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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Die Eisenbahnen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

92 
Die Eisenbahnen: Schmalspurbahnen. 
In Europa und Nordamerika ist das englische Spnrmaß (1435 mm) vorherrschend, 
das sich überhaupt auf etwa Dreiviertel aller Eisenbahnen in der Welt vorfindet. Nur 
Länder, denen von Natur ein Durchgangsverkehr mit den Nachbarstaaten unmöglich 
gemacht oder erschwert ist (Irland, Spanien), oder die ihn aus politischen bezw. mili 
tärischen Gründen ablehnten, wählten eine andere Spur. Sie beträgt in Rußland 1525 mm, 
in Irland 1600 mm, in Spanien 1676 mm. Letzteres Maß zeigt auch ein Teil der ost 
indischen Bahnen. 
Schmalspurbahnen. Große Spurweiten bedingen naturgemäß flache Gleiskurven 
und breite Bahnkörper, machen somit die Anlage teuer. Man ist deshalb für Bahnen 
mit schwachem Verkehre oder aus finanziellen Gründen vielfach zu einer kleineren Spurweite 
als 1435 mm übergegangen (Schmalspurbahnen). Der hierbei zulässige kleinere Kurven 
halbmesser und die wegen der leichteren Züge auch ermöglichte stärkere Steigung gestatten 
nun im Hügel- und Gebirgskunde ein viel besseres Anschmiegen der Bahnlinie an die 
Bodeugestaltung. Die stets kostspieligen Kunstbauten und Erdarbeiten werden bei enger 
Spur wesentlich eingeschränkt. Schmalspurbahnen fallen deshalb für das laufende Kilo 
meter etwa 30 000 Mark im Mittel billiger aus als eine Vollbahn, auch Betrieb, Unter 
haltung und Bewachung erfordern wesentlich geringere Summen. Sie sind daher in 
dünnbevölkerten Gegenden, wo kein lebhafter Verkehr zu erwarten steht, sehr am Platze. 
In unserer Zeit finden sie als Kleinbahnen eine stark wachsende Verbreitung. Die Spur 
weite der deutschen Schmalspurbahnen beträgt 1000, 750 oder 600 mm. Abweichungen 
kommen vielfach im Auslande vor, so zeigen schwedische und norwegische Bahnen 871 
und 1067 mm, bosnische Bahnen 760, die Linie Beirut-Damaskus 1050, die Wengern 
alpbahn 800 mm u. s. w. Das kleinste Maß, nämlich 1' IIV4" — 590 mm, besitzen zwei 
Bahnen in Wales, darunter die Festiuiogbahn, die zugleich die älteste der Schmalspur 
bahnen ist. Die Engländer konnten sich somit bis 1892 rühmen, die größte und auch die 
kleinste aller Spurweiten, welche bei den dem öffentlichen Verkehre dienenden Bahnen 
vorkommen, in ihrem Lande zu besitzen. Die Festiniogbahn verbindet den Hafenplatz 
Portmadoc mit der 214 m höher gelegenen Ortschaft Dinas. Von der fast 23 km 
langen Linie liegen 20 km in Steigungen, die im Mittel 11 °/ 00 (1 : 92), tut Höchstwerte 
14 1 / 2 % 0 (1:69) betragen. Gleisbögen sind sehr zahlreich, ihr kleinster Halbmesser 
beträgt 35 m. 
Ursprünglich für den Schiefertransport der zahlreichen um Dinas gelegenen Schieferbrüche 
bestimmt, die durch Bremsberge der Neigung 200 ü /oo (1:5) bis 1300 u / 00 (1: 3 / 4 ) mit der 
Bahn in Verbindung stehen, wurde bis zum Anfange der sechziger Jahre der Betrieb durch 
Pferde bewirkt. Dieselben zogen die Wagen ins Gebirge hinauf und wurden mit den infolge 
der Schwerkraft thalwärts gehenden Lastzügen wieder abwärts befördert. Auch jetzt noch 
werden die beladenen Schiefcrwagen, zu langen Zügen zusammengestellt, unter Begleitung 
einiger Bremser lediglich durch ihre Schwerkraft zu Thal gesandt. 
Die Pferde wurden 1863 durch Lokomotiven abgelöst, was seiner Zeit wegen der außer 
ordentlich kleinen Spurweite dieser Bahn großes Aufsehen erregte, das noch gesteigert wurde, 
als sechs Jahre später die langgebautcn Fairlie-Lokomotiven eingeführt wurden? Die erste 
derselben führte auch den bezeichnenden Namen „Little Wonder“ (vergl. Abb. 219 im Ab 
schnitt „Lokomotiven"). 
Das Bähnchen erfreut sich eines großen Verkehres, beförderte es doch bereits im 
Jahre 1869 nicht weniger als 97 000 Reisende, welche Zahl jetzt auf rund 140 000 an 
gewachsen ist, daneben werden jährlich etwa 115 Millionen kg Güter, meistens Schiefer, aber 
auch Kohlen, Holz u. s. w., befördert. Sonntags ruht der Betrieb. 
Eigenartig sind die kleinen 3 m langen älteren Personenwagen, die oberhalb des Fuß 
bodens nur aus Dach und zwei Stirnwänden mit zwei Längssitzen in der Mitte bestehen 
und an den Seiten durch einen Lederschurz abgeschlossen werden. Sie fassen zwölf Personen. 
Ihr Fußboden liegt 20 cm über den Schienen, daher eigentliche Bahnsteige auf den Stationen 
fehlen. Die Schieferwagen sind rohe Holzkarren ohne Federung, von ihnen stehen etwa 
1100 Stück in Benutzung Abb. 57 zeigt eine Station dieser Bahn mit zwei zur Abfahrt 
bereitstehcnden Zügen. Sie scheinen für Zwerge gebaut zu fein, bieten jedoch dem Reisenden 
in den neueren Wagen erster Klasse volle Bequemlichkeit. 
Die Bauart der ganzen Bahnanlage mit ihren Dämmen, Tunneln, Einschnitten und ihr 
Betrieb sind höchst eigenartig durchgeführt. Die laudschaftliche Umrahmung ist höchst malerisch, 
und eine Fahrt auf dieser Linie, zumal auf der Lokomotive, offenbart die ganze Wildheit der 
schluchtenreichen Gebirgswelt von Wales.
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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