rouen aus ihren Safran nach England hinüberführen, er-
wächst den Ravensburgern großer Schaden °). Gestreift wird

1)	Strieder 105 f.

2)	Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. 2. Abt. II. 2969.

3)	J. Brücker: Straßburger Zunft und Polizeiordnungen des
14. und 15. Jahrh. Straßburg 1889, S. 308 ff.

4)	Rav. Pap. 84.	5) Rav. Pap. 85, 83.

6)	Rav. Pap. 83.
        <pb n="54" />
        ﻿55

im Zusammenhang mit Flandern Köln als Durchgangsstation,
Die Ravensburger Gesellschaft hat hier einen ständigen Fak-
tor, der die Rheintransporte besorgt; zu unserer Zeit ist es
Peter Lützelkirchen. 1477 bleibt in Köln ein Transport Ort
liegen, bis in Flandern bessere Nachfrage eingetreten ist').

An einigen Stellen Deutschlands, wo Klima und Boden
es gestatten, regt der Handel mit dem kostbaren Bodenpro-
dukt einen Anbau an. Am frühesten läßt er sich feststellen
in Basel. Schon 1372 wird hier die Krämerzunft „Gesell-
schaft zum Safran“ genannt 1 2 3).	1423 nennt sie ihr neu er-

bautes Zunfthaus „Zum Safran“. Zwar bestehen neben ihr
eine Zunft zum Ingwer und zum Pfeffer; eine Benennung
nach Gewürzen ist also allgemein gebräuchlich. Doch ge-
winnt hier die Namensänderung tiefere Bedeutung im Zu-
sammenhang mit einer Ratsverordnung von 1420, die mit
folgenden Worten beginnt: „Als ir wol sehet, wie jetzt hier
bei uns ein louff uferstanden ist, der, ob Gott will, nutz wird
sin, daß viel Rite, edel und unedel, zu unser stat angefangen
haben, saffrant zu setzen, der auch gut an sich selbst
ist . . .“ s). Es handelt sich also um einen plötzlich sehr
lebhaft einsetzenden Anbau. Man geht wohl nicht fehl, wenn
man ihn in Beziehung setzt zu den auswärtigen, besonders
spanischen Safrangeschäften der Baseler, die von 1420 an
reichlich belegt sind, aber sicher schon früher bestanden4 5).
Daß da der Gedanke aufgetaucht ist, das unter großen
Kosten aus der Ferne herbeigeführte Produkt in der Heimat
selbst anzubauen, ist leicht erklärlich. 1420 greift der Rat
mit einer Verordnung in die Safranproduktion ein6). Die
Narben sollen sauber aus den Blumen genommen, und nur
gut gedörrter Safran soll in den Handel gebracht werden.
Verboten wird, ihn mit Öl oder sonstwie anzufeuchten, damit

1)	Rav. Pap. 81.	2) R. Wackernagel: Mitteilungen aus der

Geschichte der Safranzunft zu Basel. Basel 1902.

3)	Tr. Geering: Handel und Industrie der Stadt Basel. Basel
1886. S. 238.

4)	1374 werden einem von Lyon kommenden Baseler Kaufmann
5—8 Zentner Safran geraubt. Geering 145.

5)	Geering 238 f. Ochs: Geschichte der Stadt und Landschaft

Basel 1819. III. 188 f.
        <pb n="55" />
        ﻿56

er schwerer werde, oder ihn in angefetteten Säcken zu ver-
kaufen. Jedes Quantum von Vs Pfund an soll im Kaufhaus
gewogen werden, in Gegenwart derer, „die darüber gesetzt
sind und Gewalt haben, den Safran zu wägen und zu be-
sehen“. Verfehlungen sollen mit einer Strafe von 1 Mark
Silber geahndet werden. Schon 1419 war ein Safranfälscher
bestraft worden. 1438 ist die Bestrafung von zwei Kölner
Kaufleuten, Hans Golter und Jan van der Lippe, über-
liefert ‘). Hier wird es sich jedoch wohl um fremden Safran
handeln. In der Verordnung von 1420 betont der Rat aus-
drücklich, daß es sich um einen Schutz der Kaufleute den
Produzenten gegenüber handelt. Er legt anscheinend dem
Anbau großen Wert bei und hofft, daß er es zu einer Han-
delsbedeutung bringen werde. Er hat auch das Bestreben,
den Anbau auf die Baseler Gegend zu beschränken. 1421
wird die Bitte Ulms, das durch Hans Ehinger Safransamen
gekauft hatte, um Ausfuhr abgeschlagen1 2 3). Es kommt so-
gar zu einem ausdrücklichen Verbot der Samenausfuhr8).
Die Handhabung der Safran-Wageordnung ist von 1420 bis
1439 bezeugt. Die Einnahmen von der Wage steigen von
1420—1422 von 1 1. 3 s, 10 d. auf 6 1. 18 s. 10 d., dann halten
sie sich in der durchschnittlichen Höhe von etwa 1 14). Seit
1425 untersteht die Wage einem besonderen Beamten, dem
Safranmesser, der 1 1. jährlichen Lohn erhält. Auch diese
Ausgabe verschwindet seit 1439 aus den Stadtbüchern 5). —
Seit 1436 wird ein besonderer Safranzoll erhoben 6). Damit
wird das Prinzip des Schutzes der Kaufleute verlassen, und
Geering und Wackernagel vermuten in ihm einen Umstand,
der zum Ausgang der Kultur beigetragen hat. Die größte
Höhe erreicht er 1437—38 mit 27 1. 17 s. 7 d. In der Folge
wird er meist mit dem Ziegelzoll zusammengerechnet, und

1)	R. Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. I. Anm. S. 75.

2)	Wackernagel a. a. O. Es muß sich hier wohl um Setzlinge
handeln, da der Safrankrokus sich nicht durch Samen vermehrt.

3)	Geering S. 239.

4)	B. Harms : Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittel-
alter. Tübingen 1909 f. I. Abt. 1. Bd.: Die Einnahmen.

5)	Harms I. Abt. 2. Bd. : Die Ausgaben 1360—1490.

6)	Geering 239. Wackernagel I. 452.
        <pb n="56" />
        ﻿57

seine Höhe bewegt sich in einer wechselnden Kurve, die das
Risiko der zwischen Ernte und Mißernte schwankenden Kul-
tur anzeigt, zwischen 33 s. und 33 1 als äußersten Extremen.
Von 1436—1441 beträgt die durchschnittliche Jahresein-
nahme 11 1. 5 d., von 1442—1471 8 1. 6 s. 10 d. In der letz-
teren Summe ist der allerdings nur geringfügige Ziegelzoll
einbegriffen. Von 1472—1484 bringt er keine Einnahme;
dann erscheint so unvermittelt der große Betrag von 14 1.,
14 s., daß man an fremden Safran denken möchte. Von da
an bringt der Zoll nichts mehr ein1). ■— Wohl dauert die
Kultur noch durch das Ende des 15. und den Anfang des
16. Jahrhunderts fort. Noch bis 1534 findet sich die Po-
sition „vom Safranzol“ in den Einnahmebüchern, wenn auch
mit dem Zusatz „nihil“. Kaufhausordnungen von 14892 *)
stellen dem ausländischen den Landsafran gegenüber, und
1534 noch wird der Anbau in den Stadtbüchern erwähnts).
— Die Quantität der Ausfuhr läßt sich nur annähernd be-
rechnen, Nimmt man eine Durchschnittseinnahme aus dem
Zoll von 8 1. und V20 Wertzoll an, so käme man auf eine Aus-
fuhr im Wert von 160 1.

Gleichzeitig finden Anbauversuche in Kolmar statt.
An Kolmar und Freiburg/Br. wendet sich der Rat von Basel
um Auskunft über den dortigen Gebrauch, als 1421 in Basel
Differenzen wegen der Verzehntung des Safrans entstehen 4),
Kolmar kann keine Auskunft geben, weil der in den Gärten
nur zum Hausgebrauch angebaute Safran dem Zehnten nicht
unterliegt. Aus der Antwort Freiburgs geht hervor, daß man
hier nicht an Safran, sondern an Saflor, die Färbedistel,
denkt. Ein Anbau in Freiburg bleibt also zweifelhaft. —
Auch in Ulm soll man die Kultur versucht haben 5). Daß das
Bestreben dazu vorhanden war, geht aus der Bitte an Basel
um Samenausfuhr hervor. — In der Mitte des 16. Jahrhun-
derts beschreibt Hieronymus Bock die Safranpflanzen nach
der Anschauung, die er bei Worms und Landau von ihr ge-

1)	Harms I. A. 1. Bd.: Die Einnahmen.

2)	Geering 239.	3) Wackernagel I. Anm. S. 75.

4)	Geering S. 239.

5)	E. Nübling : Ulms Kaufhaus im Mittelalter. Rostock 1895. S. 250.
        <pb n="57" />
        ﻿58

wonnen hat — In der Schweiz bürgert sich der Anbau in
Wallis ein, Mitte des 16, Jahrhunderts findet er im oberen
Rhönetal bei Sitten statt1 2), Ein lokaler Handel hat sich
daran angeschlossen3), und bis heute lebt die Kultur dort
vereinzelt fort4). Auffallend ist, daß auch die Züricher und
Luzerner Krämerzünfte den Namen Safranzunft führen5).

Von weit größerem Erfolg als die oberdeutschen und
schweizerischen Versuche ist der Safrananbau in Österreich.
Seit dem Anfang des 15, Jahrhunderts ist er belegt. Bis zum
Ende des Jahrhunderts erreicht er solche Bedeutung, daß er
in der Ravensburger Gesellschaft eine ausländische Export-
firma anzulocken vermag. Er findet in Niederösterreich
statt, das schon im Mittelalter gekennzeichnet war durch
seine Garten-, Obst- und Weinkultur, Sein Kulturgebiet im
15, Jahrhundert fällt wesentlich zusammen mit dem Haupt-
anbaugebiet des Weinstocks in dem fruchtbaren Hügelland
des Viertels unter dem Mannhartsberg und am Osthang des
Wiener Waldes. In späterer Zeit treten noch die frucht-
baren Donauebenen hinzu. Quellen für das 15. Jahrhundert
sind hauptsächlich Verkaufsurkunden, Nachrichten über
Safranzehnten, Maut- und Marktordnungen. Die meisten
Zeugnisse führen nach Wien und in dessen unmittelbare Um-
gebung, da für Wien überhaupt das reichhaltigste Quellen-
material zur Verfügung steht. Dorthin weist auch das älteste
Zeugnis: 1407 wird ein „saffriangarten“ in Wien erwähnt6).
1423 wird ein Safrangarten vor dem Widmertor verkauft7),
1425 ein Safrangarten beschlagnahmt 8).	1433 gehört zu

einem Hause unter anderen Krautgärten auch ein Safran-
garten9). 1445 wird ein Safrangarten für eine fromme Stif-

1)	S. S. 1.

2)	Gesner: De hortis Germaniae. Straßburg 1561. S. 255.

3)	Gesner a. a. 0.

4)	H. Christ: Das Pflanzenleben der Schweiz. Zürich 1882. S. 114.

5)	Geering S. 240.

6)	Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. 1. Abt. IV. 4304.

7)	Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. 2. Abt. II. 2218.

8)	Hormayr: Wiens Geschichte und seine Denkwürdigkeiten,
9. Bd. 1823-25. II. Nr. 90.

9)	Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. 1. Abt. V. 4870.
        <pb n="58" />
        ﻿59

tung hingegeben ‘).	1465 ist ein Safrangarten vor Schotten-

tor 1 2 3), 1470 wieder vor Widmertor bezeugt ’),

Auf einen Anbau am Osthang des Wiener Waldes im
15. Jahrhundert weist das Grundbuch über den Mödlinger
Besitz des St. Jakobsklosters zu Wien. 1493 spricht ein
Grundgerichtsbrief von den zinsbaren Wein-, Kraut- und
Safrangärten um Mödling, Brunn, Biedermannsdorf, Perch-
tolsdorf, Enzesdorf, Neundorf4). Im einzelnen findet sich
angeführt ein halber Safrangarten in Mödling 1467 und
ebenda ein Safrangarten 1451 5). In Grillenberg ist der An-
bau schon vor 1439 bezeugt. Eine Verkaufsurkunde spricht
von 2 Joch Äcker, die vorher Safrangärten gewesen waren 6).

In das Viertel oberhalb des Mannhartsberges weist
nur ein Zeugnis des 15. Jahrhunderts 7).	1457 enthält das

Stiftungsbuch des Klosters St. Bernhard, an einem Zufluß
des Kamp gelegen, Safrangärten. Es ist jedoch fraglich, ob
darin ein Beweis dafür gegeben ist, daß der Anbau soweit
in den Tälern des Berglandes ober Mannhartsberg empor-
stieg, da die Güter die Klöster bekanntlich in ausgedehntem
Streubesitz umlagerten.

Für das fruchtbare Hügelland unterhalb des Mann-
hartsberges ist aus dem 15. Jahrhundert der Anbau nur in
Hüttendorf bei Nikolsburg zu belegen 8). In der ersten Hälfte
des 16. Jahrhunderts wird Safran angebaut in der Gegend
von Ravelsbach, dessen Pfarrer der Safranzehnt von Paris-
dorf zukommt, und in Wullersdorf, wo der Safranzehnt
ebenfalls zum Einkommen des Pfarrers gehört9). Bedeutend
muß der Anbau um Mistelbach gewesen sein. Dorthin will

1)	Quellen	zur	Geschichte	der	Stadt	Wien.	1.	Abt.	V. 4909.

2)	Quellen	zur	Geschichte	der	Stadt	Wien.	2.	Abt.	III. 4100.

3)	Quellen	zur	Geschichte	der	Stadt	Wien.	2.	Abt.	III. 4340.

4)	Blätter	des	Vereins für Landeskunde von	Niederösterreich.

1898, 23.

5)	Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich. 1901.

6)	Fr. Keiblinger: Geschichte des Benediktinerstifts Melk. 1851—63

I. 685.

7)	Keiblinger II. 126.

8)	Notizenblatt zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-

quellen II. S. 128.	9) Keiblinger II. 753.
        <pb n="59" />
        ﻿60

der Wiener Faktor der Ravensburger Gesellschaft einen
Boten senden, um sich bei den Marktbesuchern nach den
Ernteaussichten zu erkundigen.

Auch das Donautal oberhalb Wiens gehört zu den von
den Ravensburgern vor der Safranernte beobachteten Ge-
bieten. Ein von Wien aus nach Passau gesandter Bote soll
von dort aus seine auf der Reise gemachten Beobachtungen
nach Nürnberg berichten.

Diese lokalen Nachrichten werden ergänzt durch einige
Zeugnisse, die den Safrananbau als eine für Niederöster-
reich bekannte, ja das Land sogar kennzeichnende Tatsache
hinstellen. Die Anordnungen über eine allgemeine Besitz-
fatierung aus Anlaß einer Türkensteuer 1529 und 1539
zählen ihn zu den steuerpflichtigen Landesprodukten. 1542
setzt ein Steuertarif für ein Pfund Safran eine Steuer von
12 Pfg. fest '). Der Lobspruch des Schulmeisters Wolfgang
Schmeltzl auf die Stadt Wien 1548 enthält folgende Zeilen:
„Der pest Saffran in aller weit
wechst neben traid wein auff dem veldt
In gemain jaren ein Überfluß“ =).

Getreide, Holz und Safran dünken ihm die wichtigsten
und kostbarsten Produkte aus Wiens Umgebung.

Auch Handels- und Verkehrsbestimmungen tragen
dem Produkt Rechnung. Auf einen Nahverkehr von Landes-
erzeugnissen weisen die Bestimmungen der Wassermaut von
Stadlau im Marchfeld um 1450: „Item von Safran, was ains
tregt zwei Pfening, ist sein V-i Pfund schwer, so 1 Pfg., ist
sein minder, so nichts“ 5). Die Frohnwageordnung von St.
Pölten 1456 hebt allein Safran aus der Reihe der Pfenbert
heraus'1), und auch bei den Zollsatzungen von Korneuburg
fällt der Zoll auf Safran zwischen Vermerken über den Zoll
auf Landeserzeugnisse auf l&gt;). 1 2 3 4 5

1)	M. I. Ö. G. 6. Erg. bd. 1901.

2)	Hormayr VII. Urk. 223.

3)	Hormayr V. Urk. 167. Quellen zur Geschichte der Stadt Wien.
Rechte und Freiheiten Nr. 145.

4)	Blätter des Vereins für Landeskunde 1876 S. 308.

5)	Blätter des Vereins für Landeskunde 1881 S. 410
        <pb n="60" />
        ﻿-- 6i

-w.-i

Was den österreichischen Safrananbau wesentlich von
den anderen Anbauversuchen auf deutschem Boden unter-
scheidet, ist die Tatsache, daß er Bedeutung im internatio-
nalen Safranhandel gewinnt. 1477 wird er in den Erntebe-
richten der Ravensburger an die ausländischen Faktoreien
berücksichtigt. Man erwartet eine mäßig befriedigende
Ernte, es sei denn, die Kälte habe ihm geschadet ’).	1479

schickt die Nürnberger Faktorei einen Boten nach Oester-
reich, um dort Erkundigungen über Ernteaussichten einzu-
ziehen. Das Resultat soll dann sofort nach Spanien be-
richtet werden* 5}. 1511 hat Wien eine eigene Niederlassung,
die auf den Landmärkten von den Bauern Safran aufkauft.
Von ihrem Verwalter Gabriel Geßler ist ein eingehender
Erntebericht erhalten 3). Er hat es für aussichtslos gehalten,
auf dem Markt von Mistelbach den Stand der Ernte zu er-
fragen, da die Bauern ihn wegen der Unruhe dort nicht be-
suchten, doch möchte er auf eine gute Ernte schließen. Es
folgt dann der schon vorher als typisch wiedergegebene Be-
richt über die Aussichten. Der Bote, der den Brief nach
Nürnberg befördert, soll beim Hinaufreiten — der Weg führt
ihn durch das Land, wo der meiste Safran wächst — beob-
achten und Bescheid sagen. Auffallend ist, daß trotz der
nicht geringen Produktion, die sich aus diesen Berichten er-
schließen läßt, Österreich ein wichtiges Absatzgebiet für
fremden Safran bleibt. Ist in Österreich keine Nachfrage,
so werden in Nürnberg schlechte Preise erzielt, so 1480 4).
Auch 1511 wird Safran in Österreich verkauft. Der Rest,
der am Schluß des Geschäftsjahres noch vorhanden ist, soll
aufbewahrt werden zur Spekulation bei etwaiger Mißernte.
Auch nach Ungarn auf die Märkte von Ofen und „Watta“ 6]
wird Ort geführt. Man könnte diese Einfuhr auf die so
sehr ausgebildete Qualitätsunterscheidung zurückführen,
doch dafür erscheint die Einwirkung Österreichs als Absatz-
gebiet auf die Preisverhältnisse in Nürnberg zu groß. Es
bleibt die Annahme übrig, daß der österreichische Anbau

1) Rav. Pap. 66.	2) Rav. Pap. 8.

3)	Rav. Pap. 90.	4) Rav. Pap. 10.

5)	Lorenz Meder kennt in Ungarn den Markt Waldtha.
        <pb n="61" />
        ﻿62

den Bedürfnissen Österreichs um diese Zeit nicht ganz ge-
nügte, Wenn trotzdem Safran von Österreich nach Westen
exportiert wurde, so lag es wohl daran, daß diese öster-
reichische Sorte die Sortenauswahl auf dem deutschen Markt
in willkommener Weise bereichern konnte.

In der Neuzeit erst gewinnt der österreichische Safran
größere Bedeutung im internationalen Handelsleben, Ende
des 18, Jahrhunderts ist der Anbau so bedeutend, daß er die
österreichische Regierung veranlaßt, eine ausführliche An-
weisung zur Kultur herausgeben zu lassen, die eine spezi-
fisch österreichische Terminologie für die einzelnen Teile
der Pflanze enthält ‘).

Wie in England !) und Frankreich s) sucht man nach
einer romanhaften oder wenigstens bestimmten Begebenheit,
die den Anbau des fremdartigen Gewächses erklären soll.
So bringt die Sage den österreichischen Safranbau in Zu-
sammenhang mit den Kreuzzügen und will ihn von einem
heimkehrenden Pilger aus dem Morgenland mitgebracht
wissen4). Jedoch wird die österreichische Kultur wohl
ebenso wie die oberdeutsche ein Ergebnis der Handelsbe-
ziehungen der Österreicher sein. Diese sind besonders nach
Venedig außerordentlich rege, wie die Besucherliste des
Fondaco bei Simonsfeld zeigt. Sie enthält nicht nur Wiener,
sondern auch Kaufleute aus Linz, Enns, Steyer, Wels, Krems,
Stein, Ibbs, Neustadt. Besonders im Verlauf des 14. Jahr-
hunderts steigert sich der auswärtige Handel Österreichs zur
Blüte. Als eine natürliche Folge dieser Blüte kann der Ver-
such erscheinen, die Produkte, die man mit großen Kosten
aus der Fremde holt, im eigenen von der Natur gesegneten
Lande zu ziehen, in dem schon lange durch Wein und Obst-
bau die Spezialkultur heimisch ist. Es ist dieselbe Entwick-
lung, die auch zu dem Anbau in Oberdeutschland geführt
haben mag. So erklärt sich auch der große Anteil der
städtischen Bevölkerung am Anbau,

1)	Kronfeld 52 ff.	2) Kronfeld S, 31.

3) Flückiger u. Hanbury a. a. 0.	4) Kronfeld S. 31.
        <pb n="62" />
        ﻿63

V.	Wertung, Preise, Anwendung.

Der Safran ist das am höchsten geschätzte Gewürz
unter den bekannteren, in größeren Mengen in den Handel
kommenden Gewürzen des Mittelalters. Es geht dies aus
seinem Preis hervor und der besonderen Stellung, die ihm
unter den anderen Gewürzen eingeräumt wird.

In Tarifen und Kaufhausordnungen wird er nicht selten
durch höheren Zoll und besondere Bestimmungen hervor-
gehoben. So ist er das einzige genannte Gewürz in der
Wormser Kaufhausordnung '). Von 1 Pf. Ort oder der-
gleichen gehören 2 d. dem Kaufhaus, 2 d. den Unterkäufern.
An der Maut von Enns wird von 4 Pf. Spezerei 1 d. erhoben,
dieselbe Abgabe von nur 2 Pf. Safran1 2 3). (Es handelt sich
hier um eingeführten Safran.) In Nürnberg wird von einem
Sack Safran den Unterkäufern acht Heller gezahlt, während
von anderen Gewürzen nur zwei oder vier Heller zu ent-
richten sind ’). In Genua beträgt zur Zeit Ulmann Stromers
die Abgabe für den Unterkauf sogar 2 d. für 1 Pf. Safran
und nur 6 d. für ein Zentner Pfeffer, Ingwer oder dergleichen.

Der Wert des Safrans geht auch aus den relativ kleinen
Quantitäten hervor, die man zu kaufen pflegte. In Nürn-
berg besteht das Quantum, unter dem die Gäste Gewürze
nicht verkaufen dürfen, in 14, 1 oder 114 Ztr.; bei Safran
und einzelnen selteneren Gewürzen gilt das Quantum von
14 Ztr.4 5). Kleiner als das der anderen Gewürze ist auch
das für den Handel im Kaufhaus festgesetzte Großquantum.
In Basel muß schon von 14, später von einem Pfund an im
Kaufhaus gewogen werden ’). In Wien wird als Verkaufs-
quantum, das den Handel der Krämer von dem der Kauf-
leute scheidet, festgesetzt: 3 Pf. Safran, 10 Pf. Ingwer, 25
Pf. Pfeffer, 5 Pf. Muskatblüte h). Die Großschäfferei des
deutschen Ordens hat im Anfang des 15. Jahrhunderts an

1)	Quellen zur Geschichte der Stadt Worms. III. 645.

2)	Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. 38, S. 88.

3)	Nürnberger Polizeiordnungen S. 126.

4)	Nürnberger Polizeiordnungen S. 128.

5)	Geering S. 237.	6) Hormayr V. Urk. 155
        <pb n="63" />
        ﻿“*»■	64

den Konvent zu Königsberg alljährlich zu liefern: 130 Pf.
Pfeffer, 30 Pf. Ingwer, 12 Pf. Zimt, 10 Pf. Paradieskörner,
nur 5 Pf. „Safferan Tuschkan“ ').

Das ein so kostbares Produkt als Geschenk Verwen-
dung finden konnte, bewies die politische Geschichte Tos-
kanas im 13. Jahrhundert. Auch der reiche Safranhändler
Rudolf Mötteli pflegte den Ratsgliedern von Luzern Safran
zu Neujahr zu schenken1 2).

Große Sorgfalt wird der Verpackung und dem Trans-
port zugewendet, damit die teuere Ware keinen Schaden
erleidet. Wiederholt ergeht in den Ravensburger Korre-
spondenzen die Mahnung, man solle ihn nicht zu fest ein-
packen3), z. B. heißt es: „Stibierend nit zuo hart, so backt
aer nit so fast inn einander.“ Auch wird geraten, man solle
beim Packen die Stricke nicht zu fest zusammenziehen, da-
mit er nicht zerbräche.

Ein Beweis der Kostbarkeit sind endlich die bei keinem
Gewürz so zahlreichen Verschlechterungs- und Fälschungs-
versuche und die vielen Vorkehrungen, die man treffen muß,
um sich ihrer zu erwehren. An vielen Orten muß der Safran
einem Schauamt vorgelegt werden, so in Venedig, Mont-
pellier, Lucca, Pisa, Nürnberg und Basel. In Straßburg wird-
die Prüfung besorgt durch die von Laden zu Laden gehenden
Schauer. Manchmal ist auch eine Abschätzung, ein „Sti-
mieren“ oder „Stimmen“ der Ware erforderlich, so in Ve-
nedig und Nürnberg. In den Abruzzen scheint eine solche
Abschätzung schon auf den ländlichen Märkten vor sich zu
gehen. Darauf deutet der Name der Sorte „Stima“, die
Steinhüsler dort einkauft. In Nürnberg ist mit dem Schau-
amt auch eine Garbelur, d. h. eine Aussonderung der fremden
Bestandteile verbunden. Gehackte Feminelli und schäd-
liches Pulver, heißt es in der Polizeiordnung, sollen auf des
Verkäufers Kosten ausgeklaubt werden. Eine Garbelur ist

1)	C. Sattler: Handelsrechnungen des deutschen Ordens. Leip-
zig 1887.

2)	Der Geschichtsfreund. Bd. 48. 1893 S. 129.

3)	Rav. Pap. 10, 8, 66.
        <pb n="64" />
        ﻿wohl auch die „lesda“ in Marseille. Safran-lestat ist eine
besondere Sorte im spanischen Handel. — Die Vorkehrungen,
die man betrügerischer Weise mit dem Safran trifft, gehen
zum Teil dahin, ihn durch Anfeuchten mit Wasser oder Öl
zu beschweren und ihm dadurch zugleich den an den besten
Sorten gerühmten Fettglanz zu verleihen. In Spanien scheint
dies Verfahren allgemein üblich zu sein, und das Attest der
Nürnberger Schau für Bormio sieht es nicht als Fälschung
an. Strenger ist man in Basel, wo man sogar den Verkauf
in „gesalbten oder geschmierten“ Säcken verbietet. Weniger
streng ist man in Bezug auf die Beimischung der Femi-
nelli genannten Teile des Stempels. Besonders für Mark-
safran sieht die Nürnberger Polizei in dieser Hinsicht vor;
8V3 Pf. Feminelli darf als Höchstgehalt in einem Zentner
Safran enthalten sein. Auf die anderen Sorten bezieht sich
dann anscheinend die oben genannte Bestimmung, wonach
Feminelli von der Schau entfernt werden müssen. — Schwere
Strafen sind für diejenigen vorgesehen, die den Safran ver-
fälschen. Die Mannigfaltigkeit der Fälschungen läßt eine oft
geübte Praxis erkennen. Als Beimischung zählt die Straß-
burger Ordnung auf '): „zynnober und wilden saferon und
wiss safronbluomen, die sie rot ferwent, und gederret fleisch
und boumöle und zucker.“ Im Fastnachtsspiel beschimpft
ein Bauer einen Kaufmann:

„Dein saffran hast zu Fenedig gesackt

Und hast rintfleisch darunter gehackt“ 2).

Eine Aufstellung der Preise hat unter verschiedenen
Gesichtspunkten Wert. Sie gibt einmal einen Begriff von der
Schätzung des Safrans als Ware neben anderen Handels-
waren ; ferner illustriert sie durch Aufzeichnung der Schwan-
kungen, denen die Preise unterliegen, das schon früher zur
Charakterisierung des Safranhandels Gesagte. Allerdings
sind sie aus eben diesem Grunde als Material für eine Preis-
geschichte wenig geeignet. Bei der verschiedenen Schätzung
der Sorten haben nur die Angaben Wert, die sich auf ein-

1) Brücker a. a. O. S. 308 ff.	2) A. Keller: Fastnachtsspiele

aus dem 15. Jahrhundert. Stuttgart 1853. I. 478.
        <pb n="65" />
        ﻿66

Zeine Sorten beziehen. Wenigstens vom 14. Jahrhundert all
sind unterschiedliche Sortenpreise zu berücksichtigen. Da-
her kommen die zahlreichen von Rogers gesammelten Preis-
angaben in diesem Zusammenhang von 1300 an nicht mehr
in Betracht, Ebensowenig lassen sich die Tabellen bei Mayer
und Grund ') verwerten. — Für die Beurteilung der Preis-
schwankung innerhalb eines Jahres ist es wichtig, in welcher
Jahreszeit ein Preis gezahlt worden ist. Durchschnittspreise
kommen in Betracht, um die durch den Ernteausfall beding-
ten jährlich wechselnden Preise zu illustrieren. Ferner
macht es einen Unterschied, ob die Ware im Ausland bei der
Ernte en gros eingekauft oder ob sie in Deutschland wieder-
verkauft wird.

Ausgeschaltet sind bei den im Folgenden, gegebenen
Preisen im allgemeinen auch die von der Ravensburger Ge-
sellschaft in ihren Korrespondenzen veranschlagten Preise,
und es sind nur die wirklich gezahlten berücksichtigt. Auch
einige Notizen über Großeinkäufe im Ausland, bei denen die
Gesamtpreise nebst den Kosten der Verpackung und des
Transportes überliefert sind, fanden keine Aufnahme.

Aus dem 12. Jahrhundert ist eine Angabe aus Genua
überliefert: 1 Pfd. kostet 8% sol, jan.1 2).

Für das 13. Jahrhundert berechnet Rogers von 1259
an die Mittelpreise für je 10 Jahre wie folgt:

1259—70	13 s. den sterl.

1271—80	13 s........

1281—90	5 s. 5 d. sterl.

1291—1300

6 s. 3)

Marktpreise des 13, Jahrhunderts sind:
1218 (St. Gimignano)	19—20 s.

1224 ( „	„	)	22-24 s.4)

1)	Bei Th. Mayer: Der auswärtige Handel des Herzogtums Österr.
im Mittelalter. Innsbruck 1909 S. 184 und A. Grund: Die Veränderung
der Topographie im Wiener Walde und im Wiener Becken. Leipzig
1901 S. 239.

2)	Schaube S. 648.

3)	Rogers I. 641. Die Verschiedenheit der Münzwerte ist immer
in Betracht zu ziehen.

4)	Davidsohn: Forschungen II. 2312.
        <pb n="66" />
        ﻿67

um 1245 (Lyon)
1265 (Troyes)

Mittelpreis mehr als doppelt
so groß 2).

Der Durchschnittspreis von zwölf im März 1248 in
Marseille abgeschlossenen Geschäften ergibt 16 s. für
1 Pfund ’).

Einmalig gezahlte Preise im 13. Jahrhundert sind:
1228 (St. Gimignano) 36 s. 4)

)	35 s. 3 d. 6)

1241 ( „

II

1245 (Alexandrien) 25 Pfd. 24 schw. Goldbyzantienß)

1257 (St. Gimignano) 34^2 s. bon. den. Pisan. vet.7)

1302—03 (Neapel) 30 gr. = 3 Carolini.8)

Interessant ist eine Angabe über ein Kaufgeschäft aus
dem Jahre 1221 in St. Gimignano, die das Steigen der Preise
innerhalb eines Jahres illustriert. 1 Pfd. Safran kostete
23V2 s, bei Abschluß des Kaufkontrakts, 30 s. zur Zeit des
Verkaufs ’).

Das jährliche Steigen und Fallen der Ortpreise in
Spanien, wie es von der Ernte abhängig ist, geht am anschau-
lichsten aus den Preisen des Zollbuches von Barcelona her-
vor. Die Durchschnittspreise für Ort sind hier:

30 s.
35 s.

1425

1426

1427

1428

23—33 s.
27% s.

1)	Bibi, des Stuttg. lit. Ver. XVI. S. XXIII.

2)	Schaube: Kursbericht.

3)	Blancard: Documents inedits.

4)	Davidsohn: Forschungen II. 18.

5)	Davidsohn: Forschungen II. 333.

6)	Davidsohn: Forschungen II Nr. 2305.

7)	Davidsohn: Forschungen II. Nr. 2316.

8)	N. F. Faraglia: Storia dei prezzi in Napoli 1878 S, 75.

9)	Davidsohn: Forschungen II. 2311.
        <pb n="67" />
        ﻿68

1429	30	s,
1430	19	s.
1431	20	s,
1432	30-	—37 s.
1433	28	s.
1434	30	s.
1435	40	s.
1436	39	s.

Aus den Ravensburger Geschäftspapieren ergeben sich
für Ortsafran in Spanien folgende gezahlte Preise 2):

März 1478
Sommer 1479
April 1480
Sommer 1480
1503

Anfangs 1515

39 s., auch 35—36 s.
27—28 s.

34—35 s.,
32—33 s.
17 s.
20—22 s.

auch 30 s.

Dem stehen in Deutschland an Meßpreisen gegenüber:

Nürnberg	1477 (Oktober)	3 fl. 2'/2—5 s,, auch 3 fl. 72 s.
Frankfurt	1478	4 fl. 8d.—4 fl. 272 s.
Nürnberg	1479 (Oktober)	3 fl. 19 s.
Nürnberg	1479—80	3 fl. 8 s. (Durchschnittspr.)
Frankfurt	1480 (Fastenmesse) 3 fl. 21/2 s.	
Frankfurt	1480 (Herbstmesse) 3 fl. 21/2 s.	
Nördlingen	1481	3 fl.
Frankfurt	1497 (Herbstmesse) 2 fl, 19 s	3 fl.	
Frankfurt	1500 (	) 1 fl. 16 s.—19 s.
Frankfurt	1503 (	) 2 fl. 5 s.
Frankfurt	1507 (Fastenmess	:e) 5 fl. 12 s.—20 s.
Nürnberg	1507	5 fl. 14—15 s.
Ravensburg	1510	3 fl.
Österreich	1516	3 fl. 6 Kr.
Österreich	1523	572 fl. 15 Kr.3)

1)	Häbler konstatiert ein Mittel von 19 s., doch die einzige auf
Ort allein bezügliche Notiz in diesem Jahre ergibt 30 s.

2)	Den Ravensburger Papieren sind im Folgenden alle Angaben
entnommen, bei denen die Quelle nicht besonders vermerkt ist.

3)	Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen XI. 179.
        <pb n="68" />
        ﻿69

In Antwerpen erzielt Ort:

1478	17 s. Frankfurter 4 fl. 4 s. 1 d.)

1480 (Oktober) 14 s. 6 d. (= Frankfurter 3 fl. 13 s. 10 d.)
1504	(	„	) 12 s. 6 d.

1507	(Januar)	25 s.

1507	(Juni)	26 s.

Billiger ist die zweite spanische Sorte Belegier. Aus
den Angaben des Zollbuchs ergeben sich folgende Preise für
die einzelnen Jahre:

1426	34	s. ‘)

1427	25	s. (nur	ein	Posten)

1428	19	s. 8 d.

1431	1472—26 s.,	Durchschnitt 22 s.

1434	24	s.

1437	20	s.

1440	16	s.

Diese Preise sind	durchschnittlich höher als die Ende

des 15. Jahrhunderts erzielten:

Sommer	1479	15—16	s.

April	1480	16—17	s.

Dieser Einkauf ist notiert als
„ell-stank“ aus Urgel; es han-
delt sich also wohl um Bele-
gier.

Zur Kennzeichnung der Normalpreise seien bei dieser
Sorte die Herbst 1480 veranschlagten Preise angeführt: 12
bis 14 s. gilt als billiger, 17—18 s. als teurer Einkaufspreis.
In Frankfurt erzielt er:

1497 auf der Herbstmesse 1 fl. 12 s.

1500 zur gleichen Zeit	19 s.

Von den italienischen Sorten sind die meisten Preis-
angaben für Zima überliefert:

1478 zahlt Steinhüsler im Januar in Aquila 36 s. 5 d.;
1504 wird hier 13 Carlini gegeben.

In Deutschland kostet er:

Nürnberg 1477 (Oktober)	3 fl.

1)	Es ist dies ein Mittel aus zwei Eintragungen, die auf 42 s. u.
26 s. für das Pfund lauten.
        <pb n="69" />
        ﻿70

Frankfurt 1478 (Herbst)	3l/a-—-33/4 A-

Nürnberg 1479 (Oktober) *33/4 fl.

Frankfurt 1480 (Fastenmesse) 3 fl. 10 s, 3 d.
Frankfurt 1500 (Herbstmesse) 2 fl. 7 s.

Frankfurt 1503 (Herbstmesse) 2 fl. 4—5 s.

Nürnberg 1507	6 fl. 15 s.

Frankfurt 1507 (Fastenmesse) 672 fl-
Frankfurt 1515 (Fastenmesse) 2 fl. 9 s.

Österreich 1516	2 fl.

Österreich 1523	4 fl.1).

Antwerpen 1507 (Juni)	28 s.

Pulsch erzielt in Flandern 1478 13 s., in Frankfurter
Münze umgerechnet 3 fl. 4 s.

Den Preis des lombardischen Safran notiert Peter
Carbo 1409 in Venedig mit 38 Groschen in lübischem Geld,
den von Marksafran mit 28 Groschen1 2). In Frankfurt wird
auf der Herbstmesse 1478 3 fl. für Mark gezahlt.

Tuschgan gilt 1409 in Venedig 40 Groschen lübisch !),
1327 in Toskana 1 fl. 2 s. in Gold parvae monetae*).
Tuschganpreise in Deutschland sind:

Nürnberg 1479—80	31/2 fl. Durchschnitt

Frankfurt 1507 (Fastenmesse) 5 fl. 15 s,

Frankfurt	1515	(	„	)	2	fl.	5—6	s.

Antwerpen 1507	(Juni)	27	s.

Lyoner wird 1479—80 in Nürnberg zum Durchschnitts-
preis von 3 fl. 16 s. 10 d. verkauft.

Als Preise für Marockin finden sich:

Frankfurt 1500	(Herbstmesse)	1	fl.	19 s.

Frankfurt 1507	(Fastenmesse)	5	fl.	4 s.

Frankfurt	1515	(	„	)	2	fl.	8 s.

Antwerpen 1507	(Juni)	25	s.

Durchschnittlich billiger ist die Sorte Brunickel:
Frankfurt 1497 (Herbstmesse) 2 fl. 5 s.

Frankfurt	1500	(	„	)	1	fl.	8 s.

Frankfurt 1507 (Fastenmesse) 3 fl. 17 s.

1)	Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen XI. 179.

2)	Stieda: Hansisch-venezianische Handelsbeziehungen,

3)	Davidsohn: Forschungen II. Nr. 883.
        <pb n="70" />
        ﻿Für österreichischen Landsafran sind aus Österreich
überliefert folgende gesetzlich festgelegten Preise, die also
als Mindestpreise anzusehen sind: Für Kaufleute 23 d. für
das Lot 1460, 22 d. für das Lot 1474, für Krämer 26 d. für
das Lot ').

Die Verwendung des Safrans war eine äußerst mannig-
faltige. Bei dem großen Gewürzverbrauch des späten
Mittelalters wird wohl die Hauptmasse als Gewürz in der
Küche benutzt worden sein. Man mischte den Safran unter
die verschiedensten Speisen, wie die Rezepte des Büchleins
von guter Speise beweisen "). Besonders beliebt als Gewürz
scheint er in den östlichen Ländern gewesen zu sein. So sagt
ein Sprichwort, daß in Böhmen ein Schwein in einem Jahr
mehr Safran frißt als ein Mensch in Deutschland sein ganzes
Leben lang ’). Auch in Ungarn wird viel Safran benutzt.
Der Italiener Galeotus Martius erzählt, daß Gabeln zur Zeit
des Mathias Corvinus dort noch unbekannt gewesen seien,
und rühmt die Geschicklichkeit des Königs im Verspeisen
der safrangefärbten Gerichte 4 S.). — Der Safran gehört zu den
Ingredienzen in den nach offiziellem Rezept angefertigten
Wurzmischungen 6). In den Straßburger Rezepten ist auch
der Unterschied der Sorten zu ersehen “). Statt 4 Lot Ort
können öVa Lot Tuschgan oder 6 Lot Belegier genommen
werden. Die verschiedene Einschätzung der Sorten scheint
also auf Unterschieden in der Intensität des Aromas zu be-
ruhen. Auch Anton Tuchers Haushaltungsbuch führt unter
den Bedürfnissen der Küche Ort und Zima gesondert auf7).

Safran wird ferner benutzt zur Bereitung des Clareit,
des Würzweines “).

1)	Chmel: Materialien zur österreichischen Geschichte VI. 386, 391{.

2)	Ein Buch von guter Speise, Stuttgart 1S44.

3)	Des Johannes Butzbach Wanderbüchlein, herausgeg. von D. J.
Becker 1912 (Inselbücherei) S. 52.

4)	Dierbach: Flora Apiciana, Heidelberg und Leipzig 1831. S. 61.

5)	Geering 240 f.	6) Brücker 308 f.

7)	A. Schultz, Deutsches Leben im 14. u. 15. Jahrh. Wien 1892.

S. 500.

8)	K. Regel: Das Mittelniederdeutsche Gothaer Arzneibuch,

Gotha 1873 S. 31.
        <pb n="71" />
        ﻿11 —

Den Safrangebrauch in der Küche kannten schon die
Römer. Auch der offizineile Gebrauch war ihnen nicht
fremd. Besonders im Orient spielte der Safran als Heil-
mittel eine große Rolle ‘), und wohl wesentlich aus den
Schriften der arabischen Ärzte und Naturforscher erlernte
das Abendland diesen Gebrauch. In verschiedenen Arznei-
büchern wird er, äußerlich und innerlich anzuwenden, als
Heilmittel empfohlen. Eine zusammenfassende Darstellung
seines medizinischen Gebrauchs gibt das Buch der Natur des
Konrad von Megenberg 1 2 3). Sie stimmt in fast allen wesent-
lichen Punkten überein mit der des arabischen Arztes Ibn
Beitar “).

In Wasser aufgelöst hat der Safran die Fähigkeit, inten-
siv gelb zu färben. Safranfarbig ist ein Attribut für gelb-
gefärbte Stoffe im Orient und im alten Griechenland. Die
Römer besaßen das Adjektiv croceus für Gelb. Ausdrücke
wie Crocata vestes, crocina tunica sind aus der römischen
Literatur überliefert4). Ob daraus der allgemeine Gebrauch,
Safran als Farbmittel zu benutzen, erschlossen werden darf,
scheint fraglich. Besonders die lateinischen Zeugnisse, die
Ilg zusammenstellt, lassen sich so deuten, als gebrauche mau
den Ausdruck crocusfarbig für gelb überhaupt. — Im Mittel-
alter läßt sich die Anwendung als Farbstoff in größerem
Maße mit Bestimmtheit feststelleri nur in der Malerei und
Seidenfärberei. Über die Verwertung in der Malerei geben
Auskunft die Abhandlungen über Technik der Malerei von
Pierre von S. Omer um 1300, Jehan le Begue 1431 und von
Cennino Cennini da Colle di Valdelsa 1437. Besonders Cen-
nini ‘) gibt eine Reihe von Rezepten für die Verwendung.
Safran wird für gelbe, grüne und rote Farben benutzt, bei der
Malerei mit Eitempera, mit Essig und Gummi und bei

1)	A. V. Cremer: Semitische Kulturentlehnungen aus dem
Pflanzen- u. Tierreich. Ausland 1875. A. v. Kremer: Kulturgeschichte
des Orients unter den Kalifen. Wien 1877. II. 324. S. 86.

2)	Herausgeg. v. F. Pfeiffer. Stuttgart 1861.

3)	Ibn Beitar: Lexikon der Medikamente, übersetzt von Sont-
heimer. Stuttgart 1840 —42.

4)	Ilg in Quellenschriften zur Kunstgeschichte Bd. I, Wien 1871,

S. 152 f.	5) Herausgeg. von Ilg a. a. 0., S. 32, 122 f.
        <pb n="72" />
        ﻿73

Aquarellmalerei. Auch Goldbuchstaben werden manchmal
mit Safran hergestellt. Pierre von S. Omer macht auch auf
die Sortenunterschiede aufmerksam und schätzt den italieni-
schen und spanischen vor dem französischen Safran. Nicht
nur bei diesen Theoretikern, auch in der Praxis finden wir
den Safran zur Malerei benutzt. So vermerken die Bücher
eines neapolitanischen Klosters eine Ausgabe für Safran
zum Bemalen einer Tür ’).

Die Verwendung in der Seidenfärberei geht aus einer
Abhandlung über die Florentiner Seidenindustrie aus dem
16. Jahrhundert hervor1 2 3]. Ein besonderes Kapitel Del
tignere giallo di zafferano gibt dem Färber Anweisung über
die Benutzung dieses Farbstoffs, Dreiviertel Unzen Safran
reichen hin, um 1 Pfund Seide zu färben, während von den
andern aufgeführten Farbstoffen durchweg weit größere
Quantitäten nötig sind. Wegen dieser intensiven Wirkung
stellt sich auch die Färberei mit Safran billiger als die mit
den meisten anderen Farbstoffen.

In weit bedeutungsvollerem Lichte würde der Safran-
handel erscheinen, wenn sich die Verwendung des Safrans
auch für die Färberei von Baumwoll- und Leinengeweben
nachweisen ließe. Wohl kennt die Literatur den Safran als
Farbmittel, so das spätmittelalterliche Gedicht des „Teufels
Netz" *). Es erzählt u. a., wie der Teufel das Gesinde zum
Stehlen verleitet, so auch die Magd, die den Kittel mit Safran
färbt.

„Färwt ain denn den kittel gelen
Si sol wol vier lot davon stelen.

Das ist och ain hofflicher list:

Ist denn das da saffran brist
Und nit genuog gel wil werden,

So was kam saffran ietz uff erden
Der boeser ze färwen waer,

Also macht si ir ain maer.“

1)	Faraglia S. 112.

2)	L'Arte della seta in Firenze. Trattato del secolo XV pubblicato
da Girol. Gargiolli. Firenze 1868.

3)	Herausgeg. von Barack. Stuttgart 1863, Zeile 1219 ff.
        <pb n="73" />
        ﻿74

Als Farbmittel für Leinen kennt ihn auch das fran-
zösische. Gedicht, das den Kaufmann seine Ware mit den
Worten anpreisen läßt:

„J'ai saffren a mettre en Viandes
Que je vent a ces damoiselle
A fair jauner lor toeles“

Im alten Irland war der Königsmantel mit Safran ge-
färbt und auf den Hebriden trugen bis ins 17. Jahrhundert
Personen von Rang das „lein-croich“, ein safranfarbenes
Hemd 1 2 3). — Eine Benutzung in der Färberei wird sich dem-
nach nicht leugnen lassen, wenn auch das Maß des Ge-
brauches fraglich bleibt. Die Belegstellen aus der Literatur
scheinen nicht mehr als einen Hausgebrauch vorauszusetzen,
wie ja auch heute noch Safran zum Auf frischen von gelb-
gefärbten Stoffen benutzt wird. Die Frage, ob er auch in der
Industrie verwendet wurde, bleibt offen. Der Nürnberger
Arzt Hieronymus Münzer spricht allerdings unter den Pro-
dukten Spaniens vom Crocus pro tingendis pannis, doch ist
nicht sicher, wie weit man ihm Fachkenntnisse zuschreiben
darf. Auffallend ist auch, daß die Anbaubezirke des Safrans
so oft mit den Stätten der Textilindustrie zusammenfallen,
so in Toskana, in Südfrankreich, in den Abruzzen und in
Spanien um Lerida. Fast gleichzeitig mit der Blüte der
Schürlitzindustrie beginnt der Safrananbau bei Basel, und
England baut Safran an, seit seine Tuchindustrie sich ent-
wickelt. Andererseits scheinen die Färbeordnungen neben
den zahlreichen Bestimmungen über Waid und andere
Farbstoffe keine Verordnung über Safran zu enthalten. So
finden sich unter den Urkunden zur Genfer Tuchindustrie s)
allein vier Waidordnungen. Von Safran ist nie die Rede,
auch nicht in einer detaillierten Kostenaufstellung der Fär-
ber. Und doch hätte gerade die Benutzung von Safran, der
so sehr Fälschungen ausgesetzt war, Verfügungen auch in
der Industrie nötig gemacht.

1) Fr. Michel: Recherches sur le commerce des etoffes de soie.

Paris 1852/54.	2) Encyclopedia Brittanica unter saffron.

3) G. Epinas und H. Pirenne: Recueil des documents relatifs ä
l'hiatoire de l’industrie drapiere en Flandre. I. 1906.
        <pb n="74" />
        ﻿Lebenslauf.

Ich, Luise Bardenhewer, katholischer Konfession,
wurde geboren am 18. April 1886 zu Uerdingen, Kreis Cre-
feld, als Tochter des Gerbereibesitzers Gustav Barden-
hewer. Ich besuchte die Marienschule zu Crefeld und die
Städtische Lehrerinnen-Bildungsanstalt zu Aachen und be-
stand Ostern 1905 die Prüfung für Lehrerinnen an mittleren
und höheren Schulen. Von 1905 bis 1907 war ich als
Lehrerin an der Volksschule zu Uerdingen tätig. Herbst
1908 bestand ich die Reifeprüfung am Städtischen Real-
gymnasium zu Münster i, W. Ich studierte an den Univer-
sitäten Bonn, München und Straßburg Geschichte, Deutsch
und Erdkunde. Meine Lehrer waren die Herren Professoren:
Schulte, v. Bezold, Ritter, Stutz, Hashagen, Litzmann,
Enders, Wilmans, Schultz, v. Kraus, Külpe, Erdmann,
Dyroff,Ohmann, Clemen, Rein, Philippson in Bonn, v.Heigel,
Grauert, v. Pöhlmann, Muncker, v. d. Leyen, Petersen,
v. Hertling, v. Drygalski in München, Spahn und Ranke in
Straßburg. Am 28. und 29. November 1913 bestand ich zu
Bonn die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen.

Herrn Geheimrat Schulte, der mir die Anregung zu
dieser Arbeit gab und sie durch gütige Überlassung hand-
schriftlichen Quellenmaterials möglich machte, spreche ich
herzlichen Dank aus.
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        ﻿■ lie „lesda“ in Marseille. Safran-lestat ist eine
Pforte im spanischen Handel. — Die Vorkehrungen,
trügerischer Weise mit dem Safran trifft, gehen
gj: ahin, ihn durch Anfeuchten mit Wasser oder Öl
1: 'en und ihm dadurch zugleich den an den besten
Ernten Fettglanz zu verleihen. In Spanien scheint
ren allgemein üblich zu sein, und das Attest der
A Schau für Bormio sieht es nicht als Fälschung
A er ist man in Basel, wo man sogar den Verkauf
n oder geschmierten“ Säcken verbietet. Weniger
r:- nan in Bezug auf die Beimischung der Femi-
•: Lten Teile des Stempels. Besonders für Mark-
st: die Nürnberger Polizei in dieser Hinsicht vor;
:r*iinelli darf als Höchstgehalt in einem Zentner
T alten sein. Auf die anderen Sorten bezieht sich
iinend die oben genannte Bestimmung, wonach
_■ in der Schau entfernt werden müssen. — Schwere
für diejenigen vorgesehen, die den Safran ver-
ie Mannigfaltigkeit der Fälschungen läßt eine oft
*i: äs erkennen. Als Beimischung zählt die Straß-
i: iung auf'): „zynnober und wilden saferon und
ij: duomen, die sie rot ferwent, und gederret fleisch
: e und zucker.“ Im Fastnachtsspiel beschimpft
i- nen Kaufmann:

Dein saffran hast zu Fenedig gesackt
J: ad hast rintfleisch darunter gehackt“ 2).

j: Aufstellung der Preise hat unter verschiedenen
“i- kten Wert. Sie gibt einmal einen Begriff von der
: tes Safrans als Ware neben anderen Handels-
* ~-ir illustriert sie durch Aufzeichnung der Schwan-
]: en die Preise unterliegen, das schon früher zur
f: erung des Safranhandels Gesagte. Allerdings
;; eben diesem Grunde als Material für eine Preis-
|i; enig geeignet. Bei der verschiedenen Schätzung
_ laben nur die Angaben Wert, die sich auf ein-

j :er a. a. O. S. 308ff. 2) A. Keller: Fastnachtsspiele
1 ahrhundert. Stuttgart 1853. I. 478.
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