32 liche Föhnkanäle, durch die der Südwind brausend ins Vorland hinunterstürzt. In ungestümen Stößen rüttelt der Föhn am Balkenwerk der Häuser; er wirbelt die Funken vom Herdfeuer empor und trägt den Brand weithin über die ausgedörrten Schindeldächer des Bergdorfes. Viele Ortschaften in den Quertälern der Nordalpen sind bei Föhn- sturm ganz oder teilweise verbrannt, so Meiringen, Grindelwald, St. Stephan im Simmental, Alt dorf, Glarus; von den Dörfern des St. Galler Rheintales haben fast alle wiederholt unter Föhn bränden gelitten. Wenn in den Tälern der Föhn losbricht, so müssen nach Vorschrift der Föhnpolizei alle Feuer sorgfältig gelöscht werden. Unter der Sonnenwärme allein würden die Schneemassen im Gebirge erst spät im Sommer zergehen; der Föhn räumt rasch damit auf. Die Bergbewohner fassen diese wohltätige Wirkung in die Worte zusammen: „Ohne Föhn kein Frühling!" Seine Trockenheit schädigt wohl etwa die Baum blüte; aber unter seinem warmen Hauch reift im Rheintal zwischen Chur und Bodensee der Wein. Am häufigsten tritt der Föhn in der kühlen Jahres zeit auf. Altdorf zählt im Jahr durchschnittlich 48 Föhntage, Guttannen im Haslital sogar 79. In Meiringen wacht die Föhnpvlizei an 40—50 Tagen. Die Föhntage bringen im Winter im Mit tel eine Temperaturerhöhung von 7«; schon am frühen Morgen kann dann eine geradezu sommerliche Wärme herrschen. Im Mittelland wird der Föhn selten als Luftströmung verspürt; meist meldet er sich hier durch andere Anzeichen. Die trockene Luft zehrt den leichten weißlichen Dunstschleier auf, der für gewöhnlich die Fernsicht trübt. In scharfen Umrissen und tiefen Farben stehen dann die Berge in der eigentümlich klaren Luft, scheinbar zum Grei fen nahe gerückt. Liegt beim Auftreten des Föhns