22 IV. Kapitel. J. St. MUL Sehr viele haben auf dieser von Adam Smith gelegten Grundlage weitergearbeitet, hier und dort einen kleinen Fehler berichtigend und sein System nach den verschiedensten Richtungen hin ausbauend. Es ist daher überflüssig, die Anschauungen aller dieser an sich sehr be deutenden Gelehrten wie Malthus, Bastiat, Carey, von Thünen, und vor allem Ricardo wiederzugeben und wir wollen uns darauf be schränken, eine kurze Schilderung der endgültigen, von all den oben erwähnten großen Nationalökonomen weiter gebildeten Smithschen Lehre zu geben, wie wir sie am besten bei J. St. Mill finden. Es ist zweifelhaft, ob wir ihn unter die Großmeister unserer Wissenschaft rechnen sollen, aber er ist deshalb für uns von Wichtig keit, weil er in seinem umfassenden Wissen alles, was seit Adam Smith geschrieben war, kannte, verwertete und kritisch sichtete. Er gibt uns somit in seinen „Principles of Political Economy“ eine gute Übersicht über die damals allgemein herrschenden Smithschen An schauungen. Bezeichnend ist, daß sein oben genanntes Hauptwerk heute noch das verbreitetste und gelesenste englische Lehrbuch der Nationalökonomie ist. Als erste Erfordernisse der Produktion sehen wir bei ihm „die menschliche Arbeit und geeignete Naturgegenstände“ 1 ), er deckt sich hier also vollkommen mit Adam Smith, geht aber dann sogleich einen bedeutsamen Schritt weiter als dieser, indem er den Begriff „Arbeit“ nicht so eng faßt, sondern jegliche Art Arbeit als produktiv gelten läßt. Er kennt zwar auch unproduktive Arbeit 1 2 ), schränkt aber ihren Umfang bedeutend ein. Indessen müssen wir auch mit dem Aus druck „produktiv“ recht vorsichtig sein, denn, so führt Mill treffend aus, selbst die größte Summe Arbeit ist nicht imstande, auch nur das kleinste Stäubchen hervorzubringen, sie kann nur bewegen und um formen. Im eigentlichen Sinne des Wortes „produktiv“ ist nur die Natur, einzig und allein die Natur. Der Mensch kann, wenn wir es uns genau betrachten, mit seiner Arbeit bloß Material und Werkzeuge 1 ) J. St. Mill, Grundsätze der politischen Ökonomie, Übers. Adolph Soetbeer, Hamburg 1852, I, 29. 2 ) Ders., a. a. 0., I, 55 ff.