46 Marx den Gebrauchswert in der Form des Zinses, den der Kapital besitzer für das Ausleihen nimmt, bei der menschlichen Arbeit läßt er ihn außer acht und erhält so die Ausbeutungsrate des Arbeits gebers, den Mehrwert 1 ). Wenn wir nun auch gern zugeben wollen, daß Marx mit seiner Behauptung, die menschliche Arbeit produziere mehr Güter, als sie zu ihrer Erhaltung nötig habe, recht hat, so können wir doch den oben entwickelten Widerspruch, mit dem sein ganzes System zusammenbrechen muß, nicht ruhig hinnehmen. Dem Kapitalisten, der die Kraft des Arbeiters kauft, kommt es doch nicht darauf an, daß soundsoviel Arbeit nötig war, um ihn in den Stand zu setzen, einen Tag zu arbeiten, sondern der Gebrauchswert ist ihm das wesentliche. Wenn Marx sagt, der Arbeiter bringe seine Arbeits kraft genau so wie jede andere Ware auf den Markt, so ist dies, und auch nur in gewissem Sinne, bloß für den Arbeiter zutreffend. Er gibt allerdings seine Kraft für einen Tag hin, um dafür seinen Lohn einzutauschen, der Kapitalist aber will die gekaufte Arbeitskraft gar nicht mehr gegen etwas anderes vertauschen, sondern er will sie ausnutzen, will sie gebrauchen, für ihn ist sie also keine Ware. Wenn der Arbeiter einen Tag gearbeitet hat, so ist seine Kraft verzehrt, genau so wie man eine Frucht oder ein Stück Brot verzehrt. Der Kapitalist wird sie also nicht nach ihrem Tauschwert, sondern nach ihrem Ge brauchswert einschätzen. So ist die Mehrwerttheorie des Karl Marx, die die Grundlage seiner Produktionstheorie bildet, theoretisch und praktisch unhaltbar. IX. Kapitel. Die Gegenwart (Brentano). Die Sozialisten sind die letzten, die sich auf unserem Gebiete in größerem Umfange schöpferisch betätigt haben. Die Theoretiker der Gegenwart haben sich im großen ganzen damit begnügt, die in unserer Arbeit näher auseinandergesetzten Systeme einer Kritik zu unterziehen und sich dann als Anhänger dieser oder jener Anschauung zu be kennen. Durchaus vorherrschend ist die Drei-Produktionsfaktoren- *) Vgl. hierzu Wenckstem, a. a. 0., S. 10, 11.