38 naturhistorischen und wirtschaftlichen Standpunktes die Natur als Produktionsfaktor abgelehnt hat, bleibt ihm als einzigster die Arbeit übrig. Kritik. Angreifbar scheint uns zuerst seine Theorie der zwei Anschauungen, der naturhistorischen und der wirtschaftlichen, zu sein. Pin Bedenken habe ich schon oben hervorgehoben: daß er von einer wirtschaftlichen Auffassung spricht, bevor überhaupt eine Wirtschaft besteht. Doch mag dies an einer ungenauen Ausdrucksweise liegen, es kommt hierauf nicht soviel an; das Hauptbedenken liegt ganz allgemein darin, daß er zugibt, man könne den grundlegenden Akt der Güterokkupation beliebig auffassen; wenn er den wirtschaftlichen Standpunkt für den allein richtigen hält, so kann ein anderer ebensogut das entgegen gesetzte Verfahren einschlagen, und hierzu haben wir um so eher Veranlassung, als Rodbertus den Begriff „wirtschaftlich“ verschieden definiert: in seiner „Erkenntnis der staatswirtschaftlichen Zustände“ (S. 4) heißt es „Wirtschaft ist die Verwaltung vorhandener Güter“ und es ist in einem ganzen Abschnitt näher ausgeführt, daß der Ton auf dem Worte „vorhanden“ hegt. Das von dem Substantivum Wirtschaft abgeleitete Adjektivum „wirtschaftlich“ müßte demnach soviel heißen wie „das, was sich auf die Verwaltung von vorhandenen Gütern bezieht“. In der „Beleuchtung der sozialen Frage“ steht da gegen (S. 69) „Nur diejenigen Güter gehören zu den wirtschaftlichen, welche Arbeit gekostet haben“. Hier ist also der Hauptton auf die Entstehungsweise des Gutes gelegt. Ein Gut, das wir zu unserer Bedürfnisbefriedigung benutzen, welches keine Arbeit gekostet hat, z. B. Luft, Sonnenlicht usw. ist also kein wirtschaftliches. Anderer seits, nach der ersten Definition, ist die Luft doch sicher ein vor handenes Gut, es sind also Widersprüche zwischen beiden Defini tionen möglich, sie können demnach nicht als zwei verschiedene Seiten ein und desselben Urteiles aufgefaßt werden, was man vielleicht zur Entschuldigung hätte anführen können. Der zweite wichtigere Punkt, an dem unsere Kritik einzusetzen hat, ist der Kostenbegriff, den Rodbertus einführt, indem er be hauptet 1 ): „es gibt nichts, was die Güter außer der Arbeit noch kosteten, oder, die Arbeit ist das einzige Element in der Entstehungs geschichte der Güter, welches unter dem Gesichtspunkte ihrer Kosten *) Rodbertus, Zur Erkenntnis uns. staatswirtschaftl. Zust., S. 6, 7.