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        <title>Der Safranhandel im Mittelalter</title>
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            <forname>Luise</forname>
            <surname>Bardenhewer</surname>
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        </author>
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            <idno>898132916</idno>
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        Der  Safranhandel
im  Mittelalter

Inaugural-Dissertation
zur
Erlangung  der  Doktorwürde
genehmigt
von  der  Philosophischen  Fakultät
der
Rheinischen  Friedrich-Wilhelms-Universität  zu  Bonn
Von
Luise  Bardenhewer
aus  Uerdingen.

Promoviert  am  26.  Juni  1914.
i

BONN,
P.  Hauptmann'sche  Buchdruckerei
1914
        <pb n="2" />
        &amp;gt;  ffi  ^  ^

Literaturverzeichnis.

Von  allgemeineren  Werken  wurden  benutzt:
R.  Davidsohn:  Geschichte  von  Florenz.  Berlin  1896  und  1907—08.
F.  A.  Flückiger:  Pharmakognosie  des  Pflanzenreichs.  Berlin  1883.
Flückigcr  and  Hanbury:  Pharmakographia.  2.  Aufl.  London
1879  S.  664  ff.
K.  H  ä  b  1  e  r:  Das  Zollbuch  der  Deutschen  in  Barcelona  und  der
deutsche  Handel  mit  Katalonien  bis  zum  Ausgang  des  16.  Jahrh.
Württembergische  Vierteljahrshefte  N.  F.  X,  XI.
H  e  y  d  :  Histoire  du  commerce  du  Levant  au  moyen-äge.  Leipzig  1885.
H  e  y  d  :  Die  große  Ravensburger  Gesellschaft.  Stuttgart  1890.
Pigeonneau:  Histoire  du  commerce  de  la  France.  Paris  1887.
Schaube:  Handelsgeschichte  der  romanischen  Völker  des  Mittelmeergebiets ­
  bis  zum  Ende  der  Kreuzzüge.  1906.
A.  Schulte:  Geschichte  des  mittelalterlichen  Handels  und  Verkehrs
zwischen  Westdeutschland  und  Italien  mit  Ausschluß  von  Venedig.
Leipzig  1900.
H.  Simonsfeld:  Der  Fondaco  dei  Tedeschi  in  Venedig  und  die
deutsch-venezianischen  Handelsbeziehungen.  Stuttgart  1887-W.
  S  o  m  b  a  r  t  :  Der  moderne  Kapitalismus.  Leipzig  1902.
Die  speziellere  Literatur  folgt  in  den  Anmerkungen.

Die  wertvollste  Quelle  waren  Geschäftspapiere  der  Ravensburger
Handelsgesellschaft,  deren  Abschriften  Herr  Geheimrat  Schulte  mir  in
liebenswürdiger  Weise  zur  Benutzung  überließ.
        <pb n="3" />
        I.  Produktion  und  Herkuni
Im  Haushalt  spielt  der  Safran  heute  i

noch  eine  Rolle.  Sein  Aroma  wird  nicht  mehr  geschätzt.
Die  Medizin  kennt  ihn  noch  in  sehr  beschränktem  Maße,
und  die  Färbeindustrie  verwendet  gewisse  Beträge.  Infolge ­
  der  geringer  gewordenen  Nachfrage  ist  so  der  zu  Beginn ­
  der  Neuzeit  in  Europa  an  vielen  Orten  blühende  Anbau
überall  zurückgegangen.  Nur  die  Ausfuhr  Spaniens  kommt
noch  als  geringer  Faktor  im  Welthandel  in  Betracht.  Sie  be-89

  000  kg,
14  682  „  ')

1907
1908

trug

Die  Ausfuhr  Frankreichs,  die  noch  in  den  Jahren
1872  74  59  844—99  467  kg  jährlich  betrug 1  2  3 ),  findet  heute
in  der  „Weltwirtschaft“  keine  Erwähnung  mehr.  Auch  die
Produktion  Oesterreichs  hat  Ende  des  19.  Jahrhunderts  wohl
völlig  ihr  Ende  gefunden  ’).
Ungleich  größer  war  die  Bedeutung  der  Safranproduktion ­
  und  des  Safranhandels  im  Mittelalter.  Eine  ungeheure ­
  Kapital-  und  Arbeitskraft  fand  hier  Betätigung,  und
die  Bedingungen  der  Produktion  schufen  im  Safranhandel
eine  eigenartige  Spekulationsform,
Der  Safran  ist  die  getrocknete  dunkelgelbe  Narbe  des
Crocus  Sativus  L„  einer  Abart  unseres  Frühlings-Crocus,  die
ihre  violetten  Blüten  im  Herbst  in  der  Zeit  von  September
bis  November  öffnet.  Eine  hübsche  Schilderung  der  Blüte
und  Narben  gibt  Hieronymus  Bock  in  seinem  „Kreuterbuch“
(2.  Aufl.  1551).  „In  der  mitten  einer  bluomen  findet  man
den  bluotroten  Saffran,  das  ist  anzusehen  gleich  wie  ein
zünglin  mit  dreien  zünglin  zwischen  den  andern  gaelen
1)  Die  Weltwirtschaft  II.  1907,  III.  1908.
2)  H.  Semler:  Die  tropische  Agrikultur.  2.  Aufl.  Wismar  1897—1900.
3)  M.  Kronfeld:  Geschichte  des  Safrans  und  seiner  Kultur  in
Europa,  Wien  1892,
        <pb n="4" />
        8

zäpfflin  wachsen."  Sofort  nach  dem  Aufbrechen  werden
die  Blüten  gepflückt  und  die  Narben  herausgeschnitten  und
getrocknet  oder  geröstet.  Die  Ernte  erfordert  also  eine  große
Zahl  von  Arbeitskräften.  Dabei  ist  das  Erträgnis  quantitativ
gering.  Im  ersten  Jahr  soll  1  ha  6  kg  getrockneten  Safran
einbringen,  in  den  folgenden  Jahren  30  kg.  120  000  Narben
sollen  zur  Gewinnung  von  einem  Kilogramm  Safran  erforderlich ­
  sein.
Wie  die  meisten  Gewürze  ist  auch  der  Safran  orientalischen ­
  Ursprungs.  Darauf  deutet  sein  Name,  den  die  europäischen ­
  lebenden  Sprachen  vom  arabischen  Zaferän  übernommen ­
  haben  ‘).  Auch  das  griechische  xpoxö?,  lat.  crocus,
zu  dem  Hehn-Schrader  das  althebräische  karköm  und  die
ebenfalls  aus  dem  Semitischen  entlehnte  armenische  Bezeichnung ­
  für  Krokus  in  Parallele  setzen,  weist  auf  eine  Einführung ­
  des  Safrans  aus  dem  Orient 1  2  * ),  In  der  orientalischen ­
  Kultur  und  der  griechischen  Mythologie  und  Literatur ­
  spielt  der  Safran  wegen  seiner  Farbe  und  heilenden
Kraft  eine  Rolle.  Theophrast  kennt  Cyrene  in  Afrika  als
den  Ort,  der  den  besten  Safran  hervorbringt.  Die  römischen
Botaniker  Varro,  Columella,  Plinius  sprechen  von  einem
geringfügigen  Anbau  in  Italien  ’).  Nach  Ovid  findet  ein
solcher  in  den  Abruzzen  bei  Sulmona  statt 4  5 ).  Als  beste
Sorte  gilt  im  Altertum  die  cilicische  vom  Gebirge  Korycos,
es  folgen  in  der  Qualität  der  lyrische  Safran  vom  Olymp
und  der  aus  dem  Gebiet  der  Stadt  Aegae  in  Kleinasien.  Statt
des  letzteren  wird  an  dritter  Stelle  auch  eine  sizilische  Sorte
vom  Fuß  des  Aetna  erwähnt
Später  als  die  Mehrzahl  der  übrigen  Gewürze  tritt  der
Safran  im  Mittelalter  uns  entgegen.  Das  Althochdeutsche

1)  F.  Kluge:  Etymologisches  Wörterbuch  der  deutschen  Sprache.
Straßburg  1909.  S.  382.
2)  V.  Hehn:  Kulturpflanzen  und  Haustiere  in  ihrem  Übergang  aus
Asien  nach  Griechenland  und  Italien.  6.  Aufl.  herausg.  von  O.  Schräder,
Berlin  1894.  S.  255  ff.  3)  Hehn  a.  a.  O.
4)  E.  Gothein:  Die  Kulturentwicklung  Süditaliens  in  Einzeldarstellungen. ­
  Breslau  1886.  S.  157.
5)  Hehn  a.  a.  0.
        <pb n="5" />
        9

kennt  ihn  als  kruago,  crugo,  chruogo,  kroge 1 ).  Jedoch  ist
das  Wort  nur  in  Glossen  belegt;  sein  Gebrauch  läßt  sich
also  nicht  sicher  erschließen.  Erst  die  Quellen,  aus  denen
hervorgeht,  daß  sein  Gebrauch  den  Deutschen  bekannt  ist,
nennen  ihn  „Safran“.  Der  erste  Beleg  für  seine  Benutzung
findet  sich  in  einem  mittelhochdeutschen  Arzneibuch  von
1150.  Er  heißt  dort  caferän  ! ).  Diese  Verdrängung  des
lateinischen  durch  den  arabischen  Ausdruck  scheint  zu  besagen, ­
  daß  der  Gebrauch  des  Safrans  im  nördlichen  Europa
sich  durch  arabischen  Einfluß  einbürgerte.  In  den  arabischen
Reichen  ist  die  Kultur  im  frühen  Mittelalter  bekannt.  Der
Kalender  von  Cordova  vom  Jahr  961  sagt  vom  Februar,  daß
nun  der  Krokus  gesät  wird,  und  vom  November,  daß  die
Blüten  geerntet  werden  1  2  3 ).  Durch  den  arabischen  Geographen ­
  Isztachri  sind  im  10.  Jahrhundert  Kulturen  im  Süden
der  Balkanhalbinsel  und  in  Persien  bezeugt 4  5 ),  und  Ma&amp;lt;;udi
rühmt  zur  selben  Zeit  den  orientalischen  Safran  vor  dem
spanischen  s ).  Die  Möglichkeit,  daß  auch  in  Italien  um  dieselbe ­
  Zeit  Safrankulturen  aus  der  Römerzeit  fortbestanden,
ist  zwar  nicht  ausgeschlossen.  So  kann  die  im  15.  Jahrhundert ­
  blühende  Kultur  in  den  Abruzzen  vielleicht  eine
Fortsetzung  des  antiken  Anbaues  von  Sulmona  sein.  Auch
der  sizilische  Anbau,  der  zwar  im  Mittelalter  für  den  Handel
keine  Bedeutung  hatte,  mag  fortbestanden  haben.  Doch
wird  die  Kenntnis  des  Safrangebrauchs  im  mittelalterlichen
Abendland  mit  größerer  Wahrscheinlichkeit  auf  arabischen
Einfluß  zurückgehen.  Von  den  genannten  Bezirken  aus  ist
dann  im  Laufe  des  Mittelalters  ein  allmähliches  Nordwärtsdringen ­
  der  Kultur  zu  beobachten.  Zuerst  breitet  sie  sich  in
Toskana  aus.  Dann  gewinnt  sie  auch  in  anderen  Teilen
Italiens  Bedeutung.  Von  Spanien  aus  greift  sie  nach  Süd1) ­
  E.  G.  Graff:  Althochdeutscher  Sprachschatz.  Berlin  1838.
IV.  592  f.
2)  Pfeiffer:  Zwei  deutsche  Arzneibücher,  Sitzungsber.  der  Wiener
Akademie  der  Wissenschaften.  Philos.  Hist.  Klasse.  Bd.  41.  1863.  S.  120.
3)  Le  calendrier  de  Cordoue,  ed.  Dozy,  Leyde  1873.  S.  41  u.  109.
4)  E.  H.  F.  Meyer:  Gesch.  der  Botanik.  Königsberg  1854  II.  S.  282.
5)  W,  Heyd:  Histoire  de  Commerce  du  Levant.  1885  II.  S.  668  f.
        <pb n="6" />
        10

frankreich,  von  dort  nach  Mittelfrankreich  und  England
über,  Deutsche  Handelsbeziehungen  verpflanzen  sie  an  den
Oberrhein  und  nach  Oesterreich,
II.  Die  für  den  mittelalterlichen  Salranhandel  wichtigen
Anbaubezirke.  Der  von  ihnen  ausgehende  Handel  mit
Ausschluß  der  Handelstätigkeit  der  Deutschen.
Schon  um  die  Mitte  des  12.  Jahrhunderts  gibt  eine
Reihe  von  Urkunden  Zeugnis  von  einem  lebhaften  Handel,
der  sich  an  die  Safrankultur  bei  Lucca  anschloß.  Zweimal
nimmt  1161  ein  genuesischer  Bankier  Safran  in  Zahlung
„sicut  a  Lucca  consuevit  introduci";  ein  andermal  wird
Safran  als  Pfand  auf  ein  Seedarlehn  gegeben,  1169  strecken
die  Kaufleute  von  Lucca  dem  genuesischen  Staat  120  L,  Jan.
vor,  davon  80  1  in  bar,  40  1  in  Safran.  Das  teuer  bewertete
Gewürz  tritt  also  an  Geldesstatt  auf.  Auch  im  Fernhandel
spielt  der  Safran  schon  eine  Rolle.  Von  Genua  aus  wird  er
nach  Montpellier  und  Alexandrien  exportiert  ‘).  Auf  eine
umfangreiche,  zu  Handelszwecken  ausgenutzte  Kultur  deuten ­
  diese  Zeugnisse  hin.
In  welchem  Grade  aber  der  Safranbau  im  Wirtschaftsleben ­
  Toskanas  eine  Rolle  spielte,  geht  erst  aus  den  Quellen
des  13,  Jahrhunderts  hervor,  vor  allem  aus  den  Stadtbüchern
von  San  Gimignano  1  2  3 ).  Er  erhöht  nicht  nur  die  Handelsbedeutung ­
  von  Lucca,  Pisa,  Florenz,  sondern  verleiht  auch
den  kleineren  toskanischen  Städten  S.  Gimignano,  Poggibonsi,
  Volterra,  Colle  d'Elsa  eine  Stellung  im  Handelsleben,
Er  fungiert  an  Geldesstatt,  und  der  Reichtum  an  Safran  erleichtert ­
  es  den  kleinen  Kommunen,  auch  politisch  in  den
guelfisch-ghibellinischen  Kämpfen  eine  Rolle  zu  spielen.
Die  Stadtbücher  von  San  Gimignano  *)  sind  dafür  ein
Zeugnis  von  seltener  Unmittelbarkeit  und  Lebensfülle.  An
1)  A.  Schaube:  Handelsgeschichte  der  romanischen  Völker  1906.
S.  157,  283  f.,  362,  648  f.
2)  R.  Davidsohn:  Forschungen  zur  Geschichte  von  Florenz,
Berlin  1896-1901.  II.
3)  Sie  sind  erhalten  für  die  Zeit  von  1221—1332,  allerdings
nicht  lückenlos,
        <pb n="7" />
        11

ihrer  Hand  ist  es  möglich,  die  Safranproduktion  und  den
Safranhandel  nicht  nur  von  S.  Gimignano,  sondern  von  Toskana ­
  überhaupt,  in  ihren  verschiedenen  Stadien  und  ihrer
Bedeutung  zu  verfolgen.  So  führt  ein  Zeugenverhör  in  einem
Prozesse  in  einen  Krokusgarten  in  San  Gimignano  selbst  hinein, ­
  wo  zur  Zeit  der  Ernte  der  Kauf  abgeschlossen  wird  .
Ein  andermal  liest  man  von  der  Abtretung  eines  Landstücks
mitsamt  den  Krokuspflanzungen  2  3 ).  Große  Mengen  des  kostbaren ­
  Bodenprodukts  sammeln  sich  in  San  Gimignano  an.
Seine  Bewertung  ist  eine  so  hohe,  daß  es  an  Geldesstatt  ausgegeben ­
  werden  kann  und  dadurch  auch  Bedeutung  für  das
politische  Leben  Toskanas  gewinnt.  Zahlreiche  Fälle  sind
aus  S.  Gimignano  in  den  Jahren  1228—1270  überliefert,  in
denen  Safran  in  Zahlung  oder  als  Belohnung  gegeben  wird.
Es  handelt  sich  um  Zuwendungen  von  2—400  Pfd.  Safran  als
Lohn  für  Boten,  Bestechung  für  Beamte,  unter  denen  wir
z.  B.  Pandulf  von  Fasanella,  den  Generalkapitän  Enzios,
Robert  v.  Bari,  den  Verfasser  des  Todesurteils  für  Konradin,
den  angiovinischen  Generalvikar  Tusziens  Guido  v.  Monfort
finden,  oder  als  Geschenk  z.  B.  für  König  Enzio  und  Karl
von  Anjou.  Ein  besonderes  Interesse  gewinnen  diese  Eintragungen, ­
  weil  sie  die  Bewegungen  in  den  guelfisch-ghibellinischen
  Kämpfen  widerspiegeln.  So  stammen  verschiedene
Ausgaben  aus  den  Jahren  1240  und  41,  aus  einer  Zeit,  in  der
San  Gimignano  versucht,  sich  dem  von  König  Enzio  und
seinem  Generalkapitän  Pandulf  geforderten  Treueid  zu  entziehen. ­
  1240  erhält  Pandulf  60  Pfd.  Safran  „pro  sua  gratia
optinenda“,  sein  Richter  Filippo  20  Pfd,  s );  König  Enzio
selbst  erhält  25  Pfd. 4 ).  Nach  der  Niederlage  der  Stadt  erhält
Pandulf  ein  Geschenk  von  25  1  „in  groco  vel  denariis“,  Leute
seines  Gefolges  3  bezw.  1  1.  ’).  In  diesen  und  den  anderenFällen
  handelt  es  sich  teils  um  Ehrengeschenke  oder  um  Bestechungen, ­
  die  in  die  Form  von  Geschenken  gehüllt  wurden,
teils  um  ausgesprochene  Zahlungen.  Das  letztere  geht  z.  B.
hervor  aus  der  Begleichung  der  Unkosten  der  Schlacht  von

1)  Davidsohn:  a.  a.  O.  2313.  2)  Davidsohn:  2317.
3)  Davidsohn;  284.  4)  Davidsohn:  326,  333,  5)  Davidsohn:  423.
        <pb n="8" />
        12

Nigra  1228,  die  teils  in  Safran  geschieht,  wobei  das  Pfd.  zu
36  solidi  angerechnet  wird  ‘).  Wie  um  1150,  so  haben  wir
auch  hier  wieder  eine  Erscheinung  naturalwirtschaftlichen
Charakters,  die  im  Gegensatz  steht  zu  den  fortgeschrittenen
geldwirtschaftlichen  Verhältnissen  im  sonstigen  Italien,  und
die  sich  wohl  nur  durch  den  Reichtum  an  einem  hochbewerteten ­
  Produkt  erklären  läßt.  Nicht  nur  an  St.  Gimignano  ist
diese  Verwendung  des  Safrans  geknüpft.  Auch  der  Bischof
von  Volterra  sucht  Richter  und  Advokaten  der  römischen
Kurie  um  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  mit  einem  Krokusgeschenk ­
  zu  gewinnen 2 ),  und  1327  schenken  verschiedene
Gemeinden  Tusziens  und  des  Vallis  Spoleti  dem  Herzog
Karl  von  Kalabrien  eine  Quantität  Safran  s ),  Als  wirtschaftliche ­
  Zentren,  die  die  Landesproduktion  aufnehmen,  erscheinen ­
  Pisa,  Genua  und  Florenz.  Besonders  mit  Pisa  steht
S.  Gimignano  in  enger  Handelsverbindung.  1238  mieten  die
S.  Gimignanesen  ein  hospitium  für  ihre  Kaufleute  in  Pisa.
Unter  den  einzuführenden  Waren  ist  Safran  besonders  hervorgehoben ­
  4 ).  Noch  im  selben  Jahre  kommt  es  wegen  veränderter ­
  Bestimmungen  über  die  Krokuseinfuhr  in  Pisa  zu
dem  Beschluß  des  Rates  von  S.  Gimignano,  niemand  dürfe
mit  Safran  nach  Pisa  gehen  5 ).  Doch  die  Differenzen  gleichen
sich  aus,  und  als  Pisa  1258  eine  Verordnung  gegen  die  Verfälschung ­
  des  Safrans  erläßt,  wird  diese  mitgeteilt  nach
„Colle,  S.  Gemignano,  Volterra  et  aliis  communibus  de  Tuscia
  unde  zaffaranum  Pisas  reducitur",  damit  sie  ihre  Leute
verwarnen  6 ),  Die  Safranfälschung  soll  mit  dem  Verbrennen
der  Ware  bestraft  werden.  Auch  in  andern  Verordnungen
der  Pisaner  Statuten  finden  wir  wieder  Rücksicht  auf  den
Safranhandel  genommen  7 ).  Er  muß  auf  öffentlicher  Wage
gewogen  werden;  eine  Abgabe  auf  den  Safranverkauf  im
Kaufhaus  wird  fixiert;  die  Sensale  müssen  schwören,  keinen
Verkauf  von  falschem  Safran  zu  vermitteln  und  sind  zur
1)  Davidsohn  18.  2)  F.  Schneider:  Regestum  Volaterranum.
  Roma  1907.  Nr.  675.  3)  Davidsohn:  883.
4)  Davidsohn  2314.  5)  Davidsohn  2325.  6)  Davidsohn  2318.
7)  Bonaini:  Statuti  inediti  della  cittä  di  Pisa  dal  XII.  al  XIV.
secolo.  3  vol.  Firenze  1854—69.  I.  378,  III.  39,  66,  105,  111,  273.
        <pb n="9" />
        13  —

Denunziation  verpflichtet,  wenn  sie  gefälschten  Safran  bemerken. ­
  Ein  Teil  der  Safranproduktion  Toskanas  wird  auch
nach  Florenz  gebracht 1 ).  Schon  um  1160  sahen  wir,  wie
eine  rege  Einfuhr  nach  Genua  von  Lucca  aus  stattfand.  Wohl
infolge  der  Differenzen  mit  Pisa  knüpft  dann  im  13.  Jahrhundert ­
  S.  Gimignano  anscheinend  aufs  neue  mit  Genua  an
und  erhält  1241  den  Bescheid,  seine  Kaufleute  dürften
Safran  dorthin  bringen  2 ).
In  Pisa,  Genua  und  Florenz  mündet  so  das  Landesprodukt ­
  Toskanas  in  den  internationalen  Warenaustausch,
Doch  seine  Bedeutung  für  die  toskanischen  Gemeinden  erschöpft ­
  sich  nicht  damit,  daß  er  ihnen  eine  Rolle  im  territorialen ­
  Handel  verschafft.  Wie  die  ländliche  Leinenindustrie
die  kleinen  Städte  des  Bodenseehinterlandes  in  den  Welthandel ­
  führt,  so  bewirkt  hier  die  Krokusproduktion  einen
direkten  Anteil  der  toskanischen  Kaufleute  am  Mittelmeerhandel.
  Wir  finden  im  13.  Jahrhundert  Kaufleute  aus  S.
Gimignano  in  Aegypten,  Tunis,  Accon,  Damiette,  Aleppo,
Tripolis  und  Sizilien.  1245  beruft  sich  ein  S.  Gimignanese
vor  Gericht  auf  8  Mitbürger  als  Zeugen  für  die  Zustände  in
Syrien  ').  Verschiedentlich  treffen  Gruppen  von  Landsleuten
einander  im  Auslande  *  4 ).  In  den  Fällen,  in  denen  ihre  Waren
genannt  werden,  überwiegt  Safran.  Außer  den  S.  Gimignanesen
  erscheint  auch  einmal  ein  Kaufmann  aus  Poggibonsi
mit  Safran  in  Aegypten  ’).  Im  übrigen  läßt  sich  der  Anteil
der  safranbauenden  Landstädte  am  Orienthandel  nicht  klar
herausschälen,  da  die  „Florentini  Luccenses  Sangeminianenses,
  Senenses  et  omnes  alii  de  Tuscia"  meist  unter  dem
Namen  von  Pisanern  handelten,  um  deren  Privilegien  teilhaftig ­
  zu  werden“).  Auch  nach  Frankreich  kommen  die
toskanischen  Händler  mit  Safran.  1221  führt  ein  Andreas
von  S.  Gimignano  Krokus  dorthin  aus  ! ).  In  der  Richtung
nach  Frankreich  bewegt  sich  besonders  der  Safranhandel
der  Sienesen  und  Florentiner.  Von  Marseille  aus  expor-1)

  Davidsohn  2326.
4)  Dav.  2304,  2310.
6)  Davidsohn  2307.

2)  Dav.  2315.
5)  Dav.  2305.
7)  Davidsohn  2321.

3)  Dav.  2307.
        <pb n="10" />
        —  14

tieren  die  Sienesen  Safran  1248  nach  Accon  und  Messina  *  2  3  4 ).
Auch  ein  Safrangeschäft,  das  sie  in  Marseille  selbst  abschließen, ­
  ist  überliefert 2 ).  Auf  den  Champagner-Messen
spielt  besonders  die  Sienesische  Gesellschaft  der  Tolomei
eine  Rolle,  deren  Vertreter  in  dem  detaillierten  Kursbericht,
den  er  1265  nach  Hause  schickt,  auch  Preise  und  Aussichten
des  Safrans  erwähnt“).  Florentiner  begegnen  uns  1297  mit
Safran  an  der  Zollstätte  von  Aigues-Mortes 4 ),  und  die
beiden  florentmischen  Konsuln  auf  den  Champagner-Messen
sind  verpflichtet,  nach  Abschluß  der  Tuchmesse  „examinare
omnes  merces  Florentie  que  venduntur  ad  pondus,  et  precipue
  zafferanum,  granam  et  fricum  et  alumen“  5 ).
Auch  im  späteren  Mittelalter,  seit  1300  behält  der  toskanische ­
  Safran  seine  Handelsbedeutung.  Zwar  erscheinen
die  kleineren  Gemeinden  nicht  mehr  als  Träger  des  Auslandhandels. ­
  Ihre  Blüte  wird  durch  das  Übergewicht  von
Florenz  und  die  Bedrückungen  der  Anjou  vernichtet.  Schon
1317  klagt  San  Gimignano,  es  ziehe  kaum  noch  ein  Kaufmann ­
  durch  sein  Gebiet 6  7 ).  Die  Krokuskultur  besteht  aber
fort,  ja  seit  der  Vorherrschaft  von  Florenz  ist  eher  eine  Steigerung ­
  zu  erwarten,  gemäß  den  wirtschaftlichen  Tendenzen
der  Florentiner  Gesetzgebung,  die  verschiedentlich  Bestimmungen ­
  zum  Zweck  einer  höheren  Bodenkultur  erließ  ’).  In
Lucca  und  Volterra  spielt  der  Anbau  im  14.  Jahrhundert
noch  eine  große  Rolle.  1346  erläßt  Lucca  ein  scharfes  Edikt
gegen  den  Verkauf  von  Safran,  der  nicht  vorher  einer  Schau
vorgelegt  worden  ist 8 ).  Volterra  steigert  die  Strafe  auf  Sali ­
  L.  Blancard:  Documents  inedits  sur  le  commerce  de  Marseille.
2  Bd.  1884  f.  I.  Nr.  230,  II.  Nr.  627.
2)  Blancard  I.  Nr.  362.
3)  A.  Schaube:  Ein  Kursbericht  von  den  Champagner-Messen.
Zeitschr.  f.  Soz.  u.  Wirtschaftsgeschichte,  V.  1897.  S.  248  ff.
4)  Giornale  storico  degli  archivi  toscani.  I.  1857,  S.  178.
5)  Schaube  :  Kursbericht  S.  254.
6)  Davidsohn:  Forschungen  II.  S.  6.
7)  R.  Pöhlmann:  Die  Wirtschaftspolitik  der  Florentiner  Renaissance ­
  und  das  Prinzip  der  Verkehrsfreiheit.  Leipzig  1877  S.  10  f.
8)  Salv.  Bongi:  Bandi  Lucchesi  del  secolo  decirnoquarto  1863,
S.  115.
        <pb n="11" />
        iS

franfälschung  in  drei  Erlassen  von  1300  bis  Ende  des  Mittelalters. ­
  Im  ersten  wird  25  1,  im  zweiten  50  1  Strafe  festgesetzt. ­
  Eine  dritte  Bestimmung  setzt  auf  die  Verfälschung
den  Feuertod,  auf  den  Verkauf  gefälschten  Safrans  eine
Geldstrafe  von  200  1  und  Verlust  einer  Hand  ').
Über  den  Florentiner  Safranhandel  der  späteren  Zeit
liegen  einige  Zeugnisse  aus  der  ersten  Hälfte  des  14.  Jahrh.
vor.  Wir  finden  florentinische  Kaufleute  mit  Safran  in  Ancona, ­
  auf  dem  Weg  nach  Pisa  und  Genua  J ).  In  Tana,  Konstantinopel, ­
  Armenien,  Accon,  Venedig,  Pisa  treiben  die
Bardi  Safranhandel.  Bei  diesen  Städten  wenigstens  hebt  der
Faktor  der  Bardi,  Pegolotti,  in  seiner  pratica  della  mercatura
unter  den  Waren,  die  dort  verhandelt  werden,  den  Safran
besonders  hervor.  Schon  sehen  wir  hier,  daß  der  toskanische
Safran  nicht  allein  den  Markt  beherrscht.  Pegolotti  nennt
ihn  zwar  den  besten,  doch  neben  ihm  sind  auch  die  Sorten
aus  den  Abruzzen,  den  Marken  und  Katalonien  bekannt.  Als
Kennzeichen  des  Guten  führt  er  an:  rote  Farbe,  Trockenheit,
Freisein  von  feminella  und  Sand.  Er  muß  sich  zur  Kugel
zusammenballen  lassen.  In  Ledersäcken  an  nicht  zu  feuchten
und  nicht  zu  trockenen  Orten  aufbewahrt,  läßt  er  sich  zehn
Jahre  erhalten 8 ).  —  Um  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts
halten  sich  florentinische  Kaufleute  mit  Safran  in  Frankreich ­
  auf J ).  Im  Durchgangsverkehr  von  Pisa  erscheint  1440
Safran  aus  dem  Valdelsa,  aus  Siena  und  dem  Contado.  Doch
neben  dem  Handel  mit  diesen  in  Toskana  angebauten  Sorten
spielt  jetzt  schon  der  mit  fremdem  Safran  eine  Rolle.  Die
Zollstätten  von  Florenz  und  Pisa  passieren  Sorten  aus  den
Marken,  dem  Mailändischen  und  aus  anderen  Gegenden  6 ).
1)  A.  F.  Giachi:  Saggio  di  ricerche  sopra  lo  stato  antico  e
moderno  di  Volterra.  Firenze  e  Siena.  1786—1796.  2.  Aufl.  des
I.  Bd.  Volterra  1885.
2)  Davidsohn:  Forschungen.  III.  632,  777,  517.
3)  La  pratica  della  Mercatura  scritta  da  Francesco  Balducci
Pegolotti,  im  3.  Bande  von  (Pagnini):  Della  decima,  della  moneta  e
della  mercatura  de’  Fiorentini  fino  al  secolo  XVI.  Lisbona  e  Lucca  1765.
4)  Pagnini  II.  S.  304.
5)  La  pratica  della  Mercatura  scritta  da  Giovanni  di  Antonio  da
Uzzano  nel  1442,  in  Pagnini  IV.
        <pb n="12" />
        16  -

Bedeutend  ist  auch  die  Einfuhr  von  Abruzzen-Safran.  Über
seinen  Export  von  Aquila  gibt  Uzzano  eingehende  Anweisung. ­

Die  Frage,  von  welchen  der  anfangs  des  Mittelalters
bestehenden  Anbaugebiete  die  Kultur  nach  Toskana  drang,
läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit  entscheiden.  Eher  als  an  den
Einfluß  einer  Kultur  in  dem  abgeschlossenen  Abruzzengebiet
läßt  sich  an  eine  Uebertragung  aus  Spanien  denken.  Nahe
könnte  auch  die  Annahme  liegen,  daß  durch  die  Handelsund ­
  Plantagenkolonien  der  Genuesen  und  Pisaner  in  Syrien
ein  Anbau  sich  von  dort  nach  Norditalien  verpflanzt  habe.
Doch  besteht  schon  im  Beginn  des  13.  Jahrhunderts  eine  lebhafte ­
  Ausfuhr  von  Safran  aus  Italien  nach  Syrien 1 ).  Ein
Anbau  dort  ist  also  nicht  sehr  wahrscheinlich,  und  wenn  er
bestand,  kann  er  nur  geringe  Bedeutung  gehabt  haben.
Sicherlich  hätten  dann  die  italienischen  Kolonien  ihn
ebenso  gut  im  Orient  weiter  gepflegt,  wie  ihn  in  die  Heimat
übertragen.  Eine  Pflege  des  Anbaus  in  Syrien  ist  aber,  wie
später  zu  zeigen  sein  wird,  sehr  unwahrscheinlich.  Der
Einfluß  Spaniens  bietet  also  die  einwandfreieste  Erklärung
für  die  toskanische  Kultur.  Das  Aufkommen  des  Anbaus  in
Toskana  fällt  in  eine  Zeit,  in  der  sich  hier  der  Übergang  des
Grundbesitzes  vom  Adel  und  der  Geistlichkeit  an  die  städtischen ­
  Kapitalisten  vollzog,  ein  Prozeß,  der  vielleicht  anfangs ­
  des  13.  Jahrhunderts  bereits  vollzogen  ist 1  2 ).  Der  Einfluß ­
  der  städtischen  Industrie  und  des  Handels  auf  das
Agrarwesen,  der  sich  in  späterer  Zeit  z.  B.  in  der  Bestimmung, ­
  Maulbeerzucht  zu  treiben,  äußerte  ’),  könnte  sich  also
vielleicht  jetzt  schon  geltend  machen.  Sowohl  dem  Interesse ­
  des  Handels  als  auch  dem  der  Luccheser  Seidenindustrie ­
  diente  aber  die  Safrankultur  in  hervorragendem  Maße.
Auch  der  um  dieselbe  Zeit  in  Toskana  emporkommende  Teilbau ­
  begünstigt  den  Safranbau.  Der  Teilbau  weckt  das
Interesse  des  Bauern  für  feinere  Kulturen  durch  die  Aus-1)
  S.  S.  13.
2)  H.  Dietzel:  Über  Wesen  und  Bedeutung  des  Teilbaues  in
Italien.  Zeitschrift  für  die  gesamte  Staatswissenschaft.  Bd.  40,  S.  621  ff.,
Bd.  41,  S.  29  ff.  3)  Pöhlmann  a.  a.  O.  S.  10  f.
        <pb n="13" />
        17

sicht  auf  Gewinnanteil  und  liefert  dem  Grundbesitzer  seinen
Anteil  in  den  ihm  erwünschten  Naturalien.
Seit  dem  15.  Jahrhundert  lassen  sich  die  Deutschen  im
toskanischen  Safranhandel  nachweisen.  Wir  finden  sie  in
Toskana  als  Safrankäufer.  Hauptsächlich  aber  bewerkstelligen ­
  sie  ihre  Einkäufe  in  toskanischem  Safran  in  der
Lombardei.  Casalmaggiore  und  Mailand  erscheinen  als
Marktorte  für  den  toskanischen  Safran.  Diese  Verlegung
des  toskanischen  Safranmarktes  ist  wohl  zum  großen  Teil
eben  auf  den  Einfluß  der  Deutschen  zurückzuführen,  die
das  östliche  Oberitalien  wegen  seiner  Messplätze  und
leichteren  Erreichbarkeit  dem  westlichen  vorzogen.
Ein  zweiter  Umstand,  der  zur  Verlegung  des  toskanischen ­
  Safranstapels  in  die  Poebene  führte,  war  wohl  der,
daß  hier  der  natürliche  Sammelpunkt  auch  der  Safranproduktion ­
  der  übrigen  italienischen  Anbaustellen  war.  Safran
aus  den  Abruzzen,  den  Marken,  Apulien  und  der  Lombardei
strömte  hier  zusammen.  Das  bedeutendste  unter  diesen
italienischen  Anbaugebieten  ist  das  von  Aquila  in  den
Abruzzen.  Hier  wird  der  Zymmat-,  Zyma-  oder  Zymansafran
  gebaut.  Wie  schon  gesagt,  ist  es  wohl  möglich,  daß
er  sich  hier  in  dem  abgeschlossenen  Hochtale  des  Aterno
von  der  Antike  her  erhalten  hat.  Als  wichtig  für  den  Handel
erscheint  er  erst  anfangs  des  14.  Jahrhunderts  bei  Pegolotti,
der  die  Güte  des  Abruzzensafrans  zwar  der  des  toskanischen
nachstellt,  ihn  aber  vor  dem  aus  den  Marken  und  Katalonien
rühmt.  1316  erhalten  die  Aquilaner,  die  Safran  im  Königreich ­
  Neapel  verkaufen,  einen  Freibrief  von  Karl  II.  Als
Hauptmarkt  erscheint  Aquila  auch  bei  Uzzano  1442,  in  dem
venetianischen  Handelsbuch  des  Pasi  1521  ä )  und  in  den  auf
den  Handel  der  Deutschen  bezüglichen  Quellen.  Auch  Lanciano
  spielt  bei  Pasi  als  Safranverkaufsplatz  eine  Rolle.
Ferner  nennt  er  das  Aquila  benachbarte  Sermona  (Sulmona?),
  Im  15.  Jahrhundert  muß  der  Handel  der  Florentiner ­
  hierher  ein  lebhafter  gewesen  sein.  Uzzano  verzeich«
1)  Gothein:  a.  a.  0.  S.  157  ff.  2)  (Barth,  di  Pasi)  Tariffa  de
pesi  e  mesure  correspondenti  dal  Levante  al  Ponente.  Venezia  1521.
2
        <pb n="14" />
        —  18  —
net  für  die  florentinischen  Kaufleute  den  Weg  von  Aquila
nach  Florenz  und  veranschlagt  die  Zoll-  und  Transportkosten, ­
  die  auf  einen  Transport  von  500  Pfd.  fallen.  —  Von
den  Abruzzen  aus  verbreitet  sich  die  Kultur  nach  Umbrien,
wo  die  Ravensburger  Gesellschaft  in  Foligno  Einkäufe  abschließt ­

Die  dritte  italienische  Sorte,  die  schon  zu  Pegolottis
Zeit  bekannt  ist,  ist  die  aus  der  Mark  Ancona.  Pegolotti  erwähnt ­
  den  Zoll,  der  in  Pisa  und  Siena  vom  Mark-Safran  erhoben ­
  wird.  Uzzano  kennt  Sonderbestimmungen  über  den
Safranhandel  aus  der  Mark  über  Florenz  nach  Pisa;  doch
wird  überwiegend  der  Export  nach  Venedig  gewesen  sein,
wie  überhaupt  der  Handel  der  Marken  von  Venedig  beherrscht ­
  wird.  Pasi  hebt  die  Sorte  von  Fabriano  hervor.
Später  erst  tauchen  die  Sorten  aus  Apulien  und  der
Lombardei  in  den  Quellen  auf.  Die  Hauptzeugnisse  für  sie
liefern  erst  die  Quellen  über  den  Safranhandel  der  Deutschen. ­
  Die  Sorte  Pülsch  ist  im  15.  Jahrhundert  in  Venedig
und  in  Deutschland  wohlbekannt.  Pasi  kennt  Safran  von
Terra  di  Otrento  und  von  Bari.  Vielleicht  handelt  es  sich
hier  um  eine  Ausdehnung  der  Kultur  der  Abruzzen,  da  der
Safran  von  Aquila  auch  von  Apulien  aus  zu  Schiff  exportiert
wird.
Um  eine  Ausbreitung  der  toskanischen  Kultur  könnte
es  sich  in  der  Lombardei  handeln,  wenngleich  die  lombardische ­
  Sorte  qualitativ  von  der  toskanischen  unterschieden
wurde.  So  führt  1409  der  venezianische  Bericht  Peter  Carbos
  beide  Sorten  getrennt  auf 1  2  3 ).  Auch  der  Florentiner  Uzzano
kennt  den  Zafferano  lombardo;  Pasi  verzeichnet  die  Sorte
vom  Contado  von  Crema  als  die  eine  unter  mehreren  lombardischen ­
  Sorten.
Vereinzelt  angeführt  erscheint  dann  von  italienischen
Sorten  noch  Safran  aus  dem  Patrimonium  s ).

1)  Ravensburger  Papiere  53.
2)  W.  Stieda:  Hansisch-venetianische  Handelsbeziehungen  im
15.  Jahrh.  Festschrift  der  Landesuniversität  Rostock  1894.  S.  117.
3)  Uzzano  S.  45.
        <pb n="15" />
        19  —

Sehen  wir  von  dem  Handel  ab,  der  sich  um  die  Mitte
des  15.  Jahrhunderts  von  diesen  Anbaubezirken  her  nach
Florenz  bewegt,  so  bleiben  Mailand  und  Venedig  die  Zentren, ­
  die  die  italienischen  Produktionsorte  beherrschen.
Beide  erscheinen  in  ihrer  Bedeutung  als  solche  besonders  in
den  Quellen  für  den  Safranhandel  der  Deutschen.  Nach  dem
Capitolare  dei  visdomini  del  fontego  dei  Tedeschi  strömen  in
Venedig  die  verschiedenen  Sorien  Italiens  zusammen  ‘),  und
schon  1330  heißt  es,  daß  zu  den  wichtigsten  venezianischen
Handelsbestimmungen  die  über  den  Safran  gehören 1  2 ).
Über  den  außerdeutschen  Safranhandel  der  Venezianer
orientiert  besonders  das  Handelsbuch  des  Pasi  von  1521.  Er
zählt  die  verschiedenen  Sorten  auf  und  gibt  als  beste  Absatzplätze ­
  und  -Gebiete  an:  Genf,  Lyon,  Paris,  Brügge,  Antwerpen, ­
  London,  Burgund,  Deutschland,  Ungarn,  die  Levante, ­
  Sizilien,  Kalabrien  (wenn  in  Apulien  und  Otranto
nicht  viel  vorhanden  ist),  Korfu,  Candia,  Zypern,  Alexandrien. ­

Eine  Handelsbedeutung  des  spanischen  Safrans  ist
erst  Ende  des  13.  Jahrhunderts  zu  erkennen.  Die  gewohnheitsmäßige ­
  Anwesenheit  von  Kaufleuten  aus  Lerida,  einer
späteren  Zentrale  des  Safrananbaues,  auf  den  Champagner
Messen  legt  zwar  die  Annahme  nahe,  daß  sie  Safran  dorthin
zum  Verkauf  bringen.  Doch  sind  die  Kaufleute  aus  Lerida
wegen  ihres  Korduans  in  der  Champagne  '),  und  der  Korduanhandel
  scheint  von  hinlänglicher  Bedeutung  zu  sein,  um
ihre  Anwesenheit  dort  zu  erklären  3 ).  Um  1300  kennt  Pierre
von  St.  Omer  die  spanische  Sorte  als  Farbstoff  in  der  Male-1)

  C.  M.  Thomas:  Das  Capitolare  dei  visdomini  del  fontego  dei
Tedeschi  in  Venezia.  Berlin  1874,  Auch  Kalabrien  wird  hier  mit  aufgezählt, ­
  doch  begegnet  es  sonst  nie  als  Anbauort,  und  nach  Pasi  wird
aus  Apulien  und  sogar  zeitweise  aus  Venedig  Safran  dorthin  ausgeführt.
2)  H.  Simonsfeld:  Der  Fondaco  dei  Tedeschi  in  Venedig  und
die  deutsch-venezianischen  Handelsbeziehungen.  2  Bde.  Stuttgart  1887,
I.  Nr.  785.
3)  F.  Bourquelot:  Etudes  sur  les  foires  de  Champagne.  Paris
1865.  In  Memoires  presentes  par  divers  savants  ä  l'acad.  des  inscr.
et  belles-lettres.  Serie  2,  Tome  V.
        <pb n="16" />
        =~  %  -

rei').  Zur  selben  Zeit  ist  der  spanische  Safran  Gegenstand
lebhaften  Handels  von  Florenz,  in  Venedig  und  Südfrankreich, ­
  und  zwar  lassen  diese  ersten  Nachrichten  auf  einen  länger ­
  geübten  Handel  schließen.  Pegolotti  verzeichnet  für  die
Florentiner  die  Maklergebühr  für  die  Geschäfte  in  katalonischem
  Safran  in  Pisa  und  bezeichnet  die  Sorte  als  eine  den
italienischen  an  Güte  nachstehende.  Auch  in  Venedig  werden ­
  zu  dieser  Zeit  dem  katalonischen  Safran  die  italienischen
Sorten  vorgezogen,  und  die  den  Safranhandel  regelnden  Bestimmungen ­
  sind  u.  a.  auch  mit  Rücksicht  darauf  erlassen,
daß  die  geringer  geschätzte  Sorte  nicht  an  Stelle  einer  teureren ­
  verkauft  wird 1  2 ).  Große  Bedeutung  hat  im  14.  Jahrhundert ­
  auch  Montpellier  für  den  spanischen  Safranhandel.
Aus  einer  Urkunde  des  Jahres  1326  und  wieder  1356  lernen
wir  eine  fest  organisierte  Warenschau  kennen,  die  einem
Safranhändler  aus  Cervera  Fälschungen  nachweist 3 ).
Im  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  unterscheidet  man  in
der  Ausfuhr  von  Barcelona  vier  verschiedene  Sorten:  Orta,
Urgel  oder  Balaguer.  Safran  mercader  und  Safran  lestat 4 ).
Drei  von  diesen  sind  auch  im  florentinischen  Handel  bekannt. ­
  Uzzano  nennt  Orta,  Bellingieri  und  Mercantieri.  Die
beiden  letzten  der  aus  Barcelona  überlieferten  Namen  deuten ­
  wohl  nicht  auf  die  Herkunft.  Eine  befriedigende  Deutung ­
  dieser  Namen  gibt  es  nicht.  Häbler  erklärt  Safran  Mercader ­
  als  „Kaufmannssafran“  und  Safran  Lestat  (kastil.  listo
=  gereinigt,  garbuliert)  als  „gereinigten  Safran“.  „Orta“  soll
Zusammenhängen  mit  huerta  =  Garten.  Für  die  Ravensburger ­
  Gesellschaft  ist  in  der  2.  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts
Saragossa  Ausganspunkt  des  Handels  mit  Ortsafran.  Auch
Calatavud  und  Alcaniz  gehören  zu  den  Safranmärkten  Ara-1)

  Merrifield:  Original  treatises  dating  from  the  XII.  the  XVITL
centuries  on  the  arts  of  painting  in  oil,  miniature,  mosaic  and  on  glass.
2  Bde.  London  1849.  I.  112  ff.  2)  Simonsfeld  I  Nr.  785.
3)  A.  Germain:  Histoire  du  commerce  de  Montpellier.  2  Bd.
1861.  I  S.  471,  474.
4)  K.  Häbler:  Das  Zollbuch  derDeutschenin  Barcelona  (1425—1440)
und  der  deutsche  Handel  mit  Catalonien  bis  zum  Ausgang  des  16.  Jahrh.
Württemb.  Vierteljahrshefte.  N.  F.  X,  XI,
        <pb n="17" />
        21

goniens  ').  In  die  Ebene  am  Westrand  des  katalonischen  Gebirges ­
  weisen  die  Märkte  Lerida  und  Cervera  und  die  Sorte
Balaguer,  Belegier,  der  die  Stadt  Balaguer  den  Namen  gegeben ­
  hat.  Zwischen  den  genannten  drei  Städten  und  weiter
nach  Süden  hin  liegt  die  Landschaft  Urgel,  nach  der  die
katalonische  Sorte  auch  häufig  genannt  wird.  Als  Zentrale
für  den  Export  aus  Katalonien  erscheint  Barcelona.  —  Thomas ­
  Münzer,  ein  Nürnberger  Arzt,  berichtet  auch  vom  Krokusanbau ­
  bei  Valencia  1  2  3 ),  doch  muß  er  gering  gewesen  sein;
denn  die  Ravensburger  Gesellschaft,  die  doch  den  Schwerpunkt ­
  ihres  spanischen  Handels  im  Siafranexport  sah,  kennt
ihn  nicht.
In  Frankreich  begegnet  uns  im  13.  Jahrhundert  zuerst
besonders  toskanischer  Safran  auf  den  verschiedensten
Handelsplätzen,  Sehr  groß  ist  die  Rolle,  die  er  in  der  Ausfuhr ­
  von  Marseille  spielt.  Eine  Zollordnung  von  1228  *)
führt  auch  den  Safran  auf;  außer  dem  Zoll  wird  eine  Abgabe
für  die  „Lesta“  festgesetzt.  Hierunter  ist  wohl  ein  Schauamt ­
  zu  verstehen,  dem  auch  die  Aufgabe  oblag,  den  Safran
von  Beimischungen  zu  befreien,  wie  wir  es  später  auch  in
anderen  Städten  finden  (katalon.  lesta  —  Wahl).  Von  Mitte
März  bis  Mitte  Mai  1248  enthalten  die  Akten  des  Marseiller
Notars  Amalric  4 )  24  Urkunden,  dje  sich  auf  Safrangeschäfte
beziehen.  Es  handelt  sich  meist  um  Ausfuhr  in  die  Mittelmeerländer: ­
  neunmal  nach  Syrien,  neunmal  nach  Marocco,
einmal  nach  Aegypten,  einmal  nach  Cypern,  dann  nach
Avignon,  Messina,  Valencia;  zweimal  sind  die  Verkäufer
Sienesen,  es  scheint  sich  also  um  toskanischen  Safran  zu
handeln;  sonst  ist  die  Herkunft  nicht  zu  erkennen.  —  loskanischer
  Safran  begegnete  uns  auch  1297  in  Aiguesmortes,
und  auf  den  Champagner-Messen  sahen  wir  schon  im  Anfang ­
  des  13.  Jahrhunderts  die  San  Gimignanesen  und  Florentiner ­
  mit  dem  Produkt  ihrer  Heimat.  Safran  unbestimmter
Herkunft  findet  sich  Ende  des  13.  Jahrhunderts  auf  dem

1)  Geschäftspapiere  der  Ravensburger  Gesellschaft.  9  und  11.
2)  Häbler  XI.  S.  413.
3)  L.  Mery  et  F.  Guindon:  Histoire  analytique  et  chronologique
des  actes  et  des  deliberations  de  la  municipalite  de  Marseille.  1841—73.
I.  S.  341  ff.  4)  Blancard  a.  a.  O.
        <pb n="18" />
        22

Markt  von  Narbonne'),  und  um  1250  notiert  Albert  von
Beham  auf  dem  Lyoner  Markt  unter  den  Preisen  der  Gewürze ­
  auch  den  Preis  des  Safrans  J ).  Der  Tarif  von  Peronne
Ende  des  13.  Jahrhunderts  kennt  ihn  als  Gegenstand  des
französisch-flandrischen  Handels 3 ),  Im  Anfang  des  14,
Jahrhunderts  besteht  eine  lebhafte  Safraneinfuhr  aus
Spanien  nach  Südfrankreich.  Die  Warenbeschauer  in
Montpellier  untersuchen  1356  Safran  vor  14  sachverständigen ­
  Zeugen  aus  Montpellier  und  vier  weiteren  aus  Marseille, ­
  Narbonne,  Avignon  und  Aix.  1326  werden  sogar
mehr  als  20  Sachverständige  zu  einer  Untersuchung  zugezogen ­
  und  ihre  Zahl  noch  erweitert,  als  der  angeklagte
Kaufmann  Berufung  einlegt.  Die  Gutachten  zeigen  Kenntnis ­
  der  Fälschungsmethoden;  so  lautet  eine  Aussage:  „Quod
dictus  safranus  est  totaliter  corruptus  et  devastatus  et  etiam
putrefactus  propter  maximam  leutositatem  que  fuit  ibi
apposita,  videlicet  de  oleo  vel  aqua,  vel  alia  re  quam
ignorat“ 4 ).  Bis  zum  14.  Jahrhundert  läßt  sich  so  auf  den
Märkten  Frankreichs  nur  ausländischer  Safran  erkennen.
Im  Ausland  finden  wir  vor  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  keinen
Safran  französischen  Wachstums.  Auch  dann  läßt  sich  eine
Ausfuhr  nur  nach  Deutschland  und  England  nachweisen.
Weder  die  Florentiner  Pegolotti  und  Uzzano  noch  der  Venezianer ­
  Pasi  kennen  die  Sorte.
Schon  Ende  des  13.  Jahrhunderts  wird  indessen  der
Anbau  in  Frankreich  gepflegt.  Pierre  von  St.  Omer  kennt
in  seiner  schon  zitierten  Abhandlung  über  die  Technik  der
Malerei  neben  dem  italienischen  und  spanischen  auch  den
Safran,  „qui  in  hac  nostra  patria  Galliae  ut  in  toto  Francia
crescit“.  Eine  Lokalisierung  dieser  französischen  Kultur  ist
erst  im  15.  Jahrhundert  durch  die  Quellen  über  den  Handel

1)  C.  Port:  Essai  sur  l'histoire  du  commerce  maritime  de  Narbonne. ­
  Paris  1854.  S.  69,
2)  Bibliothek  des  Stuttgarter  lit.  Ver.  XVI.  1847.  S.  XXIII.
3)  J.  Finot:  Etüde  historique  sur  les  relations  commerciales
entre  la  France  et  la  Flandre  au  moyen  äge.  Paris  1894.  S.  176  f.
4)  Germain  a.  a.  O.
        <pb n="19" />
        23

der  Deutschen  möglich.  Im  deutschen  Handel  ist  sehr  bekannt ­
  die  Sorte  Pronigeller,  Bronochel,  Brunickel,  Sie  weist
auf  den  Ort  Brunequel  am  Aveyron  in  Languedoc  und  auf
das  Albigeois  als  ein  Anbaugebiet  französischen  Safrans.
In  dem  benachbarten  St.  Antonin  am  Aveyron  besitzt  das
Kapitel  den  Safranzehnten  *).  Im  Albigeois  wächst  auch
der  sogen,  marokkanische  Safran 1  2  3 ).  Mitte  des  16.  Jahrhunderts ­
  erhalten  wir  dann  durch  den  Nürnberger  Lorenz
Meder  ’)  des  Näheren  Aufschluß  über  die  Orte,  die  hier  für
den  Safranhandel  in  Betracht  kommen.  Er  kennt  außer  den
Sorten  Prunischer  und  Marokkin  auch  den  Mirabel,  wohl  von
der  Stadt  Mirabel  nördlich  vom  Aveyron.  Als  Märkte  dieser
Gegend  nennt  er  St.  Antonie  (St.  Antonin)  und  Cordiß
(Cordes,  nördlich  von  Albi).  Auch  südlicher  ist  der  Anbau ­
  verbreitet.  Ein  Markt  des  16.  Jahrhunderts  ist  Casalnodariy
  (Castelnaudary  am  Kanal  du  Midi,  zwischen  Toulouse ­
  und  Carcassonne).  Casa  da  Lofferta  oder  Casa
Lofferta  (?)  hat  ebenfalls  in  dieser  Gegend  ein  eigenes
Safrangewicht.  Von  Lyon  aus  führen  die  Deutschen  den
albigensischen  Safran  in  ihre  Heimat.  Besonders  beliebt
ist  er  in  England.  In  den  Papieren  der  Ravensburger  Gesellschaft ­
  heißt  es:  ,,aer  me  schliss  haut  in  Engolant
denn  Kain  saffra  der  Belligier  haut  niena  denn  schliss
noch  kain  saffra,  weder  Ort  noch  Tuscha  in  diser  art  auss
Bronocher“  4  5 ).  Von  Rouen  und  Harfleur  aus  exportieren
französische  Händler  ihn  nach  England.  Bis  in  die  Neuzeit
bleibt  der  Safran  eines  der  Hauptprodukte  des  Albigeois  *).
Auch  dieser  südfranzösische  Safrananbau  mag  wohl  auf  den
Einfluß  der  Kultur  Spaniens  zurückgehen,  mit  dem  Süd1) ­

  Bose:  Memoires  de  Rovergue.  1797.  III.  S.  76.
2)  B.  Greiff:  Das  Tagebuch  des  Lukas  Rem.  26.  Jahresbericht
des  hist.  Vereins  von  Schwaben  und  Neuburg  1861.  S.  6f.
3)  Lorenz  Meder:  Handel-Buch,  darin  angezeigt  wird,  welcher
Gestalt  inn  den  fürnembsten  Handelstetten  Europa  allerley  Waren  etc.
Nürnberg  1558.
4)  Ravensburger  Geschäftspapiere.  83.
5)  Guilleaume  du  Catel:  Mamoirs  de  l'histoire  du  Languedoc.
Toulouse  1633.  S.  50.
        <pb n="20" />
        24

frankreich  im  13.  Jahrhundert  politisch  und  kulturell  verbunden ­
  war,  und  dessen  Produkte  auf  den  Märkten  Südfrankreichs ­
  eine  große  Rolle  spielten.  Von  den  Bedürfnissen ­
  des  Marktes  angeregt  ist  wohl  die  Kultur  in  der  unmittelbaren ­
  Umgebung  von  Lyon,  Dort  wird  der  Safran
Ende  des  15.  Jahrhunderts  zu  Handelszwecken  angebaut,
wie  es  die  Papiere  der  Ravensburger  Gesellschaft  bezeugen.
Von  Südfrankreich  aus  verbreitet  sich  die  Kultur  wohl
nach  Nordfrankreich,  wo  sie  seit  Anfang  der  Neuzeit  nachzuweisen ­
  ist.  Seit  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  blüht  sie  im
Angoumois  Lorenz  Meder  kennt  Roschavoca-Safran,  der
wohl  identisch  ist  mit  dem  von  La  Rochefoucauld  nördlich
von  Angouleme  s ).  Von  dort  greift  der  Anbau  über  zum
Gatinais,  wo  er  noch  heute  fortbesteht,  und  wo  die  Deutschen
im  17.  Jahrhundert  die  besten  Abnehmer  sind  3 ).
In  England  knüpft  die  Überlieferung  den  Beginn  des
Safranbaus  an  die  Zeit  Eduards  des  Dritten  1327—1370  4 ).
Im  englischen  Handelsleben  findet  sich  seit  1259  der  Safran
so  häufig,  daß  sich  Mittelpreise  für  je  10  Jahre  ausrechnen
lassen  5 ).  Erst  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  tauchen  Angaben
über  Safran  englischen  Wachstums  auf,  so  1458  und  1467  "),
Von  1499  ist  eine  Notiz  über  die  Verpachtung  eines  Safrangrundstücks ­
  bei  Cambridge  überliefert : ).  In  Essex  gibt  der
Anbau  der  Stadt  Saffron  Waiden  den  Namen.  Doch  ist  dem
englischen  Safran  Handelsbedeutung  für  den  Kontinent  erst
seit  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  zuzuschreiben.  Um
diese  Zeit  verzeichnet  Lorenz  Meder  die  Safranmärkte  in
England  und  die  Gebräuche  im  englischen  Safranhandel.
1)  De  la  Mare:  Tratte  de  la  Police,  sec.  ed.  Amsterdam  1729.
IV.  S.  592.
2)  Le  Grand  d'Aussy:  Histoire  de  la  vie  privee  des  Franijais.
Paris  1815.  II.  207.
3)  Guilleaume  Morin:  Histoire  generale  du  Gastinois.  Paris  1630.
Nouv.  ed.  p.  H.  Laurent  1883.  S.  165  f.
4)  Morant:  History  of  Essex  1768.  II.  545.
5)  J.  E.  Th.  Rogers:  History  of  Agriculture  and  Prices  in  England
1866—87.  I.  S.  641.
6)  Rogers  III.  527,  529.
7)  Rogers  III.  680.
        <pb n="21" />
        25

Schon  bei  der  Besprechung  des  toskanischen  und  Marseiller ­
  Safranhandels  war  der  starke  Safranexport  aufgefallen, ­
  der  vom  Abendland  zum  Orient  ging.  Es  fanden  sich
in  der  ersten  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  Kaufleute  aus
Toskana  mit  Safran  in  Syrien;  auch  von  Marseille  aus  ging
eine  lebhafte  Ausfuhr  dorthin.  Venezianer  sind  in  der
zweiten  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  mit  Safran  auf  dem
Weg  von  Korfu  nach  Thessaloniche  nachzuweisen  ‘).  Pegolotti
  zeichnet  den  Unterschied  zwischen  den  Safrangewichten
von  Florenz  und  Accon  auf,  und  Pasi  nennt  die  Levante  ein
gutes  Absatzgebiet  des  abendländischen  Safrans.  —  Ganz
ausgesprochen  scheint  Ägypten  auf  Safranversorgung  vom
Abendland  angewiesen  zu  sein.  Zeugnisse  dafür  ziehen
sich  durch  das  ganze  Mittelalter  von  1156—1521.  Von
Genua,  Toskana,  Marseille  aus  findet  eine  Einfuhr  statt 1  2 ).
Auch  katalonischer  Safran  kommt  nach  Marino  Sanuto  in
Ägypten  auf  den  Markt 3 ),  Besondere  Bedeutung  hatte
der  Safranhandel  nach  Ägypten  für  Venedig.  Zur  Zeit  des
päpstlichen  Handelsverbot  nach  Ägypten  versucht  der  Doge
die  Erlaubnis  vom  Papst  zu  erlangen  zur  Einfuhr  von  Metallen, ­
  Tuchen,  Safran  und  anderen  einheimischen  Waren
nach  Ägypten 4 ).  Auch  Pasi  betont,  daß  Safran  sich  in
Ägypten  gut  verkaufe.  Daß  auch  die  Inseln  des  Mittelmeers ­
  ihren  Bedarf  von  Westen  her  decken,  geht  aus  dem
Handelsbuch  Pasis  hervor.  Cypern  begegnete  uns  schon  als
Bestimmungsort  eines  Safrantransports  von  Marseille  aus
1248  s ).  Von  dorther  bewegte  sich  zur  selben  Zeit  eine  Ausfuhr ­
  nach  Marokko  und  Algerien.  Bei  Pegolotti  finden  sich
noch  Tana,  Konstantinopel,  Armenien  als  Verkaufsorte
abendländischen  Safrans.  Wir  sehen,  wie  ein  Safranexport
von  den  großen  Handelszentren  in  Oberitalien  und  Südfrank-1)

  Fontes  Rerum  Austriacarum  Abt.  II,  Bd.  13,  S.  262  f.,  X  u.XI.
2)  S.  S.  10,  13,  21.  Eman.  Piloti  Cretensis,  in  Monuments  pour
servir  a  l'histoire  des  Provinces  de  Namur,  de  Hainaut  et  de  Luxembourg ­
  VI.  1846  S.  358.
3)  C.  Port:  Essai  sur  l'histoire  du  commerce  maritime  de  Narbonne
Paris  1854.  S.  127.
4)  Heyd  II.  S.  42.

5)  S.  S.  21.
        <pb n="22" />
        26

reich  strahlenförmig  nach  alienbedeutenderen  Handelsplätzen
des  Mittelmeers  geht.  Es  läßt  sich  erkennen,  daß  seit  Mitte
des  12.  Jahrhunderts  ein  Safranexport  in  der  Richtung  stattfindet, ­
  von  der  die  Kultur  ursprünglich  ausgegangen  war.
Die  neue  abendländische  hat  die  alte  morgenländische  Kultur ­
  überflügelt.  —  Wohl  besteht  diese  letztere  noch  fort.  Um
1420  gehört  Safran  zu  den  Produkten,  die  den  Mäander
hinab  nach  Palatia  kamen.  Auch  in  Sathalia  und  Candiloro
in  der  Türkei  findet  ein  Anbau  statt 1 ).  In  Cypern  wird  Safran
Ende  des  15.  Jahrhunderts  angebaut').  Doch  vermag  dieser
Anbau  in  den  östlichen  Mittelmeerländern  anscheinend  keine
Ausfuhr  in  den  Westen  zu  versorgen.  Safran  findet  sich
nicht  in  der  auf  Vollzähligkeit  ausgehenden  Liste  der  1233
in  Venedig  eingeführten  Levanteprodukte 8 ).  Auch  erwähnt
keines  der  Handelslehrbücher  eine  orientalische  Sorte.
Weder  im  Handel  noch  im  Gebrauch  des  Abendlandes  begegnet ­
  eine  solche  uns.  Nur  zwei  Schriften  zur  Technik  der
Malerei,  die  des  Pierre  von  S.  Omer,  Ende  des  13.  Jahrhunderts, ­
  und  die  des  Jehan  le  Begue  1431,  scheinen  das  Bekanntsein ­
  von  orientalischem  Safran  zu  verbürgen.  Beide
kennen  die  Sorte  Coriscus  von  Sizilien  1  2  3  4  5 ).  Damit  ist  zweifellos ­
  die  im  Altertum  bekannte  cilicische  Sorte  vom  Berge
Korykos  gemeint.  Da  sich  aber  der  ältere  der  beiden  auf  das
Zeugnis  Isidors  von  Sevilla  beruft,  der  den  corycischen  aus
Cicilien  kennt  “),  und  der  jüngere  sich  schon  durch  die
gleiche  fehlerhafte  Angabe  ,,Sizilien“  anstelle  von  „Cilicien“
als  von  ihm  oder  seiner  Quelle  abhängig  erweist,  so  ist  klar,
daß  ihre  Angabe  aus  der  antiken  Tradition  und  nicht  aus
dem  Gebrauch  hergenommen  ist;  für  das  Mittelalter  können
diese  Zeugnisse  nicht  verwendet  werden,
1)  Heyd  II.  355.  Em.  Piloti  Cretensis  a.  a.  0-  370  f.
2)  L.  de  Mas-Latrie:  Histoire  de  1'ile  de  Chypre  sous  le  regne
des  princes  de  la  maison  de  Lusignan.  Paris  1852—61.  III.  493  ff.
3)  Schaube  197.
4)  Merrifield:  Original  treatises.  I.  1.  ff.,  112  ff.
5)  Corpus  Grammat.  Latinor.  veterum.  III.  S.  544.
        <pb n="23" />
        5
i

III.  Der  Salranhandel  der  Deutschen  im  Auslande.
Über  den  deutschen  Safranhandel  des  13.
hunderts  geben  nur  wenige  Zeugnisse  Kunde.  Wir  wissen,
daß  Albert  von  Beham  um  1245  die  Preise  auf  der  Lyoner
Messe  notiert  ’).  1268  trifft  das  Capitolare  dei  visdomini  in
Venedig  unter  anderen  Bestimmungen  auch  solche  über  den
Safraneinkauf  der  deutschen  Kaufleute.  Kein  Quantum
über  drei  Pfund  darf  eingekauft  werden,  das  nicht  vorher
abgeschätzt  und  amtlich  gewogen  worden  ist = ).  Wir  finden
auch  Safran  unter  den  Gütern,  die  im  13.  Jahrhundert  die
Zollstätte  von  Stein  an  der  Donau  passieren'’).  Diese
Notizen  werden  ergänzt  durch  Zeugnisse  aus  der  Literatur,
aus  denen  der  Gebrauch  des  Safrans  im  täglichen  Leben
hervorgeht.  Die  Arzneibücher  von  1150  wurden  schon  erwähnt. ­
  Gottfried  von  Straßburg  kennt  die  Safranfarbe  1  *  *  4 ).
In  der  „Wiener  Meerfahrt“  gibt  es  Speisen,  mit  Safran  gewürzt ­
 5  6 ),  und  auch  Reinmar  von  Zweter  kennt  ihn  als  eine
Würze,  die  die  Speisen  gut  aussehend  und  schmackhaft
macht,  wenn  er  unter  einem  Bild  von  der  Lüge  sagt:  ,,gebalsmet
  lüge,  gebismet  lüge,  lüge  mit  safran  überzogen“  ").
Erst  seit  1300  läßt  sich  der  Anteil  der  Deutschen  am
Safranhandel  klarer  erkennen.  Wir  finden  sie  in  allen
Stadien  des  Handels,  von  der  Krämerei  bis  zum  kapitalistisch
organisierten  Aufkauf  an  den  Produktionsstätten  selbst.
Am  frühesten  finden  wir  die  Deutschen  als  Safrankäufer
auf  dem  italienischen  Markt,  es  folgt  Spanien;  erst  Ende
des  Mittelalters  begegnen  sie  uns  auf  den  Märkten  Frankreichs, ­
  und  in  der  Neuzeit  erst  liefert  auch  England  Safran
für  den  deutschen  Markt.
In  Italien  erscheint  zuerst  Venedig  —  im  14,  und  weit
bis  ins  15.  Jahrhundert  —  als  das  Handelszentrum,  von  dem
1)  S.  S.  22.  2)  Thomas:  Capitolare  S.  3.
3)  Rerum  Austriacarum  Scriptores  ed.  A.  Rauch.  Vindob.  1793
bis  1794.  II.  S.  109.
4)  Tristan,  herausgeg.  v.  Marold,  Leipzig  1906,  Zeile  15  und  32.
5)  Gesamtabenteuer,  herausgeg.  v.  von  der  Hagen  II.  469,  93.
6)  Die  Gedichte  Reinmars  von  Zweter,  herausgegeben  v.  Gustav
Roethe.  Leipzig  1887.  S.  495,  Nr.  169,  3.
        <pb n="24" />
        28

aus  die  Deutschen  Safran  exportieren.  Hier  fanden  sie  auf
dem  Markte  die  Produkte  der  verschiedenen  Anbaustätten
Italiens,  die  von  Aquila,  Apulien  und  den  Marken  ‘).  Unter
den  zahlreichen  Bestimmungen,  die  in  Venedig  den  Handel
der  Deutschen  einschränken,  findet  sich  eine  ganze  Reihe
speziell  auf  den  Safranhandel  bezüglicher.  Aus  diesen  Bestimmungen ­
  und  den  Urkunden,  die  anläßlich  ihrer  Übertretung ­
  ausgestellt  wurden,  lassen  sich  hauptsächlich  die
Handelsgeschäfte  der  Deutschen  erkennen.  1301  führt  ein
Deutscher  87  Pfund  aus  2 ),  1302  wird  ein  anderer  in  Strafe
genommen,  der  acht  Pfund  Safran  ohne  die  vorgeschriebene
Abschätzung  ausgeführt  hat  3 ).  1328  finden  wir  einen  Konrad
  von  Salzburg  4  * ),  1330  einen  Ulrich  von  München 6  7 )  als
Safranhändler.  1342  soll  Safran  konfisziert  werden,  der
einem  Heinrich  von  Ibbs  und  seinem  Gesellschafter  Werner
gehört c ).  In  diesen  Urkunden  ist  das  Safrangeschäft  charakteristisch ­
  ausgebaut.  Neben  dem  Verkauf  durch  Vermittlung ­
  des  Sensals  und  der  Aufbewahrung  der  Ware  nur
im  Kaufhaus  der  Deutschen,  ist  bei  jedem  Verkauf  eine  Untersuchung ­
  und  Abschätzung  des  Safrans  vorgeschrieben,  auf
die  mit  großer  Strenge  gehalten  wird.  Es  soll  der  Fälschung
und  der  Vermischung  der  schlechteren  spanischen  Sorte  mit
den  besseren  Sorten  aus  Toskana  und  den  Marken  vorgebeugt ­
  werden.  Im  späteren  14.  und  Anfang  des  15.  Jahrhunderts ­
  muß  sich  der  Safranhandel  der  Deutschen  nach
Venedig  noch  gesteigert  haben.  Darauf  deuten  die  beredten
Klagen  der  Venetianer,  als  er  Ende  des  15.  Jahrhunderts  Venedig ­
  zu  umgehen  beginnt,  und  die  Anstrengungen,  ihn  dort
zu  halten.  1409  finden  wir  als  Vertreter  der  Hanse  die
Gesellschaft  Carbo-Veckinhusen  aus  Lübeck  in  Venedig.
Carbo  stellt  einen  Kursbericht  für  Venediger  Ware  zusammen, ­
  mit  u.  a.  auch  Saveran  van  Tuschan,  van  Lumbart
und  der  Marken  ? ).  1420  kauft  Johann  Ayelinger  aus  Lau-1)
  Thomas:  Capitolare.  S.  277.
2)  Simonsfeld  I.  Nr.  11—13.  3)  Simonsfeld  I.  Nr.  19.
4)  Simonsfeld  I.  Nr.  80.  5)  Simonsfeld  I,  Nr.  785.
6)  Simonsfeld  I.  Nr.  802.
7)  Stieda:  Hansisch-venezianische  Handelsbeziehungen  S.  117.
        <pb n="25" />
        ^9  -“- ul
ingen  in  Venedig  Safran 1 ),  und  auch  der  Nürnberger  Ulrich ­
  Stark  bezieht  Safran  aus  Venedig  1  2 ).  Ende  des  15.  Jahrhunderts ­
  fangen  die  deutschen  Kaufleute  wohl  wegen  der
ihren  Handel  in  Venedig  einschränkenden  Bestimmungen
an,  für  ihren  Safranhandel  die  Lombardei  vor  Venedig  zu
bevorzugen.  Wir  sahen,  wie  Mailand  und  Casalmaggiore
hier  als  Märkte  Bedeutung  erlangen.  Auch  beginnen  die
Deutschen  mit  Umgehung  der  oberitalienischen  Märkte  ihre
Geschäfte  an  den  Anbaustellen  selbst  abzuschließen.  Charakteristisch ­
  für  diesen  Umschwung  ist,  daß  wir  die
Ravensburger  Gesellschaft,  deren  Handelsbeziehungen  alle
wichtigen  Anbaustellen  und  Märkte  umspannen,  mit  keinem
Safrangeschäft  in  Venedig  antreffen.  Wieviel  Wert  Venedig
auf  den  deutschen  Safranhandel  legt,  geht  aus  den  Bemühungen ­
  hervor,  mit  denen  es  ihn  in  Venedig  zu  halten  sich
bestrebt 3 ).  Venedig  geht  sogar  von  seinem  obersten
handelspolitischen  Prinzip  ab,  nach  dem  der  Handel  und
die  Initiative  der  Fremden  in  Venedig  ein  Ende  finden  und
an  die  Venezianer  übergehen  sollte,  1479  wird  den
Deutschen,  um  sie  vom  Weg  nach  Mailand  abzuhalten,  gestattet, ­
  Safran  durch  Venedig  zu  führen,  gegen  Abgabe  von
12  Duk,  für  500  Pfund.  1482  wird  der  Import  erlaubt  und
nur  eine  kleine  Abgabe  davon  erhoben.  1492  wird  die  Verfügung ­
  für  den  Import  wiederholt  und  auf  dem  Transit  nur
der  allgemein  gebräuchliche  venezianische  Zollsatz  von
3  Duk.  pro  Saum  belassen.  Alle  diese  Verordnungen  werden
mit  der  Begründung  erlassen,  man  wolle  durch  sie  den
deutschen  Safranhandel  von  Mailand  nach  Venedig  zurücklenken. ­
  Ueber  das  Resultat  dieser  Bemühungen  ist  nicht
viel  bekannt.  Lorenz  Meder  berücksichtigt  den  venezianischen ­
  Safranhandel  noch  eingehend.
Die  Konkurrenz  Mailands  konnte  Venedig  so  gefährlich ­
  erscheinen,  weil  Mailand  überhaupt  für  die  Deutschen
1)  Simonsfeld  I.  326.  —  Er  macht  auch  Safrangeschäfte  mit
seinem  Schwiegervater  Ott  Ruland  von  Ulm  (Ott  Rulands  Handlungsbuch. ­
  Bibi,  des  lit.  Ver.  Stuttgart  I.  S.  14),
2)  Münchener  Allg.  Zeitg.  Beilage  Nr.  101.  Jahrg.  1901.
3)  Thomas:  Capitolare  S.  235  und  277.
        <pb n="26" />
        30

wegen  seiner  Lage  und  dem  Charakter  seiner  Handelsbestimmungen ­
  den  größeren  Wert  als  Durchgangsort  besaß,
also  besonders  für  die  Produkte  Italiens  von  weit  größerer
Anziehungskraft  war  als  Venedig.  Nicht  nur  einen  Teil  des
venezianischen  Safranhandels  nahm  Mailand  Ende  des  Mittelalters ­
  auf,  auch  der  Stapel  für  den  toskanischen  Safran  verlegt ­
  sich  —  wie  wir  oben  sahen  —  später  in  die  Lombardei.
Ein  großes  Safrangeschäft  ist  uns  aus  dem  Jahr  1429  überliefert. ­
  Ein  Nürnberger  (Henricus  de  Nuyberga)  schuldet
einem  Mailänder  2069  1.  1  s.  für  Safran 1 ).  Ende  des  15.
Jahrhunderts  ist  Mailand  Stützpunkt  für  den  italienischen
Safranhandel  der  Ravensburger  Gesellschaft.  Hierher  berichtet ­
  man  den  Kurs  des  Safrans  in  Lyon 5  6 ).  Hier  kauft
man  große  Posten  Zima  s )  und  Pulsch.  Von  hier  wird  Nachricht ­
  nach  Nürnberg  gesandt  über  die  Ernteaussichten  des
lombardischen  und  Abruzzen-Safrans  4 ),  und  hier  werden
in  jedem  Herbst  die  Summen  fällig,  die  zum  Aufkauf  der
Ernte  in  den  Abruzzen  und  in  der  Lombardei  dienen  c ).
Für  toskanischen  Safran  kommt  auch  der  Markt  von
Casalmaggiore  (Casalmort,  Casalmayor)  in  Betracht,  der
ein  besonderes  Safrangewicht  hat  7 ).  Zur  Zeit  Lorenz  Meders
gilt  es  allgemein,  daß  der  toskanische  Safran  in  der  Lombardei ­
  eingekauft  wird.  Als  Märkte  kennt  er  Parma  und
Casalmaggiore.  Noch  zur  Zeit  Uzzanos  1442  fanden  wir  die
Deutschen  mit  Safran  in  Toskana.  Es  besteht  um  diese  Zeit
ein  Statut  über  die  Verzollung  von  Safran  aus  den  Marken
und  dem  Patrimonium  in  Florenz,  das  mit  der  Rücksicht  auf
die  Deutschen  motiviert  ist,  1476  geht  ein  Transport  Safran
für  die  Ravensburger  Gesellschaft  von  Florenz  nach  Mailand ­
  "),  doch  wird  es  sich  hier  um  das  Produkt  der  Abruzzen
handeln,  das  die  Ravensburger  über  Florenz  nach  Mailand
schaffen.
Wie  Mailand  als  Durchgangsort  nach  den  südlichen
Teilen  Italiens  für  die  Deutschen  von  Wichtigkeit  ist,  so
beruht  die  Bedeutung  Genuas  für  den  deutschen  Handel
1)  Schulte  II.  Nr.  204.  2)  Ravensburger  Papiere  23.
3)  Rav.  Pap.  83.  4)  Rav.  Pap.  2,  62,  65.  5)  Rav.  Pap.  8.
6)  Rav.  Pap.  52,  45,  53.  7)  Rav.  Pap.  2,  66.  8)  Rav.  Pap.  2.
        <pb n="27" />
        3i

2um  großen  Teil  darauf,  daß  die  Deutschen  hier  den  Zugang ­
  zum  Meere  und  besonders  nach  Spanien  finden.  Daher
erscheint  Genua  hauptsächlich  in  Verbindung  mit  dem  spanischen ­
  Safranhandel.  1424  werden  Verordnungen  über  den
Durchgangsverkehr  von  Spanien  und  der  Provence  über
Genua  nach  Deutschland  zwischen  dem  Genuesischen  Staat
und  den  deutschen  Kaufleuten  vereinbart,  Safran  finden
wir  besonders  genannt  und  mit  1%  Transitzoll  belegt,  während ­
  sonst  Vs  %  gebräuchlich  ist').  Die  Durchfuhr  von
Safran  ist  also  so  stark,  daß  es  sich  lohnt,  sie  fiskalisch  auszunutzen. ­
  Die  Ravensburger  Gesellschaft  verfrachtet  hierher ­
  einmal  Safran  von  Valencia  aus  s ).  Nicht  ausgesprochen
finden  wir  bei  Ulmarin  Stromer,  der  Ende  des  14.  Jahrhunderts ­
  die  Gebräuche  des  genuesischen  Safranhandels  aufzeichnet, ­
  ob  es  sich  dabei  um  die  italienische  oder  um  eingeführte ­
  spanische  Sorte  handelt 5 ).
Unter  den  Klagen,  die  in  Venedig  Ende  des  15.  Jahrhunderts ­
  über  das  Nachlassen  des  Safranhandels  der  Deutschen ­
  laut  werden,  findet  sich  auch  die,  daß  die  Deutschen
seit  einiger  Zeit  an  die  Orte  selbst  Vordringen,  wo  der
Safran  wächst,  und  dort  ihre  Einkäufe  bewerkstelligen.  Aus
diesem  Umstand  erwächst  auch  die  Bedeutung  von  Mailand
und  Genua;  sie  sind  Durchgangsorte;  es  fällt  also  diese
lokale  Verschiebung  zusammen  mit  einer  Veränderung  des
ganzen  Handelsbetriebs.  Schon  die  Florentiner  Zollbestimmung ­
  zur  Zeit  Uzzanos  läßt  darauf  schließen,  daß  die
Deutschen  den  Marksafran  vom  Ursprungsort  selbst  nach
Florenz  schaffen.  In  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts ­
  haben  die  Deutschen  den  Weg  in  die  Abruzzen  gefunden ­
  und  kaufen  dort  in  Aquila  Safran  ein.  1471  löst
sich  mit  der  Ermordung  des  deutschen  Teilhabers  in  Aquila
eine  Handelsgesellschaft  auf  zwischen  einem  Nürnberger
Arnold  von  Seeland,  auch  Raynoldo  de  Piero  genannt,  und
Aquilanern  1  *  *  4 ).  Da  an  Produkten  Aquilas  außer  Safran  nur
noch  Wolle  in  Betracht  kommt,  darf  man  wohl  auf  Safran-1)
  Schulte  II.  Nr.  254.  2)  Rav.  Pap.  30.
3)  Ulmann  Stromer:  Püchel  von  meim  gesiecht  und  von  abentewr
1349—1407.  Chroniken  der  deutschen  Städte  I,  S.  101.
4)  Schulte  I.  S.  599  f,,  II.  Nr.  100.
        <pb n="28" />
        -  32

geschäfte  der  Gesellschaft  schließen.  Um  dieselbe  Zeit  hat
die  Ravensburger  Gesellschaft  eine  Niederlassung  in  Aquila
zum  Zweck  des  Safraneinkaufs.  Alljährlich  unternimmt
ein  deutscher  Faktor  eine  Reise  dorthin,  um  eine  „Safrananlegung“ ­
  zu  machen,  d.  h.  den  Safran  nach  der  Ernte  aufzukaufen. ­
  Eine  ausführliche  Rechnungsablage  des  Faktors
Claus  Steinhüsler  ist  für  die  Zeit  von  Dezember  1478  bis
Februar  1479  erhalten  ')•  In  Mailand  und  Genua  nimmt  er
große  Summen  ein,  die  dort  zur  Zeit  der  Safranernte  fällig
sind.  Damit  reitet  er  in  die  Abruzzen.  In  Aquila  und  Foligno
  legt  er  1059  Duc.  102  s.  6  d.  in  Zimasafran  an,  264  Duc.
122  s.  in  der  Sorte  Stima.  Er  bedient  sich  bei  diesen  Einkäufen ­
  eines  Agenten,  der  von  jedem  Pfund  Safran  3  s.  oder
2  s.  6  d.  Provision  erhält.  Von  Bauern  läßt  er  sich  bei  seinen
Ritten  die  Wege  über  das  Gebirge  zeigen.  Über  Florenz
führt  er  den  Transport  nach  Mailand,  nachdem  er  den  Vorrat ­
  an  Verpackungsmitteln,  den  die  Gesellschaft  in  Aquila
liegen  hat,  ergänzt  hat.  So  läßt  er  aus  Florenz  einen  Ballen
lederne  Säcke  nach  Aquila  schaffen.  Auch  1480  ist  er  um  dieselbe ­
  Zeit  zum  gleichen  Zweck  in  Aquila 2 ).  —  Ende  des
15.  Jahrhunderts  dringen  auch  die  Welser  zum  Zweck  des
Safrankaufs  über  Venedig  und  Mailand  hinaus  in  Italien  vor.
1478  treffen  wir  sie  mit  5  Ballen  Safran  im  Gebiet  von  Bologna ­
  *  3 ).  Vielleicht  kommt  der  Transport  von  Aquila,  wo  die
Welser  im  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  eine  Faktorei
hatten  J ),
In  Spanien  läßt  sich  nicht  wie  in  Italien  trennen
zwischen  dem  Eiandel  am  Zwischenmarkt  und  dem  an  den
Anbaustellen,  da  beide  zu  sehr  benachbart  sind  und  sozusagen ­
  zusammenfallen.  Eine  Ausnahmestellung  nimmt
Barcelona  ein,  das  mehr  für  den  Export  in  Frage  kommt.
Das  Hauptausfuhrprodukt  Kataloniens  und  Aragons  ist  im
späten  Mittelalter  der  Safran.  Nur  Nebenbedeutung  haben
Wolle  und  Korallen.  So  ist  man  berechtigt  anzunehmen,
daß  die  Mehrzahl  der  deutschen  Firmen,  die  sich  im  Handel

1)  Rav.  Pap.  53.
3)  Schulte  I.  S.  592.

2)  Rav.  Pap.  45.
4)  Schulte  I.  S.  644,
        <pb n="29" />
        —  33  -»■
des  nördlichen  Spaniens  nachweisen  lassen,  vom  Zweck  des
Safraneinkaufs  hierher  geführt  worden  sind.  Besonders  zwei
Quellen  werfen  im  15.  Jahrhundert  auf  die  deutsch-spanischen
Handelsbeziehungen  helleres  Licht:  das  Zollbuch  von  Barcelona ­
  über  die  Ausfuhr  der  Savoyer  und  Deutschen  1425  bis
1440  ')  und  Geschäftspapiere  der  Ravensburger  Gesellschaft
aus  den  Jahren  1476—1523.  Aus  ihnen  und  vereinzelten
anderen  Nachrichten  lassen  sich  einzelne  Gruppen  von  deutschen ­
  Kaufleuten  erkennen,  die  im  spanischen  Safranhandel
von  Bedeutung  sind.  Eine  führende  Stelle  nehmen  die
Bodenseestädte  ein  und  die  diese  repräsentierende  Ravensburger ­
  Gesellschaft.
Seit  1383  finden  wir  vereinzelte  Kaufleute  vom  Bodensee ­
  in  Spanien  5 ),  darunter  1408  und  1410  Lutfried  Muntprat
und  die  im  Steinhaus  von  Konstanz  a ),  die  späteren  Teilhaber ­
  der  Ravensburger  Gesellschaft,  inmitten  einer  Gruppe
von  anderen  Konstanzern.  Ausdrücklich  als  Safranhändler
erscheinen  im  Zollbuch  von  Barcelona  1428  ein  Johan  de
Rafons  (Ravensburg?)  4 )  und  1427  ein  Anrich  de  Constanza
 5 ).  Auch  die  Späteli  kann  man  dieser  Gruppe  zurechnen; ­
  denn  ein  Glied  der  Familie  erscheint  zuerst  als
Faktor  der  Ravensburger  Gesellschaft.  Später  schließen  sie
Safrangeschäfte  auf  eigene  Rechnung  ab  6 ).
Der  Geschäftsumfang  aller  deutschen  und  savoyischen
Firmen,  für  die  das  Zollbuch  von  Barcelona  angelegt  ist,  wird
übertroffen  von  dem  der  Ravensburger  Gesellschaft.  Ihr  Gesamtumsatz ­
  in  der  Zeit  von  1426—1440  beläuft  sich  auf
Waren  im  Wert  von  ca.  130590  1.  7 ),  davon  entfällt  rund
58602  1.  auf  die  Ausfuhr.  An  Safran  führen  sie  in  den  15
Jahren  34  000  Pfd.  Gewicht  aus.  Rechnen  wir  dies  in  das
Ende  des  15.  Jahrhunderts  übliche  Gewicht  von  Zentnern
a  360  Pfd.  um,  so  ergeben  sich  94  4 / 9  Ztr.  Auf  das  Jahr  entfiele ­
  ein  Durchschnitt  von  6V3  Ztr.  Für  die  Organisation  des
spanischen  Safranhandels  der  Ravensburger  Gesellschaft  ist
1)  Herausgegeben  von  Häbler,  Würtb.  Vierteljahrshefte.  N.  F.  X.  XI.
2)  Häbler  X.  114.  3)  Häbler  X.  118.
4)  Häbler  XI.  366.  5)  Häbler  XI.  363.
6)  Häbler  XI.  369,  374,  382.  7)  Häbler  X.  141,  XI.  388.
3
        <pb n="30" />
        34

aus  dem  Zollbuch  wenig  zu  erschließen.  Anscheinend  haben
sie  eine  ständige  Warenniederlassung  in  Barcelona.  Es  ist
jedoch  nicht  zu  erkennen,  ob  diese  zeitweise  durch  spanische
Angestellte  verwaltet  wird,  oder  ob  die  Gesellschaft,  was
wahrscheinlicher  ist,  einen  ständigen  deutschen  Vertreter
dort  hat.  Ein  deutscher  Faktor  wird  fast  in  jedem  Jahr  hingesandt ­
  und  nimmt  die  Geschäfte  in  die  Hand.
Die  zweite  Quelle,  die  hier  in  Betracht  kommt,  sind
Geschäftskorrespondenzen,  Rechnungen  und  Notizbücher
der  Ravensburger  Gesellschaft.  Die  für  den  spanischen
Handel  wichtigeren  Papiere  stammen  aus  den  Jahren  1477
bis  80,  doch  ziehen  sie  sich  bis  1523  hin.  Sie  geben  nicht  nur
Nachricht  über  den  Safranhandel  der  Ravensburger  und
seine  Bedeutung  innerhalb  der  anderen  Safrangeschäfte  des
Mittelalters,  sondern  sie  sind  auch  die  ersten  Zeugnisse  für
die  eigenartige  Organisation,  die  das  Safrangeschäft  entwickelt ­
  hat  und  in  der  die  Ravensburger  Gesellschaft  für  die
großen  Firmen  des  16.  Jahrhunderts  vorbildlich  gewesen  ist.
Um  die  Tendenzen,  durch  welche  diese  Organisation  bedingt
ist,  klarzulegen,  möge  hier  ein  kurzer  Ausblick  folgen,  der
zum  Teil  einige  erst  später  im  Zusammenhang  zu  behandelnde ­
  Tatsachen  streift.  Charakteristisch  für  das  Safrangeschäft ­
  sind  die  Preisschwankungen,  denen  der  Safran
mehr  als  eine  andere  Ware  ausgesetzt  ist,  und  die  ihm  einen
wesentlichen  Charakterzug  in  dem  Mangel  an  Stetigkeit  verleihen. ­
  Schon  aus  den  Eintragungen  des  Zollbuchs  geht  hervor, ­
  wie  der  Geschäftsbetrieb  der  einzelnen  Jahre  schwankt.
So  bewegen  sich  die  ausgeführten  Quantitäten  in  Dezember
und  Januar,  den  beiden  Hauptmonaten,  die  für  den  Export
in  Frage  kommen,  zwischen  256  u.  2549  Pfd.  bezw.  0  oder
122  und  3639  Pfd.  —  Durch  welche  Faktoren  sind  die
Safranpreise  bedingt?  Konstant  wirkt  der  Unterschied  der
Sorten.  Vor  1300  scheint  er  noch  keine  Bedeutung  gehabt
zu  haben.  Noch  wird  keine  Sorte  gesondert  bezeichnet,  selbst
der  Kursbericht  der  Tolomei  von  den  Champagner  Messen
zeichnet  nur  „Safran“preise  auf.  Seit  dem  14.  Jahrhundert
beginnt  man  die  einzelnen  Sorten  verschieden  zu  schätzen,
und  Ende  des  15.  Jahrhunderts  bestehen  Schätzungs-  und
        <pb n="31" />
        Preisunterschiede  in  Italien  zwischen  Zima,  Putsch,  Tuschgan
  und  Lombard  (den  Sorten  seien  hier  ihre  im  Handelsverkehr ­
  gebräuchlichen  Namen  gegeben),  in  Spanien  zwischen
Belegier  und  Ort,  in  Frankreich  zwischen  Brunickel  und
Lyoner.  Einige  Beispiele  mögen  die  Preisunterschiede  kennzeichnen, ­
  1434  erzielt  der  Ort  in  Spanien  30  s,,  der  Belegier ­
  24  s.  Im  Lauf  des  Jahres  1480  werden  für  den  Ort
Preise  bezahlt  von  30—35  s.  Im  April  1480  wird  in  Urgel
Safran  zu  16—17  s.  eingekauft  ').  Ähnlich  groß  sind  die
Preisunterschiede  der  beiden  französischen,  geringer  die  der
italienischen  Sorten  ! ).
Ein  zweiter  preisbildender  Faktor  ist  das  Verhältnis
zwischen  der  jährlichen  Nachfrage  und  dem  Angebot  der
jährlichen  Ernte.  Die  Nachfrage  ist  so  stark,  daß  das  Angebot ­
  einer  Ernte  ihr  im  Lauf  des  Jahres  eben  genügt.  Gegen
Ende  des  Erntejahres  werden  die  Vorräte  knapp,  und  die
Preise  steigen,  bis  die  Hauptmassen  der  neuen  Ernte  auf
dem  Markt  sind.  Dieser  Umstand  bewirkt  also  eine  alljährliche ­
  Preisschwankung.  Regelmäßig  ist  diese  insofern,
als  sie  durchschnittlich  in  jedem  Jahr  ein  tritt.  Ihre  Größe
hängt  von  den  verschiedensten  Umständen  ab,  und  es  bleibt
daher  eine  Frage,  ob  die  folgende  Kurve,  die  aus  den  von  der
Ravensburger  Gesellschaft  im  Geschäftsjahr  von  Oktober
1479  bis  Oktober  1480  in  Nürnberg  erzielten  Preisen  ')  zusammengestellt ­
  ist,  in  anderen  Geschäftsjahren  nicht  vielleicht ­
  eine  noch  markantere  Form  aufweist.  Auch  in  Spanien
beobachtet  Häbler  ein  jährliches  Anschwellen  der  Preise.
Ein  willkürliches  Element  kommt  in  die  Preisbestimmung ­
  hinein  durch  den  Ausfall  der  Ernte.  Mehr  als  bei
gewöhnlichen  Produkten  des  Garten-  und  Feldbaus  ist  bei
dem  Safran  die  Schätzung  der  Ernte  eine  schwankende.  Erst
in  vorgerückter  Jahreszeit  öffnen  sich  die  Blüten,  und  leicht
wird  die  feine  Narbe  durch  Frost  und  Nässe  verdorben.  Mißernten ­
  sind  daher  häufig.  Auch  wird  jede  Ernte  anders  ge-1)
  Bei  diesen  Preisangaben  ist  allerdings  auch  immer  eine  etwaige
Verschiedenheit  der  Münzsorten  in  Betracht  zu  ziehen.
2)  Belege  und  weitere  Preise  s.  S.  66  ff.
3)  Rav.  Pap.  65.
        <pb n="32" />
        36

wertet,  und  alljährlich  werden  nach  ihrer  Güte  die  Preise
festgesetzt.  Bei  der  räumlichen  Trennung  der  Anbaugebiete
ist  oft  hier  eine  verfehlte,  dort  eine  gute  Ernte  möglich.  Auch
diesen  Umstand  gilt  es  auszunutzen.

Aus  den  beiden  letzten  Preisfaktoren  geht  hervor,  daß
schon  die  objektiven  Verhältnisse  der  Produktion  und  des
Marktes  einen  spekulativen  Charakter  tragen.  Dies  spekulative ­
  Element  läßt  sich  noch  steigern  durch  das  Eingreifen  des
Kaufmanns.  Die  beschränkte  Zahl  der  Produktionsgebiete
macht  es  einer  kapitalkräftigen  Firma  möglich,  Einfluß  auf
allen  zu  gewinnen  und  durch  ihre  Einkäufe  die  jährlichen
Preise  zu  bestimmen.
Die  Organisation  des  Safranhandels  entwickelt  sich
aus  dem  Bestreben,  diese  Preisverhältnisse  auszunutzen.
Typisch  ist  die  Organisation  der  Ravensburger  Gesellschaft.
Wir  finden  sie  Ende  des  15.  Jahrhunderts  an  allen  bekannten
Anbauplätzen  durch  Niederlassungen  vertreten.  Wir  sahen,
wie  Claus  Steinhüsler  zur  Zeit  der  Ernte  regelmäßig  die  Faktorei ­
  in  Aquila  verwaltet  und  die  Einkäufe  dort  abschließt
        <pb n="33" />
        37

In  Mailand  begegneten  uns  die  Ravensburger  als  Käufer  der
toskanischen  und  lombardischen  Sorte.  In  Spanien  haben
sie  in  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  eine  Niederlassung ­
  in  Barcelona.  Ende  dieses  Jahrhunderts  finden  wir
Faktoreien  in  Barcelona  und  Saragossa,  die  ständig  von  verschiedenen ­
  Deutschen  verwaltet  werden.  Barcelona  hat
wohl  in  erster  Linie  Wert  als  Ausfuhrhafen,  doch  ist  es  auch
für  den  Einkauf  nicht  unwichtig.  Von  hier  aus  wird  der
Delegier  eingekauft  im  Lande  Urgel.  Märkte,  die  von  Barcelona ­
  aus  besucht  werden,  sind  nicht  genannt,  doch  sind  deren
verschiedene  zu  erschließen  ‘).  Der  Haupteinkaufsplatz  ist
Saragossa.  Auch  hier  wird  die  Niederlassung  von  mehreren
dort  ansässigen  deutschen  Faktoren  geleitet.  Bei  der  Abtrennung ­
  der  Ankenreute  —  Gesellschaft  1477  wird  die
Niederlassung  und  ein  Teil  des  Safranvorrats  dieser  zugesprochen, ­
  doch  Saragossa  ist  von  so  großer  Wichtigkeit,
daß  die  Ravensburger  Gesellschaft  den  Ort  nicht  verläßt,
sondern  sofort  eine  neue  Niederlassung  gründet.  Sie  motivieren ­
  es  damit:  „An  dem  end  schafft  Aragon  mit  dem
saffra,  dan  daruff  ist  uniser  haertz"  2 ).  Man  mietet  ein  Haus
mit  ein  oder  zwei  Butiken  und  ein  oder  zwei  Kammern.
Zwei  Faktoren  werden  mit  der  Verwaltung  beauftragt.  Sie
sollen  nicht  in  Saragossa  festsitzen,  sondern  im  Land  von
Aragon  und  Urgel  umherreiten  und  dort  die  Geschäfte  abschließen. ­
  Sonst  scheinen  keine  deutschen  Angestellten  an
einem  spanischen  Ort  beständig  zu  wohnen.  In  Cervera  besorgt ­
  ein  Spanier  die  Geschäfte  s )  der  Gesellschaft.  Die
Märkte  von  Calatayud'),  Alcaniz  5 )  und  Roden  de  Rugesas")
  werden  von  Saragossa  aus  besucht.  Außer  diesen
Deutschen  sind  auch  zahlreiche  Spanier  im  Dienst  der  Gesellschaft ­
  tätig.  Sie  werden  „Respondenten“  genannt ! ),  und
ihre  Aufgabe  besteht  darin,  den  Safran  auf  dem  platten
Lande  und  auf  den  Landmärkten  einzukaufen.
1)  Rav.  Pap.  8.  2)  Rav.  Pap.  66.  3)  Rav.  Pap.  66.
4)  Rav.  Pap.  9.  5)  Rav.  Pap.  11,  7.  6)  Rav.  Pap.  9.
7)  Rav.  Pap.  66.  Unter  den  Namen  Respondenten  kennt  Lorenz
Meder  auch  die  Einheimischen  in  Apulien,  die  teils  mit  den  Deutschen
die  Safranmärkte  besuchen,  teils  selbständig  für  die  Deutschen  einkaufen.
        <pb n="34" />
        38

Den  italienischen  und  spanischen  Niederlassungen
schließt  sich  die  in  Lyon  als  Zentrum  des  französischen  und
die  in  Wien  als  das  des  österreichischen  Anbaugebiets  an.
So  ist  es  den  Ravensburgern  möglich,  die  verschiedenen
marktgängigen  Sorten  zu  liefern.
Dieses  Netz  von  Niederlassungen  ermöglicht  es  ihnen
zugleich,  die  regelmäßige  jährliche  Preisschwankung  auszubeuten. ­
  Die  Faktoreien  werden  von  Ravensburg  aus  regiert  und
mit  Nachrichten  über  die  Marktverhältnisse  versehen.  Unter
diesen  Nachrichten  nehmen  einen  großen  Raum  ein  diejenigen ­
  über  die  Preise,  die  am  Ende  des  Erntejahres  auf
den  Hauptmärkten,  besonders  in  Nürnberg  und  Frankfurt
erzielt  werden.  Sind  die  Preise  hoch  und  die  Nachfrage  ist
rege,  so  gibt  man  den  Faktoren  Weisung,  möglichst  bald  die
Einkäufe  der  neuen  Ernte  zu  bewerkstelligen  und  auf  den
Markt  zu  bringen.  So  hat  im  Herbst  1479  der  Safran  in
Frankfurt  in  hohem  Preis  gestanden  und  die  letzten  Vorräte
sind  verkauft  worden.  Dies  wird  nach  Spanien  berichtet  und
auf  schleunige  Neueinkäufe  gedrungen;  selbst  wenn  die
Preise  der  ersten  Ernte  noch  hoch  seien,  solle  man  sich  nicht
scheuen,  reichlich  einzukaufen,  um  vor  anderen  Firmen,  vor
der  Ankunft  der  Hauptmasse  der  neuen  Ernte,  frische  Ware
auf  den  Markt  zu  bringen  und  die  Preissteigerung  auszunutzen ­
  ‘).  Langsamer  gehen  die  Geschäfte  vor  sich,  wenn  zu
sorgen  ist,  daß,  wie  es  heißt,  der  neue  Stank  ! )  dem  alten  auf
den  Hals  kommt.
Die  Beherrschung  aller  Anbaugebiete  ermöglicht  es
der  Gesellschaft  zugleich,  die  Konjunktur  von  Ernteausfall
und  Nachfrage  auszunutzen.  Im  Spätsommer  fangen  die
Faktoren  der  verschiedenen  Niederlassungen  an,  über  Land
zu  reiten  und  die  Felder  in  Augenschein  zu  nehmen.  Auch
wird  die  Meinung  der  Bauern  eingeholt.  In  Ravensburg
laufen  die  Berichte  über  die  verschiedenen  Gegenden  zusammen, ­
  und  nach  der  Übersicht,  die  man  dort  gewinnt,  wird
den  Faktoren  Anweisung  über  die  zu  machenden  Einkäufe,
1)  Rav.  Pap.  8.
2)  In  diesen  Korrespondenzen  wird  der  Safran  meist  als  Stank
bezeichnet.
        <pb n="35" />
        39

ihre  Quantität  und  die  anzulegenden  Preise,  erteilt.  Eine
gewisse  Selbständigkeit  wird  ihnen  dabei  gelassen;  denn  bis
zum  Schluß  bleiben  die  Ernteaussichten  unsicher.  So  geht
im  Oktober  1477  von  Ravensburg  aus  die  Anleitung  nach
Spanien,  höchstens  6,  wenigstens  1  Ztr,  Belegier  zu  kaufen,
je  nachdem  er  12  bis  über  15  s.,  8—4  Ztr.  Ort,  je  nachdem
er  24—28  s.  kostet 1 ).  Temperamentvolle  Empörungsausbrüche ­
  begegnen  uns  in  den  Briefen,  wenn  die  Faktoren  die
Pflicht,  über  die  Ernteaussichten  zu  berichten,  vernachlässigen. ­
  So  schreibt  man  Herbst  1479  nach  Saragossa:  „Ist  es
nit  ain  schand  und  laster,  das  wyer  noch  byß  her  kain  buochstaben ­
  hond  von  iuch,  ob  man  zuoversicht  zuo  dem  stank
haut  ald  nit,  daran  unsser  hertz  und  trost  gantz  und  gar
lytt“  ! ).  Als  typischer  Erntebericht  möge  ein  österreichischer
—  in  der  gleichen  Art  gibt  es  auch  spanische  —  folgen  ’):
Es  ist  ein  warmer  Herbst,  es  regnet  zwar  oft,  doch  sind  es
warme  Regen  „und  muoss  der  zyboll  geben  waz  er  hautt.
Aber  dyss  tag  synd  dye  puuren  etlich  ab  dem  markt  fill  hie
gewessen;  dye  sagend  ess  gang  in  ibell,  sy  werden  kain
saffran  hon,  ess  wachss  das  grass  vom  zybollen  und  gangen
wenyg  blomen  uff.  Nun  sagend  etlich,  wen  das  grass  her
fyr  gang,  so  syg  ess  nit  guott  und  sig  kain  blom  me  da,  so
sägen  ain  tayll,  wen  daz  grass  schon  mytt  den  blomen  uff
gang  an  der  erste,  so  kome  darnach  noch  ain  blom  und  daz
ich  iuch  kain  grund  nit  kann  schryben;  aber  Hainrich  ryt
durch  daz  best  land,  da  der  maystayll  saffran  wächst".
Oft  gibt  es  an  der  einen  Stelle  Mißernten,  an  der
anderen  gute  Ernten.  Dann  ist  ein  Orientiertsein  über  die
Aussichten  auf  den  verschiedenen  Plätzen  wichtig,  um  schnell
die  guten  Ernten  aufkaufen  zu  können.  In  besonderer
Wechselbeziehung  stehen  so  der  Brunickel  und  der  Belegier, ­
  deren  Schätzung  eine  verhältnismäßig  ähnliche  ist,  und
deren  Preis  auch  nicht  sehr  differiert.  1479  heißt  es,  der
Brunickel  tue  dem  Bellegier  großen  Schaden,  und  man  solle
viel  Bellgier  einkaufen,  wenn  wenig  Brunickel  zu  erwarten
sei  4 ).  1477  heißt  es,  der  Brunickel  müsse  der  Wegweiser

1)  Rav.  Pap.  66.  2)  Rav.  Pap.  8.  3)  Rav.  Pap.  90.  4)  Rav.  Pap.  8.
        <pb n="36" />
        40

für  den  Bellegier  sein  l ).  Auch  die  letzten  Verkäufe  auf  den
Märkten  stehen  schon  im  Zeichen  der  Ernteaussichten.
Schiebt  in  Frankfurt  den  Safran  von  der  Hand,  schreibt  man,
doch  haltet  ihn  fest,  wenn  ihr  hört,  daß  der  Regen  der  neuen
Ernte  Schaden  getan  hat 2 ).
Zu  den  Obliegenheiten  der  Faktoren  gehört  endlich
auch,  einen  Überblick  zu  gewinnen  über  die  Mengen  des
produzierten  Safrans  überhaupt,  über  die  Firmen,  die  eingekauft, ­
  die  Preise,  die  sie  gezahlt  haben.  Dabei  ertönen
Klagen,  daß  die  eine  oder  die  andere  Firma  zu  teuer  eingekauft ­
  und  die  Preise  verdorben  habe  ’).
Die  Einkäufe  selbst  finden  hauptsächlich  im  Winter  statt.
Wir  sahen,  wie  Steinhüsler  von  Dezember  bis  Februar  in  die
Abruzzen  reist  und  im  Januar  in  Aquila  und  Foligno  kauft.
Im  März  sind  auch  die  Einkäufe  in  Spanien  in  der  Hauptsache ­
  beendigt.  Doch  ist  damit  der  ganze  Safranvorrat  der
Bauern  noch  nicht  aufgekauft.  Durch  den  ganzen  Sommer
bis  August  finden  Einkäufe  statt,  die  sogenannte  Sommeranlegung. ­
  Klarer  als  aus  den  Ravensburger  Papieren  geht
die  zeitliche  Verteilung  der  Einkäufe  aus  dem  Zollbuch  von
Barcelona  hervor.  Die  Durchschnittsausfuhr  der  einzelnen
Monate  beträgt  in  den  16  Jahren  in  runden  Zahlen:
April  228  Pfd.  August  37  Pfd.  Dezember  1176  Pfd.
Mai  195  „  September  94  „  Januar  1195  „
Juni  287  „  Oktober  299  „  Februar  990  „
Juli  127  „  November  707  „  März  326  „
Schon  vor  der  eigentlichen  Ernte  beziehen  sich  indeß
einzelne  Geschäftsabschlüsse  auf  den  neuen  Safran  in  einer
Form,  die  als  Käufe  von  „ersta  balla“,  „ersta  flors",  „primeras ­
  flors"  bezeichnet  wird.  In  Saragossa  sind  solche  1480
schon  vor  Mitte  Oktober  abgeschlossen  worden,  zu  einer
Zeit,  als  der  meiste  Safran  noch  auf  dem  Felde  steht : ).
Diese  Käufe  gelten  als  besonders  spekulativ.  Es  heißt  von
ihnen,  sie  seien  ein  blindes  Ding  5 ).  Man  unterscheidet  ausdrücklich ­
  ersta  flor  von  dem  neuen  Safran").  Auch  fällt
die  Tatsache  auf,  daß  man  ersta  flor  einkauft,  ohne  den

1)  Rav.  Pap.  66.
4)  Rav.  Pap.  11.

2)  Rav.  Pap.  72.
5)  Rav.  Pap.  10.

3)  Rav.  Pap.  7,  9.
6)  Rav.  Pap.  9.
        <pb n="37" />
        41

festen  Preis  zu  kennen  l ).  Dies  führt  auf  die  Vermutung,  es
könne  sich  bei  diesen  Käufen  um  Abmachungen  vor  der
eigentlichen  Ernte  handeln.
Groß  sind  die  Quantitäten,  die  die  Ravensburger  jährlich ­
  aus  Spanien  schaffen.  Aus  der  Geschäftskorrespondenz
von  1480  läßt  sich  für  dieses  Jahr  eine  Ausfuhr  von  rund
17—18  Ct.  aus  Saragossa  und  Barcelona  erschließen 1  2  3 ),  für
1479  eine  von  rund  wenigstens  12—14  Ct.  8 ).  Im  allgemeinen ­
  enthält  ein  Zentner  zwei  Ballen  ä  zwei  Stümpf
ä  45  Pfund,  also  ein  Zentner  360  Pfund.  Es  wären  also  1480
wenigstens  6120  Pfund,  1479  wenigstens  4320  Pfund  von
den  Ravensburgern  aus  Spanien  geführt  werden.  Was  die
Ausfuhr  der  Ravensburger  im  Verhältnis  zu  der  Gesamtausfuhr ­
  Spaniens  bedeutet,  geht  aus  der  Angabe  im  April  1480,
also  nach  der  Hauptanlegung,  hervor,  es  seien  an  90  Zentner
Safran  aus  dem  Land  gegangen 4 ).  Zur  Ostermesse  gehen
1480  aus  Spanien:  drei  Zentner  der  Ravensburger  Gesellschaft, ­
  vier  Zentner  der  Mötteli,  zwei  Zentner  der  neuen
Ankenreute-Gesellschaft;  nichtdeutsche  Firmen  führen  5,
2Vz,  1  und  3  Zentner  aus.  Im  ganzen  beträgt  der  Export
20 1 /2  Zentner  Ort 6 ).
Um  diese  Einkäufe  abschließen  zu  können,  müssen
große  Summen  in  Spanien  flüssig  sein.  Sie  werden  in  das
Land  gebracht  in  Gestalt  von  deutschen  Waren,  hauptsächlich ­
  von  Produkten  der  Textilindustrie.  Der  Geschäftsbetrieb
ist  so  eingerichtet,  daß  die  Schulden  im  Herbst  zu  Beginn
der  Safranernte  fällig  werden").  Valencia  hat  vorwiegend
Bedeutung  für  die  Einfuhr.  Das  über  Valencia  ins  Land  geschaffte ­
  Kapital  wird  nach  Saragossa  überwiesen  und  dient
1)  Rav.  Pap.  11.
2)  Man  hat  im  April  3  Zt.  gekauft  und  hat  die  Absicht,  noch
4  Zt.  hinzuzukaufen  (66).  Im  Herbst  kauft  Saragossa  5  Zt.  erst  flor;  2—3  Zt.
sollen  nach  der  Messe  von  Alcariiz  nachfolgen  (11).  An  Belegier  sind
2-3  Zt.  in  Aussicht  genommen.
3)  5  Zt.  sind  für  die  Ostermessen  hinausgesandt  worden;  3  Zt.
werden  im  Sommer  hinzugekauft  (7).  Für  sofortigen  Herbsteinkauf
rät  Ravensburg  2—3  Zt.  Ort,  2—3  Zt,  Belegier  an  (8).  Damit  sind
vermutlich  die  Einkäufe  noch  nicht  erschöpft.
4)  Rav.  Pap.  9.  5)  Rav.  Pap.  9.  6)  Rav.  Pap.  7.
        <pb n="38" />
        hier  dem  Safranhandel.  Im  Oktober  1477  gibt  Valencia
10  000  fl.  auf  die  Anlegung  in  Saragossa’).  1480  klagt
Saragossa,  daß  ihm  für  neue  Käufe  nur  4000  fl.  zur  Verfügung ­
  stehen 2 ).
Neben  der  Ravensburger  Gesellschaft  sind  auch  die
mit  ihr  verwandten  beiden  Gesellschaften  der  Mötteli  und
Ankenreute  im  spanischen  Safranhandel  tätig.  Die  Mötteli
splittern  sich  um  1455,  die  Ankenreute  1477  von  ihr  ab.
1479  sind  diese  3  Gesellschaften  in  Saragossa  die  einzigen
neben  Firmen  mit  spanisch  oder  französisch  klingendem
Namen  s ).  Im  April  1480  machen  die  Mötteli  größere  Einkäufe ­
  als  die  Ravensburger  Gesellschaft.  Der  Anteil  der
Ankenreute  an  derselben  Anlegung  wurde  schon  erwähnt *  4 ).
So  früh  wie  die  Bodenseestädte  sind  auch  schon  die
Nürnberger  Kaufleute  auf  spanischem  Boden  nachzuweisen.
Ein  Hermann  von  Nürnberg  kommt  neben  dem  Überlinger
im  Geleitsbrief  von  1383  vor.  Die  gleichzeitigen  Aufzeichnungen ­
  Ulmann  Stromers  belehren  auch  über  den  spanischen
Handel.  Wer  in  Barcelona  Safran  kauft,  muß  berücksichtigen, ­
  daß  auf  ein  Zentner  zwei  Pfund  Tara  gerechnet  wird.
Zwei  Arten  von  Zöllen  muß  der  Safranhändler  bezahlen:
Barceloneser  Zoll  2  d.  pro  Pfund,  Pfundzoll  4  d.  pro  Pfund.
Auch  den  Fuhrlohn  von  Barcelona  über  Avignon,  Genf,  Bern,
Konstanz  zeichnet  er  auf.  Man  erkennt  also  einen  ganz  regelmäßig ­
  organisierten  Handel,  Unter  den  Kaufleuten  des
Zollbuchs  von  Barcelona  finden  sich  als  Safranhändler  die
Nürnberger  Türbrech  5 ),  die  in  sieben  Jahren  1782  Pfund  ausführen, ­
  1446  beschwert  sich  der  Nürnberger  Magistrat  beim
Rat  von  Barcelona,  daß  den  Nürnbergern  kein  guter  Safran
geliefert  worden  sei 6 ).  —  Häbler  hält  die  Nürnberger  für
führend  in  dem  aragonischen  Safranhandel,  der  mit  Umgehung ­
  von  Barcelona  über  die  Pyrenäen  führte.  Er  erschließt ­
  das  aus  der  Tatsache,  daß  1415  vier  Nürnberger
Kaufleute  einen  Geleitsbrief  von  der  Aragonischen  Krone
ausgestellt  erhalten,  und  daß  keiner  dieser  vier  im  Zollbuch
von  Barcelona  erwähnt  wird.  Die  vier  Kaufleute  sind  Frie1) ­
  Rav.  Pap.  66.  2)  Rav.  Pap.  11.  3)  Rav.  Pap.  7.
4)  S.  S.  41.  5)  Häbler  X.  155.  6)  Häbler  XI.  28  ff,
        <pb n="39" />
        43

drich  Gunsberg,  Johann  Fridringer,  Sebold  Schürstab,  Heinrich ­
  Lochner  ‘).  Daß  ein  starker  Safranexport  über  die
Pyrenäen  nach  Perpignan  geht,  entnimmt  Häbler  dem  Werke
Capmanys:  Memorias  historicas  sobre  la  marina  comercio  y
artes  de  la  antigua  ciudad  de  Barcelona.  Dieser  gibt  als
Safranausfuhr  von  Aragon  an  für  1427  6746  Pfd.,
„  1428  7723  „
„  1443  1682  „
Die  Blüte  des  spanischen  Handels  der  Nürnberger  fällt
indes  in  das  16.  Jahrhundert.
Eine  dritte  Gruppe  der  im  spanischen  Safranhandel
tätigen  Deutschen  bilden  die  Basler.  Schon  vor  1417  handelt
die  Gesellschaft  des  Hans  Schreiberlein  von  Basel  und  des
Conrad  Taubenei  von  Aschaffenburg  unter  anderem  auch  mit
aragonischem  Safran  1  2  3 ),  doch  ist  nicht  zu  ersehen,  ob  es  sich
nur  um  Zwischengeschäfte  handelt.  1435  finden  wir  in  Barcelona ­
  einen  Conrad  de  Bala,  der  19  Pfund  ausführt'J.
Jakob  von  Basel  führt  1430  227  Pfund  4 ),  1435—36  92  Pfund
aus  5  * ),  Größer  sind  die  Geschäfte  des  Leonhard  Grieb,  von
dem  eine  Ausfuhr  von  2213  Pfund  im  Jahre  1430  "),  von
316  Pfund  im  Jahre  1435—36  7 )  zu  erkennen  ist.  Großen
Unternehmungsgeist  zeigen  die  Baseler  Kilchen.  Sie  handeln
in  Venedig  und  Barcelona.  Unter  anderen  Waren  führt  1426
ein  Werner  Kilchen  von  Barcelona  auch  Safran  aus,  im
ganzen  ca.  758  Pfund  8 ).  1438  verbinden  sich  die  Kilchen
mit  dem  unternehmenden  Heinrich  Haibisen  und  Barceloneser
  Kaufleuten  zu  einer  Gesellschaft  zum  Zweck  des
Safranhandels.  Das  Gesellschaftskapital  beträgt  20  000  fl.
in  Gold.  Die  Baseler  sollen  die  Geschäfte  leiten  in  Frankfurt, ­
  Nürnberg  und  dem  sonstigen  Deutschland,  die  Spanier  in
Frankreich  und  England  s ).  Es  scheint  sich  also  um  eine  spe1) ­
  Ein  Stefan  Lochner  begegnet  uns  1478  mit  Safran  auf  den
Genfer  Messen.  (Fr.  Borei:  Les  foires  de  Gcneve  au  quinzieme
siede.  Geneve  1892,  II.  63.)
2)  R.  Wackernagel:  Geschichte  der  Stadt  Basel  1.1907,  II.  1911.1.  460.
3)  Häbler  XI.  387.  4)  Aus  dem  Zollbuch  von  Saragossa  1430,
das  ich  in  einer  Abschrift  von  Herrn  Geheimrat  Schulte  benutzte.
5)  Häbler  XI.  391.  6)  Zollbuch  von  Saragossa  1430.
7)  Häbler  XI.  387  f.  8)  Häbler  XI.  358  ff.  9)  Wackernagel  II.  513.
        <pb n="40" />
        44

kulative  Ausbeutung  des  spanischen  Anbaugebietes  zu
handeln,  analog  der  Geschäftsführung  der  Ravensburger  Gesellschaft. ­
  Auch  der  von  Wackemagel  als  Safranhändler
bezeichnete  Heinrich  Wiß  macht  von  1448—53  Geschäfte
in  Barcelona  ').
Den  Baselern  schließt  sich  eine  Reihe  anderer
Schweizer  Kaufleute  an.  Aus  St.  Gallen  kauft  Caspar  de
Vat  (Watt,  Vadianus)  in  Spanien  Safran  ein.  Er  führt  aus
Barcelona  im  Laufe  von  elf  Jahren  fast  11  000  Pfund  aus  2 ).
Damit  ist  seine  Ausfuhr  nicht  erschöpft;  denn  für  das  Jahr
1430  ist  neben  den  in  dem  von  Häbler  herausgegebenen  Zollbuch ­
  verzeichneten  Mengen  noch  eine  Ausfuhr  von  rund
4596  Pfund  im  Wert  von  rund  4013  1.  bezeugt 3 ).  Gegen
Ende  des  15.  Jahrhunderts  kommen  die  Zollikofer  aus
St.  Gallen  in  Spanien  empor.  1515  führen  sie  fünf
Zentner  aus“).  Ein  so  großer  Geschäftsumfang  läßt
darauf  schließen,  daß  ihre  Beziehungen  zu  Spanien  schon
des  längeren  angebahnt  sind.  Auch  finden  wir  sie  schon
1500  mit  Safran  auf  der  Frankfurter  Messe 3 ).  Die  St.
Galler  Firmen  sind  wohl  in  Spanien  im  Zusammenhang  mit
der  Ravensburger  Gesellschaft  emporgekommen.  Der
Geleitsbrief  von  1415,  der  über  den  Handel  der  Nürnberger
in  Aragonien  Auskunft  gibt,  schließt  auch  die  folgenden
Kaufleute  aus  Freiburg  in  der  Schweiz  ein:  Johann  Scudin,
Nikolaus  und  Henzelin  Rehiff  und  Peter  Malcher.  Auch  von
diesen  dürfen  wir  wohl  Safranhandel  voraussetzen.  Für  die
Rehiff  wird  er  verbürgt  durch  Zollbucheintragungen  in  Barcelona. ­
  Dort  führt  ein  Johann  Riff,  dessen  Name  wohl
identisch  ist  mit  Rehiff,  1430—32  viermal  Safran,  im  ganzen
930  Pfund  aus  *  6 ),  1430  außerdem  1758  Pfund 7 ).  Hierhin
gehört  wahrscheinlich  auch  Paul  Fischer,  der  uns  wiederholt
in  den  Papieren  der  Ravensburger  Gesellschaft  aus  Spanien
begegnet 8 ),  und  der  im  Winter  1478  zu  hohen  Preisen  einkauft. ­
  Er  ist  wohl  gleich  zu  setzen  mit  dem  Paul  Fischer
aus  Bern,  der  1467  einem  Nürnberger  Safran  verkauft"),
1)  Wackern.  II.  520.  2)  Häbler  X.  338.  3)  Zollbuch  von  Saragossa.
4)  Rav.  Pap.  66.  5)  Rav.  Pap.  73.  6)  Häbler  XI.  371  ff.
7)  Zollb,  von  Saragossa.  8)  Rav.  Pap.  8,  6.  9)  Schulte  II.  Nr.  297.
        <pb n="41" />
        45  —

Die  zweitbedeutendste  Stelle  unter  den  deutschen
Kaufleuten  in  Barcelona  nimmt  Anfang  des  15.  Jahrhunderts
ein  Kölner  ein:  Johann  de  Colonia.  Zwar  ist  er  in  Barcelona
naturalisiert,  doch  besteht  seine  Gesellschaft  zu  einem
Viertel  bis  zur  Hälfte  aus  anderen  Deutschen,  und  die  Natur
der  Waren,  die  er  importiert  —  hauptsächlich  Erzeugnisse
der  niederrheinischen  Metallindustrie  —  weist  auf  dauernden
Zasammenhang  seiner  Geschäfte  mit  seiner  Heimat.  Er
führt  in  den  sechzehn  Jahren  des  Zollbuchs  19  000  Pfund
Safran  aus  Barcelona  aus  '),  1430  überdies  aus  Saragossa
2481  Pfund  im  Wert  von  2223  1.  18  s. 5 ).  Ein  Simon  de
Colonia  führt  1428  Safran  im  Wert  von  145  1.  aus  5 ).
Im  16.  Jahrhundert  haben  auch  die  Welser  Beziehungen
zum  spanischen  Safranhandel.  1503  haben  sie  noch  keine
ständige  Niederlassung  in  Saragossa,  sondern  der  Lyoner
Faktor  Lukas  Rem  reitet  von  Lyon  aus  zum  Einkauf  dorthin ­
  *  3  4  *  *  7 ).  1509  scheint  Saragossa  ein  eigene  Faktorei  zu  haben.
In  diesem  Jahr  stirbt  Conrad  Vöhlin  dort  nach  längerem
Aufenthalt').  An  Umfang  übertreffen  die  Safran-Geschäfte
der  Welser  1515  die  aller  übrigen  Firmen 6 ).  Eine  Reihe
anderer  deutscher  Safranhändler  in  Spanien,  die  nicht  zu
lokalisieren  sind,  mögen  noch  folgen:  Johann  Guarli,  der  in
5  Jahren  4000  Pfund  Ausfuhr  aus  Barcelona  verzeichnet  ’),
Johann  Closi  (in  drei  Jahren  ca.  220  Pfund),  Gabriel  Carman,
  Guillermo  Gosoffre,  Johann  Ronoff,  Enrich  Barber,
Enrich  Cubier  (Cubri),  Nort fc ).
Von  den  französischen  Anbaugebieten  kommt  für  den
deutschen  Handel  des  Mittelalters  nur  das  albigensische  des
Brunickel  und  das  von  Lyon  in  Betracht,  Zentrale  des
deutschen  Handels  ist  hier  Lyon  mit  seinen  vier  Messen  im
Januar,  zu  Ostern,  im  August  und  November.  Von  hier
aus  werden  sowohl  die  Einkäufe  im  Lyonnais  bewerkstelligt

1)  Häbler  X.  338.  2)  Zollbuch  von  Saragossa.
3)  Häbler  XI.  369.
4)  Vgl.  B.  Greift:  Das  Tagebuch  des  Lukas  Rem.  26.  Jahresbericht ­
  des  hist.  Ver.  v.  Schwaben  u.  Neuburg.  1861.  S.  6  ff.
5)  Häbler  XI.  29  f.  6)  Rav.  Pap.  23.
7)  Häbler  X.  338.  8)  Häbler  XI.  356  ff.
        <pb n="42" />
        46  —

als  auch  im  Albigeois.  1479  heißt  es  aus  Lyon  daß  viele
Deutsche  und  Welsche  auf  den  Lyoner  warten.  Die  Einkäufe ­
  des  Lyoner  finden  anscheinend  auf  der  Messe  selbst
statt.  Auf  der  Allerheiligenmesse  1479  kauft  die  Ravensburger ­
  Gesellschaft  955  Pfund  13  Unzen  Lyoner  im  Wert
von  6232  fl.  18  s.  *);  auch  im  Albigeois  hat  anscheinend  keine
deutsche  Firma  eine  selbständige  Faktorei  zum  Einkauf  des
Brunickel.  Die  Ravensburger  Gesellschaft  läßt  die  Ernteaussichten
  von  Lyon  aus  und  durch  die  nach  Spanien  reitenden ­
  Gesellen  erkunden.  Die  Welser  scheinen  um  1500
alljährlich  eine  Safrananlegung  im  Albigeois  von  Lyon  aus
zu  machen.  1500  und  1502  wird  sie  durch  Lukas  Rem  besorgt ­
 2 ).  Für  diese  internationalen  Safranfirmen  hat  der
französische  Safran  insofern  große  Bedeutung,  als  sein  Anbaugebiet ­
  den  deutschen  und  flandrischen  Märkten  am
meisten  benachbart  ist.  „Das  best  daran  so  ist,  das  man  bin
ersten  mit  hussa  mag  sin“,  heißt  es  in  der  Korrespondenz
der  Ravensburger  *).  Er  kann  früher  als  die  anderen  Sorten
auf  die  Märkte  kommen  und  so  Nutzen  aus  der  Preissteigerung ­
  am  Schluß  des  Erntejahres  ziehen.  —  Daß  Lyon  eine
gewisse  zentrale  Stellung  im  Safranhandel  überhaupt  einnimmt, ­
  geht  aus  der  Funktion  der  Ravensburger  Faktoren
hervor,  von  Lyon  aus  die  Käufer,  Preise  und  Nachfrage  im
Safranhandel  an  die  verschiedenen  für  den  Safranhandel  in
Betracht  kommenden  Märkte  rundzuschreiben.  1480  äußert
man  sich  sehr  befriedigt  über  das  von  Lyon  gemeldete
Steigen  der  Preise  und  erhofft  davon  Rückwirkung  auf  die
Preise  in  Deutschland  s ).  1515  wird  gerügt,  daß  man  dieser
Pflicht  nicht  nachgekommen  sei  °).  Bei  den  regen  Handelsbeziehungen ­
  der  Deutschen  nach  Lyon  wird  auch  wohl  die
Bedeutung  Lyons  für  den  Safranzwischenhandel  nicht  gering ­
  gewesen  sein.  1489  kauft  Jörg  Westermann  von  Augsburg ­
  von  der  Ravensburger  Gesellschaft  hier  Ortsafran  im
Wert  von  896  fl.  10  s.  10  d.  7 ).  1513  geht  mit  dem  der  Ravensburger ­
  auch  ein  Transport  für  die  „Mützer“,  wohl  die
1)  Rav.  Pap.  8.  2)  Rav.  Pap.  19.
3)  B.  Greift  a.  a.  0.  S.  6  ff.  4)  Rav.  Pap.  8.
5)  Rav.  Pap.  10.  6)  Rav.  Pap.  23.  7)  Rav.  Pap.  19.
        <pb n="43" />
        41

Müntzer  von  Nürnberg,  und  für  einen  Erasmus  Furtabach
nach  Deutschland  ').  —  Für  die  Firmen,  die  Handelsbeziehungen ­
  nach  Spanien  haben,  ist  Lyon  auch  wichtig  als  Durchgangstation ­
  für  die  Transporte  von  Spanien  nach  Deutschland. ­
  So  richten  die  Ravensburger  Weisungen  über  Wege
und  Transportmittel  dorthin.  Im  allgemeinen  geht  ihr  Bestreben ­
  dahin,  Lyon  für  den  spanischen  Safran  nur  zum
Transit  zu  benutzen,  doch  werden  ihnen  im  August  1479  4
Ballen  Ort,  die  durch  Lyon  weitergeführt  werden  sollen,
festgehalten.  Sie  müssen  ein  paar  Tage  feilgeboten  werden.
Es  heißt,  die  Freiheit  der  Messe  dürfe  nicht  zur  Durchfuhr
ausgenutzt  werden  1  2  3 ).
England  ziehen  die  deutschen  Kaufleute  im  15.  Jahrhundert, ­
  soweit  nachweisbar,  noch  nicht  in  den  Bereich  ihrer
Safraneinkäufe.  Erst  in  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  besuchen ­
  Deutsche  die  englischen  Safranmärkte,  zur  Zeit,  als
der  internationale  Safranhandel  der  Deutschen  seine  größte
Blüte  erreichte.
Ein  kurzer  Ausblick  auf  diese  Periode  sei  gestattet,
weil  hier  die  Form  des  Spekulationsgeschäftes,  die  im  Mittelalter
  ihre  Ausbildung  fand,  als  Typus  auftritt 8 ).  Hauptsächlich ­
  wird  sie  repräsentiert  in  den  Geschäften  der  Imhof
und  Welser.  Die  Imhof  sind  seit  Anfang  des  16.  Jahrhunderts ­
  in  Lyon  4 )  vertreten.  Seit  1537  sind  sie  im  aragonischen
Safrangebiet  nachzuweisen.  Von  1540—49  schließt  alljährlich ­
  Wilwolt  Imhof  in  Saragossa  und  Cervera,  einmal  auch  in
Barcelona,  eine  Safrananlegung  ab.  Gewöhnlich  reitet  er
von  Lyon  aus  nach  Spanien  und  bleibt  dort  von  Herbst  bis
Frühjahr.  1541  bleibt  er  auch  den  Sommer  über  in  Saragossa, ­
  um  bei  Heinrich  Buckli-Mötteli  spanisch  zu  lernen.
Eine  ständige  Faktorei  haben  also  die  Imhof  um  diese  Zeit  in
Saragossa  noch  nicht.  Auch  Ende  des  Jahrhunderts  1576
und  1580  haben  sie  Vertreter  dort;  ob  ständige,  ist  fraglich.
1)  Rav.  Pap.  22.  Furtenbach  gab  es  in  Nürnberg,  Augsburg
und  Ulm.
2)  Rav.  Pap.  7.
3)  Für  das  Folgende  besonders  Häbler  XI.  29  ff.
4)  Ravensburger  Papiere  100.
        <pb n="44" />
        48

1576  berichtet  der  Faktor  Mathäus  Jenisch  aus  Saragossa
über  die  Einkäufe  der  konkurrierenden  deutschen  Firmen
dort.  In  Aquila  und  in  Bari  sind  sie  neben  den  Weisem  die
herrschende  deutsche  Firma.  Lorenz  Meder  rät  den  deutschen ­
  Kaufleuten,  bei  Safraneinkäufen  in  Apulien  obacht  auf
die  Geschäfte  der  Imhof  und  Welser  dort  zu  geben,  die  täglich ­
  Nachricht  von  allen  Safranmärkten  Apuliens  empfingen.
Auch  solle  man,  wenn  man  von  dort  Safran  nach  Venedig
führen  wolle,  möglichst  die  Schiffe  benutzen,  die  Güter  der
Welser  und  Imhof  führen,  da  sie  zuverlässig  seien.  Wir
sahen,  wie  vor  1517  die  Safrangeschäfte  der  Welser  Spanien
und  Italien  umspannten.  Im  16.  Jahrhundert  finden  wir  sowohl ­
  die  Augsburger  als  auch  die  Nürnberger  Welser  am
italienischen  Safranhandel  beteiligt.  Ein  päpstlicher  Geleitsbrief ­
  von  1541  nennt  Bartholome  von  der  Augsburger  Linie
und  Hans,  den  Leiter  der  Augsburger  Filiale  von  Jakob
Welser  aus  Nürnberg  ‘).  In  Spanien  dauern  ihre  Beziehungen, ­
  besonders  die  der  Augsburger  Welser,  fort.  Von  1576
an  verknüpfen  sich  die  spanischen  Safraneinkäufe  der  Welser ­
  und  Imhof  mit  Geldgeschäften  der  Fugger.  —  Spekulative ­
  Safrangeschäfte  treiben  auch  die  Tücher.  In  der
zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  haben  sie  Niederlassungen ­
  in  Genf  und  Lyon.  Dem  Safranhandel  scheinen  sie
sich  erst  später  zuzuwenden,  doch  erscheint  er  in  den  dreißiger ­
  Jahren  des  16.  Jahrhunderts  als  altgeübt.  Tuchersche
Briefe  vom  Jahr  1547  lassen  erkennen,  daß  man  mehrmals
Safrantransporte  den  beschwerlichen  Weg  über  den  Col  de
la  Perche  nehmen  läßt.  Man  hält  die  Unkosten,  die  dabei
durch  Mitnehmung  eines  Geleitsmannes  erforderlich  sind,
für  aufgewogen  durch  den  Gewinn,  der  aus  dem  rascheren
Transport  der  Safranernten  erzielt  wird 1  2 ).  Auch  in  Toulouse ­
  haben  die  Tücher  Anfangs  des  16.  Jahrhunderts  einen
Respondenten,  wohl  für  den  Safraneinkauf  im  Albigeois  3 ),  —
1)  J.  Strieder:  Zur  Genesis  des  modernen  Kapitalismus.  Leipzig
1904.  S.  127.
2)  J.  Müller:  Der  Umfang  und  die  Hauptrouten  des  Nürnberger
Handelsgebietes  im  Mittelalter.  Vierteljahrsschr.  f.  Soz.  und  Wirtschaftsgeschichte ­
  VI.  1908.  3)  Müller  a.  a.  O.
        <pb n="45" />
        49  ~* i

In  den  70er  Jahren  nehmen  die  Nürnberger  Beyer  starken
Anteil  am  Safranhandel.  Die  Augsburger  Herwart  kaufen
Safran  in  Italien  ein.  Zwei  Geleitsbriefe  zur  Durchfuhr  von
Safran  durch  päpstliches  Gebiet  liegen  für  sie  aus  den
Jahren  1500  ‘)  und  1541  ')  vor.  Im  letzteren  sind  außer
ihnen  an  Augsburgern  auch  die  Rehlinger  3 ),  Ulrich  Weiß  *)
und  die  Welser  genannt.  Neben  den  Augsburgern  bezieht
er  sich  auch  auf  Straßburger  Kaufleute.  —  Wir  sahen,  wie
die  Ravensburger  Gesellschaft  im  15.  Jahrhundert  mit  der
Schwierigkeit  kämpfte,  die  zum  Safraneinkauf  nötigen  Gelder ­
  in  ein  Land  zu  schaffen.  Dadurch,  daß  es  in  der  Form
von  Waren  geschah,  wurde  die  Geschäftsführung  nicht  wenig
kompliziert.  In  Spanien  vereinfacht  sich  das  Problem  im
16.  Jahrhundert  durch  die  finanzielle  Beteiligung  der  Fugger
an  den  Safrangeschäften.  Die  Fugger  hatten  große  Gewinne
in  bar  aus  Spanien  auszuführen.  Sie  taten  es  in  der  Form,
daß  sie  den  Safranhändlern  die  zum  Einkauf  nötigen  Kapitalien ­
  vorstreckten  und  ihr  Geld  so  aus  dem  Lande  brachten.
In  solcher  Geschäftsverbindung  stehen  mit  den  Fuggern  die
Welser,  die  Imhof  und  die  Beyer.  —  Für  die  meisten  der
oben  genannten  Firmen  muß  bei  ihren  herbstlichen  Einkäufen ­
  ein  Überblick  über  den  Stand  der  Ernte  auf  den  verschiedenen ­
  Anbaugebieten  und  über  den  Kurs  des  Safrans
auf  den  Hauptmärkten  angenommen  werden.  Wenn  sie  auch
wahrscheinlich  nicht  Faktoreien  an  allen  einzelnen  Orten
hatten,  so  war  es  doch  die  Regel,  daß  sie  sich  über  diese
Fragen  orientierten.  Die  Notwendigkeit  davon  betont  auch
das  Kaufmannslehrbuch  des  Lorenz  Meder  1558,  das  dem
Safranhandel  besondere  Aufmerksamkeit  widmet.  Er  bespricht ­
  die  Safrankäufe  in  Apulien,  Aquila,  Spanien,  Frankreich ­
  und  England.  Wer  in  Apulien  Safran  kaufen  will,  der
muß  Anfang  Oktober  in  Venedig  sein,  „um  allda  eygentlich
zu  erfaren,  wie  sich  die  Recolta  allenthalben  als  zum  Adler,
Albiges,  Catalonica,  Aragon,  Sovergia  (?)  und  Rosofockia 5 )
anlasst,  damit  sich  einer  in  kauffen  darnach  wisse  zurich-1)
  Strieder  S.  127.  2)  Strieder  S.  123.
3)  Strieder  S.  88  f.  4)  Strieder  S.  157.
5)  Mit  Rosofockia  mag  la  Rochefoucauld  gemeint  sein.  (S.  S.  24).
4

l
        <pb n="46" />
        5o

ten".  Es  folgen  Bemerkungen  über  die  Art  des  Einkaufs  auf
dem  Land,  die  Mittelspersonen  und  Unkosten,  Ratschläge
betreffend  das  Gewicht,  den  Transport,  Wege,  Zölle  und
Kosten.  Dieselben  Punkte  werden  auch  in  bezug  auf  die
anderen  Anbaugebiete  besprochen.  Auch  die  Landmärkte
und  ihre  Termine  zählt  er  auf.

IV.  Safranhandel  und  Safrananbau  in  Deutschland.
Wir  sahen,  wie  ein  großer  Teil  der  Safranproduktion
aus  Spanien,  Italien  und  Frankreich  von  Kaufleuten  aus  den
verschiedensten  Städten  des  südlichen  und  westlichen
Deutschlands  nach  Deutschland  geführt  wird.  Der  Zwischenhandel ­
  hier  findet  wesentlich  auf  den  Messen  statt.  Nürnberg, ­
  Frankfurt  und  Nördlingen  kommen  dafür  in  Frage.
Nürnberg  darf  man  wohl  als  die  Zentrale  des  deutschen ­
  Safranhandels  bezeichnen.  Es  geht  dies  hervor  aus
der  Wichtigkeit,  die  die  Ravensburger  Gesellschaft  ihrem
Nürnberger  Handel  beilegt  und  aus  dem  Ansehen,  daß  die
Nürnberger  Safranschau  im  internationalen  Handel  genießt.
Über  die  Geschäfte  der  Ravensburger  in  Nürnberg  gibt  Aufschluß ­
  die  Rechnungsablage  des  dortigen  Faktors  Lutz  Geßler
  über  das  Geschäftsjahr  von  Oktober  1479  bis  Oktober
1480  ‘).  Unter  den  Eingängen  an  Waren  notiert  er  an  Safran:
Lyoner  680  Pf.  7  Unzen,
Tuschgan  620  Pf.  (Gewicht  von  Casalmaggiore),
Ort  2909  Pf.  (Gewicht  von  Aragon).
Aus  den  spanischen  Geschäftspapieren  läßt  sich  errechnen, ­
  daß  zur  selben  Zeit  aus  Spanien  an  Ortsafran  ca.
12—13  Ztr.  ausgeführt  wurden 1  2 ).  Dies  entspricht  4320  bis
4680  Pfd.  aragonesischen  Gewichtes.  Zwei  Drittel  der  ganzen ­
  Einkäufe  an  Ortsafran  gehen  demnach  nach  Nürnberg.
1)  Rav.  Pap.  65.
2)  Im  Sommer  1479  sind  3  Zentner  aus  Spanien  geführt  worden.  (7).
Wenigstens  zwei  bis  drei  Zentner  sind  von  der  neuen  Ernte  gekauft
worden  (8).  Im  Frühjahr  1480  kauft  man  3  Zentner,  und  vor  der
Frankfurter  Herbstmesse  sollen  noch  4  Zentner  hinzukommen  (66).
        <pb n="47" />
        -  51

Diese  Vorräte  werden  fast  ganz  verkauft,  nämlich  2574  Pf.
Ort,  542  Pf.  Lyoner,  506  Pf.  Tuschgan.  Die  Käufer  werden ­
  alle  mit  Namen  angeführt.  Durchschnittlich  werden
Quanta  von  31  Pf.  verkauft.  Größere  Posten  kauft  ein
Nikolaus  Groß  (aus  Augsburg?),  verschiedene  Vertreter
einer  Familie  Imkoffer  (Imhof?)  und  eine  gewisse  Firma
Morinse.  Im  Anfang  des  Geschäftsjahrs  werden  für  Ort
hohe  Preise  erzielt:  3  fl.  13  s.,  einige  Schwankungen  abgerechnet. ­
  Dann  sinken  die  Preise  bis  zu  3  fl.  4  s.  und  steigen
wieder  bis  zu  3  fl.  7  s.  8  s.  Wir  gewinnen  so  ein  Bild  der
jährlichen  Preisschwankung  ').  Wenn  die  Preise  Ende  des
Jahres  keine  sehr  große  Höhe  erreichen,  so  liegt  es  an  der
allgemeinen  Lage  des  Marktes,  über  die  eine  gleichzeitige
spanische  Rekordanz  klagt 2 ).  Lose  Notizen,  die  einen  ähnlichen ­
  Geschäftsbetrieb  erschließen  lassen,  enthalten  die  Geschäftspapiere ­
  aus  anderen  Jahren.  —  Zu  der  Einfuhr  der
Ravensburger  auf  den  Nürnberger  Markt  gesellt  sich  noch  die
der  vielen  Nürnberger,  die  uns  im  ausländischen  Safranhandel ­
  begegneten.  Besonders  für  den  Import  von  Venedig
darf  man  sie  als  sehr  zahlreich  annehmen  bei  der  führenden
Stellung,  die  die  Nürnberger  im  deutsch  -  venezianischen
Safranhandel  einnehmen.
Den  Bedürfnissen  des  Flandels  kommt  Nürnberg  entgegen ­
  durch  Einrichtung  einer  Safranschau.  1420  finden  wir
diese  zum  erstenmal  in  Tätigkeit.  Die  jurati  cognitores  sive
discreditores  specierum  mercimonialium  finden  den  von
Johann  Ayslinger  aus  Lauingen  in  Venedig  gekauften
Safran  mit  zu  viel  Feminelli  vermischt,  und  der  Nürnberger
Rat  schreibt  an  die  venezianische  Regierung,  er  weise  den
schlechten  Safran  zurück  s ).  Eine  Reihe  von  Polizeiverfügungen ­
  aus  dem  15.  Jahrhundert  beschäftigt  sich  mit  dem
Safranverkauf  und  den  strafbaren  betrügerischen  Veränderungen ­
  am  Safran,  zu  deren  Vorbeugung  die  Schau  eingesetzt ­
  ist *  4 ).  Der  Verkauf  darf  nur  nach  stattgefundener
Schau  und  unter  Benutzung  der  städtischen  Wage  statt-1)
  S.  S.  35.  2)  Rav.  Pap.  10.  3)  Simonsfeld  I.  Nr.  326.
4)  Nürnberger  Polizeiverordnungen  aus  dem  13.—15.  Jahrh.,
herausgegeben  von  Baader.  Bibi,  des  Stuttg.  Lit.  Ver.  1861,  S.  136  ff.
        <pb n="48" />
        52

finden.  Verboten  ist,  die  Sorten  zu  vermischen,  sie  unter
falschem  Namen  zu  verkaufen  und  dem  Safran  fremde  Bestandteile ­
  beizumengen.  In  letzterem  Fall  soll  der  Safran
verbrannt  und  der  Fälscher  nach  jeweiligem  Urteil  bestraft
werden.  Im  besonderen  wird  Vorsorge  dafür  getroffen,  daß
Marksafran,  Brunickel  und  Belegier  rein  verkauft  werden.
Das  Bußgeld  soll  auf  das  Rathaus  fallen  und  den  Safranschauern ­
  von  ihm  ein  bestimmter  Lohn  ausgesetzt  werden.
Die  6  Safranschauer  fungieren  in  der  Liste  der  städtischen
Beamten  zwar  erst  an  sehr  später  Stelle  ‘),  doch  gehören  sie
oft  bekannten  Kaufmannsfamilien  an.  1495  ist  Johann  Fugger ­
  von  der  Linie  vom  Reh  Safranschauer 1  2  3 ),  1541  Caspar
Imhof,  1550  Christian  Behaim.  Seit  1500  sind  zahlreiche
Namen  überliefert  “).  Die  Wirksamkeit  der  Schau  erkennen
wir  aus  den  vielen  Verurteilungen,  die  auf  Grund  der  Anzeigen ­
  der  Safranschauer  erfolgten  und  die  Roth  aus  Müllners
  Annalen  zusammenstellt.  Aus  den  Jahren  1441,  1444,
1447,  1448,  1456,  1484  sind  solche  überliefert 4 ).  Die  Schau
veranlaßt  den  Nürnberger  Rat,  auch  im  Ausland  sich  tatkräftig ­
  der  Nürnberger  Safranhändler  anzunehmen.  Die  Zurückweisung ­
  venezianischen  Safrans  wurde  schon  erwähnt,
Eine  Beschwerde  über  schlechten  Safran  geht  auch  1446
nach  Barcelona  5 ).  1470  schickt  sogar  der  Vogt  von  Bormio
Safranproben  zur  Untersuchung  nach  Nürnberg  und  erhält
ein  eingehendes  Gutachten  darüber'),
Aus  den  Papieren  der  Ravensburger  Gesellschaft  geht
auch  die  Bedeutung  Frankfurts  als  Handelsplatz  für  Safran

1)  Ratsverzeichnis  und  Ämterbüchlein  1516.  Chroniken  der
deutschen  Städte.  I.
2)  Schulte  I.  S.  650.
3)  Roth  :  Geschichte  des  Nürnberger  Handels.  1800—1802.
4)  In  Bezug  auf  die  Grausamkeit  der  Strafen  tauchen  Zweifel
auf.  Einesteils  sind  die  Strafen  für  das  gleiche  Vergehen  sehr  verschieden, ­
  und  ferner  entspricht  ihre  grausame  Härte  nicht  dem  Ton
in  den  gleichzeitigen  Polizeiverordnungen.  —  Als  ein  Attest  der  Safranschauer ­
  über  nicht  gerechten  Safran  sieht  Roth  einen  Zettel  an  mit
den  Worten:  „Heinrich  von  Kölln  Zettel  den  wir  Ratt  gaben  am  Freytag
vor  Dionisy  A.  1497.“
5)  S.  S.  42.

6)  Schulte  II.  Nr.  391.
        <pb n="49" />
        53

hervor.  Eine  Obliegenheit  des  Nürnberger  Faktors  ist  die
Leitung  der  Geschäfte  dort.  Nach  Nürnberg  geht  auch  ein
großer  Teil  der  in  Frankfurt  nicht  verkauften  Waren  zurück.
Die  Jahresrechnung  Lutz  Geßlers  schließt  auch  eine  zusammenfassende ­
  Abrechnung  über  die  Frankfurter  Geschäfte ­
  auf  den  beiden  Messen  des  Jahres  ein.  In  die  Fastenmesse ­
  kommen  an  Safran  1960  Pf.  Ort  aus  Aragon,
425  Pf.  Tuschgan,
492  Pf.  Zima  aus  Mailand.
An  Ort  wird  ca.  1160  Pf.  verkauft,  von  dem  Rest  370
Pf.  nach  Nürnberg  transportiert  Aus  ca.  130  Pf.  Zima
löst  man  411  fl.  11  s.,  im  ganzen  betragen  die  Einnahmen
aus  Safran  4046  fl.  27  s.  Die  Frankfurter  Herbstmesse  bringt
zum  Verkauf  1620  Pf.  Ort  von  Aragon,  von  dem  641  Pf.
verkauft  werden.  Vom  Rest  empfängt  Nürnberg  680  Pf.
Die  Preise  für  Ort  sind  in  der  Fastenmesse  ziemlich  niedrig,
meist  3  fl.  %  Ort.  Um  diese  Zeit  ist  vielleicht  schon  der
größere  Teil  der  herbstlichen  Ernten  auf  dem  deutschen
Markt.  In  der  Herbstmesse  sind  die  Preise  höher,  den  Erwartungen ­
  entsprechend,  meist  3%  fl.  Der  nicht  verkaufte
Zima  und  Tuschgan  wird  nach  Flandern  gesandt.  Größere
Mengen  kauft  u.  a.  die  Frankfurter  Firma  Blum  ‘)  und  ein
Gossenbrot  von  Augsburg.  1478  verkauften  die  Ravensburger ­
  von  12  Ballen  Ort  9  auf  der  Herbstmesse;  außerdem
stellten  sie  zum  Verkauf  6  Ballen  Zima  und  drei  Ballen
Mark 2 ).  Firmen,  die  neben  den  Ravensburgern  mit  Safran
auf  den  Frankfurter  Messen  erscheinen,  sind  1478  die  Mötteli
  mit  6,  die  Wißland  mit  2  Ballen  '),  1497  Jörg  Hornung
und  Plans  Bär  von  Basel  *  4 ),  1500  die  Hochreutiner,  Züg,  Zollykoffer,
  Schlüsselfelder,  Sperer  5 ).  1507  beträgt  der  Gesamtverkauf ­
  auf  der  Messe  60  Ballen  trotz  sehr  hoher
Preise  ').  Ziemliche  Quantitäten  von  Safran  führen  die
Ravensburger  auch  auf  die  Nördlinger  Messen.  1481  lösen
sie  hier  aus  Ortsafran  757  fl.  32  s.  ’).
1)  Siehe  auch  Rav.  Pap.  81.  2)  Rav.  Pap.  61.
3)  Rav.  Pap.  61.  4)  Rav.  Pap.  71.
5)  Rav.  Pap.  72.  6)  Rav.  Pap.  77.
7)  Rav.  Pap.  70.
        <pb n="50" />
        54  —

Es  würde  zu  weit  führen,  die  deutschen  Zwischenhändler ­
  im  Safrangeschäft  zu  berücksichtigen,  die  den  Übergang ­
  vom  Meßverkehr  zum  Kleinhandel  bilden.  Vielleicht
sind  von  den  deutschen  Safranhändlern  noch  die  Meuting
aus  Augsburg  hervorzuheben,  die  anfangs  des  16.  Jahrhunderts ­
  unter  anderem  auch  mit  Tuschgan  handeln  ‘),  und
die  uns  auch  mit  Safran  in  Wien  begegnen  ! ).
Im  Allgemeinen  findet  bei  den  Bestimmungen  über
städtischen  Wagezwang,  Kaufhäuser,  Gästeverkehr  und
Unterkauf  sowie  in  Zolltarifen  seit  dem  Beginn  des  14,  Jahrhunderts ­
  auch  der  Safran  Berücksichtigung.  Eine  Schau  wie
in  Nürnberg,  die  auf  stärkeren  Safranumsatz  in  einer  Stadt
schließen  ließe,  findet  sich  nur  noch  in  Basel,  doch  ist  sie
hier  durch  den  Anbau  hervorgerufen  und  auf  den  heimischen
Safran  zugeschnitten.  Auch  Straßburg  erläßt  eine  besondere ­
  Polizeiverordnung  gegen  die  Vermischung  von  Sorten
und  gegen  die  verschiedenen  Fälschungen  s ).
Ein  Teil  des  in  Frankfurt  nicht  verkauften  Safrans
wird  von  den  Ravensburgern  den  Rhein  hinab  über  Köln
nach  Flandern  geführt.  Auch  von  Spanien  aus  bringen  sie
Safran  zur  See  dort  hin.  Sie  stellen  ihn  zum  Verkauf  auf
den  Märkten  von  Brügge,  Antwerpen  und  Bergen  op  Zoom 4 ).
Meß-  und  Preisberichte  von  dort  berücksichtigen  stets  die
verschiedenen  Sorten,  Weit  weniger  als  in  Nürnberg  und
Frankfurt  wird  hier  Ort  verlangt.  Brunickel  ist  die  beliebteste ­
  Sorte,  daneben  Belegier  und  Tuschgan 5 ).  Nach  England ­
  scheinen  die  Deutschen  den  Safran  nicht  zu  bringen,
doch  verkaufen  sie  zu  Zeiten  auf  dem  Festlande  anscheinend
viel  an  die  Engländer.  Aus  der  Tatsache,  daß  nach  dem
Ende  des  französisch-englischen  Krieges  die  Franzosen  von
Rouen  aus  ihren  Safran  nach  England  hinüberführen,  erwächst ­
  den  Ravensburgern  großer  Schaden  °).  Gestreift  wird
1)  Strieder  105  f.
2)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  2.  Abt.  II.  2969.
3)  J.  Brücker:  Straßburger  Zunft  und  Polizeiordnungen  des
14.  und  15.  Jahrh.  Straßburg  1889,  S.  308  ff.
4)  Rav.  Pap.  84.  5)  Rav.  Pap.  85,  83.
6)  Rav.  Pap.  83.
        <pb n="51" />
        55

im  Zusammenhang  mit  Flandern  Köln  als  Durchgangsstation,
Die  Ravensburger  Gesellschaft  hat  hier  einen  ständigen  Faktor, ­
  der  die  Rheintransporte  besorgt;  zu  unserer  Zeit  ist  es
Peter  Lützelkirchen.  1477  bleibt  in  Köln  ein  Transport  Ort
liegen,  bis  in  Flandern  bessere  Nachfrage  eingetreten  ist').
An  einigen  Stellen  Deutschlands,  wo  Klima  und  Boden
es  gestatten,  regt  der  Handel  mit  dem  kostbaren  Bodenprodukt ­
  einen  Anbau  an.  Am  frühesten  läßt  er  sich  feststellen
in  Basel.  Schon  1372  wird  hier  die  Krämerzunft  „Gesellschaft ­
  zum  Safran“  genannt  1  2  3 ).  1423  nennt  sie  ihr  neu  erbautes ­
  Zunfthaus  „Zum  Safran“.  Zwar  bestehen  neben  ihr
eine  Zunft  zum  Ingwer  und  zum  Pfeffer;  eine  Benennung
nach  Gewürzen  ist  also  allgemein  gebräuchlich.  Doch  gewinnt ­
  hier  die  Namensänderung  tiefere  Bedeutung  im  Zusammenhang ­
  mit  einer  Ratsverordnung  von  1420,  die  mit
folgenden  Worten  beginnt:  „Als  ir  wol  sehet,  wie  jetzt  hier
bei  uns  ein  louff  uferstanden  ist,  der,  ob  Gott  will,  nutz  wird
sin,  daß  viel  Rite,  edel  und  unedel,  zu  unser  stat  angefangen
haben,  saffrant  zu  setzen,  der  auch  gut  an  sich  selbst
ist  .  .  .“  s ).  Es  handelt  sich  also  um  einen  plötzlich  sehr
lebhaft  einsetzenden  Anbau.  Man  geht  wohl  nicht  fehl,  wenn
man  ihn  in  Beziehung  setzt  zu  den  auswärtigen,  besonders
spanischen  Safrangeschäften  der  Baseler,  die  von  1420  an
reichlich  belegt  sind,  aber  sicher  schon  früher  bestanden 4  5 ).
Daß  da  der  Gedanke  aufgetaucht  ist,  das  unter  großen
Kosten  aus  der  Ferne  herbeigeführte  Produkt  in  der  Heimat
selbst  anzubauen,  ist  leicht  erklärlich.  1420  greift  der  Rat
mit  einer  Verordnung  in  die  Safranproduktion  ein 6 ).  Die
Narben  sollen  sauber  aus  den  Blumen  genommen,  und  nur
gut  gedörrter  Safran  soll  in  den  Handel  gebracht  werden.
Verboten  wird,  ihn  mit  Öl  oder  sonstwie  anzufeuchten,  damit
1)  Rav.  Pap.  81.  2)  R.  Wackernagel:  Mitteilungen  aus  der
Geschichte  der  Safranzunft  zu  Basel.  Basel  1902.
3)  Tr.  Geering:  Handel  und  Industrie  der  Stadt  Basel.  Basel
1886.  S.  238.
4)  1374  werden  einem  von  Lyon  kommenden  Baseler  Kaufmann
5—8  Zentner  Safran  geraubt.  Geering  145.
5)  Geering  238  f.  Ochs:  Geschichte  der  Stadt  und  Landschaft
Basel  1819.  III.  188  f.
        <pb n="52" />
        56

er  schwerer  werde,  oder  ihn  in  angefetteten  Säcken  zu  verkaufen. ­
  Jedes  Quantum  von  Vs  Pfund  an  soll  im  Kaufhaus
gewogen  werden,  in  Gegenwart  derer,  „die  darüber  gesetzt
sind  und  Gewalt  haben,  den  Safran  zu  wägen  und  zu  besehen“. ­
  Verfehlungen  sollen  mit  einer  Strafe  von  1  Mark
Silber  geahndet  werden.  Schon  1419  war  ein  Safranfälscher
bestraft  worden.  1438  ist  die  Bestrafung  von  zwei  Kölner
Kaufleuten,  Hans  Golter  und  Jan  van  der  Lippe,  überliefert ­
  ‘).  Hier  wird  es  sich  jedoch  wohl  um  fremden  Safran
handeln.  In  der  Verordnung  von  1420  betont  der  Rat  ausdrücklich, ­
  daß  es  sich  um  einen  Schutz  der  Kaufleute  den
Produzenten  gegenüber  handelt.  Er  legt  anscheinend  dem
Anbau  großen  Wert  bei  und  hofft,  daß  er  es  zu  einer  Handelsbedeutung ­
  bringen  werde.  Er  hat  auch  das  Bestreben,
den  Anbau  auf  die  Baseler  Gegend  zu  beschränken.  1421
wird  die  Bitte  Ulms,  das  durch  Hans  Ehinger  Safransamen
gekauft  hatte,  um  Ausfuhr  abgeschlagen 1  2  3 ).  Es  kommt  sogar ­
  zu  einem  ausdrücklichen  Verbot  der  Samenausfuhr 8 ).
Die  Handhabung  der  Safran-Wageordnung  ist  von  1420  bis
1439  bezeugt.  Die  Einnahmen  von  der  Wage  steigen  von
1420—1422  von  1  1.  3  s,  10  d.  auf  6  1.  18  s.  10  d.,  dann  halten
sie  sich  in  der  durchschnittlichen  Höhe  von  etwa  1  1 4 ).  Seit
1425  untersteht  die  Wage  einem  besonderen  Beamten,  dem
Safranmesser,  der  1  1.  jährlichen  Lohn  erhält.  Auch  diese
Ausgabe  verschwindet  seit  1439  aus  den  Stadtbüchern  5 ).  —
Seit  1436  wird  ein  besonderer  Safranzoll  erhoben  6 ).  Damit
wird  das  Prinzip  des  Schutzes  der  Kaufleute  verlassen,  und
Geering  und  Wackernagel  vermuten  in  ihm  einen  Umstand,
der  zum  Ausgang  der  Kultur  beigetragen  hat.  Die  größte
Höhe  erreicht  er  1437—38  mit  27  1.  17  s.  7  d.  In  der  Folge
wird  er  meist  mit  dem  Ziegelzoll  zusammengerechnet,  und
1)  R.  Wackernagel:  Geschichte  der  Stadt  Basel.  I.  Anm.  S.  75.
2)  Wackernagel  a.  a.  O.  Es  muß  sich  hier  wohl  um  Setzlinge
handeln,  da  der  Safrankrokus  sich  nicht  durch  Samen  vermehrt.
3)  Geering  S.  239.
4)  B.  Harms  :  Der  Stadthaushalt  Basels  im  ausgehenden  Mittelalter.
  Tübingen  1909  f.  I.  Abt.  1.  Bd.:  Die  Einnahmen.
5)  Harms  I.  Abt.  2.  Bd.  :  Die  Ausgaben  1360—1490.
6)  Geering  239.  Wackernagel  I.  452.
        <pb n="53" />
        57

seine  Höhe  bewegt  sich  in  einer  wechselnden  Kurve,  die  das
Risiko  der  zwischen  Ernte  und  Mißernte  schwankenden  Kultur ­
  anzeigt,  zwischen  33  s.  und  33  1  als  äußersten  Extremen.
Von  1436—1441  beträgt  die  durchschnittliche  Jahreseinnahme ­
  11  1.  5  d.,  von  1442—1471  8  1.  6  s.  10  d.  In  der  letzteren ­
  Summe  ist  der  allerdings  nur  geringfügige  Ziegelzoll
einbegriffen.  Von  1472—1484  bringt  er  keine  Einnahme;
dann  erscheint  so  unvermittelt  der  große  Betrag  von  14  1.,
14  s.,  daß  man  an  fremden  Safran  denken  möchte.  Von  da
an  bringt  der  Zoll  nichts  mehr  ein 1 ).  ■—  Wohl  dauert  die
Kultur  noch  durch  das  Ende  des  15.  und  den  Anfang  des
16.  Jahrhunderts  fort.  Noch  bis  1534  findet  sich  die  Position ­
  „vom  Safranzol“  in  den  Einnahmebüchern,  wenn  auch
mit  dem  Zusatz  „nihil“.  Kaufhausordnungen  von  1489 2  * )
stellen  dem  ausländischen  den  Landsafran  gegenüber,  und
1534  noch  wird  der  Anbau  in  den  Stadtbüchern  erwähnt s ).
—  Die  Quantität  der  Ausfuhr  läßt  sich  nur  annähernd  berechnen, ­
  Nimmt  man  eine  Durchschnittseinnahme  aus  dem
Zoll  von  8  1.  und  V20  Wertzoll  an,  so  käme  man  auf  eine  Ausfuhr ­
  im  Wert  von  160  1.
Gleichzeitig  finden  Anbauversuche  in  Kolmar  statt.
An  Kolmar  und  Freiburg/Br.  wendet  sich  der  Rat  von  Basel
um  Auskunft  über  den  dortigen  Gebrauch,  als  1421  in  Basel
Differenzen  wegen  der  Verzehntung  des  Safrans  entstehen  4 ),
Kolmar  kann  keine  Auskunft  geben,  weil  der  in  den  Gärten
nur  zum  Hausgebrauch  angebaute  Safran  dem  Zehnten  nicht
unterliegt.  Aus  der  Antwort  Freiburgs  geht  hervor,  daß  man
hier  nicht  an  Safran,  sondern  an  Saflor,  die  Färbedistel,
denkt.  Ein  Anbau  in  Freiburg  bleibt  also  zweifelhaft.  —
Auch  in  Ulm  soll  man  die  Kultur  versucht  haben  5 ).  Daß  das
Bestreben  dazu  vorhanden  war,  geht  aus  der  Bitte  an  Basel
um  Samenausfuhr  hervor.  —  In  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts ­
  beschreibt  Hieronymus  Bock  die  Safranpflanzen  nach
der  Anschauung,  die  er  bei  Worms  und  Landau  von  ihr  ge1) ­
  Harms  I.  A.  1.  Bd.:  Die  Einnahmen.
2)  Geering  239.  3)  Wackernagel  I.  Anm.  S.  75.
4)  Geering  S.  239.
5)  E.  Nübling  :  Ulms  Kaufhaus  im  Mittelalter.  Rostock  1895.  S.  250.
        <pb n="54" />
        58

wonnen  hat  —  In  der  Schweiz  bürgert  sich  der  Anbau  in
Wallis  ein,  Mitte  des  16,  Jahrhunderts  findet  er  im  oberen
Rhönetal  bei  Sitten  statt 1  2 ),  Ein  lokaler  Handel  hat  sich
daran  angeschlossen 3 ),  und  bis  heute  lebt  die  Kultur  dort
vereinzelt  fort 4 ).  Auffallend  ist,  daß  auch  die  Züricher  und
Luzerner  Krämerzünfte  den  Namen  Safranzunft  führen 5 ).
Von  weit  größerem  Erfolg  als  die  oberdeutschen  und
schweizerischen  Versuche  ist  der  Safrananbau  in  Österreich.
Seit  dem  Anfang  des  15,  Jahrhunderts  ist  er  belegt.  Bis  zum
Ende  des  Jahrhunderts  erreicht  er  solche  Bedeutung,  daß  er
in  der  Ravensburger  Gesellschaft  eine  ausländische  Exportfirma ­
  anzulocken  vermag.  Er  findet  in  Niederösterreich
statt,  das  schon  im  Mittelalter  gekennzeichnet  war  durch
seine  Garten-,  Obst-  und  Weinkultur,  Sein  Kulturgebiet  im
15,  Jahrhundert  fällt  wesentlich  zusammen  mit  dem  Hauptanbaugebiet ­
  des  Weinstocks  in  dem  fruchtbaren  Hügelland
des  Viertels  unter  dem  Mannhartsberg  und  am  Osthang  des
Wiener  Waldes.  In  späterer  Zeit  treten  noch  die  fruchtbaren ­
  Donauebenen  hinzu.  Quellen  für  das  15.  Jahrhundert
sind  hauptsächlich  Verkaufsurkunden,  Nachrichten  über
Safranzehnten,  Maut-  und  Marktordnungen.  Die  meisten
Zeugnisse  führen  nach  Wien  und  in  dessen  unmittelbare  Umgebung, ­
  da  für  Wien  überhaupt  das  reichhaltigste  Quellenmaterial ­
  zur  Verfügung  steht.  Dorthin  weist  auch  das  älteste
Zeugnis:  1407  wird  ein  „saffriangarten“  in  Wien  erwähnt 6 ).
1423  wird  ein  Safrangarten  vor  dem  Widmertor  verkauft 7 ),
1425  ein  Safrangarten  beschlagnahmt  8 ).  1433  gehört  zu
einem  Hause  unter  anderen  Krautgärten  auch  ein  Safrangarten ­
 9 ).  1445  wird  ein  Safrangarten  für  eine  fromme  Stif-1)
  S.  S.  1.
2)  Gesner:  De  hortis  Germaniae.  Straßburg  1561.  S.  255.
3)  Gesner  a.  a.  0.
4)  H.  Christ:  Das  Pflanzenleben  der  Schweiz.  Zürich  1882.  S.  114.
5)  Geering  S.  240.
6)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  1.  Abt.  IV.  4304.
7)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  2.  Abt.  II.  2218.
8)  Hormayr:  Wiens  Geschichte  und  seine  Denkwürdigkeiten,
9.  Bd.  1823-25.  II.  Nr.  90.
9)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  1.  Abt.  V.  4870.
        <pb n="55" />
        59

tung  hingegeben  ‘).  1465  ist  ein  Safrangarten  vor  Schottentor ­
  1  2  3 ),  1470  wieder  vor  Widmertor  bezeugt  ’),
Auf  einen  Anbau  am  Osthang  des  Wiener  Waldes  im
15.  Jahrhundert  weist  das  Grundbuch  über  den  Mödlinger
Besitz  des  St.  Jakobsklosters  zu  Wien.  1493  spricht  ein
Grundgerichtsbrief  von  den  zinsbaren  Wein-,  Kraut-  und
Safrangärten  um  Mödling,  Brunn,  Biedermannsdorf,  Perchtolsdorf,
  Enzesdorf,  Neundorf 4 ).  Im  einzelnen  findet  sich
angeführt  ein  halber  Safrangarten  in  Mödling  1467  und
ebenda  ein  Safrangarten  1451  5 ).  In  Grillenberg  ist  der  Anbau ­
  schon  vor  1439  bezeugt.  Eine  Verkaufsurkunde  spricht
von  2  Joch  Äcker,  die  vorher  Safrangärten  gewesen  waren  6 ).
In  das  Viertel  oberhalb  des  Mannhartsberges  weist
nur  ein  Zeugnis  des  15.  Jahrhunderts  7 ).  1457  enthält  das
Stiftungsbuch  des  Klosters  St.  Bernhard,  an  einem  Zufluß
des  Kamp  gelegen,  Safrangärten.  Es  ist  jedoch  fraglich,  ob
darin  ein  Beweis  dafür  gegeben  ist,  daß  der  Anbau  soweit
in  den  Tälern  des  Berglandes  ober  Mannhartsberg  emporstieg, ­
  da  die  Güter  die  Klöster  bekanntlich  in  ausgedehntem
Streubesitz  umlagerten.
Für  das  fruchtbare  Hügelland  unterhalb  des  Mannhartsberges ­
  ist  aus  dem  15.  Jahrhundert  der  Anbau  nur  in
Hüttendorf  bei  Nikolsburg  zu  belegen  8 ).  In  der  ersten  Hälfte
des  16.  Jahrhunderts  wird  Safran  angebaut  in  der  Gegend
von  Ravelsbach,  dessen  Pfarrer  der  Safranzehnt  von  Parisdorf ­
  zukommt,  und  in  Wullersdorf,  wo  der  Safranzehnt
ebenfalls  zum  Einkommen  des  Pfarrers  gehört 9 ).  Bedeutend
muß  der  Anbau  um  Mistelbach  gewesen  sein.  Dorthin  will
1)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  1.  Abt.  V.  4909.
2)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  2.  Abt.  III.  4100.
3)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  2.  Abt.  III.  4340.
4)  Blätter  des  Vereins  für  Landeskunde  von  Niederösterreich.
1898,  23.
5)  Blätter  des  Vereins  für  Landeskunde  von  Niederösterreich.  1901.
6)  Fr.  Keiblinger:  Geschichte  des  Benediktinerstifts  Melk.  1851—63
I.  685.
7)  Keiblinger  II.  126.
8)  Notizenblatt  zum  Archiv  für  Kunde  österreichischer  Geschichtsquellen ­
  II.  S.  128.  9)  Keiblinger  II.  753.
        <pb n="56" />
        60

der  Wiener  Faktor  der  Ravensburger  Gesellschaft  einen
Boten  senden,  um  sich  bei  den  Marktbesuchern  nach  den
Ernteaussichten  zu  erkundigen.
Auch  das  Donautal  oberhalb  Wiens  gehört  zu  den  von
den  Ravensburgern  vor  der  Safranernte  beobachteten  Gebieten. ­
  Ein  von  Wien  aus  nach  Passau  gesandter  Bote  soll
von  dort  aus  seine  auf  der  Reise  gemachten  Beobachtungen
nach  Nürnberg  berichten.
Diese  lokalen  Nachrichten  werden  ergänzt  durch  einige
Zeugnisse,  die  den  Safrananbau  als  eine  für  Niederösterreich ­
  bekannte,  ja  das  Land  sogar  kennzeichnende  Tatsache
hinstellen.  Die  Anordnungen  über  eine  allgemeine  Besitzfatierung
  aus  Anlaß  einer  Türkensteuer  1529  und  1539
zählen  ihn  zu  den  steuerpflichtigen  Landesprodukten.  1542
setzt  ein  Steuertarif  für  ein  Pfund  Safran  eine  Steuer  von
12  Pfg.  fest  ').  Der  Lobspruch  des  Schulmeisters  Wolfgang
Schmeltzl  auf  die  Stadt  Wien  1548  enthält  folgende  Zeilen:
„Der  pest  Saffran  in  aller  weit
wechst  neben  traid  wein  auff  dem  veldt
In  gemain  jaren  ein  Überfluß“  = ).
Getreide,  Holz  und  Safran  dünken  ihm  die  wichtigsten
und  kostbarsten  Produkte  aus  Wiens  Umgebung.
Auch  Handels-  und  Verkehrsbestimmungen  tragen
dem  Produkt  Rechnung.  Auf  einen  Nahverkehr  von  Landeserzeugnissen ­
  weisen  die  Bestimmungen  der  Wassermaut  von
Stadlau  im  Marchfeld  um  1450:  „Item  von  Safran,  was  ains
tregt  zwei  Pfening,  ist  sein  V-i  Pfund  schwer,  so  1  Pfg.,  ist
sein  minder,  so  nichts“  5 ).  Die  Frohnwageordnung  von  St.
Pölten  1456  hebt  allein  Safran  aus  der  Reihe  der  Pfenbert
heraus' 1 ),  und  auch  bei  den  Zollsatzungen  von  Korneuburg
fällt  der  Zoll  auf  Safran  zwischen  Vermerken  über  den  Zoll
auf  Landeserzeugnisse  auf  l&amp;gt; ).  1  2  3  4  5

1)  M.  I.  Ö.  G.  6.  Erg.  bd.  1901.
2)  Hormayr  VII.  Urk.  223.
3)  Hormayr  V.  Urk.  167.  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.
Rechte  und  Freiheiten  Nr.  145.
4)  Blätter  des  Vereins  für  Landeskunde  1876  S.  308.
5)  Blätter  des  Vereins  für  Landeskunde  1881  S.  410
        <pb n="57" />
        --  6i

-w.-i

Was  den  österreichischen  Safrananbau  wesentlich  von
den  anderen  Anbauversuchen  auf  deutschem  Boden  unterscheidet, ­
  ist  die  Tatsache,  daß  er  Bedeutung  im  internationalen ­
  Safranhandel  gewinnt.  1477  wird  er  in  den  Ernteberichten ­
  der  Ravensburger  an  die  ausländischen  Faktoreien
berücksichtigt.  Man  erwartet  eine  mäßig  befriedigende
Ernte,  es  sei  denn,  die  Kälte  habe  ihm  geschadet  ’).  1479
schickt  die  Nürnberger  Faktorei  einen  Boten  nach  Oesterreich, ­
  um  dort  Erkundigungen  über  Ernteaussichten  einzuziehen. ­
  Das  Resultat  soll  dann  sofort  nach  Spanien  berichtet ­
  werden *  5 }.  1511  hat  Wien  eine  eigene  Niederlassung,
die  auf  den  Landmärkten  von  den  Bauern  Safran  aufkauft.
Von  ihrem  Verwalter  Gabriel  Geßler  ist  ein  eingehender
Erntebericht  erhalten  3 ).  Er  hat  es  für  aussichtslos  gehalten,
auf  dem  Markt  von  Mistelbach  den  Stand  der  Ernte  zu  erfragen, ­
  da  die  Bauern  ihn  wegen  der  Unruhe  dort  nicht  besuchten, ­
  doch  möchte  er  auf  eine  gute  Ernte  schließen.  Es
folgt  dann  der  schon  vorher  als  typisch  wiedergegebene  Bericht ­
  über  die  Aussichten.  Der  Bote,  der  den  Brief  nach
Nürnberg  befördert,  soll  beim  Hinaufreiten  —  der  Weg  führt
ihn  durch  das  Land,  wo  der  meiste  Safran  wächst  —  beobachten ­
  und  Bescheid  sagen.  Auffallend  ist,  daß  trotz  der
nicht  geringen  Produktion,  die  sich  aus  diesen  Berichten  erschließen ­
  läßt,  Österreich  ein  wichtiges  Absatzgebiet  für
fremden  Safran  bleibt.  Ist  in  Österreich  keine  Nachfrage,
so  werden  in  Nürnberg  schlechte  Preise  erzielt,  so  1480  4 ).
Auch  1511  wird  Safran  in  Österreich  verkauft.  Der  Rest,
der  am  Schluß  des  Geschäftsjahres  noch  vorhanden  ist,  soll
aufbewahrt  werden  zur  Spekulation  bei  etwaiger  Mißernte.
Auch  nach  Ungarn  auf  die  Märkte  von  Ofen  und  „Watta“  6 ]
wird  Ort  geführt.  Man  könnte  diese  Einfuhr  auf  die  so
sehr  ausgebildete  Qualitätsunterscheidung  zurückführen,
doch  dafür  erscheint  die  Einwirkung  Österreichs  als  Absatzgebiet ­
  auf  die  Preisverhältnisse  in  Nürnberg  zu  groß.  Es
bleibt  die  Annahme  übrig,  daß  der  österreichische  Anbau
1)  Rav.  Pap.  66.  2)  Rav.  Pap.  8.
3)  Rav.  Pap.  90.  4)  Rav.  Pap.  10.
5)  Lorenz  Meder  kennt  in  Ungarn  den  Markt  Waldtha.
        <pb n="58" />
        62

den  Bedürfnissen  Österreichs  um  diese  Zeit  nicht  ganz  genügte, ­
  Wenn  trotzdem  Safran  von  Österreich  nach  Westen
exportiert  wurde,  so  lag  es  wohl  daran,  daß  diese  österreichische ­
  Sorte  die  Sortenauswahl  auf  dem  deutschen  Markt
in  willkommener  Weise  bereichern  konnte.
In  der  Neuzeit  erst  gewinnt  der  österreichische  Safran
größere  Bedeutung  im  internationalen  Handelsleben,  Ende
des  18,  Jahrhunderts  ist  der  Anbau  so  bedeutend,  daß  er  die
österreichische  Regierung  veranlaßt,  eine  ausführliche  Anweisung ­
  zur  Kultur  herausgeben  zu  lassen,  die  eine  spezifisch ­
  österreichische  Terminologie  für  die  einzelnen  Teile
der  Pflanze  enthält  ‘).
Wie  in  England  ! )  und  Frankreich  s )  sucht  man  nach
einer  romanhaften  oder  wenigstens  bestimmten  Begebenheit,
die  den  Anbau  des  fremdartigen  Gewächses  erklären  soll.
So  bringt  die  Sage  den  österreichischen  Safranbau  in  Zusammenhang ­
  mit  den  Kreuzzügen  und  will  ihn  von  einem
heimkehrenden  Pilger  aus  dem  Morgenland  mitgebracht
wissen 4 ).  Jedoch  wird  die  österreichische  Kultur  wohl
ebenso  wie  die  oberdeutsche  ein  Ergebnis  der  Handelsbeziehungen ­
  der  Österreicher  sein.  Diese  sind  besonders  nach
Venedig  außerordentlich  rege,  wie  die  Besucherliste  des
Fondaco  bei  Simonsfeld  zeigt.  Sie  enthält  nicht  nur  Wiener,
sondern  auch  Kaufleute  aus  Linz,  Enns,  Steyer,  Wels,  Krems,
Stein,  Ibbs,  Neustadt.  Besonders  im  Verlauf  des  14.  Jahrhunderts ­
  steigert  sich  der  auswärtige  Handel  Österreichs  zur
Blüte.  Als  eine  natürliche  Folge  dieser  Blüte  kann  der  Versuch ­
  erscheinen,  die  Produkte,  die  man  mit  großen  Kosten
aus  der  Fremde  holt,  im  eigenen  von  der  Natur  gesegneten
Lande  zu  ziehen,  in  dem  schon  lange  durch  Wein  und  Obstbau ­
  die  Spezialkultur  heimisch  ist.  Es  ist  dieselbe  Entwicklung, ­
  die  auch  zu  dem  Anbau  in  Oberdeutschland  geführt
haben  mag.  So  erklärt  sich  auch  der  große  Anteil  der
städtischen  Bevölkerung  am  Anbau,

1)  Kronfeld  52  ff.  2)  Kronfeld  S,  31.
3)  Flückiger  u.  Hanbury  a.  a.  0.  4)  Kronfeld  S.  31.
        <pb n="59" />
        63

V.  Wertung,  Preise,  Anwendung.
Der  Safran  ist  das  am  höchsten  geschätzte  Gewürz
unter  den  bekannteren,  in  größeren  Mengen  in  den  Handel
kommenden  Gewürzen  des  Mittelalters.  Es  geht  dies  aus
seinem  Preis  hervor  und  der  besonderen  Stellung,  die  ihm
unter  den  anderen  Gewürzen  eingeräumt  wird.
In  Tarifen  und  Kaufhausordnungen  wird  er  nicht  selten
durch  höheren  Zoll  und  besondere  Bestimmungen  hervorgehoben. ­
  So  ist  er  das  einzige  genannte  Gewürz  in  der
Wormser  Kaufhausordnung  ').  Von  1  Pf.  Ort  oder  dergleichen ­
  gehören  2  d.  dem  Kaufhaus,  2  d.  den  Unterkäufern.
An  der  Maut  von  Enns  wird  von  4  Pf.  Spezerei  1  d.  erhoben,
dieselbe  Abgabe  von  nur  2  Pf.  Safran 1  2  3 ).  (Es  handelt  sich
hier  um  eingeführten  Safran.)  In  Nürnberg  wird  von  einem
Sack  Safran  den  Unterkäufern  acht  Heller  gezahlt,  während
von  anderen  Gewürzen  nur  zwei  oder  vier  Heller  zu  entrichten ­
  sind  ’).  In  Genua  beträgt  zur  Zeit  Ulmann  Stromers
die  Abgabe  für  den  Unterkauf  sogar  2  d.  für  1  Pf.  Safran
und  nur  6  d.  für  ein  Zentner  Pfeffer,  Ingwer  oder  dergleichen.
Der  Wert  des  Safrans  geht  auch  aus  den  relativ  kleinen
Quantitäten  hervor,  die  man  zu  kaufen  pflegte.  In  Nürnberg ­
  besteht  das  Quantum,  unter  dem  die  Gäste  Gewürze
nicht  verkaufen  dürfen,  in  14,  1  oder  114  Ztr.;  bei  Safran
und  einzelnen  selteneren  Gewürzen  gilt  das  Quantum  von
14  Ztr. 4  5 ).  Kleiner  als  das  der  anderen  Gewürze  ist  auch
das  für  den  Handel  im  Kaufhaus  festgesetzte  Großquantum.
In  Basel  muß  schon  von  14,  später  von  einem  Pfund  an  im
Kaufhaus  gewogen  werden  ’).  In  Wien  wird  als  Verkaufsquantum, ­
  das  den  Handel  der  Krämer  von  dem  der  Kaufleute ­
  scheidet,  festgesetzt:  3  Pf.  Safran,  10  Pf.  Ingwer,  25
Pf.  Pfeffer,  5  Pf.  Muskatblüte  h ).  Die  Großschäfferei  des
deutschen  Ordens  hat  im  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  an

1)  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Worms.  III.  645.
2)  Archiv  für  Kunde  österreichischer  Geschichtsquellen.  38,  S.  88.
3)  Nürnberger  Polizeiordnungen  S.  126.
4)  Nürnberger  Polizeiordnungen  S.  128.
5)  Geering  S.  237.  6)  Hormayr  V.  Urk.  155
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        “*»■  64

den  Konvent  zu  Königsberg  alljährlich  zu  liefern:  130  Pf.
Pfeffer,  30  Pf.  Ingwer,  12  Pf.  Zimt,  10  Pf.  Paradieskörner,
nur  5  Pf.  „Safferan  Tuschkan“  ').
Das  ein  so  kostbares  Produkt  als  Geschenk  Verwendung ­
  finden  konnte,  bewies  die  politische  Geschichte  Toskanas ­
  im  13.  Jahrhundert.  Auch  der  reiche  Safranhändler
Rudolf  Mötteli  pflegte  den  Ratsgliedern  von  Luzern  Safran
zu  Neujahr  zu  schenken 1  2 ).
Große  Sorgfalt  wird  der  Verpackung  und  dem  Transport ­
  zugewendet,  damit  die  teuere  Ware  keinen  Schaden
erleidet.  Wiederholt  ergeht  in  den  Ravensburger  Korrespondenzen ­
  die  Mahnung,  man  solle  ihn  nicht  zu  fest  einpacken ­
 3 ),  z.  B.  heißt  es:  „Stibierend  nit  zuo  hart,  so  backt
aer  nit  so  fast  inn  einander.“  Auch  wird  geraten,  man  solle
beim  Packen  die  Stricke  nicht  zu  fest  zusammenziehen,  damit ­
  er  nicht  zerbräche.
Ein  Beweis  der  Kostbarkeit  sind  endlich  die  bei  keinem
Gewürz  so  zahlreichen  Verschlechterungs-  und  Fälschungsversuche ­
  und  die  vielen  Vorkehrungen,  die  man  treffen  muß,
um  sich  ihrer  zu  erwehren.  An  vielen  Orten  muß  der  Safran
einem  Schauamt  vorgelegt  werden,  so  in  Venedig,  Montpellier, ­
  Lucca,  Pisa,  Nürnberg  und  Basel.  In  Straßburg  wirddie
  Prüfung  besorgt  durch  die  von  Laden  zu  Laden  gehenden
Schauer.  Manchmal  ist  auch  eine  Abschätzung,  ein  „Stimieren“
  oder  „Stimmen“  der  Ware  erforderlich,  so  in  Venedig ­
  und  Nürnberg.  In  den  Abruzzen  scheint  eine  solche
Abschätzung  schon  auf  den  ländlichen  Märkten  vor  sich  zu
gehen.  Darauf  deutet  der  Name  der  Sorte  „Stima“,  die
Steinhüsler  dort  einkauft.  In  Nürnberg  ist  mit  dem  Schauamt ­
  auch  eine  Garbelur,  d.  h.  eine  Aussonderung  der  fremden
Bestandteile  verbunden.  Gehackte  Feminelli  und  schädliches ­
  Pulver,  heißt  es  in  der  Polizeiordnung,  sollen  auf  des
Verkäufers  Kosten  ausgeklaubt  werden.  Eine  Garbelur  ist

1)  C.  Sattler:  Handelsrechnungen  des  deutschen  Ordens.  Leipzig ­
  1887.
2)  Der  Geschichtsfreund.  Bd.  48.  1893  S.  129.
3)  Rav.  Pap.  10,  8,  66.
        <pb n="61" />
        wohl  auch  die  „lesda“  in  Marseille.  Safran-lestat  ist  eine
besondere  Sorte  im  spanischen  Handel.  —  Die  Vorkehrungen,
die  man  betrügerischer  Weise  mit  dem  Safran  trifft,  gehen
zum  Teil  dahin,  ihn  durch  Anfeuchten  mit  Wasser  oder  Öl
zu  beschweren  und  ihm  dadurch  zugleich  den  an  den  besten
Sorten  gerühmten  Fettglanz  zu  verleihen.  In  Spanien  scheint
dies  Verfahren  allgemein  üblich  zu  sein,  und  das  Attest  der
Nürnberger  Schau  für  Bormio  sieht  es  nicht  als  Fälschung
an.  Strenger  ist  man  in  Basel,  wo  man  sogar  den  Verkauf
in  „gesalbten  oder  geschmierten“  Säcken  verbietet.  Weniger
streng  ist  man  in  Bezug  auf  die  Beimischung  der  Feminelli
  genannten  Teile  des  Stempels.  Besonders  für  Marksafran ­
  sieht  die  Nürnberger  Polizei  in  dieser  Hinsicht  vor;
8V3  Pf.  Feminelli  darf  als  Höchstgehalt  in  einem  Zentner
Safran  enthalten  sein.  Auf  die  anderen  Sorten  bezieht  sich
dann  anscheinend  die  oben  genannte  Bestimmung,  wonach
Feminelli  von  der  Schau  entfernt  werden  müssen.  —  Schwere
Strafen  sind  für  diejenigen  vorgesehen,  die  den  Safran  verfälschen. ­
  Die  Mannigfaltigkeit  der  Fälschungen  läßt  eine  oft
geübte  Praxis  erkennen.  Als  Beimischung  zählt  die  Straßburger ­
  Ordnung  auf  '):  „zynnober  und  wilden  saferon  und
wiss  safronbluomen,  die  sie  rot  ferwent,  und  gederret  fleisch
und  boumöle  und  zucker.“  Im  Fastnachtsspiel  beschimpft
ein  Bauer  einen  Kaufmann:
„Dein  saffran  hast  zu  Fenedig  gesackt
Und  hast  rintfleisch  darunter  gehackt“  2 ).
Eine  Aufstellung  der  Preise  hat  unter  verschiedenen
Gesichtspunkten  Wert.  Sie  gibt  einmal  einen  Begriff  von  der
Schätzung  des  Safrans  als  Ware  neben  anderen  Handelswaren ­
  ;  ferner  illustriert  sie  durch  Aufzeichnung  der  Schwankungen, ­
  denen  die  Preise  unterliegen,  das  schon  früher  zur
Charakterisierung  des  Safranhandels  Gesagte.  Allerdings
sind  sie  aus  eben  diesem  Grunde  als  Material  für  eine  Preisgeschichte ­
  wenig  geeignet.  Bei  der  verschiedenen  Schätzung
der  Sorten  haben  nur  die  Angaben  Wert,  die  sich  auf  ein-1)
  Brücker  a.  a.  O.  S.  308  ff.  2)  A.  Keller:  Fastnachtsspiele
aus  dem  15.  Jahrhundert.  Stuttgart  1853.  I.  478.
        <pb n="62" />
        66

Zeine  Sorten  beziehen.  Wenigstens  vom  14.  Jahrhundert  all
sind  unterschiedliche  Sortenpreise  zu  berücksichtigen.  Daher ­
  kommen  die  zahlreichen  von  Rogers  gesammelten  Preisangaben ­
  in  diesem  Zusammenhang  von  1300  an  nicht  mehr
in  Betracht,  Ebensowenig  lassen  sich  die  Tabellen  bei  Mayer
und  Grund  ')  verwerten.  —  Für  die  Beurteilung  der  Preisschwankung ­
  innerhalb  eines  Jahres  ist  es  wichtig,  in  welcher
Jahreszeit  ein  Preis  gezahlt  worden  ist.  Durchschnittspreise
kommen  in  Betracht,  um  die  durch  den  Ernteausfall  bedingten ­
  jährlich  wechselnden  Preise  zu  illustrieren.  Ferner
macht  es  einen  Unterschied,  ob  die  Ware  im  Ausland  bei  der
Ernte  en  gros  eingekauft  oder  ob  sie  in  Deutschland  wiederverkauft ­
  wird.
Ausgeschaltet  sind  bei  den  im  Folgenden,  gegebenen
Preisen  im  allgemeinen  auch  die  von  der  Ravensburger  Gesellschaft ­
  in  ihren  Korrespondenzen  veranschlagten  Preise,
und  es  sind  nur  die  wirklich  gezahlten  berücksichtigt.  Auch
einige  Notizen  über  Großeinkäufe  im  Ausland,  bei  denen  die
Gesamtpreise  nebst  den  Kosten  der  Verpackung  und  des
Transportes  überliefert  sind,  fanden  keine  Aufnahme.
Aus  dem  12.  Jahrhundert  ist  eine  Angabe  aus  Genua
überliefert:  1  Pfd.  kostet  8%  sol,  jan. 1  2 ).
Für  das  13.  Jahrhundert  berechnet  Rogers  von  1259
an  die  Mittelpreise  für  je  10  Jahre  wie  folgt:
1259—70  13  s.  den  sterl.
1271—80  13  s
1281—90  5  s.  5  d.  sterl.

1291—1300

6  s.  3 )

Marktpreise  des  13,  Jahrhunderts  sind:
1218  (St.  Gimignano)  19—20  s.
1224  (  „  „  )  22-24  s. 4 )

1)  Bei  Th.  Mayer:  Der  auswärtige  Handel  des  Herzogtums  Österr.
im  Mittelalter.  Innsbruck  1909  S.  184  und  A.  Grund:  Die  Veränderung
der  Topographie  im  Wiener  Walde  und  im  Wiener  Becken.  Leipzig
1901  S.  239.
2)  Schaube  S.  648.
3)  Rogers  I.  641.  Die  Verschiedenheit  der  Münzwerte  ist  immer
in  Betracht  zu  ziehen.
4)  Davidsohn:  Forschungen  II.  2312.
        <pb n="63" />
        67

um  1245  (Lyon)
1265  (Troyes)

Mittelpreis  mehr  als  doppelt
so  groß  2 ).

Der  Durchschnittspreis  von  zwölf  im  März  1248  in
Marseille  abgeschlossenen  Geschäften  ergibt  16  s.  für
1  Pfund  ’).
Einmalig  gezahlte  Preise  im  13.  Jahrhundert  sind:
1228  (St.  Gimignano)  36  s.  4 )

)  35  s.  3  d.  6 )

1241  (  „

II

1245  (Alexandrien)  25  Pfd.  24  schw.  Goldbyzantien ß )
1257  (St.  Gimignano)  34^2  s.  bon.  den.  Pisan.  vet. 7 )
1302—03  (Neapel)  30  gr.  =  3  Carolini. 8 )
Interessant  ist  eine  Angabe  über  ein  Kaufgeschäft  aus
dem  Jahre  1221  in  St.  Gimignano,  die  das  Steigen  der  Preise
innerhalb  eines  Jahres  illustriert.  1  Pfd.  Safran  kostete
23V2  s,  bei  Abschluß  des  Kaufkontrakts,  30  s.  zur  Zeit  des
Verkaufs  ’).
Das  jährliche  Steigen  und  Fallen  der  Ortpreise  in
Spanien,  wie  es  von  der  Ernte  abhängig  ist,  geht  am  anschaulichsten ­
  aus  den  Preisen  des  Zollbuches  von  Barcelona  hervor. ­
  Die  Durchschnittspreise  für  Ort  sind  hier:

30  s.
35  s.

1425
1426
1427
1428

23—33  s.
27%  s.

1)  Bibi,  des  Stuttg.  lit.  Ver.  XVI.  S.  XXIII.
2)  Schaube:  Kursbericht.
3)  Blancard:  Documents  inedits.
4)  Davidsohn:  Forschungen  II.  18.
5)  Davidsohn:  Forschungen  II.  333.
6)  Davidsohn:  Forschungen  II  Nr.  2305.
7)  Davidsohn:  Forschungen  II.  Nr.  2316.
8)  N.  F.  Faraglia:  Storia  dei  prezzi  in  Napoli  1878  S,  75.
9)  Davidsohn:  Forschungen  II.  2311.
        <pb n="64" />
        68

1429

30

s,

1430

19

s.

1431

20

s,

1432

30-—37

  s.

1433

28

s.

1434

30

s.

1435

40

s.

1436

39

s.

Aus  den  Ravensburger  Geschäftspapieren  ergeben  sich
für  Ortsafran  in  Spanien  folgende  gezahlte  Preise  2 ):

März  1478
Sommer  1479
April  1480
Sommer  1480
1503
Anfangs  1515

39  s.,  auch  35—36  s.
27—28  s.

34—35  s.,
32—33  s.
17  s.
20—22  s.

auch  30  s.

Dem  stehen  in  Deutschland  an  Meßpreisen  gegenüber:

Nürnberg

1477  (Oktober)

3  fl.  2'/2—5  s,,  auch  3  fl.  72  s.

Frankfurt

1478

4  fl.  8d.—4  fl.  27 2  s.

Nürnberg

1479  (Oktober)

3  fl.  19  s.

Nürnberg

1479—80

3  fl.  8  s.  (Durchschnittspr.)

Frankfurt

1480  (Fastenmesse)  3  fl.  2 1 / 2  s.

Frankfurt

1480  (Herbstmesse)  3  fl.  2 1 / 2  s.

Nördlingen

1481

3  fl.

Frankfurt

1497  (Herbstmesse)  2  fl,  19  s  3  fl.

Frankfurt

1500  (

)  1  fl.  16  s.—19  s.

Frankfurt

1503  (

)  2  fl.  5  s.

Frankfurt

1507  (Fastenmess

:e)  5  fl.  12  s.—20  s.

Nürnberg

1507

5  fl.  14—15  s.

Ravensburg

1510

3  fl.

Österreich

1516

3  fl.  6  Kr.

Österreich

1523

57 2  fl.  15  Kr. 3 )

1)  Häbler  konstatiert  ein  Mittel  von  19  s.,  doch  die  einzige  auf
Ort  allein  bezügliche  Notiz  in  diesem  Jahre  ergibt  30  s.
2)  Den  Ravensburger  Papieren  sind  im  Folgenden  alle  Angaben
entnommen,  bei  denen  die  Quelle  nicht  besonders  vermerkt  ist.
3)  Archiv  für  Kunde  österreichischer  Geschichtsquellen  XI.  179.
        <pb n="65" />
        69

In  Antwerpen  erzielt  Ort:
1478  17  s.  Frankfurter  4  fl.  4  s.  1  d.)
1480  (Oktober)  14  s.  6  d.  (=  Frankfurter  3  fl.  13  s.  10  d.)
1504  (  „  )  12  s.  6  d.
1507  (Januar)  25  s.
1507  (Juni)  26  s.
Billiger  ist  die  zweite  spanische  Sorte  Belegier.  Aus
den  Angaben  des  Zollbuchs  ergeben  sich  folgende  Preise  für
die  einzelnen  Jahre:
1426  34  s.  ‘)
1427  25  s.  (nur  ein  Posten)
1428  19  s.  8  d.
1431  1472—26  s.,  Durchschnitt  22  s.
1434  24  s.
1437  20  s.
1440  16  s.
Diese  Preise  sind  durchschnittlich  höher  als  die  Ende
des  15.  Jahrhunderts  erzielten:
Sommer  1479  15—16  s.
April  1480  16—17  s.
Dieser  Einkauf  ist  notiert  als
„ell-stank“  aus  Urgel;  es  handelt ­
  sich  also  wohl  um  Belegier. ­

Zur  Kennzeichnung  der  Normalpreise  seien  bei  dieser
Sorte  die  Herbst  1480  veranschlagten  Preise  angeführt:  12
bis  14  s.  gilt  als  billiger,  17—18  s.  als  teurer  Einkaufspreis.
In  Frankfurt  erzielt  er:
1497  auf  der  Herbstmesse  1  fl.  12  s.
1500  zur  gleichen  Zeit  19  s.
Von  den  italienischen  Sorten  sind  die  meisten  Preisangaben ­
  für  Zima  überliefert:
1478  zahlt  Steinhüsler  im  Januar  in  Aquila  36  s.  5  d.;
1504  wird  hier  13  Carlini  gegeben.
In  Deutschland  kostet  er:
Nürnberg  1477  (Oktober)  3  fl.
1)  Es  ist  dies  ein  Mittel  aus  zwei  Eintragungen,  die  auf  42  s.  u.
26  s.  für  das  Pfund  lauten.
        <pb n="66" />
        70

Frankfurt  1478  (Herbst)  3 l / a -—-3 3 /4  A-Nürnberg
  1479  (Oktober)  *3 3 / 4  fl.
Frankfurt  1480  (Fastenmesse)  3  fl.  10  s,  3  d.
Frankfurt  1500  (Herbstmesse)  2  fl.  7  s.
Frankfurt  1503  (Herbstmesse)  2  fl.  4—5  s.
Nürnberg  1507  6  fl.  15  s.
Frankfurt  1507  (Fastenmesse)  67 2  fl-Frankfurt
  1515  (Fastenmesse)  2  fl.  9  s.
Österreich  1516  2  fl.
Österreich  1523  4  fl. 1 ).
Antwerpen  1507  (Juni)  28  s.
Pulsch  erzielt  in  Flandern  1478  13  s.,  in  Frankfurter
Münze  umgerechnet  3  fl.  4  s.
Den  Preis  des  lombardischen  Safran  notiert  Peter
Carbo  1409  in  Venedig  mit  38  Groschen  in  lübischem  Geld,
den  von  Marksafran  mit  28  Groschen 1  2 ).  In  Frankfurt  wird
auf  der  Herbstmesse  1478  3  fl.  für  Mark  gezahlt.
Tuschgan  gilt  1409  in  Venedig  40  Groschen  lübisch  ! ),
1327  in  Toskana  1  fl.  2  s.  in  Gold  parvae  monetae*).
Tuschganpreise  in  Deutschland  sind:
Nürnberg  1479—80  3 1 / 2  fl.  Durchschnitt
Frankfurt  1507  (Fastenmesse)  5  fl.  15  s,
Frankfurt  1515  (  „  )  2  fl.  5—6  s.
Antwerpen  1507  (Juni)  27  s.
Lyoner  wird  1479—80  in  Nürnberg  zum  Durchschnittspreis ­
  von  3  fl.  16  s.  10  d.  verkauft.
Als  Preise  für  Marockin  finden  sich:
Frankfurt  1500  (Herbstmesse)  1  fl.  19  s.
Frankfurt  1507  (Fastenmesse)  5  fl.  4  s.
Frankfurt  1515  (  „  )  2  fl.  8  s.
Antwerpen  1507  (Juni)  25  s.
Durchschnittlich  billiger  ist  die  Sorte  Brunickel:
Frankfurt  1497  (Herbstmesse)  2  fl.  5  s.
Frankfurt  1500  (  „  )  1  fl.  8  s.
Frankfurt  1507  (Fastenmesse)  3  fl.  17  s.

1)  Archiv  für  Kunde  österreichischer  Geschichtsquellen  XI.  179.
2)  Stieda:  Hansisch-venezianische  Handelsbeziehungen,
3)  Davidsohn:  Forschungen  II.  Nr.  883.
        <pb n="67" />
        Für  österreichischen  Landsafran  sind  aus  Österreich
überliefert  folgende  gesetzlich  festgelegten  Preise,  die  also
als  Mindestpreise  anzusehen  sind:  Für  Kaufleute  23  d.  für
das  Lot  1460,  22  d.  für  das  Lot  1474,  für  Krämer  26  d.  für
das  Lot  ').
Die  Verwendung  des  Safrans  war  eine  äußerst  mannigfaltige. ­
  Bei  dem  großen  Gewürzverbrauch  des  späten
Mittelalters  wird  wohl  die  Hauptmasse  als  Gewürz  in  der
Küche  benutzt  worden  sein.  Man  mischte  den  Safran  unter
die  verschiedensten  Speisen,  wie  die  Rezepte  des  Büchleins
von  guter  Speise  beweisen  ").  Besonders  beliebt  als  Gewürz
scheint  er  in  den  östlichen  Ländern  gewesen  zu  sein.  So  sagt
ein  Sprichwort,  daß  in  Böhmen  ein  Schwein  in  einem  Jahr
mehr  Safran  frißt  als  ein  Mensch  in  Deutschland  sein  ganzes
Leben  lang  ’).  Auch  in  Ungarn  wird  viel  Safran  benutzt.
Der  Italiener  Galeotus  Martius  erzählt,  daß  Gabeln  zur  Zeit
des  Mathias  Corvinus  dort  noch  unbekannt  gewesen  seien,
und  rühmt  die  Geschicklichkeit  des  Königs  im  Verspeisen
der  safrangefärbten  Gerichte  4  S. ).  —  Der  Safran  gehört  zu  den
Ingredienzen  in  den  nach  offiziellem  Rezept  angefertigten
Wurzmischungen  6 ).  In  den  Straßburger  Rezepten  ist  auch
der  Unterschied  der  Sorten  zu  ersehen  “).  Statt  4  Lot  Ort
können  öVa  Lot  Tuschgan  oder  6  Lot  Belegier  genommen
werden.  Die  verschiedene  Einschätzung  der  Sorten  scheint
also  auf  Unterschieden  in  der  Intensität  des  Aromas  zu  beruhen. ­
  Auch  Anton  Tuchers  Haushaltungsbuch  führt  unter
den  Bedürfnissen  der  Küche  Ort  und  Zima  gesondert  auf 7 ).
Safran  wird  ferner  benutzt  zur  Bereitung  des  Clareit,
des  Würzweines  “).
1)  Chmel:  Materialien  zur  österreichischen  Geschichte  VI.  386,  391{.
2)  Ein  Buch  von  guter  Speise,  Stuttgart  1S44.
3)  Des  Johannes  Butzbach  Wanderbüchlein,  herausgeg.  von  D.  J.
Becker  1912  (Inselbücherei)  S.  52.
4)  Dierbach:  Flora  Apiciana,  Heidelberg  und  Leipzig  1831.  S.  61.
5)  Geering  240  f.  6)  Brücker  308  f.
7)  A.  Schultz,  Deutsches  Leben  im  14.  u.  15.  Jahrh.  Wien  1892.
S.  500.
8)  K.  Regel:  Das  Mittelniederdeutsche  Gothaer  Arzneibuch,
Gotha  1873  S.  31.
        <pb n="68" />
        11  —

Den  Safrangebrauch  in  der  Küche  kannten  schon  die
Römer.  Auch  der  offizineile  Gebrauch  war  ihnen  nicht
fremd.  Besonders  im  Orient  spielte  der  Safran  als  Heilmittel ­
  eine  große  Rolle  ‘),  und  wohl  wesentlich  aus  den
Schriften  der  arabischen  Ärzte  und  Naturforscher  erlernte
das  Abendland  diesen  Gebrauch.  In  verschiedenen  Arzneibüchern ­
  wird  er,  äußerlich  und  innerlich  anzuwenden,  als
Heilmittel  empfohlen.  Eine  zusammenfassende  Darstellung
seines  medizinischen  Gebrauchs  gibt  das  Buch  der  Natur  des
Konrad  von  Megenberg  1  2  3 ).  Sie  stimmt  in  fast  allen  wesentlichen ­
  Punkten  überein  mit  der  des  arabischen  Arztes  Ibn
Beitar  “).
In  Wasser  aufgelöst  hat  der  Safran  die  Fähigkeit,  intensiv ­
  gelb  zu  färben.  Safranfarbig  ist  ein  Attribut  für  gelbgefärbte ­
  Stoffe  im  Orient  und  im  alten  Griechenland.  Die
Römer  besaßen  das  Adjektiv  croceus  für  Gelb.  Ausdrücke
wie  Crocata  vestes,  crocina  tunica  sind  aus  der  römischen
Literatur  überliefert 4 ).  Ob  daraus  der  allgemeine  Gebrauch,
Safran  als  Farbmittel  zu  benutzen,  erschlossen  werden  darf,
scheint  fraglich.  Besonders  die  lateinischen  Zeugnisse,  die
Ilg  zusammenstellt,  lassen  sich  so  deuten,  als  gebrauche  mau
den  Ausdruck  crocusfarbig  für  gelb  überhaupt.  —  Im  Mittelalter
  läßt  sich  die  Anwendung  als  Farbstoff  in  größerem
Maße  mit  Bestimmtheit  feststelleri  nur  in  der  Malerei  und
Seidenfärberei.  Über  die  Verwertung  in  der  Malerei  geben
Auskunft  die  Abhandlungen  über  Technik  der  Malerei  von
Pierre  von  S.  Omer  um  1300,  Jehan  le  Begue  1431  und  von
Cennino  Cennini  da  Colle  di  Valdelsa  1437.  Besonders  Cennini
  ‘)  gibt  eine  Reihe  von  Rezepten  für  die  Verwendung.
Safran  wird  für  gelbe,  grüne  und  rote  Farben  benutzt,  bei  der
Malerei  mit  Eitempera,  mit  Essig  und  Gummi  und  bei
1)  A.  V.  Cremer:  Semitische  Kulturentlehnungen  aus  dem
Pflanzen-  u.  Tierreich.  Ausland  1875.  A.  v.  Kremer:  Kulturgeschichte
des  Orients  unter  den  Kalifen.  Wien  1877.  II.  324.  S.  86.
2)  Herausgeg.  v.  F.  Pfeiffer.  Stuttgart  1861.
3)  Ibn  Beitar:  Lexikon  der  Medikamente,  übersetzt  von  Sontheimer.
  Stuttgart  1840  —42.
4)  Ilg  in  Quellenschriften  zur  Kunstgeschichte  Bd.  I,  Wien  1871,
S.  152  f.  5)  Herausgeg.  von  Ilg  a.  a.  0.,  S.  32,  122  f.
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        73

Aquarellmalerei.  Auch  Goldbuchstaben  werden  manchmal
mit  Safran  hergestellt.  Pierre  von  S.  Omer  macht  auch  auf
die  Sortenunterschiede  aufmerksam  und  schätzt  den  italienischen ­
  und  spanischen  vor  dem  französischen  Safran.  Nicht
nur  bei  diesen  Theoretikern,  auch  in  der  Praxis  finden  wir
den  Safran  zur  Malerei  benutzt.  So  vermerken  die  Bücher
eines  neapolitanischen  Klosters  eine  Ausgabe  für  Safran
zum  Bemalen  einer  Tür  ’).
Die  Verwendung  in  der  Seidenfärberei  geht  aus  einer
Abhandlung  über  die  Florentiner  Seidenindustrie  aus  dem
16.  Jahrhundert  hervor 1  2  3 ].  Ein  besonderes  Kapitel  Del
tignere  giallo  di  zafferano  gibt  dem  Färber  Anweisung  über
die  Benutzung  dieses  Farbstoffs,  Dreiviertel  Unzen  Safran
reichen  hin,  um  1  Pfund  Seide  zu  färben,  während  von  den
andern  aufgeführten  Farbstoffen  durchweg  weit  größere
Quantitäten  nötig  sind.  Wegen  dieser  intensiven  Wirkung
stellt  sich  auch  die  Färberei  mit  Safran  billiger  als  die  mit
den  meisten  anderen  Farbstoffen.
In  weit  bedeutungsvollerem  Lichte  würde  der  Safranhandel ­
  erscheinen,  wenn  sich  die  Verwendung  des  Safrans
auch  für  die  Färberei  von  Baumwoll-  und  Leinengeweben
nachweisen  ließe.  Wohl  kennt  die  Literatur  den  Safran  als
Farbmittel,  so  das  spätmittelalterliche  Gedicht  des  „Teufels
Netz"  *).  Es  erzählt  u.  a.,  wie  der  Teufel  das  Gesinde  zum
Stehlen  verleitet,  so  auch  die  Magd,  die  den  Kittel  mit  Safran
färbt.
„Färwt  ain  denn  den  kittel  gelen
Si  sol  wol  vier  lot  davon  stelen.
Das  ist  och  ain  hofflicher  list:
Ist  denn  das  da  saffran  brist
Und  nit  genuog  gel  wil  werden,
So  was  kam  saffran  ietz  uff  erden
Der  boeser  ze  färwen  waer,
Also  macht  si  ir  ain  maer.“
1)  Faraglia  S.  112.
2)  L'Arte  della  seta  in  Firenze.  Trattato  del  secolo  XV  pubblicato
da  Girol.  Gargiolli.  Firenze  1868.
3)  Herausgeg.  von  Barack.  Stuttgart  1863,  Zeile  1219  ff.
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        74

Als  Farbmittel  für  Leinen  kennt  ihn  auch  das  französische. ­
  Gedicht,  das  den  Kaufmann  seine  Ware  mit  den
Worten  anpreisen  läßt:
„J'ai  saffren  a  mettre  en  Viandes
Que  je  vent  a  ces  damoiselle
A  fair  jauner  lor  toeles“
Im  alten  Irland  war  der  Königsmantel  mit  Safran  gefärbt ­
  und  auf  den  Hebriden  trugen  bis  ins  17.  Jahrhundert
Personen  von  Rang  das  „lein-croich“,  ein  safranfarbenes
Hemd  1  2  3 ).  —  Eine  Benutzung  in  der  Färberei  wird  sich  demnach ­
  nicht  leugnen  lassen,  wenn  auch  das  Maß  des  Gebrauches ­
  fraglich  bleibt.  Die  Belegstellen  aus  der  Literatur
scheinen  nicht  mehr  als  einen  Hausgebrauch  vorauszusetzen,
wie  ja  auch  heute  noch  Safran  zum  Auf  frischen  von  gelbgefärbten ­
  Stoffen  benutzt  wird.  Die  Frage,  ob  er  auch  in  der
Industrie  verwendet  wurde,  bleibt  offen.  Der  Nürnberger
Arzt  Hieronymus  Münzer  spricht  allerdings  unter  den  Produkten ­
  Spaniens  vom  Crocus  pro  tingendis  pannis,  doch  ist
nicht  sicher,  wie  weit  man  ihm  Fachkenntnisse  zuschreiben
darf.  Auffallend  ist  auch,  daß  die  Anbaubezirke  des  Safrans
so  oft  mit  den  Stätten  der  Textilindustrie  zusammenfallen,
so  in  Toskana,  in  Südfrankreich,  in  den  Abruzzen  und  in
Spanien  um  Lerida.  Fast  gleichzeitig  mit  der  Blüte  der
Schürlitzindustrie  beginnt  der  Safrananbau  bei  Basel,  und
England  baut  Safran  an,  seit  seine  Tuchindustrie  sich  entwickelt. ­
  Andererseits  scheinen  die  Färbeordnungen  neben
den  zahlreichen  Bestimmungen  über  Waid  und  andere
Farbstoffe  keine  Verordnung  über  Safran  zu  enthalten.  So
finden  sich  unter  den  Urkunden  zur  Genfer  Tuchindustrie  s )
allein  vier  Waidordnungen.  Von  Safran  ist  nie  die  Rede,
auch  nicht  in  einer  detaillierten  Kostenaufstellung  der  Färber. ­
  Und  doch  hätte  gerade  die  Benutzung  von  Safran,  der
so  sehr  Fälschungen  ausgesetzt  war,  Verfügungen  auch  in
der  Industrie  nötig  gemacht.
1)  Fr.  Michel:  Recherches  sur  le  commerce  des  etoffes  de  soie.
Paris  1852/54.  2)  Encyclopedia  Brittanica  unter  saffron.
3)  G.  Epinas  und  H.  Pirenne:  Recueil  des  documents  relatifs  ä
l'hiatoire  de  l’industrie  drapiere  en  Flandre.  I.  1906.
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        Lebenslauf.

Ich,  Luise  Bardenhewer,  katholischer  Konfession,
wurde  geboren  am  18.  April  1886  zu  Uerdingen,  Kreis  Crefeld,
  als  Tochter  des  Gerbereibesitzers  Gustav  Bardenhewer. ­
  Ich  besuchte  die  Marienschule  zu  Crefeld  und  die
Städtische  Lehrerinnen-Bildungsanstalt  zu  Aachen  und  bestand ­
  Ostern  1905  die  Prüfung  für  Lehrerinnen  an  mittleren
und  höheren  Schulen.  Von  1905  bis  1907  war  ich  als
Lehrerin  an  der  Volksschule  zu  Uerdingen  tätig.  Herbst
1908  bestand  ich  die  Reifeprüfung  am  Städtischen  Realgymnasium ­
  zu  Münster  i,  W.  Ich  studierte  an  den  Universitäten ­
  Bonn,  München  und  Straßburg  Geschichte,  Deutsch
und  Erdkunde.  Meine  Lehrer  waren  die  Herren  Professoren:
Schulte,  v.  Bezold,  Ritter,  Stutz,  Hashagen,  Litzmann,
Enders,  Wilmans,  Schultz,  v.  Kraus,  Külpe,  Erdmann,
Dyroff,Ohmann,  Clemen,  Rein,  Philippson  in  Bonn,  v.Heigel,
Grauert,  v.  Pöhlmann,  Muncker,  v.  d.  Leyen,  Petersen,
v.  Hertling,  v.  Drygalski  in  München,  Spahn  und  Ranke  in
Straßburg.  Am  28.  und  29.  November  1913  bestand  ich  zu
Bonn  die  Prüfung  für  das  Lehramt  an  höheren  Schulen.
Herrn  Geheimrat  Schulte,  der  mir  die  Anregung  zu
dieser  Arbeit  gab  und  sie  durch  gütige  Überlassung  handschriftlichen ­
  Quellenmaterials  möglich  machte,  spreche  ich
herzlichen  Dank  aus.
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        ■  lie  „lesda“  in  Marseille.  Safran-lestat  ist  eine
Pforte  im  spanischen  Handel.  —  Die  Vorkehrungen,
trügerischer  Weise  mit  dem  Safran  trifft,  gehen
gj:  ahin,  ihn  durch  Anfeuchten  mit  Wasser  oder  Öl
1:  'en  und  ihm  dadurch  zugleich  den  an  den  besten
Ernten  Fettglanz  zu  verleihen.  In  Spanien  scheint
ren  allgemein  üblich  zu  sein,  und  das  Attest  der
A  Schau  für  Bormio  sieht  es  nicht  als  Fälschung
A  er  ist  man  in  Basel,  wo  man  sogar  den  Verkauf
n  oder  geschmierten“  Säcken  verbietet.  Weniger
r :-  nan  in  Bezug  auf  die  Beimischung  der  Femi-•:
  Lten  Teile  des  Stempels.  Besonders  für  Markst: ­
  die  Nürnberger  Polizei  in  dieser  Hinsicht  vor;
:r*iinelli  darf  als  Höchstgehalt  in  einem  Zentner
T  alten  sein.  Auf  die  anderen  Sorten  bezieht  sich
iinend  die  oben  genannte  Bestimmung,  wonach
_■  in  der  Schau  entfernt  werden  müssen.  —  Schwere
für  diejenigen  vorgesehen,  die  den  Safran  verie
  Mannigfaltigkeit  der  Fälschungen  läßt  eine  oft
*i:  äs  erkennen.  Als  Beimischung  zählt  die  Straßi:
  iun g  auf'):  „zynnober  und  wilden  saferon  und
ij:  duomen,  die  sie  rot  ferwent,  und  gederret  fleisch
:  e  und  zucker.“  Im  Fastnachtsspiel  beschimpft
i-  nen  Kaufmann:
Dein  saffran  hast  zu  Fenedig  gesackt
J:  ad  hast  rintfleisch  darunter  gehackt“  2 ).
j:  Aufstellung  der  Preise  hat  unter  verschiedenen
“i-  kten  Wert.  Sie  gibt  einmal  einen  Begriff  von  der
:  tes  Safrans  als  Ware  neben  anderen  Handels-*
  ~-ir  illustriert  sie  durch  Aufzeichnung  der  Schwan-]:
  en  die  Preise  unterliegen,  das  schon  früher  zur
f:  erung  des  Safranhandels  Gesagte.  Allerdings
;;  eben  diesem  Grunde  als  Material  für  eine  Preis-|i;
  enig  geeignet.  Bei  der  verschiedenen  Schätzung
_  laben  nur  die  Angaben  Wert,  die  sich  auf  einj
  :er  a.  a.  O.  S.  308ff.  2)  A.  Keller:  Fastnachtsspiele
1  ahrhundert.  Stuttgart  1853.  I.  478.
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