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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

28 Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens. 
der Haupthafenplatz am Persischen Meerbusen, die Insel Socotcra am Eingang des Roten 
Meeres — war den Venezianern die Warenzufuhr abgeschnitten, und auch sie wurden 
auf den Markt von Lissabon angewiesen. 
Da auch die Mameluken in Ägypten die Schmälerung ihrer Einnahme stark ver 
spürten, so ward es den Venezianern nicht schwer, die Herrscher von Ägypten, Jemen, 
Arabien und Guzerate zu einem Kriegszuge in den indischen Gewässern gegen die Portu 
giesen zu bewegen. Das Unternehmen war jedoch nicht von dem gewünschten Erfolg 
gekrönt. Mit dem Einzug der Türken unter Selim in Kairo und dem Ende der Mame 
lukenherrschaft am Nil erreichte auch der Zwischenhandel am Nildelta sein Ende. Das 
stolze Venedig sank immer tiefer, und das Mittelmeer verödete mit seinem Niedergang 
immer stärker, wogegen der Schiffsverkehr im Atlantischen Ozean, nicht am wenigsten 
durch die Entdeckung Amerikas eine ständig wachsende Bedeutung gewann. Die immensen 
Vorteile, welche die Auffindung des Seewegs nach Ostindien für die Portugiesen im 
Gefolge hatte, traten nicht in gleicher Weise sofort für die Spanier durch die Ent 
deckung Amerikas hervor. Die Bevölkerung des neu entdeckten Erdteils stand ans einer 
weit niedrigeren Stufe der Kultur als die Bewohner Ostindiens. Weder die Bebauung 
und die Ausbeutung des Bodens, noch die industriellen Fertigkeiten der Bewohner ließen 
den Vergleich mit jenem Lande zu. Das Trachten der Spanier ging, nachdem die ersten 
Entdecker als Frucht ihrer Abenteuer Goldkörner mit nach Hause gebracht hatten, in 
immer stärkerem Grade auf die Gewinnung der edlen Metalle, Gold und Silber. Die 
Gier nach Edelmetallen überwucherte alle anderen Bestrebungen, und von ihr wurden 
alle ergriffen, die in spanische Dienste traten. Aber, wie so vielfach im Leben, so auch 
hier, der ungeheuere und unerwartete Reichtum erwies sich als eine verhängnisvolle Gabe. 
Nicht länger als ein Jahrhundert dauerte die Periode des Glanzes und der Macht, in 
welcher Spaniens Handelsbeziehungen diejenigen aller anderen Länder an Wichtigkeit und 
Bedeutung übertrafen. Unter der schimmernden Hülle verödete das Land, verfiel seine In 
dustrie, ging der Ackerbau zu Grunde, verbarg sich die Armut und das Elend des Volkes. 
Während sowohl Spanien als das seit 1580 mit der spanischen Krone vereinte 
Portugal sich nicht lange ihrer Handelsherrlichkeit erfreuten, wußten die Niederländer 
und Engländer sich die veränderten Verhältnisse dauernder zu nutze zu machen. Durch 
den regen Verkehr mit den Portugiesen bildeten sich die Häfen der Niederlande: Brügge, 
Gent, Antwerpen zu bedeutenden Stapelorten aus, nach denen die spanischen und 
portugiesischen Schiffe die Waren aus Indien und dem südlichen Europa und die Ostsee 
fahrer die Waren aus Rußland und den nördlichen Ländern brachten, und nach welchen 
Orten die kostbaren Weine des Rheins und der Mosel, sowie das Holz der deutschen 
Hochwälder geschafft wurden. Antwerpen wurde unter Karl dem Fünften die erste 
Handelsstadt der Welt. Im ersten Jahrhundert scheint hier schon ein Anladeplatz gewesen 
zu sein, am Ende des 10. Jahrhunderts wurde eine Burg errichtet, aber erst mit dem 
13. Jahrhundert nahm Antwerpen den Charakter als wirkliche Stadt an, die infolge der 
günstigen Wasserverhältnisse der Schelde immer mehr aufblühte. Bis zum Ende des 
15. Jahrhunderts verdankten die niederländischen Städte ihren aufblühenden Zustand 
jedoch nicht der merkantilen Rührigkeit sondern der Industrie. 
Bis über die Mitte des Mittelalters hinaus waren Städte, die durch eine kurze 
künstliche Wasserstraße mit dem Meere in Verbindung standen, Plätzen gegenüber, welche 
direkt am Meere oder an buchtenartigen Erweiterungen von Flüssen lagen, keineswegs 
im Nachteil. Die Seeschiffe dieser Zeit besaßen verhältnismäßig unbedeutende Dimen 
sionen, und deren geringer Tiefgang bedingte daher nicht den enormen Arbeitsaufwand, 
wie solcher bei gleicher Lage heute erforderlich ist, gehört doch jetzt die Herstellung der 
großen Seekanäle mit zu den bedeutendsten technischen Leistungen. Die Zeit selbst war in 
dieser Periode auch noch nicht ein so kostbares Gut wie gegenwärtig, und man erblickte 
in einer Verlängerung der Fahrzeit und in der Vornahme von Umladungen auf dem 
Transport nicht einen so großen Nachteil wie wir heutzutage. 
Durch die Kriege mit den Spaniern (unter Philipp II) sank die Größe und Handels 
blüte Antwerpens dahin, und an die Stelle dieser Stadt trat die Hauptstadt der jungen
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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