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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

21 
Deutschland im Mittelalter. Ter Hansabund. 
halten, den mit ihnen im Verkehr Stehenden bereiteten, eine empfindliche Einbuße. Nach 
dem Aufhören der Kreuzzüge nahm die Schiffahrt der Venezianer, Pisaner, Lombarden 
und Florentiner nach den außerhalb der Meerenge von Gibraltar belegenen europäischen 
Küstenländern, insbesondere nach Brügge, Antwerpen und England, einen großen Auf 
schwung. Gegen morgenländische Kostbarkeiten wurden flandrische Tuche und britische 
Wolle eingetauscht. 
England war um diese Zeit und bis zum Schluffe des 15. Jahrhunderts ein armes 
Land, in dem die Üppigkeit Flanderns und Italiens vollständig unbekannt war. Die Gesamt 
ausfuhr Englands belief sich im Jahre 1355 auf 294 185 Pfd. Sterl., der Wert der 
Einfuhr betrug 38 970 Pfd. Sterl. Von Interesse ist der aus dem Jahre 1398 stammende 
Bericht eines katatonischen Ritters über Irland, da er zeigt, wie es damals noch in einem 
Teile des späteren Großbritanniens aussah. 
Dieser Bericht lautet folgendermaßen: „Große Herren tragen in Irland einen ungefütterten 
Rock, der oben weit wie ein Frauenkleid ausgeschnitten ist, darüber haben sie eine enge Kapuze, 
welche bis zum Gürtel herabfällt. Von Schuhen, Strümpfen, Hosen wissen sie nichts. Den 
nackten Fersen werden die Sporen angeheftet, und ich habe in dergleichen Aufzug am Weihnachts 
feste den König, die Geistlichen und Ritter, Bischöfe, Äbte und Barone gesehen. Der gemeine 
Mann kleidet sich nach eines jedweden Vermögen. Die Ansehnlichsten werfen wollene Mäntel 
um, zeigen aber darunter alle Teile bloß, so Frauen.,wie Männer. Arme Leute gehen nackend. 
Der Mantel, wie schlecht er auch sein mag, wird als Überwurf gebraucht. Nach derselben Mode 
waren die Damen, die Königin, ihre Tochter und ihre Schwester, gekleidet, nur daß ein Gürtel 
den Anzug vervollständigte. Sogar nicht eine von den zwanzig Hoffräulein der Königin trug 
Schuhe an den Füßen, und sie ließen alles, was sie hatten, so unbefangen sehen als das 
Gesicht. Am Hauptsest hielt der König großen Hof; statt eines Tisches dienten ihm Binsen, 
auf den Boden ausgestreut. Als eine Auszeichnung hatte er neben sich ein Bündel zarteres 
Heu, um sich damit den Mund abzuwischen. Das Fleisch wurde ihm auf Stöcken, zu einer 
Tragbahre eingerichtet, dargebracht. Gott weiß, wie die aufwartenden Pagen gekleidet waren." 
Aber auch in anderen Ländern waren die gesellschaftlichen Verhältnisse noch sehr 
unentwickelt. Professor Roger hat über diesen interessanten Gegenstand auf Grundlage 
von neueren Quellen Aufschlüsse gegeben, wonach das Leben an zahlreichen adeligen 
Herrschaftssitzen mit so vielen Entbehrungen verknüpft war, daß heute ein Fabrikarbeiter 
mehr Bequemlichkeiten und eine bessere Nahrung genießt als früher die reichen Grund 
eigentümer des Landes. Damals bildeten eine Tafel, die über einen Bock gelegt wurde, 
wenn man sie als Tisch gebrauchen wollte, Bänke mit Stroh ausgestopft, einige Stühle 
und kupferne Kessel zum Sieden, sowie etliche hölzerne Schüsseln und Teller, ein eiserner 
Leuchter, ein paar Küchenmesser, ein Salzfaß und ein metallenes Becken den gesamten 
Hausrat. 
Wie das Vorstehende hat erkennen lassen, waren die allgemeinen Verhältnisse gegen 
Ende des Mittelalters der Entwickelung des Handels und Verkehrs in Deutschland sehr 
günstig. Leider muß auf die Frage, was von Seiten des Staates für die Förderung des 
Handels in Deutschland im Mittelalter geschah, geantwortet werden, daß sich die staatliche 
Macht im allgemeinen nur dann des Handels anzunehmen pflegte, wenn sich derselbe 
als Finanzquelle günstig ausnutzen ließ. Die einzige Begünstigung bestand in der Er 
teilung von Privilegien und Freibriefen mannigfacher Art, sowie in der Errichtung von 
Kaufhäusern, Lagerhäusern, Krauanlagen u. s. w. Die Kräne zu Worms, Oppenheim, 
Mainz und Bingen sind sehr alt. Manche staatliche Einrichtungen trugen wenigstens 
zur Belebung des Verkehrs bei, so die Reichsversammlungen. Auch die Kirchenversamm 
lungen, die Volksfeste, Turniere, Ringstechen und die Märkte und Messen brachten viele 
Menschen in Bewegung. Einen sehr lebhaften Personenverkehr verursachten auf dem 
Rhein vom 14. bis zum 17. Jahrhundert die zahlreichen Wallfahrer, welche vorzugsweise 
gern die Wasserstraßen benutzten. Köln, Trier, Äacheu, sowie auch verschiedene Orte 
im Elsaß und Einsiedeln in der Schweiz waren sehr aufgesuchte Stätten. Für die Pilger 
waren ursprünglich besondere Fahrten, die sogenannten „Bruderfahrten" eingerichtet. Die 
Zahl der in Einsiedeln jährlich eingetroffenen Wallfahrer soll 150000 betragen haben, 
von welchen die größere Hälfte aus dem Norden gekommen und auf der Heimreise den 
Rhein hinunter gefahren sein dürfte.
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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