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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

959 w 
Die Elektrisierung von Eisenbahnen. 
Die Geschichte des elektrischen Bahnbetriebs hat sich bisher zumeist in Deutschland 
abgespielt, und dennoch ist die Elektrisierung der großen Fern- und Vollbahnen in Deutsch 
land gegenüber manchen anderen Staaten entschieden stark im Rückstand. Tie erste 
elektrische Bahn der Welt war 1879 auf der Berliner Gewerbeausstellung zu sehen; sie 
war nur 300 in lang, die Lokomotive leistete nur 4—5 PS, die Spannung betrug 150 
Volt. Diese Versnchsbahn war des großen Werner Siemens Werk, ebenso die erste in 
praktische Benutzung genommene elektrische Bahn, die vom Bahnhof Gr.- Lichterfelde der 
Berlin—Anhaltischen Bahn zur nahen Hauptkadettenanstalt lief und am 16. Mai 1881 
dem Betriebe übergeben wurde. Die Stromzuführung erfolgte bei diesen ältesten beiden 
Bahnen durch Schienen; in der Folgezeit ging man jedoch bei den Straßenbahnen meist 
zu dem zuverlässigeren Oberleitungsbetrieb über. 
Nachdem dann in den Jahren 1900 und 1901 ans der Berlin—Potsdamer Vororts 
strecke der „Wannseebahn" durch eine Versuchsstrecke gezeigt worden war, daß auch schwere 
Eisenbahnzüge durch Elektrizität bequem betrieben werden können, brachten die beiden 
folgenden Jahre die sensationellen Versuchsfahrten der „Studiengesellschaft für elektrische 
Schnellbahnen" auf der 17 lcm langen Militärbahnstrecke Marienfelde—Zossen. 
Hier wurden mit Hilfe von Drehstrom, der 10 000 Voll Spannung aufwies, die weitaus 
größten Geschwindigkeiten erzielt, mit denen jemals auf Erden Menschen und Gegenstände 
befördert worden sind: am 25. Oktober 1903 wurde eine Fahrgeschwindigkeit von nicht 
weniger als 208 lein in der Stunde erreicht. — Als diese in der ganzen Kulturwelt das 
größte Aufsehen erregenden Ergebnisse bekannt wurden, da tauchten verlockende und gut 
begründet scheinende Zukunftsbilder in den Zeitungen auf, wonach man in nicht ferner 
Zeit von Berlin nach Hamburg in 70 Minuten, nach Köln in 3, nach Paris in 5 Stunden 
werde reisen können. Seither sind rund 10 Jahre ins Land gegangen, und doch fahren unsere 
Eisenbahnen noch immer wie einst mit Dampfbetrieb, und die elektrischen Züge stehen uns 
noch immer als Zukunftsideal vor Augen, von einigen ivenigen Strecken abgesehen. 
Diese Tatsache kann um so mehr verwundern, da in einigen anderen europäischen 
Ländern der elektrische Betrieb auf Vollbahnen bereits einen ziemlich erheblichen Umfang 
angenommen hat und da andere Länder, vor allem Schweden, sich energisch rüsten, um 
eine allmähliche Elektrisierung des gesamten Staatsbahnnetzes vorzubereiten. Es ist aber 
in Fachkreisen seit langem bekannt, daß das wichtigste Bedenken gegen den elektrischen 
Bahnbetrieb im großen in strategischen Erwägungen begründet ist. Weil die Zer 
störung einer Kraftzentrale im Kriege sogleich den Bahnbetrieb eines ganzen Landesgebietes 
lahmlegen würde, zögert man mit der allgemeinen Elektrisierung. Zweifellos ist dies 
Argument überaus gewichtig und wird in einem militärisch so exponierten Lande, wie es 
Deutschland ist, wohl auch noch auf lange hinaus seine verkehrshemmende Bedeutung 
behalten. 
Dennoch hat die jüngste Zeit Fortschritte im elektrischen Betrieb preußischer Bahnen 
kleineren Umfangs gebracht, die von grundlegender Bedeutung zu sein scheinen. Nach 
mannigfachen kleineren Versuchen mit elektrischem Bahnbetrieb, insbesondere auf der 
Berliner Wannseebahn und der Strecke Hamburg—Ohlsdorf, beantragte im Jahre 1909 
die preußische Regierung beim Landtag die Bereitstellung von Mitteln für die Elektrisierung 
einer ersten Vollbahnstrecke Bitterfeld—Dessau. Die ausgewählte Probestrecke, für 
die das fauch in anderen Ländern immer häufiger benutzte) System des einphasigen 
Wechselstroms mit 15 Perioden gewählt wurde, war 25 Icm lang und wies 5 Zwischen 
stationen auf. Die Versuchsepoche bewies, daß für friedliche Zeiten der elektrische Betrieb 
dem Dampfbetrieb in jeder Hinsicht ganz bedeutend überlegen ist; auf die Vorzüge sei 
hier im einzelnen nicht eingegangen und nur erwähnt, daß die elektrische Bahn nicht nur 
schneller, sondern auch wirtschaftlicher in mehrfacher Hinsicht ist, überdies natürlich auch 
sehr viel hygienischer, da die oft zur Kalamität für ganze Landstriche und Städte wer 
dende Rauchplage ganz in Fortfall kommt. Die Betriebseröffnung der Bahn erfolgte am 
18. Januar 1911, der Probebetrieb bewies, daß kleine Zugverspätungen schon auf sehr 
kurze Strecken durch Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit wieder eingeholt werden können,
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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