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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

Hauptverkehrsstraßen im Mittelalter. Der Seeweg nach Indien. Die Entdeckung Amerikas. 27 
Soldaja durch die Venezianer emporgebracht. Im Südwesten Rußlands entwickelte sich 
Kiew, das aus einem Fährhause erwuchs, zu einem bedeutenden Handelspunkte. Am 
oberen Dnjepr erlangte Smolensk besondere Bedeutung. Der Transport zwischen vor 
stehend genannten Orten wurde auf weiten Strecken unter Benutzung der Wasserwege 
zurückgelegt. 
Die Entdeckung des Kaps der guten Hoffnung und die Erschließung eines neuen 
Seewegs nach Indien gab der alten schon im Niedergang begriffenen Herrlichkeit 
Venedigs einen sehr empfindlichen Stoß. Hatte sich auch 'in einzelnen der an der atlan 
tischen Küste belegenen Städte bereits ein ausgedehnter Handel und eine nicht ganz 
unbedeutende Schiffahrt entwickelt, so konnten diese Orte doch keinerlei Vergleich mit der 
Handelsbedeutung verschiedener italienischer Städte, namentlich also nicht mit Venedig 
aushalten. Die unaufhörlichen, aus gegenseitiger Eifersucht entsprungenen Kämpfe 
Venedigs und Genuas hatten für beide die nachteiligsten Folgen, welche auch für das 
übrige Europa nicht ohne Einfluß blieben. Statt mit vereinten Kräften das Vordringen 
der Osmanli zu verhindern, lähmten sich die beiden Republiken in ihrem blinden Eifer, 
sich zu schaden. Bereits 1350 faßten die Türken festen Fuß auf europäischem Boden, 
aber selbst als von dem griechischen Reich nur noch die Hauptstadt bestand und der 
italienische Handel auf dem Schwarzen Meer eine außerordentliche Einschränkung erlitten 
hatte, glaubte Genua noch seinen Vorteil dabei finden zu können, wenn es die Türken 
in der Eroberung Konstantinopels unterstützte. Nach der Besitznahme von Konstantinopel 
breiteten die Türken ihre Herrschaft in dem Gebiet des einstigen byzantinischen Reiches 
immer weiter aus, auch die von den verschiedenen italienischen Städten besetzten Inseln 
des Ägäischen Meeres fielen nur allzubald in die Hände der Osmanen. Der adriatischen 
Republik blieb schließlich nur der Handel nach Ägypten übrig. 
Das Vordringen der Türken hatte die außerordentliche Folge, daß der Welthandel 
mit Indien in empfindlichster Weise gestört wurde. Es kam hinzu, daß etwa um dieselbe 
Zeit die Tataren die alten russisch-indischen Wege versperrten. Von selbst mußte sich 
die Frage aufdrängen, ob kein anderer Weg als über die Levante oder durch Mittelasien 
nach Indien erschlossen werden könnte. Den Portugiesen war es beschieden, diese große 
geographische Aufgabe glücklich ihrer Lösung entgegenzuführen. Portugal hatte bisher von 
seiner günstigen Lage am Meer wenig Vorteil gehabt und im Weltverkehr eine nur sehr 
untergeordnete Rolle gespielt. Weder mit der wichtigen Hansa noch mit den Handels 
städten des Mittelmeers hatten die Portugiesen bis dahin in Wettbewerb zu treten ver 
mocht. Streng achteten die Venezianer darauf, daß die von ihnen nach den Niederlanden 
ausgeführten Waren nicht auf den Zwischenmarkt in Lissabon gebracht wurden. Mit 
einem Schlag änderten sich die Verhältnisse, als Vasco de Gama im Jahre 1497 das 
Streben nach einem neuen Weg nach Indien durch die Umschiffung Afrikas glücklich 
erfüllte. Lissabon trat als Handelsplatz immer mehr in den Vordergrund. 
Die Entdeckung Amerikas (1492) hatte in Vevbindung mit der 5 Jahre später 
eingetretenen Landung der ersten portugiesischen Flotte (unter Vasco de Gama) in Kalikuta 
eine weitreichende Umwälzung auf dem Gebiete des Verkehrs, des Handels wie über 
haupt in den Weltverhältuissen im Gefolge. Mit dem Hinzutreten der Neuen Welt und 
der hierdurch eintretenden Befahrung der gesamten Erde mußte der Welthandel im 
alten Sinne, d. h. die Verkehrsvermittelung zwischen den beiden äußersten Enden des 
bis dahin bekannt gewesenen Länderkreises sein Ende erreichen. Zu den von den neuen 
Verhältnissen in sehr günstiger Weise betroffenen Ländern gehörten neben Portugal und 
Spanien namentlich die Niederlande und England. 
Jahrhunderte hindurch war die Nordsee von weit geringerer Bedeutung für den 
Seeverkehr als das baltische Meer gewesen. Noch im 15. Jahrhundert soll beispielsweise 
die Bürgerschaft Londons nur 4 Seeschiffe besessen haben, deren Tragfähigkeit 120 t 
erreichte. Hatte Flandern, sehr zu dem Mißvergnügen der italienischen Seestädte, bereits 
früher begonnen mit Lissabon in direkte Handelsbeziehungen zu treten, so nahm dieser 
Handel nunmehr einen größeren Umfang an. Als die Portugiesen sich zum Herrn der 
gesamten indischen Meere gemacht hatten — in ihren Händen befand sich Goa, Ormns, 
4*
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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